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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 5
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Drittes Kapitel.

Morgens darauf kam ein Ackermann zu Thorstein, und meldete ihm:

»Da ist in der Nacht ein Schiff eingelaufen in die Stromesmündung, welche wir Gutfarth heißen. Von Ostland her, kommt es, wie sie sagen, und der Nachtsturm hat ihm übel mitgespielt, so daß die Leute wohl hier werden überwintern müssen.«

»Was sind es für Leute?« fragte Thorstein, und der Ackermann antwortete: »Kaufleute.« Weil er aber nichts mehr von ihnen zu sagen wußte, ging er seinen Geschäften nach, und Thorstein ließ sich ein Pferd satteln, um selbst nachzusehen, was sich da eigentlich zugetragen habe, und zu hören, was die Fremden etwa Neues mitgebracht hätten. Menschen, welche auf sehr abgelegenen Eilanden wohnen, hören wohl Alle vorzüglich gern gelegentlich etwas 25 Neues, und die Saga's melden, das hätten die Isländer absonderlich an der Art. Freylich gehören sie auch mit zu den abgelegensten Inselmännern in der Welt. Auch war es bey ihnen ein Recht für die Vornehmsten, daß sie mit den Fremden zuerst verkehren durften: theils, damit die Ankömmlinge nicht durch ungestümen Überlauf belästigt würden, und auch falls sie Kaufleute wären, nicht etwan Unerfahrnen ihr Gut im übertheuernden Handel schmälerten, weßhalb man denn gleich wegen der Preise einig ward. Theils aber auch sollten die Reisenden bey schneller Abfahrt die Ehrbarsten des Eilandes im Angedenken behalten, und in der Fremde lauter Gutes zur Ehre von Island erzählen. Jedermann setzt gern den besten Fuß vor! sagt ein altes Sprichwort, und unsere alten isländischen Stammesgenossen haben es recht wohl gekannt.

Wie nun dem Thorstein das Pferd herausgeführt wurde, sagte er zu Frau Jofridur, die mit den Kindern vor die Thüre trat, ihn aufsitzen und wegreiten zu sehen – das pflegt so immer in fröhlichen Haushaltungen eine hübsche Sitte zu seyn, wenn der Hausvater in den Sattel steigt; »Jofridur,« sagte er, »nun sind 26 ja die Fremden vermuthlich wohl dennoch angekommen, welche der Traum seit einigen Nächten mir angemeldet hat. Richte nur ja auf's Neue recht wacker und reichlich zu!«

Frau Jofridur nickte höflich bejahend mit dem Kopfe, daß Kinder und Hausgesinde daraus entnehmen konnten, sie seye ihrem lieben Ehegemahle pflichtschuldig gehorsam. Aber wie der Ehemann ihr in's Gesicht sah, merkte er, es spielte um die wunderschönen Lippen ein Lächeln, das etwa bedeuten mochte: »Du guter Freund, mit Deinen Träumen! Ich richte wohl immer wieder die Speisen an, so lange Du es haben willst. Denn Haus und Hof ist ja Dein eigen. Aber Deine Träume sind wohl heute nicht klüger, als gestern, und treffen gar nicht mehr ein.« –

Und fast hätte der Thorstein laut auflachen müssen vor dem seltsam listigen Ausdruck in dem Angesichte seiner schönen Frau. Weil sich aber für einen Hausherrn das hierbey nicht schicken wollte, schwang er sich rasch in den Sattel, rief noch einmahl zurück: »Auf recht viele und edle Gäste richtet Euch!« und sprengte fröhlich von hinnen. 27

 


 

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