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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 42
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Eilftes Kapitel.

Als nun Gunlaugur vor dem Könige Ethelred stand, sich und seinem Gegner Vergunst für den beschlossenen Kampf zu erwerben, nickte der Fürst einigemahl nachdenklich bejahend mit dem Kopfe, und hatte nun eigentlich schon in Alles gewilligt. Denn nie, auch nur das leiseste Zeichen seiner Gewährung, hatte er in seinem ganzen schönen Herrscherleben je zurückgenommen. Endlich sprach er laut und vernehmlich: »Es mag das Wesen seinen Lauf nehmen, wie es ihn anfing. Frau Ehre schifft nun einmahl auf dem Strom dieser wilden Geschichten. Wer könnte ihn gewaltsam hemmen, ohne die zarte Gestalt dabey zu gefährden! Es gilt. Über drey Nächte geb' ich den zwey Kämpfern freyes Feld auf meinem Burgplatz hier, und zwar in der frühesten Morgensonne Lichtern. Geh' Einer hin, und sag' es 81 dem Thorgrimur an.« Zugleich aber auch winkte er den übrigen Mannen, die in der Halle ihn umstanden, daß sie ihn verließen, und nur den Gunlaugur hielt er vertraulich und in tiefer Bewegung an der Hand bey sich zurück.

Als sie nun allein miteinander waren, sagte der König leise:

»Schade wär' es für die Welt, und für mich ein wohl immerfort nagender Schmerz, wenn Du mir so früh in den jungen Lichtern des anberaumten Tages untergehen solltest, Du selbst ein jugendliches, vielverheissendes Morgenlicht!«

»Es sind schon viele edle junge Helden in ihrer Jugendblüthe gefallen, o mein gütiger Herr König!« erwiederte Gunlaugur, auf eine so anmuthig milde Weise bewegt, als man es wohl selten an ihm zu schauen gewohnt war. Schöne, doch schroffe Felsen mögen etwan im strahlenden Morgenglanze so aussehen, wo sie sich in klar vorüberrauschenden mächtigen Strömen spiegeln. Der König faßte des Jünglings Rechte nun mit seinen beyden Händen, als wolle er ihn sich auf alle Weise festhalten, und sagte dazu: »Trotze Du nur dem heranziehenden Donnergewölk. Es ist Deines Gleichen Art so, und ich kann und will nichts dawider haben. Nur 82 das Eine wisse und nimm es Dir zu Herzen: der böse Thorgrimur kämpft nicht nur mit der Waffen Gewalt. Auch Hexen- und Koboldskünste führt er dazu in seinem Geleit. Jeglichen Schwertes Schneide, darauf er seine häßlichen Wolfsblicke heften kann, stumpft er durch einen ihm inwohnenden abscheulichen Zauber. Dann beut er seine Glieder gegen die machtlos gewordne Waffe seines Feindes keck und höhnisch dar, weil er weiß, es gilt nur den Schlag eines geknickten Halmes oder den Stoß einer gedorrten Binse. Und dann haut Thorgrimur nach, und sein Gegner liegt gespaltnen Hauptes am Boden.«

»Das ist freylich ein schlimmes Ding, Herr König!« sagte Gunlaugur nachdenklich. »Und Schade wär' es, wenn mein frisches Leben just vor so tollen Hexenstücken schon so sehr früh zu Grunde ginge. Wißt Ihr also ein hübsches Mittel dagegen, so sagt mir's nur in Gottes Nahmen an.« Da ging König Ethelred nach der Hallenwand, von wo viel köstliche Waffen herniederhingen, nahm ein herrliches Schwert, und sprach, indem er es dem Isländer gab:

»Das schenk' ich Dir, mein lieber Jüngling. Das gürte Du Dir unter Deinen Waffenrock, so daß er es mit seiner weiten, blankverzierten 83 Pracht, wie wir Englandsmannen das bey feyerlichen Todes- und Siegeskämpfen zu tragen pflegen, überhülle. Das Schwert aber, welches Du jetzt an der Seite führest, trage gezückt in Deiner Hand. Begehret nun, wie ich nicht zweifle, Thorgrimur es vor dem Gefechte zu beschauen, so gib es nur geruhig in seine schlimme Hand. Dann aber, wann die Kampfeshörner zum Angriff blasen, schleudre es von Dir, und zücke dieses Schwert, welches Du jetzt von Königshand empfängest. Dann sind die Parthen gleich, und kein Zauber mehr darf Deine gute Klinge stumpfen zum Siegesschlage für Dein gutes Recht!«

Da dankte Gunlaugur dem guten Könige tiefbewegt, wohl wie ein Sohn dem Vater für eine schöne Gabe dankt; ja, inniger gerührt noch gar. Denn in der lieben Heimath und von den lieben Ältern empfängt man ja der schönen und guten Gaben so viele, daß man sich etwas allzusehr daran gewöhnt. Ach, aber unter fremden Leuten, gar selten kommt dergleichen vor! Und seltner noch kommt es aus solch einem Herzen, wie das, womit jetzt der Englandskönig dem Gunlaugur seine schöne Klinge gab! 84

 


 

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