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Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden

Friedrich de la Motte Fouqué: Die Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden - Kapitel 39
Quellenangabe
typelegend
booktitleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1826
firstpub1826
publisherAnton Pichler
addressLeipzig
titleDie Saga von dem Gunlaugur genannt Drachenzunge und Rafn dem Skalden
pages645
created20120417
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achtes Kapitel.

Für jetzt aber stand dem jungen Islandsgast noch weit eine andere Bekanntschaft auf dem Eilande Britannia bevor. Denn während er im ernstbewegten Sinnen über des Schiffmannes Verschwinden wieder vom Flussesufer abgelenkt war, und zwischen laubigen Hecken hintrabte, die den Weg von beyden Seiten beengten, ritten ihm unerwartet bey einer plötzlichen Wendung des Pfades drey grosse, wohlgewaffnete Männer auf mächtigen Rossen entgegen, und der Ansehnlichste unter ihnen sagte: »Halt!« Gunlaugur, haltend zwar, aber die Hand an's Schwert legend, fragend: »Warum Halt?« »Weil ich mit Dir zu reden habe,« sprach der Andere, und Gunlaugur antwortete: »Rede!« »Kennst Du mich nicht?« murrte Jener unwillig. »Wir haben 63 uns doch gestern zu Abend in des Königs Halle gesehen, und ich sollte meinen, wer mich Einmahl erblickt hat, vergäße mein im Leben nicht wieder. Ich heiße Thorgrimur.« Und im raschen Übermuth stieß er seinem Rosse dergestalt die Sporen in die Seiten, daß es einen gewaltigen Bogensatz that. Gunlaugur aber zwang sein unruhig werdendes Pferd mit Zaum und Schenkel in die ruhigste Stille, und sagte freundlich:

»O ja! jetzt erinnere ich mich. Und Ihr zeigtet ein etwas sehr wunderliches Betragen an des Königs Tisch; oder vielmehr, indem Ihr von des Königs Tische wegliefet. Das Weglaufen aber ist nie meine sonderliche Stärke gewesen, und selbst das unbeholfenste Knäblein könnte mir es leichtlich darin zuvorthun!«

»Wollt Ihr mich verhöhnen?« fragte Thorgrimur.

»Wollt Ihr Händel an mir suchen?« fragte Gunlaugur.

»Das gerade nicht!« entgegnete Thorgrimur, nach einigem Besinnen. »Und Ihr mögt wohl im Ganzen bis jetzt noch kein Unrecht gegen mich haben. Also – Friede zwischen uns! Und damit ich Dir ein ehrbares Vertrauen zeige – die Leute sagen, Du seyest reich an Gold und 64 Gut, und mir fehlt es jetzt an Beyden. Gib mir zehn Goldstücke, Nordmann.«

»Siehst Du das für einen Zins an?« fragte Gunlaugur. »Dann sollst Du auch keinen Heller haben.«

»Nordmann und also Landsmann,« erwiederte Jener, »Du sollst mir ja nur leihen, was ich Dir am Tage, den Du mir bestimmen magst, wieder zahlen will.«

Und Gunlaugur erwiederte freundlich: »Ey, Schmach wäre das ja für einen Nordmann, einem Landesgenossen dergleichen freundlichen Begehr zu verweigern, wenn man's ihm erfüllen kann, und glücklicherweise trag' ich gleich jetzt Gold im Gürtel bey mir. Da, nimm die zehn Stücke hin. Am Tage vor der nächsten Mondeswandlung zahlst Du sie mir wieder. Du hast noch über sieben Nächte Zeit bis dahin. Oder willst Du Dir selbst einen spätern Zahlungstag setzen? Mach' es nach Deinem Willen. Nordmannswort ist Goldeswerth.«

»Es ist schon gut so!« sagte Thorgrimur mit häßlich verzerrtem Gesichte, und nachdem er die Goldstücke ohne Bezeigung irgend einer Höflichkeit zu sich gesteckt hatte, sprengte er mit seinen Gefährten lautlachend von hinnen.

65 Gunlaugur aber sagte leise vor sich hin, während er gelassen fürder trabte:

»Ob das gut so für diesen Meister Thorgrimur ist, wird die Zeit lehren. Ich aber glaube, er hätte klüger gethan, sich anders aufzuführen.« 66

 


 

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