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Die Rumplhanni

Lena Christ: Die Rumplhanni - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Rumplhanni
authorLena Christ
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-10904-1
titleDie Rumplhanni
pages5-170
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1916
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Und der Schmied zieht langsam seinen ledernen Zugbeutel, entnimmt ihm zwei Taler, legt sie auf den Tisch und wickelt bedächtig die Schnur mit den Muscheln daran wieder um den Beutel. Dann sagt er: »Da ... i konn di net haltn. Da san sechs Mark. Weil i di guat leidn hab kinna. Laß dir's guat geh. Und ... balst wieder kimmst ... bist da. D' Arbat wart't scho auf di.« Der Gsell schiebt das Geld ein. Und sagt mit unsicherer Stimm: »Moasta, i dank dir und sag halt Geltsgood. I kimm scho wieder, bals sein will. Und wann net, ... na muaßt dir halt um an andern schaugn.« Und reicht ihm die Hand. »Alsdann. Jetz pfüat di halt Good.«

Tonlos dankt ihm der Schmied. »Pfüa Good aa. I konn di net aufhaltn.« Und er stützt die Ellenbogen auf den Tisch und hält den Kopf zwischen den Händen. Der Pauli wendet sich zum Wirt. »Alsdann, Ödnhuaber ... bleib gsund ...« Er streckt ihm die Hand hin, und der Wirt drückt und schüttelt sie. »Na wünsch ich dir halt Glück, Pauli! – Pfüat di der Himmi!«

Die Resl tritt mit verweinten Augen aus dem Haus und gibt dem Burschen ein kleins Packerl in die Hand. »Pauli ... leb wohl. Und sagn mir halt: aufs Wiedersehng ...« Sie drückt die Schürze ans Gesicht. Aber der Pauli lacht und sagt lustig: »Servus, Resl! Aufs Wiedersehng ... hast recht! Und jetz woan net! I schreib dir scho amal aus Paris ... oder aus Rußland. – Alsdann! Pfüate!« Damit reißt er sie schnell an sich und läuft alsdann eilig dahin, ins Schmiedhaus, indes die Resl langsam in die Gaststube geht.

Stumm sitzt der Schmied. Der Ödenhuber zieht seine Uhr, dann meint er: »Sakra! Glei simme! jetz durftn s' aber bald kemma! –« Und steht auf und geht mitten auf die Straße, zu schauen, ob er keinen sieht von den Buben.

Da fährt ein Leiterwagen vorbei, hoch aufgesetzt mit Weizen; und der Hauserbauer lenkt laut die beiden Ochsen: »Wühlöh, Alter! Ziag o! Hott eina!... Hoott!« Aber da er den Ödenhuber stehen sieht, fährt ihm eine jähe Röte ins Gesicht; er speizt giftig aus und plärrt den Sattelochsen an: »Hott eina, hab i gsagt, sag i! ... Was der wieder zum gaffa und zum spioniern hat, da drent!« Und der Wirt seinerseits hat kaum den Hauser ersehen, als er auch schon die Händ in die Hosensäck vergräbt, die Füß weitmächtig auseinanderspreizt und spöttisch vor sich hinsagt: »Dem geht's aber no dick ein, heunt, dem Hungerleider! Der legat aa liaber dreizehn Aufsetzn auf sei Kinderwagl auf, bals gang! – Bei dem möcht i amal Handochs sei!« In diesem Augenblick ruft eine gschnappige Weiberstimm vom Wagen herunter: »Was gaffst denn, Bamperlwirt? Schaug liaber, daß dir dei Essig net no saurer wird!« Worauf der Ödenhuber voller Wut murmelt: »Schnappen, elendige!« Und eilig ins Haus geht.

Die ihn aber zum Gehen gebracht, ist ein saubers, molligs Frauenzimmer mit festen Armen, feisten roten Backen und kohlschwarzen Haaren. Es ist die Rumplhanni, des Hausers Dirn.

 

Die Tenne des Hauserbauern von Öd ist sperrangelweit offen, und dem Hauser sein Sohn, der Simmerl, schiebt grad einen abgeleerten Leiterwagen zum hintern Tor hinaus und hinein in den Wagenschuppen. Danach schaut er hinüber gegen die Straße, ob der Alt noch nicht bald einfahrt mit dem letzten Fuder. Derweil biegen auch schon die Ochsen bei dem Gartenzaun des Ödenhubers ums Eck; der Hauser legt sich dem Sattelochsen fest in die Seite und zieht am Leitwayla, was er kann. »Wühlöh, Alter! Wühst umi! Wühst, sag i! Toifi, bollischer! Wühlöh! Gehst net ummi, moanst, Pandur, miserabiger!« Und vom Fuder herab schreit die Hanni, daß es drüben im Holz widerhallt: »Holliho! Ablaarn!«

Die Hauserin hat grad in der Speiskammer die frischgemolkene Milch mit einem Spritzer Weichbrunn gesegnet und in die Weidlinge zum Aufsetzen eingegossen, sich auch hie und da mit dem Handrücken oder dem Schürzenzipfel Augen und Nase abgewischt; denn sie weint, wie ihr Alter, der Lenz, sagt, Rotz und Wasser, weil ihr Simmerl heut zur Nacht noch dahin muß, in den Krieg. Jetzt wendet sie sich langsam um, daß sie mit ihrer Fülle und Breite nicht etwan hinter sich was hinabstoße, und nimmt den Rahm ab fürs Butterausrühren. Vorsichtig fährt sie mit dem feisten Zeigefinger um den Milchrand im Weidling, leckt ihn ab und streift dann mit dem flachen Holzlöffel behutsam die fette, säuerliche Rahmhaut in den Hafen auf dem Bänklein. Danach gießt sie die abgeblasene Milch in den Topfenkessel und seufzt: »Hach ja. Ins haßts halt. Mir ham halt koa Glück net ... Ja ja ...«

Und ihre alte Mutter, die Kollerin von Reigersberg, jetzt Austragmutter vom Hauserlenz, schiebt drüben in der kohlschwarzen Kuchel einen Büschel Reisig ins Ofenloch, entzündet einen dürren Span und hält ihn unter die Reiser, bis sie knistern und rauchen und brennen. Dann löscht sie den Span, legt ihn wieder hinters Ofenrohr zu den dürren Eierschalen und dem Sandriegel, schürt etliche Prügel nach und stellt hüstelnd und seufzend die große Messingpfanne mit dem Kaffeewasser auf den Herd. Dazu sagt sie halblaut immer wieder die Worte – »O mei Herrgott! – Der Kriag, dees Unglück! O mei Herrgott!«

Da scheppert der Rumplhanni ihr Ruf herein ins Haus: »Holliho! Ablaarn!« Und zur gleichen Zeit läuft der Hauserin ihre Jüngste, die Liesl, mit einem weißen Kopftuch auf und einem Endsrechen über der Achsel in den Hausflöz und schreit: »Muatta! Großmuatta! Da san ma! Dees letzte Fuada ham ma dahoam! Zum Ablaarn sollts kemma!« Worauf die Kollerin in die Speis ruft: »Rosina, schaug aufn Kaffee! I muaß zum Woazablaarn!« Dabei fährt sie aus den Lederpantoffeln, humpelt strumpfsöcklig über die Stiegen hinauf zum Söller, öffnet die niedere Tür zum Kriadaboden und läuft in den dunklen, mit neuem, starkduftendem Heu und Klee vollgefüllten Raum. Von da aus schreit sie hinab in die Tenne: »Simmerl! – Lenz! – Bin scho gricht't!«

Nun löst der Simmerl den Wiesbaum vom Fuder und sagt: »Hanni, geh, laß jetz mi auffe am Wagn; pressiern tuats. Um halbe neune muaß i geh!« Die Hanni kriegt eine weinerliche Stimm und erwidert: »So bald scho! Ha, daß d' denn heunt no furt muaßt?!« Und rutscht vom Fuder und läßt sich vom Simmerl auffangen, indes die Großmutter Kollerin brummelt: »Frag net so damisch, Lalln, dumme! Daß er heunt no furt muaß! Weil er halt muaß! Weils di nixen ogeht! Schaug liaber, daß d' auffa gehst zum Fassen!«

Derweil stellt der Simmerl eine Leiter an den Heuboden, zwickt die Hanni schnell in den Arm und schiebt sie lachend die Sprossen hinauf. Die Hanni kichert leise, packt den endslangen Burschen bei seinem rötlichen Haarschüppel und wirft ihm das Hütl ins Gesicht, ehe sie zur Alten hinaufsteigt. Diese aber hat das Kichern gehört und knurrt nun: »Möcht wissen, was 's da lang z'kudern und z'lacha gibt, du ausgschaamts Weibsbild du! Du brauchst mi gar net auszlacha, bal i eppas sag; daß d'es woaßt!« Worauf die Hanni schnippisch erwidert: »Und du brauchst mi gar nix z'hoaßn; daß d'es aa woaßt! Dir hab i no koa Weibsbild net abgebn, gell ja!« Damit steigt sie die Leiter hinauf und zum Kriadaboden. Die Alte murmelt noch was und kriecht dann in die »Obern« empor.

Und der Simmerl besteigt das Fuder, indes der Hauser drüben im Stall die Ochsen tränkt und füttert. Nun faßt der Simmerl Garbe um Garbe mit der Gabel und hebt sie leicht und locker hinüber zur Hanni, die sie ebenso locker abnimmt und der Kollerin hinaufreicht, die sie fürsichtig von der Gabel streift, damit kein Körnl Weiz unnütz verloren geht. Endlich ist die letzte Garbe untergebracht, und die Großmutter steigt wieder hinab in den Heuboden und hinunter ins Haus. Die Hanni steckt ihre Gabel tief in den Heuhaufen vor ihr und kommt die Leiter herab in die Tenne; der Simmerl schiebt den Wagen hinaus in den Hof und schließt das hintere Scheunentor. Dann kehrt die Hanni die ausgefallenen Körnl und Ähren zum vordern Tor hinaus für die Hennen, indem sie sagt: »Den oan Flügl konnst scho zuamacha, Simmerl.« Das tut er. Dann lehnt er sich an die Stalltür und schaut zu, wie die Körnl und Spelzen zur Tenne hinausfliegen. Mittendrin aber kommt's verhalten von seinen Lippen: »Hanni!« – »Simmerl?« – »Jetz san ma firti.« – »Ja.« – »Jetz hoaßt's geh.« – »Und mi laßt hänga!« – Sie lehnt den Besen ins Eck und räumt umständlich die Rechen und Gabeln zusammen.

»Hanni!« – »Was möchst?« – »I muaß di pfüatn ...« – »Und i steh da – im Dreck.« – »Was kann i dafür? – Was soll i denn macha!« – »Hättst mi net ogrührt ...« – »Bal ma oans gern hat ...« – »Aha. Zum Drokriagn!« – »I hab di net drokriagt « – »Aber unglückli gmacht!«

Der Simmerl lehnt langsam den zweiten Torflügel an, so daß es ganz dunkel wird in der Tenne. »Was? Unglückli? I? Di? Wia nachher?« Die Hanni fängt leise zu weinen an. »Ja wia nachher ... weil i dahäng ... am Kreiz! A so ...« – »Was sagst du?« – »Jawoi! Gwiß und wahrhaftig!« – »Vo mir? ...« – »Frag net so dumm! – Dees woaßt du guat selber!« – »I! Da bin i mir gar nixn ...« – »Aha. Möchst di weggaschraufa ...« – »Und i sag, es ko net sei ...« – »Dees sagt a jeder.« – »Da muaß scho a anderner ...«

Die Hanni fährt in die Höh: »Du! Mach mi net harbisch, sag i! Sinst geh i auf der Stell zu de Altn ...« – »Hanni!« – »Dees konnst dir nachher scho denka ...« – »Dees werst dir überlegn!« – »Da überleg i gar nixn! I red ganz oafach!« Der Simmerl tappt ihrer Stimme nach. »I sag ja nixn, Hanni. I bekenn mi ja...« – »Aha. Vor meiner. Aber vor dein Vatan ...« – »Bekümmert di net ...« Er sucht sie im Dunkel. »I mach's recht, Hanni. I bekenn alls.« – »Werd viel fürguat sein!« – »Der Alt muaß sorgn ...« – »Der werd a Freud habn!« – »Ja no ...« – Die Hanni drückt sich ausweichend in einen Winkel. »I muaß halt geh –«, sagt sie; »anorts hi, wo mi neamd kennt.« – »Zu was denn? I richt's ja.« – »Moanst, i laß mi oschaugn!« – »Koa Mensch schaugt di o!« – »Aha. Grad mitn Fingern deutn s' auf oan! Mir woaß's ja no – bei der Sixnkathl!« Der Simmerl tappt nach ihren Armen. »Dessell is aa grad der Besenbinderhausl gwen ...« – »Mhm! Du moanst, dei Geldsack stopft an Leutn 's Mäu zua! Da werst di aber stimma!« – »Geh, hör jetz auf...« – »Und mi machst aa net staad mit dein Geld ... daß d' es woaßt!« – Er umfaßt sie. »I bin ja net abgeneigt ...« Sie wehrt leise ab. »Zu was eppan?« – »Daß i di heirat ...« – »Dees sagt a jeder ...« – »Wann i dir's für gwiß hoaß!« – »Ja ja. Jetz, im Krieg, da is leicht, epps versprecha ...« – »Auf Ehr und Seligkeit, Hanni ...« – »Dees muaß si erscht weisen.« »I gib dir's schriftli!« Er zieht sie ganz ins Dunkel. »Heunt no kriagst es schriftli ...« – »Und de Altn? ...« – »Dees is mir gleich. Die müaßn staad sei ... und du aa ...« Er schließt und verriegelt den Torflügel. –

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