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Die Rumplhanni

Lena Christ: Die Rumplhanni - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Rumplhanni
authorLena Christ
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-10904-1
titleDie Rumplhanni
pages5-170
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1916
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Der Hauser sitzt immer noch auf seinem Bett. Er soll die Dirn jetzt ausjagen! Er soll ihr Grobheiten machen – wegen des Fensterlns! Er! Eine Hitz um die ander steigt ihm auf. Aber er sagt doch mit großer Ruhe und Gleichgültigkeit: »Was geht denn mi dees Weibsbild o! Machts do enka Sach selber aus miteinand! I misch mi do in koane Weiberleut net ei!« – »So! In Stich lassen willst mi! Gegen so a Schlamperl! Mi, d' Hauserin vo Öd!« – »Ös werds do selber aa firti werdn damit! – Seids do sunst net a so aufs Maul gfalln, du und dei Alte!« Er wundert sich selber über seine Ruhe. Aber – es muß doch nicht gar so schlecht stehen um ihn; die Kollerin hat ihn noch nicht in der Nase als den Hallodri. Da waar ja i dappig, wann i mi einmischen wollt und die ander gegen mi aufhetzen! denkt er. Und er sagt noch mal zu seiner Hauserin: »Dees muaßt do selber sagn, daß dees koa Mannsbilderarbeit is! Balst moanst, na schmeißt es außi, aber was d' darnach einakriagst, dees woaßt halt aa no net!« – »So oane kaaf i mir heunt no am Markt!« sagt sie verächtlich; »und überhaupts hab i 's gar net im Sinn, no amal a so a Schloapfa z' dinga. Deswegn gschieht mei Arbat grad so guat, ob i jetz a so a Weibsbild da hab oder net!« – »Ja no«, meint der Hauser, indem er sich zum Gehen anschickt; »dees muaßt selber wissen. Zwegn meiner konnst oane habn oder koane. Mei Arbat tuat mir alleweil neamd. – Und jetz geh i zum Gras maahn. D' Küah plärrn.« Und indem er innerlich von Herzen froh ist, daß er sich so gut aus der Geschichte herausgewunden hat, tritt er aus der Kammer und sagt im Hinabgehen sehr laut zurück: »Is der Stall scho gräumt? San d' Küah scho gmolcha? Is 's Viech scho gfuatert? A Gsott (Häcksel) muaß aa gschnittn werdn! Und Runkelrüabn müaßts auszian, und Erdäpfel klaubn!«

Die Hauserin läßt ihn reden. Sie ist noch nicht eins mit sich: Soll sie das Weibsbild ohne ein weiteres Wort hinauswerfen, oder soll sie ihr noch ordentlich die Meinung hinsagen? – Die Kollerin indessen hat kaum die Befehle ihres Tochtermannes gehört, als sie auch schon knerrt: »Ja, schaff nur schee o! Dees konnst! Aber so an Besen richti ranschiern, dees konnst net! Da laafst davo! Werst scho wissen, warum. Werst scho aa net ganz sauber sein! Bist ja so a ganz a guater! Um sechse fangt er's Arbatn o! Um sechse! Wann andere scho lang müad san!«

Ihre Tochter, die Hauserin, hat gut gehört, was ihre Mutter eben sagte; und mittendrin fällt ihr der Geldbeutel ihres Lenz ein. Daher fragt sie ganz unvermittelt: »Muatta, woaßt du aa eahm sein Geldbeutl net? Sein Geldbeutl hat er nimmer!« Die Kollerin vergißt über dieser Frage einen Augenblick die arme Sünderin in der Kammer drin. Was die Hanni, welche alles mit angehört hat, dazu benutzt, ganze leise den Türriegel zurückzuschieben, den Geldbeutel des Hausers ins Mieder zu stecken und eilends durchs Fenster hinaus auf die Leiter zu steigen.

Im selben Augenblick tritt unten der Bauer aus der hinteren Haustür, sieht die Leiter und darauf die Hanni. Er läßt vor Schreck schier die Sense fallen. »Hanni!« fährt's ihm halblaut heraus. Aber die Dirn winkt ihm zu, still zu sein, steigt lautlos zu ihm hinab und flüstert: »Schnell weg damit! Dein Geldbeutel leg i dir in d' Schupfn, daß d' net Schläg kriagst von der Alten! Die hat so grad gsagt, daß d' a ganz a guater bist, und daß 's net sauber is – no ja, woaßt scho, was!« Sie lacht leise. »Mei, vo mir werd s' nix Neus inne!« sagt sie schmunzelnd; »dafür möcht i bald von dir was inne werdn! Woaßt aa scho, zweng was, gell?« – Dem Hauser wird auf einmal wieder leicht und wohl. »Siechst!« sagt er, »du gfreust mi! – Du bist a richtigs Leut! Aber laß dir nur Zeit: i mach mei Sach scho recht!« Damit trägt er die Leiter hinter den Stadl, indes die Hanni in die Holzschupfe läuft, den Geldbeutel des Hausers neben dem Hackstock auf die Erde wirft und danach ruhig in den Stall geht zum Melken. –

Unterdessen hat droben die Junge der Alten lang und breit erzählt, wie ihr Lenz den Geldbeutel samt der Münz nicht mehr heimbrachte, wie er nicht zum erwecken war, und was sie über ihn dächte. Und die Kollerin steht dabei wie ein alter Lämmergeier, streckt den Hals, dämpft die Stimm und flüstert: »Daß 's net sein kunnt! Daß s'n net verhext habn kunnt, an Lenzen! Mei Liabe, die macht dir no allerhand z' schaffa, balst es net aus 'm Haus tuast.« Wohl mag's die Hauserin nicht recht glauben, das von ihrem Lenz; aber die Alte macht's so wichtig und überzeugend, daß schließlich auch der Glaube ihrer Tochter wankend wird und der Zweifel an der treuen Ehelieb ihres Lenz in die Höh kommt. »Ja ja; – mei, daß 's net sein kunnt!« sagt sie nachdenklich. Und sie seufzt. Aber dann wird ihre Stimme entschlossen und fest, als sie sagt: »Drum muaß s' aus 'm Haus. Glei. Auf der Stell.« Damit hat sie auch schon mit der Faust an die Tür geschlagen und ruft nun hinein: »Ja, willst jetz du aufmacha oder net, du Herrgottsakramonter! Willst ins guatwilli einelassen, moanst, he!« Und sie packt die Klinke; die Kollerin lehnt mit ihrem Kehrbesen fest an der Tür und pumpert mit Füßen und Fäusten; die Hauserin reißt in aufflackernder Wut wild an dem Türgriff, und dann liegen sie beide, sich überkugelnd, in der leeren Kammer.

Die Hauserin ist die erste, welche sich faßt und erhebt. »Die is ja gar net da!« ruft sie; »die hat ins ja grad für an Narrn ghalten!« Die Kollerin rafft sich mühsam an ihrem Besen zur Höhe. Und auch sie muß sehen, daß die Hanni dahin ist samt der Leiter. Bei dieser Erkenntnis steigt ihr Zorn schier ins Ungemessene. »Was?! Furt is die Karnalje!« kreischt sie; »beim Fenster is s' auße, das Gfriß! Ja, die soll doch glei ...« – »Auf der Stell der Teife holn!« ergänzt die Hauserin und geht voller Gift und Galle hinab, die Dirn zu suchen und ihr den Laufpaß zu geben, indes die Kollerin droben knerrend am Fenster steht und nach der Leiter schaut, wobei sie den Bauern sieht. »I wett, daß der Tropf im Gspiel is!« murmelt sie und beobachtet ihn lauernd, wie er langsam in die Holzschupfe geht, eine Weile herumsucht und plötzlich etwas vom Boden aufhebt. »Is jetz dees net ...« – Sein Geldbeutel ist's, ja. Er zieht ihn auf und zählt flüchtig den Inhalt; dann schiebt er ihn rasch in den Sack, nickt etliche Male vor sich hin und geht danach ins Haus.

»Jetz hat er 'hn ja!« sagt die Alte für sich und geht hinab. »Also hat er 'hn gwiß und sicherli verlorne wie er d' Loater gholt hat. Also is er am Fenster gwen. Drum muaß a End gmacht werdn, a gschwinds!« Sie läuft sogleich in den Stall. Da steht schon die Hauserin, reißt der Hanni den Melkkübel aus der Hand und plärrt sie an: »Du melchst mir nimmer, sag i! Du schaugst, daß d' mir aus mein Haus außekimmst! Du waarst no so oane, du ...« – »Aha!« sagt die Hanni protzig; »du bist nachher mehra wia oane!« – »Ha! Hoaßen möchst mi du was!« Die Hauserin erhebt drohend die Faust. Da mischt sich die Alte ein. »Was will die? Aufmandeln will sie sich no mit ihra Schlechtigkeit! Des Laster!« – »Und du nachher erscht, du alter Bachofa! Du werst nachher besser gwen sei! Di werdn s' scho in die Kindswindln heilig gsprocha habn! Da balst mir net ganz staad bist! ...« Die Kollerin muß krampfhaft nach Luft und Worten schnappen. Die Hauserin aber packt die Dirn rauh bei der Schulter und stößt sie zurück. »Jetz glangts aber!« schreit sie; »jetz is 's gnua! jetz gehst, du Flitschen, du z'ammzepfte, oder i mach dir Füaß!«

Die Hanni hält sich gerade noch am Barren fest, um nicht rückwärts zu fallen von dem Stoß. Sie wird jäh bleich, ballt die Faust und macht einen Schritt gegen die Hauserin. Plötzlich aber lacht sie verächtlich kurz auf: »Ha! Werd i mi do net vergreife... an so ana gwamperten Bauernsau! – An so an Scherbn ...« Damit läßt sie beide stehen und rennt davon, aus dem Haus, zu ihrer Großmutter, der alten Rumplwabn. Und auf dem Weg dahin sagt sie sich: »Habts mi guat außegworfa! I kimm scho wieder eine! Aber nimmer als Dirn! Nur als Hochzeiterin, dees mirkts enk! Nachher knerrts mir guat und plärrts mir guat, ös zwoo Michelidrachan!« Bei dieser Erwägung wird sie wieder ruhig und heiter und summt, als sie die Tür bei ihrem Ähnl öffnet:

»Der Franzos streit't ums Elsaß, der Ruß streit't ums Geld; I streit um an Bauernhof und pfeif auf die ganz Welt!«

 

Im Hauserhof geht's bös her. De Hanni ist nun drei Tage bei ihrer Wabn. Und die Hauserin merkt allmählich, daß ohne Ehehalten schwerer arbeiten ist. Aber – nachdem sie schon einmal mit Händen und Füßen gewerkt hat, bis das Weibsbild aus dem Haus war ... Das heißt. hat sie denn das? Sie steht müd und schwitzend vor dem Herd und sinniert. Und mittendrin sagt sie grandig zur Kollerin, die neben dem Ofen sitzt und Butter ausrührt: »Herrschaft, aber heunt hockst wieder lang da bei dein Rührfaßl! Dalebn konn ma di aber jetz scho nimmer!« Die Alte läßt den Rührschwengel fallen. »Jetz da schaug her! Fuchzg Jahr rühr i jetz scho aus, und no nia hat sich eppas gfehlt! Jetz auf amal waar i z' langsam! Nachher rührst dir ganz oafach selm aus, wennst moanst, daß 's bei dir schneller geht!« Sie steht auf und geht zornig aus der Kuchel. Die Hauserin ruft ihr gereizt nach: »Jetz rennt s' davo! Vo mir aus! I rühr net aus! I glang a so mit meiner Arbat! I durft mi a so z'reißen! Die ganz Stallarbat hab i, die ganz Hausarbat, 's Kocha, d' Feldarbat, 's Dreschen ... jetz müaßt i gar no ausrührn aa! – Gern habn kinnts mi allsamm mitanand!«

In diesem Augenblick kommt der Hauser mit den Ochsen heim, spannt aus und geht in die Kuchel. »Is 's Essen firti? D' Ochsen müaßn glei gfuatert und tränkt werdn! Ham d' Küah eahna Sach? Habts d' Kaibe scho hibei ghabt bei die Küah? Nach'm Essen richts zum Dreschn o, und oa Fuada Erdäpfel muaß aa hoambracht werdn!« – »Und du konnst mi gern habn mit deiner Oschafferei!« schreit ihn seine Rosina an. »I bin doch koa Herrgott net, daß i überall z'gleich sein kunnt! Und 's Hexen hab i aa no net glernt bis jetz! Wennst so guat oschaffa konnst, nachher probier nur 's Arbatn aa!«

Der Alt läßt sie ruhig greinen. Er setzt sich in der Stube an den Eßtisch, macht das Kreuz und betet laut seinen Bittgarschön an den himmlischen Vater ums tägliche Brot. Und da ihm seine Bäuerin zu lange verzieht mit dem Essenbringen, ruft er hinaus in die Kuchel: »Muaß i no lang wartn auf enka Gfraß? Nachher geh i zum Ödnhuaber ume und kaaf mir mein Mittagmahl!« Worauf die Hauserin in lautes Weinen ausbricht, vom zu Tode Schinden und Zerteilen jammert und sich das Sterben wünscht. »Habts es ja net anders habn wolln!« sagt der Lenz. Die Hauserin hört ihn scheinbar nicht. »Hätt's es ganz schee aushalten kinna; du und die Alt!« bohrt er weiter. – »Ja no! Grad alles laßt ma si aa net gfalln! Die braucht mi koan Scherbn net z' hoaßen und koa gwamperte Sau aa net!« – »Mei, recht mager bist aa net!« – »Und zum Kammerfensterln hat ma s' aa net dunga!« sagt sie und wischt sich die Tränen mit der rupfernen Schürze ab. »Dees glaab i gar net, daß s' oan da ghabt hat!« erwidert ihr der Bauer. »Soo! Du glaabst es net?« – »Hast du oan gsehng?« fragt er ruhig. – »Nnaa, gsehng hab i eigentli neamd..." – »Hast du d' Loater gsehng?« fragt er wieder. – »D' Loater!? Naa, i hab s' net gsehng. Aber d' Muatta hat s' do gsehng!« – Der Hauser lacht kurz auf. »Ah was! D' Muatta! Dei Muatta siecht gar oft was! I wett, sie hat's grad gsagt, daß sie s' weiterbracht hat, d' Hanni!« Die Bäuerin ist starr. Sie muß sich niedersetzen. »Du moanst, daß gar koana dagwen is?« murmelt sie; »aber d' Muatta hat doch sogar gmoant, daß du ...« – »Die konn moana, was s' mag, sagst!« erwidert ihr der Lenz sehr laut. »Und balst du so eppas vo mir glaabst, nachher bist aa trauri dro ...« – »I glaabs ja a so net!« sagt sie schnell; »aber d' Muatta konns oan a so vürmacha, daß ma ganz zweiflat werd!« Sie trägt das Essen auf. »Aber dees konn i do net vergessen, was s' mi ghoaßn hat!" fängt sie von neuem an. – »Ja no! Da konn i dir aa net helfa. Werst es scho aa was ghoaßn habn! I muaß jetz essen, daß i wieder zu meiner Arbat kimm.« Während des Essens wird nichts mehr geredet. Der Hauser aber ist zufrieden mit seinem Werk. »D' Weiber muaß ma bloß richti behandeln«, denkt er, »die san akrat wia d' Roß: je schwaarer daß s' ziagn müassen, um so leichter daß s' zum zügeln san.«

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