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Die Rumplhanni

Lena Christ: Die Rumplhanni - Kapitel 12
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Rumplhanni
authorLena Christ
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-10904-1
titleDie Rumplhanni
pages5-170
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1916
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Die Hanni ist um die Antwort verlegen. Aber es fährt ihr durch den Sinn, daß sie ja mit dem Alten reden wollte, wegen des Simmerls. Ob nicht jetzt eine glückhafte Stund wär zu dem Anheben? Sie tut geschämig. »Ja no ... I hab 'hn aa net aufhaltn kinna!« sagt sie. »I konn ja di aa net aufhalten ...« Dem Bauern schlägelt das Blut bis zum Hals hinauf. »Glaabs scho«, meint er, »daß eahm der Weg net schiach vürkemma is!« Er betrachtet blinzelnd das Weibsbild. »Gar net übel!« sagt er sich, »guat gstellt und do net übermaßi gformt, sauber beinand und frisch in der Art, und dazua a Mundwerk wia a Spinnradl; Herrgott, wann i net der Alt waar ... aber ... wer woaß's ... vielleicht schatzt s' mi gar net so alt ...« – »Schiach zum Oschaugn bist scho net!« sagt er halblaut zu ihr; »gaab scho mehra Leut, dene wost gfalln tatst!« Die Hanni lacht. Ein ganz leises Lachen, dabei sie die Zähne weist und die Augen ein wenigs zudrückt, um sie nachher ganz groß und unschuldig aufzuschlagen. »Werd net so gefahrli sei!« sagt sie leise. Beim Hauser beginnt ein inwendigs Feuer zu brennen. Die Hanni meint verlegen: »Und net amal an Nachtkittel hab i o, gell! Weilst mi a so derschreckt hast!« Der Alt stiert sie begehrlich an. »I schaug dir nix weg!« sagt er heiser. »Aber mir wer i mein Verstand jetzt bald weggschaugt habn! Geh, laß mi a weng niederhocken!« – »Aber, Hauser! Was fallt dir denn ei!« Sie hält verschämt die Hände über der Brust gekreuzt. »Werst do in deiner Schlafkammer aa no an Sitz finden!« – »Aber koan so an kommoden!« flüstert er, setzt sich an den Bettrand und sucht ihre Hand zu fassen. Die Hanni weicht zurück an die Wand. »Geh, sei do gscheit, Bauer! Werst do deiner künftigen Schwiegertochter net heunt no d' Liab erklärn wolln! Laß mei Hand aus! Geh, laß aus, sag i!« Er läßt nicht aus. In ihm brennts lichterloh. »Hanni! Deixlsdirndl! Konnst ma gar net a bißl schee toa?« Sie will ihm ihre Hand entziehen. »Also sei doch gscheit!« flüstert sie wieder; »denk do an sie! Wenn sie's jetzt hört!« – »Ah was, die schlaft do! Geh, sag mirs, obst mi guat leiden konnst!« Der Hanni wird ungut zumut.

»Ja«, sagt sie, »freili konn i di leidn! I wer do gegen mein künftigen Vatern net grob sei! Aber jetz muaßt geh! Moanst, was der Simmerl sagn tat, wann er dees wüßt!« Sie zieht sich allmählich bis ans Fußende zurück und springt schließlich aus dem Bett. »Bist denn jetz ganz vom Verstand kemma!« ruft sie aus. »Wiast jetz net augenblickli gscheit bist, nachher schrei i der Hauserin! Oder der Alten!« Sie schlüpft in den Unterrock und stellt sich an die Tür. Der Hauser tappt ihr verlangend nach. »Dees werst aber bleibn lassen«, sagt er; »denn wannst mir du übel willst, nachher will dir i aa net guat! Auf mi kimmts o, obst amal Hauserin wirst!« Aha! Da hat er einen Trumpf. Einen, der was gilt.

»I sag ja net, daß i dir übel will! Aber i konn do net an Simmerl mit sein eignen Vatern oführn! Dees hat er do net verdeant, dei Bua! – Und wann i amal Hauserin bin, nachher zoag i dir's scho, daß i di aa gern hab ... als mein Vatern ...« – »Ah was, Vatern! ... Is scho recht, balst mi darnach aa no magst – als mei Tochta. – Aber jetz ... heunt ...« – »Heunt sagst mirs, ob i an Simmerl heiratn derf, gell!« Sie wird nachgiebiger. »Freili derfst 'hn ... alles derfst...« – »Und du gehst morgn mit mir zum Notar?« – »Zwegn was?« – »No, zwegn der Heirat. Woaßt, daß i halt eppas Gwiß's in Händen hab!« – »Ja so. – Ja no. – Vo mir aus. – Balst mir a bißl schee tuast ... nachher konnst verlanga ... was d' magst ...«.- »Gell, und du laßt di net aufhalten, morgn! – Und i geh mit!« – »Freili gehst mit ... du ...« »Und laßt es schreibn, daß der Simmerl nach dem Kriag an Hof kriagt ... Und i damit ... Gell!« Er verspricht alles; ja, er gibt ihr den ganzen Geldbeutel zum Pfand dafür, daß ers morgen richtig macht. Bloß um ein bißl Schöntun...

Die Hanni zieht sich langsam gegen ihren Kommodkasten zurück. Da steht die Kaffetasse, welche ihr der Simmerl einmal von der Münchner Dult mitbrachte, und eine gipserne Statue der Lourdes-Madonna, und das Weichbrunnkrüglein. Der Hauser hat sie bei beiden Armen ergriffen und sucht, sie in die Höhe zu heben. In diesem Augenblick erhascht ihre Hand die Fransen der Kommodendecke. Und sie zieht an. Er will sie zur Lagerstatt tragen ... Rratsch ... »In Gottsnam! Hauser! Dees hat sie ghört!«

Der Alt hat sie gählings losgelassen. »Gefehlt is's! Hauser! Dees bal der Simmerl inne werd ...« Sie beginnt zu weinen. Der Hauser steht lauschend, mit wildklopfendem Herzen, an der Tür. »Sei do staad!« flüstert er; »laß mi do lusen! Noch hör i nixen!« – »Schaug nur grad, daß d' aus der Kammer kimmst! Mei Herrgott, sehgn bal s' di tuat, d' Hauserin ... oder gar d' Kollerin ... auf der Stell muaß i geh!« – Der Hauser horcht immer noch. Alle Augenblick vermeint er, was zu hören. Da ... wars jetzt im Stall? Oder bei der Kollerin?

»Schaug, bal mir morgn zum Notar gehn, ... nachher ... is sie net dabei ... und die Alt net ... geh zua jetzt! Gell, jetz gehst! Ganz staad! Und tuast ganz unschuldi! I nimms scho auf mi, dees Scheppern. I sag, daß oaner einsteign hätt wolln, und du hast 'hn vertriebn.« Ja, das ist ihm recht. Und er sagt zu allem ja. Und schleicht rasch aus ihrer Kammer, zieht draußen ganz still die Stiefel aus und öffnet die Tür zur Schlafkammer. Aber da liegt seine Hauserin schnarchend und blasend und fährt erst in die Höhe, als er sich fluchend auf die Kissen fallen läßt ... »Ja so, du bist es!« sagt sie beruhigt; und sie kehrt sich auf die Seite und schnarcht weiter. Indes er über seine Dummheit flucht, daß er so ängstlich war, über das Unglück mit der Decke nachgrübelt und sich auf keine Weise einbilden kann, wie es möglich war. Die muaß i rein mit weggrissen habn, wia i 's Madl umetragn hätt, i Rindviech! denkt er. Herrgottseiten, – scho so nahend dro ... aber ... morgn is aa no a Tag! Jawoi. Bis auf Eberschberg is a scheener Weg. Und sie muaß mit. Zwegn an Ödnhuaber, sag i. – Ah was! Jetz schlaf i gar! Werd si scho was finden! Und so halb und halb zufrieden, müd und mit schwerem Kopf dreht er sich um, zieht die Zudeck über die Achsel und schläft ein.

Die Hanni aber klaubt die Scherben der Lourdes-Madonna zusammen, indem sie sagt: »Gholfa hast mir do, wannst aa gipsern bist! Aber halt di net auf: bal i erst Bäuerin bin, nachher stell i di stoanern auf mit aner feinen Grotten!«

 

Der Hauser hat in der Nacht allerhand närrischs Zeug zusammengeträumt und ist erst beim Tagwerden in jenen traumlosen, tiefen Schlaf gesunken, den er sonst gewohnt ist. Daher kommt es, daß seine Hauserin ums Gebetläuten ganz erschreckt aus den Kissen fährt, aufhorcht, ihren Lenz noch tief schlafend neben sich sieht und also ganz und gar irr wird an der Zeit. Sie schüttelt den Bauern fest an der Schulter: »Lenz! He, du! Was läut' ma denn jetz? Brennt's leicht wo?«

Da schlägt's fünf Uhr. »Was?! Fünfe! – Ja, was is denn dees heunt mit dem Mannsbild! Um fünfe schlaft er no! Auf, du! He! Lenz! Aufsteh sollst! Ja, Herrschaft! Daß denn der net aufsteht!« Sie erhebt sich eilends und zieht sich erregt an. »Der muaß ja net schlecht gsuffa habn, gestern!" Wieder versucht sie, ihn zu wecken; doch wieder antwortet ihr nur ein tiefes Grohnen. Sie schüttelt ratlos den Kopf. »Dees is mir aa no nia passiert, daß i den Tropf net aus'm Schlaf bring!« sagt sie. »Bal der a so ofangt, nachher wern mir bald von die Federn aufs Stroh kemma. Der muaß ja an ganzen Banzen ausgsuffa habn!« Ihr Blick fällt auf seine Sonntagshose. »Da muaß i do scho in sein Geldbeutl nachschauen, ob er no drei Kreuzer drin hat, der Schwammerling!« Sie sucht in den Hosentaschen herum. »Wo hat denn der sei Geld? Der hat ja sein Zugbeutel net drin! Is der ohne Geld furt, gestern?« Eilig sucht sie seine Werktagshose durch. »Naa, da hat er 'hn aa net drin! Jetz, da hört si do scho allerhand auf! Hat denn der dees ganze Geld mitsamt 'n Beutl versuffa?!« Eine plötzliche Wut überkommt sie. Sie reißt ihm die Zudeck weg und plärrt ihn an: »Außa, sag i, du Lackl, du verlumpter! Is dees aa no a Wirtschaft mit so an Mannsbild! Wo hast denn du dein Geldbeutl? Wo hast denn du dei ganz Geld hinbracht! Wo bist denn du gestern gwen, daß d'koa Geld nimmer hast?« Der Hauser sucht erschreckt nach der Zudeck. »Noo! Konnst oan net schlaffa lassen! Mitten in der Nacht reißt s' oan außa ...« – »So! Um fünfe in der Früah! Jetz woaß i's do gwiß, daß d' glumpt hast, gestern!« – »Glumpt wer i habn ...«, brummt der Alt und steht unlustig auf. – »Naa, sag i! Wo hast nachher 's ganz Geld hinbracht?!« –- »'s Geld hinbracht! ... A so a dumms G'red!« Er schlupft in die Werktagshose. »Im Geldbeutl wer i's halt habn!« – »Aha! Im Geldbeutl! Wo hast nachher dein Geldbeutl?« – »Geh, Herrschaft! Wo wer i 'hn denn habn! In der Hosen halt!« – »So, in der Hosen! O du Lugenschüppel, du ganz schlechter, du!« Der Hauser ist ganz starr. Ja, was hat denn jetz heunt der Hausdrach – mit dem ewigen Gefrag! denkt er. Aber da greift er selber in die Sonntagshose, in die Joppe, und findet den Beutel nicht. »Ja, Himmekreizkruzi ... !« Vor Schreck muß er sich aufs Bett setzen. »Wo hab denn i ...«

Seine Rosina will ihm daraufhelfen. »Wie i sag: verlumpt werst es halt habn ... werst scho anorts wo oane aufgabelt habn ...« Sie packt das Sonntagsgewand und bürstet etlichemal darüber. Der Hauser aber hockt da, reißt mittendrin die Augen weitmächtig auf, und es fällt ihm was ein – eine Todsünd. Herrgott! – Wenn sie ihm draufkommt ... gfehlt ist's... »Den muaß i rein danebn gschobn habn – beim Wirt...«, sagt er unsicher, »da muaß i nachher glei ofragn lassen ... durch d' Hanni ...« Die Hauserin fährt auf: »Sunst nix mehr! Möchst es net die Deanstboten aa no einistreicha, was d' für oaner bist, – für a Hallodri!« Der Alt zieht sich gedrückt vollends an; da hat er sich ja eine saubere Suppen eingebrockt! Wenn ihn nur das Weibsbild wenigstens nicht aufbringt! Das wär erst noch was! Herrgott, die Schand, vor ihr, der Rosina, der Alten, dem Simmerl! Sein Lebtag könnt er dem Buben nimmer grad ins Auge schauen, wenn er's inne würd, was ihm da sein Alter mit dem Weibsbild angetan hatt, oder doch wollte. Wenn er nur mit ihr zu reden käm, mit der Hanni! – »Wia? – Lus auf! – Hörst nix? – Was hat denn d' Muatter scho, heunt?« Die Hauserin fragt's im selben Augenblick und macht die Tür auf. Da hört sie die Kollerin plärren: »Is dees aa no a Art! Is dees no menschli! D' Loater loahnt um sechse in der Fruah no am Fenster dro! Und sie hat gar nimmer Derweil, daß s' an d' Arbat gang! Sie steht einfach gar nimmer auf, vor lauter Gloria!« Dem Hauser ist so ungut, daß er sich auf sein Bett hocken muß. »Herrgott, jetz ham s' mi scho!« denkt er voller Ängsten. Und die Kollerin schimpft weiter: »Du ganz miserablige Stanz du! Moanst du, mir ham di dunga zu der Lumperei! Dei Herrlichkeit waar a bißl gar z' groß wordn bei ins da! Aber jetz hats a End, daß d' es woaßt! Insa Haus is a ordentlichs Haus – dees mirkst dir! – Da muaßt scho wo anderscht suacha, daß dir dei Schand geduld't werd, du Schuri, du gstroachte! So, und jetz packst dei Sach zsamm und druckst di! Glei, auf der Stell!«

Die Hauserin horcht ganz starr auf. »Was hat die?! Daghabt hat s' oan? Beim Fernsterln hat s' oan ghabt!? Ja, wo is denn der Schlampen, daß i 'hn nimm und außeschmeiß, daß s' nimmer einafind't, die Strohgeign, die schlechte!« Sie rennt voller Wut an die Kammer der Hanni. Aber die Dirn schlägt ihr die Tür vor der Nase zu und riegelt ab. »Willst du aufmacha!« brüllt die Bäuerin und reißt im höchsten Zorn an der Klinke, indes die Kollerin mit dem Kehrbesen an die Tür schlägt, daß es durchs Haus scheppert. »Obst guatwilli aufmachst, frag i di!« – »Fallt mir gar net ei!« sagt drin die Hanni. – »I hau d' Tür ei!« – »Vo mir aus zwee!« Die Hauserin läuft in die Schlafkammer. »Treib mir dees Weibsbild außa! So weit is 's jetz kemma, daß i mi außasparrn lassen muaß von so an Polster! Geh nur zua und jag s' außa! Und auf der Stell wirfst mir s' aus 'n Haus! Auf der Stell!«

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