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Die Rumplhanni

Lena Christ: Die Rumplhanni - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Rumplhanni
authorLena Christ
year1988
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-10904-1
titleDie Rumplhanni
pages5-170
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1916
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Der Hauser füttert grad die Ochsen. »jetz derfst glei dableibn!« sagt er zum Karrner, der die Blaß aufmerksam betrachtet. – »Moanst, daß's so schwaar werd, daß es ös alloa net daziagn kinnts?« – »Konn scho sei! Hoffan tät mirs!« meint die Hauserin. – »Hats scho daucht?« – »Ja ja. Scho seit drei Stund. Konn nimmer lang osteh.« – »No, nachher wünsch i Glück«, sagt der Buschenreiter und schickt sich zum Gehen an; »und i schaug halt in a vierzehn Täg wieder her.« Er geht grad in dem Augenblick, da die Kollerin eben mit dem kupfernen Weichbrunnkrügl und einem geweihten Kräuterbüschel in der Hand eintritt, um die kreißende Kuh damit zu segnen und ihr in den Kräutern, auf die sie noch Ostersalz streut und Weichbrunn spritzt, eh sie dieselben in den Barren legt, ein wahrhaftigs Hilfsmittel gegen Unglück, Tod und Hexerei einzugeben.

Der Anderl spannt sich draußen wieder in seinen Karren. Die Hanni steht am Brunnen und wäscht das Seihtüchlein für die Milch aus. Da sagt der Karrner: »Hanni!« – »Was gibts?« – »Hast ghört!« – Er dämpft seine Stimme. »I machs scho richti! Konnst di verlassen!« – »Mit was?« – »No – mitn Packl!« – Die Hanni schaut ihn groß an. »Mit was für an Packl?« – »No, fürn Simmerl!« – Sie schüttelt den Kopf. »Fürn Simmerl? A Packl? I glaab, du bist a Dummerl wordn, Anderl!« – Der Karrner ist wie vors Hirn geschlagen. Aber die Hanni sagt: »Moanst, daß i da di brauch, bal i wem was schicka will! I bsorg mir mei Sach scho selber! Dees hoaßt, bal i gern was bsorg!« – Dem Anderl geht langsam ein Licht auf. Aber der Andreas Buschenreiter ist ein Mann, der weiß, was sich gehört, auf den man sich verlassen kann. Und er denkt: aha; und: Schweigen ist Gold. Und lacht recht dumm. So dumm, daß er der Hanni schier erbarmt wegen des verlorenen Verstandes. Und sie fragt aus reinem Mitleid, um ihn auf was anders zu bringen: »Hast guat einkaaft, z' Öd?« – Er ist froh, daß sie ihn was fragt. Und er gibt ihr willig Auskunft. »Net schlecht«, sagt er; »beim Staudenschneider hab i um zwanzg Mark Sach kriagt, heunt.« Die Hanni zweifelt: »Ah! Daß der so viel hergebn sollt, dees Gnack...?« – »Hat mirs ja d' Halterin gebn.« – »D' Susann?« – »Ja.« – »Hat denn die so viel Recht?« – »Werds scho habn.«

Die Hanni will noch was erwidern, da ruft die Hauserin aus dem Stall: »Hanni! – Her da zum Ziagn!« Und der Hauser pfeift ihr, die Kollerin grandelt erregt: »Daß s' denn wieder net zuawa geht!« Da sagt sie lachend: »Pfüate Good, Anderl«, und läuft eilends hinein, um mitzuwirken bei dem Werk der Erschaffung eines wunderschönen Kälbleins, das dann vom Hauser mit Wasser übergossen, von der Hauserin mit Stroh abgerieben und von der Kollerin benedeit und gesegnet wird, bis es die Augen auftut, blökt und das Aufstehen probiert und endlich von der Hanni der Blaß zugeführt wird zur völligen Reinigung und mütterlichen Liebkosung. Worauf die Kollerin der Blaß den Muttertrank einschüttet und die Hauserin den Melkeimer und das Stühlchen holt, um sie auszumelken, während der Hauser Strick und Ziehholz wäscht, bedächtig die Ärmel herabstreift und zuknöpft und sagt: »Um simme kinnts es ihr's erschtmal ostelln. Daß oans dabeibleibt, und daß ihr's net z' lang saufen laßts!« Danach geht er aus dem Stall. Die Kollerin folgt ihm.

Die Hauserin trägt die dottergelbe Milch, den Biest, in die Speiskammer und stellt ihn auf, und die Hanni legt das Kalb auf seine Strohschütt, wischt ihm die Augen mit der Schürze aus und bindet es an den Ring. Dann breitet sie der Blaß frische Streu unter und geht zum Nachtessen, dabei der Hauser sagt: »A scheens Kaibi is's. I stells aa auf. Und bal die nachstinga schee werdn, stell i s' aa auf. Daß der Stall schee voll wird, bis der Simmerl wiederkimmt.« »Und bis i Hauserin werd!« denkt sich die Hanni.

 

Wenn die Bienen anheben, ihre Waben mit Wachs zu überdecken, dann ist der Honig zeitig zum Schleudern. Also stellt am Frauentag der Hauser auch die Schleuder samt dem Honigkübel in die heiße Kuchel, verschleiert sich das Gesicht wie eine Engländerin, die eine Weltreise tut, zündet sich die kurze Pfeife an und sagt: »Alsdann; deckelt ham s', d' Impen, a guats Wetter is aa, daß s' net gar z'letz hand, i moan, i fang o zum Außahebn.« Und so beginnt der Tag, der von Honig fließt.

Die Hauserin taucht die Honigkelle ins heiße Wasser und löst behutsam das Wachs von den schweren Waben. Und während sie diese gemächlich durch die Schleuder treibt, schaut sie zufrieden auf den klaren Goldstrang, der durch den Seiher rieselt, drunten im Kübel noch wie ein dicker Faden sich windet und kräuselt und endlich in der kostbaren Lacke untergeht.

Die alte Kollerin trinkt unterdessen ihren Kaffee; aber da kriegt sie plötzlich einen Impenstich, und so ist schon in aller Früh eine Bitternis in die Süßigkeit des Tags geträuft: »Au sakra!« schreit sie und haut nach dem Imp, dabei sie leider auch die Kaffeeschale samt den Brocken hinabschlägt. »Hat mi scho oana g'angelt, a so a Toife! Luaderviech miserabigs! Naa, i sags ja! Daß's jetz grad heunt schleudern müaßts! Habts enk jetz koan andern Tag nimma gwißt, als wia an gottsheilinga Feiertag!«

Die Hauserin will sie beschwichtigen. Derweil aber übersieht sie, daß an dem Rahmen, den sie eben abdeckelt, eine Biene surrend und bebend vor Wut kreist und hin und wider läuft, plötzlich auf ihre Hand losfährt und sticht. »Eia! Hoaß Teife!« Sie wirft vor Schreck den Rahmen weg, daß er zerbricht. »Malefizviech!« Die Kollerin läßt die Scherben ihrer Kaffeeschale fallen und läuft erregt herzu. »Ja, wia konn ma si denn so dumm gstelln! Schmeißts den scheena Rahma weg! Geh! Wia ma nur so ungschickt sei konn!« Aber damit beleidigt sie ihre Tochter, die Hauserin. »Ungschickt! Dees glaab i! Bal oan a so a Krüppi glei angelt (sticht), daß oan's Feuer vor dee Augn brennt!« Die Kollerin tut verächtlich. »Ah was! Zwegn oan oanzign Stich macht ma do net a so a Gaude und a Aufhebats!« – »Aha!« sagt die Hauserin gekränkt. »I müaßt staad sei! Du hast ja aa gschimpft zuvor!« – »Gschimpft! Wer? I? Gschimpft wer i habn!« – »Aber schon hast gschimpft! Und dei Kaffeeschüssei hast aa weggworfa!« – »Weggworfa! Wia ma nur grad a so lüagn konn! ... Bals oan aberumpelt!« – »Vor lauter Gift und Gall!« – »Nix wahr is's! Mir werd wohl no redn derfa!«

Indem reicht der Hauser einen vollen Rahmen zum Kuchelfenster herein und nimmt etliche leere zum Einsetzen. Da hört er die beiden werken. »Aha!« sagt er schmunzelnd. »Seids scho wieder bei der schmerzhaften Frühlitanei! – Da, teats liaber enka Arbat und grohnts nachher weiter.« Die Hauserin wirft ihm einen giftigen Blick zu; die Kollerin aber murmelt verächtlich: »Dees woaß ma scho, daß du a grober Rüappel bist!«, nimmt den Rahmen und deckelt ihn ab. Und sie hilft ohne weiters sogleich rechtschaffen mit beim Schleudern, ungeachtet der Stiche und Binkel und der Spottreden des Hausers.

Indem kommt das Liesei im Unterröckl mit verschlafenen Augen und wirren Haaren in die Kuchel. »Mein Kaffee möcht i! – Uih! Gschleudert werd! Juhu!« Sie stellt sich sogleich zur Großmutter und nimmt sich etliche Brocken von dem zerbrochenen Bau, streicht auch die Wachsschüssel sauber aus und nascht und schleckt, daß ihr der Honig an den Haaren hängt, am Gesicht klebt und von den Fingern träuft. Unterdessen wird die Hauserin allmählich müd und beginnt zu schwitzen, zu seufzen und zu schnaufen. Da fällt ihr die Hanni ein. »Ja kreizsakra! Für was hat ma denn an Deanstbotn! Wo steckt denn die wieder, daß s' net hergeht, bals a Arbat gibt?« Die Kollerin schaut sogleich nach. Im Stall; – aber da liegen die Kühe alle geruhig und wiederkäuend auf dem saubern Stroh, und die Hanni ist nicht mehr dort. In der Speis vielleicht! Doch die Frühmilch ist bereits ausgeseiht und in den Weidlingen aufgestellt. Und auch in der Eßstube ist sie nicht. Die Kollerin geht in steigendem Zorn hinauf in die Magdkammer.

Da sitzt die Hanni hemdärmelig im Sonntagsunterrock am Fensterbrett, hat das Tintenglas samt dem Federhalter vor sich und steckt eilends einen Brief in den Miederleib. Die Kollerin fährt sie an: »Wo steckst denn du? Wo hockst denn du umanand?« Die Hanni dreht ihr den Rücken zu. »Wo i mag.« – »Woaßt du net, daß d' a Arbat hast?« – »D' Stallarbat is gschehgn, sinst werds net viel z' toan gebn am Frauatag.« – »Frauatag hi oder her! Du hast z' arbatn, bals dir gschafft is!« – »Is mir aber nix gschafft wordn!« – »Soo moanst! – Nachher schaff dir i was!« – Die Hanni lacht spöttisch auf. »Du schaffst mir guat o! – Dees is dir net z'guat!« Die Kollerin bebt vor Zorn. »Was willst? – Du willst mi für an Narrn haltn!« – »Dees sagst grad du!« – »Von dir laß i mi fei net dablecka!« – »Brauchts aa gar net!« – »Moanst, di hat ma grad für d' Herrlichkeit?« – »Siecht net aus darnach!« – »Warum gehst na net abe zum Schleudern?« – »Weil mi dees nixn ogeht. Und weil i jetzt in d' Kirch geh. Bal's ös heunt gern schleuderte, kinnts es ja leicht toa! Da redt enk neamds epps ei. Aber i geh jetzt in d' Kirch.« Sie legt ihr Sonntagsgewand an, setzt den Hut auf und nimmt das Gebetbuch, ohne sich weiter um das empörte Wettern und Greinen der Kollerin zu kümmern.

Die aber rennt hinab zu ihrer Rosina. »Konnst da no redn! Sie hockt drobn ... wia a Prinzessin ... und schreibt Briaf! Und hängt oan d' Goschn o! Und weigert si zum arbatn!« Die Hauserin hockt müd auf einem Bänklein und hört der Alten zu. Jetzt sagt sie langsam: »Soo; sie weigert si, sagst? Zu der Arbat?« Der Hauser gibt grad einen Rahmen herein. »Soo, dees is der letzt. Jetz ham mirs.« Da sagt die Kollerin: »Ja, weigern tuat sie si!« – »Wer weigert si?« fragt er zum Fenster herein. »Da tat i scho lang fragn!« erwidert die Alte gereizt. »Wer anderscht, als wia enka Herzbinkerl, d' Frailn Hanni!« Und die Hauserin sagt energisch: »Dees Weibsbild kimmt mir jetz aus'm Haus. Und dees glei. Auf der Stell sag i's eahm.« Sie steht auf und geht hinauf in die Magdkammer. Und überlegt unterwegs, was sie dem Weibsbild, dem anhabischen, sagen wollt.

Aber – die Hanni ist schon weg – in die Kirche. Sie trabt schon durch das Gehölz und schaut etliche Male um, ob niemand hinter ihr herkommt. Und da sie keinen Menschen sieht, langt sie eilends ins Mieder und holt den Brief heraus. Sie geht zu einer alten, dicken Eiche und zieht einen Bleistiftstummel aus dem Sack. Und dann schreibt sie; schlecht und recht, wie es eben grad geht an dem rauhen Baumstamm. Hie und da blickt sie spähend auf den Weg, dann schreibt sie weiter. Endlich ist sie fertig damit; und sie überliest halblaut den ganzen Schrieb:

Gelibter Simmerl!

meine Hoffnung daß du mir ein Brifflein schreiben kuntst oder sonst was rigeln zwegen deinen Heuratzverspruch hat sich mir zu schanden geworden. Dein Vater schweigt wie das Grab und du auch wo du mich doch so ungliklich angefihrt hast. Auch ist deine Mutter so vill grob gegen mir und die Kollerin weis schon bald gar nicht mehr wie daß sie mich beser drangsaliren sol. Die Verzweifflung dreibt mich zu der Feder. Ich muß dir auch mitteilen, daß sie mich heute schon so gehunst haben wegen den schleudern. Und von Reden wegen der Heurat zwegen dir und mir ist gar keine Rede nicht. Wens nicht bald was gwisses wird dan sage ich es ihnen selbsten den dan weis ich es gans bestimmt, daß du mich blos verkolt hast. Ich kunnt vile Burschen heuraten und der Staunschneidergirg möcht mich gleich. aber ich gar nicht zamt sein Sach. Weil ich blos dich mag. Den Schmidfranzl hät ich auch haben kinnen aber ich wil nicht. Auch teile ich dir mit, daß die Susan vom Girgl so viel falsch ist und ihm untern Fraundreißger gleich um zwanzig Mark Eier und Schmalz verkauft hat in ihren Sack. Wo mir das gar nicht einfallen tät eine solche falschheit.

Ich warte auf dein schreiben und grißt dich deine unglikliche Hanni.

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