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Die Ritter vom Geiste

Karl Gutzkow: Die Ritter vom Geiste - Kapitel 185
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Ritter vom Geiste
authorKarl Ferdinand Gutzkow
year1998
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-278-X
titleDie Ritter vom Geiste
created19990130
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
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Ich bin, begann Rafflard mit schlauer Miene, forschend nach dem Eindruck, den er auf sein Gegenüber hervorbringen würde, ich bin in ein sehr schwieriges, sehr wichtiges Familienverhältniß verwickelt. Eine glückliche Lösung desselben wird durch einen abscheulichen, schlimmen Menschen verhindert, der auf jede nur erdenkliche Weise diese Lösung zu unterbrechen sucht. Diesen Menschen aus der Nähe der edlen Wesen, die er nur quält, nur belästigt, zu entfernen, ist mir eine heilige Pflicht. Mit Gewalt ist nichts auszurichten. Aufsehen darf es keins geben und so bin ich von der Nothwendigkeit durchdrungen, die Entfernung dieses schlimmen Menschen auf eine stille, besonnene und doch zum Ziele führende Art zu bewerkstelligen.

Murray mit unverstellter Spannung horchte hoch auf.

Dieser Mensch, fuhr Rafflard fort –

Wie heißt er, Herr? sagte Murray rasch mit dem Ausdruck der bereitwilligsten Ergebenheit.

Der Name thut vorläufig nichts zur Sache –

Vielleicht kennt ihn Unsereins –

Nein, nein, er ist sehr gefährlich, aber es ist nicht nothwendig, da auf ihn nicht gewirkt werden kann, daß sein Name genannt wird. Dieser gefährliche Mensch, sag' ich, hat ein Mädchen, das er liebt... nicht eigentlich eine Braut oder Verlobte... wohl aber ein Wesen, für dessen Wohl und Wehe er sich in einem Grade interessirt, den man seinem bösen Charakter kaum zutrauen möchte. Ich bin der festen Überzeugung, wenn man bewirken könnte...

Rafflard stockte.

Nun, Herr? ermunterte ihn Murray mit scheinbarer Ungeduld.

Ich bin der Überzeugung, daß dieser Störenfried die angedeuteten edlen Menschen nicht ferner beunruhigen, bis aufs Blut quälen wird, wenn man jenes Mädchen, an dem er leidenschaftlich hängt, plötzlich von hier in aller Stille entfernen könnte... Versteht Ihr, Murray –

Wohl! Wohl!

Ich bin überzeugt, daß jener schlimme Gesell, auf den nichts wirkt, den keine Drohung von hier fortzubringen im Stande ist, augenblicklich bis an's Ende der Welt reisen würde, wenn es plötzlich hieße: Jenes Mädchen ist nach Hamburg verschwunden oder man hat seine Spur am Rhein verloren oder man glaubt, daß sie ein gewisser Murray oder ein gewisser Sylvester, wählt jeden beliebigen Namen, nach London entführte! Man glaubt, daß sie dieser Wagehals mit sich zu Schiffe nach Amerika nimmt! Genug, ein solcher Glaube, begründet auf ein Unternehmen, das in dieser Weise nicht einmal braucht ausgeführt zu werden, nur vier Wochen unterhalten, dies Gerücht nur etwa vier Wochen geschürt, würde die einzige Art sein, die edle Familie von dem lästigen Störer gerade beim Abschluß einer wichtigen Verhandlung fernzuhalten. Ein solcher Dienst, mit einer gefüllten Börse belohnt – was sagt Ihr dazu, Murray?

In Murray kochte der Zorn. Alle zurückgehaltene Glut drang ihm in die Brust. Er war nahe daran, aufzuspringen, den Heuchler an der Brust zu packen und ihn zu schütteln mit den Worten: Elender, wofür hältst du mich?... In seiner ihm fast die Rede erstickenden Aufregung konnte er nichts hervorbringen, als die Frage:

Wer ist das Mädchen?

Eine unbedeutende, arme Nähterin, sagte Rafflard. Ein Mädchen, ohne allen Anhalt, ohne alle Verwandte. Ich kann Euch den Namen sagen und muß es, da Ihr Euch nach ihren Verhältnissen doch erkundigen werdet. Sie heißt Franziska Heunisch.

Franziska Heunisch?

Kennt Ihr sie?

Nein! Nein!

Aber Murray mußte sich bei diesen Worten bekämpfen. Gerade dies Mädchen war ihm für gewisse geheime Pläne, die er verfolgte, schon längst von Wichtigkeit geworden. Ihr galt die Berechnung eines, wie er schon durchschaute, abscheulichen Planes. Er sollte sie mit Gewalt überfallen, entführen! Und nun galt es die letzte Kraft seiner Verstellung zusammenzuraffen und mit dem Scheine der größten Ruhe und dienstfertigsten Ergebenheit zu sagen:

Herr! Das ist ein Stück Arbeit! Ich will's wagen; aber – wie greif' ich's an?

Das, Murray, müßte eben Eure Sorge sein!

Hm! Hm! simulirte Murray und schlug sich an die Stirn. Meine Fäuste, Herr, sind nicht mehr die stärksten. Wenn es gelten sollte, Einen zu knebeln und mit verbundenem Munde Abends an den Thoren in einen Wagen zu schleppen...

Ihr müßtet Unterstützung haben.

Das wäre nicht gut, Herr.

Bedenkt, ein schwaches Mädchen!

Ein schwaches Mädchen! Franziska Heunisch... Wo wohnt sie?

In der Wallstraße Nr. 14 im Hinterhofe.

Darf ich mir's aufschreiben?

Ich rathe Euch Das. Merkt Euch jeden Umstand. Sie wohnt bei einem Tischler, hat Verwandte im kleinen Fürstenthum Hohenberg, einen Förster des Prinzen von Hohenberg... sie näht, bald hier, bald dort, bald zu Hause, bald auswärts... verschwände sie plötzlich, so ließe sich, wenn Ihr Euch auch verborgen hieltet, Murray, die Vermuthung, daß sie nach Hamburg, von da nach England entführt wäre, wohl jenem Menschen mittheilen, der sie augenblicklich verfolgen würde. Man kennt Euren Geschmack, Alter. Auf dem Fortunaball habt Ihr Euch verrathen! Der Kummer, den Ihr empfinden würdet, die Unannehmlichkeit, diese schöne Stadt zu meiden, würde sich leicht verschmerzen lassen und eine große Schuld ladet Ihr nicht auf Euch. In drei Tagen könnt Ihr das Mädchen wieder freigeben, wenn sie nur bewacht, an der Rückkehr, am Schreiben verhindert wird.

Murray hatte das Portefeuille auf seinen Knien und schrieb mit einer Hand, die vor Erregung zitterte.

Als er mit seinen Notizen scheinbar fertig war, fragte Rafflard:

Also Ihr übernehmt es, Murray?

Ich brauche drei Tage, sagte dieser, um mir doch zu überlegen, wie so einem Fange beizukommen ist. Mädchen sind Forellen.

Rafflard fand dies Bild charmant und so gut gewählt, daß er von der größern Bildung, die sich bei dem ihm Anfangs stumpfsinnig erschienenen Murray zu erkennen gab, jetzt nur noch mehr befriedigt wurde. Es lag ihm daran, lieber einen Helfershelfer von Verstand zu finden.

Das ist mir recht, sagte Rafflard, ich brauche ebensoviel Zeit, um die Vorkehrungen zu treffen, daß der Verfolger erst nach Hamburg und von da nach England dirigirt wird.

Teufel, Herr! Wie stellt Ihr das Alles an?

Durch Freunde, die sich gern geneigt zeigen, eine edle Unternehmung zu unterstützen, sagte Rafflard.

Und wo find' ich Sie wieder, Herr? fragte Murray fast kopfschüttelnd.

Am liebsten sprech' ich Euch hier!

Hier? Fürchtet Ihr für die silbernen Leuchter da nichts, Herr?

Ich denke, Ihr behandelt uns als Gentleman! Besonders wenn wir uns einstweilen gleichfalls als solchen zeigen...

Damit überreichte Rafflard Murray ein schon vorbereitetes Papier, in welchem Goldstücke in reicher Anzahl hin- und herrutschten.

Murray nahm sie ohne Bedenken mit künstlicher Gier und versprach schon morgen um diese Zeit, an dieser Stelle Bericht zu erstatten.

Rafflard schlug ihm auf die Schulter und begleitete ihn durch den Salon, wartete aber wohlweislich, bis Murray die Thürklinke ergriffen hatte und hinaus war. Dann harrte er noch einige Sekunden, um zu lauschen, ob der halbe Bandit auch wirklich ging und die Drohung mit den silbernen Leuchtern nicht wahr machte. Dann aber wandte er sich, um zur Gräfin zu gehen; denn der Bediente begegnete ihm und sagte, er hätte eben Herrn Heinrichson angemeldet. Heinrichson mußte also im Vorzimmer sein. Unangenehm berührt von diesem Namen, aber unendlich befriedigt von dem glücklichen Erfolg des Kaufes, den er an dem Entführer eines jungen Mädchens gemacht zu haben glaubte, trat Rafflard wieder zur Gräfin ein...

Murray aber, noch verwirrt von dem Erlebten, stand eine Weile in dem Vorzimmer. Sollte er doch die Maske fallen lassen und mit hohnlachendem Ingrimm über Sylvester Raffland, den Philanthropen, in ein Strafgericht ausbrechen?

Wie er noch stand, ging ein Herr vorüber, um in den Salon zu treten. Er streifte seine Kleider. Murray blickte auf und erkannte Heinrichson, den er bei dem Maler Reichmeyer angetroffen hatte, als er diesen besuchte, um den Versuch zu machen, ob man nicht durch eine Malersitzung die wahnsinnige Auguste heilen könnte, da Auguste unaufhörlich von ihrem Bilde phantasirte...

Ha! Ha! rief er mit einem wilden Anfalle bitterster Ironie: Sie hier? Gibt es hier auch Modelle, Herr?

Heinrichson wandte sich und sah zu dem Sprecher verächtlich zurück.

Murray hatte bei Reichmeyer nur seinen Namen erfahren und Heinrichson war gegangen, als er merkte, daß dieser wunderliche alte Mann mit seinem Kunstgenossen allein zu sprechen wünschte. Schön und gefällig wie Heinrichson war, hatte er Murray's Interesse erregt und damals die Frage nach ihm veranlaßt.

Sie kennen mich nicht! sagte Murray. Ich habe die Ehre, Herrn Heinrichson – eine junge Verwandte wollte ich von Ihnen malen lassen. Sie wollte aber nicht sitzen, als ich Ihren Namen nannte – Auguste Ludmer, Herr Heinrichson!

Heinrichson erschrak über diese Zudringlichkeit und wollte zur Gräfin.

Murray hielt ihn fest und sagte ihm mit einem Tone, der sich durch scheinbaren Scherz selber mäßigte:

Sie sollten sie malen, Herr, wie ich ein Stück in London gesehen habe, als ich im Theater war. Ein tolles Mädchen trat auf, der Einer den Kranz zerrissen hatte, Stroh und Blumen trug sie auf dem Kopf, sang Lieder und war toll... Malen Sie Das, mein Herr! Auguste Ludmer kann Ihnen dazu im Narrenthurm sitzen. Die Mutter Ihres todten Kindes sitzt im Narrenthurm.

Wovon sprechen Sie denn? Was wollen Sie? stotterte Heinrichson, der zu den Männern gehörte, deren Muth nur bei solchen Gelegenheiten sich bewährt, wo ein witziger Einfall die Stelle einer Handlung vertritt. Wo die ernsten Thatsachen des Lebens sprachen, verlor er jedesmal die Gegenwart seines sonst immer schlagfertigen Geistes.

Wer ist der Mann da? fragte er ungeduldig fortdrängend den Bedienten und riß sich los...

Ich bin Murray, sagte der Alte und hielt ihn nun zum Schrecken des feigen Bedienten gewaltsam fest, Murray, ein Engländer! Von Auguste Ludmer sprech' ich, die in allen Ihren Bildern die Menschen entzückt hat und jetzt im Tollhause sitzt. Herr, wie hieß die Prinzessin, die ich in London sah? Sagen Sie mir, wie das Mädchen mit einem Strohkranze um den Kopf, mit Maasliebchen im Haare, geheißen hat?

Ophelia wahrscheinlich! sagte Heinrichson zitternd und riß sich mit letzter Gewalt von dem unheimlichen Manne los, der ihn am Rocke zerrte.

Murray stand und grinzte ihm zornfunkelnd nach.

Der Bediente schien, als Heinrichson zur Gräfin eingetreten war, nicht zu wissen, ob er mit diesem kecken Alten höflich sprechen oder ihn wegen seiner Unverschämtheit zur Thür hinauswerfen sollte. Nur der Gedanke, daß doch Herr Professor Rafflard sich mit ihm so lange unterhalten hatte, mäßigte seine schlimmen Voraussetzungen...

Bester Freund, sagte Murray mit einem eigenen Ausdruck von verwirrter Ironie, der den innern Zorn verbergen sollte; bester Freund, ja, ja, das Stück hättet Ihr in London sehen sollen. Ein Mädchen kam darin vor, das sich vernünftig stellte und toll war und ein junger Mensch, schwarz von Kopf bis zur Zehe, der sich toll stellte, der aber ganz vernünftig sprach. Freund, der Mann spielte seine Rolle so natürlich, daß man hätte schwören mögen, er käme geraden Weges vom Irrenhaus. Aber ein Spitzbube war's! Ein echter Spitzbube!

Der Bediente warf ärgerlich die Thür hinter dem vorlauten, unheimlichen, wie irr redenden Alten zu.

Murray, Athem schöpfend, seine Brust an der Luft erweiternd, stieg bedächtig die mit Decken belegte, von Gypsstatuen gezierte Treppe hinunter und überlegte sich, ob er da wiederkommen würde oder nicht; ob es besser wäre, zu einem bösen Anschlage sein falsches Angesicht zu zeigen oder sein wahres... Als er auf der Straße war und das Gewühl der Menschen sah, die aneinander vorüberrannten, Jeder geschäftig im Bewußtsein seiner eigensten Interessen, da überkam ihn fast die Lust, es mit Sylvester Rafflard auf dem Wege, den dieser eingeschlagen hatte, nun weiter zu versuchen, das ihm gegebene Geld einstweilen zu behalten und Franziska in der That, wenn auch nur scheinbar, zu entführen...

Übereinstimmung ist der Köder, sagte er sich, mit dem man die Füchse hervorlockt aus ihren Gruben, wenn man sie fangen will! Diese Welt ist nicht für die Ehrlichkeit. Jedes Geheimniß hat seinen eigenen Schlüssel. Die Weisheit soll die Klugheit zu ihrer Dienerin haben. Jene thront, diese regiert. Nur Die sind übel daran, die in ewiger Klugheit immer die Sprache der Menschen reden müssen und darüber die Sprache des Himmels vergessen. Das Flammenschwert der Wahrheit, das auf einmal alle Truggespinnste durchschneidet, darf man nie aus der Hand geben. Aber man soll es auch nicht ewig schwingen, man soll es auch nicht brauchen gegen Jeden. Mit diesem Elenden willst du gehen, bis du ihn entlarvt hast!

Der Jesuit aber verließ bald darauf freudestrahlend die Gräfin, um den Propst Gelbsattel zu besuchen. Sylvester Rafflard war in einer ewigen Bewegung, wie damals, als er auf dem Fortunaball Fränzchen Heunisch umschwirrte, die ihm gefiel und für seine Huldigungen unbefangen genug schien. Sein ganzes Wühlen und Schleichen liegt nun am Tage. Er hatte Franziska später in ihrer bescheidenen Existenz aufgesucht, sich die Mühe gegeben, scheinbar ihre Sprachstudien zu leiten, aber bald dem Plane entsagt, sie für seine niedrige Sinnlichkeit erobern zu wollen. Dennoch behielt er das schöne Mädchen im Auge, als er bemerkte, wie werth sie jenem Louis Armand geworden war, der über den Prinzen Egon eine Herrschaft übte, die er brechen mußte, um eine Verbindung zwischen Egon und Helenen zu Stande zu bringen. Sein Späheramt, das er auf Louis Armand unter dem Namen eines Italieners, Signor Barberini, ausüben wollte, wurde gestört, da er als Besitzer eines Quartiers, das er nie bewohnte, bald verdächtig werden mußte. Er hatte Louis Armand der Polizei als Communisten angezeigt, doch davon noch keinen Erfolg bemerken können. Die alte Gräfin d'Azimont schrieb Brief auf Brief und hoffte von ihm die baldigste Bestätigung, daß Helene auf eine Scheidung von ihrem Sohne dringe, den sie selbst beerben wollte. So entschloß sich Rafflard zu Gewaltschritten. Dankmar, Siegbert Wildungen schienen ihm schon so gut wie von Egon entfernt. Rudhard, der für die Kinder seiner Pflegebefohlenen, der Fürstin Wäsämskoi, auf Helenen's künftiges Vermögen rechnete, hatte zwar auch das lebhafteste Interesse, diese Scheidung und die neue Heirath mit dem mittellosen Fürsten von Hohenberg zu hindern; aber auch für Rudhard sann der Jesuit auf eine Gelegenheit, ihn unschädlich zu machen. Am liebsten wär' er in den Kreis der Fürstin Adele selbst eingetreten. Doch nahm man ihn dort nicht an. Er stand der inneren Verwickelung dieser Familie fern und konnte nur durch den Propst Gelbsattel und besonders dessen Töchter erfahren, was sich in jenen Kreisen begab; denn Gelbsattel hatte die alte Schulfreundschaft mit Rudhard, wenn nicht wegen Rudhard, doch wegen einer Fürstin, bei der Rudhard so einflußreich war, wieder angeknüpft.

Rafflard hatte nun den Trost, daß Egon plötzlich allein stehen würde; denn Louis Armand durch einen gefährlichen Anschlag auf Franziska Heunisch mindestens bis London zu jagen, schien ihm nun ein Leichtes.

Er wandte sich der alten Propstei zu, um seinen dortigen Beschützern noch einmal an's Herz zu legen, daß man über Alles, was heute Nachmittag auf einer von der Fürstin Wäsämskoi in ihrem Garten veranstalteten Weinlese sich ereignen würde, ihm den genauesten Bericht erstatten sollte. Auch hatte der Propst dem Jesuiten schon lange versprochen, ihn mit einigen bedeutenden, tonangebenden, außerhalb der Partei stehenden Männern der Residenz näher bekannt zu machen, mit Franz Schlurck, mit Drommeldey, mit Guido Stromer, ja, wenn es irgend ginge, bei zufälliger Begegnung sogar mit dem General Voland von der Hahnenfeder, der schwer zugänglich und stets vom Hofe in Anspruch genommen war. Der Propst hatte ihm gesagt, es müßte Dies an irgend einem dritten Orte geschehen, damit es den Schein der Zufälligkeit gewänne. Die Welt wäre mistrauisch und das Unschuldigste verfiele der Beurtheilung; die Harmlosigkeit der alten Tage wäre vorüber und selbst die Loge, dies sonst so friedliche Asyl der reinsten Bruderliebe und der duldsamsten Neutralität, böte nicht mehr den alten Schutz, wo denkende Menschen sich unbefangen aussprechen und eine gewisse Universalität der Standpunkte voraussetzen könnten.

So sehen wir einen Menschen mehr aus angeborener Lust am Bösen, als um eigener Vortheile willen die harmlos dahinlebenden, uns liebgewordenen Wesen umwühlen, und außer den Gruben, die sich jede lebhafte Empfindung und starke Willenskraft schon durch ihre eigene Leidenschaft gräbt, ihnen noch neue Gefahren bereiten, unvorhergesehene, unverschuldete, verderbenschwangere.

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