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Gutenberg > Aristophanes >

Die Ritter

Aristophanes: Die Ritter - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Ritter
pages5-6
created20070405
sendergerd.bouillon
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Dritte Szene

Chor, der Demos; der Paphlagonier, der Wursthändler, jeder mit einem Pack Schriftrollen unterm Arm

Paphlagonier: Sieh mal, schau her! Das sind noch lang nicht alle!

Wursthändler: Mich drückt's, ich muß – doch sind's noch lang nicht alle!

Demos: Was ist denn das?

Paphlagonier:                 Orakel!

Demos:                                       Lauter?

Paphlagonier:                                         Wunderst
Du dich? Noch hab' ich voll 'ne ganze Kiste!

Wursthändler: Ich noch den Boden und zwei Hinterhäuser!

Demos: Laß sehn: von wem sind die Orakel denn?

Paphlagonier: Die meinen sind von Bakis.

Demos:                                                   Und die deinen?

Wursthändler: Von Glanis, Herr, des Bakis ältrem Bruder.

Demos: Sag mir, von wem sie handeln?

Paphlagonier:                                     Von Athen,
Von Pylos, auch von mir, von dir, von allem!

Demos: Nun, und von wem die deinen?
Wursthändler:                             Von Athen,

Von Linsen, Lakedaimon, frischen Austern,
Von Marktbeamten, die am Mehl betrügen,
Von dir, von mir! Zum Paphlagonier
                          Jetzt beiß dich in den Schwanz!

Demos: Gut denn! Jetzt lest mir die Orakel vor,
Besonders das, das mir verheißt – (wie schön!):
Ich werd' »ein Adler in den Wolken schweben«.

Paphlagonier: So höre denn und merk auf jedes Wort:
Liest aus der Rolle
»Acht', o Erechtheus' Sohn, auf den Spruch, den vom heiligen Dreifuß
Dir aus der Tiefe des Felsens herauf Apollon verkündet:
Halt in Ehren den heiligen Hund mit den schneidenden Hauern,
Der erst knurrt und aus Sorge für dich dann fürchterlich bellend
Reichen Sold dir verschafft; unterläßt er es jemals, dann weh ihm!
Denn es krächzet um ihn eine Schar feindseliger Dohlen!«

Demos: Nein, bei Demeter, das versteh' ich nicht,
Was soll der Hund, Erechtheus und die Dohlen?

Paphlagonier: Ich bin der Hund, ich belfre nur für dich,
Und Phoibos will, du sollst ihn dir erhalten!

Wursthändler: Das steht nicht im Orakel! Dieser Hund
Benagt, wie deine Schwell', auch die Orakel;
Ich hab' das wahre, diesen Hund betreffend!

Demos hebt einen Stein auf:
So lies, ich will mich mit 'nem Stein versehn,
Damit das Hundsorakel mich nicht beißt.

Wursthändler liest:
»Acht', o Erechtheus' Sohn, auf den Hund, den Seelenverkäufer
Kerberos, der mit dem Schwanz, wenn du tafelst, wedelt und lauert,
Und, wenn du gaffst und träumerisch gähnst, den Bissen dir wegschnappt,
Nachts in die Küche verstohlen sich schleicht und ganz wie ein andrer
Hund die Teller ableckt und die Schüsseln und Häfen und Inseln!«

Demos: Das lautet besser, dank dir, weiser Glanis!

Paphlagonier: Hör erst noch weiter, Herr, und richte dann:
»Einst wird gebären ein Weib im heil'gen Athen einen Löwen,
Der für das Volk in den Kampf wird gehn mit unzähligen Mücken,
Gleich als gält' es den eigenen Jungen: Diesen bewahre
Treu und beschirm ihn mit Mauern von Holz und Türmen von Eisen!«

Demos zum Wursthändler:
Verstehst du dieses?

Wursthändler:               Beim Apoll, kein Wort!

Paphlagonier: Der Gott gebeut, du sollst mich dir erhalten,
Ich bin dein Kämpfer an des Löwen Stelle!

Demos: Was? Löwenstellverweser bist du gar?

Wursthändler: Eins im Orakel hat er nicht erklärt:
Die Eisenmauer und das Holz, worin
Dir Loxias befiehlt ihn zu verwahren.

Demos: Was meint der Gott damit?

Wursthändler:                               Du sollst in den
Fünfmund'gen Stock, den hölzernen, ihn sperren!

Demos: Der Spruch kann in Erfüllung gehn, und bald!

Paphlagonier: Glaub' ihm nichts, es krächzen ins Ohr dir neidische Krähen!
Liebe den Habicht, gedenkend im Geist, daß er dir gebunden
Eingeliefert die Brut der lakedaimonischen Raben!

Wursthändler: Des hat im Rausche sich nur der Paphlagoner vermessen;
Kekrops' übelberatener Sohn, das nennst du was Großes?
»Tragen mag auch ein Weib eine Last – wenn ein Mann sie ihr auflegt«,
Aber sie taugt nicht zum Krieg, und kriegt sie, kriegt sie den Durchfall!

Paphlagonier: Achte des Götterspruchs, der dich mahnet an Pylos vor Pylos:
»Dort vor Pylos ist noch ein Pylos –«

Demos:                                                   Was? Pylos vor Pylos?

Wursthändler: Wenn man zur Tafel sich legt, geht er auf den obersten Pfühl los!

Demos: Und macht sich breit, kaum find' ich noch ein Eckchen –

Wursthändler: Auf harter Bank – er sieht's und bleibt gefühllos!
Nun aber sollst du das Orakel hören
Von unsrer Flotte: acht' auf jedes Wort!

Demos: Das tu' ich, lies! Steht nicht darin, ob wohl
Mein Schiffsvolk seine Löhnung bald bekommt?

Wursthändler liest:
»Hab, o Aigide, wohl acht auf den Fuchshund, laß dich nicht prellen,
Windschnell ist er, verschmitzt, raubsüchtig, bissig und tückisch!«
Weißt du, wer hier ist gemeint?

Demos: Philostratos, denk' ich, der Fuchshund?

Wursthändler: Der ist es nicht, nein der! Auf den Paphlagonier deutend
                                                      Er fordert Schiffe
Gar oft von dir, behend zum Gelderpressen;
Und Loxias meint, du sollst sie ihm nicht geben.

Demos: Wie kommt ein Schiff zum Namen: Fuchshund?

Wursthändler:                                                             Wie?
Ein Schiff ist schnell, und schnell ist auch der Hund.

Demos: Gut, doch wie kommt der Fuchs noch zu dem Hund?

Wursthändler: Die Schiffssoldaten nennt er Füchse, weil
Sie auf dem Lande gern im Weinberg naschen.

Demos: So, so! – – denkt nach
Wo aber bleibt die Löhnung für die Füchse?

Wursthändler: Auch diese schaff' ich in drei Tagen her.
»Aber nun höre den Spruch, den der Leto Sohn dir verkündet:
Hüte, spricht er, vor Laurion dich, und laß dich nicht prellen!«

Demos: Laurion, wie? Was meint er?

Wursthändler:                                 Die tückisch lauernden Augen
Dieses Kujons, der hinterrücks dich zu bestehlen nur trachtet!

Paphlagonier: Nimmermehr! Er erklärt es dir falsch; nein, deutlich bezeichnet
Ist Diopeithes, der Dieb, der umsonst auf die Beute jetzt lauert.
Höre noch ein Orakel, ein fliegendes, das ich besitze:
»Werden wirst du ein Aar und die Länder des Erdballs beherrschen!«

Wursthändler: Herrschen wirst du, so sagt mein Spruch, auf dem Land und dem Roten
Meer, in Ekbatana richten und Salzkonfekt dazu schlecken!

Paphlagonier: Mir ist erschienen ein Traum, und ich sah leibhaftig die Göttin,
Wie aus der Schal' auf den Demos sie Reichtum und Wohlsein herabgoß.

Wursthändler: Mir auch erschien sie, bei Zeus, und ich sah von der Burg sie leibhaftig
Niedersteigen, und obenauf saß ihr die heilige Eule;
Und Ambrosia goß sie aufs Haupt dir aus mächtigen Kübeln,
Dir, o Demos, und dem – die knoblauchduftende Lauge!

Demos: Juhe, Juhe!
So weis' als Glanis ist kein Sterblicher!
Zum Wursthändler
Drum übergeb' ich dir mich selbst mit Freuden
Zur Alterspfleg' und neuer Jugendbildung!

Paphlagonier: Noch nicht, ich bitte dich, o warte noch!
Tagtäglich reich' ich Gerste dir und Korn!

Demos: Schweig mir von Gerste! Oft genug habt ihr,
Du und Theophanes, mich drum geprellt!

Paphlagonier: Nun gut, so schaff' ich Mehl und Brot dir her!

Wursthändler: Ich schon gebackne Kuchen, Zugemüs'
Und Braten, und du brauchst nur zuzugreifen!

Demos: Nun denn, so zeigt, was ihr vermögt; mein Will'
Ist dieser: wer am besten mich bewirtet,
Dem geb' ich Zaum und Zügel auf der Pnyx.

Paphlagonier: Da renn' ich!

Wursthändler:                     Oh, ich hole schon dich ein! Beide ab

Chor: Demos, wie du gewaltig bist
Und gefürchtet von jedermann,
Herrschest als unumschränkter
Regent und Gebieter!
Aber leicht dich betören läßt
Du von den Schmeichlern, die ränkevoll
Dich am Narrenseil führen: denn
Schwatzt dir einer was vor, da sperrst
Maul und Nase du auf – dein Witz
Ergeht sich wo anders!

Demos: Witz – der ist unter eurem Schopf
Nicht zu Hause, sonst hießest du
Mich nicht töricht. Ich stelle selbst
Mit Fleiß mich so kindisch!
Denn das ist mir der größte Spaß:
Alle Tag' einen neuen Zutsch!
Und so halt' ich mir einen Herrn
Zum Vergnügen, der mich bestiehlt;
Ist er voll dann, so häng' ich ihn,
Um leer ihn zu klopfen!

Chor: Nun, das wäre ja wohlgetan,
Wenn solch heimlicher, schlauer Sinn
Deinem Tun, wie du selber sagst,
Stets läge zugrunde,
Wenn die Bursche du auf der Pnyx
Wohlbedächtlich, wie Opfervieh,
Hieltest, füttertest, um sodann,
Wenn ein Braten dir fehlt, heraus
Gleich den Fettsten zu fangen und
Zum Schmaus ihn zu opfern!

Demos: Seht ihr jetzt, wie ich schlau herum
Schleich' um sie, die so listig sich
Dünken und auf der Nase keck
Mir wagen zu tanzen?
Immer hab' ich ein Aug' auf sie,
Wie sie stehlen; und keiner denkt,
Daß ich's sehe: dann müssen sie,
Was sie heimlich mir weggenascht,
Wieder speien, die Feder des
Gerichts in dem Rachen!

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