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Gutenberg > Aristophanes >

Die Ritter

Aristophanes: Die Ritter - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Ritter
pages5-6
created20070405
sendergerd.bouillon
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Zweite Szene

Der Chor. Der Wursthändler. Später der Paphlagonier, dann Demos

Chor zum Wursthändler, der vom Rathaus zurückkommt:
Du teurer, jugendmut'ger Held, was hatt'
Ich nicht für Angst um dich, seit du gegangen!
Doch nun, da du mit heiler Haut zurück,
Sag an, wie du den Handel ausgefochten.

Wursthändler: Wie? – Seinen Mann hab' ich dem Rat gezeigt!

Chor: Nun, so laß mit lautem Jubel, Sieger, dich begrüßen,
Mann des Worts, und was erhabner noch als alles Reden ist,
Mann der Tat, erzähle mir
Alles, wie es ging, genau;
Herzlich gern, glaube mir,
Lief ich meilenweit, allein um solches anzuhören.
Drum rede nur getrost, damit wir, Bester,
All' uns deines Sieges freun!

Wursthändler: Gewiß, es lohnt die Müh, das anzuhören!
Ihr wißt, ich folgt' ihm schnurstracks auf dem Fuß:
Dort brach er los, wie Donnerkeilgerassel,
Brüllt wie ein Untier auf die Ritter, pustet
Felsblöck' und schilt sie allesamt Verschwörer,
Und gläubig hört der ganze Rat ihm zu,
Füllt sich den Bauch mit gift'gen Lügenpilzen,
Zog auf die Brau'n und schnitt ein Senfgesicht.
Kaum merkt' ich, daß mit seinem Lügenköder
Der Schelm sie fing, da sprach ich so zu mir:
›Auf, ihr Kobold', Alraunen und Alfanzen,
Asmodi, Plump und Puck, Spukgeister ihr,
Jetzt macht mich zungenfertig, trotzig, frech,
Und helft mir schrein!‹ – So stand ich in Gedanken,
Da donnert rechts von mir ein mächt'ger Furz:
Ich dankte Gott und prallte mit dem Hintern
Aufs Gatter, daß es brach, drang ein und riß
Das Maul auf: ›Ich verkünd' euch Heil und Segen,
Ihr Ratsherrn, gute Botschaft bring' ich euch:
Noch niemals seit dem Ausbruch dieses Kriegs
Sah ich so wohlfeil die Sardellen hier!‹
Da klärte plötzlich sich ihr Antlitz auf,
Ich ward bekränzt für meine frohe Nachricht.
Gleich macht' ich ihnen den ›geheimen‹ Vorschlag,
Den Töpfern alle Schüsseln wegzunehmen
Und Fische g'nug fürs Sitzungsgeld zu kaufen.
Sie klatschten Beifall und begafften mich;
Der Paphlagonier, schnell bedacht – er wußte,
Wie man beim Rat am besten sich empfiehlt –
Verlangt das Wort: ›Ihr Herrn, ich schlage vor,
Zum Dank für diese segensreiche Botschaft
Der Göttin hundert Ochsen gleich zu opfern.‹
Und wieder nickt der Rat ihm freundlich zu.
Als ich mit Ochsenunrat mich im Rat
Besiegt sah, trumpft' ich drauf: ›Zweihundert Ochsen!‹
Auch tausend Ziegen riet ich zu geloben
Der Artemis, wenn morgen Gründlinge
Zu haben, hundert für 'nen Obolos.
Und wieder dreht der Rat nach mir den Kopf.
Der andre steht verblüfft und stottert was;
Fort schoben ihn Prytanen und Trabanten,
Und alle standen auf und lärmten wegen
Der Fische. Doch er bat: ›Geduldet euch
Nur einen Augenblick! Ein Bot' ist da
Von Sparta, hört erst seinen Friedensantrag!‹
Sie aber schrien all' aus einer Kehle:
›Was, Frieden, jetzt? Du Narr, jetzt, wo sie merken,
Daß die Sardellen wohlfeil sind bei uns?
Nichts da von Frieden? Laßt dem Krieg den Lauf!
Prytanen, schließt die Sitzung!‹ – Und sie sprangen
Nach allen Seiten übers Gatter weg.
Ich lief voraus, und allen Koriander
Und Schnittlauch kauft' ich auf dem Markt zusammen
Und gab's den Armen gratis, ihre Fische
Zu würzen, und – ich war der Mann des Volks!
Das war ein Loben, ein Potztausendschnalzen!
Mit einem Obolos für Koriander
Bring' ich den Rat hier in der Tasche mit.

Chor: O du Glückskind, alles hast du herrlich angefangen!
Seinen Meister hat der Spitzbub' jetzt gefunden, der ihn weit
Überstrahlt an Schurkerei,
Ränken, Kniffen aller Art
Und Geschwätz, glatt und schlau.
Denke nur jetzt drauf, die Sache ferner mannlich
Durchzufechten; daß wir dir im Kampf zur Seite
Treulich stehn, das weißt du längst!
Der Paphlagonier kommt gelaufen

Wursthändler: Da kommt der Paphlagonier! Wie er schnaubt
Und Wellen wirft und spritzt und schäumt, als wollt'
Er mich verschlucken! Welch ein Graus, hu hu!

Paphlagonier: Mord' ich dich nicht mit Lügenwerk, ich kann's
Noch hoffentlich, will ich zu Aas verfaulen!

Wursthändler: Recht hübsch geflucht, dein Drohen macht mir Spaß,
Ich tanz' und spring' und schnalze vor Vergnügen!

Paphlagonier: Ich sag' dir, fress' ich dich nicht hier vom Boden
Hinweg zur Stadt hinaus, soll mich die Kränk' –!

Wursthändler: Du willst mich fressen? Nun, dann sauf ich dich,
Und hab' ich dich im Leib, will ich zerplatzen!

Paphlagonier: Bei meinem Ehrenplatz als Held von Pylos,
Ich bring' dich um!

Wursthändler:             So, so, der Ehrenplatz?
Dich seh' ich bald dort auf der letzten Bank!

Paphlagonier: Beim Uranos, du mußt mir in den Stock!

Wursthändler: Wie hitzig! Sag, womit kann ich dir dienen?
Was ißt du gern – Pasteten goldgefüllt?

Paphlagonier: Ich kratz' dir mit den Klau'n die Kutteln 'raus!

Wursthändler: Ich rapse dir den Fraß im Prytaneion!

Paphlagonier: Zum Demos schlepp' ich dich, du sollst mir's büßen!

Wursthändler: Ich dich zuerst, ich will den Schurken zeichnen!

Paphlagonier: Du Lump, er glaubt dir doch kein Wort, und ich,
Ich lach' ihm ins Gesicht, wie mir's gefällt!

Wursthändler: Glaubst du, du hast den Demos ganz im Sack?

Paphlagonier: Pah, ich versteh's, wie man das Maul ihm stopft!

Wursthändler: O ja, du fütterst ihn, wie schlechte Ammen,
Kaust ihm was vor und steckst ein bißchen ihm
Ins Maul, und dreimal mehr verschluckst du selbst!

Paphlagonier: Nun ja, das ist ja eben meine Kunst:
Ich mach' ihn dick und dünn und weit und eng.

Wursthändler: 'Ne schöne Kunst, das kann mein Hintrer auch!

Paphlagonier: Glaubst du, du Narr, es geht wie dort im Rat?
Marsch, vor den Demos!

Wursthändler:                     Immer zu, es steht
Dir nichts im Weg, nur vorwärts, ungeniert!

Paphlagonier ruft ins Haus hinein:
Komm, Vater Demos, sei so gut, komm 'raus!

Wursthändler: So komm doch, Demos, Herzenspüppchen, komm!

Demos humpelt heraus, ärmlich gekleidet

Demos: Wer schreit da? Schert euch von der Türe weg!
Ihr habt mir da den Ölzweig schön verrupft!

Paphlagonier: Komm, Bester, sieh, wie sie mich hier mißhandeln!

Demos: Wer tut dir was zuleid, mein Paphlagonier?

Paphlagonier: Sieh, deinetwegen prügeln mich die Schurken!

Demos: Warum?

Paphlagonier:   Weil ich dich liebe, dich vergöttre!

Demos zum Wursthändler:
Wer bist denn du?

Wursthändler:           Ich bin sein Nebenbuhler.
Längst lieb' ich dich und möcht' es gern dir zeigen,
Ich, wie wohl sonst noch mancher wackre Mann.
Du aber läßt uns nicht und bist genau
Wie andre hübsche Buben, die man liebt.
Die edeln, wackern Männer weist du ab
Und gibst mit Ampelnmachern, Saitenkrämern,
Schuhflickern nur dich ab und Lederhändlern.

Paphlagonier: Wie viel verdankt der Demos mir!

Wursthändler:                                                   Zum Beispiel?

Paphlagonier: Ich fuhr nach Pylos, lief den Feldherrn ab
Den Rang und brachte die Spartaner her!

Wursthändler ihn nachäffend:
Ich lass' die Bude stehn und schlendre 'rum,
Und, kocht ein andrer, stehl' ich ihm den Topf!

Paphlagonier zum Demos:
Herr, weißt du was? Wir halten gleich Versammlung,
Da wirst du sehn, wer dir ergebner ist;
Entscheide selbst, wer deine Gunst verdient!

Wursthändler: Tu das, jetzt gleich, und nur nicht auf der Pnyx!

Demos: Ich mag an keinem andern Ort mich setzen
Als auf der Pnyx, wie immer; laßt uns gehn!

Wursthändler gegen die Zuschauer:
Weh mir, so ist's um mich geschehn! – Der Alte,
Zu Haus ist er ein ganz vernünft'ger Mann,
Doch sitzt er auf der Steinbank, sperrt das Maul
Er auf, wie Knaben, die nach Feigen schnappen.

Demos und Paphlagonier setzen sich auf die steinernen Bänke, die den Versammlungsplatz des Volks – die Pnyx – vorstellen

Chor zum Wursthändler:
Beisetzen mußt du jetzt, mein Freund, was du vermagst an Segeln,
Mußt mit dir führen Feuermut, Worte zum Zerschmettern,
Und schwer Geschütz zum Kampf mit ihm: schlau ist er und tückisch,
Unmögliches versteht der Fuchs in Mögliches zu wandeln!
So tritt ihm breit und mächtig denn, mit Sturmgewalt entgegen;
Doch sei auf deiner Hut, und eh' er dir sich naht, erhebe
Den Bleiklotz, um ins Schiff ihn gleich beim Entern ihm zu werfen!

Paphlagonier: Zu Athene fleh' ich, der Herrin der Burg, der Schirmerin unseres Landes:
Wofern ich der Stadt und dem Volk von Athen, für das ich mich immer geopfert,
Der verdienstvollste Mann nach Lysikles bin, nach der Kynna und Salabakcho,
Stets soll mir, wie jetzt, und tu' ich auch nichts, der Tisch der Prytanen gedeckt sein!
Doch hass' ich dich je, und werf ich mich nicht, ich allein, deinen Feinden entgegen,
Dann schinde mich, Demos, zersäge mich, hau mich zu Halfterriemen in Stücke!

Wursthändler: Wenn ich dich nicht liebe, vergöttre, o Herr, dann lass' ich mich hacken und kochen
Wie Kaldaunen, und traust du mir so noch nicht, so lass' ich mich hier auf dem Schragen
Zerhacken und reiben wie Käs auf den Brei mit der Raspel, ich lass' an den Hoden
Mit Küchengabeln und Zangen hinaus auf den Kerameikos mich schleppen!

Paphlagonier: Wo lebt er, der Mann, der dich inniger liebt, als ich, dein Getreuer, o Demos,
Ich, der dir von Anfang zum Besten nur riet und Geld in die Kassen die Fülle
Dir geliefert, indem ich die einen beschwatzt, die andern geängstigt, gefoltert,
Ohne Rücksicht stets auf die einzelnen, wenn ich nur dir mich gefällig erzeigte!

Wursthändler: Was will das heißen, o Demos? Ich selbst, ich vollbringe mit Freuden dasselbe:
Den andern stehl' ich vom Mund hinweg das Brot und bediene dich bestens.
Daß der dich nicht liebt und es schlecht mit dir meint, das beweis' ich zur Stelle dir schlagend:
Eins will er und sonst nichts andres, als sich erwärmen an deinen Kohlen.
Du, der für die Heimat, das Schwert in der Hand, dich bei Marathon tapfer geschlagen
Und die Perser besiegt und das Recht uns erkämpft, mit der Zunge gewaltig zu fechten,
Da sitzest du hart auf den Steinen, und er? Ihn kümmert es nicht im geringsten;
Und ich – ich habe dies Polster genäht und gestopft! So erhebe dich, Demos,
Und setze dich weich und schone den Freund, auf des Demos Hintern zeigend
                                                                    der so wacker bei Salamis nachschob!

Demos sich auf das untergelegte Polster setzend:
Wer bist du, o Mann? Ein Sprößling vielleicht von Harmodios' edlem Geschlechte?
Wahrhaftig, du bist des Demos Freund, patriotisch hast du gehandelt!

Paphlagonier: Wie läßt du doch gleich durch den lumpigen Dienst, diesen Schmeichlerkniff, dich bestechen?

Wursthändler: War der Köder nicht tausendmal lumpiger noch, mit dem du den Alten geangelt?

Paphlagonier: Nein, sag' ich, wie ich hat nie sich ein Mann für den Demos gestellt vor die Risse,
Nie hat ihn ein Bürger geliebt so wie ich, den Kopf will ich wetten zur Stunde!

Wursthändler: Du liebst ihn, und siehst's ohn' Erbarmen mit an, wie in Tonnen, Baracken und Winkeln,
Wachtürmen und Geiernestern er schon acht Jahr sich mußte verkriechen?
Du sperrst ihn ein, wie im Bienenkorb, und wiesest den Friedensvermittler,
Archeptolemos, ab und jagtest hinaus zu den Toren der Stadt die Gesandten
Und gabst ihnen noch einen Tritt vor den Arsch, zum Dank für den friedlichen Vorschlag!

Paphlagonier: Über Hellas wollt' ich ihn machen zum Herrn, denn so lautet ein Spruch des Orakels:
»In Arkadien wird fünf Obolen einst beziehen als Richter der Demos,
Wenn er standhaft bleibt.« Ich besorg' ihm indes ausreichende Nahrung und Pflege,
Und, grad oder krumm, ich finde den Weg, die drei Obolen ihm zu verschaffen!

Wursthändler: Zum regierenden Herrn in Arkadien, so, willst du ihn befördern? Du Prahler!
Nein, Raub und Bestechung, das suchst du allein in den Städten des Bundes; der Demos,
Der sieht vor dem Staub und Getümmel des Kriegs nicht mehr, wie du bübisch hantierest;
Aus Hunger und Not, um den täglichen Sold, vergafft er in dich sich, der Arme!
Doch zieht er einst wieder aufs Land und wohnt bei den Seinen im Frieden und frischt sich
An Weizengraupen den Mut wieder auf, und trinkt er im Most sich vernünftig,
Dann wird er erkennen, welch köstliches Gut mit dem Solddienst du ihm verdorben;
Dann kommt er, ein grimmiger Bauer, zur Stadt und wirft an den Kopf dir die Steine.
Das weißt du, Betrüger, und deinethalb nur verrückst du den Kopf ihm mit Träumen!

Paphlagonier: Ha, ist's nicht verrucht, daß du so mich beschimpfst und verleumdest vor allen Athenern,
Vor dem Demos hier, und mich, der stets den Bürgern nur Gutes erwiesen,
Und anders noch, bei Demeter, als einst Themistokles, sie mir verpflichtet?

Wursthändler: »O Argos, du hörst, was er kündet?« Er stellt dem Themistokles frech sich zur Seite,
Dem Mann, der die Stadt bis zum Rande gefüllt, die er voll nur zur Hälfte gefunden,
Der, während das Volk beim Frühstück saß, den Peiraieus zum Nachtisch gebacken,
Der die Fisch' ihm ließ, die ihm vorher geschmeckt, und mit neuen dazu ihn bediente?
Du trachtest nur, aus den Bürgern Athens Kleinstädter zu machen, du sperrtest
Mit Orakelgewäsch in den Mauern sie ein, du, der sich Themistokles gleichstellt!
Er wurde verbannt, du putzt dir am Tisch mit Achilleuskuchen die Hände!

Paphlagonier: Ha, ist es nicht schnöd, o Demos, daß ich von dem Kerl da solches muß hören,
Bloß, weil ich dich lieb'?

Demos:                               Ich sage dir, still! Und laß das verwetterte Belfern!
Zu lange schon hast du verstohlen mein Mehl in der glühenden Asche verbacken!

Wursthändler: Demos'chen, ich sag' dir: ein schuftiger Kerl, der dich hundertmal täglich betrogen;
Wenn du schläfrig gähnst, dann rupft er dir stets
Das beste Teil von den Geldbußen ab
Und verschluckt es, und sackt vom gemeinen Gut
Links, rechts in die Tasch' mit den Händen sich ein.

Paphlagonier wütend mit den Armen fechtend:
Sieh zu, ich verklage dich, daß du dem Staat
Dreißigtausend Talente gestohlen hast!

Wursthändler: Was sprudelst du so mit den Rudern im Sumpf?
So abscheulich wie du hat am Volk von Athen
Sich noch keiner versündigt; Belege sind da,
Und, so wahr ich leb', ich beweise dir gleich,
Daß mit vierzig Minen und mehr du dich ließt
Von den Mytilenäern bestechen!

Chor zum Wursthändler:
Wohltäter du der Menschen, wie noch keiner lebt' auf Erden,
Preis deiner Zungenfertigkeit! Kämpfst du also weiter,
Wirst du das Haupt von Hellas, und du allein wirst lenken
Die Stadt, dem Bund gebieten, in der Hand den Dreizack schwingend,
Wirst rütteln, wühlen und dabei ein schönes Geld dir machen!
Jetzt laß ihn nur nicht los, da er sich selbst dir bloß gegeben,
Du bringst zu Fall ihn ohne Müh', ich seh's an deinen Lenden!

Paphlagonier: Nein, bei Poseidon, noch ist's nicht so weit mit mir gekommen:
Denn eine Tat hab' ich vollbracht, ja, eine Tat, mit welcher
Ich meinen Feinden insgesamt die frechen Mäuler stopfe,
Solang ein Span noch übrig ist von jenen Pylos-Schilden!

Wursthändler: Gut, bleib bei diesen Schilden stehn: schon wieder eine Blöße!
Wenn du den Demos liebst, warum hast du mit Fleiß die Schilde
Samt Ring' und Riemen aufgehängt im Heiligtum der Göttin?
Nun, Demos, merkst du nicht den Pfiff? – Um dir, wenn du den Schurken
Willst züchtigen einmal, wie er's verdient, die Hand zu binden!
Denn sieh dich um: da hat er dir ein Rudel Gerberbursche
Und rings die ganze Nachbarschaft, die Käs- und Honighändler;
Das bläst nun all ins gleiche Horn und hängt wie Pech zusammen;
Brummst du nun auf und willst einmal ein Scherbenspielchen machen,
Dann läuft des Nachts die Bande hin und reißt die Schilde 'runter,
Besetzt uns Markt und Kornhaus, um die Bürger auszuhungern.

Demos: Ich Ärmster! Also haben sie noch Griff und Riemen? – Schurke,
Wie frech hast du mich übers Ohr gehaun, geprellt, verraten!

Paphlagonier: Kurioser Greis, laß dich doch nicht von jedem gleich beschwatzen,
Denn einen treuern Freund als mich wirst du vergebens suchen;
Ich dämpfte die Komplott', ich hatt' ein wachsam Aug' auf alle
Die Malkontenten in der Stadt, und merkt' ich Unrat, kräht' ich!

Wursthändler: Den Fischern hast du's nachgemacht, die auf den Aalfang gehen:
Solang im See das Wasser still, bemüh'n sie sich vergebens;
Drum wühlen sie recht tüchtig auf den Schlamm, und also fangen
Sie Fische g'nug. So wühlst du auf die Stadt, im Trüben fischend!
Sag mir nur eins, du liebst ihn doch so heiß: hast du dem Demos
Von all dem Leder, das du je verschachert, ein Paar Sohlen
Geschenkt, auch nur ein einzig Paar?

Demos:                                                 Nicht eins, das weiß Apollon!

Wursthändler: Da siehst du nun, was an ihm ist! Doch schau, aus meinem Beutel
Hab' ich dir ein Paar Schuh gekauft; da, trag sie mir zuliebe! Präsentiert sie ihm

Demos: Das nenn' ich einen wahren Freund und patriot'schen Bürger,
Der redlich mit der Republik es meint und meinen Zehen!

Paphlagonier: Was? Ein Paar Schuh vermag so viel bei dir? Und was du alles
Mir hast zu danken, fällt dir das nicht ein? – Ich hab' den Hurern
Gelegt das Handwerk und im Buch den Gryttos durchgestrichen!

Wursthändler: Ein saubres Amt, das Bubenpack als Hinternvisitator
Zu kujonieren und aus Neid das Handwerk ihm zu legen,
Aus purem Neid, damit sie ja nie Redner werden können!
Und diesen guten Alten, der kein Hemd hat auf dem Leibe,
Du sahst ihn frieren, und dir war ein Wams für ihn zu teuer
Im strengsten Winter! – Alter, sieh, da schenk' ich dir ein Wämschen!

Demos nimmt es gerührt:
Nein, selber dem Themistokles kam so was nie zu Sinne;
Zwar sein Gedanke war just nicht der schlimmste, der Peiraieus:
Doch kann der Einfall mit dem Wams mit ihm sich füglich messen!

Paphlagonier: Mit was für Affenkünsten sucht der Schlingel mir zu schaden!

Wursthändler: Wieso? Ich mach' es eben wie der Trinker, wenn's ihm ankommt,
Und deine Künste mach' ich als Pantoffeln mir zu nutzen!

Paphlagonier: Mit Augendienerei, da stichst du mich nicht aus!
Zum Demos                                                               Da, Alter,
Nimm, dein ist dieser Mantel! Gibt ihn – Zum Wursthändler
                                            So! Jetzt platze, Schuft!

Demos wirft den Mantel weg:                                               Pfui Tausend!
Pack dich, du Aas, du stinkst ja wie die Pest nach Gerberlauge!

Wursthändler: Den hat er nur dir umgehängt, damit du sollst ersticken,
Denn nach dem Leben stand er dir schon oft: du weißt, das Ding da,
Die Asa foetida, die fiel einmal im Preis?

Demos:                                                       Ich weiß es.

Wursthändler: Die hat er damals recht mit Fleiß herabgedrückt im Preise,
Damit ihr tüchtig kaufen sollt und essen quantum satis,
Um in der Heliaia euch als Richter tot zu farzen!

Demos: Ja, meiner Treu, das hat mir schon einmal gesagt ein Mistfink!

Wursthändler: Hat euch der Dampf nicht damals auch gefärbt ein wenig brandgelb?

Demos: Ja, ja, das hat der Höllenbrand uns alles angerichtet!

Paphlagonier: Schmarotzerkniffe! Glaubst du, Lump, du machst mich so zuschanden?

Wursthändler: Befohlen hat die Göttin mir, mit Frechheit dich zu schlagen!

Paphlagonier: Du mich? – Mein lieber Demos, sieh: dahin will ich es bringen,
Daß du 'nen Topf mit Obolen kriegst vorgesetzt fürs Nichtstun!

Wursthändler: Dies Näpfchen hier verehr' ich dir, dazu die Wundersalbe,
Die Schwären an dem Schienbein dir damit zu überstreichen!

Paphlagonier schiebt ihn weg:
Ich suche dir die grauen Haar', ich werde dich verjüngen!

Wursthändler: Da nimm dies Hasenschwänzchen, dir die Augen auszuwischen!

Paphlagonier: Wenn du dich schneuzest, Demos, putz es ab an meinem Kopfe!

Wursthändler: Am meinigen!

Paphlagonier:                       Am meinigen!
Zum Wursthändler                           Ich mache dich zum Schiffshauptmann,
Und ruinieren sollst du dich:
Du kriegst ein altes, leckes Schiff,
Um Hab und Gut mit Bauen sollst
Du kommen und mit Flicken: ich
Will's schon besorgen, daß du nichts
Als faules Takelwerk bekommst!

Chor: Das sprudelt paphlagonisch wild!
Hör auf, damit's nicht überläuft!
Holz weg, den Löffel her, schäum ab,
Schäum ab den Schwall von Drohungen!

Paphlagonier: Du sollst mir's teuer büßen, ha!
Und Steuern zahlen die schwere Not!
Und mit den Reichsten sollst du mir,
Du Lump, auf einer Liste stehn!

Wursthändler: Mit Drohen geb' ich mich nicht ab;
Doch einen Wunsch hab' ich für dich:
Ein schöner Blackfisch steht vor dir
Noch protzelnd auf dem Tisch; du willst
Im Handel der Milesier
Auftreten: denn du profitierst,
Wenn du ihn durchsetzst, ein Talent;
Du bist pressiert, der Blackfisch soll
In deinen Bauch, du – auf die Pnyx:
Kaum hast du angebissen, kommt
Ein Mann und holt dich: hier der Fisch.
Dort das Talent, was ist zu tun?
Du stopfst und stopfst
Hinein und mußt ersticken!

Chor: Schön, herrlich, ja, das gebe Zeus, Demeter und Apollon!

Demos: Du bist der beste Bürger, der seit lange
Im Volk des heiligen Obolos erschien!
Du, Paphlagonier, hast mit deiner Liebe
Mich nur gezwiebelt; jetzt gib her den Ring:
Denn deine Wirtschaft hat ein Ende!

Paphlagonier gibt ihm einen Ring:             Hier!
Allein bedenk, ein andrer wird, wenn du
Mich absetzst, kommen, schlechter noch als ich!

Demos: Das ist mein Siegelring ja nicht! Ein andres,
Ganz andres Zeichen war darauf, ich müßte
Denn blind sein!

Wursthändler:         Laß doch sehn! Was war dein Zeichen?

Demos: Ein Ochsenhirn in Feigenblatt gebacken.

Wursthändler: Das seh' ich nicht!

Demos:                                       Kein Ochsenhirn? Was denn?

Wursthändler: Ein Reiher, der vom Felsen kreischt und schnappt.

Demos: Verdammt!

Wursthändler:       Was gibt's?

Demos:                                   Den Ring mir aus den Augen!
Der sei von mir? Nein, vom Kleonymos!
Zum Wursthändler
Du, nimm den echten hier, sei mein Verwalter!

Paphlagonier: Noch nicht, gestrenger Herr, ich bitte sehr,
Orakel hab' ich, diese mußt du hören!

Wursthändler: Zuerst die meinen!

Paphlagonier:                             Glaubst du dem, so mußt du
Kuhmelker werden!

Wursthändler:               Glaubst du dem, so fährt
Dir bis zum Myrtenkranz zurück die Vorhaut!

Paphlagonier: Die meinen sagen: herrschen wirst du über
Die ganze Welt, das Haupt bekränzt mit Rosen!

Wursthändler: Die meinen sagen: in gesticktem Purpur,
Gekrönt, wirst du auf einem goldnen Wagen –
Die Smikythe und ihren Herrn verfolgen!

Paphlagonier: So bring einmal die deinen her und laß
Sie hören!

Wursthändler:   Gleich!

Demos:                         Und du, bring auch die deinen!

Paphlagonier: Im Augenblick!

Wursthändler:                       Im Augenblick! – Nun fort!

Beide ab nach verschiedenen Seiten

Chor: Tag der Freude, des Jubels für
Alle, die hier versammelt sind,
Alle, die erst noch kommen, wenn
Kleon fällt, der Verhaßte!
Freilich hört' ich auch Leute schon,
Alte, verdrießliche Käuze, die
Auf dem Prozessekrämermarkt
So sich von ihm unterhielten:

›Wäre nicht er, der gewaltige Mann,
Hier im Volke, wir hätten wohl
Zwei höchst wichtige Dinge nicht:
Mörserkeul' und Rührlöffel!‹ –
Groß auch ist er, erstaunlich groß
Als schweinsöhriger Musiker!
Sagten doch schon die Knaben von
Ihm, seine Schulkameraden:
Immer griff auf der Leier
Er die dorische Tonart nur,
Nie die andere wollt' ihm ein;
Endlich jagt' ihn der Meister
Fort im Zorn: ›Keinen Schlüssel wird
Je begreifen der Racker, als
Einen, den Louisdor'schen!‹

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