Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Eduard Bauernfeld >

Die Republik der Thiere

Eduard Bauernfeld: Die Republik der Thiere - Kapitel 9
Quellenangabe
typesatire
booktitleGesammelte Schriften Band 6
authorEduard v. Bauernfeld
firstpub1848
year1872
publisherWilhelm Braumüller
addressWien
titleDie Republik der Thiere
pages1-49
created20060813
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Achte Scene.

(In der Provinz.)

Zebra, Präfect (am Actentische). Da trägt mir der Herr Minister auf, Geld zu schaffen. Wie soll ich das anstellen? Jetzt, wo Niemand zahlen will?

Bürger (stürzen herein). Bürger Präfect!

Präfect. Guten Morgen, meine Herren! Nun, wie sind Sie mit mir zufrieden?

Bürger. Gar nicht zum Besten.

Präfect. Wie? Thu' ich doch alles Mögliche, Sie zu befriedigen.

Bürger. Ja, aber Sie sind zuletzt doch von Adel.

Präfect. Das ist nun einmal nicht zu ändern. Ich bin der Sohn meines Vaters – das sind wir Alle – mehr oder minder – Sie müssen mir das schon verzeihen.

Bürger. Pah! Wir haben Sie im Verdacht, daß Sie reagiren.

Präfect. Du lieber Himmel! Ich agire blos.

Bürger. Sie müssen vor Allem die Volksbewaffnung einführen.

Präfect. Recht gern, doch fehlt es uns an Waffen.

Bürger. Faule Fische! Pereat der Präfect!

Präfect. Halt, meine Herren! Hier ist meine eigene Waffenkammer. Bedienen Sie sich!

Bürger (sich bewaffnend). Vivat der Präfect!

Präfect (seufzend, für sich). Meine schönen Jagdflinten! Meine Damascener-Klingen!

Einer. Da sind ja keine Kanonen darunter!

Präfect. Die sind in einer Jagdkammer nicht gebräuchlich. Was wünschen Sie noch?

Die Bürger. Etwas Geld aus dem Staatsseckel.

Präfect. Der ist leider leer – wir sollen ihn sogar füllen helfen, meine Herren –

Bürger. Wir?

Präfect. Heißt das, wenn die Bürgerschaft damit einverstanden ist.

Bürger. Pereat der Präfect!

Präfect. Es kann auch unterbleiben. Hier, nehmen Sie aus meiner Tasche, was ich vermag.

Bürger. Vivat der Präfect! (Gehen ab.)

Präfect (allein). Gott Lob! Diese Deputation ist befriedigt fortgegangen.

Andere Bürger (stürzen herein). Bürger Präfect!

Präfect. Du lieber Himmel! Was gibt's denn schon wieder?

Bürger. Wir wollen Ruhe, Ordnung und Sicherheit haben.

Präfect. Das ist auch mein Wunsch, meine Herren. Ich will Ihnen sogleich hierüber meine Ansichten mittheilen. (Er hält eine schöne und lange Rede über Ruhe, Ordnung und Sicherheit. Die Bürger ziehen jubelnd ab.)

Andere Bürger (kommen). Bürger Präfect, Sie müssen uns Ihr politisches Glaubensbekenntniß ablegen.

Präfect. Mit dem größten Vergnügen. Aber sagen Sie mir erst das Ihrige, meine Herren. (Die Bürger sprechen durcheinander, der Präfect gibt einem Jeden Recht, worauf sie abziehen und ihm einen Fackelzug bringen.)

Präfect (allein). Ich glaube im Sinne des Ministeriums zu handeln, wenn ich einem Jeden nach seinem Munde rede. So wird man aus einem Präfecten der Nothwendigkeit ein Präfect des Vertrauens – nur so wird man populär. (Er geht zufrieden mit sich selbst zu Bette.)

 << Kapitel 8  Kapitel 10 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.