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Die Republik der Thiere

Eduard Bauernfeld: Die Republik der Thiere - Kapitel 15
Quellenangabe
typesatire
booktitleGesammelte Schriften Band 6
authorEduard v. Bauernfeld
firstpub1848
year1872
publisherWilhelm Braumüller
addressWien
titleDie Republik der Thiere
pages1-49
created20060813
sendergerd.bouillon
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Vierzehnte Scene.

(Bauernhof im Walde.)

Bauer. Feldmaus. Bäuerin. Pudel und die Prinzen (in Trauer) treten auf.

Pudel. Nehmt nochmals meinen Dank, liebe Leute, daß Ihr dem alten Mann mit seinen Söhnen eine Zuflucht und ein Obdach gönnen wolltet – und jetzt zum Schluß eine Grabesstätte.

Bauer. Ist gerne geschehen. Sagen Sie doch, es war wohl ein vornehmer Herr, der Alte?

Pudel. Woraus schließt Ihr das?

Bauer. Er machte so grimmig feurige Augen und schüttelte seine Mähnen so gewaltig. Auch hatte er eine Stimme – hu! mich schauerte völlig, wenn er mich anredete.

Pudel. Auf Euch, Naturkinder, macht das noch Eindruck, aber draußen in der Welt gilt es längst nichts mehr, seit sie die Republik eingeführt.

Bäuerin. Die Republik? Was ist denn das?

Bauer. Vermuthlich eine neue Steuer.

Pudel. Das heißt, sie haben unsern König abgesetzt.

Bäuerin. Was? Unsern guten König? Und das ist die Republik?

Bauer. Dummes Zeug! So ein König läßt sich wohl gleich absetzen! Und wenn auch – wir Bauern setzen ihn wieder ein.

Pudel. Ihr irrt! Die Bauern sind mit der Republik einverstanden. Sie ziehen im ganzen Lande herum und sengen und brennen die Schlösser ihrer Herren nieder.

Bauer (gedehnt). Die Bauern? So! hörst Du's, Alte? Die Bauern!

Pudel. Im Uebrigen – daß ich Euch's nur g'rade heraus sage: der alte Mann, den wir heute ohne Sang und Klang zu Grabe trugen – es war der König.

Die Bauern. Was? der König?

Pudel. Der sein Volk verkannte und den es dafür wieder verkannte. Beide büßten es – der König, wie sein Volk. Nun ist der König todt – aber das Volk stirbt nicht.

Bauer. Was man nicht Alles erlebt! (Weist auf die Prinzen.) Das sind also eigentlich junge Könige?

Pudel. Ich glaube schwerlich! (Zu den Prinzen.) Ihr thätet wohl, Ihr jungen Herren, bei diesen braven Leuten zu bleiben und Euch dem Feldbau zu widmen.

Die Prinzen (trotzig). Wir wollen nicht – das ist viel zu schmutzig. (Gehen ab.)

Bauer. Ne, was das für halsstarrige Rackers sind! Und nicht einmal geweint haben sie um den Herr Papa.

Bäuerin. Es sind halt kleine Prinzen! Die können nicht sein wie andere Kinder.

Bauer. Aber was soll man nun mit ihnen anfangen, da sie kein Königreich kriegen und sonst auch nichts?

Pudel. Ich will mich nach Kräften ihrer annehmen und sie zu guten Bürgern zu bilden suchen; denn die Zeit des wahren Bürgerthums beginnt mit Nächstem, wenn's auch noch Kämpfe setzt bis dahin. Lebt wohl, liebe Leute! Der Himmel wird's Euch lohnen, was Ihr für den alten todten König gethan. (Ab.)

Bauer (zieht den Hut). Leben Sie wohl, Herr Baron, oder was Sie sind! – (Nach einer Pause.) – Alte –

Bäuerin. Nun?

Bauer. Die Bauern sengen und brennen – hast Du's gehört?

Bäuerin. Was weiter? Was schiert Dich das?

Bauer. Ich meine nur – ich möchte das Ding doch gern ein Bissel mit ansehen.

Bäuerin. Halt's Maul, Hanns Narr, und misch' Dich nicht in die Politik oder Republik, wie sie's nennen, sondern komm' herein zum Abendessen!

Bauer. Wie Du meinst, Alte! Aber ich hätt' für mein Leben gern so ein Schloß brennen sehen. (Gehen ab.)

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