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Die Republik der Thiere

Eduard Bauernfeld: Die Republik der Thiere - Kapitel 13
Quellenangabe
typesatire
booktitleGesammelte Schriften Band 6
authorEduard v. Bauernfeld
firstpub1848
year1872
publisherWilhelm Braumüller
addressWien
titleDie Republik der Thiere
pages1-49
created20060813
sendergerd.bouillon
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Zwölfte Scene.

(Höhle.)

Panther, Tiger und die Andern vom hohen Adel (kauern im Winkel und saugen an den Pfoten).

Panther (nach einer Pause). Vetter –

Tiger (mürrisch). Was gibt's?

Panther. Wie lange sollen wir hier unthätig liegen?

Tiger. Was für eine Art von Thätigkeit bleibt uns denn übrig? Hofft Ihr etwa auf Restauration? Unsere Burgen und Schlösser haben sie alle niedergebrannt – dem Pöbel gehört jetzt die Welt.

Panther. Ja wohl! 's ist ein Jammer!

Tiger. Ich will nur ruhig hier liegen bleiben, und das Ende aller Dinge abwarten. Einmal muß das Leben doch aufhören. – Was macht denn die Hyäne? Sie spricht ja kein Wort. Bist Du verreckt, Vetter?

Hyäne (wimmernd). Mich hungert! –

Tiger (lachend). Mich auch. Aber wir dürfen uns nicht in den Wald wagen, um unsere gewohnte Speise zu suchen. Zehntausend Hornissen haben geschworen, uns augenblicklich mit ihren vergifteten Lanzen niederzustechen. Wir werden uns schließlich noch einander auffressen müssen, wenn uns die Kraft dazu übrig bleibt.

Ein Unbekannter (in einen großen Mantel gehüllt, tritt auf) Guten Abend, Ihr Herren. Darf ein Wanderer, der sich verirrt hat, hier ein Obdach suchen? Es ist furchtbares Wetter draußen.

Panther. So? Da sind wohl keine Hornisse zu sehen?

Unbekannter. Doch, doch! Es sitzen ihrer viele Tausende unter dem großen Felsen, gleich vor der Höhle. Sie sind da im Trockenen.

Panther (gedehnt). Das ist ja schön! – Legt Euren Mantel ab, macht Euch's bequem!

Tiger. Ihr könnt auch zu Abend essen, wenn Ihr was mitgebracht habt.

Unbekannter. Das versteht sich. Ich reise nie ohne Proviant. (Zieht Wildpret unter dem Mantel hervor.)

Tiger (schnuppernd). Was duftet denn da so fein?

Unbekannter. Es ist Rehbraten – äußerst zart. Ich speise sonst auch Schöpsen gerne – aber der Arzt hat mir's verboten, da ich unlängst eine kleine Krankheit gemacht. (Zieht Messer und Gabel hervor und zerlegt den Braten). Ich will nur sehen, ob's auch recht mürbe ist. (Kostend.) Delicat – äußerst delicat!

Hyäne (mit schwacher Stimme). Mir scheint, da ißt Einer.

Unbekannter (mit vollem Munde). Ich bin so frei.

Panther. Herr, wenn Sie ein Herz im Leibe haben, so theilen Sie uns etwas mit, denn wir verhungern schier.

Unbekannter. Warum sagten Sie das nicht gleich? Hier ist Messer und Gabel. Schneiden Sie sich Jeder ein tüchtig Stück herunter. Für mich sind noch ein paar Tauben übrig.

Tiger (gierig). Wir brauchen keine Messer. Geben Sie her!

(Die Thiere fallen über den Braten her und verschlingen ihn unter Gebrüll.)

Unbekannter. Herr Je! Ist das ein Appetit! – Aber die Stimmen sollt' ich kennen! Verzeihen Sie, es ist so dunkel in Ihrer Wohnung. – Sind Sie nicht der Herzog Panther?

Panther. Aufzuwarten.

Unbekannter. Und Sie der Fürst Tiger? Wenn Euer Durchlaucht noch Hunger haben, ich mache mir eine Ehre daraus, meine Tauben – ja, wo sind sie denn?

Hyäne (hohnlachend). In meinem Magen – und schon längst verdaut.

Unbekannter (lachend). An diesem Zug erkenn' ich die Hyäne. So bin ich ja unter lauter guten Freunden! Ei, das freut mich!

Panther. Freunde, sagen Sie? Sie sind wahrhaftig unser Freund, denn Sie haben uns vom Hungertode gerettet. Herr, wer sind Sie denn, wenn Sie nicht ein Engel vom Himmel sind?

Unbekannter. Zum Engel hab ich's bisher noch nicht bringen können. Ich bin ein ganz gewöhnlicher Sterblicher. Betrachten Sie mich einmal in der Nähe und ohne diese Verkleidung – (Er läßt den Mantel fallen.) Euere Durchlauchten haben scharfe Augen und sehen im Dunklen. Erkennen Sie mich?

Panther. Es ist der Fuchs.

Alle (erstaunt). In der That! Graf Fuchs!

Fuchs. Ihr gehorsamster Diener.

Hyäne (freudig grinsend). Sehr erfreut, Herr Graf! Haben Sie vielleicht noch ein paar Tauben mitgebracht?

Fuchs. Vor der Hand nicht. Mein Vorrath ist zu Ende. Aber ohne Sorge. Ich schaffe neuen. – Schön, daß ich Sie hier Alle bei einander finde. Ich habe Ihnen wichtige Neuigkeiten mitzutheilen. Vor Allem sehen Sie mich als Ihren wahren Freund und Verbündeten an. Es war zwar früher ein kleines Mißverständniß zwischen uns –

Panther. Reden wir nicht davon.

Tiger (umarmt den Fuchs). In dieser Umarmung sei jeder Zwiespalt vergessen.

Fuchs. Euere Hoheit drücken ein Bischen stark – Sie vergessen meine zarte Constitution.

Junger Leopard. Sagen Sie uns doch, wie Sie durch die verwünschten Hornissen kamen.

Fuchs. Ich habe mir einen Reisepaß vom Minister-Staatssecretär der Republik zu verschaffen gewußt, der im Nothfalle für uns Alle aushelfen kann.

Panther. Für uns Alle?

Fuchs. Aufrichtig, ich kam nicht ohne Grund in diese bescheidene Wohnung, da ich erfuhr, daß sich Euere Hoheiten hier verborgen hielten. Wenn ich mir erlauben darf, Ihnen als Führer zu dienen –

Panther. Mit Vergnügen. Sie denken an Alles. Aber wie geht's in der Hauptstadt zu?

Fuchs. D'runter und d'rüber. Das Philosophen-Regiment liegt in den letzten Zügen – die Patrioten gerathen sich einander schon in die Haare. Es wird höchste Zeit, dem Zustande der Anarchie dort ein Ende zu machen.

Panther (forschend). Wie wollen Sie das anstellen?

Fuchs (verneigt sich). Das ist mein Geheimniß.

Panther. Sie waren auf Reisen, wie es scheint? (Leise.) Haben Sie vielleicht fremde Hilfe angerufen?

Fuchs. Euere Hoheit wissen, ich bin nie ohne geheime Connexionen. – Aber ich darf nicht aus der Schule schwatzen. – Wenn Sie sich reisefertig machen wollen –

Panther. Unser Gepäck wird uns nicht geniren.

Tiger. Wir sind fix und fertig.

Hyäne. Nur unmenschlich hung'rig.

Fuchs. So folgen Sie mir!

Panther (leise zum Fuchs). Wenn's zur Restauration kommen sollte – vergessen Sie mich nicht. (Fuchs verneigt sich schweigend.) Sie verstehen mich – (Drückt ihm die Pfote.) Ich werde Ihrer eingedenk sein.

Fuchs (schlau für sich). Ich hoffe, daß Du das wirst. – Ist's gefällig? (Alle ab.)

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