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Die Regulatoren in Arkansas

Friedrich Gerstäcker: Die Regulatoren in Arkansas - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Regulatoren in Arkansas
authorFriedrich Gerstäcker
year1986
publisherVerlag Neues Leben
addressBerlin
isbn3-355-00206-2
titleDie Regulatoren in Arkansas
pages3
created20010902
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1845
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38. Die Rache des Befiederten Pfeils

Leise und geräuschlos glitt unter dem überhängenden, schwankenden Rohr, unter den wehenden, schaukelnden Weiden, die sich weit hineinbeugten in das grüne Bett des fröhlich plätschernden Stromes, ein kleines, schmales Kanu, von sicherer Hand geführt, dahin. Kein Laut wurde gehört, wenn sich nach jedem Schlag das Ruder blitzschnell aus dem Wasser hob; kein Laut wurde gehört, wenn es ebenso rasch wieder eintauchte in die Flut. Der Hirsch, der zum Wasser heruntergekommen war, trank ruhig weiter; kaum fünfzig Schritt von ihm glitt der dunkle Schatten vorüber, still und geisterhaft – er sah ihn nicht, und erst als er schon in weiter Ferne, mit Rohr und Busch, unter dem er hinschoß, verschwamm, stutzte das scheue Wild, warf den schönen Kopf in die Höhe, schnaubte, stampfte das kiesige Ufer, auf dem es stand, mit dem Vorderlauf und trabte dann langsam und stolz in sein Dickicht zurück. Die verräterische Luft hatte den Hauch seines Feindes zu ihm herübergetragen.

Der Indianer steuerte das Kanu, und im Vorderteil desselben lag, gebunden und ohnmächtig vor Angst und Erschöpfung, Rowson.

Jetzt richtete sich der Schnabel des kleinen schlanken Fahrzeugs zum Flußrand hinüber; wenige Minuten darauf glitt das Kanu auf die glatten Kieselsteine der seichten Uferbank und hielt. Rowson schlug die Augen auf und sah umher, aber schaudernd erkannte er die Stelle, wo er in jener Nacht das Weib des Mannes ermordet hatte, dessen Gefangener er jetzt war und vor dessen Rache ihn keine Macht der Erde mehr schützen konnte.

Assowaum sprang an das Ufer, schlang die Weinrebe, die ihm als Ankertau diente, um eine dort stehende kleine Birke, trat dann zurück neben sein Fahrzeug und hob vorsichtig seinen Gefangenen heraus.

»Was willst du tun, Assowaum?« flehte dieser mit heiserer, zitternder Stimme. Er erhielt keine Antwort. »Rede nur, um aller Heiligen willen, rede!« rief Rowson verzweifelt, »sprich und laß mich das Schreckliche wissen.« Schweigend trug ihn der Indianer das Ufer hinauf und in die Hütte, den Schauplatz seines Verbrechens, hinein.

Entsetzt wandte Rowson sein Gesicht von der nur zu wohl bekannten Stätte und schloß die Augen. Ruhig aber legte ihn Assowaum in der Mitte der Hütte, dicht neben einem der kleinen dort emporgewucherten Hickory-Schößlinge nieder, und kein Laut unterbrach dann weiter das Schweigen als das schwere Atmen des Unglücklichen. Es war dieselbe Stelle, auf der Alapahas Leiche gelegen hatte. Da ertrug Rowson nicht länger die peinigende Ungewißheit seiner Lage; er blickte empor und sah dicht neben sich den Indianer, niedergekauert wie zum Sprung, und die kleinste seiner Bewegungen aufmerksam und sorgfältig bewachend, sonst aber untätig und, wie es schien, ganz in dem Anschauen seines Opfers verloren. Ein triumphierendes Lächeln durchzuckte jedoch seine dunklen Züge, als er den Ausdruck der Angst und des Entsetzens in dessen Gesicht gewahrte, und leise erhob er sich jetzt, nahm von seinem Gürtel das lederne Fangseil und fesselte die schon überdies gebundene Gestalt des Gefangenen sorgsam und unlösbar an den jungen, zähen Stamm, neben dem sein Körper lag.

Vergebens bot ihm der Mörder Alapahas Schätze und Reichtümer, vergebens erzählte er ihm von Gold, das er vergraben und das er alles ihm geben wolle, wenn er ihn freiließe oder wenigstens seiner Qual mit einem Streich des Tomahawks ein Ende mache. Schweigend, als ob er die Worte nicht verstände, vollendete der Befiederte Pfeil das Werk der Rache, und machtlos, an Händen und Füßen gebunden, durch den jungen Baum aber an den Boden gefesselt, verließ ihn der Indianer auf wenige Augenblicke und kehrte dann mit etwas trockenem Laub und dürrem Reisigholz zurück.

Jetzt durchschoß zum erstenmal eine dunkle Ahnung das Hirn des Unglücklichen. Er kannte die Sitte der wilden westlichen Stämme; kannte ihre erbarmungslos rächende Grausamkeit, und in wildem, gellendem Schmerz- und Angstschrei machte sich seine Brust Luft, während er vergeblich gegen seine Fesseln wütete. Der Indianer wehrte ihm nicht – er beugte sich nieder und blies das qualmende Laub zur Flamme an. Nachdem das geschehen war, trug er eine Menge schnell gespaltener Kienspäne herbei, und bald loderte im feurigen Kreise, rings an den Wänden der Hütte entzündet, ein Flammenstreifen empor und leckte züngelnd und gierig an den trockenen Stämmen.

Erst, als die Hitze unerträglich wurde und ihm selbst an mehreren Stellen die Haut in Blasen zog, verließ der Indianer die gluterfüllte Hütte und begann draußen mit geschwungenem Tomahawk und in lauten, jubelnden Tönen seinen Sieges- und Triumphgesang.

Schauerlich gellte dazu das Wehgeheul des Gefangenen – unheimlich knisterten und sprühten die qualmenden, flackernden Stämme, deren Rauch sich schwerfällig in das grüne Laubdach hinaufdrängte und sich dort Bahn brach, in die klare, helle Frühlingsluft hinein. Hier aber blieb er liegen; wie ein düsterer, unheimlicher Schleier lagerte der gelblichgraue Qualm auf dem Blättermeer.

Da krachte endlich das Sparrwerk des morschen Daches – hochauf spritzten und sprühten die Funken – schwarzer Qualm wälzte sich rollend daraus hervor, und – alles war vorüber.

Blutrot sank hinter dem fernen Bergrücken die Sonne hinab; aber neben der Brandstätte stand mit geschwungener Waffe der rote Krieger und sang in einförmiger, wilder Weise sein Rache- und Siegeslied.

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