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Die Réfugiés

Arthur Conan Doyle: Die Réfugiés - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
booktitleDie Réfugiés von A. Conan Doyle, Die Heimkehr von Th. Bentzon
titleDie Réfugiés
publisherVerlag von Velhagen & Klasing
seriesVelhagen & Klasings Roman-Bibliothek
volumeVierter Band
year1893/94
firstpub1893
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20070627
projectidf87dc92a
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XVII. Der Kerker von Tortillac

Die Wegelagerer waren ebenso erstaunt, wie Catinat es war, als sie entdeckten, daß sie auf diese außerordentliche Weise den Mann wiedergefangen, den sie verloren geglaubt hatten. Eine wahre Salve von Flüchen und Verwünschungen entlud sich über ihn, als beim Abziehen des ungeheuren roten Kutschermantels der dunkle Anzug des jungen Amerikaners zum Vorschein kam.

»Tausend Donnerwetter!« schrie der eine. »Und das ist der Kerl, den jener Teufelsbraten von Latour für tot ausgeben wollte!«

»Wie zum Teufel ist er hergekommen?«

»Und wo ist Etienne Arnaud?«

»Er hat Etienne erstochen. Seht doch den großen Riß im Rock!«

»Wahrhaftig! Und seht, wie seine Hand aussieht! Er hat ihn erstochen und seinen Rock und Hut angelegt!«

»Was! während wir alle kaum einen Steinwurf entfernt waren?«

»Jawohl! Es ist nicht anders möglich!«

»Meiner Seel!« rief der alte Despard, »ich hatte für den alten Etienne nie viel übrig, aber ich habe manch eine Flasche Wein mit ihm ausgestochen, und ich will dafür sorgen, daß ihm Genugthuung wiederfährt. Wir wollen dem Kerl aus diesen Riemen eine Schlinge machen und ihn an diesem Baum aufhängen.«

Mehrere Hände waren bereits dabei, das tote Pferd auszuspannen, als Vivonne sich zu der kleinen Gruppe durchdrängte und mit einigen scharfen Worten ihrer Gewaltthätigkeit Einhalt gebot.

»Rührt ihn nicht an, wenn euch euer Leben lieb ist,« rief er ihnen zu.

»Aber er hat Etienne Arnaud erstochen,«

»Wir können später einmal mit ihm abrechnen. Heut abend ist er des Königs Bote. Ist der andere auch fest verwahrt?«

»Ja, hier ist er.«

»Dann bindet diesen Mann, und in den Wagen mit ihm! Spannt das tote Pferd aus. So! Nun, Carnac, spannen Sie dafür das Ihrige ein. Sie können auf den Bock steigen und fahren, denn wir haben es nicht mehr weit.«

Die Befehle wurden schnell ausgeführt. Amos Green wurde in den Wagen neben Catinat gestoßen, und bald darauf erklomm das Gefährt langsam den steilen Hang, den es vorhin so überstürzt hinuntergekommen war. Der Amerikaner hatte seit seiner Gefangennahme kein Wort gesprochen. Die Hände über der Brust gekreuzt, war er völlig teilnahmlos geblieben, während über sein Schicksal verhandelt wurde. Sobald er aber wieder mit seinem Gefährten allein war, fing er an zu grollen und zu murren über die schlechte Behandlung, welche er meinte, von seiten des Geschickes erlitten zu haben.

»Diese verteufelten Gäule!« brummte er. »Ein amerikanisches Pferd würde ins Wasser gegangen sein, wie eine Ente. Wie oft bin ich auf meinem alten Hengst Sagamore über den Hudson geschwommen! Einmal über den Fluß – hätten wir die Straße nach Paris offen gehabt!«

»Mein lieber Freund,« rief Catinat, indem er seine gefesselten Hände auf die seines Kameraden legte. »Können Sie mir vergeben, daß ich auf dem Wege von Versailles so thöricht zu Ihnen gesprochen habe?«

»Unsinn! Ich habe gar nicht mehr daran gedacht,« erwiderte Amos.

»Sie hatten tausendmal recht,« fuhr Catinat fort, »und ich war, wie Sie sagten – ein Narr, ein blinder, eigensinniger Narr. Wie edel haben Sie mir zur Seite gestanden! Aber wie sind Sie nur auf den Wagen gekommen? Nie in meinem Leben bin ich so überrascht gewesen, als da ich Ihr Gesicht erkannte.«

Amos Green kicherte in sich hinein.

»Das dacht' ich mir, daß es Sie überraschen würde, wenn Sie erführen, wer Ihr Kutscher sei,« sagte er. »Als ich vom Pferde geworfen war, lag ich ganz stille, teils weil ich wieder zu Atem kommen wollte, teils weil es mir heilsamer schien zu liegen, als zu stehen, so lange all die Schwerter mir um die Ohren klirrten. Dann sammelten die Kerls sich alle um Sie, und ich rollte sachte in den Graben, kroch längs desselben ein Stück hin, gelangte auf den Kreuzweg im Schatten der Bäume und war bei der Kutsche, ehe sie es merkten, daß ich fort war. Auf einen Blick erkannte ich, daß es nur einen Weg gäbe, Ihnen von Nutzen zu sein. Der Kutscher bog sich nämlich gerade herum, um zu sehen, was hinter ihm vorginge. Ich heraus mit dem Messer, springe auf das Vorderrad, und bringe seine Zunge auf immer zum Schweigen.«

»Was! Ohne, daß er einen Laut von sich gab?«

»Versteht sich! Ich habe nicht umsonst so lange unter Indianern gelebt.«

»Und was dann?«

»Ich zog ihn herunter, warf ihn in den Graben und legte seinen Mantel und Hut an. Ich habe ihn nicht skalpiert.«

»Nicht skalpiert? Großer Gott! So was geschieht doch nur unter Wilden!«

»Mag sein!« meinte Amos kaltblütig. »Ich dachte mir wohl, daß hier die Landessitte eine andere sei. Ich freue mich jetzt, daß ich es nicht gethan habe. Kaum hatte ich mich der Zügel bemächtigt, da kamen sie schon alle zurück und schleppten Sie in die Kutsche. Ich fürchtete nicht, daß sie mich erkennen möchten, aber es beunruhigte mich, ob ich auch den rechten Weg finden würde. Doch sie machten es mir leicht durch die Vorreiter, die sie mir zum Wegweiser gaben – so ging alles ganz gut, bis ich jenen Seitenpfad sah und ihn hinunterfuhr. Wir wären auch gewiß entkommen, wenn jener Halunke nicht das Pferd erschossen hätte und wenn die Bestien nicht so wasserscheu gewesen wären.«

Catinat drückte seinem Gefährten noch einmal die Hand. »Sie sind mir treu gewesen, wie das Heft dem Stahl,« sagte er. »Es war ein kecker Gedanke und eine kecke That.«

»Und was nun?« fragte der Amerikaner.

»Ich weiß nicht, wer diese Kerle sind,« erwiderte Catinat, »und ich weiß auch nicht, wohin sie uns führen.«

»Nach ihren Dörfern vermutlich, um uns zu verbrennen,« meinte der Amerikaner.

Catinat lachte trotz seiner Sorge um ihr Geschick. »Sie wollen uns durchaus nach Amerika versetzen,« sagte er. »So was geschieht in Frankreich nicht.«

»Na, mit dem Hängen sind sie doch rasch genug bei der Hand hier in Frankreich! Ich kann Ihnen nur sagen, mir war durchaus nicht wohl zu Mut, als das Leder um meinen Hals lag.«

»Ich denke mir,« nahm Catinat wieder das Wort, »sie schleppen uns nach irgend einem festen Platz, wo sie uns einschließen können, bis die Geschichte vergessen ist.«

»Damit müssen sie's aber schlau machen,« meinte Amos.

»Wie das?«

»Sonst finden sie uns am Ende nicht, wenn sie uns haben wollen.«

»Was wollen Sie damit sagen?«

Statt aller Antwort machte der Amerikaner durch einiges Drehen und Krümmen seine beiden Hände frei und hielt sie seinem erstaunten Gefährten vors Gesicht.

»Gott! das ist ja das erste, was sie die Kinder in einem indianischen Wigwam lehren,« lachte Amos Green. »Ich habe mich schon aus eines Huronen Lederschnüren aus nasser Haut losgemacht, und es war nicht sehr wahrscheinlich, daß mich ein steifer Steigbügelriemen festhalten würde. Strecken Sie Ihre Hände aus.«

Mit ein paar gewandten Griffen lockerte er Catinats Bande, bis auch dieser seine Hände frei machen konnte.

»Nun zu Ihren Füßen,« fuhr er fort. »Setzen Sie sie herauf! Die Burschen sollen finden, daß wir leichter zu fangen als festzuhalten sind.«

Aber in diesem Augenblick verlangsamte sich ihre Fahrt, die Hufschläge der Vorhut erstarben plötzlich, und bei einem Blick durch die Fenster, als die Kutsche jetzt anhielt, sahen die Gefangenen ein ungeheures dunkles Gebäude vor sich aufragen, das sich nach beiden Seiten hin in die Dunkelheit verlor. Ein großer Thorbogen wölbte sich über ihnen, und die Lampen beleuchteten ein rohes Holzthor, das mit vielen schweren, eisernen Krampen und Nägeln beschlagen war. In dem oberen Teil des Thores befand sich ein kleines viereckiges Eisengitter, durch welches sie den schwachen Schein einer Laterne und bei demselben ein bärtiges Gesicht, das sie anstarrte, gewahren konnten.

Vivonne, der in den Steigbügeln stand, reckte seinen Kopf zu dem Gitter empor, so daß die beiden am meisten daran beteiligten Personen wenig von der nun folgenden Unterredung hören konnten. Sie sahen nur, daß der Reiter einen goldnen Ring in die Luft hielt und wie das Gesicht hinter dem Gitter, welches anfangs grimmig dreingeschaut und verneinend geschüttelt hatte, jetzt nickte und lächelte. Einen Augenblick später verschwand der Kopf, das Thor öffnete sich in kreischenden Angeln, und die Kutsche fuhr in den dahinter liegenden Hofraum hinein, während die Begleitung mit Ausnahme Vivonnes draußen blieb.

Als die Pferde anhielten, sammelte sich ein Haufe roher Bursche um das Gefährt, und die Gefangenen wurden mit derben Fäusten herausgezerrt. Im Fackellicht, das um sie herum flackerte, konnten sie sehen, daß sie rings von Mauern umschlossen waren, die von hohen Türmen überragt wurden. Ein stämmiger Mann mit bärtigem Gesicht, derselbe, den sie am Gitter gesehen hatten, stand inmitten der bewaffneten Leute und gab seine Befehle.

»Nach dem oberen Kerker, Simon!« rief er, »Und siehe danach, daß sie zwei Bund Stroh und einen Laib Brot bekommen, bis wir erfahren, was unser Herr mit ihnen vor hat.«

»Ich weiß nicht, wer euer Herr ist,« sagte Catinat entrüstet, »aber ich möchte euch fragen, auf welche Vollmacht hin er es wagt, zwei Boten des Königs festzunehmen, die in seinem Dienste reiten?«

»Beim heiligen Dionys, wenn mein Herr dem König einen Streich spielt, so heißt's da: wie du mir, so ich dir,« antwortete der stämmige Mann grinsend. »Aber genug des Geschwätzes! Weg mit ihnen, Simon, und du stehst mir für ihre sichere Aufbewahrung.«

Es war vergeblich, daß Catinat tobte und die fürchterlichsten Drohungen gegen alle die ausstieß, die an seiner Festnehmung beteiligt waren. Zwei kräftige Burschen stießen ihn und Green von hinten, während ein anderer von vorn an ihnen zerrte. So schleppte man sie durch ein enges Thor einen fliesengepflasterten Gang hinab, während ein kleiner Mann in schwarzem steifleinenem Anzuge mit einem Schlüsselbund in einer Hand und einer hin und her schaukelnden Laterne in der andern, ihnen voraus ging. Ihre Knöchel waren so eingeschnürt, daß sie nur ganz kurze Schritte machen konnten. So einherschurrend gingen sie drei aufeinanderfolgende Korridore hinab, durch drei Thüren hindurch, die hinter ihnen verschlossen und verriegelt wurden. Dann ging es eine steinerne Wendeltreppe aufwärts, deren Stufen durch die Füße vieler Generationen von Gefangenen und Gefangenwärtern ausgehöhlt waren. Endlich stieß man sie in einen kleinen viereckigen Kerker hinein, und zwei Strohsäcke wurden ihnen nachgeworfen. Einen Augenblick später knarrte der schwere Schlüssel im Schloß, und sie waren ihren Betrachtungen überlassen.

Die Betrachtungen, welche Catinat anstellte, waren sehr finsterer, unerfreulicher Art. Ein glücklicher Zufall hatte ihm bei Hofe Ansehen verschafft, ein Unglücksfall hatte ihn jetzt vernichtet. Es konnte ihm nichts helfen, wenn er sich mit seiner Machtlosigkeit gegenüber der Übermacht entschuldigte. Er kannte seinen königlichen Herrn nur zu gut. Ludwig war großmütig und gnädig, wenn seine Befehle ausgeführt wurden, aber unerbittlich, wenn sie mißglückten. Entschuldigungen ließ er nicht gelten. Ein unglücklicher Mann war ihm ebenso widerwärtig, wie ein pflichtvergessener. In dieser großen Krisis hatte ihm der König eine Botschaft von höchster Wichtigkeit anvertraut, und diese Botschaft war nicht ausgerichtet worden. Was konnte ihn nun vor Ungnade und Vernichtung retten? Aus dem dunklen Kerker, in dem er lag, machte er sich für seine eigne Person ebensowenig wie aus dem ungewissen Schicksal, welches über seinem Haupte schwebte, aber es drückte ihm das Herz ab, wenn er an seine zerstörte Laufbahn dachte, und an den Triumph derjenigen, deren Eifersucht durch seine schnelle Beförderung erweckt worden war.

Und weiter dachte er an seine Angehörigen in Paris – seine süße Adèle, seinen alten Oheim, der ihm wie ein zweiter Vater gewesen war. Wer würde sie jetzt schützen in ihren Nöten, da er die Macht verloren hatte, es zu thun? Wie lange würde es dauern und sie würden aufs neue den Brutalitäten Dalberts und seiner Dragoner ausgesetzt werden. Er biß die Zähne aufeinander bei diesem Gedanken und warf sich stöhnend auf die Strohschütte, die in dem schwachen, durch das einzige Fenster einströmenden Lichtschimmer kaum sichtbar blieb.

Inzwischen hatte sich sein energischer Gefährte keiner Verzagtheit überlassen. Sobald die verhallenden Schritte seiner Wärter ihn gewiß machten, daß er vor Unterbrechung sicher sei, hatte er die Bande, welche ihn noch fesselten, abgestreift und ringsumher Wände und Fußboden befühlt, um zu sehen, welcher Art dieser Gefängnisraum sein mochte. Seine Untersuchung hatte ihn zuletzt zu einer wichtigen Entdeckung geführt. In einer Ecke befand sich ein kleiner Kamin, und vor demselben lagen zwei große, ungefüge Holzkloben, welche je zuweilen den Gefangenen als Kopfkissen gedient haben mochten. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß das Ofenloch so klein war, daß man sogar den Kopf nicht hineinstecken konnte, zerrte er die beiden Holzkloben ans Fenster. Dort legte er sie übereinander, stieg herauf und konnte nun, wenn er sich auf die Zehen stellte, die Eisenstäbe erreichen, welche das Fenster vergitterten. Er zog sich daran in die Höhe, setzte den Fuß in eine unebene Stelle der Mauer und kam dadurch so weit, daß er auf den Hof, den sie soeben verlassen hatten, hinunterblicken konnte. Die Kutsche und Vivonne passierten gerade das Thor, und eine Sekunde später hörte er das Zuwerfen der schweren Thürflügel und das Geklapper der Hufe der abziehenden Reiterschar draußen. Der Haushofmeister und seine Leute waren verschwunden; die Fackeln erloschen; nur der abgemessene Tritt einiger Schildwachen im Hofraum, zwanzig Fuß unter ihm unterbrach das tiefe Stillschweigen, das im ganzen Schlosse herrschte.

Es war ein sehr großes Schloß. Die Augen des Amerikaners, der mit ausgestreckten Händen am Fenster hing, streiften voller Bewunderung und Staunen über die Riesenmauer, die vor ihm lag, mit ihrem Kranz von Türmchen und Zinnen, die alle so still und kalt sich im Mondlicht erhoben. Seltsame Gedanken pflegen uns in den unwahrscheinlichsten Augenblicken durch den Kopf zu schießen. So erinnerte sich Amos plötzlich eines hellen Sommertages jenseit des Meeres, als er zuerst von Albany hinausgekommen war. – Da hatte ihn sein Vater auf der Werft am Hudson getroffen und hatte ihn durch das Wasserthor geführt, um ihm Peter Stuyvesants Haus zu zeigen, als Beweis für die Größe der Stadt, die aus den Händen der Holländer in die der Engländer übergegangen war. Nun, Peter Stuyvesants Haus und Peter Stuyvesants Landsitz zusammen genommen waren nicht so groß, wie ein einziger Flügel dieses ungeheuren Gebäudes, das doch wiederum eine bloße Hundehütte neben dem mächtigen Paläste von Versailles war. Er wünschte, daß sein Vater hier wäre, um das zu sehen. Sogleich aber besann er sich und nahm den Wunsch zurück, denn ihm fiel wieder ein, daß er in fremdem Lande ein Gefangener war, und daß er den gegenwärtigen großartigen Anblick durch die Eisenstangen eines Kerkerfensters genoß.

Das Fenster war groß genug, um seinen Körper hindurchzulassen, wären nicht die Eisenstäbe im Wege gewesen. Er schüttelte sie und hing sich mit seinem Gewicht daran, aber sie wichen und wankten nicht. Dick wie sein Daumen waren sie und sehr fest in die Mauer eingefügt. Nun gelang es ihm, auch für seinen zweiten Fuß einen Stützpunkt zu gewinnen – so konnte er, während er sich mit einer Hand festhielt, mit seinem Messer die Einfügung der Stange untersuchen. Sie bestand aus Cement und war so glatt wie Glas und so hart wie Marmor. Sein Messer bog sich, als er das Gestein zu durchbohren versuchte. Aber der Mauerstein mußte noch probiert werden. Es war Sandstein, also nicht so sehr hart. Wenn es ihm gelang, Höhlungen hineinzubohren, so konnte er am Ende die Gitterstäbe mitsamt dem Cement herausbrechen. So sprang er wieder hinunter und sann darüber nach, wie er sein Werk am besten angreifen könne, als ein tiefes Ächzen seine Aufmerksamkeit auf seinen Gefährten lenkte.

»Sind Sie krank, lieber Freund?« fragte er ihn.

»Krank im Gemüt,« stöhnte der andere. »O was für ein verwünschter Thor ich doch gewesen bin! Es wird mich noch verrückt machen!«

»Sie haben etwas auf dem Herzen?« fragte Amos Green und ließ sich gemächlich auf seinen Holzkloben nieder. »Was ist es denn?«

Der Gardeoffizier machte eine ungeduldige Bewegung.

»Was es ist? Wie können Sie mich noch fragen? Sie wissen doch so gut wie ich, daß meine Mission auf das elendeste mißlungen ist. Es war des Königs Wunsch, daß der Erzbischof ihn in dieser Nacht mit der Maintenon trauen sollte. Des Königs Wunsch ist Befehl. Es muß nun mal der Erzbischof thun – oder keiner. Und um diese Zeit sollte er im Palast sein. Ach, mein Gott! Ich sehe des Königs Kabinett – ich sehe ihn warten – ich sehe Madame warten – ich höre, wie sie von dem unseligen Catinat sprechen –«

Er begrub sein Gesicht aufs neue in beide Hände.

»Ich sehe das alles auch,« sagte der Amerikaner ungerührt. »Ich sehe aber noch etwas anderes.«

»Was denn?«

»Ich sehe den Erzbischof, wie er sie zusammengibt.«

»Den Erzbischof? Sie phantasieren!«

»Kann sein. Aber ich sehe ihn.«

»Er kann ja gar nicht im Palast sein.«

»Im Gegenteil – er ist vor einer halben Stunde dort angekommen.«

Catinat sprang auf. »Im Palast!« schrie er. »Durch wen hat er denn die Botschaft bekommen?«

»Durch mich,« sagte Amos Green.

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