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Die Réfugiés

Arthur Conan Doyle: Die Réfugiés - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
booktitleDie Réfugiés von A. Conan Doyle, Die Heimkehr von Th. Bentzon
titleDie Réfugiés
publisherVerlag von Velhagen & Klasing
seriesVelhagen & Klasings Roman-Bibliothek
volumeVierter Band
year1893/94
firstpub1893
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20070627
projectidf87dc92a
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XVI. »Wenn der Teufel kutschiert.«

Herr von Vivonne hatte seinen Hinterhalt mit großer Umsicht gelegt. Mit einer verschlossenen Kutsche und einem Trupp sorgfältig auserlesener Raufbolde hatte er den Palast eine gute halbe Stunde vor den Boten des Königs verlassen, und das Gold seiner Schwester hatte dafür gesorgt, daß die Reise derselben keine sehr schnelle werden konnte. An der Stelle, wo der Weg sich teilte, hatte er dem Kutscher befohlen, noch eine kleine Strecke darauf weiterzufahren, und hatte alle Pferde an einen Zaun unter seiner Obhut angebunden. Dann hatte er einen von der Bande in einiger Entfernung auf der Hauptstraße als Schildwache aufgestellt und ihm befohlen, ein Licht aufflammen zu lassen, sobald die beiden Kuriere sich näherten. Ein starkes Seil war sodann achtzehn Zoll über dem Boden an den Stamm eines Baumes befestigt worden; sobald das Signal aufflammte, sollte es an einem Thorpfosten an der anderen Seite der Straße angebunden werden. Die beiden Kavaliere konnten dasselbe unmöglich sehen, da es gerade an der Biegung der Straße sich befand. So stolperten denn ihre Pferde darüber und stürzten mit samt ihren Reitern zu Boden. Sogleich brachen die zwölf Raufbolde, welche im Schatten der Bäume gelauert hatten, hervor und sprangen mit geschwungenem Degen auf die Gefallenen los. Aber die Opfer ihrer Hinterlist rührten sich nicht. Catinat lag schweratmend und ohnmächtig da, ein Bein unter dem Halse seines Pferdes; in einem dünnen Strom sickerte das Blut über sein blasses Antlitz und tropfte langsam auf die silbernen Achselschnüre. Amos Green war nicht verwundet, aber sein defekter Sattelgurt war beim Sturz gerissen, und er so vom Pferde weit weg auf den harten Weg geschleudert, mit einer Heftigkeit, die ihm vollständig den Atem benommen hatte.

Herr von Vivonne zündete eine Laterne an und leuchtete damit in die Gesichter der beiden bewußtlosen Männer.

»Das ist eine schlimme Geschichte, Major Despard,« sagte er zu dem ihm zunächststehenden Manne. »Ich glaube, es ist aus mit ihnen beiden!«

»Es wird doch nicht! Mein' Seel'! Als ich jung war, da starb sich's nicht so rasch!« antwortete der andere, indem er sein wildes, graubärtiges Gesicht dem Licht der Laterne zuneigte. »Ich bin so oft mit dem Pferde gestürzt wie es Nesselstifte an meinem Wams gibt, aber außer einem Rippenbruch oder auch zweien, hat es mir nie was geschadet. Schieb den Gäulen dein Rapier unter die dritte Rippe, de la Touche – die werden niemals wieder den Huf auf den Boden setzen.«

Ein zwiefaches Schnaufen und Stöhnen, das dumpfe Aufschlagen der beiden Hälse auf die Erde verkündete, daß die Tiere ausgelitten hatten.

»Wo ist Latour?« fragte Herr von Vivonne. »Achille Latour, der in Montpellier Medizin studiert hat? Wo ist er?«

»Hier bin ich, Excellenz,« erwiderte der Gesuchte. »Mir kommt es nicht zu, zu prahlen, aber wahrhaftig, ich verstehe ebensowohl mit einer Lanzette, wie mit einem Rapier umzugehen, und für manchen kranken Mann war es ein schlimmer Tag, an dem ich mir Koller und Bandelier umhing. Nach welchem soll ich zuerst sehen?«

»Nach diesem hier auf der Straße,« bedeutete ihn Vivonne.

Der Reitersmann beugte sich über Amos Green.

»Der wird es nicht lange mehr machen,« urteilte er. »Ich erkenne das deutlich an dem abgebrochenen Atemholen.«

»Und worin besteht seine Verletzung?« fragte Vivonne.

»Eine Verstauchung des Epigastriums,« erklärte der ehemalige Mediziner. »Die gelehrten Ausdrücke,« fügte er entschuldigend hinzu, »kommen mir unwillkürlich auf die Zunge, aber es ist schwer, sie in gemeine Redeweise zu übersetzen. Mich dünkt, es wäre nicht übel, wenn ich ihm meinen Dolch in die Kehle stieße, denn sein Ende ist sowieso sehr nahe.«

»So lieb Ihnen Ihr Leben ist – das thun Sie nicht!« rief der Führer. »Stirbt er ohne Wunde, so kann niemand uns seinen Tod zur Last legen! Untersuchen Sie jetzt den andern.«

Latour beugte sich über den Gardeoffizier und legte ihm die Hand aufs Herz. Bei dieser Berührung seufzte Catinat tief auf, öffnete seine Augen und blickte um sich mit dem Ausdruck eines Mannes, der weder weiß, wo er ist, noch wie er dorthin gekommen ist. Herr von Vivonne, der seinen Hut tief über die Augen gezogen und den unteren Teil seines Gesichts in den Mantel gehüllt hatte, zog seine Feldflasche heraus und flößte einen Teil ihres Inhalts in die Kehle des verwundeten Mannes. Im nächsten Augenblick kehrte die Farbe in des Gardisten blutlose Wangen zurück und klare Besinnung in seine Augen. Er raffte sich mühsam empor, taumelte auf seine Füße und stieß wütend nach denen, die ihn hielten. Aber noch schwamm ihm alles vor den Augen, und er konnte sich kaum aufrecht halten.

»Ich muß nach Paris!« keuchte er. »Ich muß nach Paris. Es ist der Befehl des Königs. Sie halten mich hier fest auf Ihre Gefahr!«

»Er ist nicht verletzt – ein bißchen geritzt, weiter nichts,« sagte der Exdoktor.

»Dann haltet ihn fest!« befahl Vivonne. »Aber zuerst gehe einer und trage den sterbenden Mann in die Kutsche.«

Die Laterne warf ihren schwachen, gelben Lichtschein nur auf einen kleinen Umkreis, so daß Amos Green im Schatten liegen blieb, als sie zu Catinat hinübergetragen wurde. Jetzt beleuchteten sie wieder die Stelle, wo der Amerikaner gelegen hatte. Aber jede Spur von ihm war verschwunden. Er war fort.

Einen Augenblick standen die Wegelagerer bestürzt da und starrten auf die leere Stelle. Aber das Licht ihrer Laterne zeigte ihnen nichts, als ihre Federhüte, ihre zornglühenden Augen, ihre wilden Gesichter, ihre wüsten Gestalten. Dann brachen sie in wilde Flüche ans. Vivonne packte den falschen Doktor an der Kehle, schleuderte ihn zu Boden und würde ihn auf der Stelle erwürgt haben, wenn seine Genossen ihn nicht weggerissen hätten.

»Du lügnerischer Hund!« brüllte er. »Ist das deine Kunst? Der Kerl ist entflohen, und wir sind, verloren,«

»Er hat es im Todeskampf gethan,« keuchte Latour heiser, indem er sich aufrichtete und seine Kehle rieb, »Ich sage Ihnen, er war in extremis. Er kann nicht weit weg sein.«

»Das ist wahr!« rief Vivonne. »Er kann nicht weit entfernt sein. Er hat ja weder ein Pferd noch Waffen. Ihr, Despard und Raymond de Carnac, hütet den andern, daß er uns nicht auch einen solchen Streich spielt. Und ihr, Latour und Turberville, reitet die Straße hinab und wartet am Südthor. Wenn er wirklich bis Paris kommt, muß er sich dahin wenden. Kriegt ihr ihn, so bindet ihn vor euch aufs Pferd und bringt ihn nach dem Versammlungsplatz. Schlimmstenfalls ist wenig daran gelegen, denn er ist ein Fremder, dieser Kerl, und nur zufällig hier. Und nun in die Kutsche mit dem andern! Wir müssen fort sein, ehe die Sache ruchbar wird.«

Die beiden Reiter sprengten davon, um den Flüchtling einzuholen. Catinat, der verzweifelte Anstrengungen machte, sich loszureißen, wurde die Straße von St. Germain hinabgeschleppt und in die Kutsche geworfen, welche in einiger Entfernung gewartet hatte, während die beschriebenen Vorgänge sich abspielten. Drei von den übrigen Reitern ritten an der Spitze, und der Kutscher empfing Befehl, ihnen unmittelbar zu folgen. Vivonne, nachdem er einen von der Bande mit einem Billet an seine Schwester entsendet hatte, bildete mit den übrigen Wegelagerern die Nachhut.

Der unglückliche Gardeoffizier – inzwischen völlig wieder zum Bewußtsein gekommen – sah sich, mit Lederriemen an Hand- und Fußgelenken gefesselt, als Gefangener in einem beweglichen Kerker, der sich schwerfällig den Feldweg entlang schleppte. Durch die Erschütterung des Falles war er zwar betäubt gewesen, und die Wucht des Pferdes hatte sein Bein arg gedrückt, aber die Wunde an der Stirn war ganz unbedeutend und hatte bereits aufgehört zu bluten. Seine schlimmsten Schmerzen wühlten in seinem Innern. Er ließ den Kopf in die gefesselten Hände sinken, stampfte wütend mit beiden Füßen und wiegte seinen Körper in maßloser Verzweiflung hin und her. Was für ein Narr, ja ein dreifacher Narr war er doch gewesen! Er, ein alter Soldat, der den Krieg kannte, mit offnen Augen in eine solche Falle zu gehen! Der König hatte ihn vor anderen als einen zuverlässigen Boten erwählt, und er hatte sich in ihm getäuscht – so schmachvoll war er unterlegen. Noch dazu war er gewarnt worden, gewarnt von einem jungen Mann, der nichts von den Ränken des Hofes wußte und der nur durch natürliche Instinkte geleitet wurde. In der Pein solcher Gedanken warf sich Catinat heftig in die Lederkissen zurück.

Aber dann machte sich in ihm der gesunde Menschenverstand wieder geltend, welcher so dicht unter dem Ungestüm des Kelten liegt. Die Dummheit war jetzt einmal begangen, und er mußte nun sehen, ob sie sich nicht wieder gut machen ließ. Amos Green war entkommen. Das war wenigstens ein günstiger Umstand. Und Amos Green hatte den Auftrag des Königs mitangehört und die Wichtigkeit desselben begriffen. Allerdings kannte er Paris nur wenig, aber es unterlag keinem Zweifel, daß ein Mann, der bei Nacht seinen Weg durch die Wälder von Maine finden konnte, auch ohne Schwierigkeit ein so wohlbekanntes Haus wie das des Erzbischofs ausfindig machen würde. Aber dann kam ihm plötzlich ein Gedanke, der sein Herz erstarren ließ. Die Stadtthore wurden um acht Uhr abends verschlossen. Und jetzt war es fast neun Uhr. Für ihn, dessen Uniform eine Gewähr bot für seine Botschaft, wäre es leicht gewesen, trotzdem Einlaß zu erlangen. Aber wie sollte Amos Green, ein Ausländer und ein Bürgerlicher, durchzukommen hoffen? Es war unmöglich, völlig unmöglich! Und doch hegte er trotz dieser Unmöglichkeit die unbestimmte Hoffnung, daß ein so energischer, anschlägiger Mann, wie Amos, irgend einen Weg aus dieser Schwierigkeit finden werde.

Dann begann sich der Gedanke an Flucht in ihm zu regen. Würde er nicht sogar jetzt noch Zeit haben, seine Botschaft selbst zu überbringen? Wer waren diese Männer, die ihm aufgelauert und ihn gefangen hatten? Kein Wort war unter ihnen gefallen, woraus er hätte schließen können, wessen Werkzeuge sie waren. Monsieur und der Dauphin kamen ihm in den Sinn – einer von ihnen mochte sie gesandt haben. Nur einen von der Bande hatte er erkannt, es war der alte Major Despard, ein Mann, der die gemeinsten Weinkneipen von Versailles besuchte und dessen Schwert dem längsten Geldbeutel immer zur Verfügung stand. – Und wohin wollten ihn diese Leute führen? Vielleicht zum Tode. Aber wenn sie ihn hätten abthun wollen, warum ihn dann wieder zum Bewußtsein bringen? und wozu dann die Kutsche und die ganze Fahrt? Voll Neugierde spähte er durch die Wagenfenster.

Zu beiden Seiten dicht neben dem Wagen ritt je ein Bewaffneter, der ihm die Aussicht sperrte. Doch durch die Vorderfenster des Wagens konnte er sich ein wenig über die Gegend orientieren, durch welche sie fuhren. Die Wolken waren jetzt fortgezogen, und der helle Mondschein badete die ganze weite Landschaft in seinem sanftschimmernden Lichte. Zur Rechten erstreckte sich das offne Land, weite Ebenen mit hin und her verstreuten Baumgruppen und Schloßtürmen, die hie und da aus den Gehölzen hervorragten. In einem Kloster wurde eine Glocke geläutet, deren dumpfen Ton der Lufthauch herübertrug. Zur Linken, aber weit entfernt, lag der rötliche Glast von Paris, und mit zunehmender Schnelligkeit entfernten sie sich weiter und weiter davon. Weder die Hauptstadt noch Versailles konnten also das Reiseziel sein.

Nun begann er zu überlegen, welche Aussichten er für einen Fluchtversuch habe. Sein Schwert war ihm abgenommen, und seine Pistolen steckten noch in den Halftern seines erstochenen Pferdes. So war er gänzlich waffenlos – was konnte es ihm helfen, sich loszumachen? Seine Häscher waren mindestens zwölf Mann. Drei von ihnen ritten an der Spitze längs des weißen, mondbeschienenen Fahrweges. Dazu kamen die beiden an den Seiten des Wagens, und nach dem Geräusch der Pferdehufe zu urteilen, konnten nicht weniger als ein halbes Dutzend hinterher folgen. Das machte genau zwölf Mann, den Kutscher miteingerechnet – was konnte ein einzelner unbewaffneter Mann gegen so viele ausrichten? Während er des Kutschers gedachte, hatte er unwillkürlich durch die Vorderfenster einen Blick auf des Mannes breiten Rücken geworfen, – und plötzlich beim Schein der Wagenlampen eine Wahrnehmung gemacht, die ihn mit Entsetzen erfüllte.

Der Mann war augenscheinlich schwer verwundet. Um so seltsamer war es, daß er auf dem Bock sitzen und seine Peitsche so energisch handhaben konnte bei einer so fürchterlichen Verletzung. Im Rücken seines weiten roten Rockes, grade unter dem linken Schulterblatt war ein langer Riß im Tuch, den irgend eine Waffe gemacht hatte, und ringsherum ein großer dunkelroter Fleck, der seine eigne Geschichte erzählte. Und das war noch nicht alles. Als er die Peitsche hob, beschien das Mondlicht seine Hand, und Catinat sah mit Schaudern, daß sie über und über mit Blut besudelt war. Der Gardeoffizier reckte seinen Hals vor, um einen Blick auf des Mannes Antlitz zu erhaschen; aber der breitkrämpige Hut des Kutschers war tief herab-, und der hohe Kragen seines Mantels hoch heraufgezogen, so daß seine Gesichtszüge ganz im Schatten lagen. Dieser stille Mann vor ihm, mit den schrecklichen Blutspuren an seinem Leibe war ein Anblick, bei dem es Catinats tapferes Herz kalt durchrieselte. Leise betete er einen von Marots hugenottischen Psalmen; denn wer, außer der böse Feind in eigner Person, würde eine Kutsche mit diesen blutigroten Händen lenken können, nachdem sein Körper von solch einem Schwertstich durchbohrt war!

Indem er noch darüber nachsann, waren sie an einer Stelle angelangt, wo die Hauptstraße geradeaus weiter führte, aber ein engerer Seitenpfad sich davon links den steilen Hang eines Hügels in der Richtung auf die Seine hinabsenkte. Die Vorhut war auf der Hauptstraße geblieben, und die beiden Reiter zu den Seiten der Kutsche ritten in derselben Richtung, da schwenkte plötzlich, zu Catinats starrem Erstaunen, die Kutsche seitwärts und stürzte sich die steile Senkung hinab. Die beiden starken Pferde jagten in wilder Eile, der Kutscher stand aufrecht und hieb wütend auf sie ein, daß das schwerfällige alte Gefährt dahin flog und sprang, und der Insasse von einem Sitz auf den andern, bald vorwärts, bald rückwärts geschleudert wurde. Hinter sich vernahm er einen Schrei der Bestürzung von der Eskorte, und dann das Gestampf der verfolgenden Hufschläge.

Und weiter ging's wie im Fluge. Die Pappeln an beiden Seiten flogen im tollen Reigen an den Fenstern vorüber, die Pferde donnerten weiter mit langgestreckten Leibern, die fast den Boden berührten, und der gespenstische Fuhrmann schwenkte die schrecklichen roten Hände im Mondlicht und schrie die wildgewordenen Rosse an. Bald sprang die Kutsche nach einer Seite, bald nach der andern und schwankte wie toll hin und her. Jetzt lief sie nur auf zwei Seitenrädern, als könnte sie jeden Augenblick umstürzen. Und doch, so schnell sie fuhren, ihre Verfolger ritten noch schneller. Das Klappern ihrer Hufe war ihnen dicht auf den Fersen, ja mit einem Mal kamen an einem der Fenster die roten ausgedehnten Nüstern eines Pferdes in Sicht. Langsam kam das Tier weiter zum Vorschein, die Schnauze, die Augen, die Ohren, die Mähne, und endlich darüber das wilde Gesicht Despards und der funkelnde Messinglauf einer Pistole.

»Auf das Pferd, Despard, auf das Pferd!« rief eine gebieterische Stimme von hinten. Die Pistole blitzte auf, und die Kutsche ruckte vornüber, als eines der Pferde einen krampfhaften Sprung that. Aber der Kutscher fuhr fort zu schreien und mit der Peitsche zu knallen, während das Gefährt weiter raste.

Aber jetzt machte der Weg eine plötzliche Biegung, und da – gerade dicht vor ihnen, kaum hundert Schritt entfernt, floß die Seine kalt und still im Mondenschein. Die hohe Böschung zu beiden Seiten der Straße lief geraden Wegs ohne irgend welche Unterbrechung bis zum Rande des Wassers hinab. Keine Spur von einer Brücke! Ein dunkler Schatten inmitten des Stromes erwies sich als das Fährboot, welches zurückkehrte, nachdem es einige verspätete Reisende hinübergeführt hatte. Der Kutscher aber zögerte keinen Augenblick, er nahm die Zügel zusammen, und trieb die verängstigten Geschöpfe in den Strom. Als diese das kalte Wasser an ihren Kniekehlen fühlten, zögerten sie, und indem sie das thaten, brach das eine mit einem schwachen Stöhnen zusammen. Despards Kugel hatte ihr Ziel nicht verfehlt. Nun sprang der Fuhrmann blitzschnell von seinem Bock und stürzte sich in den Strom; aber schon umringten ihn die verfolgenden Reiter, ein halbes Dutzend Hände packte ihn, ehe er untertauchen konnte, und schleppte ihn ans Ufer. Sein breiter Hut war ihm im Ringen vom Kopf geschlagen, Catinat sah sein Gesicht im Mondschein. Großer Gott! Es war – Amos Green!

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