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Die Rache des Mestizen

Friedrich Strubberg: Die Rache des Mestizen - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorArmand (Strubberg, Friedrich)
titleDie Rache des Mestizen
publisherim Auftrag hergestellte Sonderausgabe
pages194
correctorhille@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20060522
projectid955595cb
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Einleitung

Spaniens einst so mächtiges Kolonialreich war im Zerbröckeln. Seit dem Jahre 1810 befand sich ganz Süd- und Mittelamerika im Aufruhr gegen das Mutterland, das zu ohnmächtig war, die Unabhängigkeitsbewegung niederzuschlagen. Von seinem amerikanischen Kolonialbesitz mußte es ein Stück nach dem anderen aufgeben.

Die jungen Vereinigten Staaten von Nordamerika hatten schon seit 1803, seitdem sie Louisiana, das Land am Mississippi, von Napoleon für 60 Millionen Franken erworben hatten, ihr besonderes Augenmerk auf Florida gerichtet, das noch in spanischem Besitz war. Diese südliche Spitze des nordamerikanischen Festlandes befand sich damals noch im Naturzustand und wurde fast nur von wilden Indianerstämmen bewohnt. Die Spanier, die Florida durch einen Bevollmächtigten des Generalkapitäns von Cuba regierten, hatten nur an den Küsten und Hauptströmen vereinzelt feste Plätze errichtet, in deren Nähe dann Ansiedlungen Weißer entstanden waren.

Alle Verhandlungen mit Spanien auf einen friedlichen Erwerb schlugen fehl, vor einer gewaltsamen Besetzung aber schreckte man in Washington zunächst noch zurück, obwohl die ständigen Grenzstreitigkeiten mit den Indianern Vorwand genug geboten hätten. War es zuerst die Rücksichtnahme auf Napoleon, der sich schützend vor das schwache Spanien stellte, so hinderte in der Folge der zweijährige Krieg mit England von 1812 bis 1814 eine Verfolgung der Floridapläne.

England hatte während des Krieges eine britische Garnison in Florida gehalten, die es nach dem Friedensschluß zurückzog. Damit war der Weg freigegeben, denn Spanien war bereits durch seine Kämpfe mit den Aufständischen in Mexiko und Südamerika über seine Kräfte in Anspruch genommen, so daß es einen Krieg mit den Vereinigten Staaten nicht wagen konnte. Diese hatten nun auch bald Gründe für ein bewaffnetes Vorgehen gefunden.

Auf der Insel Amelia an der Küste Floridas hatte sich eine Schar von Freibeutern festgesetzt, die von dort aus ihre Streifzüge unternahm. Washington sandte Truppen gegen sie und andere Flibustierbanden aus, da die spanische Macht ihrer nicht Herr werden konnte. Außerdem beauftragte der Kongreß den General Andrew Jackson, der bei New Orleans über die Engländer gesiegt hatte, die Indianer in Florida zu züchtigen.

Dorthin hatten sich im Jahre 1814 die Überreste der von Jackson vernichtend geschlagenen aufständischen Creek-Indianer geflüchtet. Auch zahlreiche entflohene Negersklaven hatten in Florida bei den Stämmen der Seminolen Zuflucht gefunden und unternahmen von dort aus Raub- und Rachezüge gegen die weißen Grenzsiedler in Georgia und Alabama.

Im Sommer 1817 häuften sich die Greueltaten an der Grenze. Die Übergriffe und Schändlichkeiten Weißer vergalten die Indianer mit Überfällen und Plünderungen. Die amerikanische Presse erhob ein ungeheures Geschrei und forderte energisches Eingreifen. Als General Gaines daraufhin am 21. November den Ort Fowltown niederbrennen ließ, erhoben sich die Indianer und machten am 30. November auf dem Apalachicola einen amerikanischen Transport nieder. Nun rückte General Jackson in das spanische Gebiet ein, der »erste Seminolenkrieg« begann, der hauptsächlich mit indianischen Verbündeten gegen die Indianer geführt wurde. Jackson bemächtigte sich der spanischen Forts und setzte überall die spanischen Behörden ab. Obwohl die Regierung in Washington offiziell mit Jacksons Florida-Expedition nicht einverstanden war, ließ sie ihn doch gewähren.

Spanien selbst war wehrlos. In Südamerika machte die Revolution unter Bolivar und San Martin große Fortschritte, England suchte eine Verständigung mit den Vereinigten Staaten und trat nicht mehr für Spanien ein, so daß diesem nichts übrigblieb, als in eine Abtretung Floridas einzuwilligen.

Florida war nun der amerikanischen Einwanderung geöffnet, und wenn es auch noch so gefährlich war, so zogen doch bald viele entschlossene Ansiedler über die Grenze und ließen sich in diesem herrlichen Land, in dem der Sommer nie endet, nieder.

Die Indianer Floridas waren auf drei Seiten vom Meer eingeschlossen, während sie im Norden und Nordwesten von den nachrückenden Weißen bedrängt wurden. Immer enger wurde der Raum für ihre Jagdzüge und für ihr Wanderleben. Es blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich in die undurchdringlichen Urwälder und endlosen Sümpfe Floridas zurückzuziehen oder aber Mais zu bauen und mit ihren weißen Nachbarn in friedlichen Verkehr zu treten.

Doch was nutzte ihnen ihre Friedfertigkeit? Immer mehr Siedler kamen unter dem Schutz von Soldaten herbeigezogen, gründeten Städte und legten Straßen an. Durch List, Betrug und Gewalt wurden sie ihres Eigentums beraubt. Alle Schandtaten weißer Halunken, und deren gab es an der Grenze übergenug, wurden ihnen aufgebürdet und zum Vorwand für neue Übergriffe genommen. Es gab kein Gesetz, das sie geschützt hätte.

So flackerte der Kleinkrieg an der Grenze immer wieder auf. Mit zäher Verbissenheit kämpfte der rote Mann einen aussichtslosen Kampf um seine Heimat. Der Vormarsch der weißen Rasse war nicht aufzuhalten. Florida war für den roten Mann verloren, nachdem höhere politische Rücksichten es 1819 geopfert hatten. Immerhin sollte es aber noch ein Vierteljahrhundert dauern, bis die Bleichgesichter unbeschränkte Herren der Halbinsel wurden.

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