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Die Puppen des Maharadscha

Siegfried Bergengruen: Die Puppen des Maharadscha - Kapitel 14
Quellenangabe
authorSiegfried Bergengruen
titleDie Puppen des Maharadscha
publisherEden-Verlag
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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13. Kapitel.
Das Geheimnis der schönsten Puppe.

In Ivonnes Leben veränderte sich nach den Ereignissen auf der Motorjacht des Inders äußerlich sehr wenig. Afru besuchte nach wie vor häufig die Villa am Prado und Erwin war mit Bauarbeiten überlastet. Schließlich nahm sie sogar die Motorbootfahrten wieder auf, da Erwin sein Befremden darüber äußerte, daß sie dies schöne Vergnügen aufgegeben hätte.

»Ihr habt euch doch nicht etwa gezankt?« sagte er gelegentlich scherzend. »Benutzt die Zeit, so lange Afru noch hier ist. Nach seiner Übersiedelung nach Paris wird sowieso nichts mehr daraus.«

So fuhren sie wieder miteinander. Anfangs blieb die Stimmung gezwungen. Aber langsam stellte sich auch der alte Ton wieder ein. Ivonne überließ sich ganz dem Zauber der Stimmungen und Afru gewann einen Teil seines Einflusses wieder.

Das ging so einige Wochen. Dann begannen Afrus Besuche seltener zu werden und wenn er kam, fiel es Ivonne auf, daß er seinen früheren, unerschütterlichen Gleichmut eingebüßt hatte und scheinbar von einer heftigen, inneren Unruhe gequält wurde.

»Was ist Ihnen, lieber Freund?« fragte sie einmal, als dieser Zustand besonders heftig zutage trat und sie sogar bemerkte, daß seine Hände zitterten.

»Nichts ... nichts von Belang, Ivonne!« antwortete er hastig und nervös und sah ihr dabei ganz gegen seine sonstige Gewohnheit nicht in die Augen. »Einige kleine Geschäftsverdrüsse, die sich nicht vermeiden lassen und etwas körperliche Erschlaffung. Ich vertrage die Seeluft nicht mehr.«

Ivonne lachte.

»Sie glauben selbst nicht, was Sie sagen, Afru! – – Ich habe vielmehr den Eindruck, Sie seien unglücklich verliebt!«

Afru zuckte zusammen und wurde sehr blaß.

»Wie kommen Sie darauf?«

»Weil Sie die typischen Symptome dieser nicht ungewöhnlichen Krankheit an sich tragen.«

Er erhob sich und ging einige Male im Zimmer auf und nieder. Es schien Ivonne, als kämpfe er schwer mit sich. Aber er hatte sich doch noch immer so in der Gewalt, daß ihm nichts Besonderes anzumerken war.

Schließlich blieb er vor ihr stehen und sah sie mit einem so traurigen Blick an, daß sie es bereute, ihn verspottet zu haben und lebhafte Besorgnis empfand.

»Ich wollte Sie nicht verletzen ...,« sagte sie begütigend.

»Sie haben mich nicht verletzt. Sie haben sogar recht! Denn ... ich bin wirklich verliebt!«

Ivonne wäre keine Frau und vor allem keine Südfranzösin gewesen, wenn sie nicht sofort ein heftiges Gefühl der Eifersucht, das noch durch eine brennende Neugierde gesteigert wurde, empfunden hätte.

»Wer ist es ...?!«

Afru antwortete nicht gleich. Er hatte sich in einem Klubfauteuil ihr gegenüber niedergelassen und bedeckte das Gesicht mit den Händen.

»Sie würden lachen, wenn ich es Ihnen erzählte ...«, sagte er schließlich leise.

»Ich werde nicht lachen.«

»Es ist aber lächerlich!«

Die letzten Worte stieß er fast zornig und so laut hervor, daß Ivonne erschrak.

Er griff in den Gürtel, holte aus ihm einen Brief hervor und reichte ihn ihr hinüber.

»Da ... lesen Sie selbst!«

Ivonne nahm das Blatt und faltete es auseinander. Darauf stand nichts, als die Worte:

»Nächste Puppensendung sofort expedieren!«

Oben das Wappen des Maharadscha von Sukentala und unten ein unleserlicher Name.

»Was soll das?« fragte sie kopfschüttelnd. »Ich ersehe aus diesem Schreiben keine Lösung für Ihr rätselhaftes Wesen!«

»Sie werden sie sofort haben, wenngleich meine Antwort vielleicht wieder neue Rätsel aufgibt. – – Denn ... können Sie es begreifen, daß man sich in einen Gegenstand verliebt?«

Ivonne nickte.

»Ich kann es. – Ich kenne Männer und Frauen, die in allerlei Sammelobjekte vernarrt sind und lieber den Tod eines nahestehenden Menschen als den Verlust einer solchen Sache vertragen möchten.«

Afru schien befriedigt.

»Gut. – Sie sind eine kluge Frau und darum will ich Ihnen alles anvertrauen. – – Die Puppe, die ich als nächste Sendung für meinen Herrn erworben habe, ist so schön, daß ich mich nicht von ihr trennen kann!«

»So ... schön ...?«

»Ja, so schön! ... Der Gedanke, daß diese Puppe für mich ewig verloren und nun das Besitztum eines anderen Mannes sein soll, macht mich rasend!«

»Was würde geschehen, wenn Sie diese Puppe für sich behielten und dem Maharadscha eine andere schickten?«

»Was dann geschehen würde? – Ich wäre unrettbar der Rache des Maharadschas verfallen!«

»Aber er brauchte es doch nicht zu wissen!«

»Er weiß es bereits!«

»Das verstehe ich nicht. Oder haben Sie etwa selbst ...?«

»Ich? – O nein. Aber Sie vergessen, daß ich ständig von indischen Dienern umgeben bin, die mir zwar gehorchen, dem Maharadscha aber mit Leib und Seele angehören und die jeden meiner Schritte schlimmer bewachen, als wenn ich ein Mörder wäre, vor allem vergessen Sie meinen leibhaftigen Schatten, diesen gelben Affen ... Jen-Tsu-Tai!«

»Ich dachte, er wäre Ihr Freund.«

»Er ist es nie gewesen. – Scheinbar mein Angestellter, vermag er mich gerade durch seine untergeordnete Stellung besser und eingehender zu beobachten, als wenn er der Bestimmende und ich sein Sekretär wäre!«

»Jen-Tsu-Tai hat also jene Puppe bereits gesehen?«

»Er hat es. Und darum ist alles verloren!«

Ein langes Schweigen trat ein. Von der Straße gellten die Hupen der Autos herauf, und im Erdgeschoß erscholl das durchdringende Bellen des Hundes, der dort mit dem Diener Louis spielte. Afru atmete schnell und stieß zuweilen die Luft zischend zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor.

Plötzlich erhob sich Ivonne unvermittelt, ging ganz nahe an Afru heran und flüsterte:

»Ich habe eine Bitte.«

Afru sah erstaunt auf.

»Was ist das für eine Bitte?«

»Ich möchte die Puppe sehen!«

Er wurde wachsbleich.

»Sie sind wahnsinnig ...!« keuchte er mühsam.

»Wieso?«

»Sie sind wahnsinnig. Sie wissen nicht, was Sie von mir verlangen.«

»Ich weiß es genau. – Ich verlange, daß Sie den schwarzen Koffer gelegentlich des nächsten Transportes öffnen und mir seinen Inhalt zeigen.«

»Das ist unmöglich.«

»Unmöglich? warum? – Was ein paar einfachen Zollbeamten zugänglich ist, werde ich mir wohl erst recht betrachten dürfen. Um so mehr, als es sich in diesem Falle scheinbar wirklich um etwas ganz Besonderes handelt.«

Afru sagte eine ganze Weile nichts. Er stierte vor sich auf den Teppich und preßte die Fäuste so stark zusammen, daß sie knackten.

»Ich kann es nicht ... ich kann es nicht ...«, flüsterte er schließlich vor sich hin.

Durch seinen Widerstand war Ivonnes Neugierde naturgemäß noch gesteigert worden. Auch war in ihr der brennende Wunsch aufgestiegen, einmal seinen Willen zu bezwingen. Dieses Gefühl verdrängte alsbald ihr anfängliches Mitleid und ließ sie mit kühler Überlegung handeln.

Mit veränderter harter Stimme fragte sie:

»Ist das Ihr letztes Wort?«

»Mein allerletztes!«

»Gut. – Wenn das der Fall ist, muß ich Sie bitten, mein Haus nie wieder zu betreten. Außerdem werde ich meinen Mann von den Vorfällen auf dem Motorschiff in Kenntnis setzen und dafür sorgen, daß Ihr Koffer hier nicht mehr abgestellt werden darf.«

»Sie vergessen scheinbar, daß ich es war, der den Grundstein zu Erwins Vermögen legte und daß ich ihn noch heute auf Grund eines von ihm unterschriebenen falschen Schecks in der Hand habe.«

Diese Angelegenheit war noch nie zwischen ihnen zur Sprache gekommen, aber Ivonne benutzte mit sicherem Instinkt die Gelegenheit, um einen Plan zur Ausführung zu bringen, den sie schon seit einiger Zeit gehegt hatte.

Statt irgendwelche Besorgnis über Afrus Antwort zu zeigen lachte sie hell auf und sagte dann:

»Das glauben Sie ja selbst nicht!«

»Was?«

»Daß Sie Erwin auf Grund eines Schecks in der Hand haben.«

»Wieso?«

»Weil jener Scheck überhaupt nicht mehr in Ihrem Besitz ist!«

Afru war erst sprachlos, dann griff er hastig in die Tasche, riß sein Portefeuille hervor und begann mit zitternden Fingern darin zu suchen. Ivonne schaute ihm spöttisch zu.

»Nun? ... Nun? ... Noch nicht?« sagte sie dabei manchmal, und diese kurz und höhnisch hervorgestoßenen Worte brachten ihn vollends aus der Fassung. Plötzlich stieß er einen triumphierenden Ruf aus und hielt ihr einen schmalen Papierstreifen vors Gesicht.

»Hier! ... Hier!« schrie er. »Hier lesen Sie selbst, was Sie sonst nicht glauben wollen!«

Aber Ivonne hatte dies alles nicht inszeniert, um ein gefälschtes Dokument, dessen Inhalt sie längst kannte, zu lesen. Ihre Absichten gingen weiter. – Mit einer blitzschnellen Bewegung entriß sie dem Inder das Blatt, knüllte es zusammen und steckte es in den Mund. Einen Augenblick überkam sie ein fürchterlicher Brechreiz, aber sie nahm ihre ganze Energie zusammen, bezwang sich und schluckte das Papier hinunter.

Alles dies hatte nur den Bruchteil einer Sekunde gedauert. Als der Scheck längst verschwunden war, stand Afru noch immer mit erhobener Hand da, als halte er Ivonne das Papier zum Lesen hin. Erst an ihren spöttischen Augen erkannte er, was geschehen war.

»Was haben Sie getan?« stieß er endlich wütend hervor und machte eine Bewegung auf sie zu, als wollte er sie schlagen.

Aber sie hatte das erwartet und schlüpfte an ihm vorüber zur Tür, wo sich ein elektrischer Klingelknopf befand.

»Einen Schritt weiter und ich rufe Louis mit dem Hunde!« sagte sie, ihm drohend in die Augen sehend.

Afru ließ den Arm sinken, klappte die Brieftasche zu und steckte sie weg.

»Das ist gemeiner Raub!« erklärte er zornig.

»Sie irren sich. – Das ist Notwehr, wir haben lange genug auf dem Pulverfaß gelebt. Erst von dieser Minute an kann sich Erwin seines Vermögens ruhig erfreuen.«

»Sie hätten mich darum bitten sollen, und ich hätte Ihnen den Scheck anstandslos ausgeliefert.«

»Was ich zu bezweifeln wage. – Im übrigen habe ich kein Talent zum Betteln. Und wenn Sie so edel wären, wie Sie es gerne von sich sagen hören, so wären Sie schon längst selbst auf die Idee gekommen.«

Afru wußte hierauf nichts zu erwidern. Er ging einigemal unschlüssig im Zimmer umher, blieb dann dicht vor Ivonne stehen und begann zu lachen.

»Eigentlich sind Sie doch eine fabelhafte Frau! Ich hätte Ihnen dergleichen jedenfalls nicht zugetraut. – – Was soll nun werden?«

»Nichts. Alles bleibt beim alten. Unter der Bedingung natürlich, daß Sie mir die Puppe zeigen.«

Afrus Gesicht nahm wieder den gedrückten Ausdruck an. Er trat noch näher an Ivonne heran und sagte leise und eindringlich:

»Ich bitte Sie! Lassen Sie diesen Wunsch fallen! In Ihrem eigenen Interesse ...!«

»Ich denke nicht daran.«

»Sie werden es schwer bereuen.«

»O nein. Dazu habe ich kein Talent.«

»Sie wollen sich und einen anderen Menschen um einer Laune willen unglücklich machen ...!?«

»Erstens wüßte ich nicht, wie das geschehen könnte, und zweitens ist es diesesmal ausnahmsweise vielleicht mehr als eine Laune! – – Daher zum letztenmal: Wollen Sie oder nicht ...?«

Afru neigte den Kopf. Dann sagte er langsam und schwer:

»Ich will nicht! – Aber ich werde es tun, weil ich muß!«

Ivonne hatte an dem Abend, als der schwarze Koffer aus Paris erwartet wurde, dem alten Diener bedeutet, daß sie für einige Tage verreisen wolle und daher seine Dienste nicht benötige. So hatte es Afru gewünscht, damit sie, wie er sagte, bei der Öffnung von keinem unnützen Auge belauert würden. Sie hatte diese Vorsichtsmaßregel zwar als übertrieben angesehen, schließlich aber doch nachgegeben, um ihn nicht vollends zu erzürnen. – Erwin befand sich bereits seit mehreren Tagen in Nizza, wo der Schlußstein zum Hotelbau gelegt wurde und war daher vor Ablauf einer Woche nicht zurückzuerwarten.

Um 7 Uhr traf das Auto aus Paris ein, und die indischen Diener brachten den Koffer in den bereitstehenden Lagerraum. Kurz vor acht kam dann Afru selbst, wobei es Ivonne von vornherein auffiel, daß er ein besonders feierliches Wesen zur Schau trug. Allerdings schien es ihr, als verberge sich in Wahrheit hinter diesem formellen Auftreten eine starke Nervosität, die dieserart hinweggetäuscht oder gedämpft werden sollte.

Sie setzten sich im Salon an eine kleine von Ivonne selbst hergerichtete Abendtafel. Sonst äußerte Afru gelegentlich solcher gemeinsam eingenommener Mahlzeiten des öfteren sein Wohlgefallen über den schönen Tafelschmuck, worin Ivonne in der Tat eine Künstlerin war. Diesesmal aber blieb er einsilbig und berührte kaum eine von den Delikatessen, die ihm vorgesetzt wurden.

»Der Abschied von der Puppe scheint Ihnen doch recht schwer zu fallen?« äußerte sie schließlich ein wenig verärgert.

Er legte Messer und Gabel hin und sah sie mit einem langen, tieftraurigen Blick an.

»Sie haben recht,« erwiderte er dann. »Es fällt mir sehr schwer.«

Sie tranken Mokka und rauchten ein paar ägyptische Zigaretten. Ivonne hatte den Rundfunkapparat eingeschaltet und vertiefte sich völlig in die Klänge einer in Paris zur Aufführung gelangenden Symphonie. Als diese zu Ende war, erhob sie sich ruhig, drückte ihre Zigarette aus und sagte:

»Ich denke, wir wollen gehen ...?«

Sie sah, daß es Afru große Überwindung kostete, ihrer Aufforderung nachzukommen. Als er schließlich widerwillig aufgestanden war, ergriff er ihre Hand und sprach:

»Zum letztenmal bitte ich Sie ... lassen Sie Ihren Wunsch fallen!«

Aber Ivonne schüttelte den Kopf.

»Nein, das kommt gar nicht in Betracht. Ich lasse mich nicht zum Narren halten!«

Sie ging voraus. In den Sälen flammte das elektrische Licht auf, wie von unsichtbaren Zauberhänden entzündet. An der breiten, teppichbelegten Treppe, die ins Erdgeschoß hinabführte, blieb sie stehen und sah zurück.

Afru folgte ihr auf dem Fuße. Sein Gesicht hatte einen starren Ausdruck und die Lippen waren zusammengepreßt. Sein Blick ging irgendwohin ins Leere.

Weiter schritten sie durch das nächtliche, menschenleere Haus. Zuweilen konnte sich Ivonne eines unangenehmen Gefühles nicht erwehren, wenn sie daran dachte, was diesem Manne, mit dem sie nun völlig allein war, alles nachgesagt wurde. Aber sie unterdrückte diese Regungen wieder schnell und ließ nicht ahnen, was in ihr vorging.

Endlich in einem langen Korridor hielten sie vor einer geschlossenen, eisenbeschlagenen Tür. Ivonne knipste das Licht an. Sie traten ein. Während Afru sich damit beschäftigte, den Lederbezug vom Koffer abzuknöpfen, setzte sie sich auf einen rohen Holzschemel, der in einer Ecke stand, und sah zu. Auf der Stirne des Mannes wurden Schweißperlen sichtbar, obgleich es hier ziemlich kühl war. Er holte einen Schlüssel aus der Tasche. Es gab ein leises, metallisches Knacken und der Koffer sprang auf.

Afru sah sich nach ihr um und winkte ihr dann, näherzutreten. Dabei zeigte sein Gesicht einen Ausdruck tiefsten Schmerzes.

»Ich warne Sie zum letztenmal!« flüsterte er heiser.

Aber sie schüttelte eigensinnig den Kopf und hob den Kofferdeckel auf. Sie bemerkte, daß der Inder einige Schritte zurücktrat, hielt das aber für ein neues Manöver, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten und ließ sich daher nicht stören. Das Innere des Koffers wurde zum größeren Teil von einer schweren, dunkelroten Plüschdecke verborgen gehalten. Sie beugte sich tief herab, um diese Decke zu entfernen. Dabei schlug ihr ein eigentümlich betäubender Geruch entgegen. Sie fühlte, wie ihr die Tränen in die Augen schossen und daß sich ein starker Brechreiz geltend machte. Um ihn niederzukämpfen, holte sie tief Atem. Im gleichen Augenblick verschwamm alles vor ihren Augen, sie hatte die Empfindung, tief, tief in einen bunten, blitzdurchzüngelten Abgrund zu stürzen, der von feurigen Sternen durchschwirrt wurde. Ein furchtbares Herzklopfen stellte sich ein, ein Herzklopfen, das ihren ganzen Körper mit dröhnenden Paukenschlägen zu erfüllen schien und sie schmerzlich erschütterte. Sie wollte weinen, schreien, irgend etwas Dumpfes, Schweres, das sich immer lastender auf ihre Brust zu senken begann, abwehren, aber sie vermochte nichts mehr. Sie verlor die Besinnung.

Afru hatte ruhig gewartet, bis sie umgesunken war. Dann band er sich ein Taschentuch vor den Mund und Nase, hob den leblosen Frauenkörper auf und bettete ihn in das Innere des Koffers unter die Decke. Das ganze Zimmer war nun von einem beißenden Äthergeruch erfüllt, und wenn er nicht die Vorsichtsmaßregel mit dem Taschentuch angewandt und den Atem nach Möglichkeit angehalten hätte, wäre es ihm womöglich ebenso gegangen wie der unglücklichen Ivonne. Hastig schloß er den Deckel, brachte den Lederbezug in Ordnung und verließ das Gemach.

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