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Die Pilger des Rheins

Edward Bulwer-Lytton: Die Pilger des Rheins - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Pilger des Rheins
authorEduard Bulwer Lytton
year1861
firstpub1834
publisherJ. B. Metzler'sche Verlagshandlung
addressStuttgart
titleDie Pilger des Rheins
pages302
created20100717
sendergerd.bouillon@t-online.de
corrected20110418
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Vierzehntes Kapitel.

Die Elfenhöhle und der Elfenwunsch.

Es war Abend und die Elfen tanzten unter dem Abendstern.

»Warum bist Du traurig, mein Veilchen?« fragte der Prinz. »Deine Augen suchen den Boden.«

»Jetzt, da ich Dich gefunden,« erwiederte die Königin, »und weiß, was glückliche Liebe für uns Elfen ist, seufze ich über eine jüngst unter den Sterblichen gesehene Liebe, die in der Knospe ihrer Seligkeit bereits den Wurm birgt. Denn mit Recht bemerktest Du, o Prinz, daß wir durch geheimnißvolle Sympathie an die Menschheit gekettet sind, und 147 Alles, was rein und zart in dieser ist, nimmt unser Mitgefühl in Anspruch und verlangt unsere Bewachung.«

»Und vor allem Anderen,« entgegnete der deutsche Elfe, »stehen Liebende unter unserer Hut; denn Liebe ist die goldene Kette, welche Alles im Weltganzen umschlingt. Liebe erleuchtet den Stern, wie den Glühwurm, und wo immer Liebe im Schicksal des Menschen ist, da liegt seine geheime Verwandtschaft mit göttlichen Wesen.«

»Aber beim Menschengeschlecht,« bemerkte Silpelit, »gibt es keine Liebe, die über die Zeit hinausreicht, denn entweder endigt sie der Tod, oder nimmt sie die Gewohnheit weg. Tritt die Blüthe in die Frucht, so wird sie gepflückt und fortan nicht mehr geschaut. Daher tröste ich mich beim Anblick einer zum Grab verdammten treuen Liebe mit dem Gedanken, daß ich wenigstens die Schönheit nicht erbleichen, die Milde des Herzens nicht zu Stein verhärtet sehen darf. Doch, Prinz, so lang in der schönen Gestalt, die ich mir neulich betrachtet, noch ein Puls schlägt, noch warmes Blut fließt, wolle nicht, daß ich sie verlasse: auch fürder soll meine Kraft den Himmel über ihr heiter, die Luft rein halten; auch fürder laß mich den Dunst vom Mond, die Wolken vom Antlitz der Sterne scheuchen! auch fürder laß mich ihre Träume mit zarten, glänzenden Bildern füllen und ihr im Spiegel des Schlafs die seligsten Gesichte des Elfenlands zeigen; auch fürder laß mich über ihre Augen den Zauber ausströmen, vermöge dessen sie keinen Mangel in Dem erblicken, welchem sie ihre Seele anheimgegeben hat. Und wie der Tod näher und näher heranrückt, laß mich fort und fort das grimme Gespenst seiner Schrecken, das Grab seines Stachels berauben; so, daß sanft und ihr unbewußt das Leben in den großen Ocean verfließe, worin die Schatten ruhen, und die Seele, welche ohne Schuld ist, aus ihrer Behausung ohne Schmerz scheide.«

Der Elfenwunsch ward erfüllt. 148

 

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