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Die Pilger des Rheins

Edward Bulwer-Lytton: Die Pilger des Rheins - Kapitel 15
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Pilger des Rheins
authorEduard Bulwer Lytton
year1861
firstpub1834
publisherJ. B. Metzler'sche Verlagshandlung
addressStuttgart
titleDie Pilger des Rheins
pages302
created20100717
sendergerd.bouillon@t-online.de
corrected20110418
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Dreizehntes Kapitel.

Das Grab eines Vaters vieler Kinder.

Da der Schmaus sammt der Geschichte jetzt zu Ende war, so nahmen die Elfen ihren Rückweg durch einen andern Pfad, auf welchem endlich ein rothes unbewegliches Licht durch die hohen Basaltbögen glühte, wie die Feuer des wilden Jägers im Föhrenwald.

Der Prinz nahm einen ernsten Schritt an.

»Wir nähern uns,« sprach er mit feierlichem Ton, »dem größten unserer Tempel. Wir werden das Grab eines der mächtigsten Gründer unseres Geschlechtes sehen.«

Trotz allen Ankämpfens beschlich die Königin ein Schauer. Dem Feuer lautlos nachgehend, gelangten sie in einen großen Raum, in dessen Mitte ein einsamer grauer Steinblock lag, wie ihn der Wanderer in der schauerlichen Stille des egyptischen Thebens findet.

Auf diesem Stein ruhte die Riesengestalt eines Mannes; – todt, aber nicht von todtem Aussehen; denn geheime Zauber hatten das Fleisch und das lange Haar seit ungezählten Jahrhunderten erhalten. Neben ihm lag ein rohes musikalisches Instrument, und zu seinen Füßen ein Schwert und ein Jagdspieß. Oben wand sich der Fels hohl und dachlos in die freie Luft hinaus, und krankhaft und bleich kam das Tageslicht zwischen rothen Feuern herunter, die fortwährend auf schlichten Altären, wie sie ein noch halb wildes Volk bezeichnen, um den Todten her brannten. Doch nicht einsam war der Ort, denn viele bewegungslose, obwohl nicht leblose Gestalten saßen auf großen Steinblöcken neben dem Grabe. Hier der Zukunftschauer in einem schwarzen Mantel, das Gesicht mit den Händen bedeckt; – dort der plumpe, 146 ungestalte Zwerg, unverständliche Worte vor sich hinmurmelnd; – hier ein Hauselfe; dort lugte aus einer dunkeln Spalte in der Felsenwand mit glänzenden Augen und funkelnden Schuppen der nordische Lindwurm herab. Eine in Lumpen gehüllte Alte stand auf einen Stab gelehnt, und die Ankommenden mit trüben, aber feurigen Augen anstierend, dem Grab des riesigen Todten gegenüber. – Die Elfen selbst vervollständigten die Gruppe; allein allenthalben herrschte dumpfes, lautloses Schweigen; das Schweigen, das über einer alten Stadt der Wüste ruhen mag, wenn zum erstenmal nach hundert Jahrhunderten ein lebendiger Fuß die verödeten Reste betritt! das Schweigen, das auf dem Staub der Vorzeit liegt, – das tiefe, feierliche, greifbare, mit bleiernem, todtenhaften Gewicht in die Erde sinkende Schweigen. Selbst die englische Elfin sprach nichts; mit angehaltenem Athem blickte sie auf das Grab und las in rohen, mächtigen Buchstaben:

Teut .

»Wir alle sind Ueberbleibsel seiner Religion;« sagte der Prinz, als sie sich aus dem schauerlichen Tempel entfernten.

 

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