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Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten

Max Dreysel: Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
authorM. Dreysel
titleDie Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten
publisherJ. F. Wilhelm Schumanns Verlag
year1903
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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II. Pflege und Kosmetik der Haare und Nägel

1. Die Pflege und Kosmetik des Haares

Zu einer rationellen Haarpflege gehört sowohl eine Pflege des Haarbodens, also der Haut, auf der das Haar sitzt, als auch des Haares selbst. Bei der Pflege des Haares ist ebenso wie bei der Pflege der Haut Reinlichkeit die erste Bedingung. Eine Torheit ist es zu glauben, daß Kopfhaut und Haar nicht gewaschen werden dürften. In dem langen Frauenhaar setzt sich in kurzer Zeit eine große Menge Unreinlichkeit, Staub etc. fest: kommt dazu noch Öl oder Pomade, dann bildet sich bald eine, die Haare umhüllende Schmutzkruste, die infolge Ranzigwerden des Fettes einen unangenehmen, muffigen Geruch ausströmt und dem Haar jede Schönheit nimmt. Ein gründliches Reinigen, ein Waschen des Haares ist also unbedingt erforderlich. Die Waschungen sollen regelmäßig stattfinden. Die Häufigkeit hat sich nach dem Fettreichtum zu richten. Eine Kopfwaschung einmal im Monat ist im allgemeinen genügend. Bei trockener, fettarmer Haut ist sie seltener vorzunehmen. Das Waschen soll mit warmem Wasser und Seife geschehen; auch verdünnter Seifenspiritus kann verwandt werden. Zum Schluß der Waschung wird das Haar reichlich mit reinem Wasser abgespült. Bei empfindlicher Haut und trockenem Haar kann die Reinigung anstatt mit Wasser und Seife auch mit Eigelb erfolgen. Sehr häufiges Waschen und Duschen mit kaltem Wasser schädigt den Haarboden und damit das Haar, begünstigt ein Ausfallen des Haares. Nach dem Waschen ist das Haar sorgfältig und möglichst rasch zu trocknen; das Frauenhaar darf also nicht sofort geflochten werden, muß vielmehr eine Zeitlang offen bleiben. Nach jeder Kopfwaschung wird, außer bei sehr fettigem Haar, ein reines Fett oder Öl eingerieben, und zwar auf die Kopfhaut selbst, nicht in die Haare.

Festes Binden und Flechten des Haares bedeutet eine Mißhandlung desselben und ist zu unterlassen. Das Ordnen des Haares hat mit einer mäßig harten Bürste und nicht zu engem Kamme zu geschehen, da sonst die Kopfhaut wund wird und die Haare leicht abreißen; Stahlbürsten sind nicht zu empfehlen. Die Form der Bürste soll leicht konkav, also der Rundung des Kopfes angepaßt sein. Die Bürsten müssen von Zeit zu Zeit gründlich gereinigt werden. Man wäscht sie mit Sodawasser aus und läßt sie danach gründlich trocknen. Die Zinken des Kammes sollen abgerundet, dürfen nicht spitz sein. Ein dauerndes Scheiteln der Haare an ein und derselben Stelle ist zu vermeiden; dasselbe führt an den betreffenden Stellen zu vermehrtem Ausfall. Das Brennen schadet den stärkeren Barthaaren wenig oder nicht; wohl aber dem viel zarteren Frauenhaar. Durch häufiges Brennen wird der Haarausfall vermehrt. Soll überhaupt gebrannt werden, dann geschehe es nur selten mit nicht zu heißem Eisen und nur an der Spitze der Haare. Während häufiges Rasieren den Haarwuchs verstärkt, hat häufiges Schneiden auf das Wachsen der Haare aller Wahrscheinlichkeit nach keinerlei Einfluß.

Über die Bedeutung der Kopfbedeckung für das Haar sind die Ansichten noch geteilt. Jedenfalls wird das Haar durch eine Bedeckung vor übergroßer Beschmutzung, außerdem auch vor Wärme und Kälte und vor zu starkem Austrocknen geschützt. Zu warme und wasserdichte Kopfbedeckungen sind sicherlich nicht gut. Der in vermehrter Menge abgesonderte Schweiß kann nicht rasch genug verdunsten, die Folge davon ist eine Schädigung des Haarbodens und des Haares, schließlich ein Ausfallen des letztern. Bei zu warmer Kopfbedeckung wird das Haar außerdem bei Entblößen des Kopfes zu großen Temperaturunterschieden, die ungünstig auf das Wachstum einwirken, ausgesetzt.

Die Gesundheit des Haares ist eng verknüpft mit der Beschaffenheit des Haarbodens, also vor allem der Kopfhaut. Bei schweren Krankheiten, im Alter, wird die Ernährung der Haut eine weniger gute, das Haar fällt infolgedessen in vermehrter Menge aus. Starkes Schwitzen der Kopfhaut und mangelhafte Fettabsonderung machen das Haar trocken und spröde und schädigen dasselbe. Das gleiche bewirkt auch eine übermäßige Fettabsonderung der Talgdrüsen, die allmählich ein Zugrundegehen des Haares herbeiführt.

Zur Schönheit des Haares gehören in erster Linie Glanz und Glätte, die zu erhalten und zu fördern also die Aufgabe einer vernünftigen Haarpflege sein muß. Daß Reinlichkeit in erster Linie hierzu erforderlich ist, wurde schon erwähnt. Aber nicht nur ein regelmäßiges Waschen hat das Haar nötig, sondern auch ein regelmäßiges Einfetten. Das Fett bildet für das Haar, ebenso wie für die Haut, einen schützenden Überzug, es bewahrt dasselbe vor dem Austrocknen und damit vor dem Sprödewerden. Die Häufigkeit des Einfettens hat sich nach dem Fettreichtum der Kopfhaut zu richten. Im allgemeinen genügt einmaliges Einfetten jede Woche; bei sehr fettem Haar ist die Anwendung von Fett höchstens nach dem Waschen nötig. Wie mit dem Wasser, so kann man auch mit dem Fett des Guten zu viel tun; ein stark fettglänzendes Haar ist nichts weniger als schön, ganz abgesehen davon, daß starker Fettgehalt das Haar empfindlich schädigt und schließlich zugrunde richtet.

Es gibt gewisse Fette, die von alters her in dem Rufe stehen, das Haar zu kräftigen und den Haarwuchs zu fördern. Besonders dem Rindermark und dem Kammfett des Pferdes werden diese Eigenschaften zugeschrieben. Zum Einfetten sind diese Substanzen gewiß gut geeignet, aber einfaches Schweinefett verrichtet dieselben Dienste und steht den erstgenannten kaum nach. Durch Zusatz von Salizylsäure kann das Schweinefett haltbar gemacht werden. Die Art des Fettes ist nicht so sehr wesentlich, die Hauptsache ist dabei, daß das Fett frisch, nicht ranzig ist und daß die zur Färbung oder Parfümierung beigefügten Substanzen die Haut nicht reizen. Ob Fett, also Pomade, oder Öl verwandt wird, ist ziemlich gleichgültig. Süßes Mandelöl und Olivenöl, die mit einigen Tropfen Bergamott- oder Rosenöl parfümiert werden können, geben vortreffliche Haaröle ab. Rizinusöl gilt wie Rindermark als haarwuchsfördernd; es ist für den täglichen Gebrauch jedoch nicht empfehlenswert, denn es macht das Haar sehr schmierig, so daß auf die Reinigung doppelte Sorgfalt verwandt werden muß. Denselben Nachteil hat das Glyzerin, welches außerdem das Haar noch durch Entziehung von Wasser spröde macht.

Wirkliche Haarwuchsmittel, die ein Wiederwachsen eines zugrunde gegangenen Haares oder die ein Wachsen von Haaren an von Natur aus spärlich behaarten Stellen bewirken, gibt es trotz zahlreicher reklamenhafter Anpreisungen nicht, und kann es auch nicht geben. Der Grund liegt in den anatomischen Verhältnissen. An den Stellen, wo die Haarpapille, die Erzeugerin des Haares, zerstört, oder wo von Natur aus keine Haarpapille vorhanden ist, kann auch kein Haar wachsen, mag die Haut noch so sehr mit teuren Haaressenzen und Haartinkturen, behandelt werden. Das ist recht schmerzlich für manchen, allzu früh schon seines Haupthaares Beraubten, und für manchen bartlosen Jüngling. Es ist aber eine unumstößliche Tatsache, an der auch die so verlockenden Ankündigungen von Haarmitteln beigegebenen Abbildungen und die vielen Anerkennungsschreiben »Geheilter« nichts zu ändern vermögen. Wohl aber gibt es Mittel, die einen Haarausfall vermindern können. Darüber wird im Kapitel »Krankheiten der Haare« noch gesprochen werden.

Eine vernünftige Haarpflege soll nicht nur bestrebt sein, die Schönheit, sondern auch die Gesundheit des Haares zu erhalten. Sie muß Krankheiten nach Möglichkeit zu verhüten suchen. Die Reinlichkeit ist auch hierbei erstes Erfordernis, aber ein weiterer wichtiger Punkt kommt noch in Betracht: Es gibt unter den Haarkrankheiten eine Anzahl, die ansteckender Natur sind, die also von Mensch zu Mensch übertragen werden können. Die Vermittler dieser Übertragungen sind meist die Barbierstuben, die eine Quelle zahlreicher Erkrankungen der Kopf- und Barthaare darstellen. Man gebe doch einmal acht, wie es in den Barbierstuben, vor allem solchen 2. und 3. Ranges, zugeht. Einige wenige Bürsten und Kämme dienen für eine große Anzahl Kunden und werden gewöhnlich lange Zeit benutzt, ehe sie einer gründlichen Reinigung unterzogen werden. Ein und derselbe Rasierpinsel, ein und dieselbe Puderquaste werden kurz nach einander bei verschiedenen Kunden gebraucht. Nicht selten wird nach dem Rasieren zum Waschen ein Schwamm benutzt, der sein Reinigungswerk bei vielen anderen schon ausgeübt hat, und nicht selten weist auch die zum Abtrocknen bestimmte Serviette Spuren auf, die darauf hindeuten, daß auch sie schon mehrfach in Anspruch genommen war. Es kann nicht ausbleiben, daß sich im Laufe der Zeit von haarkranken Kunden herrührende Krankheitskeime in den Bürsten festsetzen und durch diese auf andere Kunden übertragen werden. Auch die in den Bädern ausliegenden Bürsten sind nicht weniger gefährlich. Man hüte sich also vor den Bürsten und Kämmen der Barbier- und Badestuben! Man lasse sich in den Barbierstuben nur mit eigener Bürste frisieren und nur mit eigenem Rasierzeug rasieren. Die Puderquaste sollte aus dem Barbierladen völlig verschwinden, ein Wattebausch, der für jeden Kunden frisch genommen und nach dem Gebrauch vernichtet wird, verrichtet dieselben Dienste. Ein solcher kann auch an die Stelle des Schwammes treten. Die Leinwandserviette sollte durch die Papierserviette, die auch sofort nach dem Gebrauch zu vernichten ist, ersetzt werden.

Glanz und Glätte des Haares können wir uns durch eine rationelle Pflege erhalten, nicht aber die Farbe. Unbedingt zur Schönheit des Haares gehört diese nicht, denn auch ein weißes gut gepflegtes Haar ist schön, aber dennoch erweckt das erste graue Haar Empfindungen recht zweifelhafter Natur; es ist so häufig das erste Zeichen der schwindenden Jugend. Ein Ergrauen des Haares ist eine Alterserscheinung, also ein durchaus normaler Vorgang. Bisweilen tritt aber das Ergrauen zu frühzeitig ein, vielfach infolge erblicher Anlage, vielfach auch verursacht durch ein an Kummer und Sorge reiches Leben. Sehr heftige Erregungen vermögen ein plötzliches Ergrauen der Haare innerhalb ganz kurzer Zeit, einer Nacht, herbeizuführen. Solche Fälle sind sicher konstatiert. Diese Art des Grauwerdens beruht, wie schon erwähnt, auf einem Eindringen von Luft in das Mark des Haares. Wie an der Haut sich bisweilen einzelne weiße Flecken vorfinden, so zeigen sich mitunter auch bei ganz jugendlichen Personen in den Haaren vereinzelte weiße Büschel. Solche Schönheitsfehler erwecken den nicht ganz unberechtigten Wunsch nach Abhilfe. Man kann auch bei vorzeitigem Ergrauen des Haares das Verlangen, einen dem Alter entsprechenden Kopfschmuck zu besitzen, wohl begreifen. Es gibt nur ein Mittel zur Befriedigung dieser Wünsche, das ist das Färben des Haares. Gefärbt werden in erster Linie weiße Haare, doch auch solche, die eine unschöne oder eine Farbe besitzen, die der Trägerin nicht mehr gefällt oder die nicht modern genug ist. Nächst dem Grau macht besonders das Rot eine Farbenveränderung wünschenswert.

Das Färben ist im allgemeinen bei richtiger Auswahl des Mittels für das Haar weniger schädlich, als das Schminken für die Haut, schon deshalb, weil es viel seltener wiederholt werden muß. Allerdings gibt es keine Methode, die eine dauernde Färbung des Haares, eine Färbung für immer, herbeiführt. Mit der Zeit verliert die aufgetragene Farbe an Intensität; außerdem wächst das Haar von der Wurzel aus ungefärbt nach. Das Färben der Haare muß in gewissen Zwischenräumen und zwar alle 4-6 Wochen wiederholt werden.

Ein gutes Haarfärbemittel soll rasch und haltbar und vor allem auch natürlich färben; es darf dem Haarboden und dem Haare nicht schaden. Eine Färbung kann erreicht werden durch direktes Auftragen einer Farbe auf das Haar und durch die Zerstörung einer im Haar bereits vorhandenen Farbe. Die erstere Methode dient zur Umwandlung von hellen Haaren in dunklere; die letztere zur Entfärbung der Haare, zur Umwandlung von dunklen Haaren in helle.

Sehr zahlreich sind die Mittel der ersten Kategorie. Ein einfaches, unschädliches Haarfärbemittel sind die grünen Schalen unreifer Walnüsse. Man gebraucht einen möglichst konzentrierten wässrigen Extrakt. Die Färbekraft ist allerdings nur eine geringe, mehr als ein hell bis mittelbraun läßt sich damit nicht erzielen. Die meisten der gebräuchlichen und käuflichen Haarfärbemittel enthalten Blei, da diesem Mittel verschiedene, nicht zu unterschätzende Vorzüge zukommen. Es lassen sich damit alle Farbenuancen von braun bis schwarz erzielen; das Blei färbt sehr haltbar und natürlich, verlangt keine große Kunstfertigkeit und bringt keine unnatürlichen fuchsigroten Stellen, wie viele andere Färbemittel, hervor. Trotz dieser Vorzüge ist aber das Blei als Haarfärbemittel unbedingt zu verwerfen, denn es ist giftig und kann die Gesundheit ernstlich gefährden. Unschädlich ist die Pyrogallussäure, während Höllenstein in zu konzentrierter Lösung leicht eine Entzündung der Kopfhaut verursacht. Unvermischte Höllensteinlösung gibt außerdem ein zu intensives, wenig natürliches Schwarz. Ein sehr gutes Haarfärbemittel ist die Kombination der Pyrogallussäure und des Höllensteins. Das Färbemittel besteht aus zwei getrennten Lösungen, die eine enthält Pyrogallussäure in Alkohol und rektifizierten Holzessig, die andere Höllenstein in Wasser mit Zusatz von Ammoniak. Nach Entfettung des Haares wird zunächst die erste Lösung und nach dem Trocknen die zweite aufgetragen. Ungleichmäßigkeiten in der Farbe können durch Waschen mit unterschwefligsaurem Natron ausgeglichen werden. Man kann mit diesem Färbemittel braun bis schwarz färben. Die Färbung erfordert ca. ½ Tag. Dieses und ähnlich zusammengesetzte Haarfärbemittel befinden sich unter dem Namen Melanogène im Handel.

Außer den genannten gibt es noch zahlreiche andere Metallsalze, die eine Färbung der Haare herbeiführen; doch sind diese sämtlich wenig empfehlenswert, da sie teils schlecht und wenig haltbar färben, teils auch giftig sind.

Von pflanzlichen Färbemitteln ist außer den Walnußschalen noch Henna brauchbar, die als Pasta angewandt, zunächst eine orangerote Farbe erzeugt. Durch Aufstreichen von Reng, einem aus dem Indigokraut hergestellten Blattpulver, wird die rote Farbe in braun bis schwarz umgewandelt. Das Mittel ist unschädlich, gibt eine haltbare Farbe und erfordert ca. ½ Tag zum Färben. Als persisches Haarfärbemittel ist es bekannt und käuflich.

Zum Entfärben dunkler Haare sind zunächst die Alkalien und alkalischen Seifen geeignet, die das Haar entfetten und dadurch heller erscheinen lassen. Eine stärkere Entfärbung läßt sich mit diesen Mitteln allerdings nicht erreichen. Bedeutend intensiver wirkt Wasserstoffsuperoxyd, das als » Golden hair wash«, » Eau de Jouvence« im Handel zu haben ist; es färbt schwarze Haare braun bis flachsgelb, rote rötlichgelb bis hellblond. So manches schöne, blonde Damenhaar ist ein ursprüngliches, unschönes rotbraunes Haar gewesen, das durch Wasserstoffsuperoxyd gebleicht wurde. Die Entfärbung tritt bei diesem Mittel erst nach einiger Zeit ein, bei öfterer Anwendung kommt es an der Kopfhaut zuweilen zu schuppenden Ekzemen. Ähnlich wie Wasserstoffoxyd wirken Kamillenöl und Kamillentinktur. Kamillentee entfärbt weniger und dient vielmehr dazu, einem blonden Haar die Farbe zu erhalten.

Das Färben des Haares bietet im allgemeinen keine große Schwierigkeit dar. Das Haar muß vorher immer, außer bei Anwendung von Färbemitteln in Salbenform, gründlich entfettet werden und zwar durch Waschung mit Wasser und Seife. Nach vollständigem Trocknen wird die Farbe gleichmäßig von der Spitze des Haares nach der Wurzel zu aufgetragen, mittels eines Schwammes oder einer weichen Bürste. Hierauf läßt man das Haar wieder trocknen und wendet dann, wenn nötig, das 2. Mittel, die Beize an, welche dem Haar die endgültige Farbe verleiht. Nach nochmaligem Trocknen wird die überflüssige Farbe abgewaschen und das Haar eingefettet, damit es Glanz erhält. Die Haut muß beim Färben möglichst geschützt werden, vor allem beim Färben mit Mitteln die Höllenstein enthalten, da sonst leicht schwer entfernbare Flecken entstehen. Man schützt die Hände durch Handschuhe, Stirn und Nacken durch Aufstreichen von Fett. Höllensteinflecke lassen sich durch Jodkaliumlösung entfernen.

2. Die Pflege und Kosmetik der Nägel

Die Pflege und Kosmetik der Nägel wird auch von Personen, die im übrigen wohl auf die Pflege des Körpers bedacht sind, sehr vernachlässigt. Und doch vermag ein schlechter Nagel die schönste Hand zu entstellen. Von einer Pflege der Zehennägel kann bei unserer, für die Hygiene des Fußes so ungeeigneten Bekleidung nicht viel die Rede sein. Die Zehennägel des heutigen Kulturmenschen sind arme, verkümmerte Gebilde, die nur ein klägliches Dasein fristen und durch Schönheit jedenfalls nicht glänzen können.

Auch bei der Pflege der Nägel ist Reinlichkeit die Hauptsache. Die Nägel müssen täglich mit Wasser, Seife und Bürste gereinigt werden. Der unter dem Nagel sich festsetzende Schmutz wird dann mit einem stumpf zugespitzten Hölzchen sorgfältig entfernt; nicht mit einem Metallinstrument, da dieses die Haut unter dem Nagel schädigt. Nach dem Reinigen muß täglich der untere Rand des Nagelfalzes zurückgeschoben werden; geschieht das nicht, dann wächst dieser Rand nach vorn, verdeckt den, für die Schönheit des Nagels so wichtigen, weißen Halbmond und verunziert so den ganzen Nagel. Außerdem reißt auch der Nagelfalz bei Unterlassen dieses Zurückschiebens leicht ein; es entstehen spaltenförmige Einrisse, die sogen. Nietnägel, die sehr schmerzhaft sind und leicht zu stärkeren Entzündungen Anlaß geben können. Das Zurückschieben hat am besten, weil am schonendsten, mit den Nägeln der anderen Hand zu geschehen. Metallinstrumente, wie z. B. die spatelförmige Verbreiterung der Nagelfeile, sind hierzu nicht geeignet, weil sie leicht den Nagel verletzen, seine Politur schädigen.

Sehr wichtig ist das Beschneiden des Nagels. Daß der Nagel nicht abgerissen und noch viel weniger abgebissen werden darf, wird jeder verstehen, der einmal eine Hand mit abgebissenen Nägeln gesehen hat. Der Nagel soll so lang sein wie die Fingerkuppe; bei zu kurzem Schneiden entstehen leicht Schmerzen, außerdem werden dann die Fingerkuppen in unschöner Weise verbreitert und verdickt. Auch zu lang darf man den Nagel nicht wachsen lassen. Von manchen jungen Herren werden zwar ganz lange und spitz zugeschnittene Nägel oder wenigstens ein solcher und zwar der des kleinen Fingers, für schön, vornehm, weil modern, gehalten. Doch ist dies eine Geschmacksverwirrung und Modetorheit, ganz abgesehen davon, daß lange Nägel immer den Verdacht erwecken, daß ihr Träger sehr viel freie Zeit und sehr wenig Lust zu ernster Beschäftigung hat. Das Beschneiden soll mit über die Fläche gekrümmter, nicht spitziger Schere geschehen; Unebenheiten werden mit der Nagelfeile ausgeglichen. Die in den Falz übergehenden Ränder dürfen nicht zu tief eingeschnitten werden, da sonst ein Einwachsen zu befürchten ist. Der Nagelrand soll überall, vorn und an den Seiten, die gleiche Breite haben. Besonders zu beachten ist dies bei den Zehennägeln und vor allem bei dem Nagel der großen Zehe, der am leichtesten einwächst. Der an der Seite geschnittene Nagel wächst an dieser Stelle am meisten. Der Nagel der großen Zehe muß daher gerade oder noch besser leicht konkav geschnitten werden, dann ist ein Einwachsen nicht möglich. Bei großer Sprödigkeit der Nägel empfiehlt sich vor dem Schneiden ein heißes Handbad, das die Nägel weich macht und das Splittern derselben verhindert.

Schöner Glanz der Nägel läßt sich durch tägliches Abreiben mit Essigwasser oder Zitrone erzielen. Die Essigsäure verursacht jedoch bei längerer Anwendung ein Austrocknen des Nagels und der umgebenden Haut und infolgedessen ein Sprödewerden. Schonender für den Nagel ist das Abreiben mit Mandelkleie. Ein wirkliches Poliermittel ist z. B. geschlemmter Schmirgel, nach dessen Anwendung die Nägel mit einem weichen Leder abgerieben werden. Man erzielt dadurch einen schönen, matten Glanz. Auch mit Zinkoxyd kann der Nagel poliert werden, doch ist der dadurch erzielte Glanz ein zu starker.

Die schöne rosarote Farbe der Nägel zeigt mitunter häßliche Veränderungen. Nach Verletzungen, doch auch unabhängig von solchen, kommt es bisweilen zu einer Trübung des Nagels. Der Nagel nimmt eine gelbliche, käsige Farbe an. Derartige Veränderungen lassen sich nicht beseitigen. Häufig kommt es vor, daß nicht der ganze Nagel Farbenveränderungen aufweist, sondern daß nur einzelne Stellen eine abweichende Färbung darbieten. Bekannt sind die kleinen, weißen, runden oder auch unregelmäßig gestalteten Flecken, die oft nur an einzelnen, oft auch an allen Fingern in großer Anzahl sich vorfinden. Diese Flecken, »Glück« genannt, wachsen mit dem Nagel nach vorn und werden auf diese Weise allmählig beseitigt. Eine sofortige Entfernung ist schwierig, möglich nur durch Färbung mittels eines Karmin enthaltenden Polierpulvers, z. B. Zinkoxyd; doch ist der Erfolg zweifelhaft.

Außer in der Farbe bietet der Nagel bisweilen auch in der Konsistenz und Elastizität Abweichungen dar. Der Nagel ist mitunter sehr spröde. Abhelfen kann man dem durch Einhüllen mit Quecksilberpflaster oder Salizylseifenpflaster. Ein zu weicher Nagel muß vor Wasser und vor allem vor Seife gehütet werden. Bäder mit Tamin oder Einpinselung mit 10 % Taminlösung machen die Nagelsubstanz härter.

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