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Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten

Max Dreysel: Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten - Kapitel 5
Quellenangabe
typetractate
authorM. Dreysel
titleDie Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten
publisherJ. F. Wilhelm Schumanns Verlag
year1903
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150116
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IV. Erkrankungen der Haut

Das Gebiet der Hautkrankheiten ist ein überaus großes und ausgedehntes. Unmöglich können hier alle Erkrankungen angeführt werden, nur die wichtigsten und auch diese nur in großen Zügen sollen beschrieben werden. Die richtige Erkennung der Hautkrankheiten erfordert ein geübtes Auge, das auch die eingehendste Beschreibung nicht zu ersetzen vermag. Die folgenden Zeilen haben daher auch nicht den Zweck den Arzt zu ersetzen, sie sollen nur Sinn und Verständnis für die Erkrankungen der Haut beim Volke erwecken, und sie sollen nur darauf hinweisen, daß das Pfuschertum, das ebenso wie auf dem Gebiete der Geschlechtskrankheiten, auch auf dem der Hautkrankheiten in üppigster Blüte steht, nicht dazu berufen sein kann hier ein entscheidendes Wort zu sprechen. Zu einer wirksamen Behandlung einer Hautkrankheit gehört nicht nur eine genaue Kenntnis dieser Erkrankung, es gehört dazu auch eine genaue Kenntnis des gesamten menschlichen Körpers und eine genaue Kenntnis der Art der Wirkung der einzelnen Medikamente. Alles dieses besitzt der Pfuscher nicht; er kann daher eine zielbewußte Behandlung auch nie einleiten. Ich möchte zur Illustration nur eine Erkrankung der Haut anführen, die Flechte. Unter Flechte faßt das Volk und auch der Pfuscher eine ganze Reihe von Krankheiten zusammen und behandelt diese alle auf die gleiche Weise. Es ist klar, daß bei ein und derselben Behandlung ganz verschiedener Erkrankungen der Erfolg meist ausbleiben muß, denn jede dieser Erkrankungen erfordert eine eigene Behandlung für sich mit besonderen Methoden und besonderen Medikamenten.

Nur die wichtigsten Erkrankungen der Haut sollen, wie erwähnt, in folgendem besprochen werden; auch die Hautausschläge bei akuten Infektionskrankheiten, Masern Scharlach u. s. w. und bei Syphilis kommen, da sie schon an anderer Stelle besprochen worden sind, hier nicht mit in Betracht.

1. Entzündungen der Haut

Die Entzündungen der Haut lassen sich in verschiedene Gruppen einteilen: a) einfache Hautentzündungen, b) Bläschen und nesselartige Entzündungen und Ausschläge, c) Schuppende Ausschläge, d) Knötchenförmige Ausschläge.

a) Einfache Hautentzündungen.

Hierher gehören die eigentliche Hautentzündung, die nässende Flechte, die Verbrennung und die Erfrierung.

Eigentliche Hautentzündung. Diese ist die einfachste Form einer Erkrankung der Haut und kommt durch eine Reizung der Haut, sei es eine mechanische, chemische oder thermische, zu Stande. Solche Reize können sein, Stoß, Schlag, Reibung von Kleidungsstücken, Senfpflaster, Senfspiritus, Jodtinktur, Wärme und zwar sowohl Feuerwärme als auch die Sonnenstrahlen. Die Haut rötet sich an den gereizten Stellen, es stellt sich ein Gefühl von Hitze, Jucken und Brennen ein. Bisweilen geht die Entzündung über den von dem Reize betroffenen Bezirk hinaus; so kann sich durch das Auflegen eines Senfpflasters ein großer Teil der gesamten Haut entzünden. Diese Form der Hautentzündung äußert sich meist nur durch Rötung, doch kann es bei einer intensiven oder lang anhaltenden Einwirkung der Schädlichkeit auch zu einer Entwickelung von wasserhellen Bläschen, die sich allmählich in Eiterbläschen umwandeln, kommen. Starker Sonnenbrand ist nicht selten mit Eiterbläschen kombiniert. Die eigentliche Entzündung der Haut ist harmloser Natur, sie geht meist bald vorüber, wenn die Ursache wegfällt; zur Beseitigung genügt die Anwendung einer Zinksalbe oder eines einfachen Puders. Bei stärkerer Reizung, z. B. beim Auslegen eines Senfpflasters, und infolge von Reizen, die immer und immer wieder die Haut treffen, z. B. bei reibenden Kleidungsstücken, stellen sich nach Abheilung der Entzündung Dunkelfärbungen der Haut ein. Bekannt sind die dunklen Stellen am Halse, wo der Kragen reibt, an der Taille, an der Gegend der Strumpfbänder. Über die Beseitigung dieser Hautfärbungen ist im Kapitel »Kosmetik« bereits gesprochen worden.

Treffen die genannten Reize in etwas intensiverer Weise die Haut zu wiederholten Malen, oder wird die Entzündung in unzweckmäßiger Weise behandelt, dann kann sich aus dieser einfachen Form der Hauterkrankung eine nässende Flechte ( Ekzem) entwickeln. Der Name »nässende Flechte« besteht nicht ganz zu Recht, denn eine nässende Flechte kann auch ganz trocken, schuppend, sie kann auch knötchenförmig sein. Nach diesem verschiedenen Aussehen des Ekzems lassen sich verschiedene Unterabteilungen unterscheiden. Vom praktischen Standpunkte aus genügt die Einteilung in eine akute und chronische Form.

Eine genaue Definition der nässenden Flechte ist nicht leicht, denn der Begriff Hautentzündung deckt sich nicht völlig mit dem des Ekzems. Man kann sagen, daß die nässende Flechte an der Haut das ist, was der Katarrh an der Schleimhaut vorstellt.

Das Ekzem ist die häufigste aller Hauterkrankungen; seine Ursache ist fast immer ein äußerer Reiz, der die Haut trifft. Aussehen und Beschaffenheit der nässenden Flechte sind sehr verschieden, je nach der Körperstelle, an der sich die Erkrankung befindet und je nach dem Stadium. Wie an der Schleimheit der erste Herd der Entzündung in einer Rötung, verbunden mit vermehrter Schleimabsonderung besteht, so stellt sich auch an der Haut der leichteste Grad des Ekzems als eine Röte mit vermehrter Abschuppung dar. Im weiteren Verlaufe entstehen dann Knötchen, aus denen sich Bläschen und Pusteln entwickeln. Die Pusteln platzen entweder, es tritt Nässe ein, oder der Inhalt vertrocknet. Das auf der Höhe der Entwickelung stehende akute Ekzem stellt sich als eine mehr oder weniger große zusammenhängende nässende oder mit Krusten und Borken bedeckte Fläche dar. Lassen Entzündung und Absonderung der Haut nach, dann fallen die Krusten ab, es bleibt für einige Zeit noch eine leicht schuppende und leicht gerötete Haut zurück. Durchaus nicht immer läßt sich beim Ekzem dieser typische Verlauf beobachten; es kommen dabei außerordentlich große Unterschiede vor. Das Ekzem kann schon von vorn herein nässen, ein Nässen kann aber auch während des ganzen Verlaufes vollständig fehlen.

Das chronische Ekzem entsteht meist aus dem akuten, kann sich aber auch ganz schleichend entwickeln. Beide Stadien kommen häufig zu gleicher Zeit vor. Das chronische Ekzem zeigt in der Hauptsache zwei Formen, die nässende und die trockene, schuppende. Die Haut ist auch beim chronischen Ekzem gerötet, doch nicht in so hohem Maße wie beim akuten. Infolge der lange bestehenden und tiefer reichenden Entzündung stellt sich häufig eine Verdickung oder wenigstens Derbheit der Haut ein. Bei sehr langem Bestande kann es auch zu hochgradigen Verdickungen ganzer Gliedmaßen kommen, besonders an den Unterschenkeln ist das nicht selten der Fall. Die chronische Entzündung führt weiter zu einer Trockenheit und Sprödigkeit der Haut, so daß an Stellen, die häufigen Zerrungen ausgesetzt sind, z. B. an der Gegend der Gelenke, an den Hohlhänden, leicht tiefe, schmerzhafte Einrisse und Schrunden entstehen.

Die hauptsächlichsten subjektiven Beschwerden beim Ekzem bestehen in Jucken. Ist der Grad der Entzündung ein geringer, dann ist oft nur leichtes Spannen vorhanden. Das Juckgefühl wechselt in seiner Intensität sehr; es ist beim akuten und chronischen Ekzem vorhanden, bei der letzteren Form aber meist heftiger. Ekzeme am After und an den Genitalien jucken sehr stark, so daß sich die Kranken, um Ruhe zu haben, häufig blutig kratzen.

Das akute Ekzem findet sich am häufigsten am Gesicht, an Händen, Füßen und Genitalien. Auch der sogen. Wolf, ein Ekzem der oberen Teile der Oberschenkel und der angrenzenden Partien, gehört hierher. In seltenen Fällen kann sich die nässende Flechte über den ganzen Körper ausbreiten, dann ist meist das Allgemeinbefinden gestört, es sind Schlaflosigkeit, Frösteln, leichtes Fieber vorhanden. Vielfach stellt sich an den genannten Lieblingsstellen des akuten Ekzems eine Anschwellung ein, die sich aber viel weicher, wie beim chronischen Ekzem anfühlt. Das Gesicht z. B. kann infolge eines akuten Ekzems in ganz unförmlicher Weise anschwellen. Ein Lieblingssitz des chronischen Ekzems ist der Kopf; bei kleinen Kindern findet sich die chronisch nässende Flechte an dieser Stelle sehr häufig; besonders der behaarte Kopf wird bei dieser oft befallen und ist dann dick mit Borken und Krusten bedeckt, denn am behaarten Kopfe geht die Entzündung immer mit Nässen einher. Die nässende Flechte des Kopfes hat ihren Ursprung vielfach am Nacken, in solchen Fällen wird sie fast immer durch Kopfläuse verursacht. Haare und Krusten sind, wenn die nötige Pflege und Behandlung fehlt, zu einem unentwirrbaren, nichts weniger als angenehm duftenden Chaos vereinigt. Auch das Gesicht, die Augenlider, die Umgebung der Nasenöffnungen, die Lippen und Ohren werden häufig vom chronischen Ekzem befallen. Am Rumpfe erkranken am meisten die Brustwarzen und die Gegend des Nabels. Weitere Lieblingsplätze der chronischen, nässenden Flechte sind die Genitalien, der Hodensack und die großen Schamlippen, die Umgebung des Afters; an letzter Stelle ist das Jucken besonders quälend. An den Gliedmaßen weisen die Knie- und Ellenbeugen, die Hände und Unterschenkel am öftesten ein chronisches Ekzem auf; an den Unterschenkeln ist es häufig mit Geschwüren, den sogen. Unterschenkelgeschwüren kombiniert. Außerdem neigen alle Stellen des Körpers, wo Hautfalten vorhanden sind, wo also zwei Hautoberflächen aneinanderstoßen, zur Ekzembildung. Bei kleinen Kindern am Halse, bei Frauen unter den Brüsten entwickelt sich die Erkrankung häufig; derartige Ekzeme sind immer nässend; sie entstehen durch mangelhafte Reinlichkeit, infolge Zersetzung des Hauttalges und dadurch verursachter Reizung der Haut; sie haben die Neigung zeitweise akut zu werden.

Die Aussichten auf Heilung sind beim akuten Ekzem günstige, in mehreren Tagen bis einigen Wochen läßt sich die Erkrankung sicher beseitigen. Nachschuppe können allerdings immer kommen und die Heilung etwas verzögern. Bei großer Ausdehnung der Entzündung muß man auf eine längere Dauer gefaßt sein. Manche Menschen neigen sehr zu Ekzemen und leiden häufig daran; in solchen Fällen geht die akute nässende Flechte vielfach in die chronische über. Diese letztere ist bei weitem hartnäckiger, sie kann viele Jahre bestehen. Eine Heilung gelingt bei der nötigen Ausdauer aber auch hier fast immer. Bei den sogen. Gewerbeekzemen, d. h. Ekzeme, die bei Arbeitern infolge ihrer Beschäftigung entstehen, ist eine Heilung bisweilen nur bei Wechsel der Beschäftigung möglich.

Als Ursachen des Ekzems spielen vor allem äußere Reize, welche die Haut treffen, eine Rolle. Daher treten bei Arbeitern, die oft mit reizenden Stoffen zu tun haben, vielfach Entzündungen der Hände auf. Die Reize können chemischer, chronischer und mechanischer Natur sein. Umschläge mit Karbol und die so beliebten Umschläge mit Arnika führen oft zu Ekzemen. Das Terpentin ist die Ursache der häufigen Ekzeme bei Buchdruckern, Lithographen. Von den thermischen Reizen kommt mehr die Wärme als die Kälte in Betracht; bei Maschinisten, Bäckern findet man häufig die nässende Flechte. Mechanisch reizend auf die Haut wirken Druck von Kleidungsstücken und Kratzen ein; daher ist das Ekzem die Begleiterscheinung vieler juckender Hauterkrankungen. Erkrankungen innerer Organe spielen beim Zustandekommen eines Ekzemes nur eine sehr geringe Rolle. Nach dem Volksglauben stellt eine nässende Flechte eine Reinigung der Körpersäfte dar. Das ist ganz bestimmt nicht zutreffend. Der allergrößte Teil der Ekzeme ist eine selbständige Entzündung der Haut, die mit inneren Organen, mit einer Schärfe des Blutes nichts zu tun hat. Skrophulose, englische Krankheit, Bleichsucht können insofern allerdings zur Ekzembildung beitragen, als sie die Widerstandsfähigkeit der Haut verringern, so daß äußere Reize leichter eine Entzündung herbeiführen. Der Einfluß des Nervensystems auf das Zustandekommen einer nässenden Flechte ist noch zweifelhaft.

Die Behandlung des Ekzems, vor allem des chronischen, ist immer eine schwierige Aufgabe, sie stellt an die Geduld des Kranken und an das Können und auch die Ausdauer des Arztes hohe Anforderungen. Bemerkt sei hier, daß die Heilung einer nässenden Flechte, ebenso wie die Heilung eines Schweißfußes, niemals Schaden bringen kann, daß dadurch niemals Erkrankungen innerer Organe herbeigerufen werden können, wie das häufig vom Volke angenommen wird; denn der Ausdruck einer Schärfe des Blutes, einer Reinigung der Säfte ist die nässende Flechte, wie schon erwähnt, sicherlich nicht. Die Behandlung des Ekzems kann hier nur in großen Zügen geschildert werden, da für jeden einzelnen Fall und auch für jedes einzelne Stadium bestimmte Medikamente und auch bestimmte Methoden angezeigt sind. Eine rationelle, wirksame Behandlung des Ekzems ohne Arzt, ohne beständige Überwachung, ist nicht möglich, denn ein und dasselbe Medikament wirkt bei zwei verschiedenen Menschen ganz verschieden. Daher sind auch die zahlreichen Flechtensalben, die in so marktschreierischer Weise für teures Geld empfohlen werden, und die für alle möglichen Arten von Flechten helfen sollen, ein Unding. Daher ist auch die nicht minder häufig angebotene briefliche Behandlung der Kurpfuscher ein Unding und rächt sich meist recht bitter. Bei Anwendung einer Universalflechtensalbe und bei einer brieflichen Behandlung wird ein chronisches und noch mehr ein akutes Ekzem sich häufig in sehr unangenehmer Weise verschlimmern. Bei keiner anderen Krankheit ist eine solche Individualisierung nötig wie beim Ekzem; die Behandlung muß nicht nur jedem einzelnen Falle, sie muß auch jedem einzelnen Stadium genau angepaßt werden, daher ist auch, wie nochmals betont werden muß, eine wirksame Behandlung ohne Überwachung nicht möglich. Eine Salbe, die bei dem einen Falle rasche Heilung herbeiführt, kann bei einem anderen, ganz ähnlichen, eine erhebliche Verschlimmerung bewirken. Darum also fort mit den Flechtensalben und der brieflichen Behandlung!

Im allgemeinen läßt sich sagen, daß beim akuten Ekzem in erster Linie jeder Reiz fern gehalten werden muß; die Haut muß geschützt werden vor dem Reiben der Kleider, vor der Luft und vor Wasser und Seife, denn auch gewöhnliches Wasser übt auf eine entzündete Haut meist einen Reiz aus. Es müssen bei der akuten nässenden Flechte milde, schmerzlindernde und entzündungsdämpfende Mittel in Anwendung kommen und zwar je nach der Beschaffenheit des Ekzems in Gestalt von Flüssigkeiten, Pudern, Pasten, Salben und Pflastern. Umschläge mit Bleiwasser, essigsaurer Tonerde (1 Teel. voll auf 1 Glas Wasser), Borsäure, Zinkpuder, Zinksalben und Pasten, eventuell mit Zusatz von Wismut, Ichthyol, Naftalan kommen hierbei in Betracht. Vorhandene Krusten sind mit Öl zu erweichen. Bei zurückbleibenden Resten vom akuten Ekzem, die nur geringe Entzündungserscheinungen darbieten, und beim chronischen Ekzem von vornherein sind Mittel angezeigt, die reizen, welche die Oberhaut rasch zum Abstoßen und Wiederersatz bringen und die Entzündung in den tieferen Teilen der Haut beseitigen. Der Teer in seiner verschiedenen Gestalt spielt hier die Hauptrolle, außerdem sind noch Schwefel, Chrysarobin, Naphthol und viele andere Medikamente mit Vorteil zu verwenden. Bisweilen sind auch Abreibungen mit grüner Seife und Kalilauge nötig.

Verbrennung. Eine Verbrennung der Haut entsteht infolge der Einwirkung hoher Temperaturen, durch heiße Flüssigkeiten, Dämpfe oder Gase. Je nach der Intensität der Hitze und je nach der Dauer der Einwirkung wird der Grad der Verbrennung ein verschiedener sein. Es lassen sich drei Grade unterscheiden, die allerdings häufig in einander übergehen und auch häufig neben einander vorkommen. Beim 1. Grade besteht Rötung der Haut, verbunden mit leichter Schwellung und brennendem Schmerz. Heilung tritt schon nach kurzer Zeit, höchstens nach wenigen Tagen, ein. Beim 2. Grade der Verbrennung tritt auch Rötung, zugleich aber oder auch einige Zeit nachher treten mehr oder weniger große, prall gefüllte Blasen auf, die eine gelbliche Flüssigkeit, wohl auch eine gallertartige Masse, enthalten. Der Schmerz ist sehr heftig. Die Blasen trocknen ein; unter dem, auf diese Weise entstandenem Schorfe kommt es zur Bildung einer frischen Haut, zur Heilung. Die Blasen können aber auch vereitern; infolge der stärkeren Entzündung entsteht dann öfters eine schmerzhafte Anschwellung der benachbarten Lympfdrüsen; die Heilung erfolgt in einem solchen Falle mit leichter Narbenbildung. Beim 3. Grade tritt eine wirkliche Verbrennung, Verschorfung und Zerstörung des Gewebes ein, die bis auf den Knochen reichen kann. Die Haut sieht gelblich weiß, auch braun bis schwarz aus. Die verbrannten Teile sind völlig empfindungslos; bei leichten Berührungen oder den geringsten Bewegungen werden aber trotzdem sehr heftige Schmerzen empfunden. Der Verbrennungsschorf fällt nach einigen Tagen ab, es tritt langsame Narbenhäutung ein mit Bildung einer strahligen, oft sehr entstellenden Narbe. Ist die Verbrennung eine ausgedehnte oder greift sie sehr tief, dann wird der ganze Körper in Mitleidenschaft gezogen. Fieber, Unruhe, Delirien, Bewußtlosigkeit, Erbrechen sind vorhanden; die Ausscheidung von Urin ist eine verminderte. Erstreckt sich die Verbrennung auf mehr als ein Drittel der ganzen Körperoberfläche, dann schwebt das Leben in ernster Gefahr. Bei einigermaßen ausgedehnten Verbrennungen des 3. Grades tritt immer der Tod ein. Zur Behandlung des 1. Verbrennungsgrades genügen feuchte Umschläge z. B. mit Bleiwasser. Die beim 2. Grade auftretenden Blasen müssen vorsichtig mit absolut reinem Instrumente geöffnet, die Blasendecke selbst muß auf jeden Fall erhalten werden, da sie eine schützende Decke bildet. Darüber kommt ein Verband mit Streupulver, Borsalbe oder auch mit dem alten, auch heute noch sehr empfehlenswerten, Volksmittel Kalkwasser und Leinöl zu gleichen Teilen, das kühlt und durch Luftabschluß schmerzlindernd und heilend wirkt. Sehr gut sind auch die Bardelebenschen Brandbinden, die Wismut enthalten. Bei Verbrennungen 3. Grades sind antiseptische oder Salbenverbände angezeigt. Ausgedehnte Verbrennungen, vor allem solche mit Verschorfung erfordern das permanente Wasserbad für Tage und selbst Wochen. Dieses permanente Wasserbad kann unter Umständen lebensrettend wirken, es mildert das Fieber, lindert die Schmerzen, hebt das Allgemeinbefinden und bewirkt ein rasches Heilen der Wunden mit weniger entstellenden Narben.

Dieselben Erscheinungen wie die Hitze können auch ätzende Stoffe, Mineralsäuren, Kalk hervorrufen.

Erfrierung. Niedrige Temperatur wirkt auf die Haut ganz ähnlich wie Hitze ein. Auch bei der Erfrierung lassen sich 3 Grade unterscheiden: 1. Einfache Rötung, 2. Bildung von Blasen, 3. Zerstörung und Verschorfung des Gewebes. Erfrierungen treten vor allem an den der Kälte am meisten ausgesetzten Teilen ein, an Ohren, Nase, Händen und Füßen. Unpassende Kleidung, zu enge Handschuhe, zu enge Schuhe, straff anliegender Schleier, begünstigt das Zustandekommen einer Erfrierung.

Beim 1. Grade zeigt sich eine blaurote Verfärbung der stark juckenden und brennenden Haut. Die Erscheinungen können in kurzer Zeit wieder völlig schwinden. Wirkt aber die Schädlichkeit, also die Kälte, wiederholt ein, d. h. kommt es zu wiederholten Erfrierungen, dann bilden sich die Veränderungen nicht ganz zurück, es kommt zu einer dauernden blauroten Verfärbung der Haut und zu einer Verdickung, zu einer Bildung von Knoten den sogen. Frostbeulen. Frostbeulen entstehen keineswegs nur bei sehr tiefen Temperaturen, nicht einmal solche unter 0 sind dazu nötig; unter günstigen Umständen und bei Personen, die dazu neigen, genügen Temperaturen, die 1-3° über Null liegen. Bei Kaufmannslehrlingen, die viel mit kaltem Wasser, vor allem mit Heringslake zu tun haben, bei jungen, bleichsüchtigen Mädchen findet man häufig diese blauroten mit Frostbeulen bedeckten Hände, die bis in das Frühjahr hinein bestehen bleiben, und die sich wieder zeigen, sobald die ersten kälteren Herbsttage kommen. Die Frostbeulen stellen ein überaus lästiges Leiden dar, sie verunstalten die Hände erheblich und verursachen außerdem besonders in der Wärme heftiges Jucken; häufig entstehen auch tiefe, schmerzhafte Einrisse.

Beim 2. Grade der Erfrierung bilden sich auf geröteter Haut Blasen, die mit gelblichen, wohl auch blutigen Blasen gefüllt sind, und die vielfach zu schlecht heilenden Geschwüren Anlaß geben. Erfrierungen dritten Grades kommen nur bei langem Aufenthalt in niedriger Temperatur vor. Sie führen zum vollständigen Absterben von Gewebsteilen, die, ebenso wie bei der Verbrennung, nach einiger Zeit abgestoßen werden.

Erfrierungen des 1. Grades behandelt man mit heißen Bädern, denen Pottasche, Eichenrindeabkochungen, essigsaure Tonerde oder Essig 1-2 Eßlöffel zugesetzt sind; die Bäder werden zweimal täglich gemacht, die Dauer beträgt 30 Minuten. Nach dem Bad wird die Haut sorgfältig abgetrocknet und eine Bor- oder noch besser Ichthyolsalbe angewandt, auch Einreibungen von Petroleum sind bei diesem Stadium der Erfrierung von Nutzen. Nach Ablauf der akuten Periode und bei den Frostbeulen von Anfang an empfiehlt sich Einpinseln von Jod in Glyzerin oder Kollodium. Die sogen. Frostsalben, die als wirksame Bestandteile meist Kampfer und Perubalsam enthalten, wirken gleichfalls günstig. Die Salben eignen sich am besten für die Nacht, während am Tage ein Ichthyolpflaster getragen wird. Zur Verhütung der Frostbeulen ist in erster Linie eine Abhärtung der Haut in der wärmeren Jahreszeit erforderlich und zwar mittels kalter Bäder, kalter Abreibungen; bei jungen, bleichsüchtigen Mädchen macht sich außerdem noch eine Behandlung der Bleichsucht nötig, also Eisen, gute Ernährung, viel Bewegung in frischer Luft.

Die Frostgeschwüre werden mit den, bei den Frostbeulen genannten Salben behandelt.

Erfrierungen ganzer Glieder machen vielfach die Amputation nötig. Bei allgemeinen Erfrierungen darf der Kranke nicht direkt ins Warme gebracht werden, es muß vielmehr eine langsame Erwärmung erfolgen. Abreibungen mit nassen, kalten Tüchern, mit Schnee sind geboten.

b) Bläschen und nesselartige Hautausschläge.

Hierher gehören die Bläschenflechte, der Frieselausschlag, der Nesselausschlag und die Nesselsucht.

Unter Bläschenflechte, Herpes, versteht man eine akute Hautkrankheit, die charakterisiert ist durch das Auftreten von Bläschen. Man kann zwei Formen unterscheiden, die Gürtelrose oder Herpes zoster und die hauptsächlich an den Leibesöffnungen auftretende Bläschenflechte.

Die Gürtelrose besteht aus stecknadelkopfgroßen, gruppenförmig angeordneten Bläschen, die sich in akuter Weise aus kleinen Knötchen entwickeln und auf geröteter Haut aufsitzen. Der Inhalt der Bläschen ist anfangs wasserhell, wird dann allmählich eitrig und trocknet schließlich ein. Es entstehen kleine, den Bläschen entsprechende Borken, unter denen es zur Heilung ohne Narbe kommt. Ausnahmsweise können die Blasen auch größeren Umfang haben oder mit blutigem Inhalte gefüllt sein. Aus diesen blutigen Blasen entwickeln sich nicht selten Geschwüre, die nur mit Bildung einer Narbe abheilen können.

Die Gürtelrose beruht auf einer Erkrankung einzelner Nerven, ihre Ausbreitung fällt zusammen mit dem Verlaufe und der Verästelung der Hautnerven. Es können auch mehrere Nerven erkrankt sein, immer aber findet sich die Gürtelrose nur auf einer Seite des Körpers vor. Häufig zeigt sie sich an der Brust, zwischen den Rippen, wo sie zuweilen vom Rückgrat bis zum Brustbein den Körper wie ein Halbgürtel umgibt; von dieser gürtelförmigen Gestalt ist der Name abgeleitet. Auch am Kopf, Nacken, am Unterleib, Ober- und Unterschenkel kann sich eine Gürtelrose entwickeln. Vielfach sind nur einige wenige Bläschen vorhanden, in anderen Fällen zahlreiche nahe aneinander stehende Bläschengruppen, die sich über große Hautflächen ausdehnen und die häufig nicht gleichzeitig, sondern nacheinander in einzelnen Schüben entstehen.

Die Beteiligung der Nerven bei der Gürtelrose macht sich nicht nur durch die Anordnung der krankhaften Veränderungen an der Haut, sondern auch durch neuralgische Schmerzen bemerkbar, die Tage und Wochen lang vorausgehen, die aber auch zusammen mit der Gürtelrose auftreten können. Die mit den Bläschen besetzte Hautstelle selbst ist sehr empfindlich für Reibung, mitunter findet sich auch eine schmerzhafte Anschwellung der benachbarten Drüsen.

Die Gürtelrose ist meist eine gutartige Krankheit, die in spätestens 3 Wochen abgelaufen ist. Die Behandlung hat in Anwendung von milden und deckenden Pulvern und Salben zu bestehen. An Hautstellen, die häufigen Reibungen ausgesetzt sind, muß ein Verband angelegt werden, um eine Reibung und Reizung durch die Kleidungsstücke zu verhüten. Bei stärkeren neuralgischen Schmerzen sind Morphium und Antipyrin am Platze.

Die gewöhnliche Bläschenflechte findet sich vorwiegend in der Umgebung des Mundes, der Nase und an den Geschlechtsorganen. Im großen und ganzen ist das Bild dasselbe wie bei der Gürtelrose; auch hier zeigen sich Gruppen, allerdings meist viel kleinere, von wasserhellen, später eitrig werdenden Bläschen. Mit dem Verlaufe der Nerven hat die gewöhnliche Bläschenflechte nichts zu tun. Nach Eintrocknen der Bläschen und nach Abfallen der kleinen Krusten tritt in zirka 8 Tagen eine völlige Heilung ein. An der Schleimhaut der Lippen, des Mundes, der Geschlechtsorgane platzen infolge der beständigen Feuchtigkeit die Bläschen sehr bald, es entstehen kleine wunde, bisweilen eitrige, leicht schmerzhafte Stellen. Geringes Jucken oder Brennen begleitet die Bläschenflechte, tritt Entzündung hinzu, dann kann sich auch Schmerz einstellen.

Diese ganz harmlose Hauterkrankung kommt häufig bei sonst ganz gesunden Menschen vor. An den Geschlechtsorganen tritt sie mitunter in mehr oder weniger großen Zwischenräumen immer und immer wieder auf, vor allem bei Menschen, die früher an weichem Schanker oder Syphilis gelitten haben.

Eine Ursache für die Bläschenflechte ist nicht immer auffindbar; nervöse Einflüsse spielen bisweilen eine Rolle. Bekannt und nicht unberechtigt ist die Ansicht des Volkes, daß Bläschen an Mund und Nase, »Ausfahren« der Lippen eine Folge eines Schreckes sei. Während oder kurz nach einer Schwangerschaft, ebenso während der Menstruation entwickelt sich mitunter ein Herpes. Bei Infektionskrankheiten, z. B. Lungenentzündung, Genickstarre, ist die Bläschenflechte nicht selten zu finden.

Als Behandlung genügt Aufstreuen von Pulvern, Aufstreichen von Zinksalbe, Einlegen von Watte; bei stärkerer Entzündung sind Umschläge mit Bleiwasser angezeigt. Gegen das wiederholte Auftreten der Flechte an den Geschlechtsorganen läßt sich nichts tun.

Frieselausschlag. Man versteht unter Frieselausschlag eine in akuter Weise entstehende und akut verlaufende Hauterkrankung, vor allem des Rumpfes, die aus hirsekorngroßen, an der Spitze mit kleinen Bläschen bedeckten, roten Knötchen besteht. Der Ausschlag kommt vor allem im Sommer vor, bei Leuten, die stark schwitzen, jedoch auch im Winter. Er entsteht durch eine Reizung der Haut infolge des Schweißes und verursacht starkes Jucken. Ein anderer frieselartiger Ausschlag zeigt sich mitunter bei fieberhaften Krankheiten. Es bildet sich am Rumpfe in kurzer Zeit eine große Menge hirsekorngroßer, mit wasserklarem Inhalt gefüllter Bläschen, so daß die Haut wie mit Tautropfen übersäet aussieht. Dieser Ausschlag juckt nicht. Zur Beseitigung des Frieselausschlages genügt meist ein Aufstreuen mit Zinkpuder.

Der Nesselausschlag, auch Porzellanfriesel, Urticaria genannt, ist gekennzeichnet durch das Auftreten von Quaddeln und Nesseln, also von Gebilden, die bei Berührung mit einer Brennessel entstehen. Die Quaddeln sind von rosaroter, bisweilen auch nahezu weißer Farbe und etwas erhaben; ihre Oberfläche ist glatt. Sie haben eine große Flüchtigkeit, schwinden innerhalb weniger Stunden sogar Minuten wieder und verursachen heftiges Jucken und Brennen. Sie sind von runder oder ovaler Gestalt, linsen- bis pfennigstück-, in seltenen Fällen aber auch fünfmarkstückgroß. Im Zentrum können die Quaddeln abheilen, während sie sich an der Peripherie vergrößern; es entstehen dann Kreis- und Guirlandenformen. Die Nesseln verschwinden meist spurlos, lassen also eine ganz normale Haut zurück. Eine nahezu geschwundene Quaddel tritt durch Kratzen wieder deutlicher hervor. An Körpergegenden, wo ein sehr nachgiebiges Gewebe vorhanden ist, z. B. den Augenlidern, Lippen, kann es beim Auftreten von Nesseln zu einer beträchtlichen Schwellung kommen. Bisweilen, aber nur selten, entwickeln sich auf den Quaddeln kleine Bläschen. Oft zeigen sich nur einige wenige Nesseln, oft ist der ganze Körper mit diesen unangenehmen Gästen bedeckt. Auch die Schleimhäute können sich an dem Prozeß beteiligen, doch machen sich hier keine wirklichen Quaddeln, sondern nur Schwellungen bemerkbar. Die Ursachen der Urticaria sind verschiedenartige, zunächst äußere Reize, die die Haut treffen, Berührungen mit gewissen Pflanzen, z. B. Brennesseln, mit haarigen Raupen; Stiche von Insekten, Flöhen, Wanzen etc. Bei empfindlichen Personen entstehen nicht nur an der gereizten Stelle, sondern auch anderwärts Quaddeln. Der Nesselausschlag kann auch durch innere Ursachen hervorgerufen werden, durch Reizung der Geschmacksnerven und des Verdauungskanales. So bekommen manche Menschen nach gewissen Speisen, z. B. nach Genuß von Erdbeeren, Himbeeren, Krebsen, Fischen, Muscheln, geräuchertem Fleisch, jedesmal Urticaria. Verdorbener Magen, Darmkatarrh können einen Nesselausschlag hervorrufen; auch gewisse Medikamente, z. B. Antipyrin, Kopaivabalsam, Baldrian sind bisweilen die Ursache. Ferner tritt bei zahnenden Kindern, bei manchen Infektionskrankheiten, Lungenentzündung, Gelenkrheumatismus mitunter Urticaria auf. Die Haut mancher Menschen ist so empfindlich, daß beim geringsten Reiz, beim Streichen der Haut mit einem harten Gegenstand schon ein Nesselausschlag auftritt, so daß sich auf die Haut beliebige aus zusammenhängenden Quaddeln bestehende Figuren aufzeichnen lassen. Eine derartig empfindliche Haut haben vor allem solche Leute, die an wirklicher Nesselsucht leiden, d. h. Personen, bei denen ein mehr oder weniger ausgebreiteter Nesselausschlag schon bei ganz geringen, die Haut betreffenden Reizen oder infolge Schrecks und häufig auch ohne alle Ursache auftritt. Es handelt sich in solchen Fällen um einen chronischen Zustand; die Quaddeln selbst sind zwar auch flüchtiger Natur, sie verschwinden sehr bald, zeigen sich aber mit mehr oder weniger großen Zwischenräumen immer und immer wieder. Das Leiden kann sich Monate und auch jahrelang hinziehen und ist überaus lästig. Das heftige Jucken raubt den Schlaf und kann das Wohlbefinden ernstlich beeinträchtigen. Infolge des häufigen Kratzens können sich auch Ekzeme einstellen. Die Behandlung hat zunächst eine Beseitigung der Ursache zu erstreben. Eine nächtliche Urticaria läßt das Vorhandensein von Wanzen vermuten. Die genannten Urticaria erregenden Nahrungsmittel müssen natürlich gemieden werden. Bei Verstopfung und verdorbenem Magen sind Abführmittel und leichte Speisen angezeigt. Eine Milderung des Juckreizes bewirken Waschungen mit kaltem Wasser, mit Essigwasser, Abreibungen mit Zitronenscheiben, Abtupfen mit Kölnischwasser, 1 %igem Mentholspiritus oder Karbolspiritus, Aufstreuen von Zinkpuder, dem Menthol und Kampfer je 2 % beigemengt sind. Die Quaddeln nach Insektenstichen werden statt mit dem beliebten Salmiakgeist besser mit Kollodium bepinselt. Die Heilung der wirklichen Nesselsucht ist sehr schwierig. Die Wirkung verschiedener, innerlich genommener Medikamente wie Strychnin, Chinin, Arsenik ist eine unzuverlässige; bisweilen wirkt eins oder das andere dieser Mittel günstig ein, vielfach bleibt aber ein Erfolg völlig aus. Mitunter sind Badekuren in Kissingen, Marienbad, Karlsbad von Vorteil, mitunter bringt ein Klimawechsel oder auch nur eine Luftveränderung Heilung. Nicht selten muß man sich aber bei der Nesselsucht darauf beschränken, den Juckreiz zu mildern, was mit den oben genannten Mitteln zu geschehen hat. Außerdem wird man alle Reize von der Haut fernzuhalten suchen. An Nesselsucht leidende Personen dürfen nur leinene, möglichst faltenlose Unterkleider tragen und haben sich vor zu warmem Bedecken während der Nacht zu hüten.

c) Schuppende Hautausschläge.

Hierher gehören die Schuppenflechte und die Fischschuppenkrankheit, letztere allerdings nur insofern, als sie starke Schuppung verursacht, denn eine Entzündung fehlt bei ihr vollständig.

Die Schuppenflechte ist eine chronische, nicht ansteckende Hautkrankheit, die in einzelnen Schüben auftritt und charakterisiert ist durch verschieden große und verschieden gestaltete mit silberweißen, glänzenden, bisweilen perlmutterartigen, Schuppen bedeckte hellrote Flecken. Nach Entfernung der Schuppen, die sich leicht abkratzen lassen, tritt eine geringe Blutung ein. Die Schuppenflechte beginnt mit kleinen, stecknadelkopfgroßen, roten Knötchen, die an der Spitze ein kleines Schuppchen tragen. Diese Knötchen wachsen mehr und mehr und können talergroß und noch größer werden. Durch das Zusammenfließen solcher Herde entstehen mitunter große, zusammenhängende, schuppende Flächen, die selbst den ganzen Körper einnehmen können. Im Zentrum eines Herdes kommt es bisweilen zur Heilung, während die Entzündung an der Peripherie fortschreitet, dann entstehen ring- und guirlandenförmige Figuren. Die einzelnen Flecke kommen selten alle mit einem Male zum Vorschein, sie treten nacheinander, vielfach in einzelnen Schüben auf. Die Herde bleiben, wenn keine Behandlung stattfindet, monatelang bestehen, einzelne können aber auch nach Jahren noch vorhanden sein und sind dann mit einer dicken Lage von Schuppen bedeckt und von mehr dunkelroter Farbe.

Die Schuppenflechte macht nur wenig Beschwerden; ist der Ausbruch ein sehr akuter, dann besteht mitunter mäßiges Jucken. Sind in der Gegend der Gelenke ältere Herde vorhanden, dann bilden sich an diesen Stellen bisweilen schmerzhafte Einrisse.

Am häufigsten finden sich die Erscheinungen der Schuppenflechte an der Streckseite der Gliedmaßen, vor allem Knie und Ellenbogen, ferner Kopf, Ohren sind häufig befallen. Handteller und Fußsohlen bleiben meist frei; dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal von den mitunter ähnlich aussehenden syphilitischen Ausschlägen. Beide Körperhälften sind bei der Schuppenflechte meist in annähernd gleicher Weise befallen.

Die Schuppenflechte übt auf das Allgemeinbefinden so gut wie keinen Einfluß aus; doch sind die Aussichten auf dauernde Heilung bei ihr keine günstigen. Die Schuppenflechte ist ein sehr hartnäckiges Übel; die einzelnen Erscheinungen lassen sich zwar immer in kurzer Zeit beseitigen, doch besitzen wir kein Mittel, Rückfälle mit Sicherheit zu verhindern; eine Schuppenflechte kann mit mehr oder weniger großen Pausen das ganze Leben hindurch andauern.

Die Ursachen der Krankheit sind noch dunkel. Um eine Ansteckung handelt es sich bei ihr jedenfalls nicht, sicher aber spielt die Vererbung eine Rolle. Wir finden die Schuppenflechte häufig bei mehreren Geschwistern; sie vererbt bisweilen von den Eltern auf die Kinder, bisweilen auch von den Großeltern auf die Enkel. Bei kleinen Kindern ist die Krankheit sehr selten, am häufigsten kommt sie im mittleren Lebensalter bei kräftigen Personen vor.

Die Behandlung der Schuppenflechte hat in erster Linie eine äußerliche, also eine Behandlung der Haut selbst zu sein. Hier spielt das Chrysarobin die Hauptrolle, Pyrogallussäure, Teer, Schwefel wirken gleichfalls günstig, aber weniger energisch. Das Chrysarobin ruft mitunter starke Hautentzündung hervor; am Kopf darf es nicht gebraucht werden, weil es die Bindehaut des Auges heftig reizt. Da das Medikament außerdem in der Wäsche untilgbare, beim Waschen violett sich färbende Flecken verursacht, so ist es immer nur mit Vorsicht zu verwenden. Am besten werden die genannten Medikamente in Salbenform (10 %) angewandt; vorher hat eine energische Waschung der erkrankten Teile mit warmem Wasser, Bürste und grüner Seife stattzufinden. Von den inneren Mitteln wirkt Arsenik am besten. Dieses Medikament muß lange Zeit genommen werden und kann in manchen, allerdings recht seltenen Fällen den Ausbruch von Rückfällen verhüten.

Die Fischschuppenkrankheit ist bedeutend seltener, als die recht häufige Schuppenflechte. Sie stellt eine angeborene, nicht juckende Erkrankung der Haut dar und ist charakterisiert durch eine Verdickung und starke Schuppung der Oberhaut. Die Haut zeigt keinerlei Rötung, ist trocken und rauh; in sehr intensiven Fällen finden sich warzige und stachlige, hornartige Hervorragungen. Die Schuppen haben eine schmutzig graue Farbe und sammeln sich in den Kleidern und Betten der Kranken in großer Menge an. Die Streckseiten der Gliedmaßen, vor allem der unteren, sind besonders stark befallen, die Gelenkbeugen fühlen sich meist glatt und weich an. In hochgradigen Fällen ist nahezu der ganze Körper wie in ein Schuppenkleid eingehüllt.

Die Krankheit ist erblich, doch treten die Erscheinungen erst im 1. oder 2. Lebensjahre auf. Das Leiden ist unheilbar; es kann aber durch eine entsprechende Behandlung eine beträchtliche Besserung herbeigeführt werden. Die Behandlung hat eine Abstoßung der Schuppen und ein Weichwerden der Haut zu erzielen. Das wird durch häufige Bäder, Einreibung mit Schmierseife, Anwendung von Fetten erzielt.

d) Knötchenförmige Hautausschläge.

Von diesen ist die Juckflechte, Prurigo, die wichtigste. Die Juckflechte, auch Juckblattern genannt, ist eine erbliche, chronische, vielfach das ganze Leben hindurch dauernde Erkrankung. Sie beginnt meist in den allerersten Lebensjahren mit dem Auftreten von Nesseln, die bald schwinden, aber sich immer und immer wieder bilden, heftig jucken und das Kind zum fortwährenden Kratzen treiben; das ist also zunächst das Bild einer Nesselsucht. Allmählich gehen diese Nesseln in die wirklichen Juckblattern über. Es bilden sich kleine, stecknadelkopfgroße, blaßrote Knötchen, die selten als solche zu sehen sind, da sie stark jucken und bald nach ihrem Auftreten zerkratzt werden. Da die Knötchen sich immer von neuem wieder entwickeln, bildet sich allmählich durch das konstante Kratzen das charakteristische Bild der Juckblattern heraus. Die Knötchen entstehen vorwiegend an einzelnen bestimmten Körperteilen, diese weisen daher auch die stärksten Veränderungen auf; die Haut ist an solchen Stellen stark zerkratzt, mit Blutborken, dunklen Verfärbungen, weißen Narben, den Resten früherer aufgekratzter Stellen, bedeckt; sie ist im ganzen trocken und an den am stärksten befallenen Stellen derb und verdickt; nässende Flechten finden sich häufig, die Streckseiten der Gliedmaßen und zwar vor allem die der Unterschenkel und Unterarme zeigen die genannten Veränderungen am intensivsten. Die Gelenkbeugen, auch Gesicht und Hals, bleiben meist frei und fühlen sich im Gegensatz zur übrigen Haut glatt und weich an. Je älter das Kind, je älter also die Krankheit ist, umso stärker im allgemeinen sind die Erscheinungen entwickelt.

Infolge des vielen Kratzens und der häufigen Entzündungen der Haut kommt es zu einer Entzündung der Lympfdrüsen, die sich durch eine Vergrößerung der Drüsen kennzeichnet. Am meisten sind gewöhnlich die Drüsen der Leistengegend angeschwollen, weniger die der Achselhöhlen und des Ellenbogens. Die Drüsen sind nußgroß und noch größer, sie stellen harte, wenig oder gar nicht empfindliche Knoten dar, über denen die Haut verschiebbar ist. Zu einer Vereiterung kommt es bei ihnen meist nicht. Das beinahe beständige, den Schlaf störende Jucken bringt die Kinder in der Ernährung herunter und hemmt ihre Entwicklung. Prurigokinder sehen meist blaß und schmächtig aus.

Die Juckflechte ist vorwiegend eine Krankheit der ärmeren Bevölkerung, sie ist ein überaus lästiges Übel, welches das ganze Leben verbittern kann. Die Aussichten auf Heilung sind keine günstigen. Leichte Fälle, die früh in Behandlung kommen, können geheilt werden. In schwereren Fällen aber hält die Krankheit das ganze Leben hindurch an und ist unheilbar.

Bei der Behandlung ist eine sorgfältige allgemeine Pflege der Haut die Hauptsache. Häufige Bäder, häufiges Wechseln der Wäsche in Verbindung mit einer guten Ernährung und reichlicher Bewegung in der frischen Luft vermögen allein für sich schon außerordentlich lindernd auf die Juckblattern einzuwirken. Wesentlich unterstützend wirken noch Einfettungen der Haut nach dem Bade. Von Medikamenten sind grüne Seife, Naphthol, Teer, Schwefel sehr vorteilhaft. Diese Medikamente werden als Salbe, die beiden letzten auch als Bäder angewandt. Teerbäder werden in der Weise ausgeführt, daß der Kranke nach Abseifen mit Teer eingepinselt, für eine halbe Stunde in Wasser von 28° gebracht und zum Schluß mit Schmierseife abgewaschen wird. Für ein Schwefelbad ist eine Holzwanne nötig, man nimmt schwefelsaures Kali 50 bis 150 gr. für einen Erwachsenen, 20-50 gr. für ein Kind. Unter einer solchen Behandlung wird die Haut bald weich, das Jucken läßt nach, allerdings tritt meist recht bald wieder ein Rückfall ein, sobald die Pflege der Haut zu wünschen übrig läßt. Innere Mittel zur Heilung der Juckflechte gibt es nicht.

2. Geschwürsbildungen der Haut

Auf die Geschwürsbildungen bei Syphilis, bei Lepra und vielen anderen Erkrankungen soll hier nicht eingegangen werden; besprochen seien nur das Fußgeschwür und der Brand der Haut. Die Fuß- oder Unterschenkelgeschwüre entstehen aus einer ganz bestimmten Ursache; sie zeichnen sich durch große Hartnäckigkeit aus und brechen häufig immer von neuem wieder aus. Sie finden sich meist am untern Drittel des Unterschenkels und an der Gegend der Knöchel. Am Anfang zeigt sich nur eine kleine, flache, offene Stelle, die sich allmählich immer mehr nach der Tiefe und Breite zu ausdehnt und sich mit schmutzig-, graugrünem, häufig übelriechendem Eiter bedeckt. Die Gestalt ist eine unregelmäßige. Nach längerem Bestehen werden die Ränder derb und ragen über die umgebende Haut empor. Fehlt die entsprechende Pflege, dann können sich noch mehr Geschwüre entwickeln, die schließlich in einander übergehen, so daß dann ein großer Teil des Unterschenkels von einer geschwürigen Fläche eingenommen ist. In der Umgebung der Geschwüre finden sich häufig nässende Flechten; auch eine Anschwellung des ganzen Unterschenkels, besonders des unteren Teiles ist nicht selten. Diese Anschwellung fühlt sich anfangs weich an und tritt nur nach längerem Stehen und Gehen auf, wird aber schließlich immer derber, schwindet dann nicht mehr und kann das Bein in einer ganz unförmigen Weise entstellen. Schmerzen sind beim Fußgeschwür fast immer vorhanden, selbst bei den kleinen. Die Geschwüre, besonders die an den Knöcheln, schmerzen vielfach so stark, daß kaum der Druck der Bettdecke ertragen wird.

Die Ursache der Unterschenkelgeschwüre ist eine mangelhafte Blutzirkulation, die sich äußert durch das Vorhandensein von zahlreichen Krampfadern. Solche Krampfadern finden sich vor allem bei Frauen, die oft geboren haben; Fußgeschwüre sind daher bei diesen häufig; ferner kommen sie häufig vor bei Personen, die viel stehen müssen, bei Waschfrauen, Tischlern, Schlossern. Die letzte Ursache eines Geschwüres ist entweder das Platzen eines Krampfaderknotens oder auch ein leichter Stoß, ein Kratzen, wodurch eine ganz oberflächliche Verletzung verursacht wird. Die Geschwüre sind immer sehr chronischer Natur, sie verheilen nur sehr langsam und bleiben mitunter sehr lange bestehen.

Bei der Behandlung ist eine Verbesserung der Blutzirkulation die Hauptsache. Am besten wird eine solche durch absolute Ruhe mit Hochlagerung des Beines erreicht. Diese ist zwar vielfach wegen der damit verbundenen Arbeitsunfähigkeit nur schwer durchführbar, ist aber doch bei größeren Geschwüren mit stärkerer Schwellung unbedingt erforderlich. Bei kleinen Geschwüren kann ein Umhergehen mit gutsitzendem Verband gestattet werden. Zum Verbinden sind vor allem breite Trikot- und Gummibinden geeignet. Der ganze Unterschenkel muß von den Zehen an bis hinauf zum Knie mit der Binde umwickelt werden. Von Medikamenten in flüssiger, Pulver- oder Salbenform ist eine sehr große Anzahl in Gebrauch. Die Wahl hat sich nach der Art des Geschwürs zu richten. Ein Universalheilmittel für Fußgeschwüre gibt es nicht. Es kommt weniger auf das Medikament selbst, als darauf an, wie es angewandt wird. Peinlichste Sauberkeit ist in erster Linie erforderlich. Sehr gut ist in vielen Fällen ein gut sitzender Zinkleimverband, der den ganzen Unterschenkel einhüllen muß. Bisweilen ist eine chirurgische Behandlung, Ausschneiden des Geschwüres und Auflegen frischer Hautstellen nötig.

Zur Vermeidung von Rückfällen empfiehlt sich tagsüber das beständige Tragen einer Gummibinde oder noch besser eines gut passenden Gummistrumpfes.

Unter Hautbrand, Gangraen, versteht man ein Absterben eines Teiles der Haut. Man unterscheidet einen trockenen Brand, bei dem die Haut mumienartig trocken wird, und einen feuchten Brand, der von Entzündung begleitet als heißer Brand, ohne Entzündung als kalter Brand bezeichnet wird. Beim feuchten Brand sieht die Haut bräunlich rot bis grünlich schwarz aus; die Schmerzen sind meist bedeutend. Das Leben schwebt immer in Gefahr, da das nicht selten hinzutretende Brandfieber häufig zum Tode führt.

Ein Brand kann durch sehr verschiedene Ursachen hervorgerufen werden, durch Verbrennung, Erfrierung, medikamentöse Umschläge, z. B. mit Karbolsäure, durch Nerveneinflüsse, Verstopfung von Blutgefäßen, durch Zuckerkrankheit; es gibt auch einen Altersbrand. Gewarnt sei vor den Umschlägen mit Karbolsäure, die als Hausmittel bei Verletzungen häufig angewandt werden.

Es kann hier nicht der Ort sein, auf all die verschiedenen Arten des Brandes einzugehen; einige Worte nur sollen über den Druckbrand gesagt werden. Unter Druckbrand versteht man ein Absterben der Haut infolge anhaltenden Druckes. Der Druckbrand entwickelt sich vor allem bei fieberhaften Krankheiten, bei denen das Allgemeinbefinden stark gestört ist, z. B. beim Typhus. Er findet sich am häufigsten an den Stellen, auf welche der Körper beim Liegen am meisten drückt, das sind Gesäß, Kreuzbein, Fersen. Begünstigt wird das Auftreten eines Druckbrandes durch eine Verunreinigung der Haut durch den Urin und den Stuhl. Anfangs zeigt sich leichte Rötung der Haut, dann tritt eine Anschwellung hinzu, schließlich geht die Haut zugrunde, sie wird abgestoßen; es entsteht eine mehr oder weniger tiefe, geschwürige Stelle.

Zur Verhütung des Druckbrandes ist peinlichste Reinlichkeit erstes Erfordernis, weiter muß die nötige Aufmerksamkeit auf das Lager verwandt werden, das Betttuch darf nicht in Falten zusammengeworfen sein, der Druck des Körpers muß durch ein Luft- oder Wasserkissen möglichst aufgehoben werden.

Bei Behandlung des Druckbrandes sind Blei- und Ichthyolsalben am Platze, wenn es sich um eine bloße Entzündung, Rötung und Schwellung der Haut handelt, Jodoform und Höllensteinsalben, wenn wirkliche Geschwüre vorhanden sind.

3. Hauterkrankungen infolge Erkrankungen der Talgdrüsen

Finnenausschlag, Furunkel, Hautgries, Balggeschwulst, Kupfernase und Bartflechte sind Erscheinungen, die durch Erkrankung der Talgdrüsen verursacht werden. Unter Finne versteht man eine chronische Erkrankung vor allem des Gesichts, die charakterisiert ist durch das Auftreten von stecknadelkopf- bis erbsengroßen, hellrot gefärbten Knötchen. Diese Knötchen stellen eine Entzündung der Talgdrüsen dar. Auf der Spitze der Knötchen ist häufig ein schwarzer Punkt, der Rest eines Mitessers vorhanden; oft befindet sich an dieser Stelle auch ein Eiterbläschen. Die Knötchen, besonders die größeren, sind bei Berührung ziemlich schmerzhaft. Aus den mit Eiterpusteln bedeckten sogen. reifen Knötchen oder Blütchen entleert sich auf Druck eine geringe Menge mit Blut untermischten Eiters.

Die Ursache der Talgdrüsenentzündung ist eine übermäßige Fettabsonderung und eine Verstopfung der Drüsen. Daher findet sich bei der Finne neben dem roten Knötchen eine fettglänzende Haut und eine große Anzahl Mitesser. Der Mitesser stellt eine Ansammlung von Hauttalg in einer erweiterten Talgdrüse dar. Der schwarze Punkt rührt von einer Verfärbung des obersten Teiles des Hauttalges durch Staub und Ruß her. Auf Druck springt der Mitesser als ein wurstähnliches, mit schwarzem Kopf versehenes Gebilde, das einem kleinen Wurme ähnlich sieht, aus der Drüse heraus. Der Mitesser ist das erste Stadium der Finne. Das rote Knötchen entsteht aus dem Mitesser und zwar in der Weise, daß Bakterien in die durch den Mitesser erweiterte Talgdrüse gelangen und hier eine Entzündung verursachen.

Die Finne ist ein sehr lästiges Leiden, das dem Antlitz einer Dame viel vom Liebreiz nehmen und bei starker Ausbildung sogar entstellend wirken kann. Die Erkrankung zieht sich jahrelang hin, die Knötchen heilen ab, wobei sie bisweilen eine Narbe hinterlassen; immer neue Knötchen treten auf. Die Finne entwickelt sich vorzugsweise bei Knaben und Mädchen in den Entwicklungsjahren, nie früher; sie findet sich am häufigsten Anfang der zwanziger Jahre. Genuß von fetten Speisen, Käse hat nichts oder nur wenig mit der Entwicklung einer Finne zu tun. Anhaltende Verstopfung vermag allerdings das Auftreten eines Finnenausschlages zu begünstigen. Teer, äußerlich angewendet, Jod und Brom innerlich genommen, rufen nicht selten die beschriebenen roten Knötchen hervor.

Die Finnen finden sich außer im Gesicht häufig an Brust und Rücken.

Bei der Behandlung muß in erster Linie die übermäßige Ausscheidung und Ansammlung des Hautfettes verhindert werden. Das geschieht mit dem bereits im Kapitel »Kosmetik« erwähnten Mitteln mit Alkohol, Alkalien, Seifen; besonders günstig wirkt der Kaliseifengeist, der, mit einigen Tropfen Wasser vermischt, in die Haut eingerieben wird. Außerdem ist eine mechanische Entfernung, ein Herausdrücken der Mitesser mit dem Uhrschlüssel oder noch besser mit einem besonderen Instrumente, dem sogen. Commedonenquetscher, nötig. Dies Herausquetschen muß täglich vorgenommen werden. Entfärben kann man die Mitesser durch Waschungen mit Wasserstoffsuperoxyd oder mit Salmiakgeist (6-8 Tr. auf 1 Eßl. Wasser). Bei reichlichen Mitessern darf die Haut nur mit großer Vorsicht gepudert werden, da sonst die häßlichen, schwarzen Punkte sich rasch vermehren. Zur Behandlung der Finne sind ferner noch Mittel anzuwenden, die sowohl die Absonderung des Hautfettes einschränken, als auch eine Abstoßung der obersten Hautschichten bewirken. Die wirksamsten dieser Mittel sind Schwefel und Resorcin. Die Ausführung der Behandlung wird am besten in folgender Weise geregelt: Man reibt die Haut abends mit Alkohol ab, trägt dann für die Nacht eine die beiden genannten Medikamente enthaltende Salbe auf. Morgens wäscht man mit warmem Wasser und Seife und trocknet mit grobem Handtuch. Tagsüber wäscht man einmal mit einer Schwefel- oder Teerschwefelseife oder dem Kaliseifengeist. Stellt sich bei dieser Behandlung eine Reizung der Haut ein, dann muß für einige Tage Pause eintreten. Bei Fällen von hochgradiger Finne sind Schälkuren mit grüner Seife, Naphthol, Resorcin am Platze. Die innerliche Anwendung von Medikamenten hat bei der Finne wenig Zweck, ebenso auch die Enthaltsamkeit von gewissen Speisen. Bei Verstopfung wird täglich früh nüchtern ein Teelöffel voll Karlsbader Salz genommen.

Der Furunkel stellt ein Knötchen der Finne in größerem Maßstabe dar und entwickelt sich häufig aus einem solchen. Er ist eine akute Entzündung der Haut und ist charakterisiert durch eine rundliche, harte, rote, sehr schmerzhafte Anschwellung. Diese Anschwellung ist anfangs nur klein, vergrößert sich unter Zunahme der Schmerzen aber rasch; nach einigen Tagen erscheint an der Spitze ein Eiterknötchen. Durch Einschnitt oder auch von selbst entleert sich gelber, mit Blut untermischter Eiter. Die Schmerzen lassen nun rasch nach, es folgt baldige Heilung unter Bildung einer Narbe. In der Umgebung eines Furunkels entstehen häufig neue, so daß nach Heilung des einen sich oft ein zweiter und dritter entwickelt und der Prozeß sich auf diese Weise wochenlang hinziehen kann. Der Furunkel kann auch in einen Karbunkel übergehen, d. h. in eine starke eitrige Entzündung des unter der Haut liegenden Bindegewebes, die zu einer hochgradigen Gewebszerstörung führt und nicht selten lebensgefährlich ist. Der Furunkel entsteht auf dieselbe Weise wie das Knötchen der Finne, nämlich durch das Eindringen von Bakterien in eine Talgdrüse. Er findet sich vor allem an Stellen, die häufigen Reibungen ausgesetzt sind, am Nacken, Rücken, Gesäß, Achselhöhlen, auch bei juckenden Hautkrankheiten ist er nicht selten. Innere Erkrankungen, z. B. die hartnäckigen Darmkatarrhe kleiner Kinder, die Zuckerkrankheit, führen häufig zur Bildung von Furunkeln. Auch ohne erkennbare Ursache bilden sich bei manchen Personen durch Wochen und Monate hindurch an verschiedenen Stellen immer und immer wieder Furunkel, so daß man von einer wirklichen Furunkelkrankheit, einer Furunkulose sprechen kann.

Die Behandlung des Furunkels hat zunächst eine Erweichung des Entzündungsherdes herbeizuführen, welche durch warme Umschläge, Breiumschläge, Seifenbäder gelingt; ist Erweichung eingetreten, dann wird der Furunkel mit dem Messer geöffnet. Die umgebende Haut muß durch einen antiseptischen Verband, durch Borsalbe oder durch das Auflegen eines Karbolquecksilberpflasters geschützt, außerdem mit Wasser und Seife sorgfältig gereinigt werden, um das Entstehen neuer Furunkel zu verhüten. Wichtig ist das Fernhalten jeder Reibung, da diese vor allem die Schmerzen bedingt. Verband oder gut sitzendes Pflaster, Ablegen des gestärkten Kragens sind also beim Furunkel von Anfang an geboten. Im Entstehen begriffene Furunkel lassen sich vielfach durch das Auflegen eines Karbolquecksilberpflasters zur Rückbildung bringen, so daß stärkere Entzündungserscheinungen gar nicht zur Ausbildung kommen.

Bei Furunkulose empfehlen sich Bäder mit übermangansaurem Kali, 2-3 gr. für ein Kind, 5-8 gr. für den Erwachsenen. Arsen innerlich und noch mehr frische Bierhefe, dreimal täglich 1 Teelöffel voll, sind häufig von sehr gutem Erfolge. Bei Zuckerkrankheit und überhaupt bei Erkrankung innerer Organe ist natürlich die Behandlung der Grundkrankheit die Hauptsache.

Zusammen mit dem Finnenausschlag finden sich außer den Mitessern und Furunkeln vielfach noch andere Erkrankungen der Talgdrüsen vor; häufig ist der sogen. Hautgries anzutreffen, seltener die Balggeschwulst.

Hautgries, auch » Fettlieschen« genannt, sind kleine, stecknadelgroße, weiße glänzende Körperchen, die unmittelbar unter den obersten Schichten der Haut liegen, sich nicht abkratzen oder herausdrücken lassen und keinerlei Schmerz verursachen. Sie entstehen durch Verschluß des Ausführungsganges einer Talgdrüse und finden sich vor allem da, wo die Haut besonders zart ist, an den Augenlidern, den Schläfen, Wangen, dem Lippensaum, auch an den Geschlechtsorganen. Sie sind bisweilen so zahlreich, daß die Haut wie mit ihnen übersät aussieht. Nach Einritzen der Haut läßt sich ein kleines, rundes Knötchen herausdrücken. Der Hautgries findet sich in jedem Lebensalter vor, auch bei kleinen Kindern. Eine Entzündung, Vereiterung tritt bei ihm nicht ein. Eine Beseitigung des Hautgrieses ist nur möglich durch Aufritzen der Haut, durch Auflegen von Schmierseife, wodurch die obersten Schichten der Haut abgestoßen werden. Verhüten läßt sich die Bildung dieser kleinen, unschönen Gebilde durch häufige warme Waschungen, Abreiben mit Alkohol.

Die Balggeschwulst, der Grützbeutel, stellt eine halbkugelige, die Haut überragende Geschwulst dar, die ziemlich hart, nicht schmerzhaft ist. Die Haut über dem Grützbeutel ist glatt, glänzend, etwas blasser als normal und etwas verdünnt. Die Balggeschwülste sind erbsen- bis nußgroß, können aber auch faustgroß werden. Sie entwickeln sich ebenfalls von den Talgdrüsen aus und bestehen aus einer Hülle, einem Balg, der eine grützebrei ähnliche Masse enthält. Am häufigsten kommen sie am behaarten Kopfe vor; die Haare auf dem Grützbeutel gehen immer zugrunde; ein Grützbeutel hat also immer eine kahle Oberfläche. Die Geschwülste wachsen sehr langsam, in seltenen Fällen gehen sie in Eiterung über. Die Beseitigung ist nur auf chirurgischem Wege möglich. Ein Einschnitt und ein Ausdrücken des Inhalts genügt nicht und führt immer zu einem Rückfall. Zur radikalen Heilung ist die Entfernung des gesamten Balges nötig.

Die Kupferfinne, Kupfernase hat mit der gewöhnlichen Finne nicht viel zu tun, denn bei ihr handelt es sich weniger um eine Erkrankung der Talgdrüsen, als um eine Erweiterung und Vermehrung der Blutgefäße; allerdings findet sich die Kupfernase häufig zusammen mit der gewöhnlichen Finne. Die Kupferfinne kommt hauptsächlich an der Nase, jedoch auch an den angrenzenden Teilen der Wange vor. Zu Beginn der Erkrankung zeigt sich eine gleichmäßige Röte der Haut, später heben sich die erweiterten Blutgefäße als geschlängelte Stränge deutlich ab; mit Eiter bedeckte Knötchen der gewöhnlichen Finne finden sich zwischen diesen ab und zu noch verstreut. Die Farbe ist eine hellrote, besonders am Anfang der Erkrankung, kann aber auch eine blaurote, kupferfarbene sein. In hochgradigen Fällen bilden sich Verdickungen, warzige, knollige Auswüchse; es entsteht die sogen. Pfundnase. Das Ganze stellt einen nichts weniger als lieblichen Anblick dar und bringt den Träger immer in den Verdacht, daß er allzusehr den Freuden des Bachus huldige, daß er einen guten Trunk liebe. Nicht ganz mit Unrecht; bei Temperenzlern findet man die Kupfernase selten, aber der reichliche Genuß von Alkohol ist doch nicht die alleinige Ursache der Erkrankung. Man findet sie auch häufig bei Personen, die sich viel in der frischen Luft aufhalten, die Wind und Wetter, häufigen großen Temperaturunterschieden ausgesetzt sind, bei Kutschern, Dienstmännern, ferner bei Frauen mit Störungen der Unterleibsorgane.

Es handelt sich bei der Kupfernase um ein chronisches Leiden, dessen Beseitigung recht schwierig und doch recht sehr erwünscht ist, denn eine Empfehlung stellt eine in allen Regenbogenfarben schillernde oder einem Kupferbergwerk ähnelnde Nase sicherlich nicht dar. In nicht zu hochgradigen Fällen tun Salben mit Schwefel, Resorcin, Ichthyol gute Dienste; sind die Veränderungen ausgeprägte, dann kann nur eine chirurgische Behandlung Abhilfe schaffen. Die erweiterten Blutgefäße müssen aufgeschlitzt, die knolligen Auswüchse mit dem Messer abgetragen werden. Störungen und Erkrankungen innerer Organe, die eine ursächliche Rolle spielen, sind selbstverständlich zu allererst zu beseitigen.

Entzünden sich die Talgdrüsen, die sich an den stärkeren Haaren, also an den eigentlich behaarten Körperstellen, befinden, dann kommt die Erkrankung zu stande, die man eine gewöhnliche, nicht ansteckende Bartflechte nennt, Bartflechte deshalb, weil sie sich am häufigsten an Wange, Kinn und Oberlippe, selten am behaarten Kopfe befindet. Die Bartflechte beginnt mit kleinen, roten, harten Knötchen, die vielfach mit einem Eiterbläschen bedeckt sind; mitunter ist der Anfang des Prozesses auch eine nässende Flechte. Die Knötchen finden sich anfangs nur vereinzelt, vermehren sich aber mehr und mehr, so daß schließlich die gesamte Gegend des Bartes eine rote Fläche darstellen kann. Die Entzündung der Talgdrüsen greift bisweilen auch tiefer, es entsteht dann das Bild, wie wir es beim Furunkel kennen gelernt haben. Die Bartflechte ist ein chronischer Prozeß, der sich vielfach Monate und auch Jahre lang hinzieht. Eine Heilung ist immer möglich, doch ist sie meist recht schwierig, da Rückfälle häufig eintreten. Die Haare werden durch die Bartflechte im allgemeinen nicht gestört, nur an den Stellen, wo die Entzündung tiefer geht, stärkere Eiterung auftritt, gehen sie zugrunde. Die Haare sitzen daher auch, da sie selbst nicht erkrankt sind, bei der gewöhnlichen Bartflechte meist fest und lassen sich nur schwer ausziehen. Schmerzen verursacht die Erkrankung höchstens bei tiefer greifender Entzündung.

Ursache einer Bartflechte der Oberlippe ist häufig ein chronischer Schnupfen.

Die Behandlung muß eine energische sein. Ist die Erkrankung eine ausgedehntere, dann ist regelmäßiges Rasieren nötig; nur bei vereinzelten Knötchen und Pusteln kann der Bart stehen bleiben. Diejenigen Haare, an denen Knötchen sitzen, müssen mit der Wurzel herausgezogen werden, um dem in der Tiefe sitzenden Eiter Abfluß zu verschaffen. Außerdem sind je nach dem Grade der Entzündung feuchte Umschläge mit Bleiwasser, essigsaurer Tonerde, oder Salbenverbände mit Bleisalbe, Schwefelsalbe angezeigt. Wenn möglich müssen die Verbände Tag und Nacht getragen werden. Am Morgen werden die erkrankten Hautpartien energisch mit warmem Wasser und Seife gewaschen. Ein Wachsenlassen des Bartes ist erst nach ½-1 Jahr gestattet, da sonst leicht ein Rückfall eintritt.

4. Ansteckende Hauterkrankungen

Die ansteckenden Hautkrankheiten werden verursacht durch tierische und pflanzliche Parasiten; die tierischen können sich in der Haut aufhalten ( Krätze) oder sie können auf der Haut leben ( Läuse, Flöhe, Wanzen).

Die Krätze ist eine ansteckende Erkrankung, die durch die Krätzmilbe hervorgerufen wird. Die Krätzmilbe ist mit bloßem Auge als graurötliches, längliches Pünktchen gerade noch sichtbar. Zur Übertragung der Krankheit genügt eine einzige, trächtige, weibliche Milbe. Diese bohrt sich in die Haut ein und gräbt in den unteren Teilen der Oberhaut einen Gang, den sogen. Milbengang; hier legt sie eine große Anzahl Eier und vermehrt sich rasch. Die Milbengänge stellen feine, geschlängelte, ca. 1 cm lange, wie mit einer Nadel geritzte Linien von meist grauschwarzer Farbe dar. Am Milbengange finden sich häufig kleine Knötchen und Eierbläschen. Eine Ansteckung mit Krätze kann auf direktem Wege erfolgen, durch längeres, inniges Zusammensein mit einem krätzekranken Menschen, vor allem Schlafen; sie kann aber auch auf indirektem Wege durch Leib- und Bettwäsche, zu stande kommen. Durch flüchtige Berührung, bloßes Händegeben, wird man sich kaum je mit Krätze anstecken.

Die durch die Krätze an der Haut verursachten Erscheinungen sind einmal die beschriebenen Milbengänge, weiter, was viel auffälliger ist, die infolge des häufigen Kratzens entstandenen offenen und wunden Stellen und Ekzeme. An gewissen Körperstellen finden sich die Milbengänge und daher auch die Kratzwunden besonders häufig. Solche Stellen sind die Partien zwischen den Fingern; Handgelenke, Ellenbogengelenk, vorderer Teil der Achselhöhle, Umgebung der Brustwarzen und des Nabels, Gesäß, Kniebeuge, innerer Fußrand, männliches Glied. Ganz frei bleibt nur das Gesicht. Bei Leuten, die sich viel waschen, zeigen Hände und Handgelenke meist wenig Veränderungen.

Jucken verursacht die Krätze immer, doch ist dieses je nach der Empfindlichkeit des Betreffenden verschieden stark. Abends, unter dem Einfluß der Bettwärme, tritt es in verstärktem Maße auf.

Die Krätze heilt nie von selbst, ihre Dauer ist, wenn sie nicht behandelt wird, eine unbegrenzte. Wird ein mit Krätze Behafteter von einer fieberhaften Erkrankung befallen, dann treten die Erscheinungen der Krätze zurück, allerdings nur zeitweise, nach Schwinden des Fiebers stellen sie sich von neuem wieder ein. Daher die im Volke noch vielfach verbreitete Meinung, daß sich die Krätze auf innere Organe verschlagen könnte.

Eine Heilung der Krätze ist immer mit Sicherheit in wenigen Tagen zu erreichen. Zur Behandlung eignen sich Schwefel, Naphthol, Styrax, Perubalsam in Salbenform am besten. Der Perubalsam paßt für empfindliche Haut und für Kinder, ist aber sehr teuer. Eine Krätzekur wird in folgender Weise ausgeführt: Zuerst wird ein warmes Bad genommen, dann der ganze Körper mit Ausnahme des Kopfes mit einer der genannten Salben eingerieben und zwar früh und abends 2-3 Tage lang. Während dieser Zeit darf nicht gebadet werden. Nach Ablauf von 3 Tagen Reinigungsbad und Anlegen von frischer Leib- und Bettwäsche. Letzteres ist wichtig, da sonst eine Wiederansteckung erfolgen kann. Mehrere Angehörige derselben Familie müssen alle zur gleichen Zeit behandelt werden. Bei Mißachtung dieser Vorschrift besteht die Gefahr, daß die Krätze von den noch Kranken auf die Geheilten wieder übertragen wird. Durch die Einreibungen mit den genannten Medikamenten werden Milben und Eier abgetötet. Zurückbleibende Entzündungen und Ekzeme sind mit Zinksalbe zu behandeln und heilen meist rasch.

Von den Läusen, die den Menschen heimsuchen, seien hier zunächst die Kleiderläuse erwähnt. Diese ungebetenen Gäste sind etwa 2-4 mm lang; sie halten sich in den Falten der Kleidung, vor allem des Hemdes auf. Ihr Jagdgebiet ist aber die Haut des Menschen, dorthin gehen sie, um sich Nahrung zu holen. Sie stechen den Saugrüssel durch die Oberhaut und saugen sich voll Blut. Ein äußerst intensives Jucken ist die Folge des Stiches, und ein Zerkratzen der Haut die Folge des Juckens. Die zerkratzten Stellen finden sich vor allem da, wo die Kleider eng dem Körper anliegen und Falten werfen, z. B. zwischen den Schulterblättern, an der Taille, dem Gesäß. Auch Ekzeme und stärkere Entzündungen können sich an diese aufgekratzten Stellen anschließen. Werden die Läuse in großer Anzahl und lange Zeit hindurch beherbergt, dann wird allmählich infolge des fortwährenden Kratzens der ganze Körper mit braunen Flecken und Narben, den Resten der Kratzwunden, bedeckt. Die Läuse finden sich, wenigstens in großer Anzahl, nur bei niedern Volksschichten, bei Menschen, die der Reinlichkeit recht sehr abhold sind. Zur Beseitigung der Läuse genügt das Anlegen frischer Wäsche und die sorgfältige Reinigung der Wäsche.

Beim Stich des Flohes entsteht ein hellroter, juckender Fleck, in dessen Zentrum ein kleines, dunkles, durch Austritt von Blut in die Haut entstandenes Pünktchen sich bildet. Diese kleine Blutung bleibt mehrere Tage bestehen. Bei empfindlicher Haut tritt an der Stichstelle eine Quaddel auf. Der Körper unsauberer Menschen ist oft ganz mit solchen roten Fleckchen bedeckt. Reinlichkeit, also vor allem Bäder, Insektenpulver genügen zur Beseitigung des Flohes.

Die Wanzen halten sich tagsüber in Dielenritzen, Bettstellen etc. auf. Des Nachts unternehmen sie ihre Raubzüge auf die Haut des Menschen, um sich voll Blut zu saugen. Ihr Stich ruft meist eine Quaddel und sehr heftiges Jucken hervor, denn diese Blutsauger schwelgen nicht nur in unserem Blute, sie entleeren beim Stiche auch den Inhalt einer Giftdrüse mit unter die Haut. Vernichtung der Wanzen in ihren Schlupfwinkeln ist die einzige wirksame Behandlung.

Die durch pflanzliche Parasiten, d. h. durch Pilze, hervorgerufenen Hauterkrankungen sind die scherende Flechte und die Kleienflechte. Die Hautpilze sind mit bloßem Auge nicht sichtbar. Sie stellen sich dar als fadenartige Gebilde, Pilzfäden, und als kugelartige Gebilde, Sporen; sie befinden sich meist nur in den obersten Schichten der Oberhaut.

Scherende Flechte. Die Erkrankung beginnt mit einem kleinen, rötlichen Knötchen, das sich mehr und mehr ausbreitet und schließlich eine scharf begrenzte, rote, schuppende Scheibe darstellt. Im Zentrum tritt vielfach Abheilung ein, während der Prozeß an der Peripherie weiter vorwärts schreitet; es entsteht eine ringartige Figur und beim Zusammenfließen mehrerer solcher Ringe kommen guirlandenartige Gebilde zu stande, ganz ähnlich wie bei der Schuppenflechte, nur daß bei der letzteren die Schuppen viel reichlicher vorhanden und von silberweißer Farbe sind. Außerdem juckt die Schuppenflechte nicht, während bei der scherenden Flechte fast immer mehr oder weniger starkes Jucken vorhanden ist. Infolge stärkerer Entzündung kann es an den Herden der scherenden Flechte auch zur Bildung von Bläschen kommen.

Die Behandlung kann nur eine äußerliche sein. Es müssen Medikamente in Anwendung kommen, welche die Pilze töten und die Oberhaut zur Abstoßung bringen. Durch Schmierseife, vermischt mit Naphthol, Einpinselung von Sublimat, Jod ist immer eine rasche Heilung möglich.

Die scherende Flechte kommt auch an den behaarten Körperstellen vor; die Pilze dringen dann in die Haare selbst ein. Über diese Erkrankung wird später noch gesprochen werden.

Die Kleienflechte ist auf andere viel schwerer übertragbar, als die scheerende Flechte. Sie ist eine sehr häufige Erkrankung und äußert sich durch das Auftreten von mehr oder weniger großen, hell bis gelbbraunen Flecken, die beim Kratzen leicht schuppen und die bei starker Ausdehnung größere Körperpartien überziehen können. Die Flecken sind nicht erhaben und nehmen bei stärkerem Schwitzen bisweilen eine hellrote Farbe an. Die Erkrankung macht so gut wie keine Beschwerden; Jucken fehlt ganz oder ist äußerst gering. Rumpf, Rücken und Brust sind am meisten befallen, das Gesicht bleibt fast immer frei.

Die Kleienflechte ist eine harmlose, aber sehr chronische Erkrankung, die jahrelang bestehen kann. Zur Beseitigung sind Einreibungen von Schwefelsalbe und Schmierseife am Platze. Die Behandlung muß auch nach vollständiger Beseitigung der gelben Flecken noch eine Zeitlang fortgesetzt werden; da sonst leicht ein Rückfall eintreten kann.

5. Neubildungen der Haut

Von den Neubildungen der Haut sind Lupus, Krebs und Lepra die wichtigsten. Über die Lepra, den Aussatz, die heutigen Tages in Deutschland nur noch im äußersten Osten vereinzelt vorkommt, mögen einige Worte genügen. Die Lepra ist eine chronische Infektionskrankheit und wird durch den Leprabazillus, einem dem Tuberkelbazillus sehr ähnlichen Mikroorganismus, hervorgerufen. Sie ist charakterisiert durch Knoten auf der Haut, vor allem der des Gesichtes, auch durch mehr oder weniger große, rote Flecken und durch Erkrankungen der Nerven. Die Krankheit ist unheilbar und führt nach einer Reihe von Jahren, meist nach 10 bis 20 Jahren, fast ausnahmslos zum Tode. Die Lepra wirksam bekämpfende Medikamente kennen wir nicht.

Der Lupus, die fressende Flechte, wird durch den Tuberkelbazillus, also durch den Bazillus, der die Ursache der Lungenschwindsucht ist, verursacht. Er ist eine chronisch verlaufende Krankheit der Haut und kommt zustande durch Ansteckung von außen her, aber auch durch Ansteckung vom Körper selbst aus; und zwar erfolgt die letztere in der Weise, daß Tuberkelbazillen von anderen tuberkulösen Herden aus z. B. den Knochen, Drüsen, in die Haut gelangen. Die fressende Flechte beginnt mit stecknadelkopfgroßen, gelbbraunen Knötchen, die in der Haut liegen, die Haut zunächst nicht überragen. Durch Zusammenfließen der Knötchen können größere, gelbbraun rote, leicht schuppende Herde entstehen. Die Knötchen können aber auch in die Höhe wachsen und dann kleine Geschwülste darstellen, aus denen sich bisweilen schwer heilende, flache, weiche, sehr leicht blutende Geschwüre entwickeln. Im Lupusherd tritt in der Mitte vielfach Heilung ein, während der Prozeß an der Peripherie weiter um sich greift. Immer bewirkt die Erkrankung aber eine Zerstörung der Haut; der Lupus heilt nur mit Bildung einer Narbe ab, auch dann, wenn Geschwüre nicht vorhanden waren; daher auch der Name »fressende Flechte«. Die Zerstörung kann ziemlich tief greifen; die Knochen werden allerdings vom Lupus nur selten ergriffen. An der Nase verursacht die Erkrankung häufig hochgradige Zerstörungen, indem sie nicht nur die Haut, sondern auch den Knorpel der Nase vernichtet.

Am häufigsten findet sich die fressende Flechte im Gesicht, und zwar an Nase, Wangen, Oberlippe, nicht selten ferner an Händen und Füßen. Auch die Schleimhäute werden ergriffen, vor allem die Schleimhaut der Nase. Ein Lupus des Gesichts geht sehr oft vom Innern der Nase aus und bleibt dann gewöhnlich lange Zeit unbeachtet, da die Erkrankung der Nase zunächst den Eindruck eines gewöhnlichen chronischen Schnupfens macht. Der Beginn fällt meist in das jugendliche Alter. Der Verlauf ist fast immer ein sehr chronischer; es vergehen Jahre, ehe ein Lupusherd größere Dimensionen erreicht.

Das Allgemeinbefinden ist bei der fressenden Flechte, trotzdem es sich bei ihr um eine tuberkulöse Erkrankung handelt, fast immer ein gutes. Schmerzen oder Jucken fehlen fast ganz; nur die Lupusgeschwüre, die häufigen Zerrungen ausgesetzt sind, so vor allem die Geschwüre an den Mundwinkeln, schmerzen erheblich. Ein Übergreifen des Lupus auf innere Organe ist selten.

Die Behandlung des Lupus ist schwierig. Mitunter tritt zwar von selbst eine Heilung ein, in den meisten Fällen kann die Erkrankung aber nur durch Zerstörung des von der fressenden Flechte ergriffenen Gewebes beseitigt werden. Bei kleineren Herden ist das Ausschneiden des ganzen Krankheitsherdes die sicherste und beste Behandlungsmethode. Bei größeren Flächen zerstört man das erkrankte Gewebe durch Ätzmittel, Pyrogallussäure, Arsenik, man kratzt es aus, brennt es aus. In neuerer Zeit hat man auch mit den Röntgenstrahlen und der Finsenschen Lichtbehandlung gute Resultate erzielt. Bei der letzteren Methode wird Sonnenlicht, oder das Licht starker Bogenlampen durch Linsen konzentriert und auf die Haut geworfen. Das Tuberkulin, das in der Behandlung der Tuberkulose der Lungen so wenig den Erwartungen entsprochen hat, übt auch beim Lupus nur eine geringe Wirkung aus. Neben der geschilderten lokalen Behandlung muß auch eine allgemeine stattfinden; der gesamte Organismus muß möglichst gekräftigt werden. Lebertran, gute Ernährung, frische Luft, spielen dabei die Hauptrolle. Die Behandlung des Lupus erfordert, besonders bei alten Herden, lange Zeit. Nach der Heilung ist noch eine längere, sorgfältige Überwachung nötig, denn Rückfälle sind sehr häufig.

Der Krebs der Haut entwickelt sich, wie ja der Krebs überhaupt, fast ausschließlich im höheren Alter, meist jenseits des 45. Jahres. Man kann eine mehr oberflächliche, gutartige und eine tiefergreifende, bösartige Form unterscheiden. Der gutartige Hautkrebs stellt fast immer ein Geschwür dar, das sich aus einem kleinen Knoten entwickelt. Es wächst sehr langsam und sieht am Anfang einer leicht eiternden oder mit Borke bedeckten Warze ähnlich. Das Krebsgeschwür ist flach, die Ränder sind sehr derb. Die Geschwürsfläche ist mit kleinen, grauweißen Körnchen bedeckt. Der Hautkrebs sitzt meist im Gesicht, an Nase, Lippen, Wangen; auch an den Geschlechtsorganen ist er nicht selten. Er greift nur wenig in die Tiefe und bedroht das Leben meist nicht.

Die beschriebene gutartige Form kann aber auch in die bösartige übergehen und ist dann in hohem Grade lebensgefährlich. Es entsteht in einem solchen Falle aus dem Knoten sehr bald ein tiefes, rasch um sich greifendes Geschwür. Die bösartige Form stellt bisweilen auch starke, die Haut überragende, blumenkohlartige Wucherungen dar. Immer zeigt diese Form des Hautkrebses ein rasches Wachstum; sie geht auf Drüsen und innere Organe über und führt, wenn nicht rechtzeitig Hilfe eintritt, zum Tode.

Über die Ursache des Hautkrebses läßt sich nichts genaues sagen. Die Ansteckungsfähigkeit ist noch sehr zweifelhaft, die Erblichkeit aber sicher. Der Hautkrebs entwickelt sich mit Vorliebe an Stellen, die häufigem Drucke, häufigen Reizen ausgesetzt sind, z. B. bei Rauchern, besonders Pfeifenrauchern, an den Lippen. Auch aus gewöhnlichen Warzen und braunen Mälern kann sich im höheren Alter ein Hautkrebs entwickeln.

Das Ausschneiden und zwar das möglichst frühzeitige Ausschneiden ist die beste Behandlung des Hautkrebses; erkrankte Lympfdrüsen müssen mitentfernt werden. Die gutartige Form kann auch durch Zerstörung mit Ätzmitteln beseitigt werden; Arsenik ist hierzu am meisten geeignet.

6. Nervenerkrankungen der Haut

Die hierher gehörenden Erkrankungen gehen ohne sichtbare Veränderungen der Haut einher; sie sind charakterisiert durch ein ohne äußere Ursache entstehendes Jucken. Natürlich können sich infolge des häufigen Kratzens Entzündungen einstellen, doch sind diese nur eine Folgeerscheinung. Am Anfange der Erkrankungen fehlen Entzündungen ganz. Der Juckreiz kann am ganzen Körper empfunden werden, er kann sich auch nur auf einzelne Teile beschränken. Das Jucken ist nicht beständig vorhanden, es tritt anfallsweise auf und wird bisweilen durch die Bettwärme oder durch Erregungen hervorgerufen. Das Jucken ist sehr heftig und quält die Kranken ganz außerordentlich, zwingt sie, sich auf das heftigste zu kratzen; erst beim Austritt von Blut tritt Ruhe ein.

Allgemeines Hautjucken ist meist ein chronischer Zustand und stellt sich bisweilen zu Beginn des Greisenalters ein. Es kommt auch bei inneren Erkrankungen vor, bei Zuckerkrankheit, Nierenerkrankungen, Schwindsucht, Gelbsucht, wird mitunter auch durch Medikamente, z. B. Morphium, Opium oder auch durch Kaffee, Tee, Alkohol hervorgerufen. Beim weiblichen Geschlecht hängt es nicht selten mit Menstruation und Schwangerschaft zusammen. Manche Menschen empfinden das Hautjucken nur im Sommer, andere nur im Winter.

Eine zweite Form des Hautjuckens betrifft nur einzelne Körperteile. Handteller und Fußsohlen, Umgebung des Afters und der Geschlechtsorgane werden von dieser Form am meisten betroffen. Besonders der Juckreiz an den beiden zuletzt genannten Körpergegenden stellt ein höchst peinliches und qualvolles Leiden dar, das den damit Behafteten das Leben ernstlich verbittern kann. Starkes Jucken an den Geschlechtsorganen ist häufig eine Begleiterscheinung bestehender Zuckerkrankheit. Jucken am After bei jugendlichen Personen erweckt Verdacht auf Eingeweidewürmer.

Die Aussichten auf Heilung bei diesen Nervenerkrankungen der Haut richten sich nach der Ursache, nach der Grundkrankheit. Das Jucken des Greisenalters ist unheilbar. Immer stellt diese Art des Hautjuckens ein ernstes Leiden dar, denn es quält die Kranken auf das heftigste, raubt ihnen den Schlaf und bringt sie in der Ernährung herunter.

Die Behandlung hat in erster Linie Beseitigung der Ursache zu erstreben. Im übrigen sind juckstillende Mittel anzuwenden. Kühle Bäder, Umschläge und Waschungen, vor allem mit Essigwasser, kalte Abreibungen, Abtupfen mit spirituösen Lösungen, von Menthol, Karbol, Anwendung von juckstillenden Salben und Pudern. Die inneren Mittel sind meist ganz erfolglos.

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