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Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten

Max Dreysel: Die Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
authorM. Dreysel
titleDie Pflege der Haut mit besonderer Berücksichtigung der wichtigsten Haut- und Haarkrankheiten
publisherJ. F. Wilhelm Schumanns Verlag
year1903
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
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III. Kosmetik der Haut

Unter Kosmetik im allgemeineren Sinne versteht man die Kunst, die Schönheit der Haut zu erhalten und zu fördern. Dazu gehört also auch die Pflege der gesunden und normalen Haut. Die Kosmetik im engeren Sinne, von der jetzt die Rede sein soll, befaßt sich mit denjenigen Veränderungen der Haut, die noch keine wirklichen Erkrankungen sind, die aber doch mehr oder weniger entstellend wirken, geringe Abweichungen von der normalen Beschaffenheit, Schönheitsfehler der Haut darstellen. Aufgabe der Kosmetik ist es, diese Schönheitsfehler und Veränderungen zu entfernen oder, wenn dies nicht möglich ist, wenigstens weniger sichtbar zu machen. Beseitigungen von Mißbildungen, wie z. B. Hasenscharte, gehören in das Gebiet der operativen Kosmetik und bleiben hier unerörtert.

Die Veränderungen betreffen die Farbe, die Glätte und den Glanz, die Behaarung der Haut, ferner die Dicke, Elastizität der Haut und die Tätigkeit der Schweißdrüsen.

Die Farbe der Haut, die, wie schon erwähnt, bedingt ist durch die Blutgefäße und den in den unteren Zellschichten der Oberhaut befindlichen Farbstoff, kann eine zu rote, eine zu blasse, eine zu dunkle und eine zu helle sein. Die Farbe ist der wesentlichste Faktor des Teints; die Veränderungen werden, soweit sie nicht angeboren sind, zumeist verursacht durch Luft und Licht.

Eine zu rote Färbung der Haut hat ihre Ursache in einer zu starken Füllung oder auch in einer Vermehrung der Blutgefäße. Allbekannt sind die roten Hände und Nasen, die bei Eintritt von kalter Witterung so häufig zu sehen sind. Besonders bei jungen Mädchen treten sie auch im Sommer bei ganz geringen Temperaturunterschieden auf. Um eine Erfrierung handelt es sich dabei also nicht. Sie zeigen sich ferner bei Erregungen, nach dem Essen und verschwinden dann bald wieder. Kalte Hände und Füße sind häufig Begleiterscheinungen; man hat es hierbei mit Nerveneinflüssen zu tun; bisweilen liegt die Ursache auch in einer Erkrankung oder wenigstens einer geringen Abnormität der inneren Organe, vor allem der inneren Geschlechtsorgane. Derartige Farbenveränderungen vermögen, besonders wenn sie dauernd bestehen, oder wenn sie sich häufig wiederholen, recht entstellend zu wirken; man kann den Wunsch der Besitzerin, um solche handelt es sich zumeist, nach Beseitigung wohl verstehen. Die Behandlung muß in erster Linie eine allgemeine sein, das heißt, der gesamte Körper muß behandelt werden; häufige Bewegungen, kühle Bäder oder Abreibungen mit Frottierungen sind angezeigt. Liegen Erkrankungen innerer Organe vor, dann müssen diese natürlich vor allem beseitigt werden. Von Nutzen sind ferner kalte Bäder der betroffenen Hautpartien, also vor allem der Hände und der Nase; auch Essigwaschungen und der elektrische Strom leisten vielfach gute Dienste. In manchen Fällen bringt der innerliche Gebrauch von Arsenik Heilung. Einer Ursache der Nasenröte (von der sogenannten Kupfernase wird im Kapitel »Hautkrankheiten« die Rede sein) sei hier noch besonders gedacht, nämlich des Schleiers. Durch einen zu eng anliegenden Schleier nimmt bisweilen nicht nur die Nase, sondern auch die Gegend der Backenknochen dauernd eine rote oder auch blaurote Farbe an. Beseitigung des Schleiers oder wenigstens des zu engen Schleiers ist erste Bedingung für die Heilung.

Die eben besprochenen Hautrötungen sind erworben, es gibt aber noch eine andere Art, die angeboren ist, das sind die sogen. Gefäß- oder Feuermäler. Sie sind von hellroter oder auch blauroter Farbe, ganz klein, kaum stecknadelkopfgroß, können aber auch eine ganze Gesichtshälfte betreffen. Sie beruhen in einer Vermehrung der Blutgefäße der Haut. Bei ganz kleinen, erst wenigen Wochen, oder höchstens Monate alten, Kindern gelingt die Beseitigung vielfach durch Salben oder Pflaster; im späteren Alter ist aber eine solche Behandlung immer nutzlos. Dann ist eine Entfernung nur durch Herausschneiden des Males oder durch Zerstörung der Blutgefäße möglich; die letztere kann mit dem Messer, die Blutgefäße werden aufgeschlitzt, oder mittels Elektrizität erfolgen. Die Behandlung mittels Elektrizität liefert vielfach gute Resultate, ist aber eine langwierige und nur bei den nicht zu großen Mälern durchführbare. Die über größere Flächen sich erstreckenden Feuermäler sind überhaupt unheilbar.

Eine zu blaße, häufig grau-grünliche Gesichtsfarbe ist die Folge einer allgemeinen Blutarmut; ihre Behandlung fällt zusammen mit der der letzteren: Frische Luft, reichliche Bewegung, gute Ernährung, Bäder, kalte Waschungen, innerlich Eisen etc. sind hier am Platze.

Farbenveränderungen, die durch einen Überfluß von Farbstoff der Haut verursacht sind, kommen häufig vor; sie bestehen aus mehr oder weniger großen und mehr oder weniger dunklen Flecken. Diese Veränderungen können angeboren und erworben sein. Angeboren sind die braunen Muttermäler, die eine hellbraune, mitunter auch ganz schwarzbraune Farbe haben, bisweilen nur einfache Flecken, bisweilen auch warzige Hervorragungen darstellen und vielfach mit dicken, dunklen Haaren bedeckt sind. Die Beseitigung dieser Mäler durch Ätzmittel ist nicht empfehlenswert; vorzuziehen ist das Herausschneiden und die Entfernung vermittels Elektrizität. Die letztere wird in der Weise vorgenommen, daß unter das Muttermal eine feine Nadel eingestochen und durch diese der elektrische Strom hindurchgeleitet wird. Das ganze Verfahren ist wenig schmerzhaft, es bleibt eine ganz feine, kaum sichtbare Narbe zurück.

Von den erworbenen Farbenveränderungen sind die Sommersprossen diejenigen, die am verbreitetsten sind und am häufigsten eine Behandlung erfordern. Die Sommersprossen entwickeln sich nicht vor dem 6. Jahre, sie verschwinden zwischen dem 30. und 40. Jahre von selbst. Sie führen ihren Namen nicht ganz mit Recht, denn sie sind zwar an den dem Lichte ausgesetzten Körperteilen, Gesicht und Händen, am häufigsten, finden sich bisweilen aber auch am ganzen übrigen Körper. Zweifellos aber hat das Licht und vor allem der direkte Sonnenschein einen Einfluß. Im Winter sind die Sommersprossen blaß oder verschwinden ganz, im Sommer treten sie deutlicher hervor. Sie finden sich bei Blonden und Brünetten, bevorzugen aber doch Personen mit zartem Teint, bei Rothaarigen sind sie vielfach massenhaft vorhanden.

Sommersprossenmittel gibt es eine ganze Legion. Alle Mittel zur Beseitigung der Sommersprossen wirken nur momentan, d. h. sie können die kleinen, vielfach gezackten Flecken wohl zum Verschwinden bringen, vermögen ihr Wiederauftreten aber nicht zu verhindern. Wie das Mädchen aus der Fremde, so erscheinen die kleinen ungebetenen Gäste jedes Jahr wieder, sobald die ersten Schwalben schwirren. Wirksam zur Beseitigung der Sommersprossen sind zunächst die Säuren. Die meisten Sommersprossenwässer, die meist mit großer Reklame und pomphaften Namen angepriesen werden, enthalten irgend eine Essigsäure. Diese säurenhaltigen Wässer, Toilettessige, dürfen aber nicht zu lange angewandt werden, da sie die Haut trocken und spröde machen. Auch Auftupfen von Zitronensaft, Auflegen von frischen Zitronenscheiben während der Nacht läßt die Sommersprossen erbleichen. Wirksam und doch sehr mild sind Waschungen mit Boraxlösungen. Salben, die weißen Präcipitat und Wismut enthalten, geben gleichfalls gute Erfolge. Soll eine rasche Wirkung erreicht werden, dann müssen wirkliche Schälkuren vorgenommen werden, mit Sublimat, grüner Seife und anderen Medikamenten; solche Kuren sind jedoch nicht ungefährlich und bedürfen unbedingt der Aufsicht und Leitung des Arztes. Vorsicht ist überhaupt bei Behandlung der Sommersprossen dringend nötig, die Behandlung darf keine schablonenmäßige sein, ein Mittel schickt sich nicht für alle Sommersprossen und vor allem nicht für jede mit Sommersprossen behaftete Haut. Es muß Rücksicht auf die Empfindlichkeit der Haut genommen und danach das Mittel und die ganze Methode gewählt werden, andernfalls können leicht starke Entzündungen mit folgender Braunfärbung der Haut auftreten.

Die Behandlung der gleichfalls erworbenen Linsen- oder Leberflecke hat die gleiche wie die der Sommersprossen zu sein. Bisweilen sind die Leberflecke etwas hervorragend, mehr warzenähnlich, dann wird man sie mit dem Messer entfernen oder noch besser mittels Elektrizität zerstören.

Über größere Flächen der Haut ausgebreitete Dunkelfärbungen finden sich häufig da, wo Reize, teils chemische, teils mechanische, die Haut treffen. Allgemein bekannt ist die Braunfärbung der Haut durch die Sonnenstrahlen, besonders durch die stärker chemisch wirkenden Strahlen der Frühlingssonne. Die Röntgenstrahlen vermögen eine ähnliche Wirkung auszuüben. Auch durch Senf- und andere Zugpflaster kann eine Dunkelfärbung der Haut erzeugt werden. Derartige Pflaster dürfen daher nicht an sichtbaren Körperstellen aufgelegt werden. An Stellen, die beständigem Drucke von Kleidungsstücken (Hosenträger, Mieder, Strumpfbänder) ausgesetzt sind, tritt gleichfalls häufig eine mehr oder weniger dunkle Braunfärbung der Haut ein.

Andere Verfärbungen stehen mit Erkrankungen innerer Organe im Zusammenhange. Bei Frauen in den Übergangsjahren oder auch bei Frauen mit Erkrankungen der inneren Geschlechtsorgane zeigen sich nicht selten ziemlich ausgedehnte Braunfärbungen des Gesichtes, namentlich der Stirn.

Bei der Behandlung dieser Art von Hautverfärbung muß natürlich in erster Linie die Beseitigung der Ursache angestrebt werden. Im übrigen ist die Behandlung dieselbe, wie bei den Sommersprossen. Der großen Flächen wegen muß mit ganz besonderer Vorsicht vorgegangen werden. Der Sonnenbrand schwindet, wie jeder weiß, allmählich von selbst. Waschungen mit Mandelmilch unmittelbar nach dem Einbrennen vermag übrigens in vielen Fällen ein nachträgliches Braunwerden der Haut zu verhüten.

Bei der Gelbsucht und der Bronzekrankheit, die auf einer Erkrankung innerer Organe beruhen, ist eine Behandlung der Haut ganz nutzlos.

Eine Färbung der Haut kann auch durch künstlich eingeführte Substanzen, durch Farbstoffe, wie z. B. bei der Tätowierung, durch Schießpulver etc. verursacht sein. Sind die Verunzierungen oder auch, da Tätowierungen heutzutage auch bei unseren Damen wieder Mode zu werden beginnen, die Verzierungen nicht zu ausgedehnte, dann ist eine Beseitigung, wenn auch etwas umständlich, durch Elektrolyse möglich, also durch Einstechen feiner Nadeln, durch die der elektrische Strom geleitet wird.

Ebenso wie die Haut zu viel, so kann sie auch zu wenig Farbstoffe enthalten. Der Farbenmangel betrifft bisweilen den ganzen Körper. Bei derartigen Individuen, den sogen. Albinos, ist nicht nur die Haut, sondern sind auch die Haare völlig farblos. Die Behandlung eines solchen Zustandes ist gänzlich aussichtslos. Der Farbenmangel kann sich auch nur auf einzelne Teile der Haut erstrecken. Auch in solchen Fällen vermag die Behandlung nur wenig zu leisten. Es gibt wohl Medikamente, die bei längerer Anwendung auf die Haut Farbstoff erzeugen, doch hält der Erfolg nicht lange an. Die gefärbten Hautpartien werden sehr bald wieder bleich. Bessere Resultate lassen sich erzielen, wenn man die meist übermäßig dunkel gefärbten Ränder derartiger weißen Flecken mit den oben erwähnten Methoden entfärbt. Die weißen Stellen bleiben dann als solche natürlich erhalten, fallen aber weniger auf, weil die Kontrastwirkung wegfällt. Kleineren weißen Hautpartien, wie z. B. sehr weißen Narben hat man durch Tätowierungen ihre natürliche Farbe wiederzugeben versucht. Solche Tätowierungen sind jedoch schwierig auszuführen, und glücken nicht immer. Zur Beseitigung oder vielmehr Verdeckung derartiger Schönheitsfehler sind in vielen Fällen Puder und Schminken die einzigen Hilfsmittel.

Glätte und Glanz der Haut werden hervorgerufen durch den Bau der Haut und durch die von Schweiß und Talgdrüsen abgesonderten Flüssigkeiten. Die obersten Schichten der Haut, die verhornten Zellen der Oberhaut, werden beständig abgestoßen, doch findet diese Abschuppung so unmerklich statt, daß sie die Glätte und die Weichheit der Haut nicht beeinträchtigt. Ist die Haut aber zu trocken, wird von den Talgdrüsen nicht genügend Fett abgesondert, dann macht sich eine verstärkte Abschuppung bemerkbar, die Haut sieht glanzlos, wie mit Staub bedeckt, aus und fühlt sich rauh an. Schreitet die Austrocknung noch weiter vor, dann reißt die Haut oberflächlich ein. Allbekannt sind ja die aufgesprungenen Hände und Lippen. Die Ursache hierfür ist sehr häufiges Waschen, vor allem mit hartem Wasser und scharfen, alkalischen Seifen. Eine sehr empfindliche Haut ist diesem Aufspringen besonders ausgesetzt, und sie reißt dann vor allem leicht ein, wenn sie in nicht völlig trockenem Zustande der kalten Luft ausgesetzt wird. Aufgesprungene Hände finden sich im Sommer selten, im Winter dagegen sehr häufig. Zur Beseitigung dieses Übelstandes ist eine Vermeidung der Ursachen in erster Linie erforderlich. Man sorge also zu allererst für weiches Wasser und für gute, neutrale Seife; dann hüte man sich, mit nicht völlig trockenen Händen ins Freie zu gehen und schütze die Hände durch warme Handschuhe. Außerdem ist ein Einfetten der Hände während der Nacht und das Tragen von weichen, rehledernen Handschuhen sehr vorteilhaft. Zum Einfetten sind Lanolinsalben am meisten geeignet, doch leistet vielfach auch mit Wasser verdünntes Glyzerin gute Dienste. Abreiben der Hände mit Weingeist nach dem Waschen, vor allem am Morgen, wirkt abhärtend und ist neben dem nächtlichen Einfetten ein sehr gutes Vorbeugungsmittel gegen das Aufspringen.

Außer den Händen springen besonders die Lippen häufig auf, da bei diesen die Oberhaut nur sehr dünn ist. Die vielfach in kleinen Stücken herabhängende Haut soll vorsichtig abgeschnitten, nie aber abgerissen werden, da sonst leicht Entzündungen eintreten können; außerdem ist ein Einfetten vorteilhaft. Für die Lippen ist Glyzerin nicht geeignet, da es zu stark brennt.

Die Haut kann nicht nur zu trocken, sie kann auch zu fett sein und hat dann einen unangenehmen, spiegelnden Glanz; sie wird leicht schmutzig, da Staub und Ruß an ihr besser haften. Am häufigsten bietet die Gesichtshaut und vor allem die Haut von Stirn und Nase dieses fettglänzende Aussehen dar, weil hier die meisten Talgdrüsen vorhanden sind. Die Behandlung hat in häufigen Waschungen mit Weingeist, Borax, alkalischen Seifen, vor allem dem Kaliseifengeist zu bestehen.

Eine übermäßig fette Haut, auch Schmerfluß genannt, findet sich immer zusammen mit Mitessern und kleinen, roten Knötchen und Pusteln, den sogen. Finnen. Diese Mitesser und vor allem die Finnen, die besonders im Gesicht häufig vorhanden sind und die die Hauptursache eines unreinen Teints darstellen, gehören jedoch schon in das Gebiet der eigentlichen Hautkrankheiten. Über ihre Behandlung und über die eingehende Behandlung des Schmerflusses wird später noch gesprochen werden.

Ein zu großer Glanz der Haut kann auch durch zu starke Spannung, wie z. B. bei Narben, verursacht werden. Eine Beseitigung dieses Glanzes ist unmöglich. Derartige Unschönheiten können nur durch Schminken verdeckt werden, und zwar durch Fettschminken, da trockner Puder an der glatten Haut nicht haftet.

Ein reichlicher Haarwuchs ist gewiß eine Zierde und bildet einen vornehmen Schmuck des Weibes -- wenn er sich an der rechten Stelle befindet; wenn nicht, dann kann er recht entstellend wirken. Haare sind nahezu am ganzen Körper vorhanden. So lange diese sogen. Wollhaare zart und ungefärbt sind, wirken sie in keiner Weise störend, verleihen im Gegenteil der Haut ein samtartiges Aussehen. Auch ein etwas reichlicheres Sprießen dieser Wollhaare, ein leichter Flaum an der Oberlippe, besonders bei Brünetten ist keineswegs unschön zu nennen; er ist sogar anziehend und vermag im Verein mit einem kleinen Leberfleck der Trägerin einen Anstrich von Pikanterie zu geben. Wenn aber dieser Flaum Dimensionen annimmt, daß ihn die jungen Leutnants neiderfüllten Herzens betrachten, wenn am Kinn starke dunkle Haare sprießen, dann kann von Pikanterie schwerlich mehr die Rede sein; eine derartige Behaarung wirkt entstellend. Die Beseitigung des Frauenbartes ist eine wichtige Aufgabe der Kosmetik. Rasieren ist nicht empfehlenswert, die stehenbleibenden Stümpfe der Haare scheinen als dunkle Punkte durch, außerdem werden die Haare durch das immer häufiger nötig werdende Rasieren nur noch stärker. Ein Ausziehen der einzelnen Haare ist ziemlich schmerzhaft und bei einer stärkeren Behaarung kaum durchführbar, der Erfolg ist auch kein bleibender, denn die Haare wachsen sehr bald wieder nach. Ebenso wenig wirksam und noch schmerzhafter ist das Auflegen und gewaltsame Abreißen eines Pechpflasters. Bessere Dienste leisten die auf chemischem Wege wirkenden Enthaarungsmittel. Derartige Mittel, die vor allem im Orient gebräuchlich sind, gibt es eine große Anzahl. Verwandt werden Schwefel- und Arsenverbindungen in Mischung mit Kalkmilch. Die Wahl des Mittels hat sich nach der zu enthaarenden Stelle und nach der Empfindlichkeit der Haut zu richten. Für das Gesicht, vor allem dann, wenn nicht zu viele und nicht zu dicke Haare vorhanden sind, eignen sich milde Mittel. Die Enthaarungsmittel werden in Form von Pasten oder auch von Wässern angewandt. Die Pasten trägt man messerrückendick auf; mit dem Wasser benetzt man die Haare gründlich. Die Dauer der Anwendung ist eine verschiedene. Sie beträgt 5-10 Min., bei den mild wirkenden Mitteln auch noch länger. Sobald heftiges Brennen eintritt, müssen die Pasten mit einem Spatel, einem stumpfen Messer oder mit einem in Milch getauchten Schwamm entfernt werden. Darauf wird die Haut mit warmem Wasser abgewaschen und sorgfältig getrocknet, wobei jedes Reiben zu vermeiden ist. Einfetten der Haut mit Zinksalbe oder auch Einpudern bildet den Schluß der Prozedur. Eine Enthaarung auf chemischem Wege ist keine gleichgültige Sache, auch die mildesten Mittel reizen die Haut immer etwas. Der Rat und die Aufsicht des Arztes sind dabei kaum zu entbehren, denn leicht kann ein falsches, zu stark wirkendes Mittel gewählt werden, das zu einer heftigen Entzündung der Haut führt.

Die Entfernung der Haare mittels der Ätzpasten gelingt sicher, doch ist der Erfolg nur vorübergehend; nach einigen Wochen, spätestens einigen Monaten, sprießen die Haare von neuem. Das Verfahren muß also von Zeit zu Zeit wiederholt werden.

Viel sicherer und viel weniger schädlich für die Haut ist die Entfernung der Haare mittels der Elektrolyse. Diese Methode kann allerdings von der betreffenden Person selbst nicht vorgenommen werden, sie ist auch umständlich und langwierig, aber doch, wenn die Behaarung keine zu reichliche ist, am meisten zu empfehlen ist, denn sie ist die zuverlässigste und schonendste. Allerdings wachsen auch bei der Enthaarung durch den elektrischen Strom, vor allem bei jugendlichen Personen, bisweilen einige Haare nach, doch wird bei richtiger Ausführung meist die ganze Wurzel vollständig zerstört, so daß ein Wiederwachsen des Haares nicht mehr erfolgen kann.

Die Enthaarung mittels Elektrolyse wird auf folgende Weise ausgeführt: Längs des Haares, bis zu dessen Wurzel wird eine feine Nadel eingeführt, und durch diese der elektrische Strom hindurchgeleitet. Zur Zerstörung eines jeden Haares sind etwa 30 Sekunden erforderlich. Das Verfahren ist wenig schmerzhaft. Eine Reizung der Haut tritt nur selten ein, da nur schwache Ströme in Anwendung kommen.

Die Röntgenstrahlen bewirken gleichfalls ein Ausfallen der Haare; doch ist der Erfolg bei dieser Methode nur ein zeitweiliger, die Haare wachsen bald wieder nach.

Die Haare auf Leberflecken und Warzen werden am besten durch Herausschneiden oder Zerstören der gesamten kleinen Geschwulst beseitigt.

Die Dicke der Haut ist auch unter normalen Umständen an den verschiedenen Stellen des Körpers eine sehr verschiedene. Durch besonders starkes Wachstum, vor allem der Hornschicht, können Gebilde entstehen, die entstellend wirken und die vielfach auch schmerzhaft sind. Hieher gehören die Schwielen, Warzen und Hühneraugen. Schwielen sind hornartige Verdickungen der Oberhaut. Sie finden sich meist an Stellen die häufigem Drucke ausgesetzt sind. Solche Druckschwielen zeigen sich normaler Weise an der Ferse und dem vorderen Teile der Fußsohle. Bei Ruderern und Turnern kommen sie häufig in der Flachhand vor; auch der Druck des Mieders, des Bruchbandes kann eine Schwiele erzeugen. Bei Handwerkern kann man vielfach aus dem Sitze der Schwielen mit Sicherheit einen Schluß auf die Art der Beschäftigung ziehen.

Zur Beseitigung der Schwielen ist in erster Linie die Beseitigung der Ursache erforderlich; eine solche genügt vielfach für sich allein. Die direkte Entfernung geschieht durch Abtragen mit dem Messer, Auflegen von Salizylsäurepflaster oder Aufpinseln von Salizylsäure nach vorherigem Einweichen der Schwiele durch Seifenbäder. Bei Anwendung der Salizylsäure, sei es in Pflaster, sei es in flüssiger Form, muß darauf geachtet werden, daß das Medikament nur auf die Schwiele selbst angewandt wird. Die Umgebung der Haut muß vor der Säure geschützt werden; am besten wird dies durch ein Einfetten der Haut z. B. mit Vaseline erreicht.

Warzen können angeboren sein, sind aber meist erworben. Sie haben eine hell- bis schwarzgraue Farbe, sind mehr oder weniger derb, flach oder auch halbkugelig gestaltet; ihre Oberfläche ist glatt, vielfach auch zerklüftet. Sie bestehen aus einer stark verdickten Hornschicht und einer Wucherung des oberen Teiles der Lederhaut. Die Warzen sind ansteckend. Für die flachen, an Gesicht und Händen vielfach sehr zahlreichen, häufig rasch entstehenden Warzen ist die Ansteckungsfähigkeit sicher nachgewiesen. Oft entstehen die Warzen in den Entwicklungsjahren und schwinden dann später von selbst; aus diesem Grunde erklärt sich die scheinbare Wirkung gewisser Sympathiemittel. Nach Zerstörung einer Warze bilden sich andere noch vorhandene bisweilen ohne weitere Behandlung zurück.

Die Entfernung der Warzen kann durch Ätzmittel erfolgen; die Salizylsäure und Essigsäure sind hierzu am besten geeignet. Rauchende Salpetersäure und Kalilauge sind wenig zu empfehlen, da diese Ätzmittel bei nicht genügender Vorsicht leicht tiefe Löcher in die Haut hineinfressen. Der so häufig angewandte Höllenstein ätzt nicht tief genug, wirkt also ungenügend; ganz abgesehen davon, daß er eine sehr unangenehme Schwarzfärbung der Haut verursacht. Weiche Warzen lassen sich mit einem Faden abbinden. Die Entfernung der Warzen kann auch auf operativem Wege durch Herausschneiden oder Herauskratzen mit folgendem Ätzen erzielt werden. Noch mehr zu empfehlen, weil wenig schmerzhaft und doch sehr wirksam, ist die Zerstörung durch den elektrischen Strom. Die feine Nadel, durch welche der Strom geleitet wird, sticht man an der Basis der Warze, parallel mit der Hautoberfläche ein. Die nach Abfallen der Warze sich bildende Narbe ist kaum sichtbar. Sind die Warzen sehr zahlreich, dann bedeckt man sie mit Salizylsäurepflaster, reibt arsenikhaltige Salbe ein oder wendet eine sogenannte Schälkur an. Auch der innerliche Gebrauch von Arsenik ist vielfach von Nutzen. Derartig stark wirkende Medikamente und Methoden sollen aber immer nur auf Anordnung und unter Aufsicht des Arztes zur Anwendung kommen.

Das Hühnerauge, auch Leichdorn genannt, besteht im wesentlichen aus einer Verdickung der Hornschicht. Es unterscheidet sich von der Schwiele dadurch, daß in der Mitte ein kegelförmiger, mit der Spitze nach unten gerichteter Zapfen in die Tiefe dringt. Dieser Hornzapfen übt einen Druck auf die tieferen Schichten der Haut und auf die Nerven aus, daher die oft recht empfindlichen Schmerzen. Hühneraugen sind sehr hygroskopisch, d. h. sie quellen bei feuchter Luft, beim Herannahen schlechter Witterung, auf und schmerzen dann besonders stark; sie spielen daher eine Rolle als Wetterpropheten. Die Hühneraugen finden sich fast ausschließlich an den Füßen, und zwar an den Fußsohlen, den Ober- und Innenflächen der Zehen. Sie werden durch zu enge oder schlecht sitzende Schuhe verursacht.

Will man der Hühneraugen ledig werden, dann muß natürlich in erster Linie geeignetes, nicht drückendes Schuhwerk getragen werden, da sonst die ungebetenen Gäste sich immer von neuem bilden. Bei dem Ausätzen des Hornkegels kommen ebenso wie bei den Warzen die Salizyl- und Essigsäure, die Kalilauge in Betracht. Das Ausschälen des Zapfens mittels des Messers wird am besten nach einem erweichenden Seifenbad oder nach Erweichen durch Auflegen von Speck ausgeführt. Dieses Ausschälen soll berufenen Händen überlassen bleiben. Bei dieser kleinen Operation entstehen fast immer Blutungen; bei nicht genügender Vorsicht kann sich eine Blutvergiftung einstellen. Wichtig ist, daß der gesamte Hornkegel herausgeschält wird, da sonst das Hühnerauge in kurzer Zeit nachwächst. Hühneraugenringe heben nur den Druck auf und nehmen den Schmerz, vermögen aber eine wirkliche Beseitigung nicht herbeizuführen. Ein Abfeilen oder Abreiben des Hühnerauges mit Bimsstein hat nur vorübergehenden Erfolg.

Neben der Farbe ist es vor allem die Elastizität, die der Haut ein frisches, blühendes, jugendliches Aussehen verleiht. Geht die Elastizität verloren, dann stellen sich die von vielen Vertreterinnen des schönen Geschlechts so gefürchteten Furchen und Runzeln ein, die Anzeichen des nahenden Alters.

Die Runzeln sind aber nicht nur eine Alterserscheinung, sie stellen sich häufig auch vorzeitig und dann meist nicht ohne Schuld des Trägers oder der Trägerin ein. Gewohnheitsmäßiges Hinaufziehen der Stirn und Zusammenziehen der Augenbrauen führt zu wag- und senkrechten Falten. Durch anhaltendes Schminken, vor allem mit Schminken, die Metallsalze enthalten, werden tiefe Furchen in die Haut eingegraben. Mitunter sind auch erschöpfende Krankheiten und seelische Leiden die Ursache einer vorzeitigen Runzelbildung. Leider treten die Runzeln vornehmlich an den sichtbaren Teilen der Haut auf, an der oberen Partie des Halses, der Gegend der äußeren Augenwinkel (Krähenfüße, Teufelskrallen), unter den Augen, an der Stirn, von der Nase zu den Mundwinkeln ziehend.

Die Runzeln des Alters sind eine normale Erscheinung gegen deren Auftreten wir ziemlich machtlos sind. Auch in die bestgepflegteste Haut wird die Zeit allmählich ihre Zeichen und Runen schreiben. Durch eine entsprechende Hautpflege kann diese Runzelbildung aber hinausgeschoben werden, und durch eine entsprechende Behandlung können auch die erst wenig entwickelten Furchen, vor allem die durch schlechte Gewohnheiten entstandenen, mehr oder weniger wieder zum Verschwinden gebracht werden. Waschungen mit aromatischen Wässern, mit Franzbranntwein, Kölnischwasser, ferner mit Abkochungen von Eichenrinde am Abende wirken anregend auf die Haut und verstärken deren Elastizität. Auflegen von Mandelkleie während der Nacht vermag wenigstens vorübergehend die Runzeln zu glätten. Die Mandelkleie wird mit einer Binde befestigt, unter Umständen muß auch eine vollständige Gesichtsmaske getragen werden; eine umständliche und gewiß nichts weniger als angenehme Prozedur. Aber so manche Unannehmlichkeit, so manche Beschwerde wird vom schönen Geschlechte willig und ohne Murren übernommen, wenn es gilt die fliehende Jugendschönheit festzuhalten. Auflegen von Pflastern, Aufpinseln von Kollodium wirken gleichfalls glättend auf die Runzeln. Wohl das wirksamste Mittel gegen die Bildung von Runzeln und zur Beseitigung bereits vorhandener kleiner Runzeln ist die Massage, die in der schon beschriebenen Weise ausgeführt wird. Tiefere Runzeln lassen sich überhaupt nicht mehr beseitigen, sie lassen sich nur durch Schminken verdecken.

Die Tätigkeit der Schweißdrüsen ist häufig keine ganz normale. Die Schweißabsonderung kann eine zu geringe und zu starke sein. Eine zu spärliche Ausscheidung von Schweiß kommt nur selten vor; man trifft sie bei Erkrankungen innerer Organe und bei gewissen Hautkrankheiten. Die Haut ist in solchen Fällen trocken und spröde; sie muß mit Fetten behandelt werden. Eine vermehrte Schweißabsonderung findet sich dagegen sehr häufig. Bei großer Wärme, bei Anstrengungen schwitzt jeder Mensch in stärkerem Maße, dies ist jedoch ein durchaus normaler Vorgang. Nicht normal ist eine verstärkte Ausscheidung von Schweiß, wenn sie ohne besondere Anlässe stattfindet. Eine solche kann den ganzen Körper und nur einzelne Teile desselben betreffen. Gegenstand einer kosmetischen Behandlung ist vor allem übermäßig starkes Schwitzen einzelner Körperteile und zwar besonders der Hohlhände, Fußsohlen und Achselhöhlen. Es handelt sich hier um sehr unangenehme Leiden, die dem Betreffenden nicht nur lästig, sondern oft genug hinderlich im Leben sind. Die Beseitigung dieses krankhaften Zustandes sollte mit allen Mitteln angestrebt werden, sie wird aber vielfach unterlassen, gar nicht versucht. Auch heutigen Tages glaubt man häufig noch, daß durch Heilung eines Schweißfußes, einer Schweißhand, daß durch ein »Zurücktreten« des Schweißes Erkrankungen innerer Organe herbeigeführt werden könnten. Das ist durchaus nicht richtig; innere Organe haben mit derartigen vermehrten Schweißabsonderungen absolut nichts zu tun, sie werden bei Beseitigung des Zustandes in keiner Weise geschädigt.

Handschweiß findet sich vor allem bei jungen Leuten in der Übergangsperiode. Wer kennt sie nicht, die immer feuchten, kalten Hände, die sich so froschähnlich anfühlen, und die für die Träger so wenig Sympathie zu erwecken vermögen! Handschweiß ist bei der Beschäftigung ungemein hinderlich, sehr hartnäckig und trotzt oft jeder Behandlung. Nützlich sind Bäder mit Eichenrindenabkochungen, Alaunlösungen, essigsaurer Tonerde (4 Teelöffel voll auf 1 Liter Wasser). Die Bäder müssen mehrmals täglich gemacht werden. Nach dem abendlichen Bade werden die Hände mit Spiritus, dem etwas Naphthol zugesetzt ist, abgerieben und mit Salizyl- oder Tannoformpuder eingepudert. Zu beachten ist dabei, daß vor allem die Haut zwischen den Fingern reichlich mit Puder bestreut wird. Das Tragen von engen Handschuhen ist zu unterlassen.

Der Handschweiß ist geruchlos, von Fußschweiß läßt sich das dagegen nicht behaupten. Leute mit stark schwitzenden Füßen machen sich häufig schon auf große Entfernung in keineswegs angenehmer Weise bemerkbar. Der Fußschweiß ist aber nicht nur wegen des schlechten Geruches lästig, sondern auch deshalb, weil er die Füße sehr empfindlich macht. An der Sohle und den Zehenspitzen wird die Oberhaut aufgelockert und erweicht, jeder Druck wird schmerzhaft empfunden. Nötig bei Schweißfüßen ist vor allem ein häufiges Wechseln der Strümpfe, da der unangenehme Geruch hauptsächlich durch Zersetzung des Schweißes verursacht wird. Weiter ist für geeignetes Schuhwerk Sorge zu tragen. Am besten sind nicht zu enge Schnürschuhe, denn diese gestatten am ehesten ein Ausdünsten des Fußes. Häufige Waschungen und Bäder sind selbstverständlich, sie werden mit den oben genannten Flüssigkeiten vorgenommen. Die Strümpfe müssen täglich mit Salizyl- oder Tannoformstreupuder eingestreut werden. Noch wirksamer als diese Bäder und Pulver sind Einpinselungen der Füße mit 5 %iger Chromsäure oder mit Formalin mehrere Tage hintereinander. Bei hochgradigen Schweißen, die der geschilderten Behandlung trotzen, bringt die Anwendung von Hebrasalbe vielfach Heilung. Das Verfahren ist allerdings eingreifender, Bettruhe für einige Zeit dabei kaum entbehrlich. Der ganze Fuß wird mit Leinwandstreifen, die mit der Salbe bedeckt sind, eingehüllt; die Streifen werden täglich gewechselt. Nach 1-2 Wochen stößt sich die gesamte Oberhaut ab; zur Nachkur werden die Füße noch für einige Tage mit Puder behandelt. Der unangenehme Geruch der Schuhe bei Schweißfüßen läßt sich sicher auf folgende Weise beseitigen: In die Schuhe wird eine Lösung von Formalin (2 Eßlöffel voll auf 1 Liter Wasser) gegossen und bleibt daselbst einige Stunden, das Leder wird dabei nicht angegriffen.

Übermäßige Schweißabsonderung der Achselhöhlen findet sich häufig bei Frauen. Auch der Schweiß der Achselhöhlen hat einen recht unangenehmen Geruch. Er verfärbt außerdem die Kleider und macht sie brüchig, so daß sie leicht zerreißen. Den letzten Übelstand suchen die Schneiderinnen vielfach dadurch zu verhüten, daß sie Gummiblätter in die Kleider einnähen. Ihren Zweck erreichen sie damit allerdings, die Kleider werden geschont, aber nur auf Kosten der Haut. Infolge des Gummis kann der Schweiß nicht verdunsten, die Absonderung nimmt noch zu, der üble Geruch wird verstärkt, die Haut gereizt und schließlich zur Entzündung gebracht. Weniger schädlich als Gummi sind Einlagen von Leder. Auch beim Schweiß der Achselhöhlen sind häufige Waschungen mit Alaun, mit essigsaurer Tonerde, mit übermangansaurem Kali recht nützlich, dann vor allem Spirituswaschungen, mit Franzbranntwein, ferner mit essighaltigen Wässern, den sogen. Toilettenessigen. Nach dem Waschen wird ein mit Salizyl- oder Tannoformstreupulver eingepuderter Wattebausch in die Achselhöhle eingelegt.

Von den gegen übermäßige Schweißabsonderung innerlich genommenen Mitteln kommt das Atropin am meisten in Betracht. Doch kann dies nur auf Anordnung eines Arztes gebraucht werden; die Aussicht auf Erfolg ist nur eine geringe.

Eine seltene Erscheinung ist das Auftreten von farbigen Schweißen. Derartige Schweiße gehören nicht in das Reich der Fabel, sie werden tatsächlich beobachtet. Der Schweiß kann eine blaue, gelbe, grüne, schwarze und rote Farbe haben. Am häufigsten kommt der rote Schweiß vor. Das Wesen dieses farbigen Schweißes ist noch wenig aufgeklärt; er findet sich besonders bei schwächlichen, nervösen, weiblichen Personen, kann an verschiedenen Körpergegenden auftreten und zeigt sich am häufigsten in den Achselhöhlen. Die Erscheinung geht meist rasch vorüber.

Schönheitsfehler, die in der besprochenen Weise nicht zu beseitigen sind, lassen sich wenigstens verdecken, lassen sich durch Schminken unsichtbar machen. Doch nicht nur zu diesem Zwecke wird geschminkt. Wenn die Jahre dahingehen und immer deutlicher und schärfer ihre Spuren hinterlassen, wenn die Haut den Duft und den Schimmer der Jugend zu verlieren beginnt, dann greift so manche Tochter Evas zur Puderquaste und zum Schminktopf, um das äußere Aussehen mit ihrem angeblichen Alter in Übereinstimmung zu bringen. Daß auch die Mode zum Schminken zwang, und z. T. auch noch zwingt, ist bekannt und auch schon erörtert worden. Daß beim Theater geschminkt wird und notwendigerweise geschminkt werden muß, ist nicht minder bekannt.

Schminken ist immer schädlich; auch die allermildesten Schminken schädigen die Haut bei permanenter Anwendung für immer. Mit dem Schminken geht es, wie es mit so vielen anderen Dingen, wer es einmal ernstlich begonnen hat, der kann es nicht mehr lassen. Durch das Schminken wird die Haut trocken, derb und rauh, die Gesichtszüge erhalten ein unbewegliches, starres Aussehen, alles Dinge, die die Schönheit nicht gerade zu erhöhen geeignet sind, und die sich nur durch immer intensiveres Schminken beseitigen lassen. Mit einem leichten Hauch von Puder fängt man an, und mit einer dicken Schicht Schminke hört man auf oder vielmehr, man hört überhaupt nicht mehr auf, weil man nicht mehr aufhören kann. Bei den Schminken lassen sich trockene Schminken, d. h. Puder, Fettschminken d. h. salbenartige Schminken und flüssige Schminken unterscheiden. Am meisten gebräuchlich sind die weißen und die roten Schminken. Die weißen Schminken sind vornehmlich Puder; von diesen sind die mit Metallsalzen versetzten am schädlichsten, die Blei und Wismut enthaltenden sind sogar direkt gefährlich, da sie zu Vergiftungen Anlaß geben können. Am unschädlichsten noch sind die Pflanzenpulver, vor allem Reispuder, der allerdings selten aus reinem Reismehl besteht, sondern vielfach auch Metallzusätze enthält. Doch auch die Pflanzenpulver verderben den Teint bei langer Anwendung; sie verursachen Mitesser; außerdem sind sie recht schlechte Schminken. Sie decken nicht genügend und sind nicht lebendig genug. Die schönste aller weißen Schminken ist das Bleiweiß, das aber wegen seiner Giftigkeit unbedingt zu verwerfen ist. Talk und Kreide sind weniger schädlich, aber auch viel weniger schön. Talk deckt zu wenig, Kreide ist zu tot. Schwefelsaures Baryt kommt an Schönheit dem Bleiweiß am nächsten und ist relativ unschädlich.

Bei roten Schminken finden vor allem Karmin und Karthamin Verwendung; sie sind ungiftig. Zinnober ist giftig und daher unbrauchbar.

Die flüssigen Schminken, welche Farbstoffe gelöst oder suspendiert enthalten, sind nicht empfehlenswert.

Schminken ist eine Kunst, die nur durch praktische Übung erlernt werden kann. Möglichste Natürlichkeit ist das erste Erfordernis, das beim Schminken zu beachten ist. Nie darf so reichlich geschminkt werden, daß der Eindruck des Natürlichen verloren geht, daß der Eindruck des Gekünstelten erweckt wird. Diejenige Schöne, die als wandelndes Gemälde ihre Werkstatt verläßt, ist eine schlechte Künstlerin. Zu beachten ist weiter, zu welchem Zwecke geschminkt werden soll, ob für das Theater, für die Straße, ob für die Fern- oder die Nahwirkung, ob für Tages- oder künstliches Licht. Auch Blondinen und Brünetten haben sich verschieden zu schminken. Die richtige Kombination von rot und weiß ist die Hauptsache. Vor dem Schminken muß bei den trockenen Schminken das ganze Gesicht mit einer nicht zu weichen Salbe eingefettet werden; das überflüssige Fett wird mit einem weichen Tuche abgewischt, dann wird weiß und schließlich rot aufgetragen.

Die Entfernung der Schminke, das sogenannte Abschminken geschieht bei den trockenen und nassen Schminken durch Waschen. Bei Fettschminken, ferner bei Schminken, die auf vorher eingefettete Haut aufgetragen waren, wird die Haut zunächst mit Fett (Cold-cream, Vaseline, auch Glyzerin) abgerieben und dann mit Wasser und Seife gewaschen.

Außer der eigentlichen Gesichtshaut bedürfen häufig noch die Lippen und die Augenbrauen einer Verbesserung. Die Lippen, wenn sie zu blaß und schmal, die Augenbrauen, wenn sie zu hell und zu spärlich geraten sind.

Die Lippen werden mit roter Fettschminke, natürlich ohne Zinnober, die Augenbrauen mit durch Ruß schwarz gefärbter Fettschminke behandelt.

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