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Die Pfeifer vom Dusenbach

Wilhelm Jensen: Die Pfeifer vom Dusenbach - Kapitel 1
Quellenangabe
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typefiction
authorWilhelm Jensen
titleDie Pfeifer vom Dusenbach
publisherVerlag von B. Elischer Nachfolger
printrunAchte Auflage
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Wilhelm Jensen

Die Pfeifer vom Dusenbach

Eine Geschichte aus dem Elsaß

Heulend, o Freund im Norden,
Geht draußen der Südwest,
Leer sind die Bäume worden
Und Winter ist der Rest;
Der Rest von allen Dingen
Nach Sommerlust und -glanz,
Vom Wollen und Vollbringen
Ist ja ein dürrer Kranz.

Mir klangen alter Tage
Verschollene Melodien,
Da noch – es klingt wie Sage –
Manchmal die Sonne schien;
Man nannte die Vogesen
Damals den Wasichin,
Mit Staub- und Spinnwebbesen
Hab' ich gekehrt darin.

Gen West vor meinem Fenster
Durch Nebeldunst und Rauch,
Da steigt's wie drei Gespenster
Herauf aus Fels und Strauch;
Gleich dürren Wetterhexen
Drei Türme, grau von Stein;
Man heißt sie die »Drei Exen«
Und schlägt ein Kreuz darein.

Danach ruft Rufach balde
Mit seiner Bürger Stolz:
Dem Galgen, aus dem Walde
»Von gutem Eichenholz«;
Es sprach ihr Stolz nicht minder,
Wollt' wer den Galgen leih'n:
Für sie und ihre Kinder
Sei dieser nur allein.

Und aber kurz nach Süden
Im engen Lauchtalgrund
Das Stolzbild aller Rüden,
Des Kloster Murbachs Hund:
Von seiner Hoffart wissen
Noch Lied und Spruchvers heut';
Der hat gar scharf gebissen,
Wenn wer sein Haus bedräut.

Doch nordhin für den Keiler
Streckt sich ein Tannenmeer –
Da liegt Stadt Rappoltsweiler,
Drei Burgen drüberher:
Die Giersburg über'm Blocke,
Die Ulrichsburg inmitt',
Auf höchstem Felsenstocke
Hochrappoltstein zu dritt'.

Gestürzt zu jähem Falle
Von Rache, Haß und Zorn,
In Trümmern liegen alle,
In Schuttgerank und Dorn;
Oft hab' ich dort zum Rheine
Im Lenz hinab gelugt,
Nun hab' ich ihre Steine
Im Herbste neu gefugt.

Es schafften meine Hände
Durch manche Monde lang,
Nun steh'n die alten Wände
In Schimmer und in Klang;
Die alten Klappengreifer
Stimmten die Pfeifen wach,
Das sind die lustigen Pfeifer:
»Pfeifer vom Dusenbach«.

Sie pfeifen und sie fingen
Im alten Wunderbau,
Den Kranz sich zu erringen
Von »Unserer lieben Frau«;
Da stimmt' in ihre Weise
Begehrlich ich darein:
Ich möcht von jenem Preise
Wohl auch ein Kränzelein.

Bleibt auch von allen Dingen
Nach Sommerlust und -glanz,
Vom Wollen und Vollbringen
Der Rest ein dürrer Kranz,
Trägt gern ihn doch mit Rechten
Die Pfeiferstirn zur Schau,
Wenn ihn die Hände flechten
Von unserer lieben Frau.

Freiburg i/B., im Januar 1884.

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