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Die Perser

Aischylos: Die Perser - Kapitel 4
Quellenangabe
typedrama
authorAischylos
titleDie Perser
publisherLangenscheidtsche Verlagsbuchhandlung
yearo.J.
translatorJohann Jakob Christian Donner
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160308
projectid18a41c1d
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Der Chor.

Von dem persischen Volk, das in Héllas' Gefild'
Auszog, steh'n hier die Getreuen des Reichs,
Für die Wohnungen, die reich prangen in Gold,
Als Hüter bestellt, die Xerxes selbst,
[Vers 5]     Mein König und Herr, des Dareios Sohn,
Nach Alter und Stand
Auswählte, des Landess zu wachen.
Doch unheilahnend erbebt schon jetzt
Mir unruhvoll in den Tiefen der Brust
[Vers 10]     Mein zagendes Herz, ob der Fürst und das Heer,
Hellstrahlend von Gold, heimkehren im Glück.
Denn der Jünglinge Kraft aus Ásia's Gau'n
Zog all' in den Kampf,
Und weder zu Fuß kommt, weder zu Roß,
[Vers 15]     Botschaft in die persische Heimat.
Fern zogen sie aus von Ekbátana dort,
Aus Susa hier und dem alten Bezirk
Der kissínischen Burg,
Heerscharen zu Roß, Heerhaufen zu Schiff
[Vers 20]     Und Streiter zu Fuß,
Sturmgleich sich ergießend im Heerstrom.
Artaphérnes gebeut und Amístres hier,
Megabázes auch und Astáspes dort
In den Reihen des Volks,
[Vers 25]     Selbst Könige sie, dem Erhabensten nur
Dienstbar, Feldherrn des gewaltigen Heers,
Auf schäumendem Roß, mit dem Bogen bewehrt,
Grau'nweckend im Kampf und furchtbar zu schau'n
In des Muts ausharrendem Trotze.
[Vers 30]     Artémbares dann, hoch kämpfend zu Roß,
Masístres zugleich und Imäos der Held,
Mit dem Bogen bewehrt, Pharándakes auch
Und der Tummler der Rosse, Sosthánes.
Viel sandte sodann des gewaltigen Nil
[Vers 35]     Fruchtwallendes Thal, erst Súsiskan,
Dann Pegástagon, Ägyptens Sohn,
Und der heiligen Mémphis mächtigen Herrn,
Arsámes, Ariomárdos auch,
Der Theben beherrscht, das ogýgische Land,
[Vers 40]     Und der Ruderer Kern, der die Sümpfe bewohnt,
Streitbar, ein unendlich Gewimmel.
Ein üppiger Schwarm aus Lýdia folgt
Mit den Völkern, die rings auf dem Festland hier
Anbauen das Feld, die Mitrógathes führt
[Vers 45]     Und Árkteus, Könige, waltend mit Macht;
Auch Sárdes, die Goldstadt, sendet zum Kampf
Viel reisiges Volk auf Wagen daher,
Vierspännige Reih'n, sechsspännige Reih'n,
Ein grausenerregender Anblick!
[Vers 50]     Und die Schleudererschar aus mysischen Gau'n
Und das Volk am heiligen Tmólos droht,
Will Hellas umfah'n mit der Knechtschaft Joch,
Von Márdon geführt, von Thárybis auch,
Ambossen des Speers. Auch Bábylon schickt
[Vers 55]     Aus dem goldenen Sitz in rauschendem Zug
Buntwimmelndes Volk, hier Kämpfer zu Schiff,
Dort Meister, der Kunst des Geschosses gewiß.
Aus Asia folgt, was im weiten Gebiet
Sich mit Schwertern bewehrt,
[Vers 60]     Dem gewaltigen Rufe des Königs.
Solch blühendes Volk aus Pérsis' Reich
Zog fern in den Kampf:
Ganz Asia seufzt als die Mutter um sie
In der Sehnsucht heißem, zermalmendem Schmerz,
[Vers 65]     Und es ängstigen sich um die schleichende Zeit
Tagzählende Frauen und Mütter.

Erste Strophe.

In die jenseitigen nachbarlichen Gau'n brachen die burgstürmenden
Heerscharen des Großkönigs hindurch schon
In dem wohlfugenden Boot über den Sund der
[Vers 70]     Athamántischen Hélle:
Um den Nacken der See
Schlang sich das Joch, schlang sich der dichtbalkige Heerpfad.

Erste Gegenstrophe.

Der im volkreichen Gefild' Asia's stolzthronende Fürst,
Weit in das Land treibt er die wildstürmende Herde:
[Vers 75]     Er gebeut Streitern zu Fuß, Kämpfern des Meeres,
Von gewaltigen Feldherr'n,
Von verwegnen geschirmt,
Goldenen Taus himmlischer Sohn, ähnlich den Göttern.

Zweite Strophe.

Wie der morddürstende Felsdrache mit blaufunkelndem Glutblick,
[Vers 80]     So mit viel Armen und viel Schiffen beschwingt jener den Mordpfeil
Von dem Streitwagen Assýriens
In die speerberühmten Festen.

Zweite Gegenstrophe.

Es vermag keiner zu steh'n wider den stolzflutenden Heerstrom
Und ein Bollwerk vor die unzwingbare Meerwoge zu türmen.
[Vers 85]     Denn unnahbar in der Schlacht steht,
Ungebeugt das Volk der Perser!

Nachgesang.

Doch der trugspinnenden Gottheit, wo entrinnt ihr ein Geborener
Und entspringt ihr mit behendfliehendem Fuße leichten Schwunges?
Denn so huldreich sie zuerst auch ihm geliebkost,
[Vers 90]     Sie verlockt in die Schlingen des Fanggarns,
Und es mag keiner daraus, den es umstrickt, wieder entflieh'«.

Dritte Strophe.

Das Geschick waltete schon in der Urzeit,
Von den Göttern verhängt, zwang es die Perser,
An der burgstürmenden Feldschlacht,
[Vers 95]     An dem roßtummelnden Kriegstanz
Sich zu weiden, an stolzer Festen Fall.

Dritte Gegenstrophe.

Und das Volk lernte die weiten Gefilde,
Von des wilden Orkans Schauern erschäumend,
Und der See wogenden Hain schau'n,
[Vers 100]     Dem Geflecht schwankender Taue
Und der völkergeleitenden Brücke trau'n.

Vierte Strophe.

Drum zerreißt mir bange Furcht
Meine nachtumhüllte Brust,
(O Gram!)
Furcht, das Volk vernehme bald,
[Vers 105]     Daß, beraubt des Perserheers, männerleer
Stehe Susa's große Stadt.

Vierte Gegenstrophe.

Und die Mauer Kíssia's,
Fürcht' ich, hallt die Klage nach;
(O Gram!)
Jammernd zieht der Weheruf
[Vers 110]     Durch der Frauen dichte Reih'n; wild entzwei
Reißt der Schmerz das Býssoskleid.

Fünfte Strophe.

Alles Volk, kampfbereit,
Stürmte hin zu Fuß und Roß;
Einem Schwarm Bienen gleich, zog es aus,
[Vers 115]     Seinem Heergebieter nach,
Und schritt kühn über jenes Joch hin,
Das die Gestade vereint
Beider Länderfesten.

Fünfte Gegenstrophe.

Doch daheim netzt der Frau'n
[Vers 120]     Lager sehnsuchtheißer Schmerz;
Pérsis' Frau'n, gramgebeugt, jede weint
Bang dem Heißgeliebten nach,
Dem mutvoll ungestümen Streiter,
Den sie gesandt in den Kampf,
[Vers 125]     Härmt sich ab vereinsamt.

Der Chorführer.

Nun, Perser, wohlan! hier setzen wir uns
An den alten Palast
Und pflegen mit Ernst tiefsinnigen Rat;
Denn drängend gebeut es die Not uns.
[Vers 130]     Wie mag es um ihn,
Um Xerxes steh'n, des Dareios Sohn,
Durch Pérseus unserem Stamme verwandt?
Ob über den Feind das geschnellte Geschoß,
Ob die Lanze den Sieg
[Vers 135]     Mit der eisernen Stirn sich erkämpfte?

(Aus der Pforte des königlichen Palastes wird Atóssa im höchsten Schmucke der Königin auf goldenem Throne herausgetragen; großes Gefolge.)

Der Chorführer.

Doch seht, wie den Augen der Götter entstrahlt
Ein Licht, hebt dort sich die Mutter des Herrn,
Sie, Königin uns! Ich sink' in den Staub.
Uns allen geziemt, sie demutvoll
[Vers 140]     Mit ehrendem Ruf zu begrüßen.

(Die Greise werfen sich nieder und berühren den Boden mit der Stirne, während die Königin den Wagen verläßt.)

Der Chor.

Tiefgeschürzter Perserfrauen hocherhab'ne Königin,
Du, des Xerxes greise Mutter, Heil dir, Heil, Dareios' Weib!
Gattin einem Gott der Perser, eines Gottes Mutter auch,
Wenn des Glückes alte Gottheit unser Heer jetzt nicht verließ!

Atossa.

[Vers 145]     Eben darum eilt' ich hierher aus des Hauses goldnem Thor,
Aus dem Schlafgemache, das ich mit Dareios einst geteilt.
Meine Brust durchbohrt die Sorge; laut vor euch verkündet hier
Sei das Wort, o Freunde, furchtlos bin ich keineswegs um mich,
Daß (o Leid!) der große Reichtum raschen Fußes mir das Glück
[Vers 150]     Stürzt in Staub, das einst Dareios aufgebaut mit Götterhuld.
Darum steht der Doppelspruch mir als bewährt im Herzen fest:
Weder ehrt jemand des Reichtums Fülle, die kein Mann vertritt,
Noch umstrahlt den Mittellosen seines Ruhms verdienter Glanz.
Tadellos glänzt unser Reichtum; um das Auge fürcht' ich nur:
[Vers 155]     Denn des Hauses Auge, mein' ich, ist die Gegenwart des Herrn.
Steht mir denn, nachdem des Himmels hoher Schluß es so gefügt,
Steht mit eurem Rat, o Perser, treue Greisenschar, mir bei!
Denn für alles, was mir anliegt, ruht in euch der beste Rat.

Der Chor.

Wisse, Königin des Landes, daß du nicht zum zweiten Mal
[Vers 160]     Uns zu Wort und That entbietest, wo die Kraft uns nicht gebricht.
Was du sagst, wir sind es wahrhaft: dein getreuergebner Rat.

Atóssa.

Zahllose Traumgesichte suchen jede Nacht
Mein Lager, seit mit aufgebot'ner Heereskraft
Mein Sohn Verheerung drohend zog in Héllas' Au'n.
[Vers 165]     Doch keines trat so deutlich noch vors Auge mir,
Wie das der jüngst entschwund'nen Nacht. Vernimm es denn!
Zwei Frau'ngestalten schienen mir vors Angesicht
Zu treten, beide reichgeschmückt, in persischen
Gewanden diese, jene trug ein Dórerkleid.
[Vers 170]     Hoch ragten sie vor Frauen dieser Zeit hervor
An Wuchs und tadellosem Reiz. Desselben Stamms
Geschwistern, fiel der einen durch des Loses Wurf
Héllas, der andern Pérsis' Land als Erbe zu.
Die beiden, eifernd, also schien's im Traume mir,
[Vers 175]     Entzweien sich und hadern. Und mein Sohn vernimmt's,
Hemmt sie, besänftigt ihren Groll und schirrte sie
Vor seinen Wagen, legte dann des Joches Last
Auf ihren Hals. Die eine, stolz auf diesen Schmuck,
Bot gern den leichtbeherrschten Mund dem Zaume dar;
[Vers 180]     Die andre hob sich ungestüm, zertrümmerte
Das Roßgeschirr mit den Händen, warf die Zügel ab,
Und rafft es fort gewaltsam und zerbricht das Joch.
Da stürzte Xérxes, und Daréios trat hinan,
Sein Vater, ihn bejammernd. Kaum erblickte den
[Vers 185]     Mein Sohn, zerriß er sein Gewand am Leib umher.
Dies Traumgebilde sah ich dir in jüngster Nacht.
Dann, als ich aufstand und die Hand mit laut'rer Flut
Des Quells befeuchtet, trat ich samt der Priesterschar
Mit Opferkuchen für die fluchabwehrenden
[Vers 190]     Gottheiten zum Altare, wie's der Brauch gebeut.
Und einen Adler seh' ich auf des Phöbos Herd
Sich flüchten: – lautlos, Freunde, stand ich da vor Angst: –
Dann sah ich einen Falken, der in raschem Flug
Auf ihn heranstürmt und mit scharfen Klau'n sein Haupt
[Vers 195]     Zerrauft. Der Adler duckte sich nur scheu und gab
Den Rücken preis. Ein Grausen war mir das zu seh'n,
Wie euch zu hören. Denn ihr wisset wohl: gewinnt
Mein Sohn den Sieg, preist ihn bewundernd alle Welt;
Wo nicht, so – gibt er keine Rechenschaft dem Volk,
[Vers 200]     Und wohlbehalten ist er hier wie früher Herr.

Der Chor.

Weder allzusehr beängsten, Mutter, soll dich unser Wort,
Noch dich allzusicher machen. An die Götter wende dich,
Flehe, daß sie's gnädig wehren, wenn du Grauenvolles sahst,
Und das Gute nur gewährend, segnen dich und deinen Sohn
[Vers 205]     Und das Reich und alle Treuen. Spende dann Trankopfer auch
Für das Erdreich und die Toten; flehe, daß mit holdem Sinn
Dein Gemahl Dareios, der dir, sagst du, nachts im Traum erschien,
Gutes aus der Erde Tiefen sende dir und deinem Sohn,
Doch das Leid in Dunkel hülle, tiefgebannt im Erdenschoß!
[Vers 210]     So mit ahnungsvollem Geiste rat' ich treuergeben dir;
Doch vertrau'n wir, daß ein Gott dies alles wohl zum Ziele lenkt!

Atossa.

Freundlich sprachest du, der erste Deuter dieses Traumgesichts,
Meinem Sohn und meinem Hause hier ein wohlbewährtes Wort.
Mag sich denn, was frommt, erfüllen! Alles, wie's dein Rat gebeut,
[Vers 215]     Bringen wir sofort den Göttern und den teuren Schatten dar,
Wenn das Haus uns wieder aufnahm. Doch erfahren möcht' ich noch,
Wo in aller Welt, o Freunde, sagt man, liegt die Stadt Athén?

Der Chor.

Ferne, wo des Sonnenherrschers letzter Strahl in Nacht erlischt.

Atossa.

Dennoch trug mein Sohn Verlangen, diese Stadt zu bändigen?

Der Chor.

[Vers 220]     Fiele sie, ganz Hellas wäre dann dem König unterthan.

Atossa.

Hegt sie denn in ihren Mauern solch gewalt'ge Kriegerzahl?

Der Chor.

Und ein Heer, das vieles Leid schon angethan dem Médervolk.

Atossa.

Welches andre Gut beglückt sie? Wohnt des Reichtums Fülle dort?

Der Chor.

Silber quillt, ein Schatz des Landes, aus der Erde reichem Schoß.

Atossa.

[Vers 225]     Glänzt des straffgespannten Bogens scharf Geschoß in ihrer Hand?

Der Chor.

Nein, sie führen hohe Lanzen und gewölbter Schilde Wehr.

Atossa.

Wer gebeut als Völkerhirte, wessen Wort beherrscht das Heer?

Der Chor.

Keinem Mann zu Dienst verpflichtet heißen sie noch unterthan.

Atossa.

Wie besteh'n sie dann den Fremdling, der ihr Land als Feind bedroht?

Der Chor.

[Vers 230]     Also, daß sie einst Dareios' großes, schönes Heer vertilgt.

Atossa.

Traurig Wort für eine Mutter, die des fernen Sohns gedenkt!

Der Chor.

Ahn' ich recht, erfährst du sogleich alles wahrhaft und genau.
Denn der Mann dort wird als Perser am behenden Lauf erkannt.
Und er bringt uns sichre Kunde, gut zu hören oder schlimm.

(Ein Bote kommt.)

Der Bote.

[Vers 235]     Weh euch, des ganzen Asia's Burgfesten ihr,
Weh, Perserland, des stolzen Reichtums weiter Port!
Wie ist in einem Schlage doch das große Glück
Vernichtet, Persis' Blüte welkt dahingestürzt!
Fluchvolles Amt, des Fluches erster Bote sein!
[Vers 240]     Und doch – die Not will, daß ich euch das ganze Leid
Enthülle, Perser: ganz vertilgt ist euer Heer!

Erster Halbchor.

Erste Strophe.

Traurig, o traurig, unerhört grimmig Leid!
O weint, Perser, weint über die schwere Kunde!

Der Bote.

Wie fand doch alles, alles dort den Untergang!
[Vers 245]     Den Tag der Heimkehr schau' ich selber unverhofft.

Zweiter Halbchor.

Erste Gegenstrophe.

Wahrlich zu lange währte dies Leben mir,
Um solch niegeahnt Leiden, ein Greis, zu hören!

Der Bote.

Und als ein Augenzeuge, nicht aus andrer Mund
Verkünd' ich euch, o Perser, was uns Schweres traf.

Erster Halbchor.

Zweite Strophe.

[Vers 250]     Wehe! Vergeblich, daß
So viel Geschosse buntgedrängt
Stolz aus Asia's Reich sich stürzten
Auf dich, göttliche Hellas!

Der Bote.

Bedeckt mit Leichen kläglich Hingemordeter
[Vers 255]     Sind Sálamis' Felsufer und die Gau'n umher.

Zweiter Halbchor.

Zweite Gegenstrophe.

Wehe! Gestürzt ins Meer,
Ein Spiel der Wogen, blutgefärbt,
Treiben, sagst du, der Freunde Leichen
Tot auf Trümmern der Schiffe?

Der Bote.

260 Nicht schützte Pfeil und Bogen; nein, das ganze Heer
Erlag, bewältigt in der Schiffe wildem Kampf.

Erster Halbchor.

Dritte Strophe.

Hebt über euch Unselige
Des Weh's angstvollen Ruf!
Denn, ach! Leid häuften uns auf Leid
[Vers 265]     Durch des Heers Untergang die Götter!

Der Bote.

O Salamis, o Name, tiefverhaßt dem Ohr!
Weh dir, mit welchem Jammer denk' ich dein, Athen!

Zweiter Halbchor.

Dritte Gegenstrophe.

Wohl ist Athen der Feinde Fluch!
Und allzeit denk' ich sein,
[Vers 270]     Das so viel Perserfrauen, voll
Blinder Wut, Söhne, Gatten raubte!

Atossa.

Schon lange schweig' ich Arme, durch das schwere Leid
Betäubt: so ungeheuer ist das Mißgeschick,
Und drängt zurück die Rede, hemmt der Frage Lauf.
[Vers 275]     Doch muß der Mensch die Schmerzen, die der Götter Rat
Verhängt, ertragen. Ganz enthülle denn das Leid,
Und ob das Herz auch seufze, dennoch sprich gefaßt:
Wer blieb am Leben? Welchen Fürsten müssen wir
Betrauern? Wer mit hohem Feldherrnstabe fiel
[Vers 280]     Und ließ die führerlose Schar verwaist zurück?

Der Bote.

Er selbst, der König Xerxes, lebt und schaut das Licht.

Atossa.

Dies Wort verkündet meinem Haus ein großes Heil,
Verkündet sonnenhellen Tag nach düst'rer Nacht!

Der Bote.

Doch auf Silénia's rauhen Strand geschleudert, fiel
[Vers 285]     Der zehentausend Reiter Fürst, Artémbares.
Von Speereswurf getroffen, flog behenden Sprungs,
Der tausend führte, Dádakes, aus hohem Schiff,
Und Ténagon, der Baktrer kühnster Heldensohn,
Wohnt jetzt in Ájas' meerumrauschtem Inselland.
[Vers 290]     Liläos und Argéstes, auch Held Ársames,
Zerschellten sterbend an des taubennährenden
Eilandes hartem Felsenriff die tapfre Stirn.
Dann, der an Néilos' Quellen wohnt', Ägyptens Sohn,
Arktéus, Adéues und der schildgewappnete
[Vers 295]     Pharnúchos, stürzten alle drei aus einem Schiff.
Matállos dann aus Chrýsa, der im Feld voran
Drei Myriaden schwarzer Reiterei gebot,
Er färbte sterbend mit des Blutes Purpurrot
Den blonden Bart, den dichtgelockten, schattigen.
[Vers 300]     Der Mager Árabos, Ártames der Baktrier,
Ging unter, angesiedelt dort im rauhen Grund.
Améstris und Amphístres, der die Lanze schwang
Als Held, und Ariomárdos, dem der Sárder Volk
Nachweint, dem Edeln, Séisames der Myser auch,
[Vers 305]     Und Thárybis, der fünfmalfünfzig Schiffen dort
Gebot, aus Lýrna's Volke, schön vor allen einst,
Liegt nun von unheilvollem Tod hinweggerafft.
Auch der an Mute keinem wich, Syénnesis,
Kilíkia's Beherrscher, der allein dem Feind
[Vers 310]     Die größte Not bereitet, starb glorreichen Tod.
Dies waren Feldherr'n alle, die ich dir genannt:
Doch aus dem vielen Leide that ich wenig kund!

Atossa.

Weh, weh! Der Leiden höchstes hast du mir enthüllt,
Der Perser Schmach, den Jammer, lauter Klage wert!
[Vers 315]     Doch zum Beginne wiederum zurückgewandt,
Sprich, welche Zahl von Schiffen sandte Hellas aus,
Daß sie die Kühnheit hatten, mit dem Perserheer
Sich stolz zu messen in der Schiffe wildem Kampf?

Der Bote.

Nach ihrer Menge sollte wohl die Persermacht
[Vers 320]     Den Sieg gewinnen. Denn in Hella's Volk betrug
Die ganze Zahl der Schiffe zehnmaldreißig nur,
Von zehn erles'nen überdem noch eine Schar.
Dem Xerxes aber folgte, wie ich selbst geseh'n,
Ein Heer von tausend Schiffen und schnellsegelnde
[Vers 325]     Zweihundertsieben. Also war der Schiffe Zahl.
Nun, waren wir wohl etwa hier die Schwächeren?

Atossa.

So war's ein Gott, der unsre Heere niederwarf,
Der nicht in gleichen Schalen uns zuwog das Glück!

Der Bote.

Der Göttin Pállas Feste schirmt der Götter Huld!

Atossa.

[Vers 330]     So steht Athénä's Feste denn noch unbesiegt?

Der Bote.

Wohl; ihrer Männer Tugend ist ein sichrer Wall!

Atossa.

Doch wie begann der Schiffsgeschwader Fehde? Sprich.
Wer fing die Schlacht an? War es Hellas' Volk vielleicht,
War's Xerxes, kühn vertrauend auf der Schiffe Zahl?

Der Bote.

[Vers 335]     Des ganzen Leids Urheber war ein feindlicher
Fluchgott, ein Dämon, Herrin, der im Zorn erschien.
Ein Mann aus Hellas' Volke kam vom Heer Athens
Daher zu Xerxes, deinem Sohn, und meldete,
Sobald die Nacht in schwarzem Dunkel angenaht,
[Vers 340]     Nicht säumten Hellas' Söhne dann, nein, würden flugs
An Bord sich stürzen, andre je auf anderm Weg
Das Leben sich zu retten in geheimer Flucht.
Als Xerxes das vernommen, gleich (er ahnte nicht
Den Trug des fremden Mannes noch der Götter Neid)
[Vers 345]     Verkündet er der Schiffe Führern allzumal:
Wann Hélios der Erde seiner Flamme Strahl
Entrückt und Dunkel eingehüllt des Äthers Hain,
Dann soll' ein Schiffsgeschwader in drei Ordnungen
Ausgang' und Pfade hüten, die das Meer durchzieh'n,
[Vers 350]     Und andre rings um Ájas' Inselland sich reih'n;
Entrönnen Hellas' Söhne dann dem Untergang,
Ausweg gewinnend etwa durch geheime Flucht,
So büße jeder Führer ihm mit seinem Haupt.
So sprach er stolz in allzukühner Zuversicht;
[Vers 355]     Ihm ahnte nicht, was Götter über ihn verhängt.
Die Männer, wohlgeordnet flugs, bereiteten
Das Mahl, gehorsam seinem Ruf, und jeglicher
Der Fergen band sein Ruder um den Riemenpflock.
Doch als der Sonne jüngster Strahl erloschen war
[Vers 360]     Und Nacht heraufzog, eilte, was die Ruder schwang
Und was die Waffen führte, nach dem Schiffe hin,
Und einem Schiffsgeschwader rief das andre zu.
Sie fahren, sowie jeder angewiesen war;
Die ganze Nacht durch halten auf rastloser Fahrt
[Vers 365]     Der Schiffe Führer alles Volk im Dienste wach.
Die Nacht entschwand, und wahrlich Hellas' Kriegerheer
Versuchte nirgend insgeheim davonzuflieh'n.
Doch als der Tag auf glänzendweißem Roßgespann
Die ganze Landschaft sonnenhell erleuchtete,
[Vers 370]     Da scholl von Hellas' Volke Lärm wie freudigen
Gesanges heller Jubel, und mit lautem Ruf
Vom Felseneiland jauchzte nach der Widerhall.
Furcht überkam der Perser Herzen allzumal,
Die so getäuscht sich sahen; denn nicht als zur Flucht
[Vers 375]     Erhoben Hellas' Söhne stolzen Schlachtgesang,
Nein, kühn zum Kampf zu stürzen heißentbrannten Muts,
Und alles dort entflammte Kriegsdrommetenschall.
Sofort die Woge schlugen sie mit rauschender
Seeruder gleichgemess'nem Schwung dem Takte nach;
[Vers 380]     Da tauchten alle plötzlich auf vor unserm Blick.
Voran in wohlgeschloss'nen Reih'n erschien zuerst
Der rechte Flügel, hinter ihm in stolzem Zug
Die ganze Flotte; ringsumher erscholl zugleich
Vielfacher Ruf: »Auf, Hellas' Söhne, stürmt zur Schlacht,
[Vers 385]     Befreit die Vatererde, Kinder, Gattinnen,
Befreit der Heimatgötter alten Sitz, befreit
Der Ahnen Gräber! Jetzt um alles gilt der Kampf!«
Nun auch von uns, von Perserzungen wogte laut
Geschrei entgegen; nimmer war zu säumen Zeit.
[Vers 390]     Schiff bohrt' in Schiff den erzbewehrten Schnabel ein;
Es war ein Schiff aus Hellas, das den Sturm begann
Und einem Tyrer allen Schmuck vom Steuer brach.
Nun stürmte jeder Führer auf ein andres Schiff.
Anfänglich hielt des Perserheeres Woge stand;
[Vers 395]     Doch als in engem Raume dicht der Kiele Schwarm
Sich drängte, keiner keinem mehr zu Hilfe war,
Sie selbst mit eigner Schnäbel erzbewehrtem Zahn
Sich schlugen, da zerbrachen alle Ruderreih'n,
Und Hellas' Schiffe stürmten wohlbedächtig an,
[Vers 400]     Ringsher um uns sich werfend; unsrer Schiffe Rumpf
Schlug um, die See war nirgend mehr sichtbar dem Blick,
Von Wrack und Scheitern wimmelnd und Erschlagenen,
Und Leichen deckten Klippen und Gestad' umher.
Verworren fliehend stürmten nun die Schiffe fort,
[Vers 405]     Soviel noch übrig waren aus dem Perserheer.
Doch jene schlugen, spießten sie, Thunfischen gleich
Und anderm Netzesfange, mit zerbrochenem
Gebälk' und Rudertrümmern; Angstgeschrei zugleich
Durchscholl mit bangem Wehgeheul weithin das Meer,
[Vers 410]     Bis uns das Auge schwarzer Nacht dem Feind entzog.
Des Leides Fülle, wenn ich auch zehn Tage noch
Dir forterzählte, nimmermehr erschöpft' ich sie;
Denn glaube, niemals wurde noch an einem Tag
Solch ungeheure Menschenzahl des Todes Raub!

Atossa.

[Vers 415]     Weh uns! Ein Meer von Leiden brach mit Macht herein
Auf Persis' Land und alle Völker Asia's.

Der Bote.

Doch wisse, noch nicht wurde dir die Hälfte kund.
Ein andres jammervolles Leid kam über sie,
Das jenes zwiefach überwog mit seiner Last.

Atossa.

[Vers 420]     Und welches Unheil wäre denn noch feindlicher?
Sprich, welches andre Mißgeschick traf Persis' Heer,
Das tiefer noch des Leides Schale niederzog?

Der Bote.

Die Perser alle, die geblüht in Jugendkraft,
An Mut die kühnsten, an Geschlecht die edelsten,
[Vers 425]     Dem König selbst am treusten allzeit zugethan,
Sie gingen schmachvoll unter in ruhmlosem Tod.

Atossa.

O Freunde, weh mir Armen! Unglückselig Los!
Und welch ein Todesschicksal, sprich, entraffte sie?

Der Bote.

Es liegt ein kleines Inselland vor Salamis,
[Vers 430]     Von rauher Anfurt, wo der reigenfrohe Pan
Unfern dem steilen Meeresstrand zu wandeln liebt.
Dahin entbot sie Xerxes, daß, sobald der Feind
Zur Insel sich aus lecken Schiffen rettete,
Sie leichten Fangs erschlügen Hellas' Heeresmacht,
[Vers 435]     Den Freunden aber hülfen aus der Meeresfurt:
Was kommen sollte, sah er schlecht! Denn als ein Gott
Im Kampf der Schiffe Hellas' Volk den Sieg verlieh,
Da stürzten sie desselben Tages noch, mit Erz
Umgürtet, aus den Schiffen und umschlossen rings
[Vers 440]     Das Inselland, die Perser wußten keinen Rat,
Wohin sich wenden? Aus den Händen prasselten
Felsstücke ringsher nieder, und vom Sehnendraht
Des Bogens schwirrten Pfeile rings und mordeten.
Zuletzt heran sich stürzend all' in einem Strom,
[Vers 445]     Zerhaut, verstümmelt Hellas' Volk die Elenden,
Bis aller Leben grausam hingemordet war.
Des Leides Tiefe sehend, schrie der König auf;
Denn oben saß er, weitgeseh'n von allem Volk,
Auf steilen Hügels Höhe, nah' am Meeresstrand.
[Vers 450]     Und sein Gewand zerreißend, stöhnt' er laut empor,
Gebot der Landmacht ungesäumt Aufbruch und floh
Voraus in ordnungsloser Flucht. Das ist das Leid,
Das du zum ersten Leide noch beklagen mußt.

Atossa.

Verhaßter Dämon, wie betrogst du Persis' Volk!
[Vers 455]     Wie bitter wurde meinem Sohn die Rache doch
An Pállas' hohem Volke! Nicht genügte, was
Von Persis' Heeren Márathon hinweggerafft!
Ihr Blut zu rächen hoffte jetzt mein Sohn und zog
So schweren Jammers Übermaß auf sich herab!
[Vers 460]     Doch sprich, die Schiffe, die dem Untergang entfloh'n,
Wo blieben diese? Weißt du mir genau Bescheid?

Der Bote.

Der Schiffe Führer, welche sich gerettet, floh'n,
Dem Winde folgend, ungestüm in wilder Flucht.
Des Heeres Rest ging unter im Böóterland;
[Vers 465]     Ein Teil erlag am silberhellen Labequell,
Vor Durst verschmachtend; wir, von atemlosem Lauf
Erschöpft, gelangten fliehend in der Phóker Land,
In Dóris' Auen und zu Mélis' Busen, wo
Spercheíos' Flut die Gauen mildbefruchtend tränkt.
[Vers 470]     Sofort von hier aus nahmen uns Thessália's
Gefild', Achäa's Fluren auf, da Speisen uns
Bereits gebrachen; dort erlag der größ're Teil
Dem Durst, dem Hunger; denn vereint war beides hier.
Magnésia's Gefilde dann erreichten wir
[Vers 475]     Und Makedónia's, auch die Furt des Áxios,
Auch Bólbe's sumpfig Röhricht, auch Pangäos' Berg
Im Land Edónis. Doch in dieser Nacht erregt
Ein Gott zur Unzeit Wintersturm, in Eis erstarrt
Ringsher des Strýmon heilig Bett, und wer zuvor
[Vers 480]     Die Götter nichts geachtet, rief mit einem Mal
In tiefer Andacht betend Erd' und Himmel an.
Nachdem das Heer die Götter brünstig angefleht,
So schritt's hinüber durch den eisumstarrten Strom.
Und jeder war gerettet, der zum Strande kam,
[Vers 485]     Bevor des Gottes Strahlen sich verbreiteten.
Denn Hélios, in flammenheller Scheibe Glanz,
Schmolz bald des Eises Decke durch mit heißer Glut.
Jetzt auf einander stürzten sie; traun! glücklich war,
Wem schnell in kurzem Kampfe riß des Lebens Hauch.
[Vers 490]     Die, welche noch nachblieben und sich retteten,
Durchwandern Thráke mühevoll mit vieler Not
Und nah'n, dem Tod entflohen, keine große Zahl,
Dem Herd des Heimatlandes, daß die Perserstadt
Sehnsüchtig um des Landes schönste Blüte klagt.
[Vers 495]     Das ist die Wahrheit; doch verschwieg ich vieles noch
Des Leides, das den Persern auferlegt ein Gott.

Der Chor.

O grauser Gott, mit allzuschwerem Tritte sprang
Dein Fuß auf Persis' Nacken, traf mein ganzes Volk!

Atossa.

Ich Arme, weh mir! Hingemordet schwand das Heer!
[Vers 500]     O klares Traumbild, aufgeblitzt in düstrer Nacht,
Wie deutlich hast du Böses mir geoffenbart!
Ihr aber hattet seinen Sinn ganz falsch erkannt.
Indessen, weil es euer Wort also bestimmt,
Ruf' ich vor allem im Gebet die Götter an;
[Vers 505]     Dann hol' ich Opferbrote mir aus meinem Haus,
Den Abgeschiednen und der Erd' als Weihgeschenk.
Zwar weiß ich, ändert keine Kunst Vergangenes,
Doch für die Zukunft frommen uns die Gaben wohl.
Ihr aber müßt im Leide, das uns niederbeugt,
[Vers 510]     Getreu mit treuem Rate mir zur Seite steh'n;
Und wenn der König etwa kommt, bevor ich selbst
Erscheine, tröstet, leitet ihn ins Haus hinein,
Damit er nicht zum Leide neues Leid gesellt!

( Atossa mit dem Boten und Gefolge ab.)

Der Chor.

Allwaltender Zeus, nun hast du das Heer,
[Vers 515]     Das trotzig, unzählbar zog in den Kampf,
Uns Persern vertilgt,
Hast Susa's, hast Ekbátana's Burg
In nächtliche Trauer begraben!
O wie manche der Frau'n, mit zärtlicher Hand
[Vers 520]     Sich den Schleier vom Haupt abreißend, benetzt,
Von dem Jammer gebeugt,
Mit strömender Zähre den Busen!
Manch persisches Weib, in sehnendem Gram
Süßklagend um ihn, dem sie kaum sich vermählt,
[Vers 525]     Und des duftenden Lagers Wonnegenuß,
Dem Entzücken der Jugend, schmerzlich entrückt,
Seufzt auf in unendlicher Trauer.
Auch mein Lied strömt in Klage sich aus
Um das Jammergeschick der Gefall'nen.

Erster Halbchor.

Erste Strophe.

[Vers 530]     Denn jetzt klagt die ganze Asia,
Das weite menschenöde Land:
»Weh, Xerxes führte sie dahin,
Weh, Xerxes gab sie dem Tode hin!
Ja, Xerxes schuf all dieses Leid, der Thor,
[Vers 535]     Mit der Schiffe stolzem Zug!
Ach, warum beherrschte so
Sonder Harm Dareios einst
Sein Volk, Herrscher des Bogens,
Susa's teurer Gebieter?«

Zweiter Halbchor.

Erste Gegenstrophe.

[Vers 540]     Landheer zog und Seevolk aus zum Kampf;
Die leinbeschwingten, dunkelen
Meerschiffe trugen's, ach, dahin,
Meerschiffe trugen's zum Tode hin,
Meerschiffe, mit des Todes Zahn bewehrt!
[Vers 545]     Kaum entrann der König selbst
(Wie die Sage mir erzählt)
Aus der Ióner Händen, floh
Durch Blachfelder von Thrake
Auf Sturmpfaden des Winters.

Erster Halbchor.

Zweite Strophe.

[Vers 550]     Jene, zu bald in den Tod
(Ach!)
Hingerafft vom Geschicke
(O Leid!)
Um Kychreía's Gestade,
Sind hin! Klage, mein Herz, und traure!
In den Äther schalle
[Vers 555]     Des Schmerzes Schrei,
(O Gram!)
Hebt mit Geheul, Gewinsel
Den Angstruf unsel'gen Jammers!

Zweiter Halbchor.

Zweite Gegenstrophe.

Treibend in wirbelnder Flut,
(Ach!)
Hascht des heiligen Meeres
(O Leid!)
[Vers 560]     Stumme Brut und zerfleischt sie.
Einsam trauert dem Herrn das Haus nach;
Der verwaiste Vater,
Der arme Greis,
(O Gram!)
Jammert in wildem Schmerze,
[Vers 565]     Ihm ward nun das ganze Leid kund.

Erster Halbchor.

Dritte Strophe.

Asia's Völker, sie beugen
Nimmer hinfort sich dem Perser;
Nicht, den Geboten des Zwanges
Huldigend, zollen sie Schoßgeld,
[Vers 570]     Nicht, zur Erde sich werfend,
Frönen sie mehr; denn des Königs
Scepter zerbrach im Staube.

Zweiter Halbchor.

Dritte Gegenstrophe.

Nimmer hinfort wird der Menschen
Zunge bewacht; denn gelöst nun
[Vers 575]     Reden die Völker sich frei aus,
Da die Gewalt sich gelöst hat.
Auf bluttriefender Erde,
Ájas' umflutetem Eiland,
Modert das Glück der Perser.

( Atóssa kommt zu Fuße, ohne den königlichen Schmuck, gefolgt von wenigen Dienerinnen, welche Grabesspenden tragen.)

Atossa.

[Vers 580]     O Freunde, wer im Leide vielerfahren ist,
Der weiß es, wie den Menschen, wann der Wogensturm
Des Leids hereinbrach, alles Furcht zu wecken pflegt
Und daß sie hoffen, wenn der Hauch des Glückes weht,
Derselbe Fahrwind wehe bis zum Ziele fort.
[Vers 585]     Auch mir erscheint jetzt alles voll von Schrecknissen;
Mein Auge sieht der Götter Strafgerichte droh'n;
Laut gellt's in meinen Ohren nicht wie Siegeshall.
So hat des Leids Entsetzen mich mit Angst betäubt.
Drum kam ich dieses Weges ohne Wagenschmuck,
[Vers 590]     Des alten Prunks entledigt, vom Palast zurück,
Dem Vater meines Sohnes frommen Opfertrank
Zu spenden, der die Toten mild besänftiget:
Von unberührter Stärke weiß die Labemilch,
Den Tau der Blütenfreundin, hellen Honigseim,
[Vers 595]     Jungfräulichlautern Bornes frischgeschöpftes Naß,
Dann, wie dem wilden Mutterstock er einst entsprang,
Der alten Rebe goldnen unvermischten Trank,
Des gelben Ölbaums düftereiche Frucht zugleich,
Der stets im Blätterschmucke grünt und Leben sproßt,
[Vers 600]     Und reicher Erde Kinder hier, den Blumenkranz.
Wohlan, o Freunde, stimmet ihr ein frommes Lied
Zu meinem Totenopfer an und ruft empor
Daréios' Schatten; ich indessen spende dort
Der Unterwelt Gottheiten diesen Ehrentrank.

(Während des folgenden Gesanges begibt sich Atossa zu dem Grabmal des Dareios; die Dienerinnen folgen.)

Der Chor.

[Vers 605]     O Königin, erste von Pérsis' Frau'n,
Auf, sende den Gruß in der Erde Gemach:
Wir flehen indes im Gesange sie an,
Uns gnädig zu sein,
Die Geleiter der Toten im Hádes!
[Vers 610]     Ihr heiligen Götter des Abgrunds, Ge
Und Hérmes und du, der die Schatten beherrscht,
O sendet empor an die Sonne den Geist!
Denn weiß er im Leid noch weiteren Rat,
Er verkündet allein uns das Ende.

( Atossa spendet am Grabmal, während die folgenden Strophen gesungen werden.)

Erster Halbchor.

Erste Strophe.

[Vers 615]     Hörst du mich, Herr, seliger Geist, hörst du mich, gottähnlicher Fürst,
Wie ich in der Heimat
Lauten sende zu dir hinab
Den helljammernden Klageruf?
Bittern Schmerzes Schrei
[Vers 620]     Heb' ich ohn' Ende:
Du dort unten, vernimmst du's?

Zweiter Halbchor.

Erste Gegenstrophe.

Höre mich, Ge! Höret, ihr Gottheiten der Nacht, waltend im Grab!
Lasset den erhab'nen
Geist empor aus den Gräbern zieh'n,
625 Susa's Sprößling, den Persergott!
Sendet ihn ans Licht!
Keinen ihm gleichen
Barg ein persisches Grab noch.

Erster Halbchor.

Zweite Strophe.

Teuerstes Haupt! Teuerstes Grabmal!
[Vers 630]     Denn ein teures Herz verbirgst du.
Aïdóneus, o geleit' ihn empor, mächtiger Nachtgott,
Ihn, den alleinigen Schrecken der Feinde!

Zweiter Halbchor.

Zweite Gegenstrophe.

Nicht in den Tod gab er die Männer,
In des Kriegs zermalmend Unheil,
[Vers 635]     Und ein Gottweiser genannt von dem Volk, war er in Wahrheit
Göttlich, er lenkte die Heere zum Glück einst.

Erster Halbchor.

Dritte Strophe.

O Bel, alter Gott, o Bel, komm, o komm!
Steige herauf zum Kranz des Grabes,
Mit der safranenen Goldsohle dich hebend,
[Vers 640]     In des Haupts stolzem Schmuck strahlend, der Königsbinde!
Vater Dareios, o komm, gütiger Fürst!

Zweiter Halbchor.

Dritte Gegenstrophe.

Vernimm neues Leid, des Volks herbes Los!
König des Königs, auf, erscheine!
Ein Gewölk, stýgischer Nacht Grauen, umschwebt uns:
[Vers 645]     In den Staub sank, im Grab modert des Landes Blüte.
Vater Dareios, o komm, gütiger Fürst!

Der ganze Chor.

Schlußgesang.

Weh, weh! Du schiedst,
Ewigbeweint von den Deinen, hinab!
Wer, wenn, o Herr, dein Herrscherstab noch
[Vers 650]     Waltete, klagte dann
Um solchen Weh's zwiefachen Schlag,
Der Persis' Land schlug?
Hin sind die gewaltigen Schiffe,
Treiben entmastet, entmastet!

(Aus der stygischen Pforte schwebt der Geist des Dareios herauf und schreitet auf die Höhe seines Grabes; die Greise sinken auf die Kniee.)

Dareios.

[Vers 655]     Der Treuen Treuste, Freunde meiner Jugend einst,
Ihr greisen Perser, welches Leid bedrängt die Stadt?
Wild hallt von Schlägen, auseinander reißt der Grund.
Mit Schrecken seh' ich mein Gemahl am Grabe hier;
Doch ihre Spenden nahm ich wohlgefällig auf.
[Vers 660]     Ihr aber drängt euch weinend her um meine Gruft
Und ruft mich jammernd unter geisterbannenden
Wehklagelauten; doch der Weg zum Sonnenlicht
Ist immer schwierig, und der Todesgötter Fürst
Empfängt begierig seinen Raub und läßt ihn nicht.
[Vers 665]     Doch auch im Hades Herrscher noch, erschein' ich schnell,
Damit der Säumnis wegen mich kein Tadel trifft.
Welch neues Unheil lastet auf der Perser Volk?

Erster Halbchor.

Strophe.

Mich erfüllt Scheu vor dem Anblick,
Mich erfüllt Scheu, und in Ehrfurcht
[Vers 670]     Vor dem alten Gebieter verstumm' ich.

Dareios.

Weil ich, folgsam deinem Wehruf, aus der Tiefe stieg ans Licht,
Melde denn in kurzer Rede, nicht in langgedehntem Wort,
Ohne Scheu vor meinem Antlitz, alles, was dein Herz beschwert.

Zweiter Halbchor.

Gegenstrophe.

Mir verbeut Furcht den Gehorsam,
[Vers 675]     Mir verbeut Furcht, dir ins Antlitz
Solch Leid zu verkünden, dem Freunde.

Dareios.

Weil die Scheu der alten Ehrfurcht euren Sinn gefesselt hält:
Auf, Genossin meines Lagers, greise, hochgeborne Frau,
Hemme du denn deine Thränen, deinen Schmerz, und ohne Hehl
[Vers 680]     Rede mir! Leicht überfällt wohl menschlich Leid die Sterblichen;
Viele Not auf Meeresfluten, viele Not zu Lande stürmt
Auf die Menschen, wenn in weite Ferne sich ihr Leben dehnt.

Atossa.

Du vor allen Erdensöhnen durch ein Segenslos beglückt,
Daß du neidenswert, solang dein Auge sah zum Sonnenlicht,
[Vers 685]     Selig, deinem Volk zum Heile, lebtest einem Gotte gleich!
Selig nun auch, daß du starbest, eh' du sahst den tiefen Fall!
Denn, Dareios, allen Jammer nenne dir ein kurzes Wort:
Nieder liegt, in Staub getreten, Persis' Macht! Du weißt es nun.

Dareios.

Wie? Hat Pest mein Volk geschlagen? Oder tobt Aufruhr im Land?

Atossa.

[Vers 690]     Nimmermehr! Die Stadt Athen war's, die vertilgt dein ganzes Heer.

Dareios.

Sage, wer von meinen Söhnen führte dorthinaus das Volk?

Atossa.

Xérxes: ungestümen Mutes leert' er alles feste Land.

Dareios.

Hat mit Landmacht oder Seevolk er den Zug gewagt, der Thor?

Atossa.

Beides: zwiefach Stirn und Antlitz zeigte sein zwiefältig Heer.

Dareios.

[Vers 695]     Wie hat solch zahlloses Landheer nur den Übergang vollbracht?

Atossa.

Künstlich band er Hélle's Fluten, schlug sich durch das Meer die Bahn.

Dareios.

Und gelang ihm das, verschloß er Bósporos' gewaltig Meer?

Atossa.

Wohl gelang's ihm, und ein Dämon, scheint es, half die That vollzieh'n.

Dareios.

Weh!
Mächtig stürmt' auf ihn ein Dämon und berückte seinen Geist.

Atossa.

[Vers 700]     Ja, der Ausgang lehrt (o Grauen!), welches Ziel der Frevel fand.

Dareios.

Welches Unglück denn betraf sie, daß ihr also seufzt und klagt?

Atossa.

Seine Seemacht riß das Landheer mit hinab in ihren Sturz.

Dareios.

Also ward die ganze Menge ganz hinweggerafft vom Speer?

Atossa.

Öde, tot sieht alle Gassen Susa's Burg und jammert laut –

Dareios.

[Vers 705]     Götter, ach! Solch edles Kriegsheer sank dahin, des Landes Wall!

Atossa.

Auch der Báktrer armes Volk fiel, keine wehrlos greise Schar.

Dareios.

Ha, der Thor! Welch tapfrer Jugend Blüte ward durch ihn geknickt!

Atossa.

Xerxes selbst, allein, verlassen, heißt es, nur mit wenigen –

Dareios.

Wie und wo hat er geendet? Gibt es Rettung noch für ihn?

Atossa.

[Vers 710]     Froh gelangt' er auf die Brücke, welche Land mit Land vereint.

Dareios.

Und betrat er wohlbehalten unser Festland? Ist es wahr?

Atossa.

Also melden sichre Kunden, und kein Zwiespalt waltet hier.

Dareios.

Wehe! Schnell hat sich des Schicksals Wort erfüllt, und meinem Sohn
Ward von Zeus verhängt das Ende dieses Spruchs; ich hoffte wohl,
[Vers 715]     Erst in später Zeit erfüllen werde dies der Götter Rat.
Aber wenn du's selbst beschleunigst, beut dir auch ein Gott die Hand:
Jetzo scheint den Meinen allen aufgethan des Jammers Born.
Doch mein Sohn, das nicht erkennend, trotzt' in keckem Jugendmut,
Der des heil'gen Hellespóntos stolze Flut in Fesselzwang
[Vers 720]     Sklavengleich zu ketten wähnte, Bosporos, des Gottes Strom,
Der den Pfad umschuf des Meeres, und mit erzgehämmerter
Bande Joch dem großen Heerzug kühn erschloß die große Bahn,
Der, ein Mensch, die Götter alle, ja Poséidon selbst, im Wahn
Blöden Muts zu meistern hoffte! Hatte nicht Wahnsinn den Geist
[Vers 725]     Meines Sohns umstrickt? Ich fürchte, mein so schwer errungner Schatz
Wird des kühnen Räubers Beute, den zuerst danach verlangt.

Atossa.

So zu thun, verlockte böser Freunde Rat den raschen Mut
Deines Sohns; sie sagten höhnend: deinen Kindern habest du
Reichen Schatz im Krieg errungen; aber er in feigem Sinn
[Vers 730]     Spiele Krieg daheim und mehre seines Vaters Erbe nicht.
Solchen Vorwurf hörte Xerxes oft aus böser Freunde Mund;
Da beschloß er diesen Heerzug, stürzte sich auf Héllas' Volk.

Dareios.

So wurde denn das ungeheure Werk von ihm
Vollführt, das ewiggrause, wie kein anderes
[Vers 735]     Zerstörend Susa's Feste noch verödete,
Seit Zeus, der Herrscher, dieses Amt verordnet hat,
Daß über Ásia's ganzes herdenreiches Land
Ein Mann gebietend walte mit des Rechtes Stab.
Ein Méder war des Volkes erster Heeresfürst:
[Vers 740]     Sein Sohn nach ihm vollführte dieses große Werk;
Denn heller Sinn war seines Geistes Steuermann.
Als dritter folgte Kýros ihm, des Glückes Sohn,
Der seinen Völkern allzumal den Frieden gab.
Der Lýder Land gewann er und der Phrýger Volk
[Vers 745]     Und unterjochte mit Gewalt ganz Iónia.
Denn weil er klug war, zürnten ihm die Götter nicht.
Als vierter herrschte Kyros' Sohn in Pérsis' Volk.
Der fünfte Fürst war Mérdis, eine Schmach dem Land
Und seinem alten Throne, den mit arger List
[Vers 750]     Der edle Artaphérnes im Palast erschlug
Mit treuen Männern, denen das die Pflicht gebot.
Als sechster herrschte Máraphis, dann Artaphérn.
Auch ich gewann das Erbe, das ich mir gewünscht,
Und viele Kämpfe focht ich aus mit vielem Volk;
[Vers 755]     Doch lud ich solches Wehe nicht auf dieses Land.
Mein Xerxes, jung an Jahren, denkt noch jugendlich,
Bewahrte nicht im Herzen, was ich ihm gebot.
Denn, Freunde meiner Jugend, euch ist wohlbekannt,
Daß alle wir, die dieses Reiches Macht gelenkt,
[Vers 760]     Dem Volke solchen Jammer nicht bereiteten.

Der Chor.

Wie nun, Dareios, hoher Fürst? Zu welchem Ziel
Lenkt deine Rede? Wie vermag aus solcher Not
Der Perser Glück am schönsten wieder aufzublüh'n?

Dareios.

Wenn nicht in Hellas' Auen ihr zum Kampfe zieht,
[Vers 765]     Und wären Persis' Heere noch gewaltiger.
Denn selbst die Heimaterde kämpft im Bund mit ihm.

Der Chor.

Wie meinst du das? Mit welchen Waffen kämpft sie denn?

Dareios.

Sie schlägt mit Hunger, die sich allzutrotzig bläh'n.

Der Chor.

So senden wir ein auserlesen rüstig Heer.

Dareios.

[Vers 770]     Doch jenes Heer auch, welches noch in Hellas weilt,
Wird nie der Heimkehr frohen Tag erscheinen seh'n.

Der Chor.

Wie sagst du? Kehrt der Perser ganze Heeresmacht
Nicht aus Europa wieder heim durch Hélle's Sund?

Dareios.

Ein kleiner Teil von vielen, wenn man glauben darf
[Vers 775]     Dem Götterausspruch, den die That bisher bewährt;
Denn nicht das eine wird erfüllt, das andre nicht.
Und ist es so, ließ Xerxes, eiteln Hoffnungen
Vertrauend, dort ein auserles'nes Heer zurück.
Es lagert auf der Eb'ne, die Asópos' Flut
[Vers 780]     Benetzt, des Segens holder Born dem Théberland;
Wo (grause Schmach!) der Leiden höchstes ihrer harrt,
Des Übermuts, des gottvergess'nen Sinnes Lohn,
Die Hellas stürmend vor der Götterbilder Raub,
Dem Brand der Heiligtümer nicht erröteten.
[Vers 785]     Die Opferherde schwanden, Göttersitze sind
Tief aus den Gründen umgewühlt in wilden Schutt.
Für solche That denn müssen sie mit gleichem Maß
Jetzt und in Zukunft büßen; noch versiegte nicht
Der Quell des Unheils, immer noch taucht neues auf.
[Vers 790]     Denn solch ein Sühnungsopfer, blutigströmend, wird
Von Dórerlanzen auf Platäa's Feld gebracht;
Und Totenhügel werden bis ins dritte Glied
Lautlos der Enkel Augen einst verkündigen,
Daß Übermut dem Erdensohne nicht geziemt.
[Vers 795]     Denn aus der Hoffart Blüte sprießt als Ährenfrucht
Die Sünde, die mit thränenschwerer Ernte lohnt.
Erblickt ihr so des Übermutes Strafgericht,
So denkt an Hellas und Athen, und trachtet nicht
Nach fremden Schätzen und verstreut das eigne Glück,
[Vers 800]     Verschmähend, was euch heute zugeteilt ein Gott.
Wohl straft Kroníon allzukühnaufstrebenden
Hochmut und übt ein unerbittlich streng Gericht.
So leitet ihr denn meinen Sohn, der weisen Sinns
Bedarf, mit weisem Rate, daß er fürder nicht
[Vers 805]     Die Götter kränke durch vermess'nen Übermut.
Du, Xerxes' greise Mutter, geh' ins Haus zurück,
Wähl' einen Schmuck aus, Liebe, der dem Herrscher ziemt,
Und eil' entgegen deinem Sohn; denn Stücke nur
Des goldnen Kleides flattern um die Lenden ihm,
[Vers 810]     Das er zerriß in seines Unglücks herbem Schmerz.
Du mußt mit sanften Worten ihn begütigen;
Denn dich allein, ich weiß es, hört er willig an.
Ich scheide nun in dunkle Grabesnacht hinab.
Doch ihr, o Greise, lebet wohl; im Leide selbst
[Vers 815]     Gönnt eurer Seele frohen Mut an jedem Tag!
Beut doch der Reichtum keine Frucht dem Toten mehr.

(Verschwindet.)

Der Chor.

Viel Leides, das gekommen, das noch kommen wird,
Mein Volk zu beugen, hört' ich, ach, in tiefem Schmerz!

Atossa.

O Schicksal, endlos schwere Not kam über mich!
[Vers 820]     Doch tief vor allem schneidet mir das Leid ins Herz,
Des Sohnes Schmach zu hören, dem das Herrscherkleid,
Zerrissen, kaum die königlichen Glieder hüllt.
Wohlan, ich eile, hole mir im Hause Schmuck,
Und will's versuchen, meinem Sohn entgegengeh'n.
[Vers 825]     In Mißgeschick verlass' ich meine Liebsten nicht.

(Ab.)

Wechselgesang des Chores.

Erste Strophe.

Götter, ein strahlendes Los, ein geselliges,
Glückliches Leben im Staate beseligte
Dieses Volk, als der Greis,
Allengenügend und mild, den Unsterblichen gleich,
[Vers 830]     Nimmerbesiegt, im Land gebot, – Dareios!

Erste Gegenstrophe.

Groß in der Schlacht und verherrlicht im Ruhme des
Heeres, verwalteten wir in des heiligen
Rechtes Hut Stadt und Land.
Aus dem Gewühle der Schlachten in harmlosem Glück
[Vers 835]     Führte des Sieges Arm die Kämpfer heimwärts.

Zweite Strophe.

Wie viel Städte gewann er und wandelte nicht durch die Furten des Hálys,
Noch verließ er Súsa's Herd!
Auch die längs dem Strymonischen Meer, von den Wogen umspült, sich erheben,
Thráke's Thälern nahe,

Zweite Gegenstrophe.

[Vers 840]     Und die, ferne der See, sich im Schoße des Lands mit der Mauer umgürtet,
Folgten dieses Herrschers Wort,
Dann an dem Sunde der Helle die prangenden Städt' und die Bucht der Propóntis
Samt des Póntos Mündung,

Dritte Strophe.

Auch Eilande, von Fluten umrauscht an dem Vorstrand,
[Vers 845]     Nachbarinnen Ásia's,
Lésbos, dann, von Oliven umgrünt, die Gefilde von
Sámos, und Chíos und Páros und Mýkonos, Náxos und Ándros,
Dicht an Ténos' Mark gelehnt.

Dritte Gegenstrophe.

Ihm auch dienten die Inseln, verstreut an der Küste,
[Vers 850]     Lémnos' Au'n und Íkaros',
Rhódos und Knídos zugleich und die kyprischen Städte, die
Heilige Páphos und Sóloi und Sálamis, Tochter der Mutter,
Die das Leid uns jetzt gebar.

Schlußgesang.

Auch in der Ióner Gefilden die reichen gesegneten Städte, gedrängt von
[Vers 855]     Hellas' Volke bewohnt, zwang er mit weisem Sinn.
Und unermüdliche Kraft der Gewappneten, Helfer aus allen
Völkern standen ihm nahe.
Doch jetzt dulden wir das; so ward es gewandt von den Göttern: sie schlugen
Grau'nvoll uns mit des Krieges Not, des Meeres Unheil.

(Von der Seite der Fremde her vernimmt man Wehgeschrei; bald darauf erscheint Xérxes, von einigen Kriegern gefolgt, mit Bogen und Köcher um die Schultern.)

Xerxes.

Weh!
[Vers 860]     Ich Verlorener, daß dies feindliche Los
Ungeahnt mich ereilt mit zerschmetterndem Schlag!
Wie grausam wälzt sich des Schicksals Macht
Auf der Perser Geschlecht! Was beginn' ich? O Leid!
Mir schwindet erschöpft aus den Knieen die Kraft;
[Vers 865]     Denn ich sehe sie dort, die Getreuen der Stadt
In dem silbernen Haar: und die Jugend dahin!
Daß doch auch mich mit den Männern, o Zeus,
Die gefallen im Kampf, in die ewige Nacht
Einhüllte das Todesverhängnis!

Der Chor.

[Vers 870]     Weh, weh dir, o Fürst, um das tapfere Heer,
Um der Persergewalt hochstrahlenden Ruhm,
Um die Blume des Volks,
Die nun hinmähte das Schicksal!
Laut jammert das Land um die Jugend des Lands,
[Vers 875]     Die Áres erschlug, der Hades' Haus
Mit Persern erfüllt. Denn im Hádes wohnt
Das unzählbare Heer und die Blüte des Volks,
Mit dem Bogen bewehrt; denn es sanken in Staub
Von dem Heldengeschlecht Myriáden dahin.
[Vers 880]     Weh, weh um die herrliche Säule des Reichs!
Und Asia beugt, mein König und Herr,
Schmachvoll, schmachvoll sein Knie in den Staub.

Erste Strophe.

Xerxes.

Und ich Unseliger hier, weh!
Ich Armer, wie ward ich dem Volke zum Fluch
[Vers 885]     Und dem heimischen Land!

Der Chor.

Mein Willkommgruß zu der Heimkehr schallt,
Ein gramvoller Laut, ein schmerzvoller Ruf,
Wie des Mariandýners Klagegesang,
Von Thränen umströmt, dir entgegen!

Erste Gegenstrophe.

Xerxes.

[Vers 890]     Hebt an wehklagenden Jammers
Dumpfhallenden Laut: denn es stürmte der Zorn
Des Geschickes auf mich!

Der Chor.

Ich erhebe des Grams wehklagenden Laut,
Im Lied feiernd, ach! des Volks Leid zur See,
[Vers 895]     Das die Jünglinge schlug der bekümmerten Stadt:
Laut jamm're mein thränendes Klaglied!

Zweite Strophe.

Xerxes.

Der Hellene vertilgt' euch,
Der hellenische Áres,
Anstürmend in Schiffen;
[Vers 900]     Er mähte die nächtliche Flur,
Das Gestade des Todes.

Der Chor.

Weh! rufe laut und gib uns alles kund:
Wo blieb deiner Getreuen Schar,
Wo die Fürsten neben dir,
[Vers 905]     Dátamas, Pharándakes
Und Psámmis, Súsas, Pélagon, auch
Agdábatas, Susiskánes, der Held,
Der von Ekbátana kam?

Zweite Gegenstrophe.

Xerxes.

Tot ließ ich sie dort, sah
[Vers 910]     Aus dem tyrischen Schiffe
Sie stürzen am Strande
Von Salamis, sah sie zerschellt
An der zackigen Klippe.

Der Chor.

Weh! rufe laut: wo kam Pharnúchos hin,
[Vers 915]     Ariomárdos, der tapfre Held,
Wo der Fürst Seuálkes, wo
Weilt Liläos, edlen Stamms,
Wo Thárybis, Mémphis, Masístras, wo
Artémbares, wo Hystächmas? O sprich,
[Vers 920]     Gib es dem Fragenden kund!

Dritte Strophe.

Xerxes.

O weh, o Grau'n!
Nach dem grauen Athen, dem verhaßten,
Den Blick gewendet, niedergeschmettert zumal,
Die Armen, ach!
[Vers 925]     Liegen sie zuckend am Ufer alle.

Der Chor.

Und ließest du, ließest du dort auch
Dein treuestes Auge, den Feldherrn, der
Myriaden gebot, Myriaden,
Batánochos' Sohn, Alpístos,
[Vers 930]     Den gewaltigen Helden,
Der Sésamas und Mygábates
Als Ahnherrn zählt? Auch Párthos
Und den großen Öbáres? O schweres Geschick,
Leid über Leid dem stolzen Perservolk!

Dritte Gegenstrophe.

Xerxes.

[Vers 935]     Du weckst in mir
Sehnsucht nach den tapferen Freunden,
Dein Wort erweckt mir Leid, unermeßliches Leid.
Es stöhnt, es stöhnt
über dem Jammer das Herz im Busen.

Der Chor.

[Vers 940]     Und auch nach andern verlangt uns,
Nach Xánthios, dem aus mardischem Volk
Myriaden gefolgt, nach den Helden
Ancháres, Diäxis, Ársakes,
Die den Reitern geboten,
[Vers 945]     Kigdadátas auch und Lythímnas
Und Tólmos, im Kampf unersättlich.
Sie ruhen im Grab! Kein Wagengespann,
Bedeckt mit Zelten, führte sie zur Gruft.

Vierte Strophe.

Xerxes.

Sie sind dahin, ach, des Heeres erster Schmuck!
[Vers 950]     Sie sind dahin, namenlos!
O Grau'n, o Grau'n! O Leid, o Leid!

Der Chor.

O Grau'n, o Grau'n! Götter, ach,
Ihr schuft ein Leid, ungeahnt,
Gräßlich, wie kein's Áte noch gesehen!

Vierte Gegenstrophe.

Xerxes.

[Vers 955]     Geschlagen wir! Nie zuvor erlebtes Leid!
Geschlagen! Klar liegt's am Tag!
Ein Leid, ein Leid, so neu, so neu!

Der Chor.

Wir trafen, uns nicht zum Heil,
Auf Héllas' seefahrend Volk.
[Vers 960]     Kämpfend erlag Pérsis' Stamm dem Schicksal.

Fünfte Strophe.

Xerxes.

So ist es: solch mächtig Heer
Sah ich, ach, geschlagen.

Der Chor.

Noch mehr: in Staub stürzte die Macht der Perser.

Xerxes.

Und siehst du hier, was mir blieb von meiner Wehr?

Der Chor.

[Vers 965]     Ich seh's, ich seh's!

Xerxes.

Diesen pfeilbewahrenden –

Der Chor.

Was als gerettet nennst du da?

Xerxes.

Meiner Pfeile Behälter.

Der Chor.

Wenig nur von so vielem!

Xerxes.

[Vers 970]     Wo sind unsere Streiter?

Der Chor.

Den Kampf scheut Hellas' kühnes Volk nicht.

Fünfte Gegenstrophe.

Xerxes.

Ein Heldenvolk! Ich erfuhr
Niegeahntes Unglück.

Der Chor.

Der Schiffe Flucht meinst du, der stolzen Wälle?

Xerxes.

[Vers 975]     In wildem Schmerz riß ich mein Gewand entzwei.

Der Chor.

O Weh, o Weh!

Xerxes.

Mehr, ja mehr als Wehe nur!

Der Chor.

Zwiefach und dreifach ist das Leid.

Xerxes.

Jammer, Wonne den Feinden!

Der Chor.

[Vers 980]     Alle Kraft ist gebrochen!

Xerxes.

Niemand, der mich geleite!

Der Chor.

Die Meerflut, ach, verschlang die Teuren.

Sechste Strophe.

Xerxes.

Beweine, – beweine mein Geschick und komm' ins Haus!

Der Chor.

O Weh, o Weh! O Leid, o Leid!

Xerxes.

[Vers 985]     Erwid're mir mein Wehgeschrei!

Der Chor.

Dem Schmerz des Schmerzes Schmerzensgruß.

Xerxes.

Schrei' auf, erheb' ein Klagelied!

Der Chor.

O Gram, o Gram!
Schwer lastet dieses Leid auf uns!
[Vers 990]     Ach, ach, ich empfind' es schmerzlich.

Sechste Gegenstrophe.

Xerxes.

O schlage die Brust, und jamm're, jamm're laut um mich!

Der Chor.

Der Seufzer hallt, die Thräne fließt.

Xerxes.

Antworte meinem Weheruf!

Der Chor.

Ich bin bereit, ich folge, Herr.

Xerxes.

[Vers 995]     Erhebe denn ein lautes Ach!

Der Chor.

O Gram, o Gram!
In meine Seufzer mische sich
Wilddröhnend der Schlag der Hände!

Siebente Strophe.

Xerxes.

Die Brust zerfleische, rufe Weh im Mýserton!

Der Chor.

[Vers 1000]     O Grau'n, o Grau'n!

Xerxes.

Zerraufe dir des greisen Kinnes Silberhaar.

Der Chor.

Wild, wild zerrauf' ich's: o des Leides!

Xerxes.

Dein Wehlaut schalle!

Der Chor.

Wehe! Wehe!

Siebente Gegenstrophe.

Xerxes.

Zerreißt mit starken Händen euch das Brustgewand!

Der Chor.

[Vers 1005]     O Grau'n, o Grau'n!

Xerxes.

Zerrauft das Haupthaar, und bejammert laut das Heer!

Der Chor.

Wild, wild zerrauf' ich's: o des Leides!

Xerxes.

Ihr Zähren, strömt!

Der Chor.

Ich schwimm' in Thränen.

Schlußgesang.

Xerxes.

Wehklagend wandle zum Palast!

Der Chor.

O Leid, o Leid!

Xerxes.

[Vers 1010]     O Leid! hallt es die Stadt durch –

Der Chor.

O Leid! hallt es, ach!

Xerxes.

Jammernd schreitet in stillem Zug!

Der Chor.

O Leid! Persis' Land, dein Pfad ist schwer!

Xerxes.

Weh, ihr Gefall'nen, weh! im Galeónenkampf.

Der Chor.

[Vers 1015]     Mit schmerzvollem Ruf, o Herr, folg' ich dir.

Erklärende Anmerkungen.

V. 16. Der Dichter bezeichnet die drei Hauptstädte des Perserreiches, Ekbátana, Súsa und die kissinische Stadt, letztere wohl die Königsstadt in den Gebirgen der Kíssier, eines besonderen von Herodót erwähnten persischen Völkerstammes.

V. 22.  Artaphernes gebeut und Amistres hier. Bei den hier und weiterhin angeführten Namen persischer Heerführer muß man ein für allemal merken, daß die wenigsten bei den Geschichtschreibern gefunden werden, und wahrscheinlich von unserem Dichter selbst nach der Analogie bekannter persischer Namen erfunden worden sind. Auch hat man wohl nicht Ursache, sich über diese und ähnliche Freiheiten zu wundern, die sich Äschylos in diesem Trauerspiele mit der Geschichte herausgenommen hat. Eine größere Genauigkeit in den Namen der Feldherren z. B. würde einen weit größeren Verkehr der Hellenen mit den Persern vorausgesetzt haben, als wirklich stattfand, und der Dichter konnte sich hierbei, sowie bei allem dem, was die persischen Einrichtungen betraf, füglich des Rechtes bedienen, welches ein fremder und entfernter Gegenstand den Dichtern zu allen Zeiten gelassen hat. Ja, selbst diejenigen Ereignisse, die sich vor den Augen der Griechen zugetragen hatten, konnten jene Freiheit nicht sehr beschränken, da sich die Geschichte ihrer noch auf keine Weise bemächtigt hatte. Denn Gerüchte und Sagen gelten bei dem Volke nicht nach ihrer historischen Richtigkeit, sondern nach ihrem Zusammenhange mit seinen Neigungen oder der Art ihrer Ausschmückung. Jacobs.

V. 25.  Dem Erhabensten, dem Könige der Perser.

V. 39.  Das ogygische, d. i. uralte Land. Das Wort wird von einem alten attischen Könige Ogýges abgeleitet.

V. 70. Der Sund der Helle, der Hellespóntos, der von Helle, der Tochter des Áthamas, den Namen trägt.

V. 78. Der Perserkönig heißt hier des goldenen Tau's himmlischer Sohn, weil man den Namen der Perser, sowie das Geschlecht des Xérxes, von Pérseus, dem Sohne der Dánae, der aus dem goldenen Regen des Zeus entsprossen war, ableitete. Herodot sagt 7, 61: »Vormals hießen die Perser bei den Hellenen Kephéner, bei ihren Nachbarn aber und unter sich selbst Artäer. Als nun Perseus, der Sohn der Danae und des Zeus, zu Képheus, dem Sohne des Bélos, kam und dessen Tochter Andrómeda zur Gemahlin erhielt, ward ihm ein Sohn geboren, dem sie den Namen Pérses gaben. Diesen ließ er dort zurück; denn Kepheus hatte noch keinen männlichen Erben. Von diesem nun haben die Perser den Namen empfangen.«

V. 80. Bogen und Pfeil ist persische, Wurfspeer griechische Waffe. Vgl. V. 82.

V. 132.  Durch Perseus unserem Stamme verwandt. Siehe zu V. 78.

V. 133 ff. S. zu V. 80.

V. 143 f. Dem Xerxes wird der Name eines Gottes nur bedingungsweise beigelegt, wenn ihn das Glück nicht verlassen haben sollte.

V. 154. Als Gebieter und Herr heißt Xerxes das Auge des Hauses.

V. 224.  Silber quillt u. s. f. Gemeint sind die Silberminen von Láurium.

V. 284.  Silénia, eine Küstenstrecke der Insel Sálamis, welche V. 289 das Eiland des Ájas und V. 291 die taubennährende genannt wird, weil sie der Aphrodíte heilig war und auf ihr Tauben gehegt wurden, die heiligen Vögel der Göttin.

V. 429.  Es liegt ein kleines Inselland vor Salamis. Es ist Psyttaleía gemeint, die Felseninsel fünf Stadien (0,624 km) von Salamis, einsam und still, nur von nistenden Seevögeln bewohnt, ein rechter Aufenthalt für Pan. Aristéides war es, der dort mit einer Schar athenischer Hopliten die Perser überfiel. Nicht ohne Bedeutung wird gerade an dieser Stelle Pan erwähnt; schon während des ersten Perserkrieges hatte er sich den Athenern als treuen Bundesgenossen bewährt, weshalb ihm auf der Akrópolis eine Statue geweiht war mit der Inschrift:

Mich bockfüßigen Pan, den arkadischen, der für Athénä
Gegen die Méder gekämpft, stellte Miltíades auf.

Wahrscheinlich war diesem Pan, dem meerumrauschten, wie ihn Sóphokles nennt, das kleine Eiland geweiht. Droysen.

V. 536. Der Sinn ist: wie kam es doch, daß das Volk unter der Herrschaft des Dareios nie von solchen Unfällen heimgesucht wurde, und warum ist es unter Xerxes anders geworden?

V. 547.  der Ióner, d. i. der Hellenen.

V. 552. Kychreiós hieß ein Gau auf Salamis (Κυχρεῖος πάγος περὶ Σαλαμῖνα) und Salamis selbst Kychreía.

V. 657. Es war Sitte, wenn man die Geister der Unterwelt anrief, mit der Hand auf den Boden zu schlagen.

V. 665.  Doch auch im Hades Herrscher noch. Edlen Königen folgt ihre Würde auch in die Unterwelt nach, und schon in der Odyssée wird dem Achílleus unter den übrigen Schatten ein Vorrang beigelegt. Nach Sophokles herrscht Amphiaráos unter der Erde über alle Seelen, und die Vorstellung von dem königlichen Richteramte eines Mínos, Äakos und Rhadamánthys war ursprünglich wohl aus derselben Idee entsprungen. Jacobs.

V. 850.  Íkaros' Auen, die Insel Ikária, eine der Sporáden, die von Ikaros den Namen trägt.

V. 852.  Salamis, eine Stadt auf Kýpros, die Téukros erbaut und nach der heimatlichen Salamis, aus welcher er von seinem Vater vertrieben worden war, also genannt hatte.

B. 888.  Wie des Mariandyners Klagegesang. Das kleinasiatische Volk der Mariandýner pflegte in dem fanatischen Kultus, der jenen Gegenden eigentümlich war, einen düsteren Klagegesang zur Flöte zu singen. Droysen.

V. 941. Die Marder sind ein persisches Volk nach der medischen Grenze hin. Plínius setzt sie in den östlichen Teil der margianischen Provinz ( regionis margianae) bis hin an die Landschaft der Báktrer. Naturgeschichte 6, 18.

V. 999.  im Myserton. Die Myser, bemerkt ein alter Ausleger, sind ein besonders klageliebendes Volk (οἱ Μυσοὶ μᾴλιστά εἰσι θρηνητικοί).

 

Aus technischen Gründen ist der folgende Teil des Anhangs als Faksimile wiedergegeben. Re.

 

Lesarten und Verwandtes



Verzeichnis der Silbenmaße in den lyrischen Stellen dieser Tragödie







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