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Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition

Julius Payer: Die österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition - Kapitel 1
Quellenangabe
typereport
authorJulius Payer
titleDie österreichisch-ungarische Nordpol-Expedition
publisherTime-Life Books B.V.
year1983
isbn9061827612
firstpub1876
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150315
projectid5de901ef
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Vorwort.

Das vorliegende Werk beginne ich mit der rückhaltslosen Anerkennung der hohen Verdienste meines Collegen Schiffslieutenants Weyprecht, gegen welche die Erfolge meiner eigenen Anstrengungen nur von geringem Belange sind. Vor Antritt der Reise hatten Herr Weyprecht und ich eine Instruction ausgearbeitet, welche die Rechte und Verpflichtungen jedes Einzelnen an Bord des »Tegetthoff« begrenzte. Diese Instruction verlieh Schiffslieutenant Weyprecht das unabhängige Commando am Schiff und im Falle eines Rückzuges mir das unabhängige Commando über die Landreisen. Die wissenschaftliche Thätigkeit Herrn Weyprecht's zu erörtern, werde ich in diesem Buche häufig Gelegenheit haben, seinen ausgezeichneten Eigenschaften als Seemann, als Mann der That überhaupt gerecht zu werden, sei dieser hervorragende Platz bestimmt. Der Leser wird im Verlaufe der nachfolgenden Schilderung sehen, wie die Besatzung des »Tegetthoff« zwei Jahre lang, den schwersten Prüfungen ausgesetzt, beharrlich, wenngleich vergeblichen ihrer Befreiung arbeitete und zuletzt ungebrochnen Muths eine Heimreise antrat, von der die arktische Geschichte nur wenig ähnliche Beispiele enthält. Er wird sehen, wie dieser Rückzug lange Zeit hindurch jeder Aussicht auf Erfolg bar zu sein schien, und wie die kleine Schar dennoch unverzagt Tag für Tag immer wieder an ihre schwere Arbeit schritt, bis ein gütiges Geschick endlich die ersehnte Rettung brachte. Die ungestörte Wirksamkeit und Ordnung auf dem Schiff, ebenso das Gelingen dieses Rückzuges waren nicht allein die Folge der Einsicht oder der beharrlichen Anstrengungen des Einzelnen, sie waren mehr noch die Folge einer selbst auf Polarfahrten seltenen Disciplin. Das Verdienst, sie ermöglicht zu haben, gehört Herrn Weyprecht an, der sich nicht nur den wissenschaftlichen Aufgaben der Expedition mit Hingebung widmete, sondern sich auch persönlich an den schwersten körperlichen Arbeiten betheiligte, Schiffslieutenant Brosch und Schiffsfähnrich Orel sind ihren Verpflichtungen unter den schwierigsten Verhältnissen mit bewunderungswürdiger Ausdauer und Selbstverleugnung nachgekommen, ihr Verdienst war gleich groß als »Officiere des Tegetthoff«, wie als wissenschaftliche Beobachter. Schiffslieutenant Brosch oblag außerdem noch die verantwortungsreiche Verwaltung unserer Provisionen etc., eine Ausgabe, der er mit größter Gewissenhaftigkeit entsprach. Der unausgesetzten Sorgfalt des Dr. Kepes verdanken wir es, daß die Expedition mit verhältnißmäßig geringen Verlusten an Gesundheit und Leben verlief; ihr einziges Opfer, der Maschinist Krisch, erlag den rühmlichen Anstrengungen zur Befreiung des Schiffes. Das musterhafte Verhalten der Mannschaft läßt sich durch wenige Worte kennzeichnen: Unbedingter Gehorsam und Anhänglichkeit au ihre jeweiligen Führer, Ausdauer in Mühseligkeiten und Entschlossenheit in Gefahren.

Nach diesen einleitenden Worten glaube ich den Leser über das Verhältniß orientirt zu haben, in welchem jedes Mitglied der Expedition beitrug, die Aufgabe zu erfüllen, welche wir alle freiwillig übernommen hatten: ich kann mich daher bei dem Folgenden auf die Ereignisse selbst beschränken. Unter dem Eindruck des jüngst Erlebten werde ich versuchen, letztere zu schildern: ich mache keinen Anspruch auf die Fähigkeit eines Schriftstellers und erbitte Nachsicht der Fehler wegen, die das Werk enthalten wird.

An wen aber hat der Darsteller einer Nordpol-Expedition sich eigentlich zu wenden? Schreibt er nur für den Mann der Wissenschaft, so genügt es, die naturhistorischen Beobachtungen, Tabellen, Karten und Zeichnungen zu bieten. Soll er für seine Nachfolger schreiben, so muß sich sein Bericht erweitern durch die Bekenntnisse früherer Irrthümer, durch Rathschläge und die Mittheilung seiner Erfahrungen. Für das große Publicum mag er nur das »Interessante« im Auge behalten, in jedem Falle ist seine Aufgabe eine umfassendere.

Vollständiger wird er seinen Zweck erreichen, wenn er wenigstens trachtet, für Alle zu schreiben und seinen Leser nicht auf die Folter der chronologischen Ordnung spannt. Nur dort, wo die zu schildernden Begebenheiten die Wiederholung ihrer Eindrücke bis zur Unmittelbarkeit der Empfindung erfordern, wird er seine Notizen ungeändert anführen müssen. Den Fachmann wird er auf bestimmte Abschnitte verweisen, wo die Erfahrungen des Einzelnen mit der Absicht zusammengezogen sind, dem Leser die Mühe zu ersparen, sich aus einem Berge von Blättern ein Körnlein von Werth herauszusuchen.

Bei der nachfolgenden Schilderung der österreichisch-ungarischen Nordpol-Expedition und ihrer Ergebnisse fehlen die der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zur Publication übergebenen Tabellen der magnetischen und meteorologischen Beobachtungen der Herren Schiffslieutenants Weyprecht, Brosch und Orel und die Abbildungen von 75 Formen der Fauna des Eismeeres, welche ich nach der Sammlung des Herrn Dr. Kepes gezeichnet habe.

Mein persönlicher Antheil an den wissenschaftlichen Zielen der Expedition gehört dem Lande an, seiner Erforschung und Darstellung. Das Material, welches ich über den Charakter dieser hochnordischen Territorien, die jetzt den erhabenen Namen Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph I. tragen, gesammelt, bildet nebst den Erfahrungen, welche ich mir während dreier arktischer Reisen über die Beschaffenheit des Eismeeres und die Chancen seiner Bereisung erworben habe, den wesentlichen Inhalt dieses Werkes. Die beigegebene Karte des Kaiser Franz Joseph-Landes tritt nun an die Stelle der bisher von mir aus der Erinnerung flüchtig entworfenen Skizzen. Dieses Land konnte durch die Ungunst der Verhältnisse nur in seinen Hauptzügen entdeckt werden; – künftigen Expeditionen ist es vorbehalten, seine wissenschaftliche Detailerforschung zu unternehmen. Seine bildliche Darstellung geschah theilweise schon vor Erscheinen dieses Werkes, und zwar durch zwölf Motive, welche der rühmlichst bekannte Landschaftsmaler A. Obermüller nach meinen Skizzen in Öl ausgeführt hat. Der Herstellung des Seite 189 erwähnten Farbendruckbildes haben sich technische Schwierigkeiten entgegen gestellt, welche dessen Deutlichkeit abgeschwächt, und das Bild deßhalb werthlos gemacht hätten. Aus diesem Grunde wurde der Farbendruck ausgelassen und dafür die Zahl der Holzschnitte vermehrt. Was die Polarexpedition von 1871 anbelangt, eine Unternehmung, die Herrn Weyprecht's Eigenschaften als Seemann in glänzendem Licht zeigte, so ist dieselbe innig mit der von 1872-1874 verbunden. Ohne Zusammenhang damit steht dagegen die zweite deutsche Nordpol-Expedition da, deren Schilderung hier nur im Sinne einer Skizze versucht wurde. In Bezug auf diese Unternehmung, wie auf die wichtigen Erfahrungen und wissenschaftlichen Beobachtungen Capitän Koldewey's, ihres verdienstvollen Führers, der Astronomen Dr. Börgen und Copeland und des Botanikers Dr. Pansch verweise ich auf das Werk, welches das Comité für die deutsche Nordpolfahrt in Bremen herausgegeben hat. Dieses Werk enthält auch den ausführlichen Bericht über das Schicksal des Begleitschiffes dieser Expedition, der »Hansa«, und seiner Besatzung: Capitän Hegemann, Dr. Buchholz, Dr. Laube etc. Letzterem verdanken wir wichtige Aufschlüsse über die geologischen Verhältnisse Westgrönlands.

Der Verfasser.

 

Berichtigung:

Das Säulencap in einigen Karten fehlend, ist der erste Landvorsprung südlich des Cap Germania.

Originalkarte des Kaiser Franz Josef Landes

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