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Die Nonnensusel

August Becker: Die Nonnensusel - Kapitel 19
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Nonnensusel
authorAugust Becker
year1996
publisherPfälzische Verlagsanstalt
addressLandau in der Pfalz
isbn3-87629-105-4
titleDie Nonnensusel
pages3-17
created19991103
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1886
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17

Auf Beschau

Wer dem Landvolk das tiefere Gemütsleben, die wärmere Empfindung, ja ein gut Teil wirklicher Empfindsamkeit abspricht, der kennt es nicht oder nur halb. Hierüber hat nur der ein Urteil, dem seine Jugend selbst unter dem Landvolk verflossen ist; dem also Gelegenheit gegeben war, Einblick in die Beschaffenheit des Grundes unter der rauhen Scholle zu gewinnen. Der Bauer trägt sein Gefühl nicht auf der Zunge, ja er schämt sich dessen vor Fremden und verschleiert es so gut er kann; hinter derbem, nüchternem, unbeholfenem Wesen, verbirgt er sorgsam sein Innerstes, seinen Glauben, seine Anschauungen vor forschenden Augen, denen er kein Verständnis dafür zutraut. Nur wer unter gleichen Verhältnissen mit ihm gelebt und gefühlt hat, weiß, daß auch heute noch beim Landvolk jene Stimmungen zuweilen nachklingen, über die »Jung Stillings Jugendjahre« so ergreifend berichten. Dagegen fehlt dem Bauer allerdings jenes Verständnis für die anempfundene Gefühlsamkeit und falsche Sentimentalität, der wir auch jetzt noch zuweilen in städtischen Kreisen begegnen.

Kurz, das Landvolk entbehrt durchaus der falschen Sentimentalität, allerdings keineswegs des tieferen Gefühls. Gelegentlich schwillt es wohl zu einer Stärke an, daß es alle Schleusen durchbricht und alle Dämme niederreißt, durch welche die menschlichen Leidenschaften in der sogenannten Gesellschaft gezügelt und geregelt werden. Auch das Leben des Landvolkes ist durch konventionelle Regeln und Gesetze gebunden und zuweilen darin erstarrt. Mehr als den Städter beeinflußt ihn die Würde des Besitzes, die Pflicht der Selbsterhaltung, die Förderung des Eigenen. Gerade der Bauer mißt den Menschenwert streng nach Bargeld und Scholle. Eine andere Kultur, als die des Bodens, weiß er selten zu schätzen.

In dem mit Erdgeruch erfüllten Dunstkreis bäuerischen Daseins aufgewachsen, hatte Susanne Groß ihr Herz in der Tat nur zumeist in den Liedern gebildet, die sie sich selbst zusammengeschrieben.

Die kunstlosen Volkslieder, denen unsere größten Dichter den Ausdruck der Gefühlsinnigkeit erst abzulernen hatten, die ein Hort des Volksgemüts, eine Quelle erquicklicher Labung schaffensmüden Sinnes, ein Jungbrunnen für alle Poesie sind, – »denn wer den Brunnen trinket, der jungt und wird nicht alt« –, diese schlichten Weisen drücken ja alles aus, was sie heimlich empfand, wenn sie dieselben auch nur ganz still vor sich hin sang beim häuslichen Walten, bei der Pflege der Blumen im Garten und ihrer lebenden Lieblinge im Hof.

Sie pflegte die schmerzliche, unverlöschliche Erinnerung an den Vater, die in ihrem arglosen Gemüt eine reine, ungetrübte war, und nährte noch ein anderes Gedenken, das sie tief und geheim in ihrem Busen verschloß.

Seit der Verheiratung ihrer Jugendgespielin nach auswärts hatte sie niemand mehr, mit dem sie sich aussprechen konnte; des Nachbars fleißige Liesel, auf deren Umgang sie ihren Verkehr jetzt beschränkte, war zwar ein gutes und braves Mädchen und der Freundin aufrichtig zugetan, dennoch nicht zur Vertrauten des inneren Gefühlslebens veranlagt. Kein Wunder, daß Susannes Zwiegespräche mit ihrem eigenen Herzen allmählich eine tröstliche Kraft gewannen, deren Wirkung die Vereinsamung ihrer Jugend für alle mangelnde Geselligkeit entledigte.

Diese Zurückgezogenheit gegenüber der in dem stillen Dorf ohnehin so spärlichen Gelegenheit zum Vergnügen, brachte ihr keine Entbehrung. Was sie nach der Arbeit des Tages und den Mühen zur Erholung des Gemütes äußerlich bedurfte, gewährte ihr das gewohnte Abendgebet und die religiöse Pflichterfüllung des Sonntags, wenn sie zwischen den anderen Mädchen mit dem duftigen Gelbveigeln- oder Rosenstrauß im Kirchenstuhl stand, den Choral mitsang oder der Predigt lauschte, ohne daß ihre Gedanken, wie die so mancher neben ihr, umherschweiften zu den jungen Burschen auf der Emporbühne. Ihre Aufmerksamkeit war nicht geteilt; Huldigungen erstrebte sie nicht, und die Bewerbungen um ihre Hand gereichten ihr mehr zur Last als zur Genugtuung.

Nur einmal, ja einmal hatte sie sich wärmeren Mitgefühls nicht erwehren können. Ein junger Vikar hatte für den erkrankten Pfarrer gepredigt, auch eines der Kinder ihrer Schwester Eve getauft und eines Sonntags die Einladung der Frau Juliane angenommen, über Mittag zu bleiben. Susanna hatte offenbar einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. Beständig folgten ihr seine milden Augen. Ihre schöne, schlanke und doch kräftige Gestalt, der stolze Nacken, der Reiz ihrer lieblichen Züge, die natürliche Anmut ihrer Haltung und Bewegung, die ansprechende, ungesuchte Art ihrer Gewandung; der weiße Halskragen, der keusche Faltenwurf des Rockes, der bis auf die Schuhe niederfiel, die nur die Zehen umspannten, mit schwarzem Kreuzband auf den blütenweißen Strümpfen; dann die Sittsamkeit und natürliche Sanftmut ihres Wesens, das hausmütterliche und doch so jungfräuliche Schalten und Walten in Stube und Küche schienen seine Blicke und Gedanken angenehm zu beschäftigen und seine Sinne gefangenzuhalten.

Doch in ihrem Herzen fand sich auch für ihn kein Raum mehr; es war von Kind an angefüllt mit dem Bilde des einzigen, dessen sie in heimlicher Liebe und Sehnsucht gedachte.

Solange noch Amy im Hause diente, die auf ihren »Köres« in München wartete, war es für Susanne wohltuend, ein Wesen in ähnlicher Lage um sich zu haben. Auch Amy hatte eine gewisse Zurückhaltung den gebotenen ländlichen Freuden gegenüber beobachtet. Wenn aber die Spinnrädchen in der warmen Stube surrten und draußen der Schneesturm stob, da pflegte Amy unwillkürlich immer wieder ihr Lieblingslied anzustimmen, bis auch Susel und selbst die Mutter mitsummten:

»Schönster Schatz auf dieser Erde,
Zweifle nicht an meiner Treu.
Du sollst ja mein Eigen werden,
Du sollst bleiben allzeit mein!«

Die etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstammende Volksweise verfehlte dann nie ihre Wirkung auf die drei Frauen. Sie sangen das Lied mit unverhohlener Hingabe und Empfindung. Besonders verweilten die Stimmen der Spinnerinnen gern auf dem wiederholten »Du« am Anfang des letzten Verspaares.

»Willst du nicht in 'n Garten gehen
Und die Blümlein schauen an?
Wie sie lieb beisammen stehen,
Pflück' sie ab und denk daran.«

Die beiden Freunde Stoffel und Hannes waren zum Glück zu viel mit den Geschäften im Haus und Feld in Anspruch genommen, als daß sie besonders störend in dies äußerlich tätige und innerlich so ruhig erscheinende und doch so bewegte Leben der Susel hätten eingreifen können. Für ihre Zurückhaltung lag allen ein hinreichender Grund vor. Man wußte, wie sie an ihrem Vater gehangen hatte und wie sehr sie ihn vermißte. Eine besonders tiefe Neigung war bei dem scheelen Hannes ohnehin nicht vorhanden, sondern nur eine nicht unangenehme Fügung in das einmal Beschlossene. Wie sollte es auch anders kommen, als daß der reichste Bursche und das reichste Mädchen im Ort ein Paar würden! So sah auch er die Lage wie jedermann an; zudem waren sie schon lang miteinander »versprochen«. Die Hochzeit selbst hatte Zeit.

Große Ansprüche auf Aufmerksamkeiten machte also der ihr durch seine Eltern Verlobte nicht. Er war schon zufrieden, daß Susel sich mit keinem anderen abgab, wenn sie sich dabei auch zu sehr von allen vergnüglichen Gelegenheiten abschloß und selbst zur Kirchweih, die in das Spätjahr nach Martini fiel, wenn die Sperben (Spierlinge) reif wurden, nicht wie andere Mädchen am Tanz teilnahm, kaum einmal mit der Mutter zum Zuschauen kam und dann nur ausnahmsweise eine Tour gewährte. Wenn Susanne dabei in den Geruch der Absonderlichkeit kam, so verschlug dies ihrem »Verlobten« nichts.

Stoffel und Hannes waren noch immer dicke Freunde und darüber im reinen, daß nach der Übersiedlung der Schwester in Vetter Balzers Haus, dem Stiefbruder das elterliche Haus um ein billiges bleibe. So war's stillschweigend abgemacht, und man brauchte darüber kein Wort zu verlieren. Aber als sich die Verheiratung Susels hinauszog und sie noch immer keine Lust zeigte, ihren Stand zu verändern, begann Stoffel, sich gelegentlich nach einer »Hochzeiterin« umzusehen, nach einer Bauerntochter – reich, fleißig, sparsam; auf Schönheit und andere Tugenden wurde weniger gehalten.

Stoffel auf Freiersfüßen war denn auch schon mehrmals so weit gediehen, daß auch Susel einige Male mit der Mutter nach auswärts auf Beschau für den Bruder fuhr, wobei wundersame Erfahrungen gemacht wurden. In einem Hause, das von außen und innen dürftig aussah, fand man stolze, zurückhaltende, widerborstige, knauserige Leute, die nicht geneigt waren, von ihrer Forderung abzustehen, die das, was Stoffel beibringen konnte, noch um fünfzehnhundert Gulden überstieg.

In einem anderen Hause schien alles im Überfluß da zu sein; Kupfer- und Zinngeschirr blinkte, Kisten und Kästen waren voll Leinwand, in der Küche brodelte es, und der Sohn – es war auch ein solcher da – flog ab und zu mit der Weinflasche und bemühte sich nebenbei viel um Susel. Beim Kaffee gab es vortreffliche Waffeln, und die Tassen und Teller – wie schön bemalt waren sie! Rosen und Vergißmeinnicht und viel sinnige Sprüche wie »Hochzeit aus Liebe vereinigt die edelsten Triebe!« prangten da. Auf anderen Tassen stand bloß: »Aus Freundschaft«, »Aus Liebe«, »Zur Erinnerung« oder ein Name. Kurz, es war alles schön, das Traktement ausgezeichnet. Die Mutter war fast geblendet.

»Das Hausdach ist doppelt gedeckt!« sagte sie zu einem Freund des Hauses.

»Ja«, flüsterte der, »mit Ziegeln und Hypotheken«.

Das genügte. Man brach scheinbar im besten Einvernehmen auf, aber mit der Bewerbung Stoffels war's zu Ende.

Susel gewann dabei Einblick in die Verhältnisse und in die Art und Weise, wie Verbindungen fürs Leben geschlossen oder nicht geschlossen wurden, von welchen Bedingungen das Eheglück abhängig gemacht wurde. Und nun erwartete man im Hause der Mutter selbst »den Beschau« eines Mädchens aus Niederhorbach, das dem Stoffel durch den »Kuppelborich« empfohlen worden war.

Das Ereignis fiel auf einen Montag. Die Leute der Juliane waren wie sonst bei der Feldarbeit; nur Stoffel war heute daheim geblieben und zog sogar sein sonntägliches Wams an. Susel dagegen hatte sich ins Haus ihrer Schwester Eve begeben, um sie einzuladen. Auf dem Rückweg wurde sie aus dem Fenster eines Nachbarhauses angesprochen. Eine wohlbekannte Näherin rief ihr zu: »Ich soll dir einen schönen Gruß ausrichten!«

Susel blieb stehen und fragte: »Von wem?«

»Ja, wenn ich das wüßte. Ein bildsauberer Mensch! Er ist mir gestern auf dem Wege zur Stadt begegnet. Sie wird schon wissen, von wem, hat er g'sagt.«

Sie wird schon wissen, von wem? Susanne dachte nach. Grüße waren ihr im Verlauf der Jahre gar viele ausgerichtet worden. Aber: Sie wird schon wissen, von wem? Sie erkundigte sich genauer nach seinem Aussehen. Aber die Näherin wiederholte nur immer: »Ein bildsauberer Mensch!« Bis Susel zu der Annahme gelangte, es sei eine der gewöhnlichen Augendienereien der Näherin.

Inzwischen war die angesagte Freierin mit ihrer Mutter bereits angelangt. Juliane kannte schon das Mädchen. Käthrine hieß sie, eine kurzangebundene, kecke, kleine Person. Man hatte sich bereits mit musternden Seitenblicken begrüßt, Kaffee getrunken, und nun war man eben im Begriff, mit scharfen Augen die Besichtigung vorzunehmen, langsam von Stube zu Stube, von Stall zu Stall schreitend, durch das ganze Haus, Hof und Nebengebäude. Mit Stoffel sprach die ihm bestimmte Braut kaum ein Wort, sah ihn fast nicht einmal an. Das war Nebensache.

Im allgemeinen schien man durch den »Beschau« ziemlich befriedigt. Im einzelnen aber, dann und wann, wenn etwa die Rede darauf kam, wieviel Malter Korn oder Spelz Juliane voriges Jahr geerntet habe, warf die Braut hoffärtig ein: »Wir haben zehn Malter mehr gedroschen.«

So war es auch bei dem Wein; sie hatten zwei Fuder mehr gekeltert. Und so war es bei den Schlachtschweinen und Schafen; sie hatten eines mehr geschlachtet und drei Hämmel mehr auf der Weide.

Solche Bemerkungen berührten nicht angenehm. Aber die Gäste hatten ein Recht, ihre Meinung zu äußern, und Juliane verschluckte, so gut es gehen wollte, ihren Ärger. Als man in der Oberstube Kisten und Kästen öffnete, wo die schöne Leinwand schon zugeschnitten oder noch in großen weißen Ballen lag, glänzten die Augen der Gäste; dennoch machte die Mutter einige tadelsüchtige Bemerkungen über das Gespinst, sowie daß es weniger Servietten und Nastücher und mehr Handtücher und Schürzen sein dürften, während die Tochter meinte: »Meine sind besser gebleicht.«

Unter solchen kurzen, schnippischen Einwürfen verbarg Käthrine die Lust nach diesen Herrlichkeiten. Stoffel kam daneben nicht in Betracht. Er hätte noch ungeschlachter sein, sich noch einfältiger anstellen können, – das fiel nicht weiter in die Waagschale.

Beim »Beschau« der Nebengebäude fiel das Urteil Käthrines dahin aus, daß man in der Küche waschen und das Waschhaus zu einer Großmutterstube umbauen könnte, worüber Juliane mit einem nichts Gutes verheißenden Blick sich also vernehmen ließ: »Wenn du so viel übriges Geld hast, es dranzuwenden, so tu es, sobald du Herrin bist.«

Dagegen gefiel der alten Schwieger, die sich ebenfalls dem Zug angeschlossen hatte, das kleine »herzhafte Weibsbild«, wie sie sich ausdrückte, ganz gut.

Und der »Beschau« nahm seinen Fortgang. Im Garten schienen den Gästen die Blumen zu viel Platz einzunehmen.

»Meine Susel hat ihre Freude daran«, warf Juliane hin.

»Meine Käthrine hat ihre Freude an Krautköpfen und großen Zwiebeln.«

»Die fehlen ja auch nicht!« sagte Juliane.

»Unsere stehen schöner«, bemerkte Käthrine, und man begab sich nunmehr zurück in die Ställe, wo der Braut sofort drei angebundene Kälber in die Augen fielen. »Saufen zu viel Milch, – zum Metzger damit!«

»Sie sollen aufgezogen werden«, wandte Frau Juliane ein, und sie konnte kaum an sich halten.

»Ochsenkälber?« fragte die Braut, während man sich nach dem Pferdestall begab. »Vorteilhafter ist, Ochsen im Frühjahr zu kaufen, im Sommer schaffen zu lassen, fettzufüttern und im Herbst zu verkaufen.«

»Haben wir auch schon getan«, bemerkte Juliane kurz, als man schon bei den Pferden war.

»Der dritte und vierte Gaul müßte weg«, meinte Käthrine in ihrer dreisten, absprechenden Weise. »Sie fressen zu viel; man kommt mit Ochsen weiter, die für den Metzger noch vor Winter festgemacht werden können«, setzte sie beim Hinaustreten zu, wobei der Dunghaufen besichtigt wurde, der der naseweisen Braut nicht minder Anlaß zur Kritik gab. »Unserer ist höher und breiter.«

Da war aber für Juliane dem Faß der Boden hinausgeschlagen. »Na, so setz' dich auf euern Mist und nicht auf unsern!« Niemand zweifelte daran, daß damit die Bewerbung vorbei war.

Als man in die Stube zurückkehrte, verfärbte sich die vorlaute »Braut« sehr merklich, und ihre Mutter stand daneben mit langem Gesicht; denn man fand den Tisch zwar mit feinem »Gebildtuch« gedeckt, jedoch statt einer entsprechenden Zwischenmahlzeit nur Brot und einen großen Teller mit Handkäsen, – – das sichere Zeichen, daß man von der Bewerbung an maßgebender Stelle nichts mehr wissen wollte.

»Na«, sagte Käthrine mit rotem Kopf, »wir wollen nicht länger die Zeit forttragen und danken bestens für den schönen Imbiß. Kommt, Mutter, daheim essen wir besser!«

Der Knecht spannte rasch an, die Gäste fuhren ab, das Hoftor wurde geschlossen – und damit war die Sache aus.

»Tut es dir nicht leid?« fragte Susel ihren Bruder Stoffel.

»Warum leid?«

»Du hättest sie also ohne Neigung genommen?«

»Ich hab' ja Neigung gehabt. Sie hat schöne Äcker, Wingerte und Wiesen.«

»Nur keine Liebe.«

»Liebe? Geh, schweig', es wird mir schlecht! Was hab' ich von der Liebe!«

Der naseweisen Käthrine gedachte nur eine Seele im Hause mit einem gewissen Wohlwollen. Deren Art, die Leute zu ärgern, gefiel der alten Frau ausnehmend: der Großmutter nämlich, die noch aus der belauschten Unterredung ihrer Schwiegertochter mit dem »Hungerleider, dem versoffenen und verfressenen Kerl«, wie sie jetzt den Hausarzt nannte, Gründe genug zum Argwohn, zur Vorsicht, zur Tücke, zum Haß schöpfte. »Aber wart'!«

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