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Die Mutter der Catonen

Richard Voß: Die Mutter der Catonen - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorRichard Voß
booktitleRömische Dorfgeschichten
titleDie Mutter der Catonen
publisherEngelhorns Allgemeine Romanbibliothek
seriesEine Auswahl der besten modernen Romane aller Völker
volumeSechster Jahrgang. Band 11
year1889
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid014035fd
created20061220
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Wo heute, hoch über der römischen Campagna, auf den schönen Höhen des Albanergebirges zwischen weiten Weinfeldern und ausgedehnten Olivenwäldern mit vielen ehrwürdigen Kirchen und prächtigen Palästen das wonnige Frascati liegt, bedeckten zur Zeit der alten Herrlichkeit die Villen und Landgüter der römischen Großen das ganze Land. Von den greisen Mauern Tusculums zog sich die Menge der Prachtbauten in goldig leuchtendem Travertin und schneeigem Marmor die Hügel hinunter und durch die weite Ebene bis vor die Thore der Beherrscherin der Welt. Unsagbar bleibt, welche Werke der Kunst, welche Schönheit, welcher Reichtum auf diesem Fleck Erde zusammengehäuft waren. Hier hatten Tiberius und Galba prächtige Landhäuser, hier lag das köstliche Tusculum Ciceros, hier besaßen die Catonen weitläuftige Güter, und hier befanden sich die weltberühmten Gärten des Lucull, von einer Ausdehnung, daß ganz Rom darauf Platz gefunden hätte, und von einer Herrlichkeit, die später ihresgleichen nur in der tollen Cäsarenzeit fand.

Seit der Blüte dieser elysischen Gegend sind beinahe zwei Jahrtausende vergangen: aber weder die zahllosen barbarischen Verwüstungen, die im Laufe der Jahrhunderte stattfanden, noch die Zeit selbst vermochten die Zerstörung zu vollenden: die Spuren, welche von jener Epoche übrig geblieben, sind noch heute so gewaltig, daß sie das Staunen der Gegenwart hervorrufen. Denn fast alles, was auf den tusculanischen Hügeln als eine Aufwellung des Bodens, als natürliche Terrasse und Böschung erscheint, besteht aus Substruktionen antiker Villen und Paläste. Die meisten dieser mächtigen Mauerwerke haben sich in Hügel gewandelt, welche Oliveten und Vignen, weite Kastanienwaldungen und tiefschattige Dickichte hochstämmigen Lorbeers und Laurustinus auf sich tragen; andre wiederum dienen den Palästen Frascatis als Unterbauten, und noch andre liegen zum Teil offen da, halb versunken in den üppigsten Fluchtgefilden, inmitten der köstlichsten Wildnisse, mit Epheu besponnen, von Rosen überwuchert, von goldigem Ginster umblüht, unergründliche Labyrinthe von Gängen, Grotten und Hallen. Diese Ruinen, von denen manche die Ausdehnung einer kleinen Stadt haben, scheinen nicht Stein und Mörtel, sondern Fels zu sein; sie ziehen sich vom Scheitel des Berges bis zu den mittlern Höhen herab und von diesen bis in das ebene Land hinein. Die Bürger Frascatis benutzen sie als unerschöpfliche Fundgruben des herrlichsten Baumaterials, der Landmann verwünscht sie, dem Hirten und Banditen dienen sie als Zufluchtsort und Wohnung. Von den zahlreichen Fremden geht der echte Tourist achtlos daran vorüber; aber sie sind das Entzücken des Landschafters und aquarellierenden Dilettanten, und dem Archäologen macht es Vergnügen, gelehrte Namen für sie zu finden.

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