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Die Menschenaffen

Alfred Brehm: Die Menschenaffen - Kapitel 11
Quellenangabe
typereport
authorAlfred Edmund Brehm
titleDie Menschenaffen
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
editorCarl W. Neumann
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080316
projectid34f8f675
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Mehr das allgemeine Gepräge der Gattung zeigt der Hulock (H. hulock), ein Langarmaffe von etwa 90 cm Höhe, ohne Kehlkopf und mit freien Zehen. Sein Pelz ist bis auf eine weiße Stirnbinde kohlschwarz, der des Jungen schwarzbraun, an den Gliedmaßen längs der Mittellinie des Leibes und auf dem Rücken aschgrau. Die Gesäßschwielen sind deutlich. Der Hulock bewohnt Hinterindien und Bengalen, besonders häufig die Uferwaldungen am Burramputr in Assan.

Der Lar (H. lar) wird ungefähr ebenso groß wie der Hulock, hat schwarzgraue Färbung, lohfarbenes, rings von weißen Haaren umgebenes Gesäß und oberseits weißgraue, unterseits schwarze Hände und Füße. Das Vaterland ist Malakka und Siam.

Der Unko (H. Rafflesii) ähnelt dem Hulock in der Größe, unterscheidet sich aber durch die Färbung sowie anatomisch dadurch, daß er vierzehn Rippenpaare besitzt. Gesicht und Pelz sind schwarz, auf dem Rücken und an den Weichen rötlichbraun, Augenbrauen, Backen und Kinnbacken bei den Männchen weiß, bei dem bedeutend kleineren Weibchen schwarzgrau. Die Insel Sumatra ist das Vaterland des Unko; doch scheint er hier verhältnismäßig selten vorzukommen.

Der Wauwau (H. agilis) endlich, welcher demselben Vaterlande entstammt, hat ein nacktes blauschwarzes, beim Weibchen ins Bräunliche spielendes Gesicht und langen reichen Pelz, dessen Färbung am Kopfe, auf dem Bauche und den Innenseiten der Arme und Schenkel dunkelbraun ist, über den Schultern und nach dem Halse zu unmerklich heller wird und auf den Weichen ins Blaßbraune übergeht, während die Aftergegend bis zu den Kniekehlen weiß und rötelfarbig gemischt erscheint. Hände und Füße sind dunkelbraun. Das Weibchen ist lichter, der Backenbart minder lang als bei dem Männchen, obschon immer noch groß genug, so daß der Kopf breiter als hoch erscheint. Die Jungen sind einfarbig gelblichweiß.

Ihre ganze Ausrüstung weist die Langarmaffen zum Klettern an. Sie besitzen jede Begabung, welche zu einer raschen, anhaltenden und gewandten Kletter- oder Sprungbewegung erforderlich ist. Die volle Brust gibt großen Lungen Raum, welche nicht ermüden, nicht ihren Dienst versagen, wenn das Blut durch die rasche Bewegung in Wallung gerät. Die starken Hinterglieder verleihen die nötige Schnellkraft zu weiten Sprüngen, die langen Vorderglieder unerläßliche Sicherheit beim Ergreifen eines Astes, welcher zu neuem Stützpunkte werden soll, mit kürzeren Armen aber leicht verfehlt werden könnte. Wie lang im Verhältnis diese Arme sind, wird am deutlichsten klar, wenn man vergleicht. Ein Mensch klaftert, wie bekannt, ebensoweit als er lang ist, der Gibbon aber klaftert fast das Doppelte seiner Leibeslänge; ein aufrecht stehender Mann berührt mit seinem schlaff herabhängenden Arm kaum sein Knie, der Gibbon hingegen seinen Knöchel. Daß solche Arme als Gehwerkzeuge fast unbrauchbar sind, ist erklärlich, sie eignen sich bloß zum Klettern. Deshalb ist der Gang der Langarmaffen ein trauriges Schwanken auf den Hinterfüßen, ein schwerfälliges Dahinschieben des Leibes, welcher nur durch die ausgestreckten Arme im Gleichgewichte erhalten werden kann, das Klettern und Zweigtanzen der Tiere aber ein lustiges, köstliches Bewegen, scheinbar ohne Grenzen, ohne Bewußtsein des Gesetzes der Schwere. Die Gibbons sind auf der Erde langsam, tölpisch, ungeschickt, kurz fremd, im Gezweige jedoch das gerade Gegenteil von alldem, ja wahre Vögel in Affengestalt. Wenn der Gorilla der Herkules unter den Affen ist, sind sie der leichte Merkur, trägt doch einer von ihnen, IIylobates Lar, seinen Namen zur Erinnerung an eine Geliebte des letzteren, an die schöne, aber schwatzhafte Najade Lara, welche durch ihre rastlose Zunge Jovis Zorn, durch ihre Schönheit aber zu ihrem Glücke noch Merkurs Liebe erweckte und hierdurch dem Hades entrann.

Am schwerfälligsten bewegt sich, seiner Gestalt entsprechend, der Siamang, da er nicht bloß langsam geht, sondern auch etwas unsicher klettert und nur im Springen seine Behendigkeit bekundet. Aber auch die übrigen vermögen auf dem Boden nur schwer fortzukommen. »Im Zimmer oder auf ebener Erde,« sagt Harlan vom Hulock, »gehen sie aufrecht und halten das Gleichgewicht ziemlich gut, indem sie ihre Hände bis über den Kopf erheben, ihre Arme an dem Handgelenke und im Ellenbogen leise biegen und dann rechts und links wankend ziemlich schnell dahinlaufen. Treibt man sie zu größerer Eile an, so lassen sie ihre Hände auf den Boden reichen und helfen sich durch Unterstützung schneller fort. Sie hüpfen mehr als sie laufen, halten den Leib jedoch immer ziemlich aufrecht.« Von den übrigen wird, gesagt, daß es aussehe, als ob der Leib nicht allein zu lang, sondern auch viel zu schwer sei für die kurzen und dünnen Schenkel, sich deshalb vorn überneige, und daß ihre beiden Anne beim Gehen gleichsam als Stelzen benutzt werden müßten. »So kommen sie ruckweise vorwärts, vergleichbar einem auf Krücken humpelnden Greise, welcher eine stärkere Anstrengung fürchtet.« Ganz das Gegenteil findet statt, wenn sie sich kletternd bewegen. Alle Berichterstatter sind einstimmig in ihrer Bewunderung der Fertigkeit und Geschicklichkeit, welche die Langarmaffen im Gezweige bekunden.

Mit unglaublicher Raschheit und Sicherheit erklettert laut Duvaucel der Wauwau einen Bambusrohrstengel, einen Baumwipfel oder einen Zweig, schwingt sich auf ihm einigemal auf und nieder oder hin und her und schnellt sich nun, durch den zurückprallenden Ast unterstützt, mit solcher Leichtigkeit über Zwischenräume von zwölf bis dreizehn Meter hinüber, drei-, viermal nacheinander, daß es aussieht, als flöge er wie ein Pfeil oder ein schief abwärts stoßender Vogel. Man vermeint es ihm anzusehen, daß das Bewußtsein seiner unerreichbaren Fertigkeit ihm großes Vergnügen gewährt. Er springt ohne Not über Zwischenräume, welche er durch kleine Umwege leicht vermeiden könnte, ändert im Sprunge die Richtung und hängt sich an den ersten besten Zweig, schaukelt und wiegt sich an ihm, ersteigt ihn rasch, federt ihn auf und nieder und wirft sich wieder hinaus in die Luft, mit unfehlbarer Sicherheit einem neuen Ziele zustrebend. Es scheint, als ob er Zauberkräfte besäße und ohne Flügel gleichwohl fliegen könne: er lebt mehr in der Luft als in dem Gezweige. Was bedarf solch begabtes Wesen noch der Erde? Sie bleibt ihm fremd wie er ihr; sie bietet ihm höchstens die Labung des Trunkes, sonst stößt sie ihn zurück in sein luftiges Reich. Hier findet er seine Heimat; hier genießt er Ruhe, Frieden, Sicherheit; hier wird es ihm möglich, jedem Feinde zu trotzen oder zu entrinnen; hier darf er leben, erglühen in der Lust seiner Bewegung.

Diese Lust zeigte sich recht deutlich an einem weiblichen Wauwau, welchen man lebend nach London brachte. Man wollte an ihm die Bewegungsfähigkeit seiner Sippschaft prüfen und richtete ihm deshalb einen großen Raum besonders her. Hier und da, in verschiedenen Entfernungen, setzte man Bäume ein für das Kind der Höhe, um seinen wundervollen Bewegungen Spielraum zu gewähren. Die größte Weite von einem Aste zum anderen betrug nur sechs Meter – wenig für einen Affen, welcher in der Freiheit das Doppelte überspringen kann, viel, sehr viel für ein Tier, welches seiner Freiheit beraubt, in ein ihm fremdes und feindseliges Klima gebracht und seiner ursprünglichen Nahrung entwöhnt worden war, welches eben erst eine so lange, entkräftende Seereise überstanden hatte. Doch trotz all dieser mißlichen Umstände gab der Gibbon derartige Beweise seiner Bewegungsfähigkeit zu besten, daß, wie mein Gewährsmann sagt, »alle Zuschauer vor Erstaunen und Bewunderung geradezu außer sich waren«.

Es war ihm eine Kleinigkeit, sich von einem Aste auf den anderen zu schwingen, ohne die geringste Vorbereitung dazu bemerklich werden zu lassen, und er erreichte das erstrebte Ziel mit unwandelbarer Sicherheit. Er konnte seine Luftsprünge lange Zeit ununterbrochen fortsetzen, ohne dazu einen neuen ersichtlichen Ansatz zu nehmen; den zum Sprunge nötigen Abstoß gab er sich während der augenblicklichen Berührung der Äste, welche er sich zum Auffußen erwählt hatte. Ebenso sicher wie seine Bewegungen waren bei ihm Auge und Hand. Die Zuschauer belustigten sich, ihm während seiner Sprünge Früchte zuzuwerfen; er fing sie auf, während er die Luft durchschnitt, ohne es der Mühe wert zu achten, deshalb seinen Flug zu unterbrechen. Er hatte sich stets und vollkommen in seiner Gewalt. Mitten im schnellsten Sprunge konnte er die begonnene Richtung ändern; während des kräftigsten Dahinschießens erfaßte er einen Zweig mit einer seiner Vorderhände, zog mit einem Rucke die Hinterfüße zu gleicher Höhe empor, packte mit ihnen den Ast und saß nun einen Augenblick später so ruhig da, als wäre er nie in Bewegung gewesen.

Es läßt sich denken, daß der Gibbon in der Freiheit noch ganz andere Proben seiner Beweglichkeit bieten kann, und die Erzählungen der Beobachter dürften deshalb wohl auch allen Glauben verdienen, obgleich sie uns übertrieben zu sein scheinen. Die Berichterstatter vergleichen die Bewegungen der freilebenden Langarmaffen mit dem Fluge der Schwalben!

Die Beobachtung der Tiere im Freileben hat übrigens ihre Schwierigkeiten, weil fast alle Arten den Menschen meiden und nur selten an die Blößen in den Waldungen herankommen. »Meist leben sie,« sagt Duvaucel vom Siamang, »in zahlreichen Herden, welche von einem Anführer geleitet werden, nach Versicherung der Malaien von einem Unverwundbaren ihres Geschlechtes. Überrascht man sie auf dem Boden, so kann man sie auch gefangen nehmen; denn entweder hat der Schreck sie stutzig gemacht, oder sie fühlen selbst ihre Schwäche und erkennen die Unmöglichkeit zu entfliehen. Die Herde mag so zahlreich sein wie sie will, stets verläßt sie den verwundeten Gefährten, es sei denn, daß es sich um einen ganz jungen handelt. In solchem Falle ergreift die Mutter ihr Kind, versucht zu fliehen, fällt vielleicht mit ihm nieder, stößt dann ein heftiges Schmerzensgeschrei aus und stellt sich dem Feinde mit aufgeblasenem Kehlsacke und ausgebreiteten Armen drohend entgegen. Die Mutterliebe zeigt sich aber nicht bloß in Gefahren, sondern auch sonst bei jeder Gelegenheit. Es war ein überraschendes Schauspiel, wenn es manchmal bei äußerster Vorsicht gelang zu sehen, wie die Mütter ihre Kleinen an den Fluß trugen, sie ungeachtet ihres Geschreies abwuschen, darauf wieder abwischten und trockneten und überhaupt eine Mühe auf ihre Reinigung verwendeten, welche man manchen Menschenkindern wünschen möchte. Die Malaien erzählten Diard, und dieser fand es späterhin bestätigt, daß die noch nicht bewegungsfähigen Jungen immer von demjenigen Teile ihrer Eltern getragen und geleitet werden, welcher ihrem Geschlechte entspricht, und zwar die männlichen Kleinen vom Vater, die weiblichen von der Mutter. Ebenso berichten sie, daß die Siamangs öfters den Tigern zur Beute würden, und zwar durch dieselbe Veranlassung wie kleine Vögel oder Eichhörnchen Beute der Schlangen, nämlich durch Bezauberung, was, wenn die Geschichte überhaupt wahr ist, nichts anderes sagen will, als daß die Todesangst gedachte Affen vollständig sinnlos gemacht hat.

Über die Hulocks liegen ebenfalls ziemlich ausführliche Berichte vor. Diese Affen halten sich, laut Harlan, vorzüglich auf niedrigen Bergen auf, da sie Kälte nicht ertragen können. Ihre Nahrung besteht aus Früchten, welche in den Bambuswäldern dieser Gegend vorkommen, namentlich aus Früchten und Samen des heiligen Propulbaumes. Sie verzehren aber auch gewisse Gräser, zarte Baumzweige und dergleichen, kauen diese aus und verschlucken den Saft, während sie die ausgekaute Masse wegwerfen. Nach Owen, welcher fast zwei Jahre lang im Wohngebiete der Hulocks lebte, vereinigen sich diese in ihren Wäldern zu Gesellschaften von hundert bis hundertundfünfzig Stück. Gewöhnlich bemerkt man sie in den Wipfeln der höchsten Olung- und Makkoibäume, auf deren Früchte sie sehr erpicht sind; manchmal aber kommen sie auf Fußpfaden aus dem dichten Walde heraus in die offenen Lichtungen. Eines Tages begegnete Owen plötzlich einer Gesellschaft von ihnen, welche sich fröhlich belustigten, bei seiner Annäherung aber sogleich Lärm schlugen und in das Dickicht der Bambus entflohen; ein andermal hingegen sah er sich, während er auf einer neu angelegten Straße einsam einherschritt, unvermutet von einer großen Gesellschaft unserer Affen umgeben, welche zwar überrascht, noch mehr jedoch erzürnt schienen über das Eindringen eines fremdartig gekleideten Menschen in den Bereich ihrer Herrschaft. Die Bäume ringsum waren voll von ihnen, und sie drohten von oben hernieder mit Grimassen und wildem Geschrei, als Owen vorüberging. Ja, einige von ihnen stiegen hinter ihm von den Bäumen herab und folgten ihm auf der Straße, so daß sie bei ihm die Meinung erweckten, sie wollten einen Anfall machen. Auf der ebenen Straße gelang es freilich bald, den Verfolgern zu entkommen. Bei seiner Rückkehr in die Behausung fragte unser Berichterstatter seinen Dolmetscher, ob es gewöhnlich sei, daß man von diesen Affen feindlich angegriffen werde, und erfuhr, daß vor wenigen Tagen eine Gesellschaft von Nagas, auf einem vielbogigen Pfade durch die Bambusgebüsche hintereinander gehend, von Hulocks angegriffen wurde, ja wahrscheinlich getötet worden wäre, hätten nicht die übrigen ihrem Vordermanne Hilfe leisten können. »In der Tat,« bemerkt Owen, »kann ich versichern, daß sie kräftige Kämpfer sind, da auch ein gezähmtes Weibchen des Wauwau einmal plötzlich seinen Wärter ergriff, auf ihn sprang, mit allen vier Händen kratzte und ihn in die Brust biß, wobei es noch ein Glück für den Mann war, daß es seine Eckzähne verloren hatte.« Ich muß bemerken, daß ich letztere Geschichte nicht glauben kann, denn alle übrigen Berichte widersprechen geradezu der Mitteilung Owens; namentlich wird hervorgehoben, daß Langarmaffen bei Annäherung des Menschen so eilig wie möglich fliehen, aus diesem Grunde auch nur äußerst selten einmal gesehen werden. Sie sind, wie mir Haßkarl mitteilt, ebenso vorsichtig wie neugierig und erscheinen deshalb nicht selten am Rande eines freien, zum Feldbau entholzten Platzes, namentlich da, wo sie noch nicht durch Jäger scheu gemacht worden sind, verschwinden aber im Augenblick, sobald sie bemerken, daß man sie beobachtet oder sich ihnen nähert, und werden dann so leicht nicht mehr gesehen. Um so öfter hört man sie. Bei Sonnenaufgang und Untergang pflegen sie ihre lautschallenden Stimmen zu einem so furchtbaren Geschrei zu vereinigen, daß man taub werden möchte, wenn man nah, und daß man wahrhaft erschrickt, wenn man die sonderbare Musik nicht gewohnt ist. Sie sind die Brüllaffen der Alten Welt, die Wecker der malaiischen Bergbewohner und zugleich der Ärger der Städter, denen sie den Aufenthalt in ihren Landhäusern verbittern. Man soll ihr Geschrei auf eine englische Meile weit hören können. Von gefangenen Langarmaffen hat man es auch oft vernommen, und zwar ebensogut von denen, welche Kehlsäcke besitzen, wie von denen, welchen diese Stimmverstärkungstrommeln fehlen. Ein guter Beobachter, Bennett, besaß einen lebenden Siamang und bemerkte, daß dieser, wenn er irgendwie erregt war, jedesmal die Lippen trichtermäßig vorstreckte, dann Luft in die Kehlsäcke blies und nun lospolterte, fast wie ein Truthahn. Er schrie ebensowohl bei freudiger wie bei zorniger Aufregung. Auch das Unkoweibchen in London schrie zuweilen laut, und zwar in höchst eigentümlicher, tonverständiger Weise. Man konnte das Geschrei sehr gut in Noten wiedergeben. Es begann mir dem Grundtone E und stieg dann in halben Tönen eine volle Oktave hinauf, die chromatische Tonleiter durchlaufend. Der Grundton blieb stets hörbar und diente als Vorschlag für jede folgende Note. Im Aufsteigen der Tonleiter folgten sich die einzelnen Töne immer langsamer, im Absteigen aber schneller und zuletzt außerordentlich rasch. Den Schluß bildete jedesmal ein gellender Schrei, welcher mit aller Kraft ausgestoßen wurde. Die Regelmäßigkeit, Schnelligkeit und Sicherheit, mit welcher das Tier die Tonleiter herschrie, erregte allgemeine Bewunderung. Es schien, als ob die Äffin selbst davon im höchsten Grade aufgeregt werde, denn jede Muskel spannte sich an und der ganze Körper geriet in zitternde Bewegung. Ein Hulock, welchen ich vor geraumer Zeit lebend im Londoner Tiergarten sah, ließ ebenfalls sehr gern seine Stimme erschallen, und zwar zu jeder Tageszeit, sobald er von dem Wärter angesprochen oder von sonst jemand durch Nachahmung seiner Laute hierzu angereizt wurde. Ich darf behaupten, daß ich niemals die Stimme eines Säugetieres, den Menschen ausgenommen, gehört habe, welche mir volltönender und wohllautender in das Ohr geklungen hätte als die des genannten Langarmaffen. Zuerst war ich erstaunt, später entzückt von diesen aus tiefster Brust hervorkommenden, mit vollster Kraft ausgestoßenen und durchaus nicht unangenehmen Tönen, welche sich vielleicht durch die Silben hu, hu, hu einigermaßen wiedergeben lassen. Andere Arten sollen einen viel weniger angenehmen Ruf ausstoßen. So beginnt der Wauwau, wie mir Haßkarl mitteilt, mit einigen vereinzelt ausgestoßenen Lauten: ua, ua; hierauf folgt schneller: ua, ua, ua; dann: ua, uua, ua, ua und zuletzt wird der Ruf immer kläglicher und rascher, das u kürzer, so daß es fast wie w klingt, das a länger, und nunmehr fällt die ganze Gesellschaft mit gleichen Lauten in den Vortrag des Sängers ein.

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