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Die Menschen der Ehe

John Henry Mackay: Die Menschen der Ehe - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorMackay
titleDie Menschen der Ehe
publisherS. Fischer Verlag
firstpub1892
senderhubertk@pacbell.net
created20050430
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I.

Der Dunst der brennenden Kohle erfüllte die Luft weithin. Aus tausend Schloten qualmte der Rauch, gelb, schwarz, grau und weiß, empor, und all’ diese dicken Wolken lösten sich unmerklich auf in die ungeheure Dunstwelle, welche unablässig auf Meilen hin das Flußthal in seiner ganzen Breite beschattete.

Ueber der kleinen Stadt lag sie wie ein dünner Schleier. Zuweilen lüftete den Schleier ein frischerer Windhauch, der von Süden das Thal heraufzog. Aber es dauerte nicht lange und er war wieder herniedergefallen auf die reizlosen Züge, die er wie in Mitleid verhüllte.

Eigentlich waren es zwei Städte, die hier zusammenlagen. Aber nur der Fluß, ein träger, gelber Fluß, trennte sie und zwei Brücken verbanden sie, eine alte, massive aus Stein, mit mächtigen Pfeilern und Quadern, die noch alles lautlos ertragen hatte, was über sie hinweggezogen war, und eine neue aus modernem Eisen, welche ächzte und bebte, wenn die großen Lastwagen über sie hin fuhren, und gräßliche Massen Staub unter den schweren Rädern hervorhustete.

Der Fremde, der auf den Höhen des Thales hinwandernd die roten und schwarzen Giebel zu seinen Füßen sah, glaubte nicht anders, als sie gehörten alle zu dem Bezirke einer Stadt. Aber die, welche unter diesen Giebeln wohnten, waren anderer Meinung. Und auf sie kam es doch an.

Seit undenklichen Zeiten lagen die Schwesterstädte einander in den Haaren. Die kleinen Reibereien endeten nie; die letzten Wahrzeichen der großen entscheidenden Schlachten aber waren die leeren Augenhöhlen der Gaslaternen auf der »alten« Brücke –: unter den Steinwürfen der den Alten nachzwitschernden, nein, nachheulenden Jugend beider Städte waren sie dahin gesunken, unter Würfen, welche ihre edleren Ziele leider verfehlt hatten.

In Dialogen von gleich klassischer Kürze und Schönheit endeten diese Kämpfe:

»Wart’ nur, ich sahns abber meinem Vatter!« der Eine.

»Und ich sahns meiner Mutter, die packt dei Mutter!« der Andere.

»Abber mei Vatter is stärker wie dei Vatter.«

»O Du Dürmel, kumm nure nit dohär …«

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