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Die Märchenwiese

Elisabeth Dauthendey: Die Märchenwiese - Kapitel 15
Quellenangabe
typefairy
authorElisabeth Dauthendey
titleDie Märchenwiese
publisherGeorg Westermann
printrun12. bis 14. Tausend
year1918
illustratorLuise v. Geldern-Egmond
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160731
projectid6835af5b
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Vaters Pfeife

Fritz und Hans und Monika
Sitzen fröhlich beim Papa.
Seine Pfeife, lang und braun,
Ist gar lieblich anzuschaun.
Darauf ist gemalt ein Mann,
Der am Abgrund stehen kann
Und im grünen Federhut
Eine Gemse schießen tut.
Blaue Wölkchen steigen auf,
Und verfolgt man ihren Lauf,
Sieht man, wie sie wunderfein
Tanzen einen Ringelreihn.

»Ach, nur einmal laß mich auch
Blasen solchen blauen Rauch,«
Sagt der Hans – doch Vater spricht:
»Liebes Kind, nein, das geht nicht.
Tabak, Wein und solches Zeug
Taugt für Große, nicht für euch.«

Aber grade weil's nicht taugt,
Hätte man so gern geraucht.
Und noch stets hat das Verbot
Uns gebracht in große Not.
So denn einstmal als Papa
Abends ausging mit Mama,
Geht man artig in sein Bett –
Bonne sagt: »Heut seid ihr nett.«
Schlau macht man die Augen zu –
Bonne glaubt, nun hat sie Ruh,
Freut sich heimlich aufs Pläsier,
Huscht ganz sachte aus der Tür.

Monika und Fritz und Hans
Sind nun plötzlich munter ganz,
Schleichen leis' voll Hinterlist
Zu des Vaters Tabakskist'.
Stopfen sich die Pfeife voll,
Nehmen Feuer, und wie toll
Saugen sie der Reihe nach
An dem Ding – o Ungemach!
Erst zwar ist es ganz charmant,
Bitter wohl – doch intressant,
Wie die blaue Wolke fliegt,
Und die Stub' nach Vatern riecht.
Aber ihre Strafe naht
für die böse Missetat.

Ihre Köpfe werden schwer,
Und die Dinge rings umher
fangen sich zu drehen an,
Alles tanzt, so schnell es kann.

Und dann plötzlich – was ist das?
In dem blauen Rauch steht was –
Ha – die Pfeife fällt vor Schreck,
Klimper-klamper, in die Eck.
Mit der Flinte am Gesicht –
Steht da – steht da – steht da nicht
Riesengroß der Pfeifenmann?
Schaut die dreie finster an.
Seht – nun zielt er gar auf sie.
Und sie fallen auf die Knie,
Wollen schrei'n und können nicht –
Das ist nun das Strafgericht.

Unverwandt starrt jener Mann
Diese armen Kinder an –
Seht – setzt geht die Flinte los,
Und sie bringt den Todesstoß.
Wie sie laufen hin und her –
Hierhin, dorthin – keuchen schwer –
Aber er steht riesengroß
Und läßt sein Gewehr nicht los,
Rührt sich nicht von seinem Fleck,
Aber zielt in jede Eck –
Plötzlich kracht es und wird hell –
Und die dreie auf der Stell'
fallen um – sind mausetot,
Und ein Ende hat die Not.

Aber sie sind nicht gestorben –
Leider sind sie noch erwacht,
Haben an des Vaters Rute
Noch gar manchen Tag gedacht.

Niemals rührten mehr von da
An die Sachen von Papa
Fritz und Hans und Monika.

Auch die Bonne, sie verschwand –
Raus warf sie des Vaters Hand.

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