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Die leichtsinnige Eheliebste

Helene Böhlau: Die leichtsinnige Eheliebste - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie leichtsinnige Eheliebste
authorHelene Böhlau
year1925
firstpub1925
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart / Berlin / Leipzig
titleDie leichtsinnige Eheliebste
pages261
created20100917
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Neuntes Kapitel

Ein Gewitter macht das Saudeffchen zum erstenmal sehr nachdenklich. Eine Predigt gibt ihr den Rest und ein arg verzwickter Traum; so kommt eine hübsche Frau auf die wunderlichsten Auswege. Zwei wandern in Wasserfluten, gezogen von einem Lichtstrahl. Das ganz Unglaubliche wird tatsächlich ausgeführt.

Dunkle, geballte Gewitterwolken zogen von allen Seiten über die ernsten Tannenwälle und lagen schwer und drohend über der Hochebene, dem Dörfchen und der Schmücke. Fern rollte der Donner.

Die Frau Stallmeisterin wandelte auf dem schmalen Wiesenpfad, der dem Dörfchen zuführte, unter dem schweren Himmel, und sie spürte das Schicksal über sich.

Es war ihr, als hätte es Gestalt gewonnen, und sie ging geduckt und langsam, trotz der Gefahr des Losbrechens von Sturm und Wassergüssen.

Wie war das Leben so leicht, so plaudernd verflossen. Wie war sie dazu gekommen, hier unter den schweren Wolken, die wie ein Gottesgericht über ihr brauten, zu gehen? Wie im Traum erschien ihr alles bisher Geschehene, ohne Erwachen; – ein Traum, in dem unendlich viel 187 geschwätzt worden war, in dem viele Gesichter auftauchten und Kleider und reizende Hüte, von denen man neues Leben erwartete – und dann ihr eigenes hübsches Spiegelbild.

Dieses Spiegelbild hatte freilich allerhand Leichtsinniges getan, ganz unschuldsvoll. Bänglich wurde es ihr, es gefiel ihr doch nicht, daß es manchmal so schamlos gewesen, schamlos und leichtsinnig – und unwahr; eigentlich voller Lüge. Waren ihr nicht im Grund alle mehr oder weniger gleichgültig – nur das Spiegelbild nicht? So ein Herz wird so leicht nicht warm, kalt liegt es in der Brust. Nur Verliebtsein macht warm. Da stand August von Einsiedel vor ihr als der einzige, der sich aus dem Menschentreiben hervorhob.

Das gewaltige dunkle Wolkenmeer, so unmittelbar drohend über ihr, und die ferne grauenhafte Donnerstimme fühlte sie auf das arme, schlimme Spiegelbildchen eindringen. Hier oben waren die Gewitter doch sehr stark. In Weimar ist ihr das Angsterregende nie so aufgefallen. Im Gegenteil, da erschien es ihr oft recht gemütlich, wenn sie mit netten Leuten im hübschen Zimmer saß und draußen ein Wetter kam – dann schwätzte es sich doppelt gut.

Einsamkeit mochte etwas Furchtbares sein.

Sehr begreiflich, daß Onkel Rausch von Traubenberg hier oben trank – und wie war der Doktor verliebt in sie – 188 ganz aufgelöst, der schwappelige Mann. Einsamkeit machte gewiß sehr empfindlich.

Ein Donnerschlag – eine Stimme groß und gewaltig wie ein Berg.

Sie schaute sich erschrocken um. Weiter war sie von der Schmücke entfernt wie vom Dorf.

So ging sie eilig dem grauen Häuserhaufen zu und dem grauen, bretternen Finger, der hinauf in die schwarze Wolkennacht deutete.

Jetzt machte der Sturm sich auf – da begann sie zu laufen. – Die mächtige Stimme grollte nahe und grauenhaft – und sie eilte an niederen silbergrauen Hütten mit grauen Schindeldächern vorüber und der kleinen Kirche zu, deren Tür weit offen stand. Und wie sie atemlos durch den Kirchhof mit den grauen Holzkreuzen schritt und durch die offene Kirchtüre eintrat, sah sie sich dunklen Gestalten gegenüber; in dem schlichten Raum am Altar standen Leidtragende um einen Sarg, und die Stimme des Pfarrers klang wie ohne Laut, wenn der Donner rollte. Die Blitze warfen ihren starken, furchterregenden Himmelsstrahl über das schmale Gehäuse und die eingehüllten Menschenwesen.

Sie ließ sich zaghaft auf einer der Bänke nieder – leise, wie ein bunter Schatten, und es war, als hätte sich im schlichten Kirchlein ein zierlicher Vogel niedergelassen, ein Wesen das nicht hergehörte und aus einer bunten Welt zugeflogen war.

189 Und sie vernahm jetzt, was der Pfarrer sprach; und er sprach mit ruhiger, gleichmäßiger Stimme:

»Und der Teufel sprach: Wo willst du hin, du halb blinde Seele?

Da sprach die Seele: Ich bin edel und heilig, ich will die Kreaturen der Welt beschauen, die der Schöpfer gemacht hat.

Der Teufel antwortete: Wie willst du sie beschauen, so du sie doch nicht magst erkennen, aus was Essenz und Eigenschaft sie sind. Du siehst sie nur als ein gemaltes Bild.

Die Seele: Wie möchte ich sie wohl in Essenz und Wesen erkennen?

Der Teufel sprach: So du von dem issest, davon die Kreaturen gut und böse gemacht sind, so werden deine Augen aufgetan und du wirst sein wie Gott selber und erkennen, was der Schöpfer sei.

Die Seele sprach: Ich bin edel und heilig und könnte davon sterben.

Als der Teufel solches sah, daß die Seele Gott anhinge, trat er zur Seele und verwirrte die guten Sinne, welche zu Gott drangen, daß sie nicht sollten zu Gott kommen, zog sie zurücke in irdische Dinge.

Die Seele ächzte nach Gott; aber die ausgehenden Sinne, welche sollten in Gott eindringen, wurden zerstreuet und vermochten die Kraft Gottes nicht zu erreichen. Dessen erschrak die arme Seele noch viel mehr, daß sie ihre 190 Begierde nicht mochte in Gott bringen und fing an heftiger zu beten; aber der Teufel griff mit seiner Begierde in das merkurialische entzündete Feuerrad des Lebens und erweckte die bösen Eigenschaften, daß die falschen Neiglichkeiten aufstiegen und in dasselbe eingingen, darinnen sie sich belustigten. Davon ward das Leben dunkel, rauh und grimmig und verloschen die Himmelskräfte und Farben. Also ward der Höllen Fundament, welches Fundament heißet der Zorn Gottes, in dieser Seelen ganz offenbar, und sie verlor dadurch Gott, Paradies und Himmelreich und ward ein Wurm gleich der feurischen Schlangen und fing an auf tierische Art zu regieren und zu leben auf Erden.

Als sie nun also lief in solchem Wandel, da begegnete ihr auf eine Zeit unser lieber Herr Jesus Christus mit Gottes Liebe und Zorn, und sprach, als mit einer gewaltigen Kraft, mit seinem Leiden und Sterben auf die Seele ein und zerschellte des Teufels Werke in ihr.

Als nun dieses geschah, daß in ihr der Funke göttlichen Lichtes wieder offenbar ward, sah sie sich an samt ihren Werken und Willen und ward gewahr, daß sie in der Höllen in Gottes Zorn stand, und erkannte, daß sie eine Larva und Monstrum vor Gott und Himmelreich war. Dafür erschrak sie sehr, daß in ihr die größte Angst aufwachte.

Als dieses geschah, so sprach der Herr Christus mit seiner Gnadenstimme in sie: Tu' Buße, so kommst du zu Gottes Gnade.«

191 Die Seele trat in ihrer Larven Bildnis zu Gott und bat um Gnade.

Als sie nun in solcher Traurigkeit stund und nirgend Rat und Ruhe fand, gedachte sie, wo sie doch möchte eine Stätte finden, da sie könnte rechte Buße wirken und von den Hinderungen der Welt möchte frei sein.

Die betrübte Seele sprach: Mir hat der Schöpfer sein Antlitz verborgen, daß ich nicht mag zu seiner Ruhe kommen. Was soll ich tun, daß ich wieder grüne und mein erstes gehabtes Leben bekomme, darin ich in Ruhe stand, ehe ich ein Bilde ward?

Eine erleuchtete Seele sprach: Du sollst nichts tun, sondern deinen Willen eigener Annehmlichkeit verlassen, so werden deine bösen Eigenschaften alle schwach, so versinkst du mit deinem Willen wieder in das Eine, daraus du im Anfang hergekommen bist. Und so du das tust, so sendet dir Gott seine höchste Liebe entgegen; auch wirst du wieder das Bild Gottes bekommen und dieses Schlangenbildnis loswerden; alsdann kommst du zu unserer engelischen Schar.«

So redete der Pfarrer unter dem Rollen des Donners, unter der Blitze Feuerstrom und dem Stürzen der Wasser und schloß seine Grabrede und war ein feines Männlein mit starkem Blick, dessen Augen über alles, was ihn umgab, hinwegglitten – über den Sarg mit seinem armen Bildnis, das in die Erde gesenkt werden sollte, über die 192 stillen Leidensgestalten, die den Sarg umstanden, über den bunten Vogel, der zugeflogen war, über den Doktor im roten Rockelor, der dem verblichenen Bild im Schrein zum Sterben verholfen und nach altem Brauch beim Begräbnis nicht fehlen durfte.

Nun hoben vier Männer den Sarg und trugen ihn am bunten Vogel vorüber hinaus in die klare Luft und große Stille. Das Wetter hatte sich gelegt. Die Tannenwälder strömten starken Duft; die Luft rein wie Kristall. Schön und köstlich war es da oben zu atmen.

Der schmale Sarg wurde in die dunkle Erde gesenkt, um ewig verborgen zu bleiben, fern allem Leben und aller Lust – und der Pfarrer segnete die Seele und segnete den verlassenen Leib – und sie schritten einer hinter dem anderen, hagere Gestalten der Lebensnot und Kargheit, und warfen eine Handvoll Erde als letzten Gruß in die dunkle Grube, die sich aufgetan hatte.

Der Pfarrer stand gütig und wissend vor dem offenen Grab. Die hübsche Stallmeisterin war mit herangetreten und schaute seltsam beklommen auf den Mann, der so geheimnisvoll in Blitz, Donner und Wassergüssen von der armen Menschenseele und ihren Ängsten geredet hatte.

Die eigene Seele hatte der bunte Weltvogel noch nie deutlich gespürt. War sie allein, so schien es ihr oft, als wäre alles leer und sie selbst auch nicht da – sah sie Schönes und konnte mit niemandem darüber plaudern, so schloß sie die 193 Augen, weil sie sich selbst nicht spürte, und was sie sah, schien ihr ins Leere zu gehen. – Und heut war es ihr so angst geworden in der großen Öde um die die dunklen, hohen Tannenwände wie schauerliche Wächter standen, das schwere Wolkenmeer, das über ihr braute und kochte, die Donnerstimme, die auf das Spiegelbildchen eindrang. Wenn sie an sich dachte, sah sie ihr Spiegelbild. – Die geheimnisvolle Stimme des Pfarrers, der seltsame Dinge sprach, wie sie nie noch hatte sprechen hören, der Sarg mit dem unbekannten toten Leib – in welch eine Welt war sie geraten? Wie heimisch trotz aller Langweile mit dem Ehemann war ihr bisher das Leben und die ganze Welt erschienen. Gerade, feste Straßen, alles ordentlich und zweifelsohne. Daß die Erde eine Kugel im Raum schwebend sei, konnte man sich einfach nicht vorstellen, und wer weiß, ob es wirklich so sein mochte. Der liebe Gott war Sonntags ordentlich in der Kirche zu finden; eine Predigt das beruhigendste, was man sich vorstellen konnte, ja man hatte Mühe, nicht dabei einzuschlafen.

Die Ehe sollte, sagte man, ein Sakrament sein, aber wo man hinhörte, wurde sie nicht allzu ernst genommen – über Liebesgeschichten lächelte man doch nur. Ihr Mann war überhaupt gar kein Mann – und sie eine Heilige. Alles war ganz in Ordnung – und eine Seele hatte sie noch nie gespürt.

194 Und hier oben? – Hatte der Donner sie nicht geradezu angebrüllt? War hier nicht alles wie auf sie losgelassen – die fürchterlichen schwarzen Riesenwolken wie Wölfe und Untiere und in solch grauenhaften Massen – und alles auf sie eindringend – und der Pfarrer – die unheimliche Rede – der Sarg – die stillen, hageren armseligen Leute – da war der ehrengeachtete Doktor Lamm eine Augenweide, als begegnete man im dunkeln unheimlichen Gespensterhaus einem guten, freundlichen Menschen. – Und da stellte er sich auch schon ein sehr erfreut und überaus höflich, so gut dies eben gehen wollte bei seinen rapauzigen Lebensgewohnheiten – und sie gingen miteinander und ließen das offene Grab, den seltsamen Pfarrer und die stille Gemeinde der Leidtragenden hinter sich.

Unterwegs fragte die hübsche Frau ihren Begleiter nach dem Pfarrer.

»Ach, Euer Gnaden – unheimlich? Der ist, was man so einen Bauernpfarrer nennt, so wie Doktor Lamm, meine Wenigkeit, ein Bauerndoktor ist, der sich, meiner Seel, vor keiner Sympathiekur fürchtet und der den Teufel so notwendig braucht wie der Pfarrer. Ein Leichenbegängnis ohne Teufel, wem möchte das gefallen? Wo der Teufel nicht mit drein redet, da ist kein Saft und Kraft, beim Pfarrer nicht und nicht beim Doktor. – Und je älter solch ein Rezept ist, desto größer das Zutrauen. – Euer 195 Gnaden glauben nicht, wir hier heroben müssen Hexenmeister sein, die Salben schwarz, die Predigt aus altem Schweinslederband, und er hat solche Bände uralt und verräuchert, da greift er einfach zu, dann zieht's – Pflaster und Predigt.

Ein Mensch aus unseren Tagen kann gar nicht sein, wie die hier oben es wollen. Der Pfarrer versteht's – ist selbst so einer von Anno dazumal – in Schweinsleder gebunden.

Machen Sie sich nur keine Sorgen. – Für gebildete, feine Menschen sind dem seine Predigten nicht, die sind für Holzknechte. – Meine scharmante Dame, den müssen Sie nicht ernst nehmen.«

So schwätzte der Doktor, und der leichtlebigen Frau wurde es wieder besser ums Herz.

Ein Spatz vergißt der Dinge, während sie geschehen, und so ein bunter Menschenvogel macht es ähnlich.

Des Doktors Stimme, seine Schwappligkeit, der weiche Schritt, der Schatten, den er warf, der rote Doktorrock, der Bambusstock mit dem silbernen Knopf – dem Denkknopf –, den er während der Diagnose am Krankenbett an die Nase zu legen pflegte, damit Ehrfurcht vor seiner Weisheit das Haupt erheben könnte; all das war so handgreiflich wie nur möglich. Die düsteren Wolken schoben ab und ein graublauer Abendhimmel wurde frei und freier.

In ihrem Herzen aber hockte Gespensterfurcht – eine grenzenlose Einsamkeit – Sehnsucht nach einem 196 Menschen, an dessen Brust sie sich bergen konnte – und dieser eine Mensch war August von Einsiedel.

All das Unheimliche, Drohende, was sie heute erlebt hatte, sollte ihr dieser eine verscheuchen. Wo konnte sie hin – wenn nicht zu ihm! Er mußte sie schützen und führen – denn wahrlich, hier oben, in dieser schauerlichen Öde, konnte sie nicht bleiben. – Hier lief sie wie schon gestorben umher, vergessen und verlassen von allen.

Solch ein bitterliches Mitleid mit sich selbst überkam sie, daß sie zu weinen begann wie ein verlaufenes Kind.

Dem ehrengeachteten Doktor Lamm wurde es gar weichlich zumute. Sein Trinkerherz war leicht zu rühren und gar durch Tränen eines scharmanten Weibchens. Er fühlte sich selbst dahinfließen in dicker Verliebtheit und umfloß das Frauenwesen, das leise weinend neben ihm ging.

Er faßte nach ihrem Händchen, führte es an seine Lippen und versicherte ihr weich und schmelzend, daß er ihr allergehorsamster Diener sei. – Und das tat er so oft und eindringlich in allerlei Wendungen, daß er sich selbst über seinen Wortschatz verwunderte.

*

Die von Donner und Blitz, den dunklen Heerscharen des Himmels und von Tod, Grabrede, Teufel, Seele, Leidtragenden und Pfarrer und der keimhaften Ahnung einer 197 eigenen Seele schwerbedrängte freiwillige Strohwitwe hatte eine gar üble Nacht, was nicht zu verwundern war, und wenn Schlaf nach langem Wachen über sie kam, ängstigten sie Träume. Sie sah sich selbst im Sarg und hörte den Pfarrer reden. Er sagte, daß sie ein Monstrum und ein Bilde vor Gott sei, und sie sah, wie die Leidtragenden dazu ernsthaft mit den Köpfen nickten – aber mitten unter den Leidtragenden stand Einsiedel und fragte: Wo ist die Larva? Da erhob sie sich aus dem Sarg, ging zu ihm und steckte ihm einen Zuckerkringel in den Mund – und er sagte Saudeffchen zu ihr. Das klang so sonderbar reizend, daß sie lachen mußte, und Einsiedel bot ihr seinen Arm und führte sie durch die Esplanade in Weimar, da sah sie, daß sie im Hemd war. Alle Welt begegnete ihr, sie schämte sich auch nicht, wie das im Traume üblich ist.

Als sie erwachte, war sie mit Sarg und Tod, Einsiedel, Grab, Pfarrer und Larva ganz wunderlich verbunden. Und als sie auf dieses Traumgemenge lang hingeschaut hatte, wurde all dies zu einem wachen nächtlichen Phantasiespiel und -gespinst, über das sie selbst in große Verwunderung geriet.

Erschüttert und erregt war sie. Sie fühlte zum erstenmal im Leben, daß ihr Schicksal von Gewalten getragen wurde.

Ein Gedanke fuhr wie ein Blitz in sie. Sie schnellte in die Höh' und stand mit wallendem Haar in ihrem 198 Bette. – Sie wußte mit einemmal, was sie wollte und was sie retten würde!

Begraben sollten die beiden alten Kerle sie! – Nicht sie – Gott bewahre! – Aber eine Larva – so hatte der Pfarrer doch gesagt – eine Larva! – Welch ein Wort! Das war hängen geblieben, alles andere, was der Geheimnisvolle gesprochen, mochte in der Hitze des Verlangens verdampft sein.

Sie selbst aber würde die Auferstandene sein – ohne zu sterben! Ja, die verlaufene Amalie von Werthern mußte begraben werden. Das war die Lösung, das konnte das Ganze einrenken. Das war das Rechte.

Ein neues Leben sollte aus diesem Untergang aufgehen – und sie, die Auferstandene, würde zu dem Einzigen, von dem Hilfe kommen konnte fliehen, der mußte sie mit hinaus in die weite Welt nehmen.

Ganz wie im Traum sollte es geschehen. – Sie würde Einsiedel aus dem Grab heraus einen Zuckerkringel in den Mund stecken.

Gott hatte ihr diesen Traum geschickt – und die beiden alten verliebten Kerle dazu. – Da mußte sie leise lachen – und klatschte in die Hände – und hockte sich im Bett zurecht, um alles recht ordentlich mit dem leichtsinnigen Spatzenhirn zu betrachten.

Und so besah sie sich die beiden Alten und die ganze Komödie.

199 Vertroddelt genug waren sie ja, gottlob – diese Schwerenöter!

Wozu war er denn Doktor, Vertrauensmann, Hofmarschall für Apotheker, Totengräber, Leichenfrau, Sargschreiner, dem ganzen Hofstaat des Todes – und wozu war sie unwiderstehlich, wenn sie es sein wollte? – Und wozu war der Doktor solch ein Abgrund und Sumpf – und so in Weltferne und Verliebtheit verstrickt – wenn nicht zu ihrem Heile?

Für seine schwapplige Willenlosigkeit wollte sie schon Sorge tragen.

Und Rausch von Traubenberg? – Dessen Umnebelung und abgrundtiefe Verkrochenheit war zu jedem weltfernen Streich zu gebrauchen. – Der hatte sie irgendwie zu Einsiedel zu schaffen, ob er wollte oder nicht, dieser alte tolle Bursche, dem es hier in seiner Einsamkeit nur an Gelegenheit fehlte, die schönsten Verrücktheiten zu begehen.

Umsonst hatte der sein abenteuerliches Profil nicht, ein Profil, das jeder Regelmäßigkeit spottete, umsonst war der als alter Knabe nicht so gelenk und sehnig geblieben. Das hatte die Sehnsucht gemacht, der hatte sich hier verzehrt, Närrisches zu tun.

Wie jung er noch war trotz seiner Jahre, unverbraucht, ein Ritter Don Quichott. Nur ein wenig Aufmunterung – und er war losgelassen und tat mit Freuden etwas 200 außerordentlich Unüberlegtes – und gewiß im edelsten Sinn – so ein Narr!

Er würde sie von hier wieder unerkannt herunterschaffen in Einsiedels Nähe. Eine weit geringere Kraft, wie das Spiegelbildchen sich dünkte eine zu sein, würde genügen, ihn zu veranlassen, sich gegen die ganze Welt, die er nicht mehr kannte, aufzurichten – und er gehörte dem Spiegelbildchen und dessen Reizen doch schon – was noch etwa fehlte, tat die Eifersucht der beiden alten Knaben.

Was für ein superkluges Viehchen sie doch war! – Ja, das sollte ihr eine nachmachen – alles so beim Schopf zu packen! – Die allerunmöglichsten Dinge – und so legte sie sich wieder in die Kissen wie ein Held und mutschelte sich ein.

Sie hatte Ordnung gemacht und begann wieder sich ansässiger im Leben zu fühlen. Das Dasein einer lebenslustigen, leichtsinnigen, in der Ehe verunglückten Frau ist reich an mancherlei Verschwiegenheiten, Torheiten, Schwindeleien und allerlei dunklen Wegen, daß sie einem Schmuggler gleicht, der seine Ware über halsbrecherische Wege und Steige trägt und sich in mancherlei Finsternissen und Gefahren zurechtfindet.

*

In der breiten, niederen Stube der Schmücke an einer Ecke des großen, beladenen Tisches saßen die beiden feuchten Brüder, der Doktor und Herr von Münchhausen 201 und mit ihnen die hübsche Stallmeisterin. Ein vorzügliches Abendessen hatte ihnen allen behagt. Jetzt stand der große steinerne Weinkrug auf dem weißen Tischtuch, das wieder über das Gebirge geworfen war, Gläser und ein Teller mit zartem Backwerk, was der Herr des Hauses zu Ehren der Nichte von seiner Haushälterin hatte backen lassen. Draußen stürmte es und war Nacht. Der Spätsommer trat spätherbstlich auf. Alles rauchte und brannte, der Ehrengeachtete und der borstige Münchhausen und der Ofen – und Holz, Wein, Tabak und Wohlbehagen wurden kräftig nachgeschürt und die beiden alten Gesellen brannten lichterloh und alle Funken umsprühten das kühle Weibchen, das in seiner Lindheit und Zartheit mächtig wie ein Götterwesen im Großvaterstuhl sich dehnte und streckte und Opferdampf einsog, einen kräftigen Opferdampf, der keinen Zweifel ließ, über die Anbetung, die da dampfte. – Mitten in seiner Entlaufenheit, Heimatlosigkeit und dem tollen Streich, den es seiner kleinen Welt spielen wollte, war es gar puffelfidel. Es spürte die Flammen, knabberte das frische, knusprige Backwerk – schnurrte, denn es mochte wohl ein Katzengebilde sein, das Götzlein – und schmunzelte. – Zierliches Weiberlachen fuhr aus dem fröhlichen Gebilde auf. Es schwang sein Gläschen, nippte, erzählte drollig und boshaft aus seiner Welt, vom Stallmeister von Werthern, daß die beiden alten Geschütze sich vor Lachen bogen – keiner 202 seiner guten Freunde, den es nicht verriet. Die beiden Weltfremden hatten die größte Genugtuung, daß sie gar nichts in ihrer Einöde versäumten, daß drunten in Weimar eine Gesellschaft von Narren, Tölpeln, Dummköpfen und langweiligen Frauenzimmern sich, so gut es gehen wollte, die Zeit vertrieb.

Die beiden hatten auch von des Herzogs Freund Unbestimmtes raunen hören, und auch hier befriedigte das Weibchen, das sich ganz dem Stil ihrer entzückten Zuhörer anpaßte, die beiden vollkommen.

Sie schilderte ihn als einen kompletten Tollhäusler, der es noch eine Weile so treiben werde. Sie erzählte von den Leiden des jungen Werther, von denen sie in Weimar fast kniend gesprochen, und pries die Braven glücklich, daß sie das dumme Zeug nie in Händen gehabt hatten.

»Es macht die Leute kurios, solch übertriebenes Liebesgetue – das sollten sie einer armen, vertriebenen Frau glauben, die allen Grund hätte, sich den Tod zu wünschen.«

Dabei sah das Götzenbild zum Anbeißen aus – streichelte Onkel Rausch von Traubenberg, der ihr am nächsten saß, lind mit der zarten, verwöhnten Hand über den borstigen Schopf, daß sich ihm vor Ungewohnheit und weil er ganz betroffen war, der Schnurrbart sträubte – der Teufel, dachte er, denn seine Borstigkeit war keineswegs geschmolzen, trotz aller Annehmlichkeit.

203 »Onkelchen,« sagte das Gebilde zärtlich schmachtend, »du einziger, der es gut mit mir meint,« – und wieder fuhr ihm das Händchen über die Borsten – daß er weiß Gott vor Hilflosigkeit ein Erröten verspürte – Schmach, dachte er, – so etwas!

Der ehrengeachtete Doktor Lamm aber verfolgte das Händchen mit runden Augen. Er war vollständig am Zerfließen – ein Wunder, daß er sich in seiner trunkenen Weichheit aufrecht erhielt, denn seine Knochen schmolzen dahin.

Als das Weibchen an diesem Abend »Gute Nacht« sagte, wußte sie, daß sie die Gesellen an zwei Fäden geknüpft hatte, die sie in der Hand hielt, und die fester waren, als es den beiden lieb sein mochte.

Die blieben wieder stumm und verdutzt zurück.

Diesmal blieben sie wirklich stumm, keiner hielt einen Sermon. Sie tranken aber noch erklecklich bis in große Späte und kartelten.

Und wunderlicherweise gingen heute zwei den Wiesenpfad entlang und schauten nach dem Lichtschein, der aus dem Pächterhause fiel.

Aus den Ställen der Schmücke klang das verschlafene Geläut der Kuhglocken hin und wieder: Eia – Eia – Popeia – so läut ich – so läut ich – eia popeia – ich hübsche Kuh.

Käuzchen riefen, seufzten, lispelten, redeten und glucksten, wie nur Käuzchen in tiefer Öde seufzen und 204 glucksen und reden können, und der starke Bach, neben dem der Pfad sich schlängelte, murmelte über Kiesel und feine, zarte Mose. Es war tiefe Nacht und in zwei umnebelten Häuptern nächtlich erwünschte Verwirrung eines vortrefflichen Trunkes und sehr dumpfe Bewegtheit aller Sinne.

Nach kurzem Wandern schaute Herr Rausch von Traubenberg in den sternenklaren Himmel, den der Sturm reingefegt hatte und der funkelnd und strahlend seine unermeßliche Weltenzahl bewegte, und er sagte: »Es regnet,« indem er seine Hand ausstreckte.

Doktor Lamm blieb still und stapfte weiter, – blieb stehen – blickte auch zu den Sternen und meinte: »Es dreescht, mei Liewer.« – Schwer hob er sein Bein, um weiter zu wandern – und setzte es schwer nieder, da sprühte Regen über die Brüder. – »Es dreescht, mei Liewer, es regnet fürchterlich, ich glaub', wir ersaufen.« Das war der ehrengeachtete Doktor, der das sagte, und sie schauten wieder miteinander in die Sterne – bestätigten, daß es regnete, und zogen weiter, der Doktor immer mühseliger und stolpernder, bis er, nachdem auch sein Begleiter gehörig durchnäßt war, bemerkte, daß er im rauschenden Bache watete und gewaltig um sich gespritzt hatte.

Das erstaunte keinen von beiden, denn weit Erstaunlicheres trug sich zu! Der Lichtstrahl aus dem Pächterhause zog die beiden verwetterten alten Burschen fest wie der festeste Strick zurück.

205 Beide naß und kalt, kehrten, als sie dem Dorfe nahe waren, miteinander wieder um, weil der Doktor den Lichtfaden aus dem Pächterhaus seinem Kumpan nicht allein vergönnte. Der Doktor hielt wieder in der Schmücke Einkehr und legte seinen nassen Leib auf der Ofenbank zur Ruhe, weil es zu spät und zu frühe war, um nochmals aufzubrechen.

*

Noch ein paar solcher Abende und das entlaufene Frauengebild hatte zwei Vasallen, die jeder nach seiner Art borstig und flaumweich verliebt waren in Weltfernheit und Verwitterung, die sich um sie gelegt hatte wie die graue Wetterfarbe über den Holzfinger, den das Kirchlein droben auf dem Gebirg in die Wolken streckte.

*

So kam es gar wunderlich, daß die Zechbrüder einen Krankheitsfall oben in der Schmücke hatten, den der ehrengeachtete Doktor Lamm für einen bösartigen erblichen, das heißt ansteckenden Fluß verschrie, vor dem sich ein jeder zu hüten habe. Das junge zugereiste Frauenzimmer lag ihnen krank und besinnungslos im Pächterhause und wurde von der Alten verpflegt und vom Doktor betreut, der selbst aus der Apotheke im nächsten Ort die allerbedenklichsten Arzneien holte, die er denen verschrieb, die 206 dem Ende nahe waren; – es war ein böser Fluß, der die Geschwüre nicht nach außen trieb. – Der Doktor selbst machte drei große weiße Kreuze und einen Totenkopf wie auf einer Giftflasche an das Hoftor der Schmücke und an die Türe des Pächterhauses, um die Leute fernzuhalten. Auch den Pfarrer ließ er nicht ein, da die Seele nicht mehr vernehmungsfähig sei.

*

In einer dunklen Nacht, in der Regen strömte, lag im niederen Pächterzimmer beim Schein zweier Kerzen, das Gesicht verblichen, in ein geblümtes Seidenfähnchen gehüllt, mit einem Schleiertuch überdeckt, ein schweres Gebetbuch unter dem Kinn, ein stilles, weißes Bild. – Die Amme saß dürr und eng in die Dunkelheit verkrochen, die Hände gefaltet.

»Jetzt,« sagte die Alte, »jetzt kommen se.«

Auf der steilen Treppe begann es zu poltern und zu schlürfen. Halblaute Stimmen – die Stufen krachten – vorsichtige schwere Männerschritte; – die Tür öffnete sich langsam, und von zweien getragen, schwankte ein schwarzer, schmaler Sarg in den Raum. Der Knecht war es, der zuerst mit der Last eintrat, am anderen Ende trug Herr Rausch von Traubenberg. Der Doktor leuchtete mit der Laterne, die Lichter flackerten vom Luftzug.

207 »Kau auf deinen Wacholder und setz nieder in Gott's Namen – und mach dich davon,« brummte der Doktor, zum Knecht gewendet.

Der schielte bänglich nach dem Verhüllten auf dem Bett und hätte gern in aller Eile mehr von der feinen Leiche erspäht. »Mach dich davon!« brüllte der Doktor, »oder willst auch du mit dergleichen Bekanntschaft machen? Leicht fällt der Tod den Menschen an, wenn sich der Fluß ins Geblüt ergießt. Wär's nicht nach innen geschlagen, würde es jetzt anders um sie stehen.

Auch wir empfehlen uns bis auf weiteres und helfen Ihr dann. Kau auch Sie Wacholderbeeren,« damit reichte der Doktor der Amme eine blaue Düte hin. »Obwohl ein Weibsbild in Euren Jahren gegen so üble Einflüsse durch ihr trockenes Fell fürtrefflich geschützt ist.«

»Speis' und Trank aber steht für Sie drüben in der Wohnstube, das hol Sie sich. Totenwacht ist kein leichtes Amt für ein altes, abergläubisches Weibsstück.«

»Mit Verlaub, Herr Doktor – wer tut'n die Leiche mit mir einbetten? Sie Herr Doktor? – Ach du mei – du mei Gott!« Die Alte stöhnte. »Und was werd'n aus mir wern? – So hinausgeschmissen durch'n Todesfall, das is iwel!« Die Tränen liefen ihr über die Backen. »Wer kümmert sich denn um mich. Du mei Gott!«

»Für Sie ist gesorgt – das weiß Sie ja. – Die letzten Worte der Gnädigsten – von was handelten die? He?«

208 »No ja – ich sag ja nur; – wenn's nur auch wahr werd.«

Somit verließen die Sargträger das Zimmer.

Tiefe Stille.

Die Tote lag regungslos.

Auch Frau Fiedlern ging und schloß die Tür ab, um Speise und Trank für die Totenwacht zu holen.

So blieb die leichtsinnige Frau mit ihrem Sarg, ihren Totenlichtern und ihrem künstlich verblichenen Gesicht und Händen als lebende Leiche allein. Die Augen hielt sie fest geschlossen, denn sie fürchtete sich vor dem Sarg, der mitten in der Stube stand. Sie hatte ihn blinzelnd gesehen. Ein fürchterliches, verschlossenes Geheimnis, das vorher noch nie in seiner grauenhaften Undurchdringlichkeit aufgetaucht war.

Hier stand es. – Sie selbst hatte es aus seiner tiefen Finsternis heraufgeholt.

Wie war es möglich, daß sie so etwas gewollt, daß sie die trunkenen, weltfernen Männer dazu überredet hatte?

Es schien, als wäre sie zum erstenmal im Leben aufgewacht, so wie es Sterbenden ergeht. – Ein langer Lebensschlaf und Traum, die Ewigkeit versinkt, die hinter uns liegt, so lang das Rätsel Tod uns fern ist, die Erdenewigkeit, die aus unserer Dumpfheit aufsteigt, uns umgibt wie eine Mutter, die dem Kinde sorglich alle Schrecken, Zweifel und Anblicke verbirgt.

So war dem Frauengebilde seine gute, sichere Ewigkeit zerrissen. Sein eigener schmaler Sarg war mitten 209 durch sie hindurchgefahren und hatte eine Kluft gerissen, durch welche Niegewußtes blickte – der Tod. – Nicht das Wort, das so oft gehörte, bedeutungslose, das Wesen – die Essenz und Eigenschaft, die durch das Wort verlöscht wird.

Und sie hörte im Geiste den seltsamen Pfarrer reden:

Wie willst du sie beschauen, die Kreaturen der Welt, so du sie doch nicht magst erkennen, aus was Essenz sie sind. Du siehst sie nur als ein gemaltes Bilde.

Sie aber wurde von einsamer Grauenhaftigkeit angestarrt. Und es schien ihr, als wäre sie selbst die arme Larva, das Monstrum vor Gott, wovon der Pfarrer geredet, und als würde der dunkle, rätselhafte Sarg sie verschlingen und verbergen, aber Christus in seinem geduldigen Leiden und Sterben begegnete ihr nicht. Es blieb alles tot, nur die Furcht des dumpfen Tiers regierte; doch tat sich der Deckel des Sarges auf und der Tod erhob sich fürchterlich vor ihren Sinnen und trat höflich an ihr Bette und faßte ihre Hand und sagte wie ein böser Richter kalt und grausam: »Tanz mit mir.«

Und sie sah sich mit ihm tanzen – und er tanzte schauerlich zierlich und hielt sie wie ein Kavalier fein an der Hand mit seinen großen Knochenfingern. – Seine leeren Augenhöhlen aber blickten in eine Welt voll Grauen.

Da hörte sie Schritte die Treppe herauf und Klirren und hörte, wie der Schlüssel in das Türschloß gesteckt wurde, 210 und sah, wie die Amme mit einem Tablett voll Speisen in das Zimmer trat.

Sie spürte, daß sie nicht rufen konnte, daß eisiger Schweiß sie bedeckte, daß sie erstarrt war vor Entsetzen.

Die Amme setzte ihre Last ab, trat an das Bett und sah ihre Herrin mit verzerrtem, ganz fremdem Gesicht liegen, so an der Grenze, wo der Mensch ins Wesenlose sinkt.

»Herr du mein Gott!« schrie die Alte, »straf sie nicht in ihrer Torheit!

Komm zu dir, mein Saudeffchen – komm, trink ä Schlückchen. Mach keine Geschichten. – Ne Zuckerlecke ist's für niemanden, was du da tust – und mir eingebrockt hast. – Nä – so ä Unsinn! Und das sag ich dir bloß: Ei Mannsbild is wie 's andere – s'is Wurscht. Alles leift aufs selbe naus – und der Stallmeister war so iwel nich.

Heit Nacht fährste mit dem närrschen Kerl, dem Rausch, in die Nacht hinaus und wer weiß, wo du anlangst – un wer weiß, wie du 'n triffst, den Einsiedel – un ob der ganze Krempel sich lohnt.«

Sie hielt die schlotternde Gestalt im Arm.

»No ja – da haste dich vorn Sarg gefärcht, mei Kind. Das is aach ä dummes Mewel, so'n Sarg. Da is mer ne Wiege scho liewer, so'n alter Schumbelkasten, wo mer aach nich weiß, was mer egentlich dervon denken soll.

Ach, in Weimer war's doch hibsch!« 211

 

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