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Die Lehrjahre eines Humanisten

Wilhelm Heinrich von Riehl: Die Lehrjahre eines Humanisten - Kapitel 1
Quellenangabe
typenovelette
booktitleKulturgeschichtliche Novellen
authorWilhelm Heinrich Riehl
year1923
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart und Berlin
titleDie Lehrjahre eines Humanisten
pages391-454
created20030718
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1856
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W. H. Riehl

Die Lehrjahre eines Humanisten.

(1856.)


Erstes Kapitel.

»Melancholie steigt auf aus dickem Geblüt. Was kann ich dafür, daß mein Blut schwarz und dick fließt? Da hilft kein Purgieren und Aderlassen. Alle Kräfte Himmels und der Erden wirken zusammen, um einen einzigen Menschen so zu machen, wie er ist: wie soll ich selber mich anders machen können?

»Mit eigener Willensstärke soll ich mich erlösen aus meinem Trübsinn. Aber Wille ist ja nur bewußte Lebenskraft. Ich suche die verlorene Lebenskraft wieder: wie kann ich sie durch den Willen gewinnen, der nur aufkeimt aus der Lebenskraft, der in ihr enthalten ist und eins mit ihr?

»Paracelsus schreibt: des Menschen Wille könne so stark werden, daß einer durch den Geist allein, durch bloßes inbrünstiges Wollen, ohne Schwert einen anderen steche – aber das Rezept zu dieser Willensstärke hat er uns nicht hinterlassen.

»So bleibe ich preisgegeben der Melancholie, dem dicken Blute, dazu auch der Hypochondrie, die mir das viele Studieren in den Unterleib gehext hat.

»Ueberall siehet der Mensch Krankheit vor sich, Elend an Leib und Seele, Not und Tod. Nur im größten Leichtsinn mögen wir fröhlich sein. Die sichere Erkenntnis unserer Schwachheit ohne die sicheren Mittel, ihr zu wehren, das ist der größte Fluch, der auf das Menschengeschlecht geladen ward. Das Tier erkennt nicht einmal seine Gebrechlichkeit: dennoch weiß es sicherer ihr zu steuern. Die Schlange, wenn sie aus der Höhle kriecht, heilt ihr verdunkeltes Auge mit Fenchel; die Rebhühner und Krähen purgieren sich im Frühjahr, damit sie für den ganzen Sommer gesund bleiben, und der wirkliche vierbeinige Esel weiß mit Hirschzunge sicherere Kuren zu vollbringen, als mancher Esel von der medizinischen Fakultät mit einer ganzen Apotheke. Darum sind auch etliche Aerzte der Meinung, die Menschen hätten die Heilkunst eigentlich vom lieben Vieh gelernt.

»Jetzt, wo ich zum erstenmal im Leben nicht Herr meines Körpers bin und mein schwacher Leib den Geist mit Schwermut schlägt, jetzt begreife ich Calanus, den Gymnosophisten, der, als er die erste Leibesschwachheit verspürte und zum erstenmal im Leben ein wenig krank zu werden anfing, sich selber verbrannte. Freilich war Calanus damals dreiundsiebzig Jahre alt, und ich bin erst dreiundzwanzig. Will darum noch eine Weile zuwarten mit dem Verbrennen.«

So schrieb Johannes Piscator, der hypochondrische Philosoph, seine Gedanken nieder als ein Selbstgespräch und setzte auch gleich das Datum darunter: »am ersten März 1561.«

Vor zehn Jahren schon war der jetzt dreiundzwanzigjährige junge Mann ein gelehrtes Wunderkind gewesen. Der dreizehnjährige Knabe nahm es mit jedem Professor im Diskutieren auf und sprach griechisch und lateinisch wie Wasser; sein Gedächtnis war ganz gespickt mit Historien und Citaten aus den Alten, und im sechzehnten Jahre schon ward er für würdig erachtet, als Magister der freien Künste lehrend aufzutreten. Sein Ruhm ging durch ganz Schwaben, sein Heimatland, denn keiner machte ja glänzender als der sechzehnjährige Magister den Spruch zu Schanden, daß die Schwaben erst mit dem vierzigsten Jahre gescheit werden.

Aber nach kurzer Frist geriet Johannes Piscator wieder in Vergessenheit. Aus dem frühreifen Knaben ward wirklich ein tüchtiger Gelehrter. Das war vielleicht ein noch größeres Wunder als seine Frühreife. Wäre er ein recht origineller Lump geworden, so hätten sich wohl Liebhaber gefunden, die ihm von Zeit zu Zeit auf die Strümpfe geholfen und seinen Ruhm neu aufgefrischt hätten. Da er aber nur ein ordentlicher, fleißiger, gelehrter Mann, also etwas ganz Gewöhnliches geworden war, so ließen ihn seine früheren Gönner fallen. So stand denn der dreiundzwanzigjährige Johannes verlassen in der Welt, ein ungefreundeter Mann, ohne Eltern und Verwandte, ohne Geld und Gut, ohne Amt; aller Künste Magister, nur nicht der Kunst, sich selbst zu beherrschen und sich selbst zu helfen.

Er war nach Ulm gewandert, um dort mit gelegentlicher gelehrter Fronarbeit ein Stückchen Brot zu gewinnen. Da sich die reichen Herren von Ulm nicht sonderlich beeilten, Freundschaft mit ihm zu schließen, so begnügte er sich einstweilen mit dem Umgang des Platon und Aristoteles, des Cicero und Tacitus. Er fand, diese seien doch seine besten Freunde, denn sie hielten buchstäblich aus als Freunde bei Salz und Brot.

Gar oft zog Johannes Piscator an den Sommernachmittagen hinaus in die nahen Wälder, um sich in den Himbeeren und Erdbeeren sein Mittags- und Abendessen zu suchen. Allmählich jedoch verspürte er bei dieser Lebensweise die Wahrheit des Spruches: »Lang gefastet ist kein Brot gespart.« Denn die Kraft seines Körpers nahm sichtlich ab, und Trübsinn lagerte sich über seine Seele. Verlassen und allein, erschrak er plötzlich vor dem Gedanken, daß er krank werden könne. Bis dahin hatte er's nämlich noch gar nicht für möglich gehalten, krank zu werden. Die Bauern sagen: »Es ist nichts ungesunder als krank sein.« Ueber diesen Spruch grübelte Johannes Piscator so lange, bis er krank war bei gesundem Leibe. Was er nur sah und hörte, erinnerte ihn fortan an Siechtum, Gebrechlichkeit und Tod. Er machte lieber eine Viertelstunde Umweg, als daß er am städtischen Spital vorbeigegangen wäre, und kündigte seinem Flickschneider die magere Kundschaft, weil derselbe Kirchhof hieß. In der Physika des Simon Artopäus hatte der hypochondrische Gelehrte gelesen, daß jene Leute, von denen der achtzigjährige Sohn eines Tages weinend vor der Hütte saß, weil er von seinem Vater Schläge erhalten, darum, daß er seinen Großvater hatte aus dem Bett fallen lassen – daß jene Leute zu so hohen Jahren gekommen, weil sie neben einer Diät von Milch, Brot und Salz fleißig Hollunderbeeren gegessen. Darum begann er auch täglich Hollunderbeeren zu schlucken. Eine alte Schwäbin verriet ihm dagegen, die ältesten Leute im Schwabenland würden diejenigen, welche allabendlich eine gebrannte Mehlsuppe verspeisten. Doppelt genäht hält besser. Johannes Piscator suchte darum, so oft es seine Mittel erlaubten, die Hollunderbeeren mit der gebrannten Mehlsuppe zu verbinden.

Bei dieser braunen Suppe saß er eben auf seinem Kämmerchen und hatte die eingangs gegebenen Betrachtungen niedergeschrieben; allein obgleich er in Wort und Schrift zu dem leidlich mutigen Schluß gekommen war, so blies er doch in Gedanken alsbald wieder Trübsal. Man hätte den krummgesessenen Gelehrten lebenssatt nennen können, wenn er sich nicht täglich krank geängstigt hätte um die Erhaltung seines Lebens.

Da kam polternd ein schwerbestiefelter Reiter die Treppe heraufgestiegen zu dem hohen Olymp der Dachstube und öffnete die Thür, ohne anzuklopfen.

»Grüß dich Gott, Johannes!« rief er. »Du erkennst mich nicht? Freilich! Der Bart und der Soldatenrock macht einen neuen Mann! Ich bin ja Hunold, der mit dir auf einer Schulbank gesessen. Wir wollten beide Magister werden; du bist' s und ich bin jetzt Dienstmann des Grafen Albrecht von Löwenstein.«

Piscator schüttelte ihm herzlich die Hand. »Gäbst du mir deinen Sold, Freund, – ich gebe dir gern meinen Magister dafür.«

»Das ist's ja eben, weshalb ich von Heilbronn herübergeritten bin. Ich soll dir Sold bieten und den Magister sollst du dazu behalten.« Er warf einen schweren Beutel voll Geld auf den Tisch. »Seht her! Hier liegt das Handgeld. Der Sold kommt später. O Freund, Sold ist ein schönes Wort und lauter Schönes reimt sich darauf: Gold, hold und« – hier strich er sich selbstgefällig den Schnurrbart und pflanzte sich breit in stattlicher Manneshaltung vor den verkümmerten Humanisten – »Hunold.«

»Und du willst mich auch für eueren Reiterdienst anwerben?«

»Daß Gott verhüte! Reite du fort und fort auf deinen Pergamentbänden; unsere Pferde sind uns zu lieb, als daß wir das geringste derselben dir zwischen die Beine zu geben wagten. Aber fahren sollst du, fahren ins gelobte Land, nach Jerusalem. Ein venetianisches Schiff wird dich nach Joppe tragen, und höchstens auf Eseln wirst du dann sanft von einer heiligen Stätte zur anderen gewiegt werden. Doch ich muß dir ausführlich und in der Ordnung meines Herrn Begehren kund thun.«

Sie setzten sich.

»Hast du keinen Trunk Wein, Johannes?«

»Wasser! Klares, kühles, köstliches Wasser, Hunold!«

»Hinweg damit! Ein Reitersmann muß auch in der Wüste fechten können: ich kann auch mit trockenem Mund meinen Auftrag ausrichten, und doch soll dir der Mund wässern, indem ich spreche.«

Hunold berichtete, daß sein Gebieter, Graf Albrecht von Löwenstein, entschlossen sei, mit seinem Bruder Friedrich und vierundzwanzig anderen deutschen Rittern und Herren, zu denen noch zehn vornehme Holländer stoßen würden, eine Wallfahrt nach Jerusalem und dem Berge Sinai anzutreten. Mit Gefolge und Dienerschaft werde man also wohl an hundert Mann stark sein. Große Fährlichkeiten seien zu bestehen; vor Jahr und Tag versehe sich keiner der Rückkehr. Aber auch ewiger Ruhm vor der Welt und ewige Seligkeit sei die Krone der Pilgerfahrt. Der ganze Zug sei nun gerüstet; binnen heute und sechs Tagen würden alle Reisegenossen in Innsbruck versammelt sein, dann gehe es unverweilt über die Berge nach Venedig. Nur ein Mann scheine seinem Herrn noch zu fehlen: nämlich ein Gelehrter, der lateinisch wohl zu sprechen und zu schreiben wisse, über alle merkwürdigen Orte und Antiquitäten in Italien, auf den griechischen Inseln und im heiligen Lande Auskunft geben könne, und dazu fähig, eine genaue Chronik der Pilgerfahrt, Kindern und Kindeskindern zum Gedächtnis und zur Erbauung, in wohlgesetztem Deutsch oder Latein zu verfassen.

»Mein Herr hat von dir gehört, Johannes,« – so schloß Hunold seine Rede, »er glaubt, du seiest tüchtig zu diesem Dienst wie keiner; dazu ledig, kinderlos, freundlos, ein Mann, der jeden Tag sein Bündel schnüren kann. Hier liegt das Handgeld auf dem Tisch, womit du dich reisemäßig ausstatten sollst, wenn du einschlägst und diesen Brief unterschreibest. Schlag ein, Johannes, es ist das beste Teil! Drei Tage hast du Frist, dich von Ulm loszumachen; dann aber mußt du flink auf die Beine, damit du zum Termin am Sammelplatz in Innsbruck bist.«

Mit der ganzen Heftigkeit eines Melancholikers, dem die äußersten Affekte sich berühren, sprang Piscator auf, wie verwandelt, schlug ein, unterschrieb den Brief und griff, sonst ein so großer Geldverächter, mit gieriger Hand nach dem Beutel.

»Ich ziehe mit, Hunold! nicht um des ewigen Ruhmes und der ewigen Seligkeit willen, die du verheißest, sondern damit mich Hunger und Hypochondrie hier in Ulm nicht totbeißen. Freund, hier habe ich 's erfahren, daß der Hunger rohe Bohnen gar kocht! Besser, der Türke schlägt mir den Schädel ein, als daß ich hier krepiere vor Aerger über das Ulmer Krämerpack, das mich nicht kennen, nicht anerkennen wollte, das mich ohne Arbeit und Brot hätte sitzen lassen, bis die Hühner Zähne kriegen! Was werden die stolzen Kaufherren für Augen machen, wenn sie von dieser Berufung des verlumpten Johannes Piscator hören! Ich werde meine drei Tage Frist noch in Ulm aushalten, nicht um meine Angelegenheiten zu ordnen (denn das wäre in einer halben Stunde geschehen), sondern um diese Krämer noch einmal recht zu ärgern, um vor ihnen einher zu stolzieren, nun auch meinerseits mit dem Geld in der Tasche zu klimpern, um ihnen ein Schnippchen unter der Nase zu schlagen. Heiliger Erasmus und Melanchthon, heiliger Camerarius und Reuchlinus, in welcher Barbarei sind diese Geldsäcke gefangen! Euklid lief bei Nacht fünf Meilen weit, um den Sokrates zu hören; ich kam ihnen bei Tag ins Haus, und sie hörten mich nicht. Du machst dir kein Bild von dem Ingrimm, der mich in Ulm ergriffen hat über alles Kaufmannsvolk der Welt! Wie Cicero gegen den Catilina donnere ich oft stundenlang einsam auf meiner Stube lateinisch gegen die Krämer. Hinweg aus diesem Krämernest! Das Sprichwort sagt: Ein armer Jud' kann nicht wuchern, aber auch der ärmste Ulmer wuchert doch. Ueber die Thür ihres Kaufhauses sollten sie ihr Motto schreiben:

Lügen und Trügen sind so wert,
Daß man ihr' zu allen Käufen begehrt.

»Als der Teufel seine fünf Töchter an die Stände der Menschen verheiratete, gab er dem Adel die älteste Tochter, Arrogantia, die Mutter der Hoffahrt; den Bauern die zweite, Falsitas, die Mutter der Verschmitztheit und des Betrugs; den Handwerkern das Zwillingsschwesterpaar Invidia und Avaritia, von denen der Neid und Geiz ausgegangen; endlich den Geistlichen die Jungfrau Hypokrisis, die Heuchelei. Da nun für die Kaufleute eine sechste Tochter nicht mehr vorhanden war, so erlaubte er ihnen zu buhlen mit allen fünfen, also daß sich sämtliche Teufelei auf Erden: Hoffahrt, Betrug, Neid, Geiz und Heuchelwerk bei den Kaufleuten einträchtig zusammengefunden. Sieh, Hunold, diese Geschichte, die halb in den vitis Patrum steht, halb meine eigene Erfindung ist, habe ich in die schönsten lateinischen Verse gebracht, und zum Abschied von Ulm würde ich sie an der Rathausthür anschlagen, wenn die Dummköpfe, die es treffen soll, lateinische Verse lesen könnten!«

Hunold sprach: »Das Wasser, das du trinkest, muß Weines Kraft haben, denn so trunken wie heute habe ich dich nüchtern noch niemals donnern hören.«

Johannes verkühlte sich aber ebenso rasch wieder, als er heiß geworden, und da er bei weiterer Erkundigung hörte, daß Hunold nicht mitziehe nach Jerusalem, und da es sich gar bei Aufzählung sämtlicher Reisegenossen fand, daß der gelehrte Humanist von allen nicht einen einzigen persönlich kenne, ward es ihm sogar sehr kühl. Denn als echter Stubensitzer fürchtete er sich vor fremden Gesichtern. Doch Wort und Handschlag war gegeben, das Handgeld eingestrichen, die Unterschrift geschrieben: also stand die Sache fest und die Freunde trennten sich, Hunold vergnügt, seinen Auftrag so gut vollzogen zu haben, Johannes zwischen Freude und Besorgnis schwankend, aber doch voll Hoffnung auf bessere Tage.

In großer Aufregung ging Piscator den ganzen Abend in seiner Kammer auf und ab, immer auf der Pilgerfahrt nach Jerusalem begriffen, und als er sich zu Bette legte, war er doch noch nicht weiter gekommen, als bis zur Einschiffung in Venedig und einer heiteren Landung an den jonischen Inseln. Als ihn der Schlaf bewältigte, spann der wirkliche Traum den Faden der wachen Träume weiter. Ein gewaltiger Sturm erhob sich, da sie kaum wieder einige Meilen in See waren. Welch Dröhnen, Pfeifen, Heulen, Krachen! Alle Winde waren aus ihren Schläuchen gelassen, gegeneinander wütend wie in der Aeneide, oder nacheinander wie in der Odyssee.

»So durch den Meerschwall trieben Orkan' ihn dorthin und dorthin;
Bald daß stürmend ihn Notas dem Boreas gab zur Verfolgung,
Bald daß wieder ihn Euros des Zephyros Sturme zurückwarf.«

Das Schiff flog aus dem Abgrund zum Himmel und vom Himmel zum Abgrund, wie in Ovids Klageliedern. Von den Stürmen aus allen Klassikern ward der arme Schläfer im Bett herumgeworfen. So etwas träumt man nur einmal im Leben. Die Matrosen fluchten und die Pilger lagen betend auf den Knieen; die einen riefen die heilige Jungfrau an, die anderen wandten sich direkt an unseren Herrgott. Da trieb die Todesangst auch unseren Humanisten zum Gebet. Allein es fiel ihm kein anderes ein als das Gebet aus Ovids Seesturm; und neben seinem Bücherschrein knieend sprach er mit tiefer Inbrunst:

»Dî maris et coeli – quid enim nisi vota supersunt? –
    Solvere quassatae parcite membra ratis!
«

»He da! Auf die Beine! Gearbeitet statt gebetet!« rief der Schiffspatron mitten in die klassische Andacht hinein, und zog den Betenden unsanft am Arme in die Höhe. »Das Schiff muß erleichtert werden! Alle Fracht über Bord! Flugs hier mit Eurem Bücherplunder angefangen!«

Und mit Seufzen und Jammern begann der Aermste seine Heiligtümer in die Flut zu werfen. Auf den Wellen tanzten Cicero und Sallust, Homer, Virgil, Plato und Aristoteles, die er allesamt bequemlichkeitshalber zu einer Reise nach dem Berge Sinai mitgenommen. Und die Bücher, welche Piscator hinauswarf, wurden ihm schwer in den Händen wie Blei, daß er sie kaum über Bord bringen konnte, und wieviel Bücher er auch davontrug, mehrten sie sich doch immer wieder in dem Schrein; zuletzt warf er ganze Stöße von Schriftstellern ins Wasser, deren Namen er in seinem Leben nicht gehört hatte, und zu allerletzt zwanzig Bände seiner eigenen sämtlichen Werke, die noch gar nicht erschienen waren. Als er aber solchergestalt alle seine köstlichen Schätze geopfert, glättete sich das Meer, als hätte man Oel auf die Wogen gegossen, der blaue Himmel brach aus dem zerrissenen Gewölk und nach langer ruhiger Fahrt liefen die Pilger endlich in einen Hafen der Insel Cypern ein. Da lief auch der Träumer in den Hafen eines eisernen, traumlosen Schlafes, aus dem ihn erst der späte Morgen weckte.

Es war kein erquickliches Erwachen. Johannes fühlte seine Glieder kalt und steif, den Kopf schwer, die Nase verschnupft, daß er niesend in die Höhe fuhr. Da schaute er rings um sich gräuelvolle Verwüstung. Als er im Sturme die Bücher über Bord warf, hatte er fast sein sämtliches Bettzeug weit in die Stube hinausgeschleudert (darum waren ihm auch die Bücher im Arm so schwer geworden); und nackt und bloß hatte er die ganze kalte Märznacht auf dem Strohsack gelegen!

Jammer und Reue überkam ihn, wie er nun in aller Nüchternheit eines schlechten Morgens seiner verbrieften Verpflichtung von gestern gedachte. »Wenn ich bei dem bloßen Traum von einem Seesturm einen solchen Rheumatismus davontrage, was wird erst aus mir werden bei einem wirklichen Sturme! Was mir gestern abend der gescheiteste Streich meines Lebens deuchte, war, wie es scheint, der dümmste. Da wir uns für Weise hielten, sind wir zu Narren geworden, wie Paulus an die Römer schreibt. Aber ein Mann, ein Wort! Was man geladen hat, muß man auch fahren. Und den Ulmern muß ich entrinnen und meinen krankgesessenen Unterleib kurieren! Ja, und jetzt will ich ausgehen und trotz meinem Schnupfen die Ulmer ärgern drei Tage lang. Zum Teufel mit allen Bedenken, wenn man die Rathaustreppe herabsteigt und sein Wort gesprochen hat!«

Es ging doch nicht so leicht ab mit den drei Tagen. Piscator ärgerte die Ulmer, aber der Reue über seine Voreiligkeit entrann er darum doch nicht. Als ihn die Rache nicht zerstreuen wollte, suchte er wieder Trost bei seinen Büchern. Er nahm den Philosophen Seneca vor, er las Boethius de consolatione philosophiae. Vergebens. Auch die Philosophie des »letzten Römers« tröstete ihn nicht.

So trat er dann am vierten Tage recht trübselig seine Wanderschaft über Augsburg nach Innsbruck an. In seiner Ledertasche trug er ein halbes Dutzend Klassiker und etwas weiße Wäsche. Allein auch die kleine Last drückte den des Tragens und Wanderns Ungewohnten, und er war kaum drei Stunden gegangen, da schlich er bereits so elend dahin, als habe er den härtesten Tagemarsch zurückgelegt, ließ den Kopf hängen und sah zu Boden wie ein Hühnerdieb.

Am Rande eines steilen Abhanges, der sich jäh zur Donau niederzog, setzte er sich zur Rast auf einen Stein. Die Gegend ist wild und rauh, und kahl und langweilig dazu. Ihr Anblick, selbst im Morgenschein der Märzsonne, vermochte den hypochondrischen Pilger nicht aufzuheitern.

Die Donau, hier noch als ein verheerender Bergstrom über die Hochfläche brausend, benagt die felsenlosen Sandhügel, daß sie zu steilen Hängen abstürzen, und breitet auf dem anderen Ufer hundert Arme zu einem verwirrten Knäuel von Bächen und Altwassern in die Ebene, uferlos, um nach jeder Schneeschmelze, jeder Regenwoche sich ein neues Bett zu wühlen und unter neuen Geröllbänken fruchtbares Land zu begraben. Die von den Wasserarmen umschlungenen Auen deckt undurchdringliches Gestrüpp, üppigster Baumwuchs, dem keine Axt naht, eine Urwildnis, deren vom Sturm gefällte, vom Wetter gebleichte Stämme bekunden, daß nie ein Kahn diese tückischen Strudel durchschneidet und keines Menschen Fuß die Inseln betritt. So war es damals.

Auf der Landseite schweifte der Blick unseres Wanderers über die endlose kahle Hochfläche und die graugrüne Sumpfniederung des Ulmer Rieses. Wer noch nicht melancholisch ist, der kann es bei diesem Anblick werden. Nur manchmal bei besonderer Gunst von Luft und Licht erhalten die öden Gründe einen prächtigen Abschluß. Es steigen dann, von leisem, blauem Dufte überhaucht, die vielgestaltigen Gipfel und Kämme der Vorarlberger, Allgäuer und bayrischen Alpen am Saume des Himmels auf, ein Traumgebilde der zartesten Farben und Formen. Und mit jener geheimen Macht, womit uns die Dichtung dem gemeinen Leben entrückt, zieht uns dieses verschwimmende Bild des Hochgebirges zu sich hinüber, daß wir uns selbst aus der umliegenden Oede hinwegdichten zu waldbeschatteten Alpenseen, auf lichte Matten, unter die Riesendome des Urgesteines, von deren Kuppen der ewige Schnee seine Quellen, Bäche und Wasserstürze vieltönig ringsum niederbrausen läßt.

Johannes Piscator, der jetzt auch die Schneegipfel am Horizont erblickte, dachte nicht an die Landschaftspracht des Gebirgs, sondern an das, was hinter den Bergen lag – an Innsbruck; an die Straße, die über diese Joche ging – nach Venedig und so weiter. So ward es ihm nicht leicht und frei beim Anblick der Alpenkette, sondern nun gar erst recht schwül und beklommen.

Da kam von Augsburg her ein Wanderer des Weges, der schritt anders aus wie vorhin unser unglückseliger Gelehrter! Das ging vorwärts wie der Wind und mit einer Kraft und Leichtigkeit der Bewegung, daß es eine Lust war, dem Burschen nachzuschauen.

Der Humanist erschrak über die kraftgedrungene Gestalt, die so recht im griechischen Heroenschritt auf ihn zugestiegen kam; denn keine Menschenseele war sonst weit und breit, und der schnellfüßige Achilles wandelte sich dem furchtsamen Magister rasch in einen Gauner und Straßenräuber. Doch als der stattliche Jüngling dem Rastenden ein treuherziges »Grüß Gott!« entgegenrief, schwand demselben die Furcht; denn es war ihm, als ob einer, der in Gottes Namen grüßt, nicht Raub und Mord sinnen könne.

Ein paar Worte wurden hin und her gewechselt, die sich bald zu einem Gespräch ausspannen, und der neue Ankömmling fand es endlich bequemer, sich gleichfalls niederzusetzen, als stehend die Unterredung weiter zu führen.

Er bot dem Magister einen Schluck aus seiner Feldflasche und einen Bissen Fleisch und Brot.

Piscator lehnte dankend ab. »Ich frühstücke niemals. Natura paucis contenta.

»Ihr müßt ein Schulmeister sein, Freund,« entgegnete der andere. »Einmal, weil Ihr auf der Reise nicht eßt, wann Ihr etwas kriegt, obgleich Ihr hungrig seid, wie Schulmeister gewöhnlich sind, und wie ich's Euch auch jetzt an den Augen ansehe; und dann weil Ihr schon bei dem dritten Wort mit den verfluchten lateinischen Brocken um Euch werft.«

Mit gutmütigem Lächeln nickte Piscator bejahend.

»Nun seht, da gibt es gleich eine Verwandtschaft zwischen uns,« rief der Fremde. »Mein Vater ist auch ein Schulmeister. Er ist so gelehrt, daß er seinen ehrlichen deutschen Namen Fischer nicht mehr tragen mochte und sich selber in einen Piscator übersetzte. Er wollte mich auch gelehrt machen, aber ich widerstand hartnäckig. Da that er mich zu einem Küfermeister in die Lehre: dem lief ich davon; darauf zu einem Schlosser: den hätte ich beinahe selbst in einem Streite zu Blech gehämmert. Endlich versuchte man, ob ich nicht durch den als den gröbsten Mann in ganz Franken bekannten Lebzelter Sturm in Nürnberg zu einem brauchbaren Bürger zu erziehen sei. Darüber bin ich dreiundzwanzig Jahre alt geworden, habe wirklich bei dem alten Sturm volle zwölf Monate als Lehrling ausgehalten und will jetzt mein Glück weiter versuchen bei der löblichen Lebzelter- und Wachszieherzunft in Ulm.«

»Ihr heißet Piscator,« rief der Gelehrte; »so schreibe ich mich auch – Johannes Piscator aus Beutelsbach, der freien Künste Magister.«

»Gerhard Piscator aus Schweinfurt, einjähriger Lebzelterjunge!« fügte der andere hinzu.

»O, wenn ich doch in Eurer Haut stäke, Vetter Gerhard, wie in Eurem Namen! Die Lebzelterei ist wohl ein recht friedliches, harmloses, ungefährliches Geschäft?«

»Das eben ist zum Verzweifeln, Vetter Johannes. Wenn Ihr Euch kein heißes Wachs auf die Finger tropfen laßt, so hat's gar keine Gefahr bei dem Handwerk. Doch wo drückt Euch denn der Schuh so stark, daß Ihr aus der Haut fahren möchtet, Magister?«

»Ich habe mich dem Grafen von Löwenstein als Reisebeschreiber verdungen zu einer Fahrt nach Jerusalem –«

»Wie? Ihr seid einer dieses berühmten Zuges? O, könnte ich mit Euch ziehen über Land und Meer, statt in Ulm Lebkuchenmänner zu backen!«

Der Magister sprach trocken: »Ich bin ein ruhiger Mann, den Büchern ergeben, die ich daheim lassen muß, den gelehrten Arbeiten, für die eine deutsche Dachkammer und nicht ein venetianisches Schiff oder ein palästinensischer Reitesel die rechte Werkstatt ist. Fährlichkeiten liebe ich nicht. Mir graust vor der Seefahrt –«

»Auf die See möcht' ich ums Leben gern!« rief der Lebzelter begeistert. »Mitten hinein in den ärgsten Sturm! Und einen Schiffbruch möchte ich erleben, wo das Schiff mitten entzwei bricht wie ein verbackener Lebkuchen! Alle meine Genossen ertrinken vor meinen Augen; ich allein werde nackt und bloß auf eine Klippe geschleudert –«

»O Freund,« rief der Magister hohen Tones, »Ihr würdet anders sprechen, wenn Ihr jemals einen Seesturm miterlebt hättet!«

»Ihr habt also einen erlebt, Magister? Ihr seid zur See gewesen?«

»Ja! Halb und halb. Nämlich der bloße Traum von einem Seesturm hat mir einen bodenlosen Rheumatismus gebracht; nun denket erst, wie mir' s bei einem wirklichen Sturme ergehen mag! Ersaufen wir aber auch nicht, dann wird die Landreise noch gefährlicher wie die Seefahrt. Türkische Raubscharen umschwärmen uns –«

»Ha! Bruder Johannes von Beutelsbach, einem Türken den Kopf zu spalten wäre mir lieber, als wenn ich die größte Wachskerze in der ganzen Christenheit gegossen hätte!«

»Wer dem Türken entrinnt, den frißt die Pest.«

»Die kriege ich nicht! Ich bin pestfest. In Nürnberg hat sie mir Meister Sturm jeden Tag zwanzigmal auf den Hals gewünscht, und sie ist doch nicht gekommen!«

»Ei, zum Teufel, ritterlicher Lebzelter, wenn dir das alles so wohl gefällt, dann gehe du doch nur gleich statt meiner nach Jerusalem. Ein Piscator um den anderen! Ob der Beutelsbacher mit dem Schweinfurter und der Johannes mit dem Gerhard verwechselt ist, wen kümmert das? Wenn die Fische im griechischen Meer nur einen Piscator zu fressen kriegen, so ist meiner Ehre schon genug gethan. Es gilt, Gerhard! Ein Magisterdiplom gegen einen Lehrlingsbrief!«

Der Lebzelter erwog ernstlich. »Nein!« rief er endlich, »es geht nicht an. Seht, den Magister könnte ich schon machen, nicht aber Ihr den einjährigen Lehrjungen. Wo wollt Ihr dazu Kenntnisse und Geschick hernehmen?«

Dennoch ward die Sache weiter durchgesprochen; aus dem Scherz ward Ernst. Keiner der Pilger kannte den erwarteten Gelehrten. Gerhard mochte bis zur Einschiffung in der That ganz gut den Magister spielen, und nachher konnte man ihn nicht mehr zurückschicken. Nach Ulm durfte Johannes nun freilich nicht als Lebzelter gehen; allein auch in Augsburg wußte sein neuer Freund einen offenen Platz; dahin wollte er den Humanisten empfehlen. Endlich schlugen sie ein. Der abenteuernde Bursche nahm das Diplom und das Handgeld, der verzagte Philosoph den Brief und des Lehrjungen drei Batzen. Der Lehrling nahm den Hut und Degen des Magisters, und der Magister die Mütze und den Stock des Lehrjungen. Nur seine Klassiker gab Johannes nicht heraus. Nähere Verhaltungsmaßregeln wollten sie auf dem gemeinsamen Marsch austauschen; denn beide mußten ja jetzt gegen Augsburg ziehen.

Gerhard begann sofort ein Examen mit dem Magister. »Wie wirst du dich nun einführen, wenn du nach Augsburg zu Meister Furtenbacher, dem Lebzelter, kommst?«

Johannes wollte demselben schlechtweg guten Tag sagen, sein Schreiben vorzeigen und ihn um die ledige Lehrlingsstelle bitten.

Da wäre Gerhard fast geborsten vor Lachen und ließ den gelehrten Mann gar nicht ausreden. »Mit Spott würde man den einjährigen Lehrjungen fortjagen, der so unkundig alles Zunftbrauches! Zuerst mußt du dir in Augsburg einen Bürgen suchen, der gut steht, daß du alles bezahlst, was du deinem Meister etwa verderben oder veruntreuen könntest.«

»Wer aber wird mir bürgen wollen?«

Gerhard schaute den Genossen mit der Miene überlegener Pfiffigkeit an. »Ich gebe dir ein Briefchen an die alte Magd deines Meisters. Bevor du ihn besuchst, schleichst du dich abends ungesehen in die Küche und übergibst der Alten den Zettel. Sie wird dich zum nächsten Abend wiederkommen heißen, und ein schönes, junges Mädchen wird dich dann vermutlich zu dem Manne führen, der für dich bürgen soll.«

»Das ist ein abenteuerlicher Eingang!« seufzte Johannes.

»Freilich, Vetter! Vielleicht erlebst du bei der Lebzelterei mehr Abenteuer, als ich auf meiner Reise nach Jerusalem. Doch weiter. Vorgestellt durch den Bürgen machst du dann dem Lehrherrn deine Reverenz und einigst dich mit ihm über Aufgeld und Lehrgeld.«

»Wie? Ich soll auch noch Lehrgeld zahlen?«

Gerhard blieb stehen und rief: »Heiliger Michael, Patron der Lebzelter, erbarme dich dieses Menschen, der Magister ist und noch nicht weiß, daß man für alles, was man auf der Welt lernt, Lehrgeld zahlen muß!«

Dann griff er in die Tasche und fuhr fort: »Vetter, du hast allzu gutmütig mir vorhin all deine klingende Habe ausgeliefert: nimm hier zehn Gulden zurück, damit du Aufgeld und Lehrgeld zahlen kannst und deinen Bürgen und das schöne Mädchen nicht zu Schanden bringst. Also, nachdem Vorgedachtes vereinbart ist und dein Meister dich gedungen hat, gehst du anderen Morgens mit dem Meister und dem Bürgen zu dem Führer der Lebzelterhauptlade, damit dich derselbe einschreibe und dir die Handwerksordnung zustelle. Hierauf hast du allen anderen Zunftmeistern einen Respektsbesuch zu machen. Der Führer der Hauptlade wird dich dann auf den nächsten Sonntag berufen, daß du unter seinem und deines Meisters Vortritt in die St. Annakirche gehest, um dort in den Stühlen der Lebzelterinnung den göttlichen Segen auf deine Augsburger Lehrzeit herabzuflehen, und am Abend dieses Sonntags mußt du dann den Gesellen des Hauses ein Traktament geben, so reich, als es dein Beutel erlaubt. Hierbei aber sind wiederum viele besondere Regeln genau zu merken, die ich dir jetzt einzeln aufzählen will.«

Dem Magister wirbelte der Kopf schon von den bisherigen Vorschriften. Die ganze Angst eines Stubengelehrten vor dem Eintritt in eine neue, geregelte und doch verwickelte, ganz nüchtern praktische Lebensführung überfiel ihn wie ein Fieber. Jetzt deuchte ihm wieder bequemer, nach Jerusalem zu ziehen, als Lehrjunge bei den Lebzeltern zu werden, und beinahe hätte er den Tausch bereut.

Als die Wanderer spät abends nach Zusmarshausen kamen, war Gerhard eben bei den Vorschriften angelangt, wie sich ein Lehrjunge beim Feilhalten von Lebkuchen und Wachsarbeiten auf den Jahrmärkten zu benehmen habe. Er machte nur eine Pause im Dozieren, zuerst um zu essen, dann um den geheimnisvollen Brief an die alte Magd des Meisters Furtenbacher zu schreiben. Er war jetzt in der That der Magister und Johannes Piscator der zu seinen Füßen sitzende Lehrjunge geworden.

Als sich beide ermüdet auf die Streu gestreckt hatten, sprach Gerhard noch tief bis in die Nacht hinein über die leichteste Art, den Backofen zu heizen, und über die sicherste, die Wachsbleiche zu bewachen und doch dabei zu schlafen. Ueber der letzten Untersuchung war Johannes ins Schnarchen geraten. Gerhard zog darum nun auch endlich die wollene Decke übers Ohr und indem er vor sich hinmurmelte: Ein Glück, daß ich diesen Magister als Lehrjungen zu Furtenbacher schicken kann; er wird im Hause hilfreich und nützlich sein, – meinen Platz in der Werkstatt für mich offen halten, falls mich die Lust anwandeln sollte, später wieder einmal bei den Honigtöpfen zu sitzen, – und, was das Wichtigste, Galanterien sind von ihm nicht zu fürchten: – der gute, dumme Vetter; er ist auch nicht schuld, daß die Frösche keine Schwänze haben!« – indem er solches murmelte, schlief er ein.

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