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Die Lamplgasse

Rudolf Stürzer: Die Lamplgasse - Kapitel 13
Quellenangabe
typenarrative
booktitleDie Lamplgasse
authorRudolf Stürzer
year1924
firstpub1921
publisherBurgverlag
addressWien
titleDie Lamplgasse
pages154
created20140527
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Gärungen – Klärungen.

»Jessas, die alte Schuastazangen treibt 's wegn dera Witwe!« sagte die Blumenmacherische bei einem »Sprung« zur Greislerin und Frau Hammerer lachte, daß ihr Busen kollerte.

Ein paar dienende Weiblichkeiten regten sich mächtig auf: »Was is denn wegn dera Witwe, i hab aa schon davon ghört, die Wotruba is ja ganz wurlat . . .« »Mein Gott, das war a so: i hab vom Kranz von mein Seligen no die Schleifn ghabt, die hab i hergebn für 'n Kranz vom Janitschek, aber i hab glaubt, es steht drauf ›Ruhe sanft‹ 78 auf alle zwa Schleifn, aber daweil is auf der andern gstanden ›Die trauernde Witwe‹ – mein Gott, i hab mi nimmer mehr dran erinnert, es is ja schon so lang her – a fünf Jahr . . .«

»Und mein Aushilfsmadl hat 's aa net wissn könna und so is halt d'r Wirbl außakumma, aber kana hätt 's gmerkt, nur die Schuastazangen mit ihrn Gschau wia-r-a Falkl hat 's außakitzelt . . .«

Beim Kartoffelschälen sprach Frau Wotruba zu ihrem Töchterchen: »I möcht nur wissn, was die Hammerer und die Blumenmacherische immer hat, wann i von der Witwe red – sie hat do an Kranz gschickt und laßt si net d'rblickn und der Herr Franz führt schon 's Gschäft wia der Herr selber – aber das gibt 's net, wann a Witwe da is!«

Nach und nach drang aber die Aufklärung doch auch zu Frau Wotrubas Ohren und in ihrem flachen Busen kochte helle Wut. »A, da schau her, das hat s' mir net glei sagn könna, foppn hat s' mi wolln, die blade Spinattandlerin, na wart, das mirk i ma! Nix wird mehr kauft bei ihr, hast ghört, Mariedl? I wir ihr schon zagn, was a Karakta is!«


»Jessas na, dös hab i net habn wolln!« jammerte Frau Hammerer. »Sie is ja do a alte Kundschaft und bei die heutign Zeitn kann ma an jedn Kreuza brauchn – gengans Herr Janko, dös müassn S' wieda einrenkn, auf Ihna halt s' was, die Wotruba.«

Herr Janko richtete es auch. Ganz zufällig stieß er mit der Zürnenden an der Ecke zusammen. »Grüßt Ihnen Gott, Frau Wotruba, schön, daß i Ihnen triff, san S' so gut und 79 schicken S' Schani her, hab ich zwa Doppler und Herr Gemahl sull daweil Lackleder aussuchn, brauch i bald a Paar Lackiere – aber nit vagessn, Frau Wotruba.«

Der Charakter schmolz wie Schmalz auf einer heißen Herdplatte.

»Mir san ja Gschäftsleut, mir lebn vom Gschäft und i wir do net so blöd sein und dera bladn Blunzn zagn, daß i mi gift« rechtfertigte sich die Schusterin vor der paff aufhorchenden Tochter. »Brauchst gar net so teppat dreinz'schaun, dei Muatta waß schon, was s' tuat! Der Krowot muaß aber dick habn, Lackböck laßt er si machn –«

Der Anfang gestaltete sich wohl noch etwas frostig, aber Frau Hammerer wußte die Zauberformel.

»Ja, habn S' schon ghört? der Herr Franz und die Pepi habn 's alt gmacht, ja, sie hat schon kündigt und geht dann z'haus, die Aussteuer herrichtn, im Fasching wird gheirat . . .«

Vor dem Schlafengehen sagte dann Frau Hammerer voll Dankbarkeit zu ihrem treuen Helfer: »Gott sei Dank, jetzt geht die Uhr wieder recht, das habn S' fein gmacht, Janko!« und dabei sah sie den Syrmier gar liebreich an, der aber trank sein Bier aus, wischte sich den Schnurrbart und sagte ganz gleichmütig: »I geh schlafn, gute Nacht!«

Frau Hammerer seufzte schwer. Hoch wölbte sich die Tuchent ob ihrer Leibesfülle, ganz eigenartige Gedanken spann die müde Greislerin: »Merkwürdi mit die Mannsbilder, i waß schon nimmer, was i tuan soll, daß er was merkt. Jetzt hab i glaubt, er hat si die Pepi schon aus 'n Kopf gschlagn, jetzt fangt er mit der Wetti an und auf die klane Tini macht er aa schon schlamperte Augn, aber da 80 macht 's nix, aber wann er bei der Wetti anbeißt und geht mir weg, dös war nix für 's Gschäft – wann 's net anders geht, muaß i deutsch redn mit eahm – a, dös war no schöner, i tät 'n fuattrn und a andere hätt die Unterhaltung – a freili was denn – i war schon lang gnua Witwe, i will aa no was habn vom Lebn . . .«

 

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