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Die kurzweiligen Sommer-Tage

Johann Beer: Die kurzweiligen Sommer-Tage - Kapitel 57
Quellenangabe
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typefiction
authorJohann Beer
booktitleDie teutschen Winter-Nächte & Die kurzweiligen Sommer-Tage
titleDie kurzweiligen Sommer-Tage
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
editorRichard Alewyn
year1985
firstpub1682
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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VII. Capitul. Artige Begebenheit wegen dieses Liedes.

Den dritten Tag nach seinem Abschied ritt ich mit meinem Wastel in die Stadt, weil gleich Wochenmarkt war und der vorige Marktsinger ohne allen Zweifel wieder auftreten würde. Ich hatte mein Quartier bei dem Organisten, dem alten Ab initio, und von daraus gab es gar gute Gelegenheit, auf den Markt zu sehen, allwo dergleichen Narren und Landbetrüger ihre Brief und Salbadereien hatten. Ich horchte lang zu, ehe das Lied vom Gespenst zu Steinbruch angestochen kam, sobald er aber »Hört, lieben Christenleute« zu singen anfing, satzte ich meinen Kugelpallester an und schoß ihn auf den Grind hinauf, daß die Trümmer von der Leimkugel unter das Volk sprangen. Er fuhr nichtsdestoweniger in seiner Melodey fort, bis ich ihn endlich auf die Nase traf und die Kugel einem nächst dabeisitzenden Waldund Kräutermann in seine blecherne Salbe-Büchsen hineinsprang. Der schalt den Singer, der Singer ihn hinwider, und also kam es von Worten zum Zank, vom Zank zum Streit, und fielen beide dergestalten aneinander in die Haar, daß alles Volk genug auszuweichen hatte. Der Marktsinger war stärker als der Waldmann; darum geschah es, daß er ihn in seine eigene Salbe zurück niederdrückte. Weil sich aber der Waldmann in jenes Haar eingeflochten, zogen sie beide aneinander bei dem Schädel in der grünen Salbe herum, daß sich niemand des Lachens enthalten konnte, der da zusah. Ich indessen schoß noch immer brav auf den Singer los, und weil sich mein Schießzweck verdoppelt hatte, konnte ich desto weniger fehlen. Unter währendem solchen Scharmützel rafften die Jungen den Korb mit den gedruckten Liedern hinweg, und dem Waldmann stahl man'alle seine hölzerne und blecherne Büchslein, darob sich der gegenüber wohnende Apotheker, als welche dergleichen Leuten ohnedem nicht gut sind, in seinem grünen Schürztuch fast bucklicht gelacht hat. Auch war der Organist wegen des Sängers in höchsten Freuden, denn er sagte, daß er ihm in der Kirchen die allerbesten Manieren abgestohlen und solche hernachmals auf öffentlichem Platz zu Schimpf der edlen Musik gebrauchet und seine Lumpenlieder dadurch heruntergequintiliert hätte.

Dessen aber unverachtet, hatte ich vor mich alleine Ursach genug, mich an dem Paschkaller zu rächen, wie ich ihn dann endlich zu mir ins Hause kommen ließ, zu fragen, woher er das Lied bekommen und wer es gecomponiert hätte. Da kam es endlich heraus, daß der ehrliche Andreas Nobiscum, der saubere Vogel, Autor dazu war, welcher nunmehr als ein öffentlicher Landstörzer in der Welt herumzog und den Marktsingern allerlei dergleichen Lügen inventieret, dadurch sie den Leuten das Geld abgestohlen haben. Ich hatte fast Lust, ihn noch zu guter Letze wacker prügeln zu lassen, weil ihn aber der Quacksalber ohnedas wie eine Katze hinterm Gesichte zerkratzet hatte, wollte ich ihn diesmal mit keiner doppelten Rute strafen. Aber dem Andreas schwor ich, eine schärfere Laugen anzumachen, bald er mir in die Hände geraten würde. Dergleichen Gesellen tun selten gut, und je gnädiger man ihnen ist, je mehr mißbrauchen sie der Güte. Drum ist es besser, daß man dergleichen Vögel jung aufhänget, so stiften sie im Alter desto wenigere Ungelegenheit. Und war zu wundern, daß mir der Schelm so schlimme Sachen nachgeschrieben, zumalen ich ihm all mein Lebtag nichts Böses, sondern alles Gutes erwiesen, wie der geneigte Leser genugsam hierinnen wird verstanden haben. Jedennoch sinnete der Mauskopf immer auf neue Rank, mir eine Kopfnuß anzuhängen, und da er nicht näher konnte, schrieb er dies teutsche Lied von dem Gespenst und dem Schloß, auf welchem ihm alles Gutes widerfahren ist.

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