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Die kurzweiligen Sommer-Tage

Johann Beer: Die kurzweiligen Sommer-Tage - Kapitel 55
Quellenangabe
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typefiction
authorJohann Beer
booktitleDie teutschen Winter-Nächte & Die kurzweiligen Sommer-Tage
titleDie kurzweiligen Sommer-Tage
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
editorRichard Alewyn
year1985
firstpub1682
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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V. Capitul. Gottfrid entdecket nebenst dem Betrug eine Zeitung, dadurch Wolffgang ganz verunruhiget wird.

Die Mägde, welche am ersten aufgestanden waren, das Vieh zu füttern, eileten wieder zurück in ihre Schlafkammer, weil sie sich, weiß nicht über was, entsetzet haben. Aber meiner Frauen Kammermagd sah durch eine Glasscheibe hinunter und erquickte sich über diesen Anblick mehr als über der allerschönsten Comödia. Etliche lachten, daß es in dem Hof schallete, und dadurch erwachte endlich meine Sophia, welche, als sie aus dem Fenster gesehen, den Kopf so plötzlich zurückzog, daß sie mir beinahe ein blaues Auge gestoßen. Sie wußte nicht, was dieses vor drei Vögel waren. »Was bedeutet das,« sagte sie, »und wer richtet ein solches Spiel an?« Als ich ihr aber den Verlauf erzählte, daß die ehrbaren Gesellen wären baden gewesen und daß ihnen in dem Wald von einem Strauchdiebe all ihre Kleider gestohlen worden, konnte sie des Lachens fast nicht satt werden. Nichtsdestominder bat sie mich, ein allgemeines Ärgernis zu verhüten, diese wiederum herauszulassen. »Ihr wisset wohl,« sagte sie, »wie sauber man von uns ohnedas zu reden weiß, wir sind fast allen Leuten ein Splitter in den Augen, und Euer angeerbte Lust muß allenthalben vor eine Narrheit ausgerufen sein.« – »Mein liebes Weib,« sagte ich, »laß die Leute reden, was sie wollen, mache du mir mittags einen hübschen Kalbsbraten und einen guten Antiff-Salat darzu, bringe mir auch aus dem tiefen Keller ein gut Gläslein Rheinwein, damit wollen wir aller derer gute Gesundheit essen und trinken, die uns nichts Gutes nachreden. Ich werde um fremder Leute willen meinen Geist in keinen andern Model gießen. Wie ich gewesen bin, so bin ich noch, und also werde ich auch allzeit sein. Ein kurzweiliges Stündlein, quid tandem nocebit.« Damit drehete ich sie etlichmal in der Kammer herum und war froh, daß ich so vergnüget leben konnte.

Hiermit ließ ich sie wieder heraus und fand im Nachrechnen, daß mich ihre neue Bekleidung aufs wenigste an die achtzig Taler kommen dörfte; hatten mir also die Mausköpfe durch ihre Unachtsamkeit einen ziemlichen Griff in den Beutel getan, und wenn ich den Studenten nicht so gar von Herzen liebgehabt hätte, so würde mir niemand verdenken, wenn ich jeden unter ihnen mit meinem spanischen Rohr, absonderlich aber den Page, abgetröcknet hätte. Dennoch ließ ich mir vor diesmal an dieser Lust genügen, und war ihnen Strafe genug, daß sie sich fast vor allen Schloßbedienten nackicht mußten sehen und wacker auslachen lassen.

Indem ich nun beschäftiget war, ihnen aus meinem Kleiderkasten etliche zuzuwerfen, reitet Gottfrid zum Schlosse herein, und sein Reitknecht hatte alle die Kleider auf seinem Pferde liegen, die meine Leute des vorigen Abends in dem Wald verloren hatten. »Wie gehts,« sprach er zu mir herauf, »lebest du noch frisch und gesund? Was machen deine Badgäste, hast du ihnen geschröpfet oder zur Ader gelassen?« Damit stieg er von dem Pferd, und nachdem wir ihn bewillkommend in mein Zimmer geführet, erzählet er mir, daß er Selbsten derjenige wäre, der ihnen die Kleider durch seinen Diener hätte am Ufer wegnehmen lassen. Er konnte sich trefflich zerlachen, daß ich sie so artig gefangen, und war beinebens auf sich böse, daß er nicht eher angekommen, und auf mich, daß ich sie so bald wieder hätte losgelassen. Er sagte mir beinebens mit wenigen Worten, was sein itziger Ritt bedeutete, und daß er einem seiner Vetter, welcher ihm aber sehr weitschichtig befreundet war, auf einem Schlosse, so etwan vier Meilen von dar abgelegen war, um eine Braut werben sollte. Sie wäre ein wohlgewachsen, schön und höfliche Dam, hätte gute Mittel und ein absonderlich vortreffliches Gemüt. Dieselbe wollte er sehen, wie er sie bei dem Kopf kriegte, weil ihm von seinem Vetter eine Hufe Landes vor die Werbung wäre versprochen worden.

»Du bist ein alter Schacherer«, sagte ich zu ihm, »und hast die Art der Kratzhansen trefflich an dir. Ich kenne alle Töchter des ehrlichen Mannes; er hat ihrer, wie mich gedünket, fünfe; aber welche ists, die du anhäkeln sollest?« – »Es ist«, widerredete er, »die Jungfer Liesel.« Über dieser Antwort schwieg ich still und wußte nicht, was ich reden sollte, denn ich hatte sie heimlich lieb und dorfte michs doch nicht merken lassen. Ich war zwar meinem Weib auch nicht feinde, jedennoch sticht einen der Narr, wie der Leser wohl wissen wird, oft wider seinen Willen, und ich war unwillig, daß die türkischen Gesetze in unsern Landen nichts galten, sonst hätte ich die liebe Liesel wohl zu der meinen heiraten und zum Weibe nehmen können.

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