Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Johann Beer >

Die kurzweiligen Sommer-Tage

Johann Beer: Die kurzweiligen Sommer-Tage - Kapitel 51
Quellenangabe
pfad/beer/sommerta/sommerta.xml
typefiction
authorJohann Beer
booktitleDie teutschen Winter-Nächte & Die kurzweiligen Sommer-Tage
titleDie kurzweiligen Sommer-Tage
publisherSuhrkamp Taschenbuch Verlag
editorRichard Alewyn
year1985
firstpub1682
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100210
projectid96c6f564
Schließen

Navigation:

Der kurzweiligen Sommer-Täge
Fünftes Buch

I. Capitul. Krachwedel resolviert sich, dem Gespenst auf dem alten Schloß zu wachen.

Aus dem Inhalt der vorigen vier Bücher fließet nunmehr auch der fünfte, in welchem weiter zu sehen ist, was zwischen uns vorübergegangen. Ich werde aber solches, gleichwie bis anhero geschehen, ohne jemands Beschimpfung aufzeichnen, denn ich weiß wohl, daß die joci mordaces solche Wunden verursachen, die viel weniger als die Hundebisse können geheilet werden. So ist demnach meine Historia bis zu Ende des ganzen Verlaufes also eingeordnet, damit alle Lesende bei guter Lust erhalten und keiner an einzigem Stücke wider Gebühr angegriffen werde.

Mein neues Schlößlein anbetreffend, bauete ich solches auf ganz altvaterische Art, einen Winkel dahin, den andern dorthin. Zuhöchst auf dem Turm machte ich ein absonderliche Stuben, damit ich auf solchem,gleichwie indem alten Schloß, auf der Landstraß hin und wider sehen und also manche Zeit mit Speculieren durchbringen konnte. Die Situation anbelangend, war solche viel angenehmer als auf dem alten Schloß, und weil es wieder anfing, mit Gewalt Sommer zu werden, gaben mir die umliegende Berge und Wälder einen schönen Prospect, zwischen welchen mein Schlößlein ringsherum gleichsam eingeschlossen und verwahret war.

Der Student und Stradiot waren meine tägliche Begleiter, wenn ich da und dort ausspazierte; da mußte mir dieser von dem und jener von. jenem erzählen, und wenn wir also einen ziemlichen Weg herumterminiert, kehrten wir wieder zurück und erfrischten un s bei einer guten Maibutter und einer großen Schüssel von Milch, ließen auch wohl indessen die geschossene Wildenten oder ein gutes Häslein am Spieße braten, nachdem uns auf den Teichen oder in dem Forst etwas aufgestoßen ist.

Unterweilen ließ ich mir auch währender Abendmahlzeit den Meister Hämmerlein von meinem Schloßschneider spielen, mit welchem Spiel er sich ehedessen in dem Land ernährt und den vorwitzigen Müßiggängern manchen Groschen mit aufgesperrtem Maule aus dem Beutel herausgemeisterhämmerlt hat. Bisweilen kam der alte Ab initio zu mir, welches zwar nicht mehr so oft wie vorher geschehen können, weil er um zwei starke Meil Wegs weiter zu reisen hatte, jedennoch unterließ er nicht, mich öfters zu besuchen, absonderlich aber, wenn es gegen die heilige Zeit ging. Denn auf solche brachte er mir ein und anders musicalisches Stück, welches ich dann und wann nach Gelegenheit meiner Leute in der Dorfkirche musicieren ließ. Aber ich mag mich in Beschreibung meiner Musicanten nicht lange aufhalten. Derjenige, so es verstehet, wird ohnedem wohl wissen, daß sich auf einem solchen schlechten Lumpenort keine große Virtuosi aufgehalten haben. Und wenn ich den Weber im Dorfe wie auch des Pfarrers seinen Schreiber dazu rechne, so konnte ich gleich ein Stück mit vieren machen. So war auch die Composition nicht viel nutz und recht nach der Qualität dieser Künstler eingerichtet; glaube auch noch zur Zeit nicht, daß die Autores in den Kapellen viel werden bekannt sein, zumalen man wenig wissen wird, was der Organist von Ollingen, item Thomas Knauper, Stadtpfeifergesell daselbst, vor Sachen gesetzt haben. Ich habe zwar, wie ich zuvor erzählet, selbst nicht viel gekonnt, jedennoch wollte ichs weit besser als diese Erzfretter gemacht haben, welches ich mir zwar nicht zum Lob nachschreiben, sondern nur deswegen erzählen will, damit sich der Leser meine Festmusik desto besser einbilden könne.

So glückselig es mir nun samt allen denen, so sich bei mir aufhielten, ging, so betrübt ward ich hingegen, wenn ich an das alte Schloß gedachte, weil darinnen der Poltergeist, so viel wir auch Mittel ergriffen, dennoch nicht abweichen wollte. Endlich gab uns der Soldat, welcher mir bis daher seinen ganzen Lebenslauf durch das Concept des Studentens eingeliefert, zu verstehen, daß er entschlossen war, dem Gespenst ein oder etliche Nächte zu wachen und zu erforschen, obs was Gutes oder Böses wäre. Sein Vorhaben, ob es wohl ungemein und gefährlich, war mirs doch und meinem Weibe insonderheit angenehm, weil sie absonderlich Lust hatte, wieder dahin zu ziehen und ihr Vieh – denn sie war eine große Liebhaberin der Viehzucht – daselbsten in den wässerigen und wohlgelegenen Auen zu weiden. »Ich bin ein alter Corporal,« sagte er, »habe auch manch Stücklein erfahren, davon ein anderer nichts weiß. Es ist um eine schlimme Nacht zu tun, so wird sichs verhoffentlich anders fügen. Hilft es, so ists gut, hilft es nicht, so solls mir doch auch nicht schaden.« – »Ja,« sagte ich, »mein lieber Vater, Ihr seid aber alt, kraftlos und matt, bei solchen Zuständen ist der Schrekken groß, und wenn Ihr Euch nicht wohl getrauet, die Gefahr auf Euch zu nehmen, so lasset den Geist Geist sein und zieht Euch keine unnötige Gefahr auf den Hals.« Nichtsdestoweniger ließ er sich durch alle meine Abmahnungen nicht zurücke treiben, und weil meine Sophia gern hinter den Grund gelangen wollte, ließ ich ihn endlich mit meinem Reitknecht hinziehen, welcher ihn auf einem Pferd dahin begleiten und unterdessen seiner in dem Dorfe warten sollte.

 << Kapitel 50  Kapitel 52 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.