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Die künstlichen Paradiese

Charles Baudelaire: Die künstlichen Paradiese - Kapitel 8
Quellenangabe
typeessay
titleDie künstlichen Paradiese
authorCharles Baudelaire
translatorHeinrich Steinitzer
publisherGeorg Müller Verlag
addressMünchen
year1925
senderreuters@abc.de
created20040730
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II

Ihr tiefen Freuden des Weines, wer hat euch nie gekannt? Wer einen Gewissensbiss zu betäuben hatte, eine Erinnerung wachzurufen, einen Schmerz zu ertränken, ein Luftschloss zu erbauen, sie alle riefen dich an, geheimnisvoller in der Fiber der Rebe verborgener Gott. Wie erhaben sind die von innerer Glut erhellten Schauspiele des Weines. Wie ehrlich und brennend ist diese zweite Jugend, die der Mann aus ihm schöpft. Aber wie gefährlich auch ist seine zerschmetternde Wollust, seine entnervende Verzauberung! Und doch sagt auf Ehre und Gewissen, ihr Richter, Gesetzgeber, Weltleute, ihr alle, die das Glück milde macht, denen Reichtum die Tugend und Gesundheit leicht macht, sagt, wer von euch hat den unbarmherzigen Mut, den Mann zu verdammen, der Genie trinkt?

Im übrigen ist der Wein nicht immer dieser furchtbare siegessichere Kämpfer, der geschworen hat, weder Gnade noch Mitleid zu üben. Der Wein ähnelt dem Menschen: Niemals weiss man genau, bis zu welchem Punkt man ihn schätzen oder verachten, lieben oder hassen darf, noch wie vieler göttlicher Handlungen oder scheusslicher Missetaten er fähig ist. So wollen wir gegen ihn nicht grausamer sein als gegen uns selbst und ihn als unseresgleichen behandeln.

Mir scheint mitunter, als hörte ich den Wein sprechen (er spricht mit seiner Seele, mit jener Geisterstimme, die nur Geister verstehen): »Mensch, Geliebter, ich will dir, meinem Glasgefängnis und meinen Korkriegeln zum Trotz, einen Gesang voll Brüderlichkeit, einen Gesang voll Freude, voll Licht und voll Hoffnung singen. Ich bin nicht undankbar; ich weiss, dass ich dir das Leben verdanke. Ich weiss, wieviel Arbeit und Sonnenglut ich deinen Schultern verschuldete. Du hast mir das Leben geschenkt, ich werde dich dafür belohnen und grosszügig werde ich dir meine Schulden bezahlen; denn ich empfinde eine ausserordentliche Freude, wenn ich in eine arbeitsdurstige Kehle falle. Die Brust eines ehrlichen Mannes ist ein Aufenthalt, der mir weit mehr zusagt als jene melancholischen und fühllosen Keller. Sie ist ein fröhliches Grab, in dem ich mein Geschick begeistert vollende. Im Magen des Arbeitsamen renne ich hin und her und steige von dort auf unsichtbaren Treppen in sein Hirn, wo ich meinen höchsten Tanz tanze.«

»Hörst du, wie in mir die mächtigen Klänge der alten Zeit, die Gesänge von Liebe und Ruhm drängen und klingen? Ich bin die Seele der Heimat, ich bin halb Liebhaber, halb Soldat. Ich bin die Hoffnung der Sonntage. Die Arbeit bringt den Tagen Nutzen, der Wein macht die Sonntage glücklich. Die Ellenbogen auf den Familientisch gestützt, mit hochgekrempelten Ärmeln wirst du stolz mich rühmen und ganz zufrieden sein.«

»Ich werde die Augen deiner alten Frau aufleuchten lassen, der langen Gefährtin deines täglichen Kummers und deiner ältesten Hoffnungen. Ich werde ihren Blick zärtlich machen und in die Tiefe ihrer Augen den Blitz ihrer Jugend pflanzen. Und dein lieber Kleiner, dein Blasschen, dies arme kleine Eselein, das an dieselbe Deichsel der Mühen gespannt ist – ihm werde ich die schöne Farbe der Wiege wiedergeben und werde für diesen neuen Athleten des Lebens zum Öl werden, das die Muskeln der Kämpfer im Altertum hart machte.«

»Ich werde in deine Brust wie köstliche Speise fallen. Ich werde das Korn sein, das die schmerzhaft gezogene Furche befruchtet. Unsere innige Vereinigung wird die Poesie erzeugen. Wir zwei allein werden einen Gott schaffen und in die Unendlichkeit schweben wie die Vögel, die Schmetterlinge, die Marienfäden, die Parfüms und alle beflügelten Dinge.«

So singt der Wein in seiner geheimnisvollen Sprache. Wehe dem, dessen egoistisches, dem Bruderschmerz verschlossenes Herz niemals dieses Lied hörte!

Ich habe oft gedacht, dass, erschiene Jesus Christus heute auf der Anklagebank, sich ein Staatsanwalt finden würde, der bewiese, dass sein Fall durch Rückfälligkeit erschwert sei. Der Wein ist alle Tage rückfällig. Täglich wiederholt er seine Wohltaten. Das wahrscheinlich erklärt die Wut der Moralisten gegen ihn. Wenn ich sage: Moralisten, meine ich die pharisäischen Pseudomoralisten.

Aber das ist etwas ganz anderes. Steigen wir ein wenig tiefer hinab, betrachten wir eins jener geheimnisvollen Wesen, die sozusagen von den Abfällen der grossen Städte leben; denn es gibt merkwürdige Berufe, deren Zahl übergross ist. Mit Schrecken dachte ich oft daran, dass es Berufe gäbe, die ganz und gar freudlos wären, Berufe ohne Vergnügen, Ermüdungen ohne Erholung, Schmerzen ohne Ausgleich; ich irrte. Hier ist der Mann, der die Aufgabe hat, die Abfälle eines Grossstadttages zu sammeln. Der alles, was die grosse Stadt fortgeworfen hat, alles, was sie verloren hat, alles, was sie verachtet, alles, was sie zerschlagen hat, verzeichnen und sammeln wird. Er liest in den Archiven des Lasters nach, im Auswurf Sodoms. Er trifft eine kluge Auswahl; wie der Geistige den Schatz, sammelt er den Schmutz auf, der durch die Gottheit der Industrie wiedergekaut, wieder zu brauchbaren oder Luxusgegenständen wird. Nun durchschreitet er im dunklen Licht der Kandelaber, die im Nachtwind flackern, eine jener langen gekrümmten, von kleinen Leuten bewohnten Gassen der Montagne Sainte-Geneviève. Er trägt seinen Sammelkorb mit der Nummer sieben. Er geht, indem er den Kopf schüttelt und auf dem Pflaster stolpert, wie junge Dichter, die den ganzen Tag herumlaufen und Reime suchen. Er spricht zu sich selbst. Er giesst seine Seele in die kalte und nebelige Nachtluft. Ein Monolog, der die lyrischsten Tragödien in den Schatten stellt: »Vorwärts! Marsch! Division, Stab, Armee!« Genau wie Bonapartes letzte Worte in St. Helena! Es scheint, dass die Nummer sieben sich in ein Eisenzepter, der Lumpenkorb in einen kaiserlichen Mantel verwandelt hat. Jetzt beglückwünscht er sein Heer. Die Schlacht ist gewonnen, aber der Tag war heiss. Er reitet unter Triumphbögen. Das Herz ist glücklich. Selig hört er die Zurufe einer begeisterten Menge. Gleich wird er einen Code diktieren, der alle bekannten Codes in den Schatten stellen wird. Elend und Sünden verschwanden aus der Welt!

Und dennoch sind ihm Rücken und Rippen vom Gewicht seiner Trage wund. Häuslicher Kummer zermürbt ihn. Vierzig Jahre Arbeit und Laufen haben ihn zerrüttet. Das Alter quält ihn. Aber der Wein rollt wie ein neuer Sarubat geistiges Gold durch die erschöpfte Menschheit. Er herrscht wie gute Könige durch Dienst, und seinen Ruhm singen die Kehlen seiner Untertanen.

Auf der Erdkugel lebt eine unzählige, namenlose Menge, denen der Schlummer allein ihre Leiden nicht einschläfern würde. Ihnen dichtet der Wein Gesänge und Gedichte.

Viele Leute werden mich gewiss recht nachsichtig finden: »Du entschuldigst die Trunksucht und verherrlichst den Pöbel.« Ich gestehe, nicht den Mut zu haben, die Schäden zu zählen, wenn ich Wohltaten sehe. Im übrigen habe ich gesagt, dass der Wein dem Menschen gleicht und zugegeben, dass deren Laster ihre Tugenden aufwiegen. Kann ich mehr tun? Im übrigen fällt mir etwas anderes ein. Ich glaube, dass wenn der Wein aus dem menschlichen Schaffen verschwände, in der Gesundheit und dem Geist des Planeten ein Mangel, eine Unvollständigkeit entstünde, die viel schlimmer als alle Ausschweifungen und alle Abirrungen wären, die man dem Wein zuschreibt. Meint man nicht mit Recht, dass die Leute, die aus Naivität oder systematisch niemals Wein trinken, Dummköpfe oder Scheinheilige sind: Dummköpfe, das heisst Menschen, die weder die Menschheit noch die Natur kennen, Künstler, die die traditionellen Mittel der Kunst verschmähen, Arbeiter, die das Handwerkszeug beschimpfen; – Scheinheilige, das heisst schamhafte Lüstlinge, Prahler der Enthaltsamkeit, die im Verstohlenen trinken oder irgendein geheimes Laster haben. Ein Mensch, der nur Wasser trinkt, hat ein Geheimnis, das er vor seinesgleichen verbergen muss.

Man urteile selbst: Vor einigen Jahren regte sich auf einer Kunstausstellung die idiotische Menge vor einem wie eine Maschine polierten, gewichsten und lackierten Bild auf. Es war das vollkommene Gegenteil der Kunst. In dieser mikroskopischen Malerei sah man Fliegen fliegen. Dieses scheussliche Machwerk zog mich wie jedermann an, aber ich schämte mich dieser merkwürdigen Schwäche; denn es war die unwiderstehliche Anziehungskraft des Scheusslichen. Endlich bemerkte ich, dass ich von einer unbewussten philosophischen Neugier und dem ungeheuren Wunsch nach Wissen angezogen wurde, wie der moralische Charakter des Mannes beschaffen wäre, der eine so verbrecherische Extravaganz geschaffen hatte. Ich wettete mit mir, dass er sehr böse sein müsste. Ich liess Erkundigungen einziehen, und mein Instinkt hatte das Vergnügen, diese psychologische Wette zu gewinnen. Ich erfuhr, dass das Ungeheuer regelmässig vor Sonnenaufgang aufstand, seine Aufwartefrau ruiniert hatte, und nur Milch trank!

Noch eine oder zwei Geschichten und wir kommen zum Beschluss. Eines Tages sehe ich einen grossen Auflauf auf der Strasse; es gelingt mir, über die Schultern der Gaffer zu sehen und ich erblicke dieses: Ein Mann lag rücklings auf der Erde, hielt die Augen offen und zum Himmel gerichtet; ein anderer stand vor ihm und sprach nur durch Gesten; der Mann auf der Erde antwortete ihm nur mit den Augen. Beider Gesicht strahlte ausserordendiches Wohlwollen aus. Die Gesten des stehenden Mannes sprachen zum Verstand des liegenden Mannes: »Komm, komm noch ein wenig! Das Glück ist da, zwei Schritte von hier, komm bis zur Strassenecke! Noch haben wir nicht das Ufer des Kummers ganz aus den Augen verloren. Wir schwimmen noch nicht ganz im Ozean des Traumes. Mut, lieber Freund! Befiehl deinen Beinen, deinen Gedanken zu gehorchen.« Das alles in harmonischem Schwanken und Taumeln. Der andere war zweifelsohne bereits im Ozean angelangt (übrigens schwamm er im Rinnstein); denn sein glückliches Lächeln antwortete: »Lass deinen Freund in Ruhe. Das Ufer des Kummers verschwand genugsam hinter wohltätigen Nebeln; ich habe vom Traumhimmel nichts mehr zu fordern.« Ich glaube sogar einen vagen Satz oder besser einen vagen, in Worte gekleideten Seufzer aus seinem Munde gehört zu haben: »Man muss vernünftig sein.« Das ist die Höhe der Göttlichkeit. Aber in der Trunkenheit gibt es Übergöttliches, wie ihr sehen werdet. Der Freund, voll Nachsicht noch immer, geht allein in die Kneipe und kommt mit einem Strick in der Hand zurück. Wahrscheinlich konnte er den Gedanken nicht ertragen, allein zu segeln und allein dem Glück nachzulaufen; deshalb kam er, um seinen Freund im Wagen abzuholen. Der Wagen war der Strick; er schlingt ihm den Wagen um die Rippen. Der ausgestreckte Freund lächelt. Er hat gewiss diesen mütterlichen Gedanken verstanden. Der andere knüpft einen Knoten; dann schreitet er aus wie ein sanftes und vorsichtiges Pferd und karrt seinen Freund bis zum Stelldichein des Glücks. Der gekarrte oder besser geschleifte Mann, der das Pflaster mit seinem Rücken polierte, lächelte weiter sein unsagbares Lächeln.

Die Menge bleibt starr; denn was zu schön ist, was die poetischen Kräfte des Menschen übersteigt, erweckt mehr Erstaunen als Rührung.

Es gab einen Mann, einen Spanier, einen Gitarrenspieler, der lange Zeit mit Paganini reiste. Es war vor der Zeit der grossen offiziellen Berühmtheit Paganinis.

Zu zweit führten sie das grosse Wanderleben der Zigeuner, der reisenden Musiker, der Leute ohne Familie und Heimat. Beide, Violine und Gitarre, gaben wohin sie kamen Konzerte. Mein Spanier hatte ein solches Talent, dass er wie Orpheus sagen konnte: »Ich bin der Herr der Natur.«

Wo er durchkam und seine Saiten zupfte und sie harmonisch unter seinem Daumen hüpfen liess, war er sicher, dass die Menge ihm folgte. Versteht man sich auf solches Geheimnis, stirbt man niemals Hungers. Man folgte ihm wie Christus. Kann man Mittagbrot und Gastfreundschaft einem Manne verweigern, einem Genie, das deine Seele die schönsten, geheimnisvollsten und unbekanntesten, die mysteriösesten Melodien hat singen lassen? Man hat mir versichert, dass er seinem Instrument, das nur angeschlagene Töne bringt, leicht ausgehaltene Töne entlockte.

Paganini hatte die Kasse und verwaltete sie, was niemanden in Erstaunen setzen wird.

Die Kasse reiste auf der Person des Verwalters. Bald war sie oben, bald war sie unten ; heute in den Stiefeln, morgen zwischen Rock und Futter. Fragte der Gitarrenspieler, ein starker Trinker, wie die Finanzen ständen, antwortete Paganini, dass nichts mehr da sei, wenigstens so gut wie nichts. Der Spanier glaubte ihm oder tat so, als ob er ihm glaubte, richtete seine Augen auf den Horizont des Weges, zupfte und quälte seine untrennbare Begleiterin. Paganini lief auf der anderen Seite der Landstrasse. Das war eine beiderseitige Abmachung, damit man sich nicht gegenseitig störte. So studierte und arbeitete jeder im Gehen. Wenn sie dann in einen Ort kamen, der einige Einnahmen versprach, spielte der eine von ihnen seine Komposition, der andere neben ihm improvisierte eine Variation, eine Begleitung, eine Unterstimme. Nie wird jemand erfahren, wieviel Freuden und Poesie in diesem Troubadourleben lag. Sie trennten sich, ich weiss nicht warum. Der Spanier reiste allein weiter. Er liess ein Konzert in einem Saal des Rathauses anzeigen. Das Konzert war er, nichts weiter als eine Gitarre. Er hatte sich dadurch bekannt gemacht, dass er in einigen Kaffees gespielt und einige musikalische Menschen der Stadt durch sein Talent verblüfft hatte. Also, es kamen viele Leute. Mein Spanier aber hatte an einem anderen Ende der Stadt, am Friedhof, einen Landsmann aufgefunden. Der war so eine Art Grabmalfabrikant, ein Marmorbildhauer, der Grabmonumente verfertigte. Wie alle Leute mit traurigen Berufen war er ein guter Trinker. Flasche und Heimatserinnerungen brachten sie weit; der Musiker und Bildhauer verliessen sich nicht mehr. Am Tage des Konzertes, selbst zur gegebenen Stunde waren sie zusammen. Aber wo? Das musste man herausbekommen. Man suchte alle Kneipen der Stadt ab, alle Kaffees, endlich fand man ihn mit seinem Freunde in einer unbeschreiblichen Kneipe; beide waren vollkommen betrunken. Es folgten Szenen à la Kean und à la Frédéric. Endlich willigen sie ein, spielen zu gehen; aber plötzlich fällt ihm ein: »Du wirst mit mir spielen,« spricht er zu seinem Freunde. Der weigert sich; er hatte eine Geige, aber er spielte wie der schrecklichste Bierfiedler. »Du spielst oder ich spiele nicht.«

Weder Zureden noch gute Gründe halfen; man musste nachgeben. Nun stehen sie auf dem Podium vor den Honoratioren der Stadt. »Wein her,« sagte der Spanier. Der Grabmälerfabrikant, den alle, aber nicht als Musiker, kannten, war zu betrunken, um sich zu schämen. Man bringt den Wein, aber sie haben nicht mehr die Geduld, die Flaschen zu entkorken. Die üblen Brüder schlagen ihnen die Hälse mit dem Messer ab wie recht schlecht erzogene Leute. Man errate den Eindruck auf die Provinz in Gala! Die Damen ziehen sich zurück und viele Leute rücken empört vor diesen beiden Trunkenbolden aus, die halb verrückt aussehen.

Aber die, deren Sittsamkeit nicht die Neugier überwog und die den Mut hatten zu bleiben, wurden belohnt. »Fang an,« ruft der Gitarrenspieler dem Bildhauer zu. Unmöglich, zu beschreiben, was für Töne der trunkenen Geige entstiegen. Bacchus im Delirium sägt auf einem Stein. Was spielte er oder versuchte er zu spielen? Gleichviel, die erste Melodie steigt auf. Plötzlich hüllt, verlöscht, übertönt eine volle und weiche und zugleich kapriziöse Melodie den schreienden Lärm. Die Gitarre singt so laut, dass man die Geige nicht mehr hört. Und doch ist es die trunkene Melodie, die der Geigenspieler begonnen hatte.

Die Gitarre dringt mit ihrer außerordentlichen Tonfülle durch; sie schwatzt, sie singt, sie spricht mit erschreckender Wärme, mit unerhörter Sicherheit und Reinheit des Vortrages. Die Gitarre improvisierte eine Variation auf das Thema der Geige. Sie liess sich von ihr führen und begleitete herrlich und mütterlich die arme Nacktheit ihrer Töne. Der Leser wird verstehen, dass dies unbeschreiblich ist; ein aufrichtiger und zuverlässiger Zeuge hat es mir berichtet. Zum Schluss war das Publikum trunkener als er. Der Spanier wurde gefeiert, beglückwünscht und durch ungeheuren Beifall begrüsst. Aber zweifelsohne missfiel ihm der Charakter der Bewohner dieses Landes, denn es war das einzige Mal, dass er einwilligte zu spielen.

Und wo ist er jetzt? Welche Sonne hat seine letzten Träume beschienen ? In welcher Erde ruhen seine kosmopolitischen Reste? In welchem Graben kämpft er seinen Todeskampf? Wo sind die berauschenden Parfüms der verschwundenen Blumen? Wo sind die zauberhaften Farben der alten Sonnenuntergänge?

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