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Die Königstreuen

Honoré de Balzac: Die Königstreuen - Kapitel 26
Quellenangabe
typefiction
authorHonoré de Balzac
titleDie Königstreuen
publisherErnst Rowohlt Verlag
translatorMagda Kahn
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Fürchterliche Unruhe hatte sich in Galope-chopines Hütte eingeschlichen, in der das Leben bis dahin so harmlos und unbekümmert verstrichen war. Zu der Stunde, da die Familie ihre Abendmahlzeit einzunehmen pflegte, kamen Barbette und ihr kleiner Sohn heim, sie eine schwere Tracht Ginsterkraut, er ein Bündel Viehfutter auf dem Rücken. Doch vergebens suchten Mutter und Kind beim Betreten ihrer Hütte Galope-chopine mit den Augen, und in seiner Leere kam ihnen das elende Zimmer so groß vor, wie nie zuvor. Der leergebrannte Kamin, die Finsternis, das Schweigen, alles kündete ihnen ein Unglück an.

Als die Nacht anbrach, zündete Barbette ein helles Feuer und zwei Harzkerzen an, wobei sie mit der Langsamkeit zu Werke ging, die unsere Handlungen kennzeichnet, wenn uns eine tiefe Gemütsbewegung erfaßt hat. Sie horchte auf den mindesten Laut; doch gar oft täuschte sie das Pfeifen des Windes, so daß sie nach der Tür ihrer elenden Behausung eilte, um noch trauriger wieder zurückzukommen. Sie spülte zwei Weinkrüge aus, füllte sie bis zum Rande und stellte sie auf den langen Tisch. Wiederholt schaute sie zu dem Kinde hinüber, das das Backen der Buchweizenfladen besorgte, vermochte es aber nicht, mit ihm zu reden. Einen Augenblick ruhten die Augen des Knaben auf den beiden Nägeln, an denen sonst die Büchse seines Vaters zu hängen pflegte, und Barbette überlief ein Schauder, als sie gleich ihm den leeren Platz sah. Nur das Brüllen der Kühe und die Weintropfen, die in regelmäßigen Zwischenräumen aus dem Spundloch fielen, unterbrachen die Stille. Die arme Frau seufzte, während sie in drei irdenen Näpfen eine Art Suppe anrichtete, die aus Milch, in Stückchen geschnittenen Fladen und gerösteten Kastanien bestand.

»Sie haben sich auf dem Acker der Béraudière geschlagen,« sagte der Kleine.

»Geh doch mal hin und schau dich um,« antwortete seine Mutter.

Der Knabe lief fort, gewahrte beim Licht des Mondes den Leichenhaufen, fand aber seinen Vater nicht darunter und kam lustig pfeifend zurück, weil er ein paar Hundertsousstücke aufgelesen hatte, die die Sieger fallen gelassen und dann vergessen hatten.

Er traf seine Mutter auf einem Schemel vor dem Herde sitzend an, wo sie sich mit Hanfspinnen beschäftigte, und machte ihr, die an nichts Gutes glaubte, ein verneinendes Zeichen. Dann legte er sich, nachdem er ein Gebet an die heilige Anna von Auray gemurmelt, zu Bett, denn es hatte schon zehn Uhr geschlagen.

Bei Tagesanbruch stieß Barbette, die nicht geschlafen hatte, einen Freudenschrei aus, als sie in der Ferne die Tritte eisenbeschlagener Stiefel vernahm, und bald zeigte Galope-chopine sein saures Gesicht.

»Dank dem heiligen Labre, dem ich eine schöne Kerze versprochen hab', ist der Gars gerettet! Vergiß nicht, daß wir dem Heil'gen jetzt drei Kerzen schulden.«

Damit ergriff Galope-chopine einen der Krüge und leerte ihn bis zum letzten Tropfen, ohne abzusetzen. Als seine Frau ihm die Suppe vorgesetzt und das Gewehr abgenommen hatte und er auf der Bank saß, sagte er:

»Wieso sind die Blauen und die Gegenchouans hierher gekommen? 's war doch in Florigny losgegangen. Wer zum Teufel kann ihnen gesagt haben, daß der Gars bei uns wär'? Es hat's ja doch niemand gewußt außer ihm, seiner schönen Garce und uns beiden!«

Das Weib erbleichte.

»Die Gegenchouans haben mir eingeredet, sie wären die Gars aus Saint-Georges,« antwortete sie bebend, »und ich hab' ihnen selber gesagt, wo der Gars wär.«

Nun war die Reihe, blaß zu werden, an Galope-chopine. Er setzte seinen Napf hart auf den Rand des Tisches nieder.

»Ich hab' dir unsern Jungen geschickt, daß er dir's sagen sollt', aber er hat dich nicht getroffen,« fuhr Barbette erschrocken fort.

Der Chouan sprang auf und versetzte seiner Frau einen so heftigen Schlag, daß sie totenbleich aufs Bett fiel.

»Verdammtes Weib!« schrie er. »Du bringst mich ums Leben!«

Doch gleich darauf nahm er, von Schrecken ergriffen, seine Frau in die Arme.

»Barbette,« rief er, »Barbette! Heilige Jungfrau, ich hab' zu grob zugeschlagen!«

»Glaubst du,« sagte sie, indem sie die Augen öffnete, »daß Marche-à-terre es erfährt?«

»Der Gars«, erwiderte der Chouan, »hat gesagt, er wollte schon herausbringen, woher die Verräterei gekommen ist.«

»Hat er das zu Marche-à-terre gesagt?«

»Pille-miche und Marche-à-terre waren in Florigny.«

Sie atmete erleichtert auf.

»Wenn sie dir nur ein Haar krümmen,« sagte sie dann, »soll'n sie's mit mir zu tun bekommen.«

»Ach, ich mag nix mehr essen,« rief Galope-chopine traurig.

Seine Frau schob ihm den zweiten, noch vollen Krug zu, doch er beachtete es nicht einmal. Da rollten zwei dicke Tränen über Barbettes Wangen und netzten die Runzeln ihres welken Gesichtes.

»Höre, Frau, du mußt morgen früh rechts von Sankt Le'nard auf den Felsen von Saint-Sulpice Reisig aufschichten und anzünden. Das ist das Zeichen, das sich der Gars und der alte Rektor von Saint-Georges ausgemacht haben.«

»Geht er denn nach Fougères?«

»Ja, zu seiner hübschen Garce. Hab' heut deswegen noch Lauferei genug. Ich glaub', er will sie heiraten und entführen. Mir hat er aufgetragen, daß ich soll Pferde mieten und auf die Straße nach Saint-Malo bringen.«

Hierauf legte sich der müde Galope-chopine ein paar Stunden schlafen, ehe er sich von neuem auf den Weg machte. Am nächsten Morgen kam er wieder heim, nachdem er die ihm vom Marquis übergebenen Aufträge gewissenhaft ausgeführt hatte. Als er erfuhr, daß Marche-à-terre und Pille-miche sich nicht gezeigt hatten, beruhigte er seine Frau, so daß sie ganz ohne Sorgen nach den Felsen von Saint-Sulpice aufbrach, wo sie tags zuvor auf dem kleinen Hügel, der der Sankt Leonhardskirche gegenüberlag, einige nun bereifte Reisigbündel aufgeschichtet hatte. An der Hand führte sie den kleinen Jungen, der in einem zerbrochenen Holzschuh Kohlenglut trug.

Kaum war seine Frau mit dem Kinde hinter dem Dach des Schuppens verschwunden, als Galope-chopine zwei Männer über den letzten Echalier der Reihe springen hörte, und allmählich unterschied er in dem ziemlich dichten Nebel zwei plumpe Gestalten, die sich wie unklare Schatten abzeichneten.

»Das sind Pille-miche und Marche-à-terre,« dachte er bei sich. Und ihn schauderte.

Bald zeigten die beiden Chouans auf dem kleinen Hof ihre düsteren Gesichter, die sich unter den großen, abgenutzten Hüten ausnahmen wie die Köpfe der Figuren, die Kupferstecher in ihre Landschaften zu setzen lieben.

»Guten Tag, Galope-chopine,« grüßte Marche-à-terre ernst.

»Guten Tag, Herr Marche-à-terre,« antwortete Barbettes Mann unterwürfig. »Wollen Sie nicht hereinkommen und ein paar Krüge Wein leeren? Ich hab kalten Fladen und frische Butter.«

»Da sagen wir nicht nein, Vetter,« meinte Pille-miche.

Die beiden Chouans traten in die Stube. Dieser Anfang hatte nichts Erschreckendes für den Hausherrn, der aus seinem großen Fasse eiligst drei Krüge Wein abfüllte, indes Marche-à-terre und sein Kamerad, die sich zu beiden Seiten des langen Tisches auf den blanken Bänken niedergelassen, sich Fladen abschnitten und mit der dicken, gelben Butter bestrichen, die unter dem Messer kleine, runde Milchtröpfchen hervorquellen ließ. Galope-chopine stellte die vollen, schäumenden Krüge vor seine Gäste hin, und die drei Chouans begannen zu schmausen. Doch von Zeit zu Zeit warf der Hausherr einen Seitenblick auf Marche-à-terre und beeiferte sich, ihn immer von neuem zum Trinken aufzufordern.

»Gib mir dein Tabakshorn,« sagte Marche-à-terre zu Pille-miche, und nachdem er sich mehrere Prisen in die hohle Hand geschüttet, schnupfte er sie mit der Miene eines Mannes, der sich zu einer bedeutungsvollen Handlung vorbereitet.

»Es ist kalt,« bemerkte Pille-miche, indem er aufstand und den oberen Teil der Haustür schloß, so daß der nebeltrübe Tag nur noch durch das kleine Fenster in die Stube drang und Tisch und Bänke mit einem matten Schimmer übergoß. Das Feuer jedoch verbreitete einen rötlichen Schein im Raume.

Galope-chopine hatte unterdes die Krüge zum zweitenmal gefüllt und stellte sie vor seine Gäste hin; doch sie lehnten es ab, weiter zu trinken, warfen ihre großen Hüte von sich und nahmen plötzlich eine feierliche Miene an. Ihr Benehmen und der Blick, mit dem sie einander ansahen, jagten Galope-chopine einen Schauder über den Rücken, und er glaubte Blut unter den roten Wollmützen zu sehen, mit denen ihr Haar bedeckt war.

»Bring uns dein Hackmesser,« sagte Marche-à-terre.

»Aber Herr Marche-à-terre, was woll'n Sie denn damit?«

»Vorwärts, Vetter, du weißt 's ganz gut,« sprach Pille-miche und steckte sein Tabakshorn, das ihm Marche-à-terre reichte, wieder zu sich. »Du bist gerichtet.«

Die beiden Chouans erhoben sich gleichzeitig und griffen zu ihren Gewehren.

»Herr Marche-à-terre, ich hab' nix über den Gars weiter gesagt . . .«

»Hol dein Hackmesser,« wiederholte der Chouan.

Der unglückselige Galope-chopine stieß an die plumpe Bettstelle seines Knaben, und drei Hundertsousstücke rollten auf den Fußboden. Pille-miche hob sie auf.

»Oho! die Blauen haben dir ganz neue Münzen gegeben,« rief Marche-à-terre.

»So wahr wie hier oben das Bild vom heil'gen Labre steht,« fiel Galope-chopine ein, »ich hab' nix gesagt. Barbette hat nur die Gegenchouans für die Gars von Saint-Georges gehalten – das is alles.«

»Was sprichst du auch mit Weibern von Geschäften?« erwiderte Marche-à-terre roh.

»Außerdem verlangen wir keine Verteidigung von dir, Vetter, sondern dein Hackmesser. Du bist gerichtet.«

Und auf einen Wink seines Gefährten half Pille-miche das Schlachtopfer ergreifen. Als er sich in den Händen der beiden Chouans befand, verlor Galope-chopine jeden Halt; er fiel auf die Knie und streckte seinen Henkern verzweifelt die Hände entgegen:

»Gute Freunde, lieber Vetter, was soll denn aus meinem kleinen Jungen werden?«

»Werd' für ihn sorgen,« antwortete Marche-á-terre.

»Liebe Kam'raden,« hob der totenbleiche Galope-chopine von neuem an, »ich bin nicht zum Tode bereitet. Wollt ihr mich denn ohne Beichte sterben lassen? Ihr könnt mir's Leben nehmen, aber um die ew'ge Seligkeit dürft ihr mich nicht bringen!«

»Da hat er recht,« sagte Marche-à-terre und sah Pille-miche an.

Ein paar Minuten lang waren die Chouans in der größten Verlegenheit, weil sie nicht wußten, wie sie diese Gewissensfrage lösen sollten, während Galope-chopine auf das leiseste Windesgeräusch horchte, als ob er noch immer auf Rettung von außen hoffe. Bei dem regelmäßigen Tropfen des Weines aus dem Spundloch fiel sein Blick unwillkürlich auf das Faß, und er seufzte traurig auf.

Mit einem Male faßte sein Vetter ihn am Arme, zog ihn in eine Ecke und sprach zu ihm:

»Bekenn' nur mir all deine Sünden! Ich werd' sie einem richtigen Geistlichen wiedersagen, und der gibt mir dann Absolution für dich. Wenn's Buße zu tun gibt, will ich sie schon für dich tun.«

Durch die umständliche Art und Weise, mit der Galope-chopine seine Sünden aufzählte, erlangte er einen Aufschub; doch trotz der großen Anzahl und der genauen Beschreibung der Vergehen, deren er sich anschuldigte, kam er schließlich doch mit seinem Rosenkranz zu Ende.

»Ach!« sagte er zuletzt, »Vetter, wo ich nun doch mal wie zum Beichtvater mit dir rede, versich're ich dir beim heil'gen Namen Gottes, daß ich mir nix vorzuwerfen hab', als daß ich hie und da mein Brot ein bißchen zu dick mit Butter geschmiert hab', und beim heiligen Labre, der da auf dem Kamin steht, bezeuge ich, daß ich nix vom Gars gesagt hab'. Nein, Freunde, verraten hab' ich ihn nicht!«

»Schon gut, schon gut, Vetter, steh nur auf. Das alles kannst du bei Gelegenheit mit dem lieben Gott ausmachen.«

»Aber so laßt mich doch wenigstens Barbette Lebewohl sagen . . .«

»Vorwärts,« unterbrach ihn Marche-à-terre, »wenn du willst, daß man dich nicht härter anpackt, als nötig, so betrag' dich wie 'n Bretone und tritt auf anständige Art ab!«

Nun ergriffen die beiden Chouans Galope-chopine von neuem und legten ihn auf die Bank, wo er sich nur noch durch krampfhafte, vom tierischen Instinkt erzeugte Bewegungen wehrte und ein paarmal dumpf aufheulte, bis der dumpfe Fall des Schlachtbeils ertönte. Mit einem einzigen Schlag wurde der Kopf vom Rumpfe getrennt; Marche-à-terre ergriff ihn an einem Haarbüschel und ging damit aus der Stube, suchte und fand in der rohen Türbekleidung einen Nagel, an dem er die Haare, die er in der Hand hielt, festknüpfte, und ließ den blutenden Kopf so hängen, ohne ihm auch nur die Augen zuzudrücken.

Dann wuschen sich die Chouans, ohne sich im geringsten zu beeilen, die Hände in einer Schüssel voll Wasser, griffen zu ihren Hüten, ihren Gewehren und überkletterten den Echalier, indem sie das Lied vom tapfern Hauptmann pfiffen. Als sie an der Ackergrenze angelangt waren, stimmte Pille-miche aufs Geratewohl ein paar Strophen aus diesem Lied an, dessen volkstümliche Weise und schlichte Reime der Wind verwehte:

Und in der ersten Stadt
Ihr Schatz sie gekleidet hat
In weiße Seide fein.

Und in der zweiten Stadt
Ihr Schatz sie gekleidet hat
In Silber und in Gold.

Feinsliebchen war so schön,
Wollt ihr zu Diensten stehn
Das ganze Regiment.

Je weiter die Chouans sich entfernten, um so undeutlicher wurde die Melodie. Doch die Stille, die über den Feldern lag, war so tief, daß ein paar Töne an das Ohr Barbettes drangen, die, ihren kleinen Jungen an der Hand, gerade nach Hause zurückkehrte. Eine Bäuerin hört dieses in Westfrankreich so beliebte Lied nie ohne Teilnahme singen; und so stimmte denn auch Barbette unwillkürlich die ersten Strophen der Ballade an:

Feinsliebchen, schürze dich,
Wohlauf, wir zieh'n in Krieg,
Wohlauf, 's ist an der Zeit.

»Herr Hauptmann, du sollt wissen,
Und laß dich's nicht verdrießen,
Mein' Tochter ist nicht für dich.

Zu Wasser nicht, zu Land,
Fällt sie in deine Hand.
Es sei durch List und Trug.«

Der Vater greift die Maid,
Er reißt ihr ab das Kleid
Und stürzt sie in die Flut.

Der Hauptmann wart't nicht lang,
Ihr nach ins Wasser sprang –
Er trägt sie wieder ans Land.

Feinsliebchen, schürze dich,
Wohlauf, wir zieh'n in Krieg,
Wohlauf, s'ist an der Zeit.

Und in der ersten Stadt . . .

Gerade, als Barbette an der Stelle der Ballade angelangt war, bei der Pille-miche eingesetzt hatte, betrat sie ihren Hof. Die Zunge erstarrte ihr im Munde, sie blieb reglos stehen, und ein gellender, jedoch rasch wieder abbrechender Schrei entrang sich ihrer Brust.

»Was hast du denn, Mutter?« fragte das Kind.

»Geh' allein,« rief Barbette heiser, indem sie ihre Hand aus der seinen riß und ihn roh von sich stieß. »Du hast keinen Vater und keine Mutter mehr . . .«

Weinend rieb sich das Kind die Schulter. Da sah es den blutenden Kopf. Sein frisches Gesicht behielt, obwohl es plötzlich stille schwieg, die krampfartige Spannung, die die Züge beim Weinen annehmen. Er starrte das Haupt seines Vaters lange mit einfältiger Miene an, die keinerlei Ergriffenheit verriet, und endlich zeigte sich auf seinem stumpfsinnigen Gesichte sogar ein Ausdruck wilder Neugier.

Plötzlich ergriff Barbette wieder die Hand ihres Kindes, drückte sie heftig und zog den Kleinen ins Haus.

Während Pille-miche und Marche-à-terre ihr Opfer auf die Bank legten, hatte sich einer der Holzschuhe Galope-chopines so unter dessen Kopf geschoben, daß er das Blut auffing, und dieser blutgefüllte Schuh war das erste, was der armen Frau ins Auge fiel.

»Zieh deinen Schuh aus,« sagte sie zu ihrem Sohn, »und tauch deinen Fuß dahinein. So. – Vergiß nie«, rief sie dann mit finsterer Stimme, »den Schuh deines Vaters, und zieh dir niemals einen an die Füße, ohne dich an den zu erinnern, den die Chouans mit seinem Blute gefüllt haben. Und bring sie um, die Chouans, bring sie um, bring sie um!«

Bei diesen Worten schüttelte sie den Kopf so krampfhaft, daß ihre schwarzen Haarflechten auf die Schultern herabfielen und ihrem Gesicht einen unheilverkündenden Ausdruck gaben.

»Der heilige Labre soll mein Zeuge sein,« fuhr sie fort, »daß ich dich den Blauen weihe! Du sollst Soldat werden, um deinen Vater zu rächen! Bring sie um, die Chouans, bring sie um, und tu's mir nach! Sie haben meinen Mann geköpft, aber ich will dafür den Blauen den Kopf des Gars verschaffen.«

Mit einem Satze sprang sie auf das Bett, zog einen kleinen Sack mit Geld aus seinem ihr wohlbekannten Versteck hervor, faßte den erstaunten Kleinen wieder an der Hand und zog ihn wild mit sich fort, ohne ihm Zeit zu lassen, wieder in seinen Holzschuh zu schlüpfen. Schnellen Schrittes gingen sie auf Fougères zu, ohne sich noch einmal nach der Hütte umzuwenden, die sie soeben verlassen hatten.

Auf der Höhe der Felsen von Saint-Sulpice angelangt, schürte Barbette das Reisigfeuer, und ihr Sohn mußte ihr helfen, mit Reif bedeckte grüne Ginsterzweige darauf zu legen, um einen stärkeren Rauch hervorzubringen.

»Das wird länger währen als dein Vater und ich und der Gars,« sprach Barbette dann mit grimmiger Miene zu ihrem Kinde und deutete auf das Feuer.

*

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