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Die Könige im Exil

Alphonse Daudet: Die Könige im Exil - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorAlphonse Daudet
translatorPaul Heichen
firstpub1879
yearca. 1900
publisherHugo Andres
addressFrankfurt a. O.
titleDie Könige im Exil
pages5-498
created20061227
sendergerd.bouillon
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Zweites Kapitel.

Ein Royalist.

Geschornen und unbedeckten Hauptes schritten unter einem scharfen. wenn auch schwachen Dezember-Regen, der sich an die braune Wolle ihrer Kutte wie mit Nadelspitzen festsetzte, zwei Mönche mit weiten Schritten den Abhang der Rue Monsieur-le-Prince hinunter. Sie trugen beide die Leibschnur und die abgerundete Kapuze des Ordens vom heiligen Franziskus. Inmitten der Umwandlungen, die das lateinische Viertel erfährt, jener großen und weiten Einrisse und Durchbrüche. in denen sich die Ursprünglichkeit und die Erinnerungen des alten Paris zu Trümmer-Staub auflösen und verwischen, bewahrt die Rue Monsieur-le-Prince ihr Gepräge als Schul- oder Studentenstraße. Die Buchhandels-Schaufenster, die Milchläden, die Krämer, die Garküchen, die Geschäfte für »Ein- und Verkauf von Gold und Silber« wechseln dort bis hinaus zum Sainte-Geneviève-Hügel; und die Studenten, die ihn stündlich am Tage überschreiten, nicht mehr die Studenten des genialen Gavarni mit dem langen, aus einem wollenen Barett hervordringenden Haare, sondern Advokaten und Sachwalter in spe, von oben bis unten eingepreßt in ihre Ulster-Mäntel, peinlich gekleidet und behandschuht, mit gewaltigen Studienmappen unter dem Arme und Mienen, die schon in ihrer abgebrauchten Blasiertheit und eisigen Kälte an den Geschäftsvermittler und Träger erinnern; oder auch die Ärzte der kommenden Zeit, die ein wenig freier in der Art sich zu benehmen und zu geben sind und aus der stoff- und menschlichen Seite ihrer Studien, gleichsam als die Revanche für ihre Vorbeschäftigung mit dem Tode, sich eine starke Betätigung physischen Lebens wahren.

Zu dieser frühen Stunde schritten Dirnen über die Straße, um bei der Milch- und Sahnehändlerin die Milch für ihr Frühstück zu holen, in Schlafrock und Pantoffeln, mit Augen, die vom Nachtwachen gerötet, mit Haaren, die wirr in ein schlotterndes Netz zusammengesteckt sind; die einen lachen und laufen im Trab unter dem Graupelregen hin; die andern hingegen wahren in außerordentlichem Grade ihre Würde, schwenken ihre zinnerne Kanne hin und her und schlürfen mit ihren Holzschuhen, schleppen ihre verschossenen Röckchen mit der hoheitsvollen Unnahbarkeit und Gleichgiltigkeit von Königinnen aus der Feenwelt; und sintemalen trotz Ulstermantel und Studienmappe die Herzen von zwanzig Jahren immer ihr Alter haben, so lachen die Herren Studiosi den jungen Damen zu: »Ei! sieh da! Lea!« –»Nun, guten Tag, Clemence!« Von einem Trottoir zum andern rief man einander an; Stelldichein wurden für den Abend gegeben »bei Medicis« oder auch im »Ludwig dem dreizehnten«, und urplötzlich, auf ein allzu lebendiges oder quer genommenes Spottverschen hin macht sich wohl auch eine von jenen verblüffenden ungemütlichen Dirnen-Stimmungen Luft in der stereotypen Redeweise: »Lauft doch Eures zweibeinigen Weges, Ihr Muster von frechem Patron Ihr!« Denke man sich nun, wie sich die beiden Mönchskutten über das Zusammentreffen mit all dieser jungen Welt entsetzen und sträuben mußten, die sich im Vorbeilaufen nach ihnen umguckte und über sie lachte, aber heimlich und verstohlen lachte, denn der eine von den beiden Franziskanern, ein magerer Mann und schwarz und dürr wie ein Stück Johannisbrot, hatte unter seinen buschigen Brauen eine schreckliche Piraten-Physiognomie, und seine Kutte, die von dem Strick, den er um den Leib trug, in dicken, bauschigen Falten zusammengeschnürt war, markierte Athleten-Hüften und Athleten-Muskeln. Weder er noch sein Gefährte schienen sich übrigens um die Straße zu bekümmern, deren Atmosphäre sie, mit großen Schritten weiter eilend, rasch von sich abschüttelten, starren Blickes, in sich versunken und einzig und allein dem Ziele ihres Laufes zustrebend. Ehe sie zu der breiten Treppe gelangten, die nach der Arznei-Schule hinunter führt, gab der ältere dem andern einen Wink:

»Hier ist's!«

Dies »Hier« nun war ein Hotel garni von kläglichem Aussehen. Der Weg, der zu ihm führte, war durch ein grünes Vorgitter, an dem ein Klingelzug angebracht war, abgesperrt und lag zwischen dem Lädchen eines Zeitungshändlers und einer Bierstube; das erstere war außer mit Journalen und Blättern, mit Couplets und Liedern, zwei Sous das Stück, ausgefüttert und vollgepfropft, desgleichen mit kolorierten Bilderbogen, auf denen die wunderliche Kappe Hanswursts oder Eulenspiegels sich in einer Unzahl von Formen und Stellungen präsentierte; die andere, eine Bierstube, zeigte auf einem Aushängeschilde die Inschrift »Bierstube zum Rialto«, ohne Zweifel deshalb, weil die Bedienung von jungen Damen in venetianischer Haartracht bewirkt wurde.

»Ist Herr Elysée ausgegangen?« fragte der eine der beiden Patres, als er vor dem Klappfenster im ersten Stockwerk des Hotel garni vorbeischritt.

Eine feiste Frau, die sich in vielen solcher Hotels bewegt haben mochte, ehe sie eins auf eigne Rechnung mieten konnte, gab träge und ohne auch nur die traurig und betrübt an dem Wandbrette hängende Schlüsselreihe zu befragen, aus ihrem Stuhle heraus die Antwort:

»Ausgegangen? um diese Zeit! . . . Sie thäten besser, Sie frügen, ob er schon wieder heim ist!«

Dann bewog sie ein Blick auf die härenen Kutten, einen andren Ton anzuschlagen, und in der größten Bestürzung gab sie nun an, wo sich Elysée Mérauts Zimmer befand:

»Zimmer sechs, im fünften Stock, am Ende des Korridors.«

Die Franziskaner stiegen hinauf, irrten zwischen engen Gängen herum, die dicht belagert waren mit beschmutzten Stiefeln und grauen, goldlackierten, wunderlichen, bald eleganten, bald jämmerlichen Stiefelchen mit hohen Absätzen, die aber alle ein langes und breites vermeldeten über die Sitten des »Insassen« oder der »Insassin«. Aber sie gaben hierauf nicht Acht, die beiden Mönche, fegten im Vorbeigehen darüber hin mit ihren rauhen Röcken und mit dem Kreuze ihrer großen Rosenkränze und gerieten kaum in Erregung, als eine schöne, mit rotem Unterrock bekleidete Dirne, Hals, Brust, Arme in einem Mannskittel steckend, über den Flur des dritten Stockwerkes schritt und dann sich über das Geländer beugte, um dem Kellner etwas zuzurufen mit einer Stimme und einem Lachen, die aus einem auffällig gemeinen Munde hervor klangen. Indes tauschten sie einen bezeichnenden Blick aus.

»Wenn dies der Mann ist, von welchem Ihr redet,« flüsterte der »Korsar« mit fremdländischem Accent, »so hat er sich in eine seltsame Umgebung hineingesetzt.«

Der andere und ältere, der ein kluges und feines Gesicht hatte, zeigte ein von gotteslästerlicher Bosheit und sündiger Nachsicht umschleiertes Lächeln und flüsterte:

»Der heilige Paulus unter den Heiden!«

Im fünften Stockwerk angelangt, hatten die Mönche noch einen Augenblick der Verlegenheit zu überstehen, insofern nämlich, als die Wölbung der niedrigen und sehr düsteren Treppe kaum die Zimmer-Nummern und einige mit Visitenkarten geschmückten Thüren unterscheiden ließen, – auf welchen Visitenkarten Namen standen wie »Fräulein Alice«, ohne jegliche andre Angabe von Stand oder Beschäftigung – übrigens deshalb nämlich eine recht überflüssige Bezeichnung, weil sie im selben Hause sich Konkurrenz im selben Handwerk machten . . . Und nun sehe man die frommen Herren Patres aufs geratewohl an eine solche Thüre klopfen!

»Fürwahr! man muß ihn rufen!« sagte der Mönch mit den schwarzen Brauen, der auch mit einem militärisch accentuirten »Monsieur Méraut!« das Haus erdröhnen machte.

Nicht minder stark und kräftig, nicht minder vibrierend als sein Anruf war die Antwort, die aus dem, am äußersten Ende des Ganges gelegenen Zimmer hervorschallte. Und als sie die Thüre geöffnet hatten, fuhr die Stimme lustig und vergnügt fort:

»Seid denn Ihr es, Pater Melchior! . . . Kein Glück! gar keine, gar keine Glücksader! . . . Ich hab' geglaubt, man brächte mir einen Einschreibbrief . . . Nun! tretet trotzdem herein, Ihr meine ehrwürdigen Herren! und laßt mich Euch herzlich willkommen heißen! . . . Wenn sich's machen läßt, werdet Ihr Euch auch setzen, meine ehrwürdigen Herren!«

Es lagen in der That auf allen Möbeln Stöße und Berge von Büchern, Zeitungen, Rundschauen, die solcher Art die gemein-schmutzige Art eines solchen Hotel garni achtzehnter Rangstufe, seine abgelaufenen Fußboden, seinen zerschlissenen Divan, das ewige Cylinder-Büreau und die drei nicht minder ewigen Stühle in verschossenem Plüsch verdeckten und verkleideten.

Auf dem Bette lagen Druckbogen und Druckblätter im bunten Durcheinander mit Kleidungsstücken und der dünnen braunen Decke, mit Bündeln von Korrektur-Abzügen, die der noch im Bett liegende Zimmerherr mittelst Farbstiftes mit großen Strichen zersäbelte. Dieses jämmerliche Arbeitsstübchen, der Kamin ohne Feuer und die krasse Nacktheit der Wände wurden erhellt durch das Tageslicht der Dächer von den Nachbarhäusern, durch den Wiederschein eines Regenhimmels auf abgewaschenen Schieferflächen; und die große Stirne Méraut's, sein galliges und gewaltiges Antlitz empfingen hiervon den intelligenten und traurigen Glanz, welcher gewisse Gesichter auszeichnet, die man nur in Paris antrifft.

»Immer noch mein Hundeloch, wie Ihr seht, Pater Melchior! . . . Nun, nun! was wollt Ihr? Ich bin bei meiner Landung, 's ist an die achtzehn Jahr nun her, hier abgestiegen. Seitdem hab' ich mich nicht von hier gerührt . . . Soviel Träume, soviel Hoffnungen, wie ihrer begraben liegen in allen Winkeln und Ecken . . . soviel Ideen, die ich wieder finde unter alten Staubschichten . . . Ich bin sicher, daß wenn ich dieses armselige Stübchen verließe, ich den besseren Teil von meinem Ich hier lassen würde . . . Das ist so wahr, daß ich das Stübchen auch behalten habe, während ich dort hinüber reiste« . . .

»Nun, à propos! Ihre Reise?« sagte der Pater Melchior, wobei er kaum merklich nach seinem Begleiter hinüber blinzelte – »ich habe geglaubt, Sie würden längere Zeit fortbleiben . . . was ist denn da vorgefallen? . . . Die Stellung hat Ihnen wohl nicht zugesagt?«

»O! wenn wir über die Stellung sprechen,« gab Méraut zur Antwort, seine Mähne schüttelnd, »so könnte man etwas schöneres derart wohl nicht finden . . . Botschafters-Einkünfte, Quartier im Palaste, Pferde, Wagen, Dienerschaft . . . Jedermann die Liebenswürdigkeit selbst gegen mich, Kaiser sowohl als auch Kaiserinnen, die Erzherzöge nicht minder . . . Trotz alledem habe ich mich gelangweilt. Es fehlte mir Paris, vor allem unser Latein-Viertel, die Luft, die man dort atmet, die leichte, lose, vibrierende, jugendfrische, frohe Luft . . . Die Galerieen des Odéon, das frisch gedruckte, im Stehen mit Daumen und Zeigefinger durchblätterte Buch . . . oder die Jagd nach Scharteken und Schmökern, jenen, meine ich, die an der Kai-Flucht entlang aufgestapelt stehen oder liegen wie ein Wall, der das studiose Paris gegen die Hohlheit und Windigkeit, gegen die Selbstsucht des andern Paris in Schirm und Schutz nimmt . . . Und weiter, dies ist ja noch nicht alles.« –

Hier nun nahm seine Stimme eine ernstere Klangfärbung an. –

»Ihr kennet, Pater Melchior, meine Ideen! Ihr wisset, was mein Ehrgeiz erstrebte, als ich diese Subaltern-Stellung annahm . . . Ich wollte einen König aus diesem kleinen Mann machen, einen König, der wirklich, der Wahrheit nach König ist – eine Sache oder Person, wie Ihr wollet, die man heutzutage nicht mehr sieht . . . ich wollte ihn erziehen, ihn meißeln, ihn zurecht schnitzen für jene große Rolle, welche sie alle, alle überragt, zermalmt, zerschmettert, gleich jenen Waffen und Rüstungen aus dem Mittelalter, die in den alten Zeughäusern und Rüstkammern noch vorhanden geblieben sind, um unsre schwächlichen Schultern und eingequetschten Brustkasten zu beugen und demütigen . . . Ach ja doch! hatte sich was! . . . Liberale, mein Teurer, Reformer, Fortschrittsleute, große Geister mit allerhand neuen Ideen im Schädel: das war's, was ich am Hofe zu X . . . gefunden habe . . . Greuliche Bürgerphilister, die nicht verstehen, daß wenn die Monarchie verdonnert ist, es ihr besser, weit besser thut, sie stirbt kämpfend und eingehüllt in ihre Flagge, als daß sie sich in einem, von irgend welchem Parlament oder Reichstag geschobenen Rollsesselchen zu Ende rumpeln läßt . . . Von meiner ersten Unterrichtsstunde an hat das ein Gezeter, einen Spektakel im Palaste gegeben . . . ›Von wo ist denn der her? Was will uns denn dieser Barbar?‹ . . . Da hat man mich denn mit aller erdenklichen Art von Liebenswürdigkeiten und schönen Redensarten gebeten, mich an die bloßen Fragen pädagogischen Gebiets zu halten . . . Ich, und ein Drillpauker! Als mir das vor die Augen getreten ist, habe ich meinen Hut genommen – und . . . wünsche bestens guten Abend, meine Majestäten!« . . .

Er sprach mit kräftiger und voller Stimme, deren südländischer Accent die gesamte Skala metallischer Saiten anschlug, und im Verhältnis hierzu veränderte sich der Ausdruck seines Gesichts. Sein Kopf, der im Zustande der Ruhe ungeheuer groß erschien und häßlich war, auf dem, wie ein Höcker, eine gewaltige Stirne saß, von dessen Schädel sich in unbesiegbarem Wuste eine von einer breiten Ähre weißen Haars diademartig überragte schwarze Mähne tief über den Hals nieder in wellenden Linien zog, – dieser Kopf mit seiner dicken, gequetschten Nase, mit dem energischen Munde, den kein einziges Barthaar verdeckte, denn seine Hautfarbe wies die Gluten, die Risse, die Ödeneien eines vulkanischen Bodens auf – dieser Kopf gewann im Zustande der Leidenschaft eine ganz wunderbare Lebendigkeit. Man stelle sich vor, es zerrisse ein Schleier; man denke sich den schwarzen Vorhang eines Herdes, den man über der lustigen und wärmenden Flamme aufhöbe; male sich die Entfaltung einer an die Augen, Nasen, Lippenwinkel gehängten Beredsamkeit, einer Beredsamkeit, die sich mit dem aus dem Herzen heraufgestiegenen Blute über dieses Angesicht, das Excesse und Nachtwachen entfärbten, ergossen, verbreitet hat . . . Den Landschaften des Languedoc, des Heimatslandes Mérauts, mit ihren kahlen, öden Flächen im Grau von staubigen Olivenbäumen ist unter den irisierten Strahlenlagern ihrer unerbittlichen Sonne auch solches herrliche Aufzucken von Flammenzungen, durchsetzt mit märchenhaften Schatten, zu eigen, das Ähnlichkeit hat mit der Zersetzung eines Strahles, mit dem langsamen und schrittweise stattfindenden Ersterben eines Regenbogens.

»Sie haben also an Größen Überdruß gefaßt!« fragte der alte Mönch, dessen schmiegsame, jedes Widerklanges entbehrende Stimme in einem so scharfen Gegensatze zu diesem explosiven Hervorbruch der Beredsamkeit des anderen stand.

»Gewiß!« . . . versetzte der andere mit energischer Betonung.

»Indessen sind nicht alle Könige einander gleich . . . ich kenne ihrer, denen Ihre Ideen . . .«

»Nein, nein, Pater Melchior! . . . Das ist aus und vorbei! Ich möchte den Versuch nicht zum zweiten male machen . . . Der Anblick von Souveränen in so dichter Nähe möchte mir, das fürchte ich gar zu sehr, meine loyale Gesinnung verderben.«

Nach einem Schweigen machte der kluge Priester einen Umweg und suchte seinen Gedanken durch eine andere Thüre Eingang zu schaffen.

»Diese halbjährliche Abwesenheit hat Sie doch schädigen müssen, Méraut?«

»Nicht doch! nicht zu sehr! . . . Zunächst ist mir der Onkel Sauvadon treu geblieben . . . Ihr wisset doch, Sauvadon, mein reicher Protze aus Bercy . . . Da er bei seiner Nichte, der Prinzeß von Rosen, große Gesellschaft trifft und den Wunsch in sich fühlt, sich an den dort aufs Tapet kommenden Gesprächen zu beteiligen, bin ich die Persönlichkeit, welche er mit dem Amte betraut hat, ihm zu drei malen in der Woche ›Ideen über alles und jedes‹, wie er die Sache zu nennen liebt, beizubringen. Er ist ein reizender Kerl in seiner Harmlosigkeit und Vertrauensseligkeit, dieser wackere Mensch . . . ›Herr Méraut! was, meinen Sie, muß ich von diesem Buche meinen?‹ – ›Abscheulich, scheußlich.‹ – ›Indes hat es mir geschienen . . . als hörte ich gestern Abend bei der Prinzessin . . .‹ – ›Nun! wenn Sie eine Meinung bereits haben, dann ist meine Gegenwart hier unnütz.‹ – ›Aber nicht doch, mein lieber Freund! nicht doch! . . Sie wissen doch, daß ich darüber keine Meinung habe!‹ Faktum ist, daß es an einer solchen ihm absolut gebricht, und daß er mit geschlossenen Augen alles hinnimmt, was ich ihm reiche . . . Ich bin sein Denkstoff . . . Seit meiner Wegreise hat er, ans Mangel an Ideen, nicht mehr gesprochen . . . Und als ich wiedergekehrt bin, da hat er sich auf mich gestürzt . . . Ei! das hättet Ihr sehen müssen! Ich habe dann noch zwei Walachen, denen ich Unterrichtsstunden in Staatsrechts-Wissenschaft gebe . . . Auch sonst habe ich immer 'was an der Leine . . . So setze ich in diesem Augenblicke den letzten Federstrich an eine ›Denkschrift über die Belagerung von Ragusa‹ nach authentischen Aktenstücken . . . Es ist von meiner Handschrift nicht viel darin zu sehen . . . mit Ausnahme eines Schlußkapitels, mit dem ich leidlich zufrieden bin . . . Ich habe die Korrekturbogen da. Wünschet Ihr, daß ich es vorlese? . . . Ich gebe dem Kapitel den Titel: ›Europa ohne Könige!‹«

Während er sein realistisches Exposé las und in Leben und Feuer dabei geriet, ja bis zu Thränen sich an ihm begeisterte, brachte das Erwachen des Hotel garni rings umher jugendliches Lachen und Scherzen hinein zwischen das Klappern von Schüsseln und Gläsern und zwischen die abgerissenen, dürr und trocken wie Holz klingenden Töne eines alten Klaviers, auf dem ein Gassenhauer geklimpert wurde. Ein verwunderlicher Gegensatz, den die Franziskaner in dem Übermaße von Freude, die ihren Ohren durch diese mächtige und rüde Apologie des Königtums bereitet wurde, kaum erfaßten; besonders der größere der beiden Mönche nicht, der, zitternd und bebend und mit den Füßen stampfend, mit energischer Gebärde, die ihm die Arme über der Brust zusammen preßte so nah, daß sie schier bersten wollte, Ausrufe der Begeisterung in der Kehle zurückhielt.

Als die Lesung des Schriftstücks von Elysée beendigt war, richtete der Mönch sich in die Höhe, ging mit großen Schritten, lebhaft gestikulierend, auf und nieder und rief in sprudelnder Rede:

»Jawohl! das ist die Sache! das ist ganz die Sache! . . . Das ist das Wahre! das einzig Wahre! . . . Das göttliche Recht! das legitime Recht! das absolute Recht! . . . Keine Parlamente mehr! . . . Keine Advokaten mehr! . . . Ins Feuer mit dem ganzen Plunder!«

Und in seinem Blicke funkelte und flammte es wie in einem Scheiterhaufen der heiligen Hermandad. Pater Melchior, der ruhigere von den beiden Mönchen, beglückwünschte Méraut zu seinem Buche.

»Das werden Sie nun doch hoffentlich mit Ihrem Namen erscheinen lassen?«

»Nicht mehr als die anderen . . . Sie wissen doch, Pater Melchior, daß ich nur Ehrgeiz für meine Ideen habe . . . Das Buch wird mir bezahlt werden; der Onkel Sauvadon hat mir diese Zubuße verschafft; aber ich hätte es mit ebenso großem Genusse auch umsonst geschrieben. Es ist so schön, die Annalen dieses im Todeskampf liegenden Königtums aufzuzeichnen, den decrescendo wehenden und in den erschöpften Monarchien ersterbenden Hauch der alten Welt zu vernehmen . . . Zum mindesten doch ein gestürzter König, der ihnen allen eine grimmige Lektion gegeben hat . . . Ein Heros dieser Christian! . . . In diesen Tageblättern hier steht eine Erzählung von einem Spaziergange, den er unter Bomben und Granaten in der Engelsveste unternommen . . . Das ist großartig! kapital! einzig!«

Der eine der beiden Patres senkte das Haupt. Besser als sonst jemand wußte er, woran er sich bezüglich dieser heldenhaften Kundgebung und dieser noch heldenhafteren Lüge zu halten hatte . . . Aber ein Wille, welcher höher stand als der seinige, befahl ihm Stillschweigen. Er begnügte sich, seinem Genossen einen Wink zu geben; und dieser sagte, dann plötzlich aufstehend, zu Méraut:

»Wohlan denn! um des Sohnes dieses Helden willen suche ich Sie auf . . . mit dem Vater Alpheus, dem Almosenier des illyrischen Königshofes . . . Wollen Sie es auf sich nehmen, das königliche Kind zu erziehen?«

»Sie werden bei uns weder Paläste, noch große Equipagen finden,« fuhr Pater Alpheus eintönig und mit trübsinniger Miene fort – »auch nicht die kaiserlichen Großthaten des Hofes von X . . . Sie werden gefallenen Fürsten dienen, um welche ein Exil, das schon älter ist als ein volles Jahr und das sich noch in die Länge zu ziehen droht, Trauer und Einsamkeit gewoben hat . . . Ihre Ideen sind die unsrigen . . . Der König hat freilich einige liberale Willensäußerungen gehabt, hat aber die Nichtigkeit derselben nach seinem Sturze erkannt. Die Königin . . . die Königin ist erhaben . . . Sie werden sie ja sehen.«

»Wann?« fragte der begeisterte Mann, den plötzlich wieder seine Schimäre befiel, einen König nach seinem Genie zu formen, in der Weise wie auch der Schriftsteller sein Werk gestaltet.

Und sogleich kam man über eine nächste Zusammenkunft überein.

Wenn Elysée Méraut seiner Kindheit gedachte – und er gedachte ihrer oft, denn alle stärkeren Eindrücke seines Lebens hafteten in ihr – da trat ihm regelmäßig folgendes vor die Augen:

Eine große, dreifenstrige Stube. In ein jedes dieser drei Fenster fiel helles Tageslicht herein, und vor einem jeden von ihnen stand ein Jacquard-Webestuhl für Seide, der wie ein beweglicher Vorhang seine hohen Rahmen, seine durchbrochenen Litzen über dem Licht und der Fernsicht spielen ließ; dahinter ein Gewirr von Dächern, von hoch ansteigenden Häusern, deren sämtliche Fenster, gleich den dreien dieses Hauses, mit Webstühlen besetzt waren. An ihnen arbeiteten, wie Klavierspieler über einem vierhändigen Stück, zwei Männer in Hemdsärmeln über Einschuß und Kette und machten ihre gleichmäßigen Hantierungen und Griffe. Zwischen diesen Häusern krochen kleine Gärtchen in Gassenform an der Küste entlang, Miniatur-Gärtchen des Südens, verbrannt und gebleicht, dürr und der Luft beraubt, angefüllt mit fetten Pflanzen, aufwärts rankenden Birnkürbissen und großen, voll nach Westen zu erblühten Sonnenblumen mit den in gesenkter Stellung die Sonne suchenden Blütenkronen, deren im Reifen begriffene Kerne mit ihrem welken Duft weit und breit die Luft um die Gärten her erfüllten. Diesen Duft meinte Elysée noch dreißig Jahre nachher zu riechen, sobald er des heimatlichen Weilers gedachte. Was diesen Anblick des summenden und wie im Bienenstock zusammen gedrängten Arbeiterviertels beherrschte, war die Kuppe des steinigen Hügels, auf welchem es angebaut war. Dort standen auch einige alte verlassene Windmühlen, einstmals die Ernährerinnen der Stadt, die man um ihrer jahrelang geleisteten Dienste willen stehen ließ; die auf dieser luftigen Höhe das Gerippe ihrer Flügel wie zerbrochene Fühlhörner von riesigem Umfange emporreckten und ihr Gestein in dem Winde, in der Sonne und in dem scharfen Staube des Südens sich ablösen und entweichen ließen. Unter dem Schutze dieser altertümlichen Windmühlen hatten sich dort Sitten und Traditionen einer andren Zeit erhalten. Der ganze Flecken – man nennt diesen Vorstadtwinkel auch »Königs-Hag« – war und ist heute noch von glühendem Royalismus erfüllt, und in jeder Werkstatt fand man dort an der Wand aufgehängt, pausbackig, rosig und blond, mit langem, in Wellen frisiertem Haar, auf dessen Locken die Pomade mit hübschem Licht-Reflexe schimmerte, in 1840er Tracht das Porträt desjenigen, welchen die Bewohner untereinander vertraulich als lou Goï (»den Hinkenden«) bezeichneten. Beim Vater von unserem Elysée hing unterhalb dieses Rahmens ein anderer kleinerer Rahmen, in welchem sich auf blauem Briefpapier-Grunde ein großes Siegel von rotem Wachs heraushob mit den beiden Worten »Fides, Spes« Glaube, Hoffnung. als Inschrift um ein Andreas-Kreuz herum. Von seinem Platze aus, wenn er sein Weberschiffchen laufen ließ, sah Meister Méraut das Porträt und las den Wahlspruch: »Fides, Spes«; und sein großes Gesicht mit den gemeißelten Zügen, das aussah wie eine alte, unter Antonin geschlagene Medaille, dem selbst die Adlernase und die runden Umrisse jenes Bourbonen-Geschlechts nicht fehlten, das er so heiß und innig liebte – das große Gesicht des Meisters Méraut blähte sich auf und färbte sich mit dem Purpur einer hochgradigen Erregtheit.

Dieser Meister Méraut war ein schrecklicher Mann, gewaltthätig und despotisch. Die Gewohnheit, das Geräusch der Laden und des Ladenklotzes am Webstuhle zu überschreien, hatte seiner Stimme einen Klang verliehen, der in seiner kräftigen Wirkung, in seinem Poltern und Rollen an Sturmgewitter erinnerte. Seine Frau dagegen war ein gedrücktes, verschüchtertes Geschöpf; jene südländischen Traditionen, daß der Mann der Herr sei, die aus den Frauen jener Gegenden echte Sklavinnen des Orients machen, waren ihr in Fleisch und Bein übergegangen, und sie hatte sich zu jenem Teil bekannt, kein Wort mehr zu irgendetwas zu sagen. In diesem Rahmen war Elysée aufgewachsen. Er wurde minder hart vorgenommen als seine beiden Brüder, weil er der letztgeborene, der schwächlichste war. Statt ihn vom achten Jahre an ans Weberschiff zu setzen, ließ man ihm ein geringes Teil von jener guten, der Kindheit so nötigen Freiheit. Er wendete sie dazu an, diese Freiheit, den ganzen Tag im Hag herumzustreifen und auf der Hügelkuppe oben mit Windmühlen zu kämpfen, Weiße gegen Rote oder Katholische gegen Hugenotten. Die Leute stehen dort, in diesem Teile des Languedoc, noch heute unter solchem Zeichen diesem Hasses! Die Kinder teilten sich in zwei Lager, wählten sich jeder eine Windmühle, deren abrollendes Gestein ihnen zu Wurfwaffen diente. Dann gab es Schimpfworte von hüben und drüben, die Schleudern schnitten pfeifend durch die Luft, und stundenlang überließ man sich nun homerischen Angriffen und Stürmen, die immer tragischen Ausgangs waren, bei denen es immer eine blutige Schmarre setzte auf einer zehn Jahre alten Stirn oder im Busch eines Seidenhaars, eine von jenen Wunden der Kindheit, die sich für die ganze Lebenszeit auf der zarten Haut abzeichnen und von denen Elysée im Mannesalter noch Spuren an der Schläfe und in den Lippenwinkeln aufwies.

O! diese Windmühlen! wie verwünschte die Mutter sie! wenn ihr Kleiner bei Einbruch der Dämmerung über und über voll Blut, und zerrissen und zerfetzt, zu ihr heimkehrte. Der Vater schalt ihn der Form halber aus Gewohnheit, um seine Donnerwetter nicht einrosten zu lassen. Bei Tische aber ließ er sich die Vorgänge der Schlacht und die Namen der Kämpfer berichten.

»Tholozan! Tholozan! . . . Es giebt ihrer also noch aus dieser Sippe! . . Ach, der Schuft! Achtzehnhundertfünfzehn war's, da hatt' ich den Vater vor'm Flintenlaufe . . . Ich hätt' besser gethan, ihn ins Gras zu betten.«

Und nun folgte in dem phantastisch ausgeschmückten, derben Platt der Bewohner des Languedoc, das dem Ohre keinen Satz, keine Silbe schenkt, eine lange Geschichte aus der Zeit, als er sich bei den »Grünen« des Herzogs von Angoulême, eines großen Generals vorm Herrn und eines heiligen Mannes, hatte in die Musterrolle schreiben lassen . . .

Diese Erzählungen waren an die hunderte von malen gehört, aber durch die dem Vater innewohnende Begeisterung auch an die hunderte von malen anders erzählt worden. Sie hafteten in Elysée's Seele ganz ebenso tief, wie auf seinem Gesichte die Schmarren von den Steinwürfen, die es beim Kampf um die Windmühlen gesetzt hatte. Sein Leben verlief im Rahmen einer Königs-Legende, deren Haupt-Erinnerungsdaten im 21. Januar, dem Sankt-Heinrichstage, gipfelten, und die mit heiliger Verehrung berichtete von Märtyrer-Fürsten, welche mit geweihten Fingern die Volksmenge segneten, von unerschrockenen Fürstinnen, die sich für die gute Sache aufs Roß geschwungen hatten, die verfolgt, verraten, in irgend welchem alten Gasthause auf bretonischem Boden unter der schwarzen Kappe eines Rauchfangs erwischt und festgenommen worden waren. Und um dieser Kette von Trauer und Leid und Verbannung, die für einen Kindesgeist zu viel des Unerquicklichen gehabt haben würde, einige Aufklärung zu leihen, wurden die Mär von dem Huhn im Topfe, das jedem Bauer am Sonntag gehöre, und das Lied vom »wackern Edelmanne« Heinrich von Navarra den glorreichen Erinnerungen und dem ganzen Ehrenschwall Alt-Frankreichs eingeflochten. Dies Lied »vom vierten Heinrich« war die »Marseillaise« des Königshags!

Sonntags nach dem Vespergottesdienste, wenn der Eßtisch, der kaum auf der Schräge des Miniatur-Gärtchens Platz hatte, hinausgeschafft worden, und die Mérauts im Freien, in der schönen Luft, wie man dort unten sagt, d. h. in der erstickenden Atmosphäre, die auf den Sommertag mit seiner am Erdboden, am Mauerbewurf gehäuften Hitze folgt, und die sich kräftiger und ungesunder ablöst, als wie die Sonne sie herniederstrahlt – wenn der alte Städtler mit seiner gefeierten Stimme sein »Es lebe Heinrich IV., es lebe der tapfere, kühne König!« anstimmte – dann schwieg alles ringsum im Hag. Man hörte nur noch das dürre Knacken der Zaunweiden, die sich unter der Wirkung der Hitze spalteten, das Schnarren, das ein auf seinem Flug verspätetes Heimchen mit seinen Flügeldecken hervorbrachte – und den alten Königssang, der nach seinem Takte des feierlichen altspanischen Pfauentanzes in all der Ungelenkheit von bauschigen Beinkleidern und Frauengewändern mit Hüftenwulst majestätisch dahin rollte. Der Schlußreim wurde im Chor gesungen:

Hoch lebe der König unser Herr, –
Das ist ein Heinrich von echtem Schrot –
Der mir und Dir Heil bringen wird.

Dieses im Rhythmus und nach Fugen-Art gesungene »Mir und Dir« machte Elysée und seinen Brüdern außerordentlich viel Spaß. Sie sangen es, während sie sich herumbalgten, herumstießen, was ihnen wohl jedesmal eine derbe Zurechtweisung von väterlicher Seite eintrug; das Lied selbst aber wurde um solch geringfügiger Ursache willen nicht unterbrochen, sondern mitten unter Schlägen, Lachen, Schluchzen fortgesetzt, wie ein Sang von Besessenen am Grabe des vermaledeiten Pâris.

Immer in die Familienfestlichkeiten hineinverwoben, gewann dieser Königssang außer dem Prestige, das er in den Feenmärchen und in der »Weltgeschichte erzählt für Kinder« bewahrte, einen Charakter der Intimität und Vertrautheit. Was diese Empfindung noch erhöhte und mehrte, waren die geheimnisvollen Schreiben auf Velin-Papier, die zwei- bis dreimal im Jahr aus Frohsdorf für die sämtlichen Bewohner des Königshags eintrafen, allerhöchst eigenhändig geschriebene Briefe mit großen und deutlichen Buchstaben, worin der König zu seinem Volke sprach, sich in Geduld zu fassen und zu warten.

An solchen Tagen der Herzensfreude ließ dann Meister Méraut sein Weberschifflein mit ernsterer Miene denn sonst tanzen, und als der Abend gekommen war, und die Thüren wohlverschlossen waren, da fing er an, das Rundschreiben an die Gemeinde des Hags zu lesen, das immer einunddieselbe süßliche Proklamation enthielt mit den Worten so unbestimmt wie die Hoffnung: »Franzosen! man betrügt sich und betrügt euch . . .« Und immer war auch das unabänderliche Siegel mit den Worten: Fides, Spes darunter gedrückt . . . Ach! ach! die armen Leute! die Treue und die Hoffnung waren die Dinge nicht, an denen es ihnen gebrach.

»Wenn der König wiederkommen wird,« sagte Meister Méraut, »dann werde ich mir einen guten Lehnstuhl kaufen . . . Wenn der König wiederkommen wird, dann werden wir die Stube mit neuer Tapete ausschlagen.«

Später, nachdem er in Frohsdorf gewesen war, wurde die Redensart wie folgt geändert:

»Als ich die Ehre gehabt, den König zu sehen . . .« So sagte er dann immer bei jeder Gelegenheit.

Der Biedermann hatte tatsächlich seine Pilgerfahrt nach Frohsdorf gemacht, die ein wahrhaftiges Opfer an Zeit und Geld für diese Arbeitersleute des kleinen Ortes gewesen war, und niemals hatte Hadschi, wenn er von Mekka zurückkehrte, solch eine strahlende Glückseligkeit gezeigt, solch eine Herzenswonne empfunden.

Die ihnen gewährte Zusammenkunft war jedoch von sehr kurzer Dauer nur gewesen. Den Getreuen, die vor ihn geführt worden waren, hatte der Kron-Prätendent gesagt: »Ah! sieh da! da seid Ihr ja!« ohne daß jemand den Mut gefunden hatte, auf diesen huldreichen Empfang ein Wort der Erwiderung zu sagen, weder Meister Méraut noch einer von den anderen; Méraut wäre übrigens dazu noch viel weniger imstande gewesen als die anderen, denn die Erregung erstickte ihn fast, und die Augen waren ihm dermaßen getrübt von Thränen, daß er nicht einmal die Gesichtszüge seines Abgottes zu sehen imstande gewesen war. Bloß bei der Abreise hatte ihn der Herzog von Athis, der Sekretär Seiner königlichen Majestät und zum Ehrendienst bei ihnen befohlene Offizier, sich lange bei ihm befragt über den Zustand der Gesinnungen und Meinungen in Frankreich; und man stelle sich vor, was der exaltierte Weber, der nie im Leben den Fuß aus dem Königshag gesetzt hatte, für Antwort geben mußte:

»Aber wenn er nur kommen wollte, dem Geschick trotzen wollte, unser Heinrich! wenn er doch nur geschwind kommen wollte! Es sehnt sich doch alles in Frankreich so sehr nach seinem Anblick . . .«

Darauf bedankte sich nun der Herzog von Athis, erfreut über diese Auskunft, recht herzlich bei ihm und fragte ihn dann plötzlich:

»Habt Ihr Kinder, Meister Méraut?«

»Ich habe ihrer drei, Herr Herzog!«

»Knaben?«

»Ja . . . drei Kinder . . .« wiederholte der alte Städtler (denn Mädchen rechnen bei dem Volke dort unten im Süden Frankreichs nicht als Kinder).

»Gut . . . Ich nehme Vormerkung von diesem Umstande . . . Monseigneur wird sich seiner erinnern, wenn die Zeit hierzu gekommen ist.«

Daraufhin hatte der Herr Herzog sein Notizbuch aus der Tasche gezogen und . . . kra . . . kra . . . die Namen der drei Söhne Mérauts darin verzeichnet. Mit diesem »Kra . . . kra . . .« brachte der wackere Mensch die Gebärde zum Ausdruck, mit welcher sein Gönner diese Niederschrift bewirkt hatte . . . sie bildete einmal wie allemal einen untrennbaren Bestandteil von der Erzählung des Mannes, die in dieser, in ihrer Unwandelbarkeit der geringfügigsten Einzelheiten wahrhaft rührenden Familien-Chronik aufgesammelt wurde. Und wenn die arbeitslose Zeit kam, und wenn die Mutter mit Schrecken wahrnahm, daß ihr Mann alt zu werden anfing, daß der kleine Sparpfennig, welchen die Familie besaß, auf die Neige ging, dann gab dieses »kra . . . kra . . .« Antwort auf die Worte der Unruhe und Sorge, denen sie im Hinblick auf die Zukunft ihrer Kinder schüchternen Ausdruck gab . . . »Sei ruhig doch!« sprach es aus diesem Worte; »der Herzog von Athis hat ja doch gütigst Vormerkung davon genommen!«

Und der alte Weber, den nun plötzlich ein Ehrgeiz für seine Söhne beseelte, setzte all seine Hoffnungen, all sein Sehnen nach Größe, da die beiden älteren Söhne dem Elternhause schon den Rücken gewandt hatten und in den väterlichen Fußtapfen wandelten, auf seinen jüngsten Sohn, auf Elysée. Er wurde auf das »Papel-Institut« gebracht, das von einem jener landesflüchtigen Spanier geführt wurde, welche nach der Kapitulation von Marotto zu Hauf in die Städte des Südens zogen. Es befand sich hinten tief im Schlächter-Quartiere, in einem zerfallenen, moderigen Hause, im Schatten der Kathedrale, wie seine kleinen grünen Fensterchen und die Risse seiner Mauern es bezeugten.

Der Weg zum Institut hin führte die Reihe von vergitterten Läden entlang, vor denen mächtige, von einem widerlichen Gesumme umgebene Fleischviertel hingen – und durch ein Gewirr von engen Gassen, die immer schlüpfrig und klebrig und von irgendwelchem Unrat gerötet waren. Wenn er zu späterer Zeit hieran dachte, kam es Elysée vor, als hätte er seine Kindheit im vollen Mittelalter, unter der Fuchtel und dem Knotenstrick eines schrecklichen Fanatikers verlebt, in dessen unsauberer und finsterer Klasse das Latein auf us mit dem segnenden oder zürnenden Klange der nachbarlichen Glocken abwechselte, der sich auf den Sims der alten Kirche, auf ihre Erker, Steinrinnen und die Köpfe über ihren Traufen herniedersenkte.

Dieser kleine Herr Papel mit seinem gewaltig großen und öligen Gesichte, das von einem schmutzigen, fettigen, um eine ihm von den Wimpern bis zur Haarkante die Stirne teilende dicke blaue Ader zu verdecken, tief in die Augen hineingedrückten weißen Barett überschattet wurde, sah einem Zwerge aus den Bildern des Velasquez, bis auf die leuchtenden Gewänder und den strengen und ehernen Zug jener Zeit, täuschend ähnlich. Dazu roh und grausam, aber mit einem erstaunlichen Gedankenvorrat unter seinem breiten Schädel ausgestattet, eine Art wandelnden, leuchtenden Konversationslexikons, das aber durch einen hartnäckigen Royalismus gewissermaßen wie durch einen Riegel, den das abnorme Vortreten der seltsamen Ader recht deutlich in Augenschein setzte, mitten auf der Stirn verschlossen war.

Es ging das Gerücht in der Stadt, daß dieser Name Papel der Deckmantel sei für einen anderen berühmteren Namen, für den Namen eines cabecilla Parteigänger. des Don Carlos, der sich durch seine wilde Art der Kriegführung und durch die reichen Variationen, die Menschen vom Leben zum Tode zu bringen, berühmt gemacht hatte. In so unmittelbarer Nähe der Grenze war ihm sein schmählicher Ruhm beschwerlich und lästig und zwang ihn zur Führung eines falschen Namens. Was wohl Wahres an dieser Geschichte sein mochte? Während der zahlreichen Jahre, die Elysée bei seinem Lehrer und Meister verlebte, hörte er den schrecklichen Zwerg niemals ein Wort reden, sah ihn niemals einen Besuch oder einen Brief empfangen, der seinen Argwohn in dieser Richtung hätte bestätigen können. Bloß als das Kind zum Manne geworden war, als ihm nach Abschluß seiner Studien der Königshag zu schmal und eng für seine Lorbeern, für seine Auszeichnungen und Diplome und für den Ehrgeiz, der in der Brust seines Vaters wohnte, zu sein bedünkte, als dann die Rede darauf kam, ihn nach Paris zu schicken, da gab ihm Herr Papel mehrere Empfehlungsschreiben an die Häupter der legitimistischen Partei mit, gewichtige, mit geheimnisvollen Wappen versiegelte Briefe, die der Legende vom maskierten cabecilla Rückhalt zu leihen schienen.

Meister Méraut hatte diese Fahrt nach Paris verlangt; denn er fing an die Meinung zu gewinnen, daß die Wiederkehr seines Königs sich doch gar zu sehr in die Länge zöge. Er ließ sich weidlich zur Ader, verkaufte mitsamt seiner goldenen Uhr und der silbernen Armspange der Mutter den Weinberg, den jeder Städtler dort besitzt, und das alles schlicht und einfältig aus Heldenmut für die Partei.

»Sieh Du doch 'mal ein bischen, was sie denn eigentlich treiben,« sprach er zu seinem Jüngsten . . . »und worauf sie denn noch warten? Der Hag wird schließlich, kommt's zu keinem Ende, müde.«

Elysée Méraut war zwanzig Jahre alt, als er den Fuß nach Paris hinein setzte. In seinem Hirne schäumte und kochte es von überspannten Meinungen und Ueberzeugungen. Die blinde Hingabe seines Vaters hatte sich in seinem Gemüte mit dem waffenstarren Fanatismus des Spaniers gepaart und an ihm gefestigt. Er wurde in der Partei wie ein Passagier aufgenommen, der nachts auf halber Fahrtstrecke in einen Wagen erster Klasse steigt, wo jeder sich ein bischen zum Schlafen zurecht gemacht hat. Der Eindringling kommt von draußen, sein Blut ist durch die frische Luft und vom Laufen in Bewegung, er fühlt das Verlangen in sich, sich zu regen, zu plaudern, die schlaflose Zeit der Fahrt zu nützen. Er rennt sich den Schädel ein an der Mißlaune und Verschlafenheit der in ihren Pelz eingemummelten Fahrgäste, die von der schaukelnden Bewegung des Zuges eingelullt, durch den blauen, über die Lampe gezogenen Miniatur-Vorhang vor ihrem Scheine geschützt sind, und die in schwerfälliger, verdickter Dunst-Atmosphäre vor nichts andrem so starke Furcht haben, wie vor Zugluft und störendem Einsteigen neuer Fahrgäste. Genau so war der Anblick, welchen die Legitimisten-Schar unter dem Kaiserreich darbot in ihrem Notstandswagen auf verlassener Strecke.

Dieser Tollhäusler mit den tiefschwarzen Augen, mit seinem magern Löwenkopfe, der jede Silbe so energisch markierte, jeden Satz mit so scharfen und schneidigen Gesten redete, als sei nichts gegen seine Reden einzuwenden; der in seinem Gemüt und seinem Geiste die zu allem bereite Glut eines Suleau und Verwegenheit eines Cadoudal Anführer der aufständischen Chouans in den Vendee'er Kriegen mit den Republikanern. barg, dieser Tollhäusler verursachte in der Partei ein Entsetzen, mit dem sich Schreck und Erstaunen mischte. Man fand, daß ein Mensch wie er gefährlich, beunruhigend, ängstigend sei. Unter der übergroßen Höflichkeit und aus den Anzeichen künstlichen, als Folge guter Erziehung bekundeten Interesses merkte Elysée mit jenem hellen Blicke, den sich der französische Süden trotz alles ihm innewohnenden Ungestüms doch eben bewahrt, rasch den Egoismus, der sich hinter diesem Benehmen verbarg, und die Energielosigkeit, die unter den Leuten dieses Schlages herrschte. Wenn es nach ihnen ging, dann ließ sich für den Augenblick nichts machen; es mußte gewartet werden, man mußte sich vor allem in Ruhe fassen, sich vor jugendlicher Raschheit und jugendlichem Unbedacht hüten. »Seht Monseigneur an! . . . was für ein Beispiel giebt er uns!« Und diese Ratschläge zur Weisheit, zur Mäßigung schickten sich gar wohl zu den alten Palästen im Faubourg, diesen mit Epheu wattierten Bauten, die stumm im Straßenzuge liegen, von Behaglichkeit und Trägheit hinter ihren massiven, von der Wucht der Jahrhunderte und Ueberlieferungen belasteten Thoren und Thüren strotzen. Man lud ihn aus Höflichkeit zu zwei, drei politischen Vereinigungen ein, die sich, unter allerhand Befürchtungen und Vorsichtsmaßregeln, im Schatten eines von jenen alten Ränkeherden aufs geheimnisvollste von Geschlecht zu Geschlecht erhielten. Er sah dort die großen Namen aus den Vendee'er Kriegen und aus den Füsiladen von Quiberon, jenes ganze Leichen-Vokabularium, das auf dem »Märtyrerboden« verzeichnet steht, Namen, die von wackeren alten Herren geführt wurden – Herren, die fast glatt rasiert und wie Prälaten in feines weiches Tuch gekleidet waren, die Reden süß wie Honigseim im Munde führten, Reden, die immer durch ein paar Tropfen von dem oder jenem Brustthee-Saft verdickt waren. Sie kamen an mit Gebärden und Mienen wie echte Verschwörer, einer wie der andere der Anmaßung voll, durch die Polizei abgefaßt zu werden, die sich in Wahrheit weidlich über diese platonischen Stelldicheins amüsierte. War die Whist-Partie unter dem heimlichen, durch Schirme abgedämpften Lichte der hohen Kerzen im Gange, waren die Schädel erst über die Tischplatte gebückt, so daß sie leuchteten wie die Spielmarken selbst, so gab dann jeder etwas Neues aus Frohsdorf zum Besten; man bewunderte die unabänderliche Geduld der Verbannten, ermutigte einander, stark zu bleiben in ihrer Nacheiferung. Ganz leise, pst! pst! wiederholte man sich das letzte Wortwitzchen des Herrn von Barentin über die Kaiserin; man summte ein Liedchen heimlich, mit vor den Mund gehaltener Hand: »Zieht euch Napoleon – Die Zügel straff – Wird ein jeder von – euch hinten paff« – Dann fuhr ihnen der Schreck über ihre Verwegenheit in die Glieder, und einer nach dem andern von den Verschwörern verduftete schleunigst und schlüpfte an den breiten und menschenleeren Mauern der Rue de Varenne hin, die ihnen das beunruhigende Echo ihrer eigenen Schritte in die Ohren hallte.

Elysée sah recht gut, daß er zu jugendlich, zu thatkräftig sei für diese Spukgeister aus dem Frankreich der guten alten Zeit. Übrigens schwamm man damals im Jubelrausch des Kaisertums; das kaiserliche Heer war auf dem Heimmarsche aus den italienischen Kriegen, und siegreiche Adler zogen in Scharen unter den stolzgeschmückten Fenstern vorbei über die Boulevards. Der Sohn des alten Städtlers brauchte nicht lange Zeit dazu, um zu begreifen, daß die Meinung, die im Königshag herrschte, nicht die allgemein herrschende im Lande war, und daß die Wiederkehr des legitimen Königs sich länger hinausziehen würde, als man dort unten wähnte. Sein königstreuer Sinn wurde dadurch nicht beeinträchtigt, sondern erhöhte sich, verbreiterte sich in der Idee, da die Handlung, die That nicht mehr möglich war. Er malte sich im Traume aus, ein Buch hierüber zu schreiben, seine Ueberzeugungen, sein Glaubensbekenntnis, was ihm so zu sagen unter die Leute zu bringen Bedürfnis war, hinein in das große Paris zu schleudern, das er zu überzeugen willens gewesen war. Sein Plan war im Handumdrehen fertig: den täglichen Unterhalt sich durch Stundengeben verdienen, und Gelegenheit hierzu fand sich rasch; in den Mußestunden, die ihm diese Thätigkeit ließ, sein Buch schreiben, was freilich weit mehr Zeit erforderte.

Wie alle Leute seines Landes, war auch Elysée Méraut ein Mann der Rede und Gebärde. Es kam ihm die Idee nur, wenn er aufgerichtet stand, über dem Klange seiner Stimme; dem Blitze gleich, der durch die Schwingungen der Glocken angezogen wird. Gesättigt mit reicher Lektüre, mit Ereignissen und Erlebnissen, gesättigt von ununterbrochenen Betrachtungen, von beständigem Grübeln und Sinnen, nahm sein Gedanke, der ihm in schäumenden Wellen von den Lippen enteilte, die Worte den Worten in volltönender Beredtheit einherjagend, seinen Weg aus der Feder nur langsam, nur Tropfen um Tropfen – weil er aus einem Behälter kam, der für diese gemessene, schrittmäßige Filtrierung und für all die Feinheiten der Niederschrift zu groß und weit war. Seinen Ueberzeugungen mündlichen Ausdruck zu geben, schuf er ihm Erleichterung, da er kein andres Mittel, ihnen Abfluß zu schaffen, fand. Er redete demnach in den Winkelkneipen, in den Versammlungen, redete vor allem in den Kaffee-Häusern des Lateinviertels, die in dem niedergeduckten Paris des zweiten Kaiserreichs, als Buch und Zeitungsblatt den Maulkorb trugen, allein noch Opposition machten. Eine jede Kneipe hatte damals ihren Redner, ihren großen Mann. Es hieß: »Der Pesquidoux der ›Voltaire-Kneipe‹ ist ein gar starker Held, aber der Larminat der ›Prokopius-Kneipe‹ ist noch weit stärker als er.« Tatsächlich kam dorthin eine Jungfrankreichs-Welt, die eine tüchtige Schule besaß und eine beredte Zunge führte, die den Geist voll hatte von hohen Dingen, erhabenen Zielen, die mit flotterem Schwunge, mit herrlicherem Feuer die schönen Erörterungen politischer und philosophischer Tendenz der Bonner und Heidelberger Bierstuben wieder aufleben ließ.

In diesen rauchigen, lärmenden Ideenschmieden, in denen man wacker schrie und wackerer noch zechte, eroberte sich die wunderliche Begeisterung dieses langen, fortwährend im Sattel sitzenden Gaskogners, der niemals selber rauchte, niemals selber trank und doch immer im Ideenrausche war, sehr schnell Ruhm und Zuhörer. Seine bilderreiche und rüde Art zu reden, über Anschauungen und Meinungen zu reden, die aus der Mode gekommen waren wie Reifrock und Puder, stand zu dem Rahmen, worin sie sich Ausdruck schuf, in ebenso schrillem Mißklange, wie Geschmack und Neigung eines Antiquars mitten drinnen zwischen Pariser Artikeln, und erregte eben hierdurch Aufsehen und brachte ihm Ruf. Wenn um die Zeit, wo in den gerammelt vollen und lärmenden Kaffeehäusern das Gas angesteckt wird, die lange, hagere Gestalt mit dem kurzsichtigen, ein wenig scheuen Blicke, der durch die Anstrengung, die Gegenstände zu erfassen und zu unterscheiden, das Haar nach rechts und links zu wehen, den Hut nach hinten zu kippen schien, auf der Schwelle sichtbar wurde, immer mit irgend einem Schmöker oder Zeitungsblatt, woraus ein mäßiges Falzbein herauslugte, unter dem Arm – da sprang alles von den Sitzen auf, und alles schrie: »Méraut ist da! Méraut ist da!« Und man rückte zusammen, ihm recht viel Platz zu machen, damit er die Ellbogen rühren und nach Lust und Belieben gestikulieren könne. Sobald er den Fuß über die Schwelle setzte, geriet auch sein Blut infolge dieser An- und Zurufe, infolge dieses Empfangs, den ihm Jung-Frankreich bereitete, in Wallung. Die Hitze, das Licht, dieses zu Kopfe steigende, Taumel weckende Gaslicht, halfen das ihrige. Und über dem einen oder dem andern Gegenstande, über der Zeitung vom Tage, über dem Buche, das er im Vorbeigehen unterm Odeon aufgeschlagen liegen sah, begann er, ließ er der Zunge Lauf, sitzend, stehend, das Kaffeehaus unter den Bann seiner Stimme zwingend, die Zuhörerschaft durch seine Gebärde meisternd. Die Domino-Partieen wurden unterbrochen, die Billardspieler im Zwischenstock neigten sich über die Treppe, mit der Pfeife im Munde und dem langen Elfenbein-Queue in der Hand. Die Scheiben, die Schoppen, die Untertassen zitterten, als wenn ein Postwagen vorbeiratterte; und die Dame an der Kasse sagte mit Stolz zu allen, die in das Kaffeehaus traten: »Kommen Sie flink . . . Herr Méraut ist bei uns.« Ach! Pesquidoux und Larminat konnten gar starke Redner vor dem Herrn sein; er, Méraut, schlug sie doch alle aufs Haupt. Er wurde der Redner des Stadtviertels. Dieser Ruhm, nach welchem er nicht gesucht, nicht gestrebt hatte, war für ihn ausreichend, dermaßen daß er sich in verhängnisvoller Weise darüber vertrödelte. So gestaltete sich in dieser Epoche das Geschick mehr als eines solchen »Larminat« – es gingen herrliche Kräfte verloren, die das Zeug zu Motoren oder Hebeln in sich hatten und infolge von Planlosigkeit, Sorglosigkeit oder falscher Führung ihres losen Lenkers ihren nutzlosen Dampf mit großem Spektakel entweichen ließen. Bei Elysée lag noch ein anderer Umstand vor: Dieser Sohn des Südens, der keine Ränke kannte, dem kein persönlicher Ehrgeiz innewohnte, der aus dem Boden seiner Heimat nur die Begeisterung gesogen hatte, betrachtete sich als Sendbote seines Glaubens und bekundete infolge dieses ihm innewohnenden Missionärs-Geistes auch durchaus den unentwegten, unermüdlichen Eifer, Proselyten zu machen, Anhänger für seine Sache zu werben, bekundete die unabhängige kraftstrotzende Natur, die uneigennützige, jedem persönlichen Nutzen oder Verdienst feindliche Denkweise, die sich nichts schert um Sporteln oder Pfründen und Freude fühlt an einem Leben, das den härtesten, empfindlichen Zufällen der dem Individuum vom Schicksal ins Herz gelegten Berufung unterworfen ist.

Allerdings, seit diesen achtzehn Jahren, innerhalb deren er nun seine Ideen auf dem Felde von Jung-Paris in breiter Saat ausstreuete, war mehr als einer zu hohen Ehren aufgestiegen, der jetzt verächtlich rief: »Ach ja doch! Méraut! . . . ein alter Bruder Studio!« und doch den besseren Teil seines Ruhms Brosamen zu danken hatte, die dieser wunderliche Gesell über alle Ecken des Tisches, wo er saß, acht- und sorglos zur Erde fallen ließ. Elysée wußte das, und wenn er eins von seinen Hirngespinsten, dem Menschenverstande in einer schönen, akademischen Sprache mundrecht gemacht, unter dem grünen, mit Palmen Abzeichen der Mitglieder der französischen Akademie. gestickten Leibrock eines gelahrten großen Würdeherrn wiederfand, dann fühlte er sich glücklich, glücklich in dem Empfinden eines Vaters, der die Töchter seines Herzens verheiratet und reich sieht, ohne irgend ein Anrecht mehr auf ihre Zärtlichkeiten und Liebe zu haben. Es war die echt edelmännische, echt ritterliche Selbstverleugnung des alten Webers im Königs-Hag, um einige Grade noch verstärkt und erhöht dadurch, daß das Vertrauen zum Erfolge fehlte, jenes unerschütterliche Vertrauen, welches der wackere Vater Méraut bis zu seinem letzten Atemzuge in seinem Herzen bewahrte. – Er war ganz plötzlich fast an einem Sonnenstich verstorben, der alte Vater Méraut – und noch am letzten Abend vor seinem Tode hatte er mit voller Stimme sein: »Es lebe unser Heinrich der Vierte!« nach einer der von ihm so gern in der frischen Luft eingenommenen Mahlzeiten gesungen. Im Augenblicke des Verscheidens noch, als ihm das Auge schon getrübt, die Zunge schon gelähmt war, sprach er zu seinem Weibe: »Ruhig, ruhig wegen der Kinder . . . Herzog von Athis hat Vormerkung genommen . . .« Und mit seinen ersterbenden Händen mühte er sich, »kra . . . kra . . .« auf der Bettdecke zu machen.

Elysée war von diesem blitzesgleich hereinbrechenden Unglück zu spät benachrichtigt worden, und als er am Morgen aus Paris anlangte, da lag sein Vater, die Hände im Kreuz gefaltet, starr und bleich auf seinem Pfühl an der Wand, die noch immer ihrer neuen Tapete harrte. Durch die Thür der Werkstatt, die vom Hereintritte des alles um sich her trennenden, lösenden, weitenden Todes offen stehen geblieben war, erblickte man die Webstühle in Ruhe, den des Vaters verlassen, verödet, dem zerschellten Mastwerk eines Schiffes gleich, über das kein Wind mehr hinstreichen wird; erblickte man das Brustbild des Königs und das rote Insiegel, die über diesem Leben voll Arbeit und Treue geschwebt, gewaltet hatten; erblickte man hoch oben, auf der Hügelkupppe des Königs-Hags, staffelförmig und summend, schwirrend am Hange, die alten Windmühlen, die noch immer dort standen, müßig, die Arme als Signale von Not und Verzweiflung zum hellen Himmel hinaufreckend. Niemals in seinem Leben vergaß Elysée das Schauspiel dieses hehren, fröhlichen Todes, der den Arbeiter daheim auf dem Lager ereilte und ihm den Ausblick auf den gewohnten Horizont verschloß. Er fühlte, wie ihm der Neid ob solchen Geschicks das Herz traf, ihm, der sich von dem Traume und abenteuerlichen Hange des dort schlummernden schönen Greises berückt fühlte und dem alle schimärenhaften Illusionen desselben in Fleisch und Bein übergegangen waren.

Als er von dieser Trauerfahrt nach Paris zurückkehrte, da hatte man ihm die Stellung als Lehrer und Hofmeister am Hofe von * * * angetragen. Die Enttäuschung, die er gefunden, war so lebendig, die Kleinlichkeiten, die Rang- und Wettstreitigkeiten, die neidischen Verleumdungen, in die er sich hineingezogen fand, das aus zu großer Nähe, hinter den Kulissen beobachtete große Dekorum der Monarchie hatten sein Gemüt in solche Betrübnis gesetzt, daß er, als die beiden Mönche nun fort waren, als das erste Begeisterungsfieber gesunken war, trotz seiner Bewunderung für den König von Illyrien, Bedauern darüber im Herzen fühlte, sich so rasch seinen Entschluß gebildet zu haben. Es fielen ihm alle die Scherereien, die er dort unten gehabt, alle die Verdrießlichkeiten, die er erlitten hatte, wieder ein; es fiel ihm das Opfer ein, das er seiner Freiheit, seinen Lebensgewohnheiten aufzuerlegen hatte; dann fiel ihm sein Buch ein, jenes vielgepriesene Buch, das ihm noch immer im Schädel rumorte . . . Kurz, nach langem Kämpfen und Ringen mit sich selbst gelangte er zu dem Entschlusse, Nein zu sagen; und am Tage vor Weihnachten, als die verabredete Zusammenkunft schon nahe herbeigerückt war, schrieb er dem Pater Melchior, ihn von der gefaßten Entscheidung in Kenntnis zu setzen. Der Mönch erhob keinen Einspruch dagegen. Er begnügte sich mit der Antwort:

»Heute Abend, bitte, beim Nachtgottesdienste, in der Rue des Fourneaux . . . Ich hoffe noch Sie zu überzeugen.

Das Franziskanerkloster in der Rue des Fourneaux, in welchem der Pater Melchior das Amt eines Haus- und Wirtschafts-Verwalters bekleidete, ist einer der merkwürdigsten, unbekanntesten Winkel des katholischen Paris. Dieses Mutterhaus eines berühmten Ordens liegt im geheimnisvollen Versteck in dem unsauberen Vorstadt-Viertel, das hinter dem Bahnhofe Montparnasse kribbelt, und führt auch den Namen und Titel: »Kommissariat des heiligen Grabes.« Es ist eine Stätte, wo Mönche mit fremdländischem Wesen ihre Wanderkutte dem schwarzen Elend des Stadtviertels zugesellen und – zum Zweck des Reliquien-Fonds – Splitterchen vom echten Heilandskreuze, Rosenkränze von Olivenkernen aus dem Garten vom Oelberge, getrocknete, holzige Rosen von Jericho, die eines Weihwassertropfens harren, einen ganzen Kramladen von Wunderdingen herbeitragen, der sich in den unsichtbaren großen Taschen der frommen Brüder zu schönem, stummem und gewichtigem Gelde verwandelt, das dann nach Jerusalem wandert zur Unterhaltung des Heiligen Grabes. Elysée war durch einen Bildhauer namens Dreux, einen armen Stubenkünstler, der mit zu seinen Freunden gehörte, für das Kloster eine heilige Margaretha von Ossuna geschnitzt hatte und nun soviel Menschen, als er ihrer nur irgend habhaft werden konnte, den Anblick seiner Statue vor Augen rückte, nach dem Kloster in der Rue des Fourneaux geführt worden. Die Stätte war so seltsam wunderlich, so malerisch, schmeichelte seinen südländischen Anschauungen und Überzeugungen so sehr und festigte sie so sehr, indem er sie vor der modernen Aufklärung schützte und in die entlegene Zeit verwichener, ferner Jahrhunderte und legendenhafter Länder zurückversetzte, daß Elysée zur großen Freude seines Freundes Dreux, dem der Stolz über den Erfolg seiner Margarethen-Statue den Kamm schwoll, sehr oft nun nach dem Franziskaner-Kloster den Fuß setzte.

An dem Abend, an welchem die Unterredung stattfinden sollte, war es beinahe um Mitternacht, als Elysée Méraut die summenden Straßen des Lateinviertels verließ, wohin die warmen Speisehäuser, die mit Bändern ausgeputzten Wurstläden, die weit offen stehenden Verkaufsläden von Genuß- und Lebensmitteln aller Art, die Bierstuben mit weiblicher Bedienung, die Logierhäuser für Studenten, alle die Ausschanke und Destillationen der Rue Racine und des »Boil Mich« Studenten-Name für Boulevard Saint-Michel. bis zum frühen Morgen hinein das Meer von Dünsten und Gerüchen und Lichterglanz einer universellen Kneiperei und Schlemmerei entsandten. Der schrille Klang von Klosterglocken schallte über ihre von Baum-Skeletten überragten Mauern; aus den großen, verschlossenen Höfen der Lieferanten drang Geräusch und warme Luft herüber, aufgewühltem Stroh und im Schlafe liegenden Ställen entsteigend; und während die breite Straße von dem tagsüber gefallenen und zertretenen Schnee in unbestimmtes Weiß gehüllt war, vermeinte der im vollen Traume gläubigen Eifers dahin wandelnde Sohn des Städtlers, sich zu Häupten, in dem durch die Kälte gesteigerten Lichtglanze der Sterne an dem weiten Himmelsbau denjenigen Stern herauszukennen, welcher den Königen zu Bethlehem als Führer diente. Als er seiner ansichtig wurde, jenes heiligen Sternes, da gedachte er des heiligen Weihnachtsfestes von einst, da rief er sich das im Dome gefeierte, helle Christfest seiner Kinderjahre in die Erinnerung, da sah er sich wieder auf dem Heimweg aus dem Dome durch die phantastischen, vom Mondeslicht übergossenen Straßen und Gassen des »Schlächterviertels« in dem Städtchen, da trat ihm der Familientisch im Königs-Hag wieder vor die Augen, wo ihrer das Weihnachtsmahl harrte, wo in den grünen Blättern der rotgesprenkelten Stechpalme die drei legendenhaften Lichter brannten und drunter die kleinen Christbrötchen lagen, die lieblich nach dem warmen Teig und nach den eingebackenen Speckwürfelchen rochen. Er dachte sich so tief hinein in diese Erinnerung an das Leben daheim im Elternhause im Königs-Hag, daß ihm die Laterne eines am Bürgersteige hinschleichenden Lumpensammlers diejenige zu sein bedünkte, mit welcher Vater Méraut auf diesen Heimgängen aus dem mitternächtlichen Gottesdienste der kleinen Schar voranzugehen pflegte.

Ach! armer Vater, den man nicht mehr wiedersehen wird!

Und während er ganz leise mit lieben teuren Schatten von der Vergangenheit plauderte, gelangte Elysée nach der Rue des Fourneaux, einem Vorstadtwinkel, der kaum noch bebaut war, den eine einzige Laterne erhellte, wo lange, von ihren geraden Schornsteinen überragte Fabrikanten hinter Bretterzäunen, aus Abbruchstoffen aufgeführten Umfassungsmauern sich reckten und dehnten. Der Wind fegte mit Gewalt über die großen Flächen der Bannmeile. Aus einem nahegelegenen Schlachthause drang klägliches Gequieke, der Schall von dumpfen Schlägen, ein fader Geruch nach Blut und Fett herüber; dort ist die Stätte, wo man, wie vor Zeiten zu den Festen irgendwelches Teutates, Dem römischen Gott Merkur entsprechender Gott der alten Gallier. die für das Christfest geopferten Schweine hinschlachtet.

Das Kloster, welches die Straßenmitte hält, hatte die beiden Flügelthüren seines mächtigen Portales weit geöffnet. Auf dem Klosterhofe standen zwei, drei Kutschwagen, deren prächtiges Geschirr Méraut's Erstaunen wachrief. Der Gottesdienst hatte angefangen; Orgelklänge und Gesänge schallten aus der Kirche, die aber, leer und ganz erloschen, allein von dem Lichtschein der Altarlämpchen und den bleichen Schimmern einer Schneenacht auf dem gespenstischen Buntlichte der Kirchenfenster getroffen wurde. Es war ein fast rundes Schiff, das Schiff der Klosterkirche, und ausgeputzt mit großen Standarten aus Jerusalem mit rotem Kreuze, die längs den Wänden hingen, mit bunten, von einem Anfluge von Halbkultur nicht gänzlich freien Statuen, in deren Mitte sich die Margaretha von Ossuna aus reinem Marmor unbarmherzig die weißen Schultern geißelte; denn – wie die Mönche es mit einer gewissen Gefallsucht auszusprechen liebten: »Margaretha war eine große Sünderin in unserem Orden.« Die von kleinen Balken in Kreuzform durchzogene Decke aus gemaltem Holz, der Hauptaltar unter einer Art von Baldachin, den Säulen stützten und trugen, der Chor in Rotundenform, mit leeren Stühlen bestanden und von einem Mondesstrahle getroffen, der über die aufgeschlagenen Blätter des Kirchen-Gesangbuches zitterte – das erriet man alles wohl, ohne daß irgend etwas deutlich erkennbar war. Aber auf einer großen, unter dem Chore versteckten Treppe stieg man zu der unterirdisch gelegenen Kirche hinunter, wo – vielleicht im Gedenken an die Katakomben – die gottesdienstliche Feier gehalten wurde.

Ganz am Ende des Gewölbes, in dem weißen, von gewaltigen Säulen romanischen Stiles gestützten weißen Gemäuer stand eine Nachahmung des Heiligen Grabes zu Jerusalem mit seiner niedrigen Pforte, seiner engen, von einer Unzahl flackernder Totenflämmchen erleuchteten Krypta, in deren Hintergrunde, im Zellengewebe ihres steinigen Gemäuers, ein Heiland aus farbigem Wachs in voller Lebensgröße auf ausgespreiztem Linnen lag und aus den frischen Wunden hellrosa blutete. Am andern Ende des Gewölbes dehnte sich, im wunderlichen, den ganzen Heldensang des Christentums zusammenfassenden Gegensatze, an der Wand hin eine von jenen kindlichen Darstellungen der Geburt Jesu mit der Krippe und den Tieren um sie herum und mit dem Kindlein drinnen, die, mit hellfarbigen Guirlanden umwunden, mit grünem Blattwerk aus gekräuseltem Papiere ausgeputzt, alljährlich aus der Legendenschachtel hervorgesucht werden, ganz so wie sie vor Zeiten – gröber geschnitzt ohne Zweifel, aber um vieles erhabener – dem Kopf eines gottbegeisterten Schöngeistes entsprangen. Wie damals, so drängte sich auch jetzt eine nach Wundern lechzende Schaar von Kindern und alten Frauen, von jenen Armen, denen des Heilandes Liebe gehörte, dicht um die Krippe herum; und unter ihnen, was Elysée höchlich erstaunte, vorn in der ersten Reihe dieser Demütigen und Getreuen, lagen zwei Männer von weltlicher Eleganz, zwei vornehm in dunkle Gewänder gekleidete Damen tiefgebeugt auf den steinernen Fliesen, und eine von den beiden Damen hielt einen kleinen Knaben neben sich, den sie mit ihren in schützender, betender Haltung gekreuzten Armen umschlang und bedeckte.

»Das sind Königinnen!« sagte eine alte Frau, der vor Bewunderung der Atem ausging, ganz leise.

Elysée erbebte; dann trat er näher und erkannte das feine Profil, die aristokratische Gebahrung Christians von Illyrien und neben ihm den braunen, knochigen Kopf, die noch jugendliche und kahle Stirn des Königs von Palermo. Von den beiden Frauen war nur schwarzes Haar, blondes Haar und jene von mütterlicher Leidenschaft und Liebe erfüllte und getragene Haltung eines zum Himmel flehenden Schutzengels zu sehen. Ach! Wie kannte er doch Méraut so gut! dieser pfiffige, listige Priester, der die Begegnung des jungen Prinzen und seines zukünftigen Erziehers und Lehrers gewissermaßen in Scene gesetzt hatte. Diese entthronten Könige, die gekommen waren, der Gottheit zu huldigen, die sich, die Huldigung zu empfangen, selbst hier in dieser Krypta zu verbergen schien, diese Verquickung des gestürzten Königtums und eines in Bedrängnis befindlichen Kultus, der traurige Stern des Exils, der diese armen, gefallenen Größen ohne Geleit und mit leeren Händen den Weg nach einem Vorstadt-Bethlehem wies, alles dies weitete ihm das Herz. Das Kind, vor allem das Kind, das so rührend anzuschauen war mit seinem, nach den Tieren der Krippe hingeneigten Köpfchen, mit der von schmerzendem Zwange gemäßigten Neugierde seines Alters . . . Und angesichts dieser, sechs Lebensjahre zählenden Stirn, auf welcher die Zukunft schon verborgen lag, wie der Schmetterling in seiner blonden Puppe, angesichts dieser Stirn sann und erwog Elysée, wieviel er der Wissenschaft und zarten Fürsorge und Pflege werde aufbieten müssen, sie zur glänzenden, strahlenden Entfaltung zu bringen.

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