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Die Kinder des Kapitäns Grant

Jules Verne: Die Kinder des Kapitäns Grant - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorJules Verne
titleDie Kinder des Kapitäns Grant
publisherBuchverlag fürs Deutsche Haus
translatorWalter Heichen
year
firstpub
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectida52e80ec
created20070403
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Einleitung.

Mit dem vorliegenden I. Bande der »Kinder des Kapitäns Grant« wird den Käufern dieser neu übersetzten Ausgabe der Jules Verne'schen Romane dasjenige Werk eingehändigt, das den Ruhm dieses seltsamen Franzosen wohl am weitesten durch die Welt getragen hat, und zwar in der Gestalt des über alle Bühnen der Erde gegangenen Ausstattungsstückes gleichen Titels.

Ein solcher Band rechtfertigt wohl eine kleine Umschau in der Litteratur, wie sich Kritiker und Litteraturgelehrte über Jules Verne als Schriftsteller ausgesprochen haben.

»Verne schuf eine neue Litteraturgattung, den naturwissenschaftlichen Roman, wozu er Eigenschaften mitbrachte, die schnell seinen Ruf und seine Popularität begründeten: Erfindung abwechselnder und dramatischer Gegenstände, geschmackvolle und verständige Wahl der zur Handlung passenden und charaktergemäß durch alle Vorfälle und Situationen hindurchgeführten Personen, kunstvolle Inscenesetzung, ungewöhnliche Beschreibungsgabe und bedeutende naturwissenschaftliche Kenntnisse.« So urteilt der Litterar-Historiker des »Brockhaus« (in der 14., neuesten, Auflage).

»1863 erschien der erste seiner berühmten Romane, in denen er die Resultate der modernen Naturwissenschaften in phantastisch-romantische Ergebnisse einwebte und Interesse für nicht gelöste Probleme weckte,« urteilt Joseph Kürschner.

»Rein phantastisch und abenteuerlich, dabei aber mit realistischer Färbung, auf grob materielle Effekte gerichtet, sind die physikalischen Romane von Jules Verne, der seine Leser nach dem Mond, um den Mond, in die Polarwelt, in die Welt der Tropen etc. führte und eine Perspektive auf vieltausendjährige naturwissenschaftliche Fortschritte der erstaunlichsten Art eröffnete. Seine Romane zeigen, wie gern sich das hart realistische, materialistische Geschlecht dieser Tage in die unerhörtesten, unwahrscheinlichsten Dinge, in eine Welt phantastischer als die Märchen des Orients, hineinziehen läßt, sobald die alten, rohen Ideale, Macht und Geld, in derselben auf einem Wege gewonnen werden, der dem Bildungsbewußtsein und den Lebensanschauungen der heutigen Massen wenigstens scheinbar entspricht,« äußert sich Adolf Stern in seiner Literaturgeschichte.

»Wo viel Licht ist, ist viel Schatten,« möchte man dem letzten Herrn Litteraturgelehrten bemerken; die Aufgabe, die sich Jules Verne gestellt hat, gipfelt weit mehr in der Tendenz, Interesse für naturwissenschaftliches und allgemeines Wissen in das breite Volk zu tragen als in grober Effekthascherei. Verne lag daran, seine Aufgabe auch zu erfüllen, und von diesem Gesichtspunkte aus kann man es ihm nicht hoch genug anrechnen, daß er es verstand, zu diesem Zwecke eine neue Romanform zu ersinnen und so glücklich durchzuführen, daß sie den Beifall der großen Menge fand. In den einleitenden Worten, die jedem Verne'schen Werke in dieser Ausgabe vorausgeschickt sind, wurde versucht, kurz zu skizzieren, welche Wissensgebiete berührt und behandelt werden, stets ist auf die volkserzieherische Bedeutung hingewiesen worden, die jedem dieser interessanten und wertvollen Werke in so hohem Grade innewohnt.

Nicht zum wenigsten ist dies der Fall mit dem in drei Romane geschiedenen Werke: »Die Kinder des Kapitäns Grant.« In dem hier vorliegenden ersten Bande oder Welttheater: »Süd-Amerika« wird zunächst das Motiv für die Handlung entwickelt: ein vom Seewasser halbzerstörtes Schriftstück gelangt in einer Flasche in die Hände eines schottischen »Pairs,« der sich eben verheiratet hat und mit seiner Gattin eine Vergnügungs-Meerfahrt unternehmen will, zu der er sich eine eigene Jacht hat bauen lassen. Das Schriftstück meldet den Schiffbruch eines schottischen Landsmannes, des Kapitäns Grant, der eine Meerfahrt in vaterländischem Interesse unternommen hatte. Das vornehme Ehepaar beschließt, statt der Vergnügungsreise eine Entdeckungsfahrt zu machen, zu dem Zwecke, den verschollenen Kapitän zu suchen. Aus dem Schriftstück wird herausbuchstabiert, daß er an der patagonischen Küste gestrandet und in Gefangenschaft von Indianern geraten sei. Auf ein Zeitungsinserat, das erlassen wurde, um Leute zu finden, die über den Kapitän Grant mehr wissen, als dies schottische Ehepaar, melden sich nun die Kinder des Kapitäns, ein Junge und ein Mädchen. Sie schließen sich der Fahrt an, die unter Leitung des Lords mit einem auserlesenen Schiffspersonal, zu dem sich unterwegs der aus Mißverständnissen schier zusammengesetzte Pariser Professor der Geographie Monsieur Paganel gesellt, im ersten Bande der Erzählung nach Süd-Amerika unternommen wird.

Die Durchquerung Südamerikas genau im 37. Parallelkreise, von Chile am Stillen nach Buenos-Aires am Atlantischen Ozean, die Uebersteigung der Cordillere, der Zug durch die Pampa, durch die argentinische Tiefebene, der Einbruch der großen Wasserflut, das Erdbeben in der Hochebene, das Zusammentreffen mit dem Patagonier Thalcave etc. sind Kabinettstücke Verne'scher Schilderungskunst.

Geologie, Pflanzen- und Tierwelt, klimatische Verhältnisse, Verkehrsstraßen etc. der von den Reisenden durchquerten Ländergebiete werden in angenehm genießbarer Weise vorgetragen, so daß der Leser eine Fülle von geographischem Wissensmaterial gewinnt, wie sie ihm nirgendswo anders geboten wird.

Je weiter die Kultur in den nordamerikanischen Staaten vorrückt und dem Auswanderungselement das Eindringen erschwert, um so näher werden die der Welt noch zu erschließenden südamerikanischen Länder gerückt – und von diesem Gesichtspunkte aus darf der vorliegende Band als ein höchst wertvolles Unterweisungswerk gerade für deutsche Leser bezeichnet werden, sind doch ganze Landbereiche dort, wohin Verne in diesem Bande führt, von deutschen Ansiedlern erschlossen worden. Der vorliegende Verne'sche »Reise-Roman« rückt uns also in gewissem Sinne ein Stück »transatlantischer Heimat« vor das geistige Auge, an dem wir uns, auch ohne koloniale Schwärmer zu sein, von Herzen erfreuen dürfen.

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