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Die Kinder des Kapitän Grant - 3

Jules Verne: Die Kinder des Kapitän Grant - 3 - Kapitel 1
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typefiction
authorJules Verne
titleDie Kinder des Kapitän Grant - 3
publisherA. Hartleben's Verlag
addressWien und Leipzig
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correctorhille@abc.de
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Erstes Capitel.

Der Macquarie.

Wenn die Aufsucher des Kapitän Grant jemals Veranlassung hatten, an seinem Wiederauffinden zu verzweifeln, war es dann nicht gerade jetzt der Fall, wo ihnen plötzlich Alles fehlte? Von welchem Punkte der Erde aus sollte man eine neue Expedition unternehmen? Auf welche Weise neue Länder durchforschen? Der Duncan war nicht mehr vorhanden und selbst eine unmittelbare Rückkehr in die Heimat unmöglich. So war also das Unternehmen der edlen Schotten fehlgeschlagen. Ein Mißerfolg! Trauriges Wort, das in einer thatkräftigen Seele kein Echo findet; und doch mußte Glenarvan, unter den Schlägen des Geschickes, seine Ohnmacht, dieses aufopferungsvolle Werk fortzusetzen, eingestehen.

Mary Grant hatte unter diesen Verhältnissen die Seelenstärke, den Namen ihres Vaters gar nicht mehr auszusprechen. Sie unterdrückte ihre eigene Angst, indem sie an die unglückliche umgekommene Schiffsbesatzung dachte. Die Tochter trat vor der, Freundin in den Hintergrund, und jetzt war sie es, welche Lady Glenarvan tröstete, von der sie sonst so viel Tröstung empfangen hatte. Sie sprach zuerst von der Rückkehr nach Schottland.

John Mangles zollte ihr alle Bewunderung, sie so muthig und so resignirt zu sehen.

Ein letztes Wort wollte er zu Gunsten des Kapitän Grant sprechen, Mary aber verhinderte es durch einen Blick und sagte später zu ihm:

»Nein, Herr John, denken wir an Die, welche sich für uns aufgeopfert haben. Lord Glenarvan muß nach Europa zurückkehren.

– Sie haben Recht, Miß Mary, er muß, erwiderte John Mangles. Auch müssen die englischen Behörden von dem Schicksale des Duncan unterrichtet werden. Aber geben Sie nicht alle Hoffnung auf. Die von uns begonnenen Nachforschungen werde ich, anstatt sie aufzugeben, vielmehr allein wieder aufnehmen! Ich werde den Kapitän Grant wiederfinden oder bei dem Versuche untergehen!«

Es war eine ernste Verpflichtung, welche John Mangles auf sich nahm. Mary ging darauf ein, und hielt dem jungen Kapitän die Hand hin, wie um den Vertrag zu vollziehen. Seitens John Mangles' bedeutete er eine Aufopferung Zeit seines Lebens, seitens Mary's eine unwandelbare Dankbarkeit.

Noch an diesem Tage wurde die Abreise endgiltig beschlossen. Man wollte ohne Säumen Melbourne zu erreichen suchen.

Am anderen Tage erkundigte sich John Mangles nach den in der Abfahrt begriffenen Schiffen, wobei er auf eine häufige Verbindung zwischen Eden und der Hauptstadt von Victoria hoffte.

Seine Erwartung wurde getäuscht. Schiffe waren nur wenige da. Drei bis vier Fahrzeuge, welche in der Twofold-Bai ankerten, bildeten die ganze Handelsflotte des Platzes, von denen aber keines nach Melbourne, Sidney oder Point-de-Galle bestimmt war. Nur in diesen drei Häfen Australiens aber konnte Glenarvan Schiffe finden, die in Ladung nach England wären.

Die Peninsular Oriental steam navigation Company unterhält nämlich einen regelmäßigen Packetbootdienst zwischen diesen Plätzen und der Metropole Großbritanniens.

Was war nun zu thun? Ein Schiff abwarten? Das hätte leicht sehr lange dauern können, denn die Twofold-Bai ist wenig besucht. Es gehen auf hoher See wohl viele Fahrzeuge an ihr vorüber, landen aber nicht daselbst.

Glenarvan entschied sich nach manchen Ueberlegungen und Besprechungen dafür, auf den Wegen längs der Küste nach Sidney zu gehen, als Paganel noch einen Vorschlag machte, dessen sich Niemand versehen hätte.

Der Geograph hatte der Bai von Twofold auch selbst einen Besuch abgestattet. Er wußte, daß eine Gelegenheit nach Melbourne oder Sidney fehlte. Von den drei Fahrzeugen auf der Rhede aber machte sich das eine nach Auckland, der Hauptstadt von Ika-na-Maoui, jener nördlich gelegenen Insel Neu-Seelands, segelfertig. Darauf hin schlug Paganel vor, das betreffende Schiff zu benutzen und nach Auckland zu gehen, von wo aus es leicht sein würde, mit einem Schiffe der Peninsular-Company nach Europa zurückzukehren.

Dieser Vorschlag wurde in ernstliche Erwägung gezogen. Paganel verirrte sich jetzt nicht in jene Reihe von Unterstützungsgründen, mit denen er sonst so verschwenderisch war. Er beschränkte sich auf die Angabe der Thatsache unter der Hinzufügung, daß die Ueberfahrt nicht länger als fünf bis sechs Tage dauern könne. Die Entfernung von Australien bis Neu-Seeland beträgt in der That nur tausend (englische) Meilen.

In Folge eines sonderbaren Zusammentreffens lag Auckland genau in der Linie des siebenunddreißigsten Breitengrades, dem die Forscher von der Küste Araukaniens an hartnäckig folgten. Sicher hätte der Geograph, ohne darum der Parteilichkeit geziehen zu werden, das als ein seinem Vorschlage günstiges Argument benutzen können. Wirklich war es ja eine ganz natürliche Gelegenheit, die steile, klippenreiche Küste Neu-Seelands zu besuchen.

Paganel wollte aber daraus keinen Vortheil ziehen. Nach zweifachem Mißgeschick mochte er eine dritte Auslegung des Documentes ohne Zweifel nicht wagen. Was hätte er demselben auch noch entnehmen sollen? In jenem war zweifellos ausgesprochen, daß dem Kapitän Grant ein »Continent« und nicht eine Insel als Zuflucht gedient habe. Neu-Seeland war aber eben nur eine Insel. Das erschien entscheidend. Doch, wie dem auch sei, ob aus diesem oder irgend einem andern Grunde, Paganel flocht seinem Vorschlage keinen Gedanken an eine neue Durchforschung Neu-Seelands ein. Er betonte nur, daß zwischen diesem Platze und Großbritannien regelmäßige Verbindungen beständen, deren sie sich bequem bedienen könnten.

John Mangles unterstützte Paganel's Vorschlag. Er empfahl seine Annahme deshalb, weil man die sehr zweifelhafte Ankunft eines Schiffes in der Twofold-Bai nicht abwarten könne. Vor allem Weiteren hielt er es aber für angezeigt, das von dem Geographen bezeichnete Schiff zu besuchen. Glenarvan, der Major, Paganel, Robert und er selbst nahmen also ein Boot, und schon nach wenigen Ruderschlägen waren sie an dem Schiffe, welches zwei Kabellängen vom Quai ankerte.

Es war das eine Brigg von zweihundertfünfzig Tonnen, welche der Macquarie hieß. Sie besorgte die Küstenfahrt zwischen verschiedenen Häfen Australiens und Neu-Seelands. Der Kapitän, oder vielmehr der »Master« empfing seine Besucher ziemlich grob. Es war leicht einzusehen, daß man es mit einem Menschen ohne Erziehung zu thun hatte, dessen Manieren sich nicht wesentlich von denen der fünf an Bord befindlichen Matrosen unterschieden. Ein rohes und geröthetes Gesicht, dicke Hände, eine eingedrückte Nase, ein gebrochenes Auge, von der Pfeife beschmutzte Lippen und ein brutales Aussehen machten aus Will Halley eine widerliche Persönlichkeit. Doch, man hatte keine Wahl, und für eine Ueberfahrt von fünf bis sechs Tagen brauchte man ihn nicht so genau anzusehen.

»Was wollen Sie, Sie da? fragte Will Halley die Unbekannten, welche sein Verdeck betraten.

– Der Kapitän? entgegnete John Mangles.

– Bin ich, sagte Halley. Was weiter?

– Der Macquarie ladet nach Auckland?

– Ja. Was weiter?

– Was führt er?

– Alles, was käuflich und verkäuflich ist. Was weiter?

– Wann segelt er ab?

– Morgen mit der Ebbe zu Mittag. Was weiter?

– Nähme er auch Passagiere auf?

– Das kommt auf die Passagiere an und ob sie sich mit der Schiffskost begnügen.

– Sie würden sich selbst verpflegen.

– Was weiter?

– Nun, was weiter?

– Ja, wieviel sind es?

– Neun, darunter zwei Damen.

– Ich habe keine Cabinen.

– Sie würden sich mit der hinteren Koje begnügen, wenn ihnen diese zur Benutzung überlassen würde.

– Was weiter?

– Nun, gehen Sie darauf ein? fragte John Mangles, den die Manieren des Kapitäns ganz und gar nicht in Verlegenheit brachten.

– Werde sehen!« erwiderte der Patron des Macquarie.

Will Halley ging ein- oder zweimal auf und ab, wobei das Verdeck von seinen schweren, eisenbeschlagenen Stiefeln erdröhnte, dann kam er kurz auf John Mangles zu.

»Was zahlt man?

– Was verlangt man? entgegnete John.

– Fünfzig Pfund.«

Glenarvan machte ein Zeichen der Zustimmung. »Gut! Fünfzig Pfund, antwortete John Mangles.

– Aber nur für Ueberfahrt, ohne Alles.

– Ohne Alles.

– Eigene Beköstigung.

– Eigene.

– Einverstanden. Was weiter? sagte Will, der die Hand ausstreckte.

– Nun?

– Das Aufgeld?

– Hier ist die Hälfte des Fahrgeldes, fünfundzwanzig Pfund, sagte John Mangles, und zählte dem Master diese Summe hin, der sie, ohne sich zu bedanken, einstrich.

– Morgen an Bord, sagte er nur. Vormittags. Ob man da ist oder nicht, ich segle ab.

– Man wird da sein.«

Glenarvan, der Major, Robert, Paganel und John Mangles verließen hierauf das Schiff, ohne daß Will Halley seinen Südwester Eine Art Hut von Wachstuch., der die rothe Perrücke bedeckte, auch nur mit einem Finger berührte.

»Welcher Tölpel! sagte John.

– Ei nun, mir paßt er, antwortete Paganel. Das ist ein richtiger Seewolf.

– Ein wahrer Bär! versetzte der Major.

– Und ich meine, fügte John Mangles hinzu, daß dieser Bär seiner Zeit auch mit Menschenfleisch gehandelt hat.

– Mag sein! antwortete Glenarvan, wenn er jetzt nur den Macquarie commandirt und der Macquarie nach Neu-Seeland geht. Von der Twofold-Bai bis Auckland werden wir ihn nicht viel sehen, nach Auckland gar nicht mehr.«

Mit Vergnügen hörten Lady Glenarvan und Mary Grant, daß die Abreise für den anderen Tag bestimmt sei. Glenarvan machte sie darauf aufmerksam, daß der Macquarie dem Duncan rücksichtlich des Comforts nicht gleich komme. Nach so vielen Prüfungen waren das aber keine Frauen, sich eine solche Kleinigkeit verdrießen zu lassen. Mr. Olbinett wurde bedeutet, für Proviant zu sorgen. Der arme Mann hatte seit dem Verluste des Duncan oft die unglückliche Mistreß Olbinett beweint, die an Bord geblieben und folglich mit der gesammten Besatzung ein Opfer der Grausamkeit der Sträflinge geworden war. Indeß erfüllte er seine Obliegenheiten als Stewart mit gewohntem Eifer, und die »eigene Beköstigung« bestand in ausgewählten Speisen, welche auf der Brigg niemals Sitte waren. In wenigen Stunden hatte er sich versorgt.

Indessen escomptirte der Major bei einem Banquier die Wechsel, welche Glenarvan auf die Union-Bank in Melbourne besaß. Er wollte weder von Gold, noch von Waffen und Munition entblößt sein. Er erneuerte daher auch sein Arsenal. Paganel verschaffte sich eine ausgezeichnete, von Johnston in Edinburgh herausgegebene Karte Neu-Seelands.

Mit Mulrady ging es nun ganz gut. Kaum erinnerte er sich der Wunde, welche sein Leben in Gefahr gebracht hatte. Einige Stunden auf dem Meere sollten seine Heilung vollenden. Er hoffte darauf, sich durch die frischen Winde des pacifischen Oceans wieder herzustellen.

Wilson wurde beauftragt, an Bord des Macquarie die Wohnräume für die Passagiere herzurichten. Unter seinen Bürsten und Besen änderte sich das Aussehen der Koje vollkommen. Will Halley zuckte die Achseln, ließ aber den Matrosen gewähren. Um Glenarvan und seine männlichen und weiblichen Begleiter machte er sich keine Sorgen. Er kannte kaum ihre Namen und beunruhigte sich deshalb nicht im Mindesten. Dieser Zuwachs zu seiner Ladung galt ihm fünfzig Pfund, das war Alles, und er schlug ihn geringer an, als die zweihundert Tonnen gegerbte Häute, welche seinen Kielraum füllten. Erst die Häute, dann die Menschen. Es war eben ein Geschäftsmann. Seine Eigenschaften als Seemann betreffend, wurde er für einen guten Practicus in diesen, durch Korallenriffe sehr gefährlichen Meeren gehalten.

In den letzten Stunden dieses Tages wollte Glenarvan noch nach dem durch den siebenunddreißigsten Breitengrad berührten Punkt der Küste zurückkehren. Zwei Gründe trieben ihn dahin.

Einmal wünschte er die angenommene Stelle des Schiffbruches noch einmal zu besuchen. Ayrton war ohne Zweifel Quartiermeister auf der Britannia gewesen, und die Britannia konnte wirklich in dieser Gegend der australischen Küste verloren gegangen sein, hier an der östlichen, statt an der westlichen Küste. Man durfte demnach einen solchen Punkt, den man doch nie wiedersehen würde, nicht so leicht verlassen.

Dann aber war, wenn nicht die Britannia, so doch der Duncan hier in die Hände der Sträflinge gefallen. Vielleicht hatte es einen Kampf gegeben? Warum sollte man am Ufer nicht die Spuren desselben und eines verzweifelten Widerstandes auffinden? Wenn die Besatzung in den Wellen umgekommen war, hätten die Wellen nicht einen Leichnam an die Küste spülen können?

Glenarvan unternahm, von seinem treuen John begleitet, diese Recognoscirung. Der Besitzer des Hotel Victoria stellte ihnen zwei Pferde zur Verfügung, und so nahmen sie den Weg nach Norden, welcher um die Twofold-Bai herumführt, wieder auf.

Es war eine traurige Nachsuchung. Glenarvan und der Kapitän ritten stumm dahin, und verstanden sich doch. Dieselben Gedanken und, als sie wegritten, dieselben Beängstigungen quälten sie. Sie blickten nach den vom Meere ausgehöhlten Felsen; sie brauchten sich gar nicht zu fragen und nicht zu antworten.

Bei John's Eifer und Intelligenz kann man sich versichert halten, daß jeder Punkt des Ufers mit peinlicher Sorgfalt untersucht, und auch die kleinste Bucht genau durchforscht wurde, ebenso wie die geneigte Küste und die Dünen von Sand, wo die Wogen des Stillen Oceans eine Seetrift angetrieben haben könnten. Doch kein Anzeichen fand sich, welches weitere Nachforschungen in dieser Gegend am Meere hätte wünschenswerth erscheinen lassen. Selbst die Spur des Schiffbruches verlor sich damit.

Auch nichts auf den Duncan Bezügliches fand sich vor. Der ganze Küstenstrich war öde.

Da entdeckte John Mangles am Rande des Ufers offenbare Zeichen eines Lagers, und unter isolirten Myalls die Reste eines Feuers aus jüngster Zeit. War hier in den letzten Tagen ein nomadisirender Stamm Eingeborener vorbei gekommen? Nein, denn ein Wahrzeichen fiel Glenarvan in's Auge und belehrte ihn unzweifelhaft, daß es Sträflinge gewesen waren, welche diese Gegend der Küste besucht hatten.

Dieses Zeichen bestand in einem grau und gelben, abgenutzten und geflickten Matrosenkittel, einem elenden Lumpen, der am Fuße eines Baumes zurückgelassen war. Er trug noch die Matrikelnummer eines Sträflings aus Perth. Der Galeerensklave war nicht mehr da, aber seine schmutzige Hinterlassenschaft zeugte für ihn. Nachdem sie irgend welchen Auswürfling bekleidet, verfaulte diese Verbrecher-Livrée nun hier am einsamen Ufer.

»Du siehst, John, sagte Glenarvan, daß die Deportirten bis hierher gekommen sind! Und unsere armen Kameraden vom Duncan? ...

– Ja wohl! erwiderte John mit dumpfer Stimme, gewiß sind sie nicht ausgeschifft worden, sondern umgekommen ...

Die Elenden! rief Glenarvan; wenn sie je in meine Hände fallen, so werde ich meine Besatzung rächen! ...«

Der Schmerz hatte Glenarvan's Züge hart gemacht. Einige Minuten lang schaute der Lord hinaus auf die unendlichen Wogen, um mit dem letzten Blicke vielleicht ein Schiff in der endlosen Weite zu haschen. Dann senkten sich seine Augen, er kam zu sich selbst zurück, und ohne ein Wort zu sprechen oder eine Bewegung zu machen, ritt er im Galop auf dem Wege nach Eden zurück.

Es war noch eine einzige Förmlichkeit zu erfüllen, die Benachrichtigung der zuständigen Behörden über das Vorgefallene. Denselben Abend wurde das noch mit Thomas Banks abgemacht. Dieser Beamte konnte, als er das Protokoll darüber aufnahm, seine Befriedigung nur mühsam verheimlichen. Er war von der Abfahrt Ben Joyce's und seiner Bande einfach entzückt. Die ganze Stadt theilte diese Befriedigung. Die Sträflinge hatten Australien zwar mit Hilfe eines neuen Verbrechens verlassen, indeß, sie hatten es doch verlassen. Diese wichtige Neuigkeit wurde den Behörden von Sidney und Melbourne augenblicklich telegraphirt.

Nach Beendigung seiner Erklärungen kam Glenarvan nach dem Hotel Victoria zurück. Traurig verbrachten die Reisenden diesen letzten Abend. Ihre Gedanken schweiften durch dieses an Unfällen so reiche Land. Sie erinnerten sich der so wohlbegründeten Hoffnungen, die sie am Cap Bernouilli hatten, und die nun an der Twofold-Bai so jämmerlich zu Schanden geworden waren!

Paganel war von einer wirklich fieberhaften Aufregung erfaßt. John Mangles, der ihn seit jenem Ereigniß am Snowyflusse immer beobachtete, fühlte es heraus, daß der Geograph einmal sprechen wollte und einmal wieder nicht. Manchmal hatte er auch schon Fragen an ihn gerichtet, die Jener unbeantwortet ließ.

Diesen Abend aber geleitete John ihn nach seinem Zimmer und fragte ihn, warum er so nervös sei.

»Mein Freund John, erwiderte Paganel ausweichend, ich bin jetzt nicht nervöser als gewöhnlich.

– Herr Paganel, fuhr John fort, Sie haben ein Geheimniß, das Sie drückt.

– Nun, was wollen Sie? fuhr der Geograph auf, das ist auch stärker als ich.

– Was ist stärker als Sie?

– Meine Freude auf der einen, meine Verzweiflung auf der anderen Seite.

– Sie sind erfreut und verzweifelt zugleich?

– Ja, erfreut und verzweifelt, Neu-Seeland zu besuchen.

– Hätten Sie dafür einen Grund? fragte lebhaft John Mangles. Haben Sie etwa die verlorene Fährte wiedergefunden?

– Nein, Freund John. Man kehrt aus Neu-Seeland nicht wieder zurück! Indeß..., nun, Sie kennen ja die menschliche Natur! Es genügt, daß man athme, um zu hoffen! Und mein Wahlspruch «Spiro, spero» ist so viel werth, als alle Wahlsprüche der Welt!«

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