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Die Juwikinger - Erster Teil. Per Anders und sein Geschlecht

Olav Duun: Die Juwikinger - Erster Teil. Per Anders und sein Geschlecht - Kapitel 12
Quellenangabe
pfad/duun/juwikin1/juwikin1.xml
typefiction
authorOlav Duun
titleDie Juwikinger - Erster Teil. Per Anders und sein Geschlecht
publisherRütten u. Loening Verlag
editorJ. Sandmeier
year1927
translatorJ. Sandmeier / S. Angermann
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20120522
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Die Steinlaue

1

Es war ein frischer Morgen im Herbst, Rauhreif auf der Erde und Eis auf den Waldteichen, die Luft stand still und kalt rings um einen, und man empfand sie wie ein Bad, sobald man ins Freie trat. Die Leute waren heute draußen auf dem Meer, zogen die Fangleine ein, fischten die Weihnachtsheilbutten. Anders nahm lieber die Büchse und ging in den Wald. Ab und zu lauschte er hinunter nach der Brandung; es war ein so freier und starker Ton in ihr.

Übrigens, um es ehrlich zu sagen, wollte er jetzt gleich nach Engdalen hinüber, wollte versuchen, den Petter zu treffen, denn der war jetzt dort. In diesem Sommer wurden es drei Jahre, seit er fortreiste, und nun war er vor kurzem wiedergekommen und in Engdalen geblieben. Es bestand keine Feindschaft zwischen ihnen, er war einige Zeit auf Haaberg gewesen und hatte nicht so getan, als ob er sich an irgend etwas erinnere. Schließlich hatte er auch keinen Grund, böse zu sein, fand Anders, er nicht mehr als die andern in der Nachbarschaft; und sie waren ihm gute Nachbarn, alle miteinander. Aber er wollte mit ihm reden, wollte hören, ob er denn gar nicht daran denke, nach Haaberg zu kommen und dort zu bleiben. Er hatte den Burschen wirklich gar nicht so wenig entbehrt. Anders konnte es nicht leiden, wenn die Dinge nicht so liefen, wie er es sich gedacht hatte, er wollte ein wenig Ordnung rings um sich haben.

»Das ist einmal ein Wetter, das sich sehen lassen kann«, sagte er zu sich selbst. So war im Grunde die Welt, wenn man dazu kam, sie zu sehen. Wie nun diese Schlucht im Berg, die Gjermundschlucht: Da ging man die ganze Woche umher und sah sie nicht, plötzlich aber wurde man sie gewahr, und da stand sie und starrte einen gerade an, so groß und nackt, wie sie war, und so grausam häßlich, man wandte sich von ihr ab, denn es war die Sinnlosigkeit selbst, der man hier ins Gesicht gesehen hatte. Und dann wieder stand sie nur da und lächelte vergnügt – wenn man in der richtigen Laune war –, so lächelt auch ein häßliches, verunstaltetes Gesicht bisweilen: kein Grund zur Klage!

Als Anders quer durch den Wald gegangen und wieder auf den Weg gekommen war, begegnete er Petter, als hätte er ihn gerufen. So können Menschen einem begegnen, wenn man es sich wünscht – so war ihm auch Solvi einmal entgegengekommen, und immer noch empfand er es in der Erinnerung wie ein kleines Abenteuer. Er hatte im Grunde schon oft Glück gehabt. Es war wie beim Schießen – man konnte treffen, selbst wenn man nicht zielte, merkwürdig war's, oft wenigstens.

Wo er denn hin wolle?

Petter fuhr sich über die Stirn, wollte den Blick nicht aufheben. – Oh, nur zur Obrigkeit, wieder einen Todesfall anmelden. Jetzt sei es das zweitemal. – »Sie halten nicht viel aus, die kleinen Kerle von der Massi«, sagte er, und nun sah er den Bruder an.

Anders fragte ihn ein wenig näher aus.

Ach so, er hatte nichts davon gehört? Hm. Nein, das war schon möglich. Sie lagen da und wurden von einer Art Sucht geplagt und gequält, bis die Mutter den Herrgott bitten mußte, er möge sie wieder zu sich nehmen – und das tat er denn. Das war das Schlimmste, was Petter gesehen hatte. Aber dann wußte Anders vielleicht auch nicht, daß der Ola selber auch zu Bett lag.

Anders hatte davon gehört; aber war es denn etwas Schlimmes?

Oh, es genüge, meinte Ola. Der Fuß faule ihm einfach vom Leib. »Als der Hinke-Andreas gesund wurde, wurde der Ola bettlägerig«, sagten die Leute – Petter sah den Bruder mit einem Lächeln an, daß es den Anders kalt überlief.

Hatte er sich denn nicht irgendwo Rat geholt? – Rat? Das würde wohl nicht viel nützen! Petter wollte wieder weitergehen, aber Anders ließ ihn nicht los: Er glaube doch wohl nicht, daß es ihm angewünscht sei? Daß es Zauberei wäre?

»Die Leute glauben so vielerlei in diesem Punkt.« »Ja, aber du, meine ich?«

Petter stand eine Weile da, blickte dahin und dorthin, aber nicht auf, wie der Dieb in der Klemme. – Ja, es sei nun so eine Sache, was man glauben solle und was nicht. Was sollte man dazu sagen, daß eine Kuh nach der anderen verwarf, das ganze Jahr hindurch? Und daß sie niemals Butter bekamen, soviel sie auch kirnten? Oder daß das Pferd im Graben liegenblieb, den Kopf unter sich? Hm? – Ja, das sind Sachen. Anders stand nachdenklich da. Ging denn wirklich alles so verkehrt in Engdalen … Der Bruder sah ihn an und begann dann wieder, gleichsam als habe er Blut geleckt. – Wenn es wenigstens nur über den Leuten in Engdalen ausginge. Aber es traf die anderen auch. Man redete auf allen Höfen davon. Nein, Petter glaubte nicht daran, er lachte, er, und fand es lustig: ein Stern glänze mehr als der andere vor lauter Dummheit.

»Wenn der Vater noch lebte, so wäre er rund herum gegangen und hätte ihnen die Dummheit herausgeprügelt, einem nach dem anderen!« Anders war jetzt ganz bleich, und sein Mund war hart.

»Ja, glaubst du?« lachte Petter ein wenig.

Anders dachte nach. Er war nicht darüber im Zweifel, was der Vater getan haben würde, denn der Vater war mit der Zeit für ihn gewachsen und war ein Mann geworden, mit dem es keiner aufnehmen konnte. Anders überlegte, ob er selbst irgend etwas tun sollte. Es war der Hinke-Andreas, den sie der Zauberei beschuldigten, und das war ihm schließlich gleichgültig; da hatten sie etwas zu beißen. Und für Solvi war es am besten, wenn das ganze Gerede von selber dahinstarb. Ehe er sich's versah, entfuhr es seinen Zähnen:

»Aber der Teufel soll euch holen, wenn ihr der Solvi etwas nachsagt!«

Petter bekam winzig kleine Augen, die glücklich blitzten. Doch er stach nicht zu.

Aber ob er denn nicht bald heimkäme nach Haaberg? Denn man warte dort auf ihn, wirklich und wahrhaftig.

Ja, das hörte sich gut an, doch glaubte Petter nicht, daß es dazu kommen würde. »Denn sie brauchen mich in Engdalen.«

»Ja, ja, aber später dann, hm? Du trägst uns doch wohl nichts nach, oder?«

Anders fragte so treuherzig, daß Petter fast ratlos wurde. Er schnaubte nur ein wenig durch die Nase. – Er wolle nun sehen, sagte er.

Und dann trennten sie sich.

– – – Petter dachte darüber nach. Im Grunde fühlte er die größte Lust, nach Haaberg zu kommen. Anders hatte auf dem Pfarrhof ein neues Wohnhaus aufgeführt, denn das alte war ganz verfault: es war eine Ehrenarbeit gewesen, die der Pfarrer und die Gemeinde ihm anvertraut hatten, und es war ausgezeichnet gegangen. Und jetzt wollte Anders, daß Petter das Anstreichen übernähme, das merkte er deutlich; und das war keine Kleinigkeit.

Nein, aber wenn Petter genau nachdachte, so fragte er nicht das geringste nach dem Anstreichen und nach der Ehre und dem Verdienst. Denn es war ganz unmöglich, herauszubekommen, warum beim Anders alles wie von selbst ging; wer es war, der ihn gleichsam so vorwärts trug. Er entsann sich noch so gut jenes Abends, als er den Bruder eigentlich richtig gewahr wurde; das war gleich nach dem Begräbnis der Mutter. Da wußte er, wie es kommen würde, und es war eingetroffen. Jawohl; er wollte seinem Bruder nichts Böses. Aber ein kleiner Widerstand, ein ganz klein bißchen Unglück, das würde dem Anders wohl kaum schaden. Es hätte so aufgefrischt, ihn zu sehen. Und Petter schien es, als gäre es nun wieder in den alten Bottichen, es braute sich etwas zusammen, was stark war. Das bereitete immer Spaß, dem, der dabeistand und zusah.

Anders war um einen Kopf größer als andere Leute, in allem und jedem, Petter freute sich sogar darüber, auf seine Art. Trotzdem aber sah er doch auf ihn herab, gleichsam wie auf ein Kind. Das ist nun mein Trost, pfiff er vor sich hin.

In Engdalen sah es trüb aus, und Petter tat es wirklich leid um die Leute, denn schon die Hälfte von allem wäre genug gewesen. Es war etwas so Ungewohntes für ihn, Mitgefühl für jemand zu haben, daß er über sich selbst ganz erstaunt war. – Daß eine Zauberei an diesem Unglück schuld sein könnte, glaubte er nicht, noch viel weniger, daß es sich so verhielt, wie die Leute sagten. Denn sie erzählten einstimmig, es habe mit dem Augenblick angefangen, da Solvi nach Haaberg gezogen sei. » Sie schießt wohl dorthin, wohin Anders zielt«, hatte ein altes Weib gesagt, und Massi jedenfalls glaubte das. – »Man sieht wohl nicht so aus wie die Güte selbst, ohne daß etwas Böses dahintersteckt«, sagte sie an dem Tag, an dem das Pferd zusammenstürzte. Ola schwieg wie die Mauer, und Petter mit ihm.

Als Petter vom Pfarrer heimkam, erzählte er, daß er Anders unterwegs getroffen habe.

»Und er ist unschuldig, wie es sich auch verhalten mag!« sagte er hitzig.

»Das wissen wir«, erwiderte Massi.

Sie saß drüben in der kleinen Stube, wo das Kind lag. konnte sich wohl nicht davon losreißen. Und noch weniger vermochte sie in die Stube zu gehen, wo Ola lag, es roch dort so von dem kranken Bein, und es sah fast so aus, als scheue sie sich deshalb vor dem Mann. Petter war es, der ihn pflegen mußte, und er kam nur kläglich genug damit zurecht.

Am schlimmsten war es in der Nacht, denn Ola konnte nicht schlafen, die Schmerzen quälten ihn lange und anhaltend, so daß er bösartig und zur Plage wurde, und dazwischen war er nur halb bei klarem Bewußtsein, lag da und fluchte und jammerte über alle bösen Mächte, die ihm zuleibe wollten, er sah ganz deutlich Gestalten hinter seinem Bett, die Haare konnten einem zu Berg stehen, so unheimlich war es. In manchen Nächten fühlte Petter, wie es sich in ihn einschlich, all das, was die anderen glaubten. Und wenn es wirklich ein Mensch war, der dies alles angewünscht hatte, so mußte es erlaubt sein, auch einiges Böse zurückzuwünschen. Mochte es dann in Gottes Namen treffen, wo es wollte.

2

Anders kam gegen Abend heim. Viele Vögel hatte er nicht erlegt, und es war ihm auch nicht so sehr darauf angekommen. Was Petter gesagt hatte, hatte in ihm weitergearbeitet, es lastete auf ihm, zugleich mit dem Schneetreiben und dem einfallenden Abend. Er dachte an Solvi, immer und immer wieder, und er wußte, es war vollkommen unmöglich, daß ihr Vater etwas Derartiges tun konnte. Und irgend etwas mußte er ausfindig machen, um dem Gerede Einhalt zu tun, aber was ihm auch einfiel, zerrann wieder in einem grauen Nebel. Ja, ja, er würde schon sehen. Es mußte sich doch mit den Leuten reden lassen.

Da sieht er den Hinke-Andreas im Halbdunkel sich um die Stallecke schleichen und in nördlicher Richtung davonhinken, er verschwindet mit seinem Sack hinter dem Hügel. Ja, ja, dort ging er. Anders erstarrte innerlich und fühlte sich müde – so ging es ihm manchmal: statt wütend zu werden wie andere Leute, konnte er dastehen und spüren, wie der kalte Schweiß sich aus seinem Körper herausarbeitete, während die Gedanken stillstanden und warteten.

»Nein«, sagte er, gleichsam wie zu einem anderen – »es nützt wenig, wenn du dem Alten nachläufst und ihm etwas antust. Und sie – sie kann überhaupt nichts dafür, da müßtest noch eher du selbst es sein, der es angerichtet hat.«

Solvi sah ihn ein wenig scheu an. Es war ihr unangenehm, daß der Vater hiergewesen war. Sie hielt so gut zu ihm, wie es ihr nur möglich war, und ab und zu schlich sie sich abends mit einem Korb zu ihm, besonders ehe der Junge kam; aber Anders wußte, sie wollte ihm ersparen, daß der Alte allzuoft hierherkam. Ihm wurde warm bei dem Gedanken, heute abend wie stets; aber das sollte man ihm nicht gerade ansehen, während er dasaß und aß. – »Schneit es draußen?« fragte Solvi. – »Ja, ein bißchen hat es angefangen.«

In der Nacht schlief er wenig, aber schwer. Er wurde von allerlei geplagt, besonders aber bildete er sich ein, daß eine Türe offen stünde, durch die es kalt hereinzog, und daß Solvi aufgestanden und davongegangen sei, der Kleine lag da und jammerte, und er selbst war nicht imstande aufzuwachen, vermochte nicht die Augen aufzuschlagen, ganz unmöglich. Er war nie leicht aufzuwecken, und in dieser Nacht hielt es besonders schwer, weil er in den Bergen gewesen und weit herumgewandert war. Damit beruhigte er sich, als er endlich erwachte und es schon spät am Tag war. Dennoch schien es ihm, als sei es ein verzauberter Schlaf gewesen.

Das Merkwürdige war, daß Solvi noch schlief, sie auch. Sie erwachte mit einem heftigen Ruck und sah erbärmlich bleich und müde aus.

»Wo hast du denn heute nacht gesteckt, du?« fragte er so halb und halb im Scherz.

»Gesteckt?« sie sah ihn hastig und halb erschreckt an. Sie war doch nirgends gewesen.

»Du standest einmal aus dem Bett auf, soviel ich sah.«

»Aber hast du denn nicht geschlafen

Er starrte sie an, und dann lachte sie, wie sie zu lachen pflegte, trillernd schnell und das eine Auge kleiner als das andere: sie sei im Stall gewesen und habe nach der Kuh geschaut, die kalben sollte; und jetzt sei es überstanden. »Komm mit, dann wirst du sehen!« Denn sie hatten zwei Kälber bekommen, fügte sie hinzu, als er keine Antwort gab, zwei große Kälber, wahrhaftig.

Anders war dies mit den zwei Kälbern gar nicht recht. Wie etwas Unangenehmes, das er vergessen hatte, durchfuhr es ihn, welch ein unverschämtes Glück sie im Stall hatten, seitdem sie hierhergekommen war. Sie hatte eine eigene Art, mit den Tieren umzugehen und über ihnen zu wachen, wirklich; aber jetzt machte es ihm keine Freude, daran zu denken.

Sie war so verändert während des ganzen Tages, so oft er sie ansah, war so geschäftig und so scheu, und ihre Blicke liefen stets hinter ihm her. Und wie müde sie war. Sie, die sonst nie müde wurde. Er packte sie bei den Zöpfen und zog daran, bis sie um Gnade bat, das war die einzige Art, in der er sie liebkosen konnte; sie ließ so oft die Zöpfe über den Rücken hängen, denn sie waren sonst so schwer. – Als er sie freigab, war ihm wieder gut zumute wie sonst; er hatte sie gleichsam wiedererkannt, als er sie anfaßte.

An diesem Tag nahm er den Knecht mit sich und ruderte auf den Fjord hinaus, um Heilbutten zu fischen. Denn sie hatten ein paar Köderheringe gefangen. – »Und Fische kriegen wir, denn ich habe heute nacht von Läusen geträumt«, sagte der Knecht.

»Alles Schlechte!« wünschte Solvi ihnen, wie es der Brauch war.

Sie saßen noch nicht lange, als es schon anbiß. »Ist es die Alte selbst Die Alte selbst: der Name des Fischers durfte beim Fischen nicht ausgesprochen werden., was meinst du, oder ist es das Vaterland mit Grund und Boden?« sagte Anders, als er die Leine einholte. Es war ein Riesenfisch. Und bald darauf hatten sie wieder einen, einen ebenso großen. Der Knecht wurde bedenklich. – »Wer weiß, wie das zugeht«, sagte er. Entweder bedeutete das einen Todesfall, oder es steckte Zauberei und Teufelsmacht hinter der Geschichte, und jetzt wollte er an Land. Das wollte Anders auch, aber er sagte halt, er wolle noch einmal auswerfen. Die dritte Großheilbutte kam herauf. Diese konnten sie nicht hereinnehmen, und so versuchten sie, den Fisch bis ans Juwikufer nachzuschleppen. Anders befestigte ein Tau an der Gaff und schlug sie in den Fisch. Da aber riß er sich los und war weg. Sie fühlten sich alle beide erleichtert: Was zuviel ist, ist zuviel, sowohl des Guten wie des Bösen.

Als sie heimgingen, vergaßen sie den Fischfang. Diese Nacht war etwas Schlimmes vorgefallen, wovon alle redeten. Der Wolf war ins Land gekommen. Er war in Engdalen eingefallen. Dort wie überall waren die Schafe noch draußen, und er hatte so unter ihnen gehaust und sie verjagt, daß kaum noch der dritte Teil von ihnen übrig war. Dann war er quer hinüber nach Haaberg gegangen, hatte die Schafe dort nicht beachtet, obwohl sie mitten auf seinem Weg gelegen hatten, war dann südlich in Vikan gewesen und hatte einen Teil ins Meer hinausgejagt, und danach hatte er einen Bogen nach Lauvset gemacht und auch dort schlimm gehaust.

Zwei Wölfe waren es gewesen, das sah man an der Fährte im Neuschnee, und der eine hatte gehinkt.

»Wir müssen uns Mann für Mann aufmachen und sie jagen«, sagte Anders.

Hm, ja, meinten die Häusler. Das gleiche sagten alle, mit denen Anders redete. Es kam jetzt nur darauf an, wie es sich mit diesem Wolf verhielt. Denn der eine hatte doch gehinkt, und dann war die Fährte auf einmal ganz verschwunden.

Früher, wenn der Bär oder der Wolf hier eingefallen war, hatten sie alle wie ein Mann zusammengestanden, um Jagd auf ihn zu machen. Jetzt aber wollte keiner mittun. Die Leute waren wie ein schlüpfriger Fels gegen Anders. Er stand da und grinste, denn es war doch zu merkwürdig, so viele dumme Leute beieinander zu sehen; aber innerlich wurde er immer kälter und kälter. Was in Teufels Namen meinten sie denn eigentlich?

»Seid ihr nicht recht bei Trost, Leute?« – er trat vor und zog die Schultern hoch.

Und soviel Übermacht besaß er noch, daß sie ihre Blicke zu sich nahmen und dastanden, als wollten sie sich vor dem Stoß schützen. Aber sie glaubten doch, was sie glaubten, und das war böse – er stand mutterseelenallein unter Feinden.

»Teufel noch einmal, wie wenig er gefressen hat, der Wolf«, sagte einer.

»Die Mutter wußte von einem Lappenweib, das als Wolf herumlief«, murmelte ein anderer.

Immer noch begriff Anders nichts weiter, als daß es nur sein Schwiegervater war, über den sie ihr Gift ausspritzten. Ich aber bin es, dem sie zu Leibe rücken wollen, dachte er. Und das verzieh er ihnen; denn das gelang ihnen nicht allzuoft. Als er jedoch heimging – er war bis drüben bei den Lauvsetwäldern gewesen –, da fühlte er sich dünn und armselig. Die ganze Gemeinde hatte auf der Lauer gelegen. Ja, und nun zeigte es sich ihm, wie die Schlucht sich ihm manchmal zeigen konnte, daß sie ihm die Solvi wegnehmen wollten. Sie sollte für die Kränkung büßen, die Anders ihnen zugefügt hatte. Er tastete mit seinen Gedanken umher, fast als bitte er, daß es ihm glücken möge, mit Verstand zu handeln und nicht die anderen und sich selbst ins Unglück zu bringen. »Jetzt gilt's, Anders«, sagte er im Gehen vor sich hin.

Er wußte kein Wort zu sagen, als er eintrat. Solvi wurde von irgendeiner Angst geplagt, das sah er; aber was sollte man sagen? Für sie war es nicht gefährlich, denn sie hatte ja ihn.

Auf dem Weg zum Meer hinunter begegnete er einem Häusler. Wie es mit dem Fischen gegangen sei, wollte der wissen. – »Nein, jetzt mußt du mir sagen, Lorns, was soll das alles bedeuten: glaubt ihr wirklich, daß der Hinke-Andreas nachts herumläuft und die Schafe zerreißt?«

»Ich habe das nicht gesagt, Hausbauer!« antwortete die Häuslerseele kläglich.

»Und die Solvi, glaubt ihr, daß sie dabei war? Antworte jetzt, oder es geht schief!« – Anders packte ihn beim Arm.

»Ich sage nicht – ich sage nicht ein Wort, ich – – – ich sage, sie lügen, das sag ich!«

Anders ließ ihn los und ging. Aber irgend etwas würde er wohl herausfinden, tröstete er sich. Wenn sie nur geradeswegs zu ihm kämen, damit er eine Handhabe hätte.

An diesem Abend kam Petter und wollte auf Haaberg bleiben. Er hielt es nicht mehr länger aus mit Ola, und sie hatten nun eine Frau genommen, die ihn pflegte, während der kurzen Zeit, die er noch zu leben hatte. Anders beachtete ihn nicht. Ihm schien es nur, als sei mit Petter irgend etwas Böses auf den Hof gekommen. Er sah kaum jemand an. Solvi kroch wie ein Schatten durch die Stube, wußte kaum, was sie mit sich anfangen sollte. Es war, als wisse sie, mit wem sie es zu tun hatte.

»Du solltest es nicht so schwer nehmen, Anders«, sagte Petter am Tag darauf.

Anders spürte das Gift in der Rede; aber er wunderte sich nur: nahm er es denn so schwer?

Sie waren auf dem Weg zu den Hängen im Norden drüben und wollten Holz für Weihnachten schlagen. Die Nordhänge liegen nach dem Sund zu, und sie sind steil und wild, mit großen Felsblöcken übersät und mit alten Bäumen bestanden. Unter ihnen stürzt die schroffe Felswand ins Meer ab. An einer Stelle zog sich eine Rinne zum Strand hinab, und auf dieser ließen sie das Holz hinunter.

Es fiel fast kein Wort zwischen ihnen. Petter fand, Anders sei wie ein Pulverfaß, nur ein kleiner Funke, und er flog in die Luft. Gut ging es ihm nicht, aber das hatte er auch nicht verdient; Petter war ganz aufgeräumt bei diesem Gedanken.

An einer Stelle ist der Hang so jäh, daß man kaum an ihm hinaufklettern kann, und dort war schon oft ein Bergrutsch niedergegangen; es ist fast gefährlich, darunter vorbeizurudern, besonders im Frühjahr. Auch jetzt lagen dort Steinblöcke auf der Lauer, der Hüterbub stemmte den Fuß gegen einen der Felsen, und schon kam der ins Rutschen, drehte sich ganz langsam um und besann sich, anfangs, dann aber kam er in Fahrt, gleichsam als erinnere er sich des Meeres, nahm noch ein paar Steine mit und stürzte über den Hang hinaus, so daß es wie verbrannt roch, die Männer standen da und hielten den Atem an, bis sie das Aufklatschen hörten, als er unter der Felswand ins Wasser fiel. Der Junge lachte mit glänzenden Augen – es war einer von Aasels Kindern, ein Geschwisterkind von Anders und Petter. Ein Unband von einem Jungen.

»Wenn jetzt ein Boot dort unten gewesen wäre«, sagte Petter, »dann stündest du nun hier wie ein Mörder, Ola.«

Nach einiger Zeit hörten sie Ruderschläge, mühsam schleppten sie sich unterhalb der Felswand vorüber. Bei Landwind hielten sich die Leute hier immer gern nah unter Land, denn hier war es still.

Plötzlich sagt Anders, er schreit es in den Wind hinaus:

»Beim lebendigen Gottseibeiuns, wenn ich doch die ganze Lappenbrut da unten hätte.«

Er starrte einen großen, moosbewachsenen Felsblock an, der dalag und wartete: der Block wackelte sogar ein wenig, wenn man den Fuß dagegen stemmte. Dann blieb Anders still stehen und sah lange Zeit finster vor sich hin. Er begriff selbst nicht, was er gesagt oder gemeint hatte. Eigentlich war er wütend auf die Leute in der Gemeinde. Aber nicht einmal diesen wünschte er im Ernst etwas Böses. Danach fühlte er sich schlaff, es war ihm, als sei ein schwarzer und fremder Kerl durch ihn hindurchgefahren; aber jetzt war es Gott sei Dank vorüber.

Irgendwas muß doch daraus werden, Eier oder Junge, dachte Petter; er fühlte ein beglückendes Lächeln in sich.

3

Am Tag darauf ging Anders nach Engdalen. Er mußte irgendwohin, das war es. Er mußte mit irgend jemand sprechen, und es gab niemand anders als sie. Als Massi. Es war doch erst ganz wenige Wochen her, seit sie noch ganz blutjung waren und einander angehörten, so schien es ihm; da mußte sie ihm doch wohl ein Wort sagen können, in dem ein Sinn steckte. Er sah sie vor sich wie etwas schimmernd Hellblondes und Blaues; – Massi, das war es, was gut war in der Welt – zu dem man hingehen konnte. Und jetzt ging er.

Im Haus fand er eine fremde Frau vor und den Ola drüben im Bett. Anders sah sofort, daß es hier um etwas Ernstes ging, und er trat auf den Fußspitzen näher. Ola erkannte ihn nicht. Er lag da und starrte. Sein Gesicht war blau geworden, und in den Augen war kein Leben mehr; er sprach und lallte, aber die Zunge war dick und schwer, so daß es nur ein klagendes Ächzen wurde.

Als Massi hereinkam und Anders erblickte, trieb es sie fast wieder rückwärts zur Türe hinaus. Er trat näher und reichte ihr die Hand, da mußte auch sie die ihre vorstrecken, aber er fühlte es durch und durch, wie sehr sie widerstrebte.

»Es steht schlimm hier?«

Sie gab keine Antwort. Kraftlos stand sie mitten in der Stube. Nach einer Weile ging sie wieder hinaus, und er folgte ihr.

»Jetzt mußt du mir etwas sagen, Massi!«

»Nein, laß mich!« – sie wich wieder von ihm zurück.

Er blieb in der Holzlege stehen, die im Küchenvorraum war, und er stand noch dort, als sie wieder heraustrat. Jetzt trafen sich ihre Blicke, und es kam wie Leben in ihr Gesicht. Sie sah ihn eine gute Weile an. Dann sagte sie:

»Aber mein Gott, Anders, daß du in so etwas hineingeraten mußtest!«

Da war nichts weiter mehr zu tun. Er wollte sehen, wieder heimzukommen. Er empfand es, als solle er sich auf einen endlosen Weg begeben und müsse ihn überdies noch kriechen.

Doch er solle bei Lauvset hineinsehen, zum Kristian, sagte sie; und ein wenig mit dem reden. – »Aber Gott sei Dank, Anders, ich weiß doch, daß du – –«

Weiter brachte sie nichts heraus. Anders sah zur Wand hinüber und lächelte:

»So oft habe ich geträumt – – ich stünde nackt in der Kirche. Es war zum Sterben, wenn man so dastand. Aber dann war es doch nur ein Traum. Jedesmal. – – – Jetzt ist es kein Traum.«

Nein, denn er war mit einer Lappin verheiratet. So hatte es für alle den Anschein. Aber er raffte sich auf und ging hinein, wollte dem Ola Lebewohl sagen. Er legte ihm die Hand auf die Stirn und stand eine Weile so da. Und dann ging er. Es war am besten, gleich von hier fortzukommen. Denn hier mußte man alles glauben, was Massi glaubte, und alles sehen, was sie sah; wie der Nebel und das Meer sank es über ihn herein, drückte ihn zu Boden.

Nach Lauvset wollte er nicht, aber es trug ihn doch dorthin. Kristian fürchtete ihn, das konnte er merken, und dies frischte ihn ein wenig auf.

»Wie war es, Kristian? Erzähle« – er richtete den Blick trocken und sicher auf ihn.

Kristian bekam einen verwirrten Ausdruck um den Mund und fing an zu reden, aber Anders wurde nicht klug daraus.

»He?« sagte er. »Heraus damit, und zwar auf der Stelle!«

Mit der Zeit wurde es klar, und Anders begriff, daß Kristian gegen den Morgen zu draußen gewesen war, es hatte aufgehört zu schneien, und es war schon dämmerig, Kristian hörte Schellengeklingel und fand ein Schaf nach dem anderen, entweder zerrissen oder zu Tode gehetzt, und auf einmal stieß er auf eine Wölfin, sie saß da, hatte ein zerrissenes Schaf vor sich und gähnte. Ja, und diese Wölfin war gerade im Begriff, wieder Mensch zu werden, Gesicht und Haar und alles war zum Vorschein gekommen, man konnte sich nicht irren – er konnte nichts dafür, denn da saß sie gerade vor ihm und war bis unters Kinn hinauf ein Wolf, aber ohne jede Gefräßigkeit, und dann lief sie davon, und dann war sie weg, und der andere, der hinkte, und der noch rechtzeitig davongekommen war, dieser Kerl hatte schon früher einmal etwas Ähnliches angestellt. Kristian konnte das alles nicht ordentlich erzählen, es kam nur so abgehackt heraus, aber die Geschehnisse traten lebend in die Stube ein, die Augen sanken ihnen fast in den Kopf zurück, wie sie alle so dort saßen.

Anders stand da und lehnte sich an die Wand, ein wenig gebeugt, ihm aber schien es, als richte er sich hoch auf und rage weit über die anderen hinaus und sei größer, als er je gewesen war.

»Du sahst also, daß es die Solvi war?« Es wurde leer und still in der Stube. Kristian blinzelte, gleichsam als erwarte er einen Schlag ins Gesicht. Aber Anders rührte sich nicht. Er hörte auch nicht, was gesagt wurde, er sah es nur. Er wandte sich ab und ging.

Er merkte kaum, wo er hintrat, aber heimwärts sollte es führen. Ja, gewiß, erst heimwärts, einen kurzen Sprung auf jeden Fall, und dann kam er wieder, und da sollten sie merken, daß er kam. Sie redeten von Treibjagd. Er wollte sie alle miteinander zum Land hinausjagen, und wenn er sich auf Lebenszeit dem Gefängnis weihen müßte. Es würde eine Freude sein, sie einmal so richtig entsetzt zu sehen!

Denn sie hatten ihm ein Merkmal in den Rücken gebrannt. Er war fertig und am Ende.

Er versuchte, sich auf der Mitte des Weges zu halten, vermochte es aber nicht; so betrunken war er noch nie gewesen.

Ein Wort murmelte er im Gehen immer wieder vor sich hin, er wußte nicht, woher er es hatte, aber es war so:

»Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!«

Hätte er nur eine Seele gefunden, eine einzige Seele, die daran zweifelte! Aber sie hatten ihn hineingeschmiedet in die schwarze Nageltonne.

Aber vielleicht, wenn er nach Hause kam? Wenn er sie sehen würde? War es denn so ganz unmöglich, daß sie noch die gleiche war wie früher? Was nannte man denn eigentlich Gnade?

4

Solvi war allein mit dem Jungen in der Stube, als Anders kam. Sie wurde grau über das ganze Gesicht, sobald sie ihn erblickte. Stolpernd kam er zur Tür herein wie ein Fremder, hob die Beine hoch wie ein Blinder und hielt die Blicke starr nach vorwärts gerichtet. Sie wich gegen die Wand zurück, als er sie gewahr wurde und auf sie zukam.

»Aber Anders!«

Er wußte nicht, ob sie flüsterte oder schrie, aber die Stimme war gebrochen und häßlich, es war ein Lappe, der schrie, und jetzt erst sah er, daß sie ein Lappengesicht hatte, pfui Teufel, er war mit einem alten Lappenweib verheiratet. Das hatte die ganze Gemeinde gesehen, aber nicht er. Und warum, zum Satan, fürchtete sie ihn, sobald er zur Türe hereinkam? Was erschreckte sie denn so?

Er hielt inne und lauschte. Denn in ihm war eine Stimme, die mit ihm reden wollte, irgend etwas, das ihm gut gesinnt war. Jetzt hörte er es, eine große, eine schwere, eine besorgte Stimme. Das mußte die ganze Gemeinde sein:

»Sei nun ein Mann, Anders! Sei der, für den ich dich halte, Anders!«

Er hörte es so deutlich, ein Wort nach dem anderen, und ganz aus seinem Innersten heraus antwortete es, er hörte es wie eine Art Gesang oder wie ein Brüllen aus dem tiefsten Wald:

»Jetzt bin ich es, ja. Ihr könnt euch drauf verlassen!«

Er machte ein paar Runden durch die Stube, die Hände auf dem Rücken. Dann blieb er stehen und sagte grob, aber ruhig:

»Mach jetzt, daß du weiterkommst. Aber schnell!«

Ihre Augen wurden größer und größer, bald würde ihr Lappenauge sicher ebenso groß sein wie das andere.

Einen kleinen Augenblick war sie wieder die Solvi, und noch konnte sich alles wenden und so werden wie zuvor, er mußte fast nach einer Stütze suchen, dann aber war sie wieder nur das Lappenmädchen, wie sie so dort stand, sie vergiftete das ganze Haus für anständige Leute, er mußte die Tür aufreißen:

»Hinaus! Du, samt deinem Satanskind. Wart nicht so lange, bis ich dich anpacke!«

Sie schlich zur Tür hinaus, still wie ein Lappe – wenn sie nur rascher gehen wollte!

Das Blut stieg ihm zu Kopf, er nahm einen Stuhl und zerschmetterte ihn auf dem Boden:

»Macht, daß ihr weiterkommt, augenblicklich, oder es fließt hier noch Lappenblut!«

Jetzt sah er sie draußen auf dem Hof, der Kleine wandte sich zurück, da aber nahm sie ihn und zog ihn mit sich – schnellfüßig wie ein Lappe, ja, und das war gut, der Lappenjunge war nicht wert, daß man ihn noch herzeigte, wenn er auch zehnmal Per hieß.

Er ging hinaus und rief ihr nach, sie könne an die Nordbucht gehen und sein Boot nehmen und damit fortrudern; ihre Sachen bekäme sie nachgesandt, so bald wie möglich.

»Wenn ich nicht alles miteinander nehme und ins Feuer werfe!« lachte er, und dann ging er wieder hinein.

Petter stand drüben bei der Stalltür und hantierte mit einer alten Büchse, er wollte in den Wald zum Jagen. Anders schien es, als stünde er da und grinse, und das machte ihn schlaff in den Knien: so lachten sie jetzt wohl alle. Trotzdem wandte er sich zu ihm um und sagte mit tiefem Ernst:

»Du solltest nicht dastehen und über so etwas lachen, du Rotzbub; denn hier – hier hat unser Herrgott Gericht gehalten!«

Er wiederholte diese Worte, als er hineinging. Er bat durchaus nicht mehr um Gnade, jetzt konnte die Gemeinde wieder kommen, wenn sie etwas von ihm wollte; sein Haus war rein.

Suchend ging er umher, aber er wußte nicht, was er suchte. Endlich hielt er es in der Hand, es war eine alte Axt, die unter der Treppe lehnte und die zu allerhand gebraucht wurde; er ging in den Stall und erschlug die Zwillingskälber und warf sie auf den Misthaufen – er hatte nie zuvor so schöne Kälber gesehen –, und dann ging er an den Bach und wusch sich die Hände.

Es war still in der Stube, als er wieder hereinkam. Das Gesinde wagte sich kaum zu rühren. Und das tat merkwürdig gut.

»Jaha, ja«, sagte er, als er sich gesetzt hatte. »Mit Blindheit mich schlagen; das kann man. Wenn ich aber dann aufwache, müßt ihr euch hüten, Leute – das sag ich euch!«

Es durchdrang ihn eine unklare Sehnsucht, wie er so dasaß, daß er jetzt draußen sein möchte, zusammen mit Leuten, er wollte Menschen um sich haben, wenn schon nichts anderes. Nein, freilich, er brachte es noch nicht fertig, mit ihnen zusammen zu sein, nein, noch nicht, auf lange Zeit hinaus, hier war ein Dunst von Lappengeruch rings um ihn. Aber das gab sich wohl, das gab sich; mit der Zeit. Herrgott, es war lange her, seit er ein Mensch und mit den anderen zusammen gewesen war.

Die Stallmagd kam herein, blieb auf der Schwelle stehen und fragte etwas, es war wohl wegen des Essens.

»Du, Beret, du«, sagte er. »Du mußt das ganze Haus mit Wacholder ausräuchern, damit wir den Lappengestank hinausbringen – hier müssen jetzt wieder Leute hereinkommen, einmal noch.« Dann aber stand er auf und schreckte sie an die Türe zurück: »War ich jetzt oben am Nordhang, dann würden die Felsblöcke ins Wasser rollen! Hörst du? Verstehst du mich?«

Er wußte übrigens nicht, ob er das sagte. Später besann er sich oft und dachte darüber nach, aber ward seiner Sache nie gewiß.

Er versuchte zu essen, aber das vermochte er nicht, gut, so mußte er damit warten. Dann ging er zum Bootsschuppen hinunter und machte sich daran, die Heilbutten einzusalzen. Die wollte er denn doch nicht auf den Mist werfen, mochten es Trollfische sein, soviel sie wollten, er gab nichts auf dummes Geschwätz. – »Na, das war nun dies«, sagte er und streckte den Rücken – »ich hab genug sehen müssen. Teufelswerk soll man nicht dulden; wo man es auch antrifft. Und das ist jetzt überstanden und getan. Sie können nichts anderes sagen.« – Und als er wieder vom Ufer heraufkam, blieb er mitten auf dem Weg stehen und holte tief und voll Frieden Atem: man kann nicht leben, ohne Ordnung rings um sich zu haben; unmöglich.

Als er heimgekommen war und im Stall bei den Pferden stand, kam Ola, der Hüterbub, über die Äcker gelaufen; er ist atemlos und erschöpft und schreit irgend etwas.

»Kannst du denn nicht hören, Anders, es ruft jemand – es ist jemand im Sund verunglückt, ich habe es schreien hören. Steinblöcke sind ins Wasser gestürzt, und dann schrie es, es kam jemand gerudert – komm doch, schnell, schnell!«

Anders wartete nicht ab, bis er alles verstanden hatte. Der Bub war oben gewesen und hatte die Birkhuhnfallen nachgesehen, und als er über die Rinne sprang, löste sich ein Steinblock und kam ins Rollen und nahm noch andere mit, bis es eine ganze Laue war. Kurz darauf schrie etwas von unten her. »Es war fast wie ein Hahnenschrei«, sagte der Bub. »Und den Staub trieb es himmelhoch auf!« Der Junge holte tief Atem, stieß dann die Luft mit einem Stöhnen wieder aus und sah Anders wirr an. – »Hörtest du denn keine Ruderschläge, ehe der Fels ins Rollen kam?« fragte Anders. – »Nein, ich hörte nichts – ich hörte gar nichts, nein!«

Anders ging zur Nordbucht, nahm ein fremdes Boot, denn das seine war nicht da, und ruderte zu der Stelle hin. Jetzt, gegen Abend ging ein heftiger Ostwind, Böen und Windstöße fuhren über einen hin und wollten einem die Mütze vom Kopf reißen, aber nah am Ufer war es still wie in einem Haus, das Wasser lag fast glatt da.

Er konnte nichts weiter erblicken. Steine waren heruntergekommen, das glaubte er zu sehen, noch dazu viele; aber sonst war nur Wasser und Berge und nichts anderes zu sehen. Er ruderte weiter in den Sund hinaus, in Wind und Wellen, und endlich fand er eines der Ruder von seinem Boot und gleich darauf ein Bodenbrett. Weiter draußen, gegen die Skarsbucht zu, fand er seinen Wasserschöpfer. Er ruderte im Sund hin und her, bis es dunkel war, kam bis hinüber zu den Inseln, mehr aber konnte er nicht finden. – Die Steine mußten unmittelbar ins Boot gefallen sein. Und da war es rasch gegangen mit den beiden.

Er fragte Petter, wo er gewesen sei – Petter saß gerade beim Essen, als Anders heimkam. – Er? Oh, er war drüben in den Lauvsetwäldern gewesen. »Seltsam!« sagte Anders. Mehrmals hörten sie ihn dies im Laufe des Abends vor sich hin murmeln. Und zu sich selber sagte er, als er schlafen gegangen war:

»Du weißt, wenn e r sich ins Zeug legt, dann wird es Ernst damit.«

Er meinte den Herrgott. Und dann schlief er beinahe sofort ein; kaum je war er so schnell eingeschlafen.

5

Sie hatten Schlittenbahn zur Leichenfeier in Engdalen, und Vollmond obendrein. Es war ein unerwartet gutes Wetter für diese Jahreszeit, fanden die Leute, rein wie ein Geschenk; sie gingen umher und wunderten sich und redeten darüber. Da sagte einer von den alten Männern gerade heraus: Dieses Wetter haben wir wohl hauptsächlich dem Anders auf Haaberg zu verdanken. Sie lächelten teils, teils schwiegen sie, denn etwas Derartiges sagt man doch schließlich nicht geradeheraus, wenn es auch noch so wahr ist. Und wollte man überhaupt erst darüber reden, so mußte man sagen, daß er sich wie ein Tölpel benommen hatte. War man schon einmal mit einer Lappin verheiratet, so mußte man auch mit der Lappin auskommen, und wer nicht Manns genug war, sein Weib gehörig zu ziehen, der sollte überhaupt kein Weib haben. Und es war auch gar nicht gesagt, daß alles, was man sich erzählte, seine Richtigkeit hatte; es hegte gar mancher seine Zweifel. Sie waren gespannt, ob er zum Leichenschmaus kommen würde. Man hatte ihn kaum mehr zu sehen bekommen, seitdem das alles vorgefallen war.

Anders kam. Bleich und still war er, aber es lag solch ein ruhiger Ernst über ihm, daß man ihm überall Platz machte. Sie begrüßten ihn ebenso feierlich und mit leiser Stimme wie die Massi selber. Sie betrachteten ihn von allen Seiten. Anders war es schwergefallen, zu der Feier zu kommen. Daheim ging er herum und entbehrte die Menschen, begegnete er aber jemand, so konnte er sich kaum so weit zusammennehmen, daß er hörte, was sie sagten. Jetzt war er aber dennoch froh, daß er gekommen war. Es tat gut, Leute um sich zu haben.

Auch der Pfarrer war mit beim Leichenschmaus. Er begrüßte Anders nur ganz kurz, ebenso wie einen der übrigen. Ein paarmal sah er dorthin, wo Anders saß, war jedoch verschlossen und fremd. Dies ging Anders so nahe, daß ihm fast der Schweiß ausbrach. Immer wieder versuchte er, mit ihm ins Reden zu kommen, legte sich mit seinem ganzen Gewicht drein, aber er kam ihm nicht näher: nichts im Pfarrer gab ihm Antwort, nur ein paar allgemeine Worte kamen.

Massi beachtete ihn während des ganzen Gastgelages wenig oder gar nicht. Sie machte überhaupt nicht viel aus sich. Ihre Hand fühlte sich wie erfroren an, als er Abschied nahm. Man konnte sich wohl auch nicht viel mehr erwarten von einem Frauenzimmer.

Anders erbot sich, den Pfarrer heimzubringen, denn er fuhr allein und hatte sozusagen den gleichen Weg. Der Pfarrer nahm es an. Es war ein blanker Winterabend, die Wälder schimmerten rings um sie, und die Schlittenglocken sangen laut und klar darüber hin; die waldigen Berghänge lagen wie ein schwarzblaues Band unter den runden weißen Bergkuppen. Der Pfarrer sagte kein Wort.

Als sie jedoch auf dem Pfarrhof angelangt waren, bat er Anders doch mit ins Haus. Sie wollten das Weihnachtsbier kosten, sagte er, denn es sei jetzt gerade fertig. – Eine gute Weile saßen sie da und tranken, und der Pfarrer redete über allerhand. Dann schwieg er und Anders auch. Endlich sagt der Pfarrer, und dabei sieht er dem Anders ins Gesicht:

»So ist es nun gekommen.«

»Ja–a. So ist es gekommen, ja.«

»Wie ich befürchtete, also. Wie ich befürchtete.«

»Wieso das?«

»Nein, übrigens. Ich befürchtete nicht viel. Ich hatte nur erwartet, daß du mehr aushalten würdest. Daß du das Unbegreifliche aushalten würdest, Anders. Aber – andererseits –«

»Ja? Wir können doch den Teufel selber nicht einfach so frei herumlaufen lassen?«

Der Pfarrer zog die Augenbrauen hoch; sie konnten sich so hoch emporschieben, er blinzelte mit den Lidern, als sei er dem Licht zu nahe gekommen. Dann tat er wieder einen Zug aus dem Krug und rauchte danach. Anders wünschte, er könnte auch rauchen; das würde einem nicht wenig helfen, würde in der Seele guttun. Nach und nach wird es ihm klar, daß der Pfarrer dasitzt und an die Solvi denkt, dasitzt und sie schuldlos vor sich sieht.

Da steht er auf, bedankt sich und will gehen. Er wollte fort sein, weit weg vom Pfarrer. Aber er kam nicht vom Fleck. Dadurch, daß der Pfarrer schweigt, scheint er es ganz unmöglich zu machen. Denn der Pfarrer wußte alles miteinander, das merkte Anders an sich. Alles miteinander, das Böse wie das Gute.

»Das war keine Kleinigkeit«, sagt er und fährt sich über die Stirn; »beinah hätt ich's nicht – –«

»Ja. Das glaub ich gern. Aber wenn die Leute anschoben, dann – – mußte es wohl diesen Weg gehen.«

»He? anschoben, sagst du?« Anders trat näher, halb erzürnt und halb ängstlich. Dann läßt alles in ihm nach, lange steht er da und sieht den Pfarrer unverwandt an, kann es gleichsam nicht fassen, daß er ein Gesicht vor sich sieht; lebt dann wieder auf und erschauert über den ganzen Kopf, dann fragt er leise und heiser:

» Glaubt denn der Pfarrer, daß sie unschuldig war?«

»Ja, Anders. Eher würde die Sonne schwarz, denn sie, Solvi ...« Und er seufzte vor sich hin: »Ach mein Gott, ja!«

Anders war nahe daran, die Sache so anzusehen, wie der Pfarrer sie ansah; ihm schien es einen schwindelnden Augenblick lang, daß er jedwelchen Weg einschlagen könne. Aber in ihm erhob sich eine ungeheuere Macht, seine ganze Natur richtete sich empor und peitschte ihn auf, hieraus mußte er sich mit Leben und Ehre retten:

»Und ich hab dennoch Tisch und Bett mit einem Lappenweib geteilt – es war Zauberei und nichts anderes, komm mir nicht und erzähl mir etwas Neues, Pfarrer!«

Der Pfarrer rauchte und sah ihn an. Sein Blick ruhte auf Anders wie ein stiller und ruhiger Tag.

»Glaubt der Pfarrer denn nicht an so etwas?«

»Du auch nicht, Anders.«

Da wurde es Anders schwarz vor den Augen. So etwas war ihm noch nie widerfahren. Er mußte erst eine Weile verstreichen lassen.

»Na, ich glaube nun so allerlei; glaube gerade soviel wie ich will, das tu ich!«

»Ja–a, versteht sich. Soviel wie du willst. Das tun wir alle. – Ja, ja, Anders, ich sag es noch einmal: Gottes Frieden sei mit dir! Du wirst noch einmal sehen lernen.«

Anders sagte Gute Nacht und ging hinaus. – Es war schon möglich, daß er einmal das sehen lernte, was er jetzt nicht sah. Aber er war nicht so blind, wie der Pfarrer meinte. Schließlich war es doch nicht nur er allein, der das alles gesehen hatte.

– – – Die Zeit verging, wie sie konnte. Anders hielt sich von allen Menschen fern. Denn wenn er sich den andern zuwandte, so wandte er sich allen jenen zu, die über ihn gewonnen hatten, die ihn an sich gesaugt und ihn niedergedrückt hatten; er ertrug die Erinnerung daran nicht. Wandte er sich nach der anderen Seite, so war dort der Pfarrer, stand da und sah das schreiende Unrecht vor sich, und seufzte und murmelte: »Ach mein Gott, ja!« Sie hatten einen festen Zaun rings um ihn gezogen, aber wenn sie ihm nur ein wenig Zeit ließen, so wollte er schon selber mit sich fertig werden. Und dann war das Schlimmste getan.

Eines Tages gewahrte er Petter, wie er herumging und ihn ansah. – »Was hast du eigentlich hier zu suchen?« fragte er. »Wäre es nicht besser, du machtest dich hier aus dem Staub, nach Engdalen oder irgendwohin?« Petter war unverändert freundlich gegen ihn, packte seine Sachen und ging. Und der Hüterbub, der Ola, ging zu seiner Mutter heim; er fühlte sich hier nicht mehr wohl.

Am Weihnachtsabend stand Anders draußen vor dem Haus und hörte die Kirchenglocke, wie sie den Feiertag einläutete. Es war reichlich eine Stunde Wegs, knapp gerechnet, und noch dazu übers Gebirge, die Glocke klang fast nie bis hierher. »Komm! Komm!« sang sie.

»Jawohl, die wollen etwas von mir«, sagte er. Es war gleichsam, als sende der Pfarrer nach ihm, und jetzt wollte er fortgehen.

Er zog die Feiertagskleider an, und dann ging er. Er schlug den nördlichen Weg ein, über die Berge sozusagen, denn der war ein wenig kürzer und dort begegnete man niemand. Er wollte nicht reiten oder mit Schneeschuhen gehen, daran dachte er nicht. Für ihn gab es nur eines: daß der Pfarrer mit ihm reden wollte. Die ganze Zeit hatte er darauf gewartet, so schien es ihm jetzt; nun mußte er zugreifen, wollte er je wieder mit dem Leben zurechtkommen.

Der Pfarrer war erstaunt, als er Anders zur Tür hereinkommen sah, denn am Weihnachtsabend pflegte man niemand aufzusuchen, außer es war ein besonderer Anlaß. Er konnte diesen starr blickenden Mann kaum wiedererkennen, der wie ein wilder Feind anzusehen war. Der Pfarrer bat ihn in sein Arbeitszimmer herein, denn er hatte Gäste zum Weihnachtsfest.

Anders blickte rund herum, auf alle die Bücher. Hier gab es doch endlich genug Weisheit. Hier konnte man sicher lernen, wonach es einen gelüstete, Gutes und Böses.

Anders erzählte, daß er die Kirchenglocke gehört habe und daß ihm dies wie ein Ruf gewesen sei.

»Das war es vielleicht auch«, sagte der Pfarrer. »Ich habe ja sozusagen erwartet, daß du einmal kommen würdest, Anders.«

Anders saß da, drehte die Mütze zwischen den Händen und blickte nieder. Dann sieht er zum Pfarrer auf, müde, aber hart:

»Ja, ja; es sind jetzt vierzehn Tage her, seit ich hier war. Das waren viele Tage, seit damals. He! Ich bin wie ein Kind im Finstern, ich trau mich nicht umzuschauen. – Aber eines will ich wissen: Warum mußte mir das widerfahren? Warum gerade mir? Wenn es nicht Zauberei und Teufelswerk war? Du sollst mir darauf Antwort geben!«

»Das kann ich wirklich nicht, Anders. Es war wohl die Vorsehung, meinst du nicht?«

»Meinethalben. Das ist mir eine schöne Vorsehung, wenn es wirklich so ist.«

Der Pfarrer sprach ruhig und warm zu ihm, von dem großen, liebevollen Willen, der alles lenkt, durch Gutes und Böses hindurch und bis dorthin, wo es besser ist. Anders saß da, als höre er zu und sei der gleichen Meinung. Plötzlich aber sagte er:

»Glaubt der Pfarrer, ich sei es gewesen, der die Solvi umgebracht hat? – – Ja, denn: ich habe gewünscht, daß der Stein – ich habe die Lappenbrut ins Meer gewünscht, was sollte ich anderes tun?«

Der Pfarrer dachte nach. Dann fing er wieder zu reden an, leise und behutsam, aber so, daß Anders ihm zuhören mußte. Und als er dorthin gekommen war, wo er wollte, sagte er:

»Gott richtet, Anders!«

»Ja? Nicht wahr? Genau das habe ich gemeint, ich auch. Daß er es war, der die Zauberei und die ganze Sache vernichtet hat. Ja, also darin fühl ich mich nicht schuldig.«

Anders mußte sich wundern, wie erfrischt er wurde. Er entsann sich einer Brandwunde aus seiner Kindheit: es brannte und brannte, aber ihn ging das nichts an.

»Und er verzeiht dir, Anders, was du in Heftigkeit und Unwissenheit gesündigt hast, ebenso wie er uns allen verzeiht.«

»Ach ja, damit hat es wohl keine Not, glaube ich.«

»Versuche nun Ruhe zu finden, fürs erste. Denke nur daran, daß der Herr dies alles selbst in seiner Weisheit so gefügt hat.«

»Jawohl. Jawohl. – – Ja, und die Solvi? Denn sie war unschuldig, da hast du recht; es nützt nichts, wie ich es auch drehe und wende. Und ich habe gewünscht, daß der Steinblock herunterstürzt, auf sie und auf den Kleinen. Und der Stein, der kam. Und hier stehe ich. Und sie war unschuldig, wie gesagt. – Nein, ich kann wieder heimtappen. Denn es ist nun so, wie es ist.«

»Da hast du recht.« Der Pfarrer sank förmlich zusammen, so schwer fielen sie auf ihn herab, Anders' Worte. Er war gerührt und ratlos, suchte nur irgend etwas zu sagen und traf gerade das Rechte. Er legte Anders die Hand auf die Schulter:

»Die Solvi, sie verzeiht dir, Anders. Vergiß das nie.«

Da setzt sich Anders still in den Lehnstuhl am Tisch, beugt den Rücken und bleibt still sitzen. Immer wieder drückt es ihn gleichsam in den Stuhl zurück.

Als er sich erhob, war er nicht mehr der Anders, so schien es ihm. Er hatte den Pfarrer ganz vergessen und auch vergessen, weshalb er gekommen war, er war ein kleiner Bub gewesen und hatte geweint, oder was es sonst war.

In grauer Nacht ging er zwischen Hügeln und über Berge dahin. Er hörte es oben in den Wäldern schreien; gar vielerlei war in dieser Nacht unterwegs und ließ die Stimme ertönen. Und der Herrgott streute alle Sterne über den Himmel aus. Sie glänzten herab und grinsten den Sünder an. Und die Menschen waren daheim, jeder bei sich, und feierten Weihnachten. Nichts ging ihn etwas an. Denn die Solvi, sie verzieh ihm, und der Kleine dazu; das war das letzte, was sie getan hatten, ehe sie versanken.

Aber Anders' Haare ergrauten in diesem Winter, obwohl er erst dreißig Jahre alt war.

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