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Die jüngeren Prinzen

Auguste von der Decken: Die jüngeren Prinzen - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorAuguste von der Decken
titleDie jüngeren Prinzen
publisherVerlag des Vereins der Bücherfreunde Schall & Grund
yearo.J.
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Fünftes Kapitel

Das Haus der jungen Bäckerswitwe Minette Potthof, am Holz- und Kornmarkte, bildete die Ecke nach der Ratsstallstraße. Es war ein Fachwerksbau mit zwei übereinander vortretenden Stockwerken, kleinen Fenstern und einem Treppengiebel, aus dem die Winde zur Straße herabging, mittels der die Mehlsäcke auf den Boden befördert wurden. Ein mächtiger Krengel von braunem Holze an einer Stange baumelnd, diente als Wahrzeichen des Bäckers, von einem Schaufenster war nichts zu sehen.

Innen, rechts von der Hausthür, war der Verkaufsplatz, einen Laden konnte man es kaum nennen. Von der Diele ging man ein paar Tritte hinunter in ein großes Wohnzimmer. Die Wand neben der Eingangsthür in die Stube war teilweise offen, nur von einer herabfallenden Lade geschlossen, die nach der Diele hinausklappte und hier, von ein paar Eisenstangen gehalten, als Verkaufstisch diente. Am Tage war diese Lade offen, es lagen auch allerlei Brode darauf. Im Zimmer stand die Backwaare in Körben. Ein paar Stufen zogen sich an der offenen Stelle hin, auf die der Verkäufer trat, wenn Kunden kamen.

Gewöhnlich bediente Frau Minette selbst. Auch jetzt stand sie an ihrem Platze und reichte einer Nachbarin unter freundlichen Worten die gewünschten Luffen. Eingerahmt von dem dunkeln Hintergrunde der Stube, nur bis etwas über die Hüften sichtbar, trat ihre helle Gestalt anmutig hervor. Sie war ein hübsches, junges Geschöpf mit rundlichen Formen, roten Wangen und blitzenden dunkeln Augen. Auf dem krausen braunen Haare lag das Witwenhäubchen von zierlicherem Schnitt, als es üblich war. Sie trug eine rotgeblümte Kattunjacke mit Streifen besetzt und ein weißes Busentuch. Die Ärmel der Jacke reichten nur bis zum Ellenbogen und ließen einen vollen Arm frei.

»Ja und wat ik man seggen will« – fuhr die Nachbarin gedehnt fort.

Minette sah eben hinter dem Rücken der Frau den Kammerdiener Gimpe in die offene Hausthür treten, unwirsch rief sie: »Sei het hüt ehr Snakeltüg gar to dull bie sik!«

»Ach mit Verlöft,« erwiderte die Frau, sich umsehend, spitzig: »Da kumt ein von de negere Fründschaft,« damit schob sie sich an Gimpe vorbei zur Thür hinaus.

Minette reichte über die Tischklappe ihre Hand dem Herzutretenden entgegen und blickte ihm unter lebhaftem Farbenwechsel fragend in die Augen, sie schien zu bewegt und in zu großer Spannung zu sein, um ein Wort zu sagen.

»Könnt' ich Sie allein sprechen, Potthofin?« fragte der prinzliche Diener feierlich.

»Ich will meinen Bruder rufen und herstellen,« sie lief auf die Diele, »Just – Just, komm flink, wo bist du?«

Aus der nach hinten gelegenen Backstube sprang ein mehlbestaubter Junge in Klappantoffeln herbei. Es war derselbe Krauskopf mit den kecken lustigen Augen, der den Brief in den Osnabrückerhof getragen hatte.

»Stell dich her, Just, für die Kundschaft.«

»Unterthänigst guten Morgen, hohe Excellenz,« lachte der Junge und zwinkerte dem Bekannten schelmisch zu.

Minette winkte ihrem Gast und trippelte ihm voran. Linker Hand wand sich von der Diele eine schmale gebräunte Treppe hinauf, die auf einem gallerieartigen Gange mündete, der zu oben gelegenen Räumen führte. Hier angelangt, trat die junge Frau in ihr Putzstübchen, dessen kleine Fenster, mit den in Blei gefaßten runden Scheiben, auf den Holzmarkt hinaus gingen. Am Fenster standen ein Vogelbauer mit einem Buchfinken, Stuhl und Spinnrad. Etliche starke, braungebeizte Möbel mit gewundenen Beinen, eine Truhe und ein kleiner Spiegel vervollständigten die Einrichtung. Ein großer Kachelofen verbreitete behagliche Wärme. Schmuckstücke von buntem Glas, Kupfer und Wachs standen hier und da aufgereiht.

Frau Minette rückte einen binsenbeflochtenen, mit Kissen ausgelegten Armstuhl heran, mechanisch schüttelte sie ein Kissen auf, glättete es und lud ihren Gast ein, sich zu setzen. Sie stützte sich mit einer Hand auf den schweren Tisch und sah – zu unruhig, um einen Stuhl zu nehmen – den Kammerdiener erwartungsvoll an.

Als er noch einen Augenblick, ungewiß wie er beginnen solle, zauderte, rief sie hastig und unter heißem Erröten: »Er kann wohl denken, wertester Monsieur Gimpe, daß ich in großer Angst und Pein alle die Tage verblieben bin. Also rede er und helfe er mir zu guter Kunde von Seinen durchlauchtigsten Prinzen!«

»Einen Gruß von Sr. Gnaden zuvor, Potthofin.«

»Einen Gruß, werd' ich ihn nicht sehen?«

»Sonderbare und kuriose Umstände verhindern« –

»Hat er ihm meinen Brief nicht zu Händen gegeben?«

Der Gefragte, der gern bei der Wahrheit blieb, drehte sein dreieckiges Hütchen hin und her und blickte nachdenklich vor sich nieder.

»Ich bitte ihn!« rief die junge Frau und hob ihre Hände flehend, »thue es ihn belieben zu reden! Er sieht doch, wie übel zufrieden ich allhie stehe, wie er mich martert. Wo mankirt es? Was hat's gegeben? Nur forsch herut mit de Sprake. Het einer Kattenhaare twischen us hacket?«

»Es möchte fast den Anschein gewinnen,« meinte Gimpe zögernd.

»Wat slechte Lüe – is et 'en Snack – 'ne Verleumdung? O ick hef, dat kann ick schwören, keinen annern Liebsten hat! Wie kunn' mek ein Minsche beter gefallen als mien allerschönster Prinz Max!«

»Hohe Herrn wechseln in ihrem Gusto.«

»Wechseln? – Er – ist er mir untreu?«

Es war wie ein Schrei. Das junge Weib starrte totenbleich ihr Gegenüber an.

»Liebe Potthofin, nehme sie die Affaire nicht so ernst.« –

»Nicht ernst – wenn er mich nicht mehr liebt? – O hei is nich echt! Hei is nich echt!« Sie fuhr mit den Händen in ihr Haar, daß die Mütze hintenüber sank.

»Nehme sie Raison an, Minette. Solche Liebschaft wie die Ihrige mit dem hochgeborenen Prinzen kann einmal nicht lange dauern. Vornehme Kavaliere sind wetterwendisch. In Venedig haben die gelben Frauenzimmer stark mit Sr. Durchlaucht scharmiert, wer weiß, ob er nicht geruht hat –«

»Geschworen hat er's mir, er wollte mir treu sein, er liebe mich über alles. Is er denn ein Lügenbold? Is denn de Wahrheit ut de Welt gahen? Is Treu und Glauben verweht? De is Takeltüg, de quer un quas friget. Son hogen Herrn kann doch nich falsch sien!«

»Sie darf das nicht so nennen.«

»Oh, also abgeschafft zu werden, es könnte einen harten Stein erbarmen!«

»Schicke sie sich, Gevattersch, ich bin nicht gern der Bote für so schlimme Zeitung gewesen. Aber was soll man thun, was soll man anstellen, wenn Sr. Gnaden befiehlt: geh er zur Potthofin und sag' er ihr ab.«

»Oh – oh –« das junge Weib sank in wildem Schmerz auf den Stuhl, stützte die Ellenbogen auf den Tisch, vergrub den Kopf in die Hände und wurde von einem Schluchzen ohne Thränen geschüttelt. Dann kam es abgerissen über ihre Lippen: »Helpet denn gar nix? hei kunn em bitten – hei kunn em seggen –« Dann schlug sie plötzlich mit der geballten Hand auf den Tisch: »Ne, ne ich will nich' bitten und betteln – ich will ihm nichts vorpauen – mag er laufen – oh ich armes Dier – wat schall ick nu maken?«

»Sie muß zusehen, daß sie sich über das Konträre vertröstet,« sagte Gimpe teilnehmend. »Ich hätt' ihr gern süßere Kundschaft hergetragen, es sollte nicht sein.«

»O, er kann nichts dabei thun, er ist ja einen rechtlichen Minschen.«

»Sollte sie für den Ungetreuen einen anderen –«

»Schweig er still, schweig er pukstille, ich will nichts mehr von'ner Liebschaft wissen!«

Gimpe rückte verlegen hin und her. »Kann ihr nicht versparen, daß ich noch einen Auftrag –«

»O wat seggt Maximilian? Wat will hei?«

»Es ist nicht von meinem hochfürstlichen Herrn, es ist von dem andern durchlauchtigsten Prinzen.«

»De lütche Krischan?« ein Laut des Erstaunens.

»Sie sagt es; der jüngere gnädigste Herr hat geruht, sie zu sehen, und sie hat ihm dazumalen auf der Redoute baß gefallen, wie ich insonderheit wohl begreife. Nun fragen Sr. Durchlaucht an, ob sie nichts dagegen hat, wenn er den Schlüssel –«

Minette ließ ihn nicht ausreden, wild fuhr sie auf ihn ein: »Wie kann er mir antragen – wie kann er denken – kommt mir der Junge, der Krischan vor die Finger, geb' ich ihm eine Tachtel, daß ihm die Perrücke vom Kopfe abfährt.«

»Na, na, man immer sachte, Potthofin, sie hat sich ja ganz gefährlich. Wie mag sie wohl gegen einen Durchlauchtigsten so ausfallend sein? Auch Prinz Christian ist nicht uneben. Schielte schon manche Weibsperson nach seiner Gnaden. Er will ja auch nichts Unrechtes, eine kleine galante Unterhaltung mit ihr; was dem einen recht ist, ist dem andern billig.«

»Mach er, daß er wegkommt!« Drohend erhob sie die Hand.

Der Kammerdiener stand auf. »Und was ich noch sagen möchte, Prinz Maximilian hat höchst selbst ordonniert, daß ich Brief und Schlüssel der jüngeren Durchlaucht überreichen sollte.«

»Er – er selbst? Schändlich! Meinen Brief in fremde Hände? – O, der Halunke! der Kujon! der Ruppsack!«

»Bedenke sie, was sie sagt, es ist eine Durchlaucht, von der sie so despektierlich redet.«

»Nichts bedenk' ich! Das konnt' er mir anthun? O, Schimpf und Schande! – Geh' er – geh' er – ich kann ihn nicht mehr sehen! Dat is um in'en Muslock to krupen!«

Gimpe empfahl sich unter Trostreden, auf die Minette nicht hörte, sie schien außer sich. Sie that ihm leid, und er begriff ja auch, daß sie alle Ursache habe, sich über den Ungetreuen zu erzürnen. Wie er Prinz Christian abfinden sollte, war ihm vorläufig noch unklar. Es wurde seiner unterwürfigen Bedientenseele schwer, dem Hochgeborenen das Mißlingen der Vermittlung anzubringen und ein Verzichten auf höchstseine prinzlichen Wünsche zuzumuten.

Minette war endlich allein und empfand dies Alleinsein als eine Befreiung. Das heißblütige junge Weib mußte seine Qual austoben. Sie mußte sich körperlich gehen lassen. Zuerst stürzte sie zur Thür und schob einen Riegel vor, dann lief sie händeringend hin und her, stieß wilde Schmerzensschreie aus, stampfte mit den Füßen, knirschte mit den Zähnen, zerriß ihr Tuch und hob unter zusammenhanglosem Gemurmel die Fäuste empor.

Bei den ersten Andeutungen, daß der Geliebte sich von ihr wende, hatte ihre Seele unter tiefem Weh geblutet. Sie kannte ja nichts Herrlicheres als den ritterlichen Maximilian. Die Zeit im vorigen Jahre, als er sich um sie mühte, als sie seiner Liebe gewiß zu sein glaubte, war die schönste ihres Lebens gewesen. Mit ihrer Unerfahrenheit und großen Zuneigung für ihn hatte sie ihm blind vertraut und bei seiner Rückkehr eine Erneuerung ihres Verhältnisses als selbstverständlich angesehen. Seit er wieder da war, lebte sie in zitternder Erwartung. Sie wußte ja, er hatte viele andere Verpflichtungen, sie wollte nicht unbescheiden sein, aber sie litt unter sehnendem Hoffen und unbestimmtem Fürchten. Ach, es war ja nicht möglich, daß er sie vergessen haben konnte!

Als ein Tag nach dem anderen verging, ohne daß er sich um sie kümmerte, stieg ihre Beklemmung, aber sie hörte nicht auf, an ihn zu glauben! Was konnte solchem hohen Herrn alles in den Weg kommen! Sie sah ja das Reiten und Fahren der Herrschaften des Hofes und hörte von den vielen Gastereien, die stattfanden, natürlich mußte er allerorten dabei sein. Sie hatte ihm, als sie Gimpe begegnet war, einen Gruß geschickt und nicht an ihrer Berechtigung dazu gezweifelt. Als dann ihre Unruhe stieg, hatte sie es gewagt, wie auch früher schon, durch ihren Bruder den Brief nach dem Osnabrückerhofe zu schicken.

Und nun war die endliche Entscheidung über sie hereingebrochen.

Daß er sie nicht mehr liebte, erfüllte sie mit Schmerz und Trauer; daß er aber den Verrat an ihrer Liebe begangen, ihren unter heißen Thränen der Sehnsucht geschriebenen Brief dem leichtsinnigen jungen Bruder zu geben, sie, wie ein verbrauchtes Kleid, jenem zu überlassen, das reizte und empörte sie in tiefster Seele, das ließ ihr Weh sich in Haß, ihren Schmerz in Wut, ihr verwundetes Gefühl sich in brennende Rachsucht verwandeln.

Bald fühlte sie nichts weiter als den Wunsch, ihm etwas anzuthun. Ihn leidend zu machen, wie sie litt. Und nun mußte sie ihn so unerreichbar hoch wissen, so unverwundbar für die Nadelstiche, die allein in ihrem Bereich lagen.

Jetzt saß Minette am Tische, hatte den Kopf aufgestützt und sann. Sie überlegte hin und her, wie sie an ihn kommen solle, wie sie auszukundschaften vermöge, was er ersehne und treibe, wo ihn etwa ein wunder Punkt brenne, an dem sie ihn fassen und unheilbar verletzen könne.

Sollte sie Gimpe heranziehen und warm halten, um durch den vom Prinzen zu hören? Pah, der Gevatter in seiner Unterthänigkeit, in seiner blinden Anbetung der gnädigen Herrschaften würde ihr gewiß niemals beistehen. Er wußte auch wohl kaum etwas von den allernächsten eigensten Angelegenheiten seines Herrn. Sie wollte sich gut mit ihm stellen, er hielt etwas von ihr, vielleicht konnte sie ihn für ihre Zwecke brauchen, aber zuverlässig oder imstande ihr zu helfen war er nicht.

Wie konnte sie denn sonst an den Beleidiger kommen? Wie von ihm hören, von ihm Bescheid wissen, mit ihm leben, um ihn über kurz oder lang ins Herz zu treffen? Ließ sie ihn jetzt los, so gähnte eine Kluft zwischen ihnen, über die sie nie hinweggelangen konnte. Ja, sie mußte jede Möglichkeit festhalten, sich mit ihm in Berührung zu bringen.

Plötzlich sprang die Grübelnde empor: »Christian!« sie hatte es laut gerufen. Der kindische, leichtlebige Bruder vermochte ihr am ehesten die Handhaben zu bieten, woran sie den Gehaßten greifen und fassen konnte. Pah, sie wollte nicht so thöricht und bedenklich sein, die Bekanntschaft mit dem kleinen Windsack zu verschmähen! Wie weit sie mit ihm gehen mochte, lag ja immer noch in ihrer Hand. Was that's, wenn sie ihn dann und wann sah, ihn reizte, ihn unterwarf, sich zu eigen machte und ausnutzte? Er würde am genauesten von seines großen Bruders Bestrebungen Bescheid wissen, und sie traute sich das Geschick zu, aus ihm herauszulocken, was ihr nützen konnte.

Belebt von diesem Entschluß, der ihr allein dienlich schien, beschloß sie, Gimpe zum Abend durch Just an einen Ort bescheiden zu lassen, den er kannte, einzulenken und in eine Anknüpfung mit Prinz Christian zu willigen.

Sie mochte der Leute halber den fürstlichen Diener – der allerdings noch von den Eltern her mit ihr befreundet war – nicht gern all zu oft in ihr Haus kommen lassen, das gab leicht Gerede unter den Nachbarn, vor dem sie sich hüten mußte.

Auch in ihrem eigenen Hause hatte sie ein paar eifersüchtige Augen zu fürchten. Valentin, ihr Altgesell, der seit Potthofs Tode und eigentlich schon lange vorher ihre Bäckerei besorgte, ein treuer, zuverlässiger Mensch, verfolgte sie mit seiner Zuneigung und seinen Wünschen. Sie mochte ihn nicht ungern, er that für sie, was er konnte, und brachte alle ihre Angelegenheiten in Ordnung, von denen sie nichts verstand. Ja, Valentin war unentbehrlich für Haus und Geschäft, aber wenn sie ihn mit Prinz Maximilian verglich, so erschien es ihr als eine Unmöglichkeit, den hölzernen Gesellen zu lieben. Und doch beunruhigten sie seine ehrlichen fragenden, betrübten Augen. Wenn sie auf Schleichwegen ging, und sein Blick ihr folgte, zog etwas wie Beschämung in ihre Seele. »Pah,« sagte sie dann zu sich selbst, »hei hät mie nix to seggen!« Unwillkürlich suchte sie sich aber doch so einzurichten, daß er ihre Ausflüge für harmlos halten mußte. – –

Der Ballhofsaal, ein großer Raum mit Nebenzimmern, vor etwa vierzig Jahren vom damaligen Herzog erbaut, sollte, wie sein Name besagte, ursprünglich dem Ballspiele dienen, nach und nach wurden auch andere Vergnügungen, besonders die in dieser Zeit sehr beliebten Maskeraden, hinein verlegt. Das Gebände stand inmitten eines Häuservierecks und war von verschiedenen Seiten zugänglich. Der Haupteingang lag an der engen Ballhofstraße und trat sackgassenartig zurück.

Neben diesem schmalen Eingange stand das windschiefe, vorn überhängende Haus des Trödlers Mullberg. Die Leute verdienten besonders als Ausleiher von Maskeradenanzügen, von denen zur Winterzeit stets einige anlockend den Eingang des Geschäftsraums zierten. Hatte man sich durch die von noch manchen anderen Gegenständen verengte Hausthür hindurchgedrängt, so betrat man eine dämmerige gepflasterte Halle, vollgestopft mit buntem Allerlei, deren eigentlichen Inhalt zu fassen man sich besinnen, an das spärliche Licht gewöhnen und genauer umsehen mußte. Alte Kleider und Betten, rostige Waffen, schwärzliche, gerissene Ölgemälde, gewirkte Stoffe und Teppiche, krummbeinige, wackelnde Tische mit wunderlichem Geschirr, mit hölzernen und thönernen Figuren bedeckt, schnörkelhafte Uhren, hier und da ein schwebender Engel von Wachs oder Holz durch Fliegen wie mit Sommersprossen bedeckt, Metallgefäße und beschädigte Vasen, wohin man sah. Hier stand auf einer schwarzen, messingbeschlagenen Truhe ein altertümliches Kruzifix, da ein Wandgestell mit in Schweinsleder gebundenen Büchern und zusammengerollten, verstäubten Kupferstichen. Hier, im Hintergrunde des Raumes, halb verdeckt von verschlissenen, einst prächtig gewesenen Vorhängen, befand sich auf einem bunt bemalten Koffer ein Glaskasten mit Schaumünzen und kleinen Seltsamkeiten in Silber.

Wie die Spinne im Mittelpunkte ihres Netzes, hielt sich gewöhnlich Frau Mullberg in dieser Ecke auf, es gab hier in der Wand ein kleines Fenster, das nach irgend einem Innenhofe ging und ein spärliches Licht für die eifrige Frau einließ, die hier Maskeradenzeug änderte oder Vorhänge, Kleider und Decken für den Verkauf, einladend herzustellen trachtete. Sie war eine große, hagere Person mit einer Hakennase und runden Vogelaugen, ihr graues Haar drängte sich unter einer mit langen Faltenstrichen besetzten Mütze hervor, sie schwatzte unaufhörlich, sogar mit sich selbst und die knochigen Hände flogen hastig bei allem, was sie that.

Ihr kleiner behäbiger Mann war das Gegenteil von ihr. Er sprach sehr wenig. Sein rotes, rundes Gesicht zeigte ein zufriedenes Schmunzeln, eine alte bei ihm versetzt gewesene Perrücke umgab mit sonderbaren Löckchen seine Stirn, eine lose Weste, vorn von fleckigem Tuch, hinten von schwarzem Leinen, war nachlässig zugeknöpft; seine krummen Beinchen steckten in Kniehosen und blauen Strümpfen. An den Füßen trug er Klappantoffeln, die ihm ein Stück zu lang waren. Er that eigentlich nie etwas, stand mit den Händen auf dem Rücken in der Hausthür und begleitete höchstens einen Käufer in der Halle umher und nannte ihm die Preise. Verhielt er sich zu gleichgiltig dabei und war es der Mühe wert, die Zeit daranzuwenden, so schoß Frau Mullberg aus ihrem Winkel hervor und überflutete ihr Opfer mit Anpreisungen.

Minette Potthof war eine geborene Mullberg, die Tochter eines Bruders des alten Trödlers. Ihr Vater war bald nach seiner Frau gestorben und hatte seine beiden Kinder Minette und Just dem nächsten Verwandten, den er besaß, auf die Seele gebunden. Der kinderlose Trödler erklärte sich auch bereit, die Waisen aufzunehmen. Die Frau aber wollte anfangs nichts davon wissen, doch mußte sie in dieser einen Hinsicht nachgeben, verhielt sich indeß hart und geizig gegen die halb Erwachsenen, fing dann bald an, sie durch Arbeit auszunutzen, und reichte ihnen das Gnadenbrot, das sie aßen, unversüßt.

Als dann der reiche Bäckermeister sich um die frisch erblühende Minette bewarb, trat Tante Mullberg entschieden auf Seiten des Freiers. Da galt nicht Wehren noch Sträuben, und endlich dachte Minette: schlechter als hier werde ich es beim alten Potthof auch nicht haben, ich bin dann wenigstens nicht mehr arm, und so griff sie zu und rang sich das Ja ab.

Von diesem Augenblicke an verwandelte sich Tante Mullbergs Wesen gegen die Nichte vollständig. Minette war eine wohlhabende und angesehene Frau geworden, von der man Vorteile ziehen konnte, jetzt lohnte sich's, sie gut zu behandeln, und nun fand die alte Trödlerin nicht genug zärtliche Worte für das liebe Kind. Als dann nach kaum einem Jahre das junge Weib, von ihrem Quäler befreit, unabhängig und als Besitzerin des ganzen Nachlasses dastand, verdoppelte sich die Freundschaft und Bereitwilligkeit der alten Spinne und sie that alles, was die junge Witwe von ihr wollte und forderte.

Hinter dem Trödelladen, der das ganze Unterhaus nach der Gasse zu einnahm, zog sich ein halbdunkler Gang entlang, eine kleine Küche, ein paar Gelasse für Gerümpel und der Aufgang zur Treppe lagen daran. Zu Ende des Ganges kam man auf einen engen Flur, von dem aus Thüren in ein paar Zimmer gingen. Diese ganz innen, in einem Gewirr von Höfen und durcheinander geschobenen Hinterhäusern gelegenen beiden Stuben dienten einem besonderen Zweck. Sie standen mit den Wirtschaftsräumen des Ballhofsaales in Verbindung und wurden bei Maskeraden, die eine für Männer, die andere für Frauen, zum Verleihen von Anzügen benutzt. Es war üblich, daß man sich im Laufe eines Abends, um Scherze und Neckereien auszuführen, mehrfach umkleidete, und dazu boten den Eingeweihten die Mullbergschen Hinterzimmer vorzügliche Gelegenheit.

Aus diesen Räumen gelangte man durch ein Seitenthürchen in einen engen Durchgang, der in dem Hofe einer Gastwirtschaft an der Knochenhauerstraße mündete, und durch den stets offenen Thorweg dieses Hofes konnte man unbeachtet kommen und gehen.

Minette war, wenn Prinz Maximilian sie sehen wollte, durch den Trödelladen gegangen, ihr Partner von der anderen Seite durch den Thorweg des Ausspanns gekommen, in dem unscheinbar gekleidete Männer ohne aufzufallen, verkehren konnten, und der Schlüssel, den Minette ihrem Geliebten zugeschickt hatte, paßte zu dem Eingange in die hinteren Mullbergschen Gemächer. Am Abende des Tages, an dem Gimpe bei Minette gewesen war, traf sie wieder mit dem Kammerdiener im Trödelladen des Oheims zusammen und gestand ihm, nachdem sie sich etwas geziert, auch wirklich aufs neue Widerspruch und Widerwillen in sich zu bekämpfen gehabt hatte, daß sie doch nicht abgeneigt sei, die nähere Bekanntschaft des Prinzen Christian zu machen.

»Sie ist ein vernünftiges Frauenzimmer, Potthofin,« sagte Gimpe lobend, »und sie weiß die Ehre zu schätzen, so sich ein durchlauchtigster Herr um Sie kümmert. Sr. prinzlichen Gnaden geruhen sehr lustig zu sein; er wird sie zu manchen Tänzchen, wo er unter der Maske mit ihr hinkommen darf, aufziehen und sie wird sich, ehe sie's denkt, über den Verlust des ersten Liebhabers trösten.«

Die junge Frau murmelte mit zuckenden Lippen halblaut vor sich hin: »Et is man en Overgang, sä de Voß, as se em dat Fell over de Ohren togen.«

Der prinzliche Kammerdiener achtete nicht darauf, befriedigt fuhr er fort: »Sie hat mir eine große Verlegenheit abgenommen, Potthofin, ich hätte mich ungern erdreisten mögen, dem durchlauchtigsten Herrn zu sagen: »Ew. Gnaden werden refüsiert.«

Dann besprachen sie noch die Stunde, in der Gimpe den Prinzen durch den Thorweg der Gastwirtschaft in das Mullbergsche Hinterzimmer einführen sollte.

Es war drei Tage später und die frühe Dämmerung längst herabgesunken, als Minette in den durch zwei mattbrennende Laternen spärlich beleuchteten Trödelladen ihres Ohms trat.

Der alte Mann hockte auf einem Haufen Betten und ließ ein behagliches Grunzen hören, als seine Nichte ihm Gutenabend sagte. Die Mullbergin saß in ihrer Ecke am warmen Ofen und stickte einen alten Rock. Neben ihr auf dem Tische stand eine brennende Zinnlampe, an der die Alte mit einem daranhängenden Stückchen Draht eben den Docht herausstocherte.

»Kiekemal, uns Minettelein,« begrüßte sie die Kommende. »Je später de Abend, je schöner de Lüe; wedder in de Achterstuf to dauen? Na ja; Jugend kennt keine Tugend! Bist ne Wittfrau, mußt dir en annern utseuken. Da steiht dien Lampen. Warm is et in diene Stuben. Dank ok für dat Holz und de Stuten. Smecken gut, kannst bald wedder welke schicken. Dien Valentin versteiht siene Sake, holl em man fast.« Sie lachte heiser: »wenn du em nich jagst, lopt he die nich weg.«

»Ick jag em nich.«

»To guderletzt nimmst em doch wohl noch?«

»Kann nich weten.« Während dieser kurzen Unterredung hatte Minette eine hohe kupferne Lampe mit drei Armen angezündet und trat nun mit diesem alten und feierlichen Gerät in der Hand auf den Gang hinaus, der sich hinter dem Laden hinzog. Als sie in dem Zimmer ankam, das sie »ihres« nannte und das sie für ihre Zusammenkünfte mit Maximilian phantastisch mit Trödelkram, aus dem vorderen Hause, herausgeputzt hatte, stellte sie die Lampe auf den Tisch, seufzte tief und begann dann, nachdem sie eine Weile in schwere Gedanken versunken dagestanden, sich mit der Anordnung des Zimmers zu beschäftigen.

Hier galt es, die Falten der bunten, verschossenen Vorhänge zurecht zu zupfen, da Kissen, die auf verschiedenartigen Stühlen und Bänken lagen, aufzulockern. Jetzt zog sie ein Büchschen mit Räucherwerk hervor, streute es auf eine Schaufel und hielt diese über die Lampe, worauf ein feiner, bläulicher Duft das Gemach durchzog.

Nun mochte die Zeit gekommen sein, in der Minette ihren Besuch erwarten konnte. Sie saß neben dem Tische, trommelte hinauslauschend und unwirrscher Laune mit den Fingern darauf und suchte sich in die leichtsinnige und übermütige Stimmung zu versetzen, die ihr allein dem jungen Fant gegenüber, den sie erwartete, dienlich sein konnte.

Dachte sie an die seligen Gefühle, die sie sonst hier durchströmt hatten, wenn sie nach Maximilian aussah, so krampfte sich ihr Herz in Wut und Bitterkeit zusammen. Fluch über seine mit solcher verletzenden Nichtachtung geübte Untreue! Er war es ja, der ihr die Pein dieser Stunde auferlegte, aber er sollte ihr dafür büßen! Sie wollte nie vergessen, wonach sie lechzte, weshalb sie dies ertrug. Ihm beikommen, sich an ihm rächen, war ihr heißester Wunsch. Und um diesen Wunsch sich erfüllen zu können, mußte sie alles thun, Christian zu fesseln, mußte sie ihn bestimmen, daß er seine Besuche hier wiederhole und sich offen und mit Vertrauen gegen sie ausspreche.

»Horch, ein Geräusch, das mußte er sein!« Minette lief mit der Lampe in der Hand auf den kleinen Flur, um ihrem Gast hereinzuleuchten.

Die Thür öffnete sich vorsichtig, das lustige, rote Gesicht Christians spähte um die Ecke; Gimpe tauchte wie ein Schatten dahinter auf und verschwand sogleich! Der Prinz trat ein. Er trug einen langen Mantel und einen breiten Filzhut, den er mit drolligem Schwenken abnahm. Er wollte die junge Frau mit einem Scherz begrüßen, aber das Wort erstarb ihm auf den Lippen, so ward er von ihrem Anblick überrascht.

Sie stand ihm in der Erinnerung als dick, rotbackig und keck, erhitzt vom Tanz und der Maske, mit dem hohen sonderbaren Helm auf dem Kopfe, wie er sie vor einem Jahre an Maximilians Seite gesehen hatte. Nun aber erschien sie ihm ganz anders und sehr viel hübscher.

Und er irrte nicht, Minette war seit dem vorigen Jahre verändert. Die Sehnsucht nach dem fernen Liebsten hatte ihr einen weicheren Ausdruck gegeben, sie war schlanker und blasser geworden und in diesem Augenblicke, wie sie hoch aufgerichtet dastand, ihre flackernden Lampenflämmchen gegen den durch die offene Thür einströmenden Luftzug mit der ausgebreiteten Hand schützend, von gespannter Erwartung durchbebt, leuchteten ihre dunklen Augen in wunderbarem Glanze, während ihre beweglichen Züge fein und reizend erschienen.

»Ah!« sagte endlich der junge Prinz, »macht mir ein exquisites Vergnügen, mit ihr eine kleine Galanterie anzubandeln.«

Minette vermochte noch kein Wort hervorzubringen. Sie knixte leicht und leuchtete ihm voran in die Stube.

»Legen Durchlaucht den Mantel ab und geruhen sich zu setzen.«

»Möglichst nahe zu ihr?«

Jetzt gewann Minette ihren Mut wieder.

»Sind noch lange nicht so weit, Ew. Gnaden,« lachte sie. »Gebe so leicht nicht klein bei. Müssen erst sehen, ob wir uns 'en büschen grün werden können. Ich lasse mich nicht begöseken und will nichts von Ew. prinzlichen Excellenz als 'ne kleine Unterhaltung, wie einer armen Wittfrau zu gönnen ist. Können wir zwei beiden mitsammen zu Gange kommen, haben unseren Spaß zusammen, na so – so kann man ja nicht wissen, was es noch weiter giebt.« –

Wie der kleine Racker mich kokett anblinzelt, dachte er und nickte ihr zu, sie fuhr im selben Tone fort:

»Ich habe nur in eine Bekanntschaft gewilligt, in weiter nichts. Der gnädige Herr dürfen kein schiefes Maul ziehen; wollen Ew. Gnaden mehr, so wendet allen Fleiß daran, charmant zu thun. Ich bin frei und zu haben, aber nicht im Handumdrehen.«

»Das nenne ich in raisonablem Deutsch geredet, Potthofin! Aber sakrelot! allzu spröde darf sie nicht sein. Sie gefällt mir baß, und mit aller Komplaisance will ich ihr den Hof machen.«

Nachdem er nun wußte, wie er mit ihr daran war, und daß sie gesonnen sei, ihn kurz zu halten, erschien sie ihm noch viel begehrenswerter als zuvor. Er war zu jung, um nicht auch an diesem Abenteuer, das einen lebenskundigeren Mann vielleicht kaum gereizt hätte, sein helles Vergnügen zu finden. Die heimliche Zusammenkunft, das phantastisch ausgeputzte versteckte Stübchen, in dem er dem hübschen Weiblein vertraut gegenüber saß, sich ausplaudern mit dieser allerliebsten Bourgeoise, alles dies hatte großen Reiz für sein harmloses Gemüt und befriedigte einen Zug seines Wesens, der sich mit kindischer Neugier und Abenteuerlust nach Abwechselung sehnte. Zugleich war ein Trieb in seiner Natur, der ihn zum Volke hinzog. Christian, der auch schon viel im Felde gelebt hatte, fühlte sich von dem Zwange der Hofetikette belästigt, er liebte den unbefangenen Ton, den Minette anschlug, und ging gern darauf ein.

Sie war, wenn auch gleichaltrig mit ihm, doch im Grunde schon viel erfahrener und gewandter als er, und so wurde es ihr nicht schwer, besonders, da sie von einer Absicht erfüllt war und er in den Tag hinein plauderte, – die Unterhaltung zu lenken, wohin sie wollte. Er sprach gern und lebhaft und war von kindlicher Offenheit. Anfänglich ließ sie ihn aus seinem Leben erzählen, dann fiel endlich der Name: Maximilian.

Mit gut nachgeahmter Unbefangenheit sagte sie: »Habe ja eine Zeit lang mit dero Herrn Bruder unter einem Hütlein gespielt, bin so lebensgern vergnügt; was kann ihm beigekommen sein, daß er nicht mehr mag? Hat er ein ernsthaftes Techtelmechtel, will er freien? Wissen Ew. Gnaden nichts davon?«

»An serieuse amouren denkt er nicht, es sind andere Affairen, die ihm im Kopfe stecken.«

»Un wat mag denn dat sien?« fuhr es ihr heraus.

Er zögerte, dann sagte er abweisend: »Das ist nichts für sie, solche chosen versteht sie doch nicht.«

Ah, dachte sie: de Appel is noch nich riep, he fallt noch nich. Laut sagte sie: »Wie der durchlauchtigste Herr belieben thun, so was kümmert unsereinen auch nicht.« Und dann erzählte sie von dem Trödlerpaare, bei dem sie hier beide zu Gast wären, machte Gang und Sprache der Alten nach und schilderte, wie das hier an Maskeradenabenden von Leuten, die sich umkleiden wollten, wimmele. Sie kam auf allerlei scherzhafte Geschichten und Verwechselungen, die es im vorigen Jahre gegeben habe, und fand es herrlich, auf den Maskeraden mit vornehmen Personen unter einem Dache zu sein, denn das könne er glauben, es seien immer eine Menge Herren und Damen vom Hofe im Maskengewühl.

Er erzählte ihr dagegen von seinen vorjährigen Erlebnissen, wie einmal sein jüngster Bruder – dessen Präzeptor ihn eigentlich noch nicht zum Tanzen gehen lasse – mit hier gewesen sei und welche Not er gehabt habe, den ängstlichen Ernst heimlich heraus und zurück zu befördern: »Das Kind thut ja, was ich will, und ist auch gern lustig, so nehme ich es manchmal unter meine Protektion.«

Sie lachten beide viel und die Zeit verging ihnen im Fluge. Endlich stand Minette auf und schickte den Prinzen ohne viele Umstände fort. Er fragte, wann er wiederkommen dürfe, und sie ließ sich erbitten, ihm einen Abend zu bewilligen.

Als sie schon an der Thür standen, bettelte er, ob er nicht zum Abschiede einen Kuß bekomme, sie schlug ihm diese Gunst aber ab.

»Den gnädigen Herrn sticht der Hafer,« sagte sie schnippisch, »übermütige Füllen muß man knapp halten!« Damit schob sie ihn hinaus und schlug die Thür hinter ihm zu.

Kopfschüttelnd über ihre Sprödigkeit, fest entschlossen sie zu besiegen und ganz verliebt in das neckische Geschöpf, tappte Christian über den dunklen Hof des Ausspanns auf die fast ebenso finstere Gasse hinaus.

Das war ja eine charmante Bekanntschaft, die er nicht loslassen wollte. Allerdings hatte er das junge Weiblein für ankömmlicher gehalten, als er sie nun fand, nach und nach würde er sie aber schon zähmen und sich geneigt machen.

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