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Die Hosen des Herrn von Bredow

Willibald Alexis: Die Hosen des Herrn von Bredow - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Hosen des Herrn von Bredow
authorWillibald Alexis
year1985
publisherKupfergraben Verlagsgesellschaft
addressBerlin
isbn3-89181-101-2
titleDie Hosen des Herrn von Bredow
pages3-5
sendergerd.bouillon
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Der Prediger besann sich, aber schüttelte den Kopf: »Nein, lieber Mann, in der Gestalt zeigte itzo Satan sich nicht. Ich sage nicht, daß er sich nie so gezeigt hat, noch je so zeigen wird, allein das ist es nicht.«

»Ich hab mir sonst so mancherlei Bedenken darüber gemacht.«

»Das ist aber Satans Werk, lieber Herr von Bredow, daß er die Gedanken des Menschen ablenkt auf andere Dinge, damit sie seinen Spuren nicht folgen sollen, und das ist mein ganzes Studium, daß ich ihm auf der Fährte bleibe. Er ist gar nicht so stark, als die Theologen meinen, daß er überall Gott in seinen Werken die Spitze bieten könnte. Er neckt und hänselt die Erdenkinder nur durch seine Geister, daß sie ihm überall nachsetzen sollen und so ihre Kräfte zersplittern, derweil er mit seiner ganzen Kraft, wie ein schlauer Feldherr sich auf seine Festung, auf einen Landstrich wirft, um ihn unversehens zu überrumpeln. Hat er sich festgesetzt, da erobert, dann geht er weiter in Sprüngen und Sätzen, wie der Ryssel im Schachspiel, und da ihm zu folgen, das freilich kann nicht ein jeder, er mag sonst sehr gelehrt sein.«

Der Herr von Bredow faltete die Hände: »Daß Gott dem Erbfeinde solche Macht gelassen hat!«

»Nur damit wir uns anstrengen sollen, nicht ihn zu überwinden, das ist leichter; nein, ihn nur in seinen vielen Wandlungen zu erkennen und fassen. Ist das geschehen, so ist die Arbeit wahrhaftig nicht so groß. Ich könnte Euch bei mir zu Hause eine Karte zeigen oder einen Stammbaum, wo ich durch die ganze Historia mundi nachgewiesen habe, wie er auf Erden gegangen. Das sind Sprünge, das sind Winkelzüge, wie er die Menschen, ganze Geschlechter und Völker, beim Schopf gefaßt hielt. Er ist der beste Menschenkenner, das muß man ihm lassen. Was ihren Sinnen, ihrem Stolz, ihrer Eitelkeit schmeichelt, oh, da weiß er dreinzufahren, da sendet er seine besten Gesellen hin, da versteht er, weiß schwarz und schwarz weiß zu malen, daß die Gescheitesten gefangen werden. Was die alten Griechen Ideen nannten, das war sein Steckenpferd. Hatte sich ein solches Gespenst der Menschheit bemächtigt, da war sein Acker und Pflug, da säte und erntete er, und unter seiner Sichel fielen Junge, Alte, Familien, ganze Generationen und Völker.«

»Der Herrgott bewahre uns vor den Ideen!« rief Herr von Bredow.

»Ihr habt recht; diese Gefahr ist jedoch hier nicht nahe. Er hat hier seinen Acker anderwärts ausgeworfen, einen andern Acker, auf dem er die Menschheit so betört, daß gar nicht abzusehen ist, was daraus werden soll, wenn nicht den Obrigkeiten endlich die Augen aufgehen. Das ist eine fürchterliche Macht: die Leute lachen darüber, wenn ich den Mund auftue. Verbrenne ihn dir nicht! rufen die Spötter mir zu, ihr mit Blindheit Geschlagenen, die ihr euch morgens einhüllt in das Gewand der Sünde sonder Arg, und es umstrickt euch wie das Kleid der Dejaneira, ihr raset und tobt, und derweil ihr noch wähnt, frei und Christen zu sein, seid ihr Sklaven des Beelzebub.«

»Um der Gebenedeiten willen, was ist's?«

»Mein lieber Herr von Bredow, habet Ihr Euch jemals fangen lassen von der Hoffart und Sünde, dann soll's mich nicht wundernehmen. Habt Ihr auch Pluderhosen getragen?«

»Ich!« rief der Ritter. »Daß mich Gott behüte, nie tat ich meinen Leib in solches Zeug. Seht hier –« und er klopfte auf sein Leibkleid, aber der Prediger ließ ihn nicht ausreden.

»Lobet den Herrn! Wahrlich, ich sage Euch, denen, die Pluderhosen tragen, hat Gott es ins Kerbholz geschrieben zum Jüngsten Tage. Es wäre kein Wunder, wenn die Sonne plötzlich aufhörte zu scheinen, wenn es Nacht würde um Mittag, wenn die Erde nicht mehr trüge, wenn Gott mit dem Jüngsten Tage dreinschlüge wegen dieser grauenhaft unmenschlichen Kleidung. Daß ich es ausspreche, der Teufel, der Leibhaftige selbst, steckt darin. Aus der Hölle ist er gefahren, ihm ist da nicht so wohl und wonnig als in diesem Wust. Gottes Abbild, den schön geformten Menschen, hat er zu einer Vogelscheuche umgebildet, das ist sein Gaudium. O wär es das allein, dann scheute doch wenigstens die unvernünftige Kreatur davor, aber es ist wie eine Lockspeise für sie; je weiter gepufft, je greller gefärbt der Popanz ist, um so größer die Verführung. Was sind alle Irrwische gegen diese Lasterbeutel, was war die Pfeife des Rattenfängers von Hameln gegen diese umwandelnden pausbäckigen Ungeheuer der Hoffart, danach die Fante laufen, um hineinzustürzen, voll Freude, voll Wahnsinn, voll Gierigkeit, einer den andern zu überbieten. Nicht mit einem Paar zufrieden, läßt er sich zwei machen. Nur hineingeworfen, Geld, Renten, Grundstücke, ein ganzes Vermögen, was will der zeitliche Ruin eines Menschen sagen gegen seinen ewigen. Christi heiliger Rock in Trier ist ungenäht, ein Stück; darum hat der Teufel dieses Stück aus hundertmal hundert Stücken Tuches gefertigt, und tausendmal tausend Nadelstiche reichen nicht aus, so viel Stiche als die Nattern im höllischen Feuer dem unglückseligen Versessenen drunten versetzen werden.«

Der Gefangene nahm den Augenblick wahr, wo der Redner Atem schöpfte, um, was er schon längst vergebens versucht, ihm in die Rede zu fallen und sich auch hören zu lassen. Er hätte dieselbe Wahrnehmung wie der andere machen können, daß, wenn jemand von einem Dinge erfüllt ist, er im Eifer darüber nur sich sieht und hört, und was der andere vorbringt, nur hinnimmt, weil es nun einmal nicht anders geht. Soviel der ehrenwerte Herr Gottfried nun auch reden mochte von der guten, alten Sitte, lederne Hosen zu tragen, die sich an den Leib fügten, wie Gott ihn geschaffen, die das Blut kühlten, den Sonnenbrand abhielten, also von der Natur selbst dem Edelmanne zugewiesen, das nahm der Zuhörer hin, wie das Kind die bittere Arznei, um nachher ein Stück Zucker zu schnappen. Aber erst da, als Herr Gottfried gegen die Tuchkleider sich aussprach, daß von Natur Haut auf Haut und nicht Schafwolle auf Menschenhaut gehöre, daß die Gewänder aus Tuchen eine Erfindung wären, von der Habsucht und Schlauheit der reichen Bürgerherrn gemacht, um den Adel sich unterwürfig zu machen, erst da erwachte des Doktors Aufmerksamkeit, dem Redner ins Wort zu fallen.

»Das Futter, die Steppnähte, das schlampige, weiche Zeug –«

»Das ist's, das ist der Anfang«, fiel Musculus ihm ins Wort und ließ es sich nun nicht wieder nehmen. Hatte er doch seine Geschichte von der Entstehung der Pluderhosen diesmal noch nicht an den Mann gebracht. – »Der Vater war ein wohlbeleibter Mann. Ihm paßten sie so grade. Er stirbt, sein Sohn ist dünn, ihm schlumpen sie um die Beine, aber das Tuch ist schön und fein, es dünkt ihm schade; er will nichts ausschneiden, da läßt er mehr Falten hineinnähen. Die Falten warfen sich schlecht; er läßt sie aufschlitzen, mit buntem Tand füttern. Nun ist's ein Prachtkleid. Hans hat es; Peter ist so reich als Hans, soll er's nicht auch haben! Und Christian ist noch reicher; der tut zehn Ellen hinzu. Das sind des Teufels Wege auf Erden. Nun will's jeder dem andern zuvortun. Die Reichen, laßt sie verderben, steht's doch geschrieben: kein Reicher kommt ins Himmelreich. Aber auch die Armen wollen reich scheinen. Da darben sie und borgen. Immerzu, der Höllenrachen ist weit. Die Vernünftigen möchten es nicht, aber wo die Torheit herrscht, muß der Kluge den Toren spielen, damit man ihn nicht einen Narren schilt. So, mein teurer Ritter, sind wir in das Irrsal hinein, in den bunten infernalischen Mummenschanz des Beelzebub, da ist kein Herauskommen mehr; als wie in dem Venusberge wirbeln Grafen und Fürsten, Könige und Kaiser, es fehlte nur noch, daß auch der Kirche Diener in Pluderhosen an seinen Altar träte. Die Menschen, wenn es so fortgeht, werden gar nicht mehr allein diese Hosen tragen und schleppen können; wie Schleppen der Kaiser und Kaiserinnen werden Pagen und Knechte hinter jedem hergehen müssen, daß er seine Sünde und seinen Wust fortschleppe. Aber – ich habe einen Trost –«

Er schöpfte Atem, der Gefangene wollte ihn auch benutzen: »Herr Hofprediger! Gerechtigkeit muß doch auf Gottes Erdboden sein. Wenn der Kurfürst –«

»Ja, wenn der Kurfürst auf mich hören wollte«, fiel der Prediger ein, der indes den Atem geschöpft hatte. »Aber er hört nicht, er lächelt, wenn ich im heiligen Eifer spreche. So mächtig ist Satans Reich, selbst dieser fromme Fürst von seinen Spießgesellen umgarnt! Dürft ich predigen, dürft ich von der Kanzel donnern. Ich habe sie ihm vorgelesen, er fand meine Predigt gut, aber sie sei nicht an der Zeit. Was gut ist, ist immer an der Zeit. Er will sie der theologischen Fakultät zur Begutachtung vorlegen lassen. Da muß ich warten, bis die Universität an der Oder geweiht ist. Oh, der Teufel wird lachen über die Frist, die ihm geschenkt ist, er wird sie nutzen. Dann kommt es zu spät; dann kann Kaiser und Reich umsonst interdizieren, der Heilige Vater in Rom muß seine Blitze schleudern, wo vorhin die Zornworte, die der Herr einem einfältigen Priester lieh, genügt hätten.«

Was half das alles dem armen Herrn Gottfried, daß der gelehrte Hofprediger ihm seine Ansichten über die Wege des Teufels auf Erden auseinandersetzte und daß er jetzt im Stadium der Pluderhosen stecke.

»Ist denn aber gar keine Aussicht da?« – fragte er und meinte für sich, denn die Welt würde sich schon selber helfen, meinte Herr von Bredow. Der Hofprediger aber dachte nicht an den, zu dessen Trost er geschickt war, sondern an die Welt.

»Doch, eine«, antwortete er, »ich meine, damit habe sich der Hölle Macht erschöpft. Sie wütet zu toll, das ist ein Anzeichen, daß es auf die Letzt geht. So wollen wir denn zum allmächtigen Gott hoffen, daß dieser Hosenteufel der letzte sei, der noch vor dem Jüngsten Tage das seinige tun und ausrichten sollte.«

»Zum Jüngsten Tage! Soll ich denn bis da eingesperrt bleiben? Herr Doktor, was habe ich denn mit dem Erbfeind zu schaffen gehabt? Es durfte ja in mein Haus keine Pluderhose.«

»Und dann wundert Ihr Euch, Lieber, der Anfechtungen! Weshalb ist Euch Satan feind, als eben darum. Er will Euer Verderben, wie er mein Verderben will, dann ist er klüger als die Schlange. Wenn ich von der Kanzel herab sehe, daß der Kurfürst lächelt, weiß ich nicht, daß er es ist, der ihn heimlich kitzelt; wenn er die Hand vor den Mund tut, glaubt Ihr, daß ich ihn gähnen mache? Wenn ich ihn bei Hofe antreffen will, und er weicht mir aus, und ich hörte ihn einmal sagen: Ach Gott, da ist schon wieder der Schwätzer! Vermeint Ihr, daß ich ein Schwätzer bin, und Joachim ist es, der mich dafür hält? Würde der gottesfürchtige, hochgelehrte Kurfürst einen Schwätzer zum Hofprediger bestellen! Satan allein ist's, der sich jetzt in meine, jetzt in des Kurfürsten, jetzt in Eure Gestalt hüllt, der so seine Dinge wirkt, und seine Dinge sind Unfried, Gestank, Aufruhr, Finsternis, Wirrwarr und Mißverständnis, damit er im Trüben fischen kann.«

»Aber sagt doch, wie komme ich denn dazu? Wie komme ich los?«

»Ihr! – Durch Ergebung und Geduld. Wartet nur eine halbe Stunde, lieber Herr von Bredow. Ich gehe, meine Predigt zu holen. Wir wollen sie lesen von Anfang bis zu Ende. Dann, so gestärkt, wird uns der Herr ja die Wege weisen, um aus dem Irrsal Euch herauszuführen.«

Aber nach einer halben Stunde saß nicht der Hofkaplan, sondern der Dechant von Alt-Brandenburg neben dem Gefangenen und hatte eine Schrift gefertigt, welche vor ihm auf dem Tisch lag.

Herr Gottfried saß, wie die Ergebung selbst, auf dem Schemel.

»'s ist doch hart! Und daß ich das selbst unterschreiben muß.«

»Bedenkt, mein würdiger Freund, was die Märtyrer getan und gelitten. Sich selbst vergaßen sie, ich meine ihr irdisches Wohl, um die Wege des Satans auf Erden zu kreuzen und ihren christlichen Mitmenschen die zur Gottseligkeit zu bahnen.«

»Nu ja, die Märtyrer wollten Heilige werden. Die Zeiten sind doch vorbei.«

»Hier ist die Feder.«

»Hat sie wirklich sie gewaschen?«

»Drei Tage sah ich sie auf dem Trockenplatz hängen mit meinen eigenen Augen.«

»Und der Kasper! Warte! Kann sich doch kein Mensch auf keine Seele nicht verlassen.«

»Am wenigsten auf sich selbst, mein werter Freund. Wie ging es mir dazumal in Neu-Brandenburg, wenn Ihr Euch der ärgerlichen Geschichte entsinnt. Leute wollten doch einen Mann aus dem Fenster des Syndikus steigen gesehen haben, der die niedliche kleine Frau hatte. Beschrieben sie den Mann nicht grad, als wäre ich es! Und dann waren sie ihm sacht gefolgt, und er war vor meiner Tür stehengeblieben, nämlich in ihren Augen schien es so. Er hatte einen Schlüssel ausgezogen, aufgeschlossen. Die Treppen hatten sie ihn hinaufgehen hören und dann Licht gesehen in meiner Stube, die bis dahin finster war und –«

»Entsinne mich wohl«, sagte der Gefangene, »es war eine recht kitzlige Geschichte.«

»Sie ward durch die Güte des damaligen Bischofs ausgeglichen, der der Meinung war, daß in zweifelhaften Sachen man der milderen Ansicht den Vorzug geben müsse. Glaubt Ihr, daß die Zeugen, welche vor den Türen gelauscht, falsch geschworen haben?«

»Es hieß so nachher. Das geistliche Gericht hat doch –«

»Ich glaube, sie waren ganz im guten Glauben.«

»Aber wer zum Teufel war denn eingestiegen?«

»Vielleicht mein Schatten, vielleicht ich selbst. Wohl entsinne ich mich, daß ich in jener Nacht lebhaft an die arme Frau dachte. Sie hatte mir in der Beichte ihre unglückliche Lage vertraut. Mir war's, als hörte ich sie in der Nacht weinen und klagen, wer ihr Hilfe brächte gegen den rauhen, trunkenen Mann. Da wünschte ich recht lebhaft, bei ihr zu sein, sie zu trösten. Versteht mich, alles nur im Traum. Aber über unseren Träumen schwebt der Menschenfeind, er saugt den Atem ein unserer Wünsche, unserer Gedanken. Ehe wir's uns versehen, da wir im Schlaf der Freiheit des Willens entbehren, sind wir ganz ihm anheimgegeben.«

»Kann er uns auch fortschleppen, derweil wir noch in den Federn liegen tun!«

Der Dechant nickte bedeutungsvoll, indem er mit den Augen zwinkerte: »Gehen nicht die Geister der Abgeschiedenen um, derweil ihre Körper noch fast blutwarm auf dem Totenbette liegen!«

Der Burgherr von Ziatz schauderte: »Und daß unsereins nichts gegen tun kann!«

»Doch, Ritter! Wir könnten, ja wir sollten uns auch im Schlaf bewachen. Mögt Ihr Euch denn Rechenschaft geben über alles, was Ihr geträumt habt?«

»Die sieben Nächte durch?«

»Unstreitig waren die Gedanken auch im Schlafe bei dem, was Euch so wert ist. Ich meine das, was Ihr nie von Euch laßt. Ihr seid nun von der ganzen Geschichte unterrichtet, wie es Euch heimlich entwandt, wie es gewaschen wurde, wie es zwischen den Fichten hing, vom Winde geschaukelt, wie es in dem Aufruhr vergessen ward, wie der Schelm es stahl und sich mit seiner Beute auf und davon machte. Oh, die Gefühlssinne sind im Schlaf außerordentlich fein. Satan, der Euch keinen Augenblick verließ, lauschte Euch den Moment ab, wo Ihr im Traume auffuhrt, nach den Hosen grifft, auf den Schelm fluchtet, ihm nachsetztet, ihn bandet. Ihr habt's getan, ob nun im Schlaf oder im Wachen, und ich meine, Ihr habt an und für sich nichts Böses damit getan, aber vertreten müßt Ihr's als ein Ehrenmann.«

»Wer schlief denn nun in meinem Bette?«

»Weiß ich denn, wer in meinem schnarchte? Das sind so zarte Dinge, über die man nicht zuviel nachdenken muß. Hier ist der Platz zur Unterschrift.«

Der Gefangene schrieb. Daß die Buchstaben ungleich und schief waren, durfte niemand verwundern.

»Dechant!« rief er. »Mir geht's im Kopfe rum, ich weiß nicht, wie mir ist. Aber – wenn sie nur ihre Seife nicht daran gehabt hätte, dann wär auch die ganze Geschichte nicht gekommen. Ich weiß auch gar nicht, was die Frauensleute immer mit ihrem Waschen haben. Ich glaube, da steckt auch was vom Satan drin, wenn man immer alles rein haben will. Überhaupt wenn alles beim alten bliebe, dann wäre nicht so viele schwere Not in der Welt.«

»Da sprecht Ihr eine tiefe Wahrheit«, sagte der Dechant, indem er rasch das Papier gefalzt und in die Brust gesteckt hatte. Er schloß den Freund in seine Arme, und die Tür schlug hinter ihm zu.

»Warum geht's denn nicht?« fragte Herr von Bredow in die Luft. »Da steckt auch gewiß der Gottseibeiuns hinter.«

Herr Gottfried schien sich selbst zu wundern über das Selbstgespräch. Es war nicht seine Art. So reißen feste Ereignisse auch große Charaktere mit sich, wie der Sturm die Eiche, deren Wurzeln er unterspült hat. Herr Gottfried dehnte sich, hielt die Hand an den Mund und warf sich auf das Gefangenenlager, wo der langentbehrte Schlaf ihn bald tröstend für alle Störungen und Plackereien umfing.

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