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Die Hetärenbriefe des Alkiphron

Alkiphron: Die Hetärenbriefe des Alkiphron - Kapitel 40
Quellenangabe
typenarrative
authorAlkiphron
titleDie Hetärenbriefe des Alkiphron
publisherVerlag der Gesellschaft für graphische Industrie
editorFranz Blei
year1924
firstpub1924
illustratorJulius Zimpel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201309
projectidf1f06bf6
wgs9110
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Meneklides an Euthykles

. Sie ist dahin, o mein Euthykles, die liebenswürdige Bacchis, sie ist tot. Nichts als Tränen und das Andenken an die zärtliche Liebe bleibt mir von ihr zurück. Nein, niemals werde ich meine Bacchis vergessen, nie wird diese Zeit kommen! Mit welch aufrichtiger Liebe erwiderte sie die meine. Man spräche ganz recht, wenn man sie eine lebendige Verteidigung der Lebensart junger Mädchen nennen würde. Ja, sie würden meinen Beifall erhalten, wenn sie ihre Bildsäule in feierlicher Versammlung in dem Tempel der Venus oder der Grazien aufstellen würden. Ihr Beispiel bewies, daß sie die von jedermann vorausgesetzten Regeln, diese Mädchen wären boshaft und falsch, alles ziele bei ihnen auf Eigennutz, man fände durch Geschenke stets Zutritt, sie verursachten bei ihren Liebhabern alles mögliche Unglück, nichts als boshafte Verleumdungen sind. Du wirst Dich an den Meder erinnern, der aus Syrien hieher kam, mit welchem Staate er sich zeigte und wie er ihr Eunuchen, Sklaven und andere ausländische Kostbarkeiten anbot. Sie hörte den Vorschlag an und verwarf ihn. Sie begnügte sich, mein geringes und gemeines Lager mit mir zu teilen; meine sparsamen Geschenke befriedigten sie und des Satraps prächtige wurden mit Verachtung verworfen. Und wie schnöde wußte sie nicht den ägyptischen Kaufmann abzufertigen, der sich zu so einer beträchtlichen Summe erbot? Es ist unmöglich, etwas Vollkommeneres zu finden als sie. Was für einen edlen Charakter hatte das Verhängnis mit der Bestimmung einer Lebensart verknüpft, die nicht gerade die glücklichste ist? Und nun, nun stirbt sie, sie verläßt mich, Bacchis muß jetzt das einsame Grab bedecken. Grausame Parzen! War es nicht billig, daß ich auch jetzt, wie ehemals, mit ihr vereinigt ruhen sollte? Aber ach! Ich bin noch am Leben, genieße meinen Unterhalt und unterrede mich mit meinen Freunden! Nun wird sie mich nicht mehr mit ihren holden Augen lächelnd anblicken, nicht mehr in sanfter Vertraulichkeit die Nächte mit jenen reizenden Scherzen zubringen. Erst neulich noch, Himmel! Welche Sprache, welche Blicke! Welche bezaubernde Reize beseelten ihren Umgang! Was für ein süßer reiner Nektar lag in ihrem Kuß. Ich glaube, die Göttin der Überzeugung selbst hatte zuäußerst auf den Lippen ihren Wohnsitz auf geschlagen. Ganz umgab sie der Gürtel der mächtigen Venus, welche sie vor allen Grazien begleitet, in sich begriff. Sie sind dahin, die kleinen Lieder, die sie beim Schmaus sang; die Leier, welche ihre Finger, dem Elfenbeine ähnlich schlugen! Sie, die alle Herzen schätzten liegt nun als gefühlloser Stein, liegt als Asche begraben. Die niederträchtige Megara, deren ausschweifenden Räubereien den unglücklichen Theagenes aus einem sehr schönen Vermögen so weit gebracht, daß er die Waffen ergreifen und in den Krieg ziehen mußte, die lebt, und Bacchis, die ihrem Geliebten zärtlich getreue Bacchis, stirbt. Liebster Euthykles, die Klagen, die ich Dir ausschütte, haben mir das Herz etwas leichter gemacht. Von ihr zu reden und zu schreiben, ist für mich Wollust; denn nichts bleibt mir von ihr als das Erinnern. Lebe wohl.

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