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Die Hetärenbriefe des Alkiphron

Alkiphron: Die Hetärenbriefe des Alkiphron - Kapitel 39
Quellenangabe
typenarrative
authorAlkiphron
titleDie Hetärenbriefe des Alkiphron
publisherVerlag der Gesellschaft für graphische Industrie
editorFranz Blei
year1924
firstpub1924
illustratorJulius Zimpel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201309
projectidf1f06bf6
wgs9110
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Myrrhina an Nikippe

. Diphilus bezeigt sich gegen mich ganz kalt; seine Neigung ist nur mehr der nichtswürdigen Thessala gewidmet. Bis zum Adonisfest besuchte er mich noch von Zeit zu Zeit, um mit mir zu speisen und die Nacht zuzubringen, allein schon damals äußerte er ein empfindliches stolzes Wesen und verlangte eine besondere Aufmerksamkeit. Meistens kam er dann betrunken und in Begleitung des Helix, der sich die Zeit bei mir vertreiben wollte, da er in Herpyllis verliebt war. Jetzt aber macht er gar kein Geheimnis mehr daraus, daß er den Umgang mit mir aufgeben will. Seit vier Tagen zecht er schon in Lysis Garten mit Thessalen und dem verzweifelten Strongylion, der aus einem gewissen Groll gegen mich ihn mit dieser neuen Geliebten bekannt gemacht hat. Meine Briefe, das Hin- und Widerschicken der Sklavinnen, alles war umsonst. Ja, ich glaube sogar, daß sie seinen Stolz und seine Lust, mich zu beschimpfen, noch vermehrt haben. Mir bleibt nur übrig, die Tür zu verschließen und ihn ganz unerbittlich abzuweisen, wenn er wieder die Nacht bei mir zubringen will, falls es ihm einfallen würde, sich mit Thessalen zu entzweien. Gewöhnlich bändigt Verachtung den Übermut. Ist aber das vergeblich, so muß ich, wie bei einer heftigen Krankheit, ein stärkeres Hilfsmittel gebrauchen. Denn das wäre zu arg, nicht nur den Gewinn, den ich von ihm hatte, zu verlieren, auch noch Thessalen zum Gelächter dienen. Du hast, sagtest Du mir einmal, einen Liebestrank, der Dir früher oft geholfen hätte. So ein Mittel werde ich jetzt auch gebrauchen, um seinen allzu großen Stolz und seine Neigung zum Trunk ganz bei ihm auszurotten. In richtige Friedenstraktate will ich mich mit ihm einlassen und auf sehr überredende Weise weinen. Die Rache des Himmels würde ihn treffen, wenn er mich, seine zärtliche Geliebte, so verachten würde, und andere solche Ausdrücke will ich ausdenken und anbringen. Hierauf wird der Boshafte mit einer vornehmen Miene kommen – er wird zu erkennen geben, meine heftige Liebe gegen seine Person erweichte ihn.

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