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Die Hetärenbriefe des Alkiphron

Alkiphron: Die Hetärenbriefe des Alkiphron - Kapitel 38
Quellenangabe
typenarrative
authorAlkiphron
titleDie Hetärenbriefe des Alkiphron
publisherVerlag der Gesellschaft für graphische Industrie
editorFranz Blei
year1924
firstpub1924
illustratorJulius Zimpel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created201309
projectidf1f06bf6
wgs9110
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Petala an Simalion

. Wahrhaftig, das wünschte ich noch, daß ein Mädchen die Ausgaben mit Tränen bestreiten könnte! Prächtig würde ich dann leben, denn Du würdest mir, das weiß ich, einen reichen Vorrat davon gütigst überlassen. Aber leider! brauchen wir Geld, Kleidung, Schmuck und Sklavinnen, die ganze Einrichtung unserer Lebensart hängt von diesen Dingen ab. Ich besitze kein Erbgut in Myrrhinus, ich habe keinen Anteil an den Silbergruben, bloß kleine Geschenke und die Freigebigkeit unbesonnener Liebhaber, eine Sache, die oft erst nach vielem Jammern und Seufzen erworben wird, machen meinen Reichtum aus. Schon seit einem Jahr befinde ich mich in Deiner Gesellschaft voll Verdruß. Mein Kopf ist vom Putz entblößt, diese ganze Zeit über hat er keinen Balsam mehr gesehen, und in diesem alten, groben Tarentinischen gehe ich meinen Freundinnen zur Schande herum. Und Du glaubst trotzdem, daß ich bei Deinem Umgang immer meinen Unterhalt finde? Weinst Du? Sei versichert, es soll nicht lange währen. Ohne einen Liebhaber, der mich beschenkt, müßte ich einfach Hunger leiden. Wie wenig Mitleid verdienen Deine Tränen. Mächtige Venus! Du liebst, sagst Du, und wünschest Deine Geliebte zu besitzen; ohne sie wäre es Dir unmöglich zu leben? Nun, mein Freund, sind denn keine Becher in eurem Hause? Kannst Du der Mutter kein Geschmeide, dem Vater kein eingegangenes Geld entwenden? Wie glücklich ist Philotis! Die Grazien haben sie mit holden Augen angeblickt, welch ein Liebhaber ist ihr Menekeides, der ihr jeden Tag ein neues Geschenk macht! Das ist besser als weinen. Ich Arme, ich habe keinen Liebhaber, sondern einen Leichensänger, der mir Kränze und Rosen schickt wie dem Grabe einer jungen Braut und mir versichert, daß er die ganze Nacht geweint habe. Kurzum, kannst Du mich beschenken, so komm und spare Tränen, wo nicht, so behalte Deinen Kummer für Dich und belästige mich nicht damit.

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