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Die heiligen Reiher

Hilda Bergmann: Die heiligen Reiher - Kapitel 64
Quellenangabe
authorHilda Bergmann
titleDie heiligen Reiher
publisherKrystall-Verlag
printrunZweite Auflage
year1933
correctorreuters@abc.de
senderAdolf Weishäupl
created20180525
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Der Bildhauer

Nichts war vorher als leerer Raum und Stille,
formloses Erz und unbehau'ner Stein.
Da sprang ein Funke auf, – ein Schöpferwille
griff in das Chaos, wo in nächt'gen Tiefen
Lichtgötter schlummerten, Dämonen schliefen,
und zwang die Widerstrebenden ins Sein.

Kampf war's mit flieh'nden Schatten und Gedanken,
ein Ringen war es oft von Mann zu Mann.
Erst als vom warmen Blut die Geister tranken,
da ballten sich die Nebel zu Gestalten,
da wurde Form aus schweifenden Gewalten
und Ungebornes war im Menschenbann.

Jetzt recken weiße Glieder sich ins Schweigen,
die Luft ist schwer von steingewordnem Schrei
und hell von Leibern, die dem Nichts entsteigen.
Aus Marmorunbewusstheit dämmert Regung
und steigert sich zu Leben und Bewegung
und wird zum Strom - und fließt doch nicht vorbei.

Erstarrte Anmut spiegelt sich im Lichte,
die rohe Masse atmet Glut und Geist
als eine Offenbarung der Gesichte,
um die des Meisters Wunsch durch viele Nächte
eintauchend in geheimnisvolle Schächte,
mit immer heißerm Flügelschlag gekreist
dem strengen Gotte zu, der Schaffen heißt.

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