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Die heiligen Reiher

Hilda Bergmann: Die heiligen Reiher - Kapitel 60
Quellenangabe
authorHilda Bergmann
titleDie heiligen Reiher
publisherKrystall-Verlag
printrunZweite Auflage
year1933
correctorreuters@abc.de
senderAdolf Weishäupl
created20180525
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Der letzte Gesang

Ihr, Unsterbliche, habt mich erhoben
über viele; denn ihr gabt mir Flügel,
aus der Elemente Kampf und Toben
zu entfliehen in eure heitren Hügel.
Ihr, Unsterbliche, habt mir gegeben,
was ihr euren Lieblingen nur spendet:
Tausendfach gesteigert reiches Leben,
das auf seinem Gipfel jählings endet.

Was ich leiden musste, liegt im Fernen:
Aller Höllen Gründe zu durchschweifen,
mich und andere verachten lernen,
nur um euren Willen zu begreifen,
in der Leidenschaften schwere Wogen
einzutauchen, – lieben, – fürchten, – hassen
müssen und durchs Menschliche gezogen
werden, um das Göttliche zu fassen …

Langsam senken sich die Nebel nieder,
die den freien Ausblick mir verhangen,
jauchzend fühl' ich Stirne, Augen, Glieder
von dem neuen Himmelslicht umfangen.
Und ich seh', wie sich die Fäden lösen,
die mich noch mit dieser Welt vereinen.
Jenseits von der Erde Schattenwesen
wird mir ewig eure Sonne scheinen.

Meines Lebens goldne Früchte reifen,
meine Opferflamme ist entzündet
und die leichtbeschwingten Füße streifen
nur den Boden, der sie nicht mehr bindet.
Aus den Saiten der verstummten Leier
rauscht ein Lied mit dunklem Fittig auf:
Nehmet, ew'ge Götter, hin, was euer!
Nehmt, Unsterbliche, mich gnädig auf …

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